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Full text of "Manuscripte des Mittelalters und späterer Zeit: Einzel-miniaturen(reproduktionen)."

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qq&d&d:&dqqqqqqqqqq Katalog 330 

anuscripte 

des ]Mittelalter9 und fpäterer Zeit 
6inzel-]Mtiitaturen « Reproduktionen 




Jilit 2S €afeln 




Karl ^* r)ierfeniann <bd Ceipzig 

BtttbbSndlcr und Hntiquar SD Königettrafee 3 OD 1906 
Ctlc(r.-Hdr.: Bucbbandluns nfcrrcmann, Ccipzig. Cdcpbon: 117s 



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M«rk. 



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Vorwort. 

Der Katalog, den ich hiermit dem Publikum übergebe, ist der erste in seiner 
Art, welcher aus meinem Hause hervorgeht Er unterscheidet sich von den 
früheren dadurch, daß er ausschließlich Handschriften, mit und ohne Miniaturen, 
daneben natürlich auch Reproduktionen von solchen aufführt Die Reichhaltigkeit 
und die Mannigfaltigkeit des hier zusammengestellten Materials nach Inhalt und 
Form, Ursprung und Zeit wird niemandem entgehen, der diesen Katalog auch 
nur durchblättert. Im Vordergrunde steht das Mittelalter der verschiedenen Lander 
vom X. bis XV. Jahrhundert, mit seiner zur Kunst ausgebildeten Schrift und jenen 
in Miniaturen, Bordüren- und Initialen-Schmuck prangenden Pergamenten, gegen 
welche auch die anspruchsvollste Buchausstattung unserer Tage ärmlich erscheint 
An diese umfangreiche Gruppe teils geistlichen, teils weltlichen Inhalts, welche 
in künstlerischer Hinsicht durch die reiche Miniatur- und Initialen-Sammlung in 
Einzelblättem (No. 221 ff.) wesentlich ergänzt wird, schließen sich Handschriften 
vom XVI. Jahrhundert an, historischen oder geographischen, diplomatischen oder 
literaturgeschichtlichen Inhalts, sowohl zusammenhängende Hss., wie Urkunden 
und Kollektaneen. Die slavische Welt, die orientalischen Sprach- und Länder- 
Qebiete sind durch interessante Manuscripte in Pergamentrollen und in Buchform 
vertreten. Auch hier ist auf das umfangreiche Bildermaterial in Illustrationen 
und in selbstständigen Original - Malereien hinzuweisen, dessen rechte Inter- 
pretation und ästhetische Würdigung dem künftigen Besitzer überlassen bleibt, 
gleichwie die wissenschaftliche Ausbeutung der vielen unedierten Texte. Den 
Sammler auf militärischem und auf nautischem Gebiete interessieren die unter 
No. 207 ff. mitgeteilten Hss., Karten und Zeichnungen; den Musikforscher die 
altkirchlichen Chorbücher und die Liedersammlungen späterer Jahrhunderte, ab- 
gesehen von Keimelien wie No. 188 oder No. 189; der Kulturhistoriker nicht 
minder als der Paläograph wird in vielen Kapiteln reiche Ausbeute finden. 

So glaube ich, daß meine Sammlung den verschiedensten Studiengebieten, 
den Interessen des Liebhabers, wie des Gelehrten in gleichem Umfange gerecht 
wird. Sämtliche Nummern halte ich zur Übersendung, auch ansichtsweise, bereit 

LEIPZIG 

November 1906. 

KARL W. HIERSEMANN. 



1S3739 



Preface« 

The present catalogue is the firet of its kind whicfa I bring to the notice 
of ifae public Dhreigently from my previous catalogues, it contains only manu- 
scripts, partly with miniatures, and — of course — reproductions of same. 
A cursoiy inspection will show its richness and varieiy and the following lines 
may give an idea of its contents. The most notable place in it occupy 
medieval manuscripts of the X^ to the XV^ centuries, calligraphically written 
and richly decorated with miniatures, borders and Initials fai the splendid style 
of those times, which has not hitherto been attained: a dass which in artistic regard 
has a oonsiderable complement in the separate leaves with miniatures and faiitials, 
enumerated under No. 221 sqq. There are further a great many valuable manu- 
scripts of the XVI th to the last centuiy, also documents and oollectanea, bearing 
on historical, geographical, diplomatic and literaiy subjeds. Other pieces are 
written in oriental languages or in Russian or regarding the Slavonian ooncem, 
both in form of books and rolls, some of them richly illustrated; besides a 
quantiiy of oriental paintuigs on separate leaves. The explanation and esthetic 
appredation of this pidorial material, as well as the utilisation of the numerous 
unpublished texts is reserved to the acquirers of these treasures. — Students 
of militafy and nautical matters will find numerous faiteresting writhigs, maps 
and drawings. The medieval antiphonaries and song-books of the subsequent 
thnes apply to the connoisseurs of music — not to speak of dmdies like n. 
188 or n. 189. There are finally numerous pieces in all parts of the catalogue 
whicfa wiU fumish valuable materials to the study of costumes and of palaeo- 
graphy. I use therefore no language of exaggeration when I say that amateurs 
of art as well as students of neariy all brancfaes of knowledge wiU be interested 
in this catalogue. 

On demand I am ready to send any of these works for examination. 

LEIPZIG 

November 1906. 

KARL W. HIERSEMANN. 



Pr^face. 

Le catalogue que j'ai l'honneur d'offrir au public est le premier de son 
genre qui sorte de ma maison. U se distingue des pr6c£dents en ce sens qu'il 
traite exdusivement de manuscrits, avec ou sans miniatures, ou de reproduc- 
tions de manuscrits. La richesse et la vari6t^ de la collection qui s'y trouve 
annonc6e n'^chappera inline pas ä qui se contentera de le parcourir. Cette 
collection se compose d'abord d'une grande quantit^ de manuscrits du moyen- 
ftge — X« au XV« si^de — , de texte sacr6 ou profane, calligraphiquement toits 
et dto>i^s de miniatures et d'omements, dans un style si somptueux que nos 
plus jolies publications modernes ont ä cöt^ d'eux comme un air de pauvret^; 
de nombreuses miniatures et initiales sur feuilles d^tach^es complMent cette 
s6rie (nos. 221 et suiv.). Puis vient un certain nombre de manuscrits des 
XVI« si^de et suivants, historiques, g^ographiques ou litt6raires; documents, 
chartes, etc. Pour ce qui conceme la litt6rature slave et l'orient en g^n^ral, on 
trouvera id toute une s6rie de rouleaux de parchemin et de livres manuscrits; 
plusieurs d'entre eux sont illustres; beaucoup de peintures orientales s6par^es 
sont ä y joindre. II est 6vident que la juste appr^dation des peintures et des 
textes in^dits qui sont d^crits dans ce catalogue est laiss^e tout enti^re au soin 
du futur acheteur. L'amateur de choses militaires et maritimes verra id des 
dessins et des cartes propres ä Fint6resser (nos. 207 et suiv.), le musiden, de 
vieux antiphonaires, des choix de chansons ainsi que des pi^s rarissimes (nos. 
188 et 189), enfin Thistorien n'y trouvera pas moins de riches mat^riaux que 
le pal^ographe lui-m6me. 

C'est ainsi que j'ose esp6rer que ma collection exdtera I'attention des 
amateurs et des savants aux titres les plus divers. 

Les num^ros annonc6s peuvent §tre aussi envoy6s en communication. 

LEIPZIG 

Novembre 1906. 

KARL W. HIERSEMANN. 



Inhalt 

Sdte 

Manuscripte deutschen Ursprunges. 

X.— XV. Jahrhundert 1 

XVI.— XIX. Jahrhundert 18 

Manuscripte englischen Ursprunges. 

XIV. Jahrhundert 27 

XVII.-XVIII. Jahrhundert 28 

Manuscripte französischen Ursprunges. 

XIII.— XV. Jahrhundert 29 

XVI.— XVIII. Jahrhundert 58 

Manuscripte italienischen Ursprunges (inbegriffen lateinische 
Manuscripte). 

XII.— XV. Jahrhundert 59 

XVI.— XVIII. Jahrhundert 70 

Manuscripte niederiändischen Ursprunges. 

XIV.— XV. Jahrhundert 80 

XVI.— XVIII. Jahrhundert 82 

Manuscripte slavischen Ursprunges und solche, die auf slavische 
Länder, besonders auf Russland Bezug haben. 

XVII.-XIX. Jahrhundert 83 

Manuscripte spanischen Ursprunges. 

XIV.— XVIIl. Jahrhundert 88 

Manuscripte byzantinisch-griechischen Ursprunges. 

XIII. Jahrhundert 94 

ORIENT. 

A. Manuscripte orientalischen Ursprunges. 

XIII.— XIX. Jahrhundert (europäischer Zeitrechnung) 95 

B. Persische und indische Original-Malereien. 

XIII.— XIX. Jahrhundert 115 

Musik-Manuscripte. 

XIV.— XIX. Jahrhundert 136 

Manuscripte militärischen oder nautischen Inhalts: Portulan- 
karten etc. 

XVI.-XVIII. Jahrhundert 154 

Miniaturen und Initial-Malerei in Einzelblättem. 

XI.-XV. Jahrhundert 163 

XVI.-XVII. Jahrhundert 181 

Facsimile-Reproduktionen von Handschriften 182 

Handschriftenkunde (Palaeographie), Schreibkunst, Handschriften- 
verzeichnisse 193 

Einige seltene Pergamentdrucke 208 

Nachtrag 209 




Karl W. Hiersemann 

^ BUCHHÄNDLER UND ANTIQUAR ^ 

KÖNIOSSTRASSE 3 LEIPZIG KÖNIOSSTRASSE 3. 



BHte tun gütige Weitersrabe 
dieses Kataloges an Bücher- 
kiufer, oder Mitteilung ihrer 
Adressen. 



noKopHtfinxe npomy nepe- 
AATb 3TOT'& BaTajxori» no npo* 
oMOTptniH aeasoMOMy hsh 
coo6ii;HTb MBlk aApeozi zizi^'b, 
nBTepeoyx>xi;nzofl SHHraMH. 



Kindly hand this Catalogne 
over to a bookbuying friend 
after pemsal, or let me know 

eeoeeeee addresses. eoeooooe 



SapUcandohagandrcuIaresteCatälofi:o entre los Bibliö- 

fUos, agradecer^ me envien las Direcdones de los que 

gustaren redbirlo avisindome al mismo tiempo, soore 

cnil ramo de arte 6 denda desean informarse. 



Vons m*obIigeiiez beaacocp en faisant 
drculer ce catalogne parmi ceux de vot 
Is qui redierchent des Uvres on en 
me laisant pari de leur adresse. 



Manuscripte deutschen Ursprunges. 

X.— XV. Jahrh. 

1 Biblia latina: Libri R^^um I— IV. Lateinische Pergament- 
handschrift in Fol. aus dem XIII. Jahrh. 182 doppelseitig beschr. 
Blätter mit 5 großen und 4 kleinen Initialen. In altem Leder- 
bande (XVIII. Jahrh.) mit Aufdruck: „libri Regum". 460.— 

Die 30^8 X 20^8 cni große, mit kurzen Einleitungen d. Hieronymus ver- 
sehene Handschrift ist in kräftiger gotischer Minuskelschrift meist in 3 Ko- 
lumnen (stellenweise auch 2 u. 1) geschrieben und von einem Interlinear- 
u. Marginal-Kommentar begleitet 

Der verhältnismäßig wenigen Abbreviaturen des Textes nach gehört 
das Manuscript in das XIII., vielleicht schon XII. Jahrh. 

Für dies Alter sprechen auch die großen Initialen, die in ihrer eigen- 
tümlichen eckigen Form und Ausführung (besonders des P) denen der 
beiden Wiesbadener u. Heidelberger „Scivias-Handschriften" 
ähnlich sind. (Wende des XII./XIII. Jahrh.). 

Eins der Klöster des Oberrheins dürfte daher als Entstehungsort 
auch dieser Handschrift anzusehen sein. Die 5 großen sehr schönen 
Initialen V. P. P. E. P. zeigen hellbraunen Kern, der von farbenreichen, 
arabeskenartigen Ornamenten, stilisierten Blumen (mit weißen Linien um- 
sponnen) gefüllt ist; goldene Linien schließen den Buchstaben ab, der auf 
eckigem, blauem Grunde steht Charakteristisch für die Initialkunst des 
Oberrheins sind diese eckigen Buchstaben, deren Ausläufer in Schlangen- 
leiber übergehen. 

Die 4 kleinen Initialen heben sich mit goldenem Kern, ebenfalls farbig 
gefüllt, von blauem oder braunem Grunde ab und haben goldene Ausläufer. 

Viele kleine, rote u. blaue Anfangsbuchstaben zieren den Text, von 
dessen Zeilenköpfen Randschnörkel u. Ausläufer in blauer u. roter Farbe 



Karl W. Hiersemann in Leipzig« Königsstrasse 3. Katalog 330. 



2 Manusaipte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh. 

sowohl in freien Stellen des Textes, als auch zum unteren Rande sich 
hinziehen. 

Das Pergament enthält viele gestopfte u. ungestopfte Lödier. 

Unter dem „Explidt liber Regum'* ist auf dem letzten Blatte ein Stüdc 
leeres Pergament herausgeschnitten. 

Die Erhaltung der Handschrift ist vorzuglich. 

2 Bvangeliarii lat. codex membr. Saec. X. Fol. Verkattft. 

Vgl. die Abbildung Tal. 1. 

Handschrift auf Pergament, 33 cm hoch, 24 cm breit 198 Blatt ä 26 Linien, 
mit reichem weißem Rand, rot rubriziert, staunenswert schön geschrieben. 
Die prächtige Ausstattung beweist, daß die Hs. für e. reiche Kirche oder 
hochgestellte Persönlichkeit hergestellt sein muß. Evangelien-Handschriften 
aus dem 10. Jahrh., wie diese, kommen kaum jemals im Handel vor. 
Daß sie nidit absolut vollständig ist, d. h. nicht Alles enthält, was der 
Schreiber geschrieben oder der Illuminator gemalt hat, ist bedaueriich; 
es wäre aber bei dem ein Jahrtausend erreichenden Alter der Reliquie fast 
ein Wunder zu nennen wenn es anders wäre. Im Beginn fehlen einige 
wohl den Brief des Eusebius an Carpian enthalt Blätter und die erste 
Seite der Canones- Tafeln; von Canon I. Matth. 284 — Joh. 63 an sind 
die librigen Tafeln, 6 Blatt, vollständig; diese 6 Blatt sind beiderseitig 
prächtig in Miniaturmalerei, Farben, Oold u. Silber, in 5, 3 u. 4 Bogen- 
hallen eingeteilt, mit immer wechselnden Farben, omamentalem Stabwerk 
u. Säulenschmuck und haben außerdem zweizeilige Überschriften in Oold- 
u. Silbermalerei. Das nächste El. 7 zeigt die reichverzierte Initiale P; 
Blatt 10 „praefatio Hieronymi'* beginnt mit e. schönen in Oold u. Farben 
mit Vogelomament geschmückten Initiale B. Die Vorderseite von Blatt 11, 
vor welchem einige Blatt fehlen, ist ausgefällt durch das wundervoll auf 
Purpur in Oold- und Silber- Umrahmung in geistreicher Verschnörkelung 
ausgeführte Wort „über**, worunter in Silber das Wort „generationis*' steht; 
ein Kabinetsstück der Miniaturmalerei. Auf Bl. 158 gestaltet sich die 
künstlerische Initiale J zu einer Randleiste über die ganze Seite, ebenfalls 
farbig, mit Oold und Silber gehöht Der Text des Evangeliums 
Matthäi u. des Evangeliums Johannis ist vollständig, während 
bei Markus u. Lukas je das 1. Bl. (1, 1 — 11 bei Mark., 1, 1 — 10 
bei Luk.) fehlen, und bei Lukas das Schlußblatt Blatt 199 enthält das 
Capitolare Evangeliorum bis z. Samstag der 4. Woche nach Theophania; 
das letzte Blatt fehlt Aber nicht nur auf dem Altertumswert, sondern 
ebenso sehr oder noch mehr auf dem Texte beruht die eminente einzig- 
artige Bedeutung der Handschrift Das bestätigt eine Vergleichung, die 
Professor Eb. Nestle zum kleinen Teil angestellt hat; vgl. „Zeitschrift für 
neutest Wissenschaft", 4. Jahrg. 1904, p. 175, als Stichprobe für die Wichtig- 
keit der Hs.: sie bietet Lesarten, die bei Wordsworth-White noch gar nicht 
vertreten sind; eine andere Reihe von Lesarten, die dort nur von einer 
einzigen Hs. bezeugt sind, werden durch die meinige bestätigt Aus ver- 
schiedenen Untersuchungen ist nachgewiesen, daß meine Hs. mit keiner 
der durch Wordsworth-White bekannt gewordenen Handschriften oder 
Klassen geht; sie nimmt eine neue, originelle Stelle ein; sie verdient im 
Interesse der Wissenschaft überhaupt, wie der Bibelforschung und ihres 

Karl W. Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330* 



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Manuscripte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh. 3 

Textes insbesondere eine vollständige Vergleichung, die bei ihrer schönen 
ungemein deutlichen musterhaften Mönchsschrift und sonstigen Erhaltung 
das reinste Vergnügen wäre, eine Arbeit mit ihren hohen wissenschaft- 
lichen Resultaten, welche ich selbstverständlich dem Käufer und künftigen 
glücklichen Besitzer aufspare. 

Nicht zu übersehen sind die Spuren von figüriicher Federzeichnung am 
Rande von Bl. 9, welche von dem Schreiber hinweggewaschen wurde; 
man bemerkt in lebhafter Bewegung den Oberteil einer, wie es scheint, 
unbekleideten Jünglingsfigur. Was den sehr gut erhaltenen Buchschmudc 
selbst betrifft, so sind als Farben verwandt — jede in mehrerlei, oft ganz 
matten Abtönungen — blau, grün, grau, gelb, zinnober- und weinroi Die 
Bogen-Architektur mit den eingeschriebenen Canones, eine besondere Zier 
der Bibeln der Karolinger- und Ottonen- Epoche, zeigt als Kapitale bald 
Blattwerk, bald Vögel oder menschliche Köpfe; die Basen und Sockel 
mehrfach gegliedert; einige Säulenschäfte umwunden, andere nur der Länge 
nach in mancherlei Weise und Farbe gestreift; ganz apart Bl. 1, S. 1; die 
Marmorierung u. Äderung der Basen wird überall betont Übrigens teilt 
sich auf Bl. 4 der letzte Bogen zu einer Art hohen romanischen Doppel- 
fensters, während auf Bl. 5, S. 2 die letzten Bogen mit Unterabteilung 
(tieferem Stockwerk) versehen sind. Das prachtvolle, die Seite füllende 
farbige Omamentfeld mit starkem Rahmen und Edc-Verknotungen, der 
bezeichnende Buchschmuck für das ganze letzte Drittel des ersten Jahr- 
tausends, hat hier weinroten Orund, den Rahmen in verschiedeneriei Orün 
und etwas Stahlblau gestreift, außen von Silber-, innen von Ooldleiste ein- 
gefaßt; die innere durchbricht die vier Ecken und bildet dort ein Oeriemsel, 
wie es sonst die Bandgeschlinge tun, erweist sich aber als ein Mittelding 
zwischen knorrigem Oeäst und Bandwerk. In dem gleichen Stil hält sich 
das herrliche Initialwerk im Innern (mit blauem u. grünem Orund), sowie 
in den sonstigen Initialen, welche die Hs. zieren. Höchst interessant sind 
natüriich die großen Vögel in dem B (Bl. 10), die wie junge Reiher aus- 
sehen; sie stehen auf grünem Orunde, den das Buchstabengerüst mit 
Ooldstreifen und Zinnoberrot (nebst silbernen Knoten) umschließt; die 
Wirkung wird noch erhöht durch die Oold-Strichelung des Oefieders, 
welches übrigens weiß auf grau gehalten und mit etwas Schwarz abgesetzt 
ist; die Schnäbel rötlich. 

Auf Bl. 107 schrieb eine ungeübte Hand i. J. 1794 folgendes: Anno 1794 
den 5. octobris seynt die Francosen in Dansweiler gekommen und haben 
alles geblündert; und auf der vorangehenden weißen Seite dieselbe Hand: 
Anno 1794 den 5. octobris seynd die Francosen in Dansweiler kommen 
und haben alles geblündert, und den 7. octobris seynd 11 regementer reuter 
und Draoner in den Walt gekommen und den 20. octobris außgezogen 
und in die Kantenierung gelegt worden aufs hintere Mansten (?) gegen 
Bolheim, Pommeler (?) Buschbell (= Bouchebelle?) hüchlen sprechen 
bachlien (= parlent?) gleiel. — Die Ortschaften, durch Dialekt noch ent- 
stellt (so wahrsch. Thann*s oder Tann's Weiler), sind schwer aufzu- 
finden (vgl. a. Nestle a. O.). Nach dem damaligen Stande der frz. 
Revolutionsarmee müssen sie am 1. Rheinufer südl. von der Mosel ge- 
legen haben. 

Karl W« Hicrsemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330« 



I M(umscripte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh. 

Die auch ohnehin als deutsche Arbeit kenntliche Miniatur-Hs. muß sich 
hiemach als ein altehrwürdiges Besitzstück schon lange am Oberrhein be- 
funden haben und könnte vielleicht dort selbst entstanden sein. 

3 FugTCr's Gebetbuch. Deutsches Gebetbuch eines Mitgh'edes 
der Augsburger Patricier- Familie Fugger. Pergament- Hs. des 
XV. Jahrh. 257 Bl. mit 20 großen Miniaturbildem, z. Tl. auf 
Goldgrund, 4 großen farbigen Initialen, davon 3 auf Goldgrund 
mit reichem Randschmuck, außerdem blauen u. roten Schrift- 
und Randverzierungen das ganze Buch hindurch. Schöne 
gotische Schrift, lözeilig zwischen scharf gezogenen rötlichen 
Linien. Eintragungen aus verschiedenen Epochen, die letzten 
1750 — 1888 auf angebundenen Papierblätterti von den schweizer 
Familien Lehner u. Heimberg in Ober- Steinach u. Rorschach, 
Canton St. Gallen. Der Einband, von 1700 spätestens, Holz- 
deckel von schwarz. Leder überzogen, mit etwas Goldpressung, 
mit Metall-Schließen, ist an den Rändern beschädigt; das Manu- 
script selbst — abgesehen von einigen Gebrauchsspuren — in 
vorzüglichem Erhaltungszustand. Bl. 138 u. vor Bl. 1 ist je ein 
Bild ohne Text entfernt worden. Format 12^. 1680.— 

Inhalt: Vorne Wappenblatt der Fam. Fugger mit einer Heiligen (ägypi 
Maria?) in härenem Oewande. Dann ein Kalender mit großen verzierten 
Kopftiteln, abwechselnd blau u. rot; manche Tage leer gelassen, ohne 
Heiligen-Namen. Dieser Teil u. das Register am Schluß sind nidit ein- 
begriffen bei der alten Paginierung, die in charaktervollen (roten) Ziffern 
sorgsam, wie alles in der Hs., ausgeführt sind. Bilder zum Text, je eine 
Seite einnehmend: Fol. 70: Christi Himmelfahrt; 90: Kirche mit Friedhof, 
Einsegnung eines Toten durch d. Priester; 147: Inneres einer Kirche (im 
Stil der vorigen) mit St Oregorius, der vor dem Altar kniet; dahinter die 
Christus-Erscheinung; 149: die H. Katharina; 151: die H. Barbara; 157: die 
H. Margaretha; 161: der H. Wolfgang, mit Beil u. Kirche; 162: St. Lien- 
hard, Mönch mit Ketten u. Schloß; 163: St Sebaldus („Sebolt"); 164: 
St Sebastian; 166: Christus u. Philippus; 168: St. Erasmus; 169: die 
H. Apollonia; 171: die H. Ottilia, als Nonne; 173: oben in halber Figur, 
aus Wolken hervorragend, Christus, Maria u. d. Heiligen, unten Landschaft 
mit Bergen u. Stadt- Andeutung; 174: Erzengel, wohl Michael, mit Schwert 
U.Wage; 176: Schutzengel, eine Seele aus der Hölle emportragend; 178: 
die H. Helena; 182: Crucifixus, Mater dolorosa, Johannes. — Gewöhnlich 
ist der untere Teil des Grundes (als Terrain) grün gehalten, der obere 
vergoldet auf rotem Untergrund. Von den Bildern mit natüriichem Hinter- 
grunde, wo dann Ooldumrahmung eintritt, betrachtet man namentlich 
F. 164 mit Vergnügen. Der jugendliche Sebastian, mit rotem Barett auf 
dem blondlockigen Haupte u. goldenem Nimbus, trägt einen bis an die 
Füße reichenden, pelzveiträmten blauen Rock, in den Händen sein Attribut, 
das Bündel Pfeile. Er steht auf grünem, leicht gemustertem Fußboden. 
Hinter ihm Architektur in etwas ziegelfarbenem Rosa, niedrige Mauer mit 
weiter Säulenstellung, durch welch' letztere hindurch man in die freie Land- 
schaft blickt; grünes Terrain, blau und weiße Berge, ebensolcher Himmel. 

Karl W* Hierseaiafm in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330. 



Manuscripte deatsthen Ursprunges. X.-XV.Jahrh. 5 

— Die farbigen Initialen Fol. 1, 71, 91, gänzlich auf Goldgrund, haben im 
Gerüst welliges, leicht gerolltes Blattwerk mit Schattierung und schraffierten 
Lichtem, den Rahmen nach zweierlei Hauptfarben (mit Abtönungen) 
geschieden, ein Verfahren, das auch bei den obigen Miniaturen wahr- 
zunehmen ist Die schweren stilisierten Ranken an den linken u. unteren 
Buchrändem bekunden in der Bewegung nicht minder wie im Wechsel 
der Farben (immer mit Gold dazwischen) den besten Stil der spätmittel- 
alterlichen deutschen Buchmalerei. Die hübsche große Initiale Fol. 139 in 
blau u. rot, weiß abgesetzt, mit grün und rot ornamentierten Querstreifen 
im Innengrunde und den roten Randschnörkeln gehört dem Schreiber und 
damit einer andern Entwickelungsreihe an. — Von den Eintragungen 
stammt nur das Gebet auf den überschüssigen Pergt-Blättem ungefähr 
aus gleicher Epoche wie das Ms. selber. Dieses unzweifelhaft Fugger sehe 
Autogramm, 22 Seiten, welches natürlich ganz besonders interessiert, wäre 
noch mit anderweitigen Dokumenten zu vergleichen. 

4 Johann von Gmunden (de Gamundia), Professor u. Dekan 
a. d. Wiener Universität, geb. in Gmunden um 1380, gest. in 
Wien 1442. Deutscher Kalender. Am Schlüsse: Der Kalender 
ist practizirt worden durch Maister Hannsen von Gmünd, 
zu Wien ain bewerter maister der heiligen geschrift, vnd 
ist geschriben worden zu Prawnaw Anno do 1470. Perg.- 
Handschrift 36 Bl. 4. Moderner brauner Maroquinbd. 1250.— 

Fol. Ib bis 13 a Kalender m. Tabellen zur Berechnung der gold. Zahl, 
hierauf Tabellen zur Berechnung d. bewegl. Feste etc., m. d. Ephemeriden 
auf die Jahre 1439, 1458, 1477 u. 1496. Folgen Aderlaßregeln, die Lehre 
von den 9 Elementen, Planeten, Finsternissen „Vmbswaiff vnd dikch des 
erdtrichs". 

Sorgfältige, frühe Übersetzung der berühmten Ephemeriden, 
durchgehends in deutscher Sprache. Den Text illustrieren 
8 Federzeichnungen, Quadranten, Sonn- und Monddarstellungen (wie 
der ganze Kalender rot und schwarz ausgeführt) u. 2 blattgr. Darstellungen, 
Kronos mit den Zeichen des Tierkreises u. der Aderlaßmann, vorzügl. 
durchgeführte Arbeiten eines tüchtigen Österreich. Meisters. 

5 Isidorus Hispalensis, Btymolofi^arum %. Originum Über 
I— IX. 1480.— 

Schöne lateinische Pergamenthandschrift, vermutlich deutschen u. 
zwar alemannischen Ursprungs aus d. 13., spätestens 14. Jahrh. 73 doppel- 
seitig beschriebene Bll. von je 2 Columnen mit 40 — 47 Zeilen Text Die 
Etymologien, eine Art Encydopädie des Oesamtwissens in 20 Büchern u. 
in systematischer Anordnung, sind das letzte u. bedeutendste Werk des 
hl. Kirchenlehrers Isidor von Sevilla (560—636) u. galten das ganze Mittel- 
alter hindurch als eine unerschöpfliche Quelle vielseitiger Gelehrsamkeit 
Die vorliegende Handschrift, welche nur die ersten 9 Bücher umfaßt, 
zeichnet sich durch gute Erhaltung, sorgfältige u. deutlich lesbare Schrift 
u. vortrefflichen künstlerischen Schmuck aus. Der Text weicht mannigfach 
von dem bei Migne, Patr. Cat, Bd. 82, Sp. 73—368 gegebenen ab u. würde 

Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3. Katalog 330* 



Manuscripte deutschen Ursprunges, X,-XV.Jahrh, 



wegen vieler eigenartiger Lesarten bei einer kritischen Ausgabe zu berüde- 
sichtigen sein. Am Anfang u. Ende sind einige Lücken. Es fehlen Migne 
L I, c 1,5—15, la— 26 u. 1. IX, c 6 von Abschnitt 23 an u. c 7 ganz. Da- 
gegen sind zwischen Migne L II, c 21 u. 22 nicht weniger als 18 dort 
fehlende Kapitel über Rhetorik eingeschoben. In L III, c 6 — 7 (über die 
akuten u. chronischen Krankheiten) sind an die Ränder umfangreiche 
Glossen von derselben Hand beigeschrieben. Beachtenswert ist die 
künstlerische Ausstattung des Werkes. Am Anfang jedes der 
9 Bücher findet sich eine große, sorgfaltig in Oold u. bunten Farben aus- 
geführte Initiale, von der bei 7 Büchern ein kunstvoll verschlungenes, gleich- 
falls buntfarbiges Rankenwerk mit stilisierten Blumen, Früchten 
u. Vögeln ausgeht, das die Rander der betr. Seite ausfüllt Auf Bl. 1 
ein koloriertes Wappen, vermutlich das des früheren Besitzers. Am 
Anfang der einzelnen Kapitel kleinere u. einfachere Initialen, abwechselnd 
in roter u. blauer Farbe. Über den Schreiber u. seine Heimat finden sich 
keine Angaben. 



6 Lectionar. — Pergamenthand- 
schrift von ca. 1000 bis 1080, 
wohl alemannische Arbeit. 20 
Bl. in-Fol. in 2 Kolumnen zu 
36 Zeilen beschrieben, m. 13 gr. 
färb. Ornament Initialen u. einer 
Randleiste. Holzdeckel, neu über- 
zogen. Verkauft. 

Vgl. d. Abbildung Tal. 2. 

Inhalt: 1. Indpit esaie p.phe 
T die natalis düi (so). 2. Ein zweites 
Jesaias-Kapitel, ebenfalls für Weih- 
nachten. 3. Sermo Leoni(s) papae. 

4. Sermo f natale (so!) S. Stephani. 

5. Sermo S. Augustini de miracul(os)a 
B. Stephani morte. 6. 7. VI (in?) 
Prindp. anni: Johannis evangeliste 
l(ege) obitum (die Legende nach 
Pseudo-Mellito). Mellito servus 
Christi etc: Volo sollidtam esse 
fratemitatem vestram etc — Adhuc 
apud Asiam demorabatur etc 8. 
Hodie fratres kfhi natalem illor. 
infantium colimus etc 9. Sermo 
unde (?) supra: Credimus Judeis 
etc 10. Zelus quo tendat etc 
11. Aus d. Evang. Matthaei. 12. Ho- 
diema lectio fratres kihi comonuit 
etc 13. 14. Prologus und vita S. Sil- 
vestri — bis zu den Worten Ferias 
\5 habere, wo das Ms. abbricht. 



Lectionar. — Manuscrit sur 
parchemin, 1000—1080 en- 
viron, probablement d'origine 
alamane. 20 feuilles, in-fol., 
ä 2 colonnes de 36 lignes cha- 
cune, orn6s de 13 grandes ini- 
tiales colori^es et omement^es 
et d'une bordure. Reliure en 
ais de bols, nouvellement re- 
couverte de cuir. Vendu. 

Voir la plandie 2. 

Contenu: 1. Indpit esaie p-phe 
T die natalis dni. 2. Un autre cha- 
pitre d' Esaie, 6ga1ement pour Noel. 
3. Sermo Leoni(s) papae. 4. Sermo 
T natale (sie!) S. Stephani. 5. Sermo 
S. Augustini de miracul(os) a B. 
Stephani morte. 6.7. VI (in ?) prindp. 
anni: Johannis evangel. l(ege) obi- 
tum (la legende d'apr^s Pseudo- 
MeUito). Mellito servus Christi etc 
Volo sollidtam esse fratemitatem 
vostram etc. Adhuc apud Asiam 
demorabatur etc 8. Hodie fratres 
kifii natalem illorum infantium co- 
limus etc 9. Sermo unde (?) supra: 
Credimus ludeis etc 10. Zelus 
quo tendat etc 11. Morceau de 
r6vangile St. Mathieu. IZ Hodiema 
lectio fratres kihi c5monuit etc 
13. 14. Prologus et vita S. Silvestri, 



Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalo^f 330« 



Manuscripte detäsdun Ursprunges. X.-XV.Jahrh. 



mit dem Wort clericor. unten 
am Rande. 

Große Aufmerksamkeit verdient 
auch, abgesehen von seiner ästhe- 
tischen Wirkung, der Initialen- 
Schmuck (bis zu 11 cm Höhe), 
welcher die Buchstaben A C H M N 
P S Z bringt, A in zweierlei Gestalt 
Am originellsten ist das M in Kap. 6, 
welches durch zwei schlanke Vögel 
gebildet wird, die aus einem auf 
einer Säule stehenden Gefäße trinken. 
Gewöhnlich aber ist der Raum mit 
Ornament auf farbigem Grunde 
mehr oder weniger, doch ohne 
Überladung, ausgefüllt Als Farben 
dienen blau, grün, Magenta-rot 
(andre Nuancen nur nebensächlich) 
und ein mattes, goldiges Gelb, 
dieses besonders für die Balken der 
fein (mit der Feder) konturierten 
Buchstaben. Neben dem wohl- 
tuenden Gesamt-Eindrudc, den die 
Farbenverteilung bei durchsichtiger 
Disposition der phantasievoll ent- 
worfenen Zeichnung hervorbringt, 
ist als charakteristisch — wohl für 
die ganze Stilrichtung — eine ge- 
wisse kühle Farbenstimmung her- 
vorzuheben, welche hier noch sonder- 
lich bedingt wird durch öftere Be- 
nutzung des natürlichen Pergament- 
grundes; ein Verfahren, das Ab- 
wechselung in die Farbentöne der 
Details (und des Ganzen) bringen 
soll, gleichwie die mehrfach an- 
gewandte Schraffierung mit der 
Feder in Schwarz oder Rot — 
Nicht leicht findet man unter den 
Abbildungen von Miniaturen und 
Initialen Beispiele dieses offenbar 
deutschen, u. zwar alemannischen, 
Stiles, welche den Pflanzen-Cha- 
rakter der Dekoration so rein aus- 
sprechen und in so unverkünstelt- 
wirksamer, dabei doch altertüm- 
lidier Weise zum Ausdrude bringen. 
Denn allermeistens sehen wir die 



jusqu'ä „Ferias vö habere", oü le 
manuscrit finit par le mot „deri- 
corum" dans la marge inf6rieure. 

L'omementation des initiales, 
Sans parier de son expression esth6- 
tique, m6rite une tr^s grande atten- 
tion. Elle atteint parfois une hauteur 
de 11 centim. Ce sont les lettres 
ACHMNPSZ (A en 2 formes 
diff^rentes). L' M, dans le 6e cha- 
pitre, est tr^s singulier: il se com- 
pose de deux oiseaux de maigre 
stature buvant dans une coupe 
pos^e sur une colonne. En g6n6ral, 
le fond, qui est colori^, est rempli 
d'omements. Les diff^rentes Cou- 
leurs sont: bleu, vert, magenta et 
jaune mat Le jaune se trouve 
surtout dans les barres des lettres, 
dont les contours sont soigneuse- 
ment dessin^s ä la plume. 

A c6t6 de Texcellente impression 
d'ensemble qu'offre la diversit^ des 
Couleurs, il convient de signaler une 
certaine froideur des tons qui con- 
stitue la caract^ristique du style de 
ce temps; eile est en partie produite 
par la substance du parchemin lui- 
m^me dont on s'est servi comme cou- 
leur. Decettemani^reTartisteavoulu 
diversifier le coloris, ainsi qu'en 
dessinant des hachures ä Tencre 
rouge ou noire, comme il Ta fait 
parfois. 

II est diffidle de trouver, parmi 
les reproductions de miniatures et 
d'initiales, des exemples de ce style 
franchement alaman, exprimant aussi 
purement et aussi efflcacement le 
caract^re v6g6tal de la d6coration 
et donnant aussi nettement Tim- 
pression de la vetust^: en g^n6ral 
ailleurs, les rameaux et les branches 
se terminent tous uniform6ment, 
comme des rubans, avec des bouts 
obtus, des gamitures de fleurs, des 
d^tails noueux et courts qui donnent 
ä l'omementation quelque chose de 



KafI W. Hlersemann In Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330. 



Manuscripte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh, 



Ranken und Äste in gleichmäßiger 
Stärke wie Bänder verlaufen, mit 
stumpfen Endigungen und kurzen 
knotigen Blüten - Ansätzen : Um- 
stände, welche den Gebilden leicht 
etwas Hölzernes, Gedrechseltes ver- 
leihen; wobei dann auch die Ge- 
drängtheit gleichartiger Gebilde in 
engem Rahmen mitspricht Hier 
hingegen erscheint das Pflanzliche 
in ursprünglichster Frische, freilich 
noch ohne die Eleganz späterer 
Stile, doch auch ohne Stilisierung 
und Verkünstelung; die Schäfte und 
Stengel nach oben dünner werdend, 
wie Schilf sich neigend, doch unter 
dem Gewicht großer Blätter und 
Blüten; die Verästelung mäßig, und 
wo Verschluigungen eintreten, dies 
in so natürlichen Grenzen, daß der 
Pflanzenwuchs, das eine auf- und 
auseinanderstrebende Gebilde, die 
Hauptsache bleibt und von ängst- 
licher Raumfällung nicht die Rede 
ist Eine Umrankung des Buch- 
staben-Gebälkes selbst, wie sie sich 
bei größerer Stilfreiheit ergibt, tritt 
nur an wenigen Punkten ein: am 
ausgiebigsten natürlich bei der Rand- 
leiste, zu welcher sich am Eingang 
der erste Buchstabe verlängert Das 
Gebälk selbst wird inneriich durch- 
brochen — wie dies der Stil mit 
sich bringt — in der Mitte durch 
ein Bandgeschlinge belebt, gleich- 
wie seine Felder durch Farbe, Ro- 
setten, Vögel. — Tiere kommen 
natürlich nicht vor, außer dem einen 
Kopf an der unteren Endigung auf 
dem ersten Blatt, wo dann die lang 
herausgestreckte Zunge sich wieder, 
dem Stile gemäß, zum Blatte ge- 
staltet Was die vegetabilen Ele- 
mente anlangt, so finden sich Akan- 
thus in zweierlei Ansicht, doch 
ohne Überfall, großes Distelblatt, 
kleines Kleeblatt, Epheu- od. herz- 
förmige Blätter, auch Eichenblatt- 



sec et d'artifidel, d'autant plus que 
tous ces motifs sont entass^s dans 
un espace relativement ^troit Ici, 
au contraire, le caract^re v6g6tal 
apparait dans toute sa fraicheur 
primitive, sans enjolivement ni ajou- 
tage de style post^rieur. Les tiges 
vont en s'amincissant et se penchent 
comme des roseaux sous le poids 
de grandes feuilles ou de grandes 
fleurs; lorsqu'il y a des ramifications, 
les entrelacements sont faits d'une 
fa^on si simple qu'on peut toujours 
suivre le d^veloppement de la plante 
et qu'il n'y a nulle part ä regretter 
que Pespace soit trop 6troit La 
diarpente meme de la lettre n' est 
que rarement l^ch6e par la plante, 
chose qui n'est propre qu*ä un style 
plus libre; et cela n'arrive surtout 
que dans la partie qui se trouve 
dans la marge, comme ä la premi^re 
initiale. Mais la charpente, divis6e 
au milieu par des entrelacements de 
rubans, s'entr*ouvre et forme quel- 
quefois des compartiments remplis 
de Couleurs, de rosettes ou d'oiseaux. 
On ne trouve pas, naturellement, 
de figures d'animaux; au bas de 
la premi^re feuille seulement, on voit 
une tete dont la langue, longuement 
tir6e, emprunte la forme d*une 
feuille, toujours selon la nature du 
style. Quant aux esp^ces des plantes, 
on remarque ce qui suit: Tacanthe, 
pr6sent6e de face et de profil, des 
feuilles de chardon, de tr^fle, des 
f efiilles de lierre ou en forme de coeurs, 
des feuilles de ch^ne en des formes 
analogues, puis des types de calices, 
tulipes et lotus, en forme de doches; 
enfin, et le plus souvent, des 6toiles 
form6es de quatre feuilles ä lan- 
cettes, type propre k la toute primor- 
diale antiquit6, qui s'est conserv^ ä 
travers le moyen-äge (aussi bien au 
nord qu'au sud); dans ce manu- 
scrit, on a essay6 de les repr^- 



Karl W» Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330* 



Tafel 2. 



iTirco 

pcrunr 

mubi 

: t-nqb? 

Torxrtr 

3cxrccan 

m tktu 
"eguirc 
nc-uh 

nbxfili 

Jtacu 

poffe 
>cuTn • 

eftccr 

ATTCC 



tncxmo- ccincdü afccndif 
ft ciirn cimc-cjui er ipti nur 
trrcf idcft: huiuf fidcf tcs 
tcffucrunc- Ml KiAN 




/ 



leLUT 

leiuius 
xpi-cpä 

Uüdaqp 
uniucrtfs 

coTTiTTj iTicfo ^ctcmafolurc^ 
VolofoUiciüiTn cefnxtcr ' 

-niütcm uT^Tn - ddfxi cio 

j 

cjuodtm cf ui fcnpfic ^Jpt'cr^ 
fciandrceud tf^omc Apti • 



No. 6. LEKTIONAR. XI. Jahrh. Alcniaiinisch. 



Manuseripte deutsdun Ursprunges. X,-XV,Jahrh, 9 

ähnliche Formen, sodann verschie- senter quelquefois sans la quatri^me 

dentliche Kelchtypen, namentlich pointe, mais sans arriver h, un effet 

tulpen- und lotosartige, die Glocken- heureux. II y a encore d'autres 

formen in leidit perspektivischer formes, mais moins caract6ristiques. 

Darstellung; endlich mit Vorliebe On sent des influences de Tantiquit^ 

noch der Stern aus vier lanzett- dassique, laiss6es par les Carolin- 

förmigen Blättern, welcher schon giens; elles se manifestent non seule- 

dem frühen Altertum eigen, sich in ment dans les Clements d6jä cit6s 

der frühmittelalterlichen, z. TL eben- (H du chap. 13), mais encore dans 

falls geometrischen Ornamentik (in la reproduction exacte des games 

Nord und Süd) und darüber hinaus des feuilles (bordure du commence- 

erhalten hat; er wird in unserm ment), dans certains omements de 

Codex öfter auch versuchsweise, marge (S du chap. 14, H du chap. 12) 

doch mit wenig Glück, ohne das et dans les syst^mes de calices qui se 

vierte Blatt verwendet. Einige andere d^veloppent en se recouvrant (H du 

Blattformen sind weniger charakte- chap. 12, voir aussi le facsimile). 

ristisch. — Antike Einwirkungen, 

wie sie die Karolinger-Kultur hinter- scheiden (Eingangs-Randleiste), in 

ließ, erkennen wir außer in einigen gewissen Ranken-Gebilden (S Kap. 

der genannten Elemente (s. bes. H, 14, H Kap. 12) und Systemen von 

Kap. 13) noch besonders in der Kelchen, die sich einer aus und 

sicheren Behandlung der Blatt- über dem andern entwickeln (H 12). 

7 Meißen. — Anonymi explicatio verborum theologicorum. Acced. 
in fine moralia pulcherrima 233 sunt quattuor hoc modo valde 
notanda et mente tenenda, tractatus de amicitia et multiplici 
specie amicorum, forma degradationis pro aliquo elerico ingenti 
crimine reperto, artis memorandi praecepta. Schöne, gut lesbare 
Papierhandschrift eines (Mönches?) Donatus Cluge zu Meißen 
aus den Jahren 1472—1479 in schwarz und rot mit vielen rot 
und blau gemalten Initialen, oft mit Arabesken. 379 unbez. 
Blatt Fol. Gleichzeitiger mit Schweinsleder überzogener Holz- 
band, mit kleinen eingepreßten gothischen Stempeln verziert 
und mit je 4 Eckbeschl|gen aus Messingblech in durchbrochener 
Arbeit und mit Schutzbuckeln auf beiden Decken versehen, in 
der Mitte der Vorderdecke ein etwas beschädigtes Beschlagstuck 
in derselben Ausführung (das der hinteren Decke fehlt). 430.— 
Sehr interessantes Manuskript, von ganz besonderer Wichtig- 
keit für die Geschichte des Bistums Meissen. Auf der Innen- 
seite der Vorderdecke findet sich eingetragen: per me donatum cluge 
est conscriptum. Anno ab incarnatione domini nongentesimo fundata est 
ecclesia Misnicensis hinc computando usque ad annum praesentem 1472 
duravit annis quingentis et 72, cuius ecciesiae episcopi suis propriis 
nominibus iuxta successionem temporum hie infra sunt inscripti. Folgt 
die Aufzählung von 38 Bischöfen von Meissen, bei fast allen mit Hin- 
zufügung charakteristischer Züge aus ihrer Regierungstätigkeit. 

Auf Bl. 376 verso: Explicit tractatus de multiplici genere virtutum 
amicorum finitus per me donatum 1479. 

Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330* 



10 Manusaripte deatsdun Ursprunges, X.-XV.Jahrh. 

Den größten Teil des Manuscripts nimmt die alphabetisch geord- 
nete Erklärung der in der katholischen Theologie vorkommenden Wörter 
ein, eine Art theologischer Encyklopädie, die aber nur bis zum Buch- 
staben L u. dem Worte Luxuria fortgeführt ist Die kleinen Tractate 
am Schlüsse, besonders die 233 Sinnsprüche, in deren jedem das Zahl- 
wort quattuor vorkommt, sind sprachlich u. inhaltlich von Interesse. 

Wertvolles, vorzüglich erhaltenes Manuskript in einem 
charakteristischen Einbände der Zeit 

8 Palästina. Wohlerhaltene Pergamenthandschrift deutschen 
Ursprungs aus dem XIV. Jahrhundert. 184 Bll. in 8., doppelseitig 
beschrieben mit je 19 Zeilen. Alter Holzband mit Pergament- 
flberzug. Anscheinend ehemals im Besitz des Klosters Hersfeld. 
Der Schreiber nennt sich nicht Das Latein ist fehlerhaft, die 
Schrift voll von Abkürzungen. 1350. — 

Inhalt: 

1. Bl. 2b: Windrose mit lateinischen und deutschen Namen. 

2. Bl. 3a— 112b: Beschreibung Palästinas und der hl. Orte. Anfang: 
Cum in veteribus historiis legamus . . . Ende: Benedictus sit Dens Amen. 
Der ungenannte Veri. gibt hauptsächlich auf Orund der Bibel, aber auch 
unter Benutzung verschiedener nicht näher bezeichneter Pilgerschriften 
einen systematischen Uberblidc über die topographischen Verhältnisse des 
hl. Landes unter Hinweis auf die an den einzelnen Orten gesdiehenen 
biblischen Ereignisse. Bei Röhricht, Bibl. geogr. Palaestinae anscheinend 
nicht erwähnt 

3. Bl. 113a— 129b: Epistola presbyteri Johannis. Anfang: Johannes 
dictus Presbyter dei gratia rex . . . Frederico imperatori Romano salutem . . 
Es handelt sich hier um eine sehr eigenartige Redaktion jenes unter- 
geschobenen Briefes, den der sagenhafte Priester Johannes ums Jahr 1165 
an den byzantinischen Kaiser Manuel und den abendländischen Kaiser 
Friedrich Barbarossa gerichtet haben soll. Der hier vorliegende Text 
weicht vollständig ab von dem in den Monum. Oerm. bist XVIII, 579 ff., 
bei Opperi (Der Presbyter Johannes, 1874, S. 168 ff.) und Zamcke (Abh. 
d. Kgl. Sachs. Oes. d. Wiss., phil.-hisi Kl. VII, S. 909 ff.) gegebenen und 
bedarf deshalb einer näheren Untersuchung. Über die zahlreichen, sehr 
von einander abweichenden Handschriften uralter Drucke vgl. Zamcke 
a. a. O. S. 872 ff. 

4. Bl. 130 a— 145b: Alphabetisches Namenregister zu Nr. 2 mit Angabe 
der Seitenzahlen. 

5. Bl. 145 b— 176b: De Jerusalem et de totius terre sancte situ et de 
distanda locorum et civitatum. Eine Anweisung für Pilger, um die Ent- 
fernungen der hl. Orte zu bestimmen. 

6. Bl. 176 b— 182b: Alphabetisches Namenregister zu No. 5. 
Angebunden ist ein Bruchstück einer lateinischen Pergamenturkunde, 

ausgestellt durch Henricus abbas monasterii in Hersevelde. Da keine 
Datierung vorhanden ist, läßt sich nicht entscheiden, welcher der 7 Abte 
dieses Namens zwischen 1127 u. 1316 gemeint ist 

Karl W« Hlcrseinann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330* 



Manttscripte deutsdim Ursprunges. X.-XV*JahHu 



11 



9 P8alterittmLatiiittm,ca.l240. 
KL-4. Schönes Manuscript des 
XIII. Jahrh. auf Pergament, äußerst 
regelmäßig und schön geschrie- 
ben. 20 Zeilen auf jeder Seite, 
mit einem prächtig verzierten, 
ganzseitigen B am Anfang und 
10 großen, ornamentierten Ini- 
tialen, reich mit Gold ausge- 
schmückt auf blauem und grünem 
Grunde, sowie einer Anzahl 
kleinerer ornamentierter Initialen 
in rot, grün und blau gemalt. 
Wohl gleichzeitiger Einband aus 
Eichenholz mit Wildleder über- 
zogen. 1900.— 

Vgl. d. Abbildung Taf. 3. 

Das oben erwähnte Buch ist 
sorgfältig ausgestattet vermittelst 
mannigfacher Linien in verschiedenen 
Farben auf goldenem Orund, der 
wieder auf einem dunkelblauen 
Carr^e-Muster ruht Die Buchstaben 
(B) „eatus vir" sind darunter ge- 
schrieben, so daß die ganze Seite 
ausgefüllt wird. Der erste der gol- 
denen Initialen ist ein D auf Bl. 19; 
der nächste wieder ein D auf Bl. 31 ; 
der 3. ein Q auf Bl. 41 ; der 4. wieder 
ein D auf Bl. 42; der 5. ein S auf 
Bl. 53; der 6. ein E auf Bl. 67; der 
7. ein C auf Bl. 80; der 8. ein D 
auf Bl. 82; der 9. ein D auf Bl. 94; 
der 10. noch ein D auf Bl. 140. Am 
Ende des Buches sind einige Er- 
gänzungen hinzugefügt um es zu 
einem Gebetbuch zu machen durch 
entsprechende Abänderung der 
Litanei etc, und zwar sind diese 
Eintragungen am Anfang des 14. 
Jahrhunderts hinzugefügt worden. 
Die Herkunft des Ms. ist nach der 
der Notiz auf Bl. 138: „So wer da 
wilt eine selig spreche vor di sunde 
vnd die lebendige der spreche al se 
her na geschreben steit" wahr- 



Psalterium Latinum, en- 
yiroiil240. Petit iii-4. Beau 
manuscrit du Xllle si^ie sur 
parchemin, d'une 6criture trfes 
r^guii^re. Chaque page a 20 
lignes; au commencement se 
trouve une admirabie initiale 
(B), couvrant entiferement la 
page; de plus dix grandes 
initiales omement6es, peintes 
en rouge, vert ou bleu. Reliure 
(du temps?) en ais de bois, 
couverte de cuir. 1900.— 

Voir U r^roduction pl. 3. 

L'initiale B, d dessus mentionn^e, 
est soigneusement ex^cut^e en di- 
verses Couleurs, sur fond d'or; ce 
fond repose sur un omement ^chi- 
quet^. Les lettres (B) „eatus vir*' 
sont ^crites en bas, de mani^re que 
la page est enti^rement remplie. Les 
initiales en or repr^sentent: D (f. 19); 
D (f. 31); Q (f. 41); D (f. 42); S (f. 
53); E (f. 67); C (f. 80); D (f. 82); 
D (f. 94); D (f. 140). A la fin du 
manuscrit se trouvent quelques ad- 
ditions oü le texte des litanies est 
chang^, de sorte que Touvrage peut 
servir ä la fois de livre de psaumes 
et de livre de priores. Ces additions 
proviennent du commencement du 
14e si^cle. Autant qu'on le peut 
juger par une note toite sur le f. 138 
„so wer da wilt eine selig spreche 
vor di sunde vnd die lebendige der 
spreche alse hema geschreben steif, 
le manuscrit a ^t^ ^crit dans la con- 
\x€t l'ouest de Cologne. II semble 
qu'un feuillet ait ^t^ d^jä enlev6 
depuis longtemps. 



scheinlich etwas westlich von Köln 
zu suchen. Ein Blatt scheint schon 
in früheren Jahren herausgeschnitten 
zu sein. 



Karl W« Hiersemann in IxipüZf Könlgfsstrasse 3« Katalog 330« 



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ManusaipU dmtsdien Ursprunges. X.-XV.JahHu 



10 SachsenspiegeL Schiassel des Landrechts. Papier. Hand- 
schrift des XV. Jahrh. 420 Bl. Deutsch. Fol. Lederholzband. 

850.— 

Höchst interessante und wertvolle Handschrift des sogen. Sdilüssels 
(slossil) des Landrechts, in unbekannter Zeit und von unbekanntem Ver- 
fasser geschrieben. Nach Stobbe, Oesch. d. deutschen Rechts, hat sich 
das Werk in 15 Handschriften erhalten; die unsrige ist demnach die sechs- 
zehnte, Virelche bekannt sein dürfte. Der Verfasser erklärt im Prolog, sein 
Werk sei nach drei Richtungen hin ausgearbeitet; virie in einer Summa 
seien verschiedene Bücher benützt, wie in Konkordantien seien die zer- 
streuten Materien unter bestimmten Rubriken zusammengestellt und wie in 
Tabellen nach dem Alphabete geordnet Er habe das Kaiserrecht, d. h. 
den Schwabenspiegel und den Sachsenspiegel mit seiner Glosse bearbeitet 
und nenne sein Werk Schlüssel des Landrechts, weil es mit Leichtigkeit 
den Kasten, in welchem Kaiserrecht u. Sachsenspiegel wie ein Schatz und 
in Unordnung liege, öffne und herausnehmen lasse, was man bedarf: 
Hirumbe habe ichs genant eynen Slossä des lantrechts wönne das Keyser- 
recht vnde der sachschen Spiegel mit der glozen ist gegleiht einem Kasten 
do vil edel Schatzes vnde mächerley montze ynne ist vnde durch ein- 
ander gemenget ... hat her abir dis buch her mag von stund als mit 
eynem slossil vff slissen den Kasten des lantrechts vnde neme doraus, 
das em not ist — Darauf folgt die rhytmische Vorrede von 280 Versen 
des Sachsenspiegels, welche über die Entstehung desselben einen aus- 
führlichen Aufschluß gibt und zugleich die einzige Quelle ist, aus der wir 
unsere Nachrichten über den Verfasser und über die Veranlassung des 
Werkes entnehmen (vergl. Stobbe, Oesch. des Deutschen Rechts); die 
wichtigsten Verse sind: 



Nu dancket alle gemeyne 
dem von Falkensteyne 
der grone her isth genant 
dis buch durch seine bete 
Eyke von Repschaw is tete 
er das aber oberquam 
do er aber wmam 
So gros des hn' begere 
do hette her nye keyne were 



des herren liebe en gar vorwan 

das her des buches begä 

das em was vil vnd zeit geacht 

do her is hatte yn latyn brocht 

ane hülfe vnd ane lere 

do dauchte en das zu swere. 

Das her is an deutsch brechte 

bys zum letzthen her gegunde 

dach des arbetes vnde tet is g'ne 

durch des genante herren bete. 



Nach dieser gereimten Vorrede folgt die: Olosa ibidem. Oot der do 
ist etc Hye hebet her Eyke von Repschaw an do seyn buch eyn deutsch 
brochte etc, schliessend mit dem Kapitel: von der h'ren geburth, welches 
die sächsische, schwäbische oder fränkische Abkunft der in Sachsen woh- 
nenden Herren angibt Nunmehr beginnt der eigentliche Schlüssel des 
Landrechts in alphabetischer Anordnung. Den Schluß des Werkes bildet 
ein Dankgebet Die Erhaltung des Codex ist bis auf wenige brüchige 
Blätter, welche ganz geringen Textverlust aufweisen, eine sehr gute. 



Karl W* Hiencmann in htipziZf Königsstrasse 3* Katalog 330* 



Tafel 3. 



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iv 



No. 9. PSALTER. Circa 1240. Niederrheinisch. 



Mannscripte deutschen Ur^nmges. X.-XV.Jahrh. 13 

1 1 Spiegel menschlicher Behaltnuss. Manuscript auf Pergament 
In deutscher Sprache aus dem Ende (wahrscheinl. d. 70 er 
Jahre) des XV. Jahrhunderts mit 96 großen, in den ver- 
schiedensten Farben ausgeführten Miniaturen. 24 Blatt 
zu je 2 Spalten von 35—41 Linien. Fol. 8500.— 

Vgl. die Abbildnng Taf. 4. 

Hervorragende und in den mannigfachsten Beziehungen 
bemerkenswerte Handschrift. Ein hochbedeutsames Dokument 
deutscher Miniturmalerei und Schreibkunst aus dem zu Ende 
gehenden Mittelalter. 

Die Handschrift, welche, so wie sie hier vorliegt, leider nur Bruchstück 
ist, weist im allgemeinen den Text der 1476 bei Sorg in Augsburg er- 
schienenen Ausgabe des seinerzeit so beliebten und weitverbreiteten Buches 
auf. Damit ist nicht gesagt, daß es sich um eine Abschrift des gedruckten 
Werkes handelt, denn die Handschrift bietet mehrere Anhaltspunkte, die 
einer solchen Annahme zuwideriaufen. Es bleibt also nur die Vermutung 
übrig, daß beide, die Handschrift und die Sorg'sche Ausgabe, auf eine 
gemeinsame Quelle zurückzuführen sind. 

Wir numerieren die 24 Blatt unseres Manuskripts ohne Berücksichtigung 
des Fehlenden der Einfachheit halber mit 1—24 und geben nachstehend 
die Kollation, indem wir vorausschicken, daß jedes Blatt auf der Vorder- 
seite die zweite Hälfte eines und auf der Rückseite den Anfang (erste 
Hälfte) des folgenden Kapitels enthält: 

Bl. Ir— 6vo: zweite Hälfte des 9. bis zur ersten Hälfte des 15. Kapitels. 
Bl. 7r— 17vo: zweite Hälfte des 16. Kapitels bis zur ersten Hälfte des 
27. Kapitels. Blatt 18r— 20vo: zweite Hälfte des 29. bis zur ersten Hälfte 
des 32. Kapitels. Blatt 21: zweite Hälfte des 31. und erste Hälfte des 
34. Kapitels. Blatt 22 und 23: zweite Hälfte des 35. bis zur ersten Hälfte 
des 37. Kapitels. Blatt 24: zweite Hälfte des 38. und erste Hälfte des 
39. Kapitels. 

Vollständig vorhanden sind demnach die Kapitel: 10—14, 17—26, 30, 31, 
36, femer die erste Hälfte von Kapitel 15, 27, 23, 34, 37 und 39, sowie 
die zweite Hälfte der Kapitel 9, 16, 29, 33, 35, 38. 

Wie schon aus der Verteilung der Kapitel auf die einzelnen Blätter 
hervorgeht, ist die Handschrift ganz gleichmäßig und einheitlich eingerichtet. 
Dies gilt auch bezüglich der Miniaturen, von denen je 2 (ca. 9X10 cm) 
den Anfang einer jeden Seite zieren. Bezüglich der Darstellungen muß 
auch darauf aufmerksam gemacht werden, daß schon die ganze Anlage 
der Miniaturen unserer Handschrift im Vergleich zu den groben Holz- 
schnitten der Sorg'schen Ausgaben künstlerisch bedeutend höher steht. 

Dem Kolorit nach zu schließen dürfte die Heimat des Manucsripts 
und seines Schreibers am Rhein (Köln) zu suchen sein. 

Der Text ist rot rubriziert; die Kapitel- Anfänge sind mit roten Initialen 
versehen und ebenso die Kapitel-Überschriften und Erklärungen der Minia- 
turen im Text in roter Farbe ausgeführt 

Karl W* Hiersemann in Leipzigs Könisrsstrasse 3« Katalog 330* 



14 Manusaipte deatsdien Ur^nmges. X.-XV.JahHu 

Die ganze Handschrift ist außerordentlich deutlich geschrieben und 
sehr gut erhalten. 

Bei dem engen Zusammenhange, welcher zwischen diesem Werke 
und dem lateinischen Speculum Salvationis Humanae besteht, ist 
eine kurze Vergleichung nicht zu umgehen. Von den ersten etwa 8 Blät- 
tern mit ihren Bildern, die im vorliegenden Ms. fehlen, können wir ab- 
sehen; es sind casus Ludferi bis tres magi. Von da ab (tres fortes att 
David) stimmen beide in der Reihenfolge wesentlich überein, so daß 
unsem Bildern Nr. 33—96 dort fol. 24—39, 55, 40—51, (X), 59, 52, 53 
entsprechen, nur daß (an der angekreuzten Stelle) zwei unserer Szenen 
89, 90 fehlen, während hier einige der dortigen (Heliodor fol. 39, das 
Manna -Wunder fol. 37) vermißt werden. Die ersten 32 Bilder oder 
Szenen unseres Ms. finden sich nur zum Teil im Spec. (fol. 54, (X), 60, 61, 
56, 57), wohingegen wiederum fol. 58, 62—64 hier keine Enteprechung 
haben. 

Diese Vergleichung betrifft aber zunächst nur die dargestellten Gegen- 
stände im allgemeinen, nicht die bildliche Wiedergabe, welche bei mehr- 
fachen Berührungspunkten doch ebensoviele Verschiedenheiten zeigt, 
ja zum großen Teile grundverschiedene Kompositionen, wenn nicht gar 
einen anders gewählten Moment aufweist Auch wo das gleiche Schema 
zu Grunde liegt, ergeben sich oft noch sehr merkwürdige Differenzen 
in der Auffassung. Ist es nun auch mißlich, wie schon bei dem Sorg'schen 
Drucke unserer Hs. bemerkt wurde, Holzschnitte, selbst die einer vor- 
geschrittenen Zeichenkunst wie der des Spec, mit farbigen Miniaturen 
nebeneinander zu halten, welche die Deckmalerei und Belichtung mit 
voller Sicherheit handhaben, so muß doch zugegeben werden, daß unser 
Ms. auch die größere Vertiefung, Urwüchsigkeit und Kraft vor jenem vor- 
aus hat Die Fehler beider Werke halten sich im Gleichgewicht: den evi- 
denten Naivitäten u. Zeichnungsfehlem der Miniaturen steht dort vielfach 
ein Verblassen der Charakteristik gegenüber, mit gedankenlosen, oft routi- 
nierten u. gewohnheitsmäßigen Bewegungen, ganz zu geschweigen von der 
absonderlichen Vorliebe für eine bestimmte Tracht, so daß Abraham, 
David, Simson (38, 39, 40 etc) in Ritterrüstung auftreten. Unser Ms. 
strebt überall nach eingehender Charakteristik, selbst auf Kosten der 
schönen Linie, und erreicht dabei unverächtliche Wirkungen, so daß das 
Krasse mancher Bilder, bes. in den Farben, gern in den Kauf genommen 
wird. Schon das bloße Suchen nach eigener Gestaltung, selbst mit ge- 
legentlichen Mißgriffen, vermag unser Interesse stets aufs neue zu er- 
wecken und rege zu erhalten. Ein durchgehender Unterschied der beiden 
alten Illustrationswerice besteht darin, daß unsere Hs. keine Horizont- 
linien, nicht bergigen oder sonstigen entfernten Hintergrund angibt, femer 
daß sie der Innen-Architektur aus dem Wege geht, während sie sich 
in lustigen Bauten und Städtebildern nicht genug tun kann und, wo 
diese nur als Seitencoulissen gezeigt werden, vielfach an die Nieder- 
ländische Auffassung erinnert Die sonstigen Merkwürdigkeiten in Kos- 
tümen usw. werden jedem von selbst auffallen. (Jede Seite hat zu 
Oberst zwei Bilder nebeneinander; Oberschriften lateinisch.) 

Karl W* Hiencmann in Leipzigs Königfsstrasse 3* Katalog 330* 



Manascripte deutsdten Ursprunges. X.-XV.JahHu 15 

1. Freiwilliger Opfertod des Kodrus, Königs von Athen. 

2. Eleasar von dem turmbewehrten Elephanten der Feinde zertreten, 
den er zugleich ersticht (Maccab.). 

3. Verspottung des gekreuzigten Christus. Sehr schön Maria u. Johannes; 
die Gruppe der Spötter, wie es scheint, ohne bestimmte künstlerische 
Tradition. 

4. Saul's Tochter Michal (vom oberen Stockwerk eines Hauses aus) 
verspottet David, der mit der Harfe vor der Bundeslade geht. 
(Vgl. 28). 

5. Abraham's Rettung aus dem Feuer der Chaldäer; zu beachten die 
Landschaft u. Perspektive. 

6. Loth's Auszug aus Sodom. 

7. Christus dem Grab entsteigend. 

8. Simson, als Riese gebildet, trägt auf seinem Rücken die Stadttore 
davon. 

9. (Oberschriften links u. rechts vertauscht). Adam u. Eva am Sarge 
Abels. Der Mann bäurisch, aber sehr charakteristisch in Haltung 
u. Ausdruck. 

10. Aus dem Buche Ruth: Naemi's Trauer um ihre Söhne. 

11. Christi Grablegung. 

12. David's Klage an der Bahre Abner's. 

13. Simson (als Jüngling) den Löwen bezwingend. 

14. Eglon von Ahud durchbohrt 

15. Mater Dolorosa, ans Kreuz gelehnt Von hervorragender Schönheit 
in Stellung und dem Arrangement des komplizierten Obergewandes, 
sodaß der Zeichenfehler an der Schulter kaum auffällt 

16. Judith tödet den Holofemes. 

17. Der gute Hirte. Sehr stimmungsvoll, auch in den Farben vorzüg- 
lich abgetönt: in dunkler Berglandschaft trägt Jesus (großartige 
Gewandfigur In Vi Ansicht, Farben zu beachten) das verirrte Lamm, 
dessen Lage sich nur durch den eingefügten Nimbus verschoben hat 

18. Elias auf feurigem Wagen zum Himmel fahrend. Selbständiger Ge- 
staltungsversuch. 

19. Ausgießung des heiligen Geistes. Vortrefflich. Die Versammlung, 
die Augen auf Maria gerichtet (am besten Johannes) mit dem Ober- 
körper sichtbar, hinter den Zinnen der Stadtmauer; das Ganze in 
leuchtenden Farben abstechend gegen das dunkle Hochterrain des 
Vordergrundes. 

20. Turmbau zu Babel. 

21. Abimelech's Tod. Wichtig das Kostüm des Dieners (mit Brustplatte 
und Kappe) womit die vollständige Panzerung auf dem nädisten 
Bilde zu vergleichen. 

22. David's Liebeshändel. Von der Geliebten am Seil heruntergelassen; 
rechts die Krieger, die ihn verspotten. 

23. ,Filius orat patrem pro nobis^ Christus betend. Die deutsche Er- 
klärung etwas abweichend. 

24. ,Der fromme Ritter Antipater^ vor dem Kaiser Julian. 

25. Vom verlorenen Groschen. 

Karl W. Hierscmann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katal<^ 330* 



16 ManuisaipU deutsdien Ursprunges. X,-XV,Jahrh. 

26. David's Frau Michal wird von Saul einem Anderen gegeben. Prächtig 
die Hauptfigur (Saul). 

27. Krönung Mariae. 

28. David musizierend der Bundeslade voranschreitend; in etwas anderer 
Auffassung als No. 4. 

29. Maria Himmelskönigin; Vision des Johannes. 

30. König Salomo und seine Mutter. — Man bemerke in No. 27, 28, 
30 die gemusterten Stoffe und ihre Behandlung. 

31. Maria Fürbitte. Wegen des Kostüms interessant die erste (linke) 
Figur der Gruppe rechts. 

32. David oder Joab mit seinen Kriegern vor einer Stadt, im Gespräch 
mit einem Weibe (II. Sam. 14 od. 20, 17). Nicht zu übersehen die 
Waffen des ersten Kriegers. — Hier fehlt 1 Blatt. 

33. David auf dem Thron, dem die drei Männer in Krügen Wasser 
bringen. Hier zum ersten Male der schachbrettartig gemusterte Fuß- 
boden in grün u. rötiich; vgl. 37, 39. 

34. Salomo's Thron. 

35. Maria mit dem kleinen Jesus im Tempel Das Kind mit Buch auf 
(mit farbiger Leinwand bespannter) Estrade sitzend. 

36. Die Bundeslade; in anderer Gestalt als bilsher. 

37. Der Kandalaber Salomo's. Hier vielmehr Kronleuchter (vgl. Spec. f. 26). 

38. Der Knabe Samuel im Tempel; die Estrade ähnlich 35, in anderer 
Musterung. Die Mutter, welche dem Priester Tauben bringt, und 
dieser selbst sehr gut in der Behandlung der Gewänder, wie das 
ganze Bild sehr glücklich in der Farbenstimmung ist. Pendant zu 35. 

39. Flucht nach Ägypten. 

40. Bild der Ägyptischen Madonna. Sehr wirksam im Kolorit; beach- 
tenswert die Gewandbehandlung. 

41. Moses als Knabe zerbricht des Pharao's Krone. 

42. Traum Nebukadnezar's. 

43. Taufe im Jordan. 

44. Das Prachtbecken im Salom. Tempel. Die bildliche Tradition zum 
Nachteil des Gegenstandes verlassen. 

45. Der aussätzige Naam geheilt. 

46. Die Israeliten tragen die Bundeslade trockenen Fußes durch den 
Jordan. Kostüme ! 

47. Christi Versuchung durch den Teufel. 

48. Daniel erschlägt den babyl. Drachen. 

49. David u. Goliath. Besser die Überlieferung Spec. f. 32. 

50. David erschlägt einen Bären und einen Löwen. 

51. Christus im Hause Simeon's mit der reuigen Magdalena. Bessere 
Komposition als im Spec. f. 33. 

52. Der gefesselte König Manasse im Gebet. Am Boden knieend oder 
vielmehr hockend. Unvergleichlich viel schöner in Auffassung u. 
Durchführung als in dem brutalen Typus Spec. f. 33. Beachtenswert 
noch der Faltenwurf des weißen Gewandes. 

53. Der verlorene Sohn. 

54. David's Reue nach dem Ehebruch (besser als Spec f. 34), mit 

Karl W* Hierscmann in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330* 



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Mtmusaipte deutsdten Ursprunges. X.-XV.JahHu \^ 

Spruchbändern in goth. Schrift (miserere mei etc.), welche aus dem 
offenbar alten Bildtypus mit herübergenommen sind. 

55. Jesus Einzug in Jerusalem. 

56. Jeremias u. die Stadt Jerusalem. Mit Spruchband. 

57. Das Passahfest 

58. Melchizedek's Gaben an Abraham. 

59. Jesus, die Feinde mit seinem Worte niederwerfend. 

60. Simson erschlägt die Philister mit des Esels Kinnbacken. 

61. Absalon's Tod. 

62. Evllmarodoch zerstückelt den Leichnam seines Vaters Nebukadnezar. 

63. Kreuzesabnahme. 

64. Josephs Brüder bringen dessen Rock vor Jacob. 

65. Samgar, die Feinde erschlagend. Rieht 3, 31. 5, 6. (Vgl. a. Jer. 39, 3.) 
Die Waffe stereotyp: Spec. f. 40. 

66. David erschlägt 800 Mann. 

67. Der Judas-Kuß. 

68. Joab durchbohrt den Amasas. 

69. David vor Saul. 

70. Kain erschlägt den Abel mit der Axt 

71. Christi Verspottung. 

72. Hur der Oatte der Miriam angespien. 

73. Noah's Trunkenheit 

74. Simson geblendet und verspottet 

75. Christus an die Säule gebunden und verspottet 

76. E)er Fürst Achior a. e. Baum gefesselt (Judith 6, 8). Besser als Spec. 45. 

77. Lamech von seinen bösen Frauen geplagt 

78. Hiob von Satan und Frau gepeinigt 

79. Christus in der Dornenkrone; über seinem Haupt werden zwei Stabe 
kreuzweis gebrochen. 

80. Apame, Concubine des Königs Darius gekrönt 

81. Simei flucht dem David und wirft nach ihm. 

82. Davids Boten schnöde von den Ammonitem behandelt 

83. Kreuztragung. 

84. Isaac's Opferung (früherer Moment als Spec. f. 49). 

85. Der Erbe des Weinbergs (Ev. Matth. 21) von den Knechten getötet 

86. Die Kundschafter bringen Riesentrauben aus dem gelobten Lande. 

87. Kreuzigung (vgl d. AbbUdting Tif. 4). 

88. Kunstfertige Leute der Genesis: Jubal, Tubal-Kain, Lamech (vgl. Tif. 4). 

89. Jabel (Jael) tötet den schlafenden Sissera (Rieht 4, 21). Die lat 
Oberschrift ungenau. 

90. Königin Thamaris (Tomaris) tötet den Cyrus und taucht das Haupt 
In den Eimer voll Blut 

91. Christus führt die Heiligen aus der Hölle. 

92. Moses führt die Israeliten aus Ägypten. 

93. Jesaias' martervoller Tod (nach der Legende). 

94. König Moab opfert den Sohn an der Stadtmauer. 

95. Golgatha: Christus am Kreuz zwischen den beiden Schachern. 

96. Nebukadnezar's Traum (zu 42). 

Karl W« Hiersemann in Lelptlgf Königsstrasse 3« Katalog 330. 

2 



18 ManuscripU deatsdutt UrsfHWiges. XVL-XIX.Jahrh. 

Manuscripte deutschen Ursprunges« 
XVL— XIX, Jahrh. 

12 Carichter, Bartholomäus, Arzt, Paracelsist, Leibarzt K. Maxi- 
milians II. u. Ferdinands I., geb. Anf. d. XVI. Jahrh. zu Reckingen, 
gest um 1574. Ertznei Buch durch herr Bartholomeum von 
Reckungen Carichter czu Emell, Königlicher Wird, czu Behem 
Doctor beschrieben. 1561. Perg. 154 Bl. 8. Lederbd. 220.— 

Schön geschriebenes Manuscript Jede Seite von einer je viermal 
wechselnden ornamentiert Holzschnittbordüre in Schrotmanier umrahmt 
Auf je 2 Bl. einer jeden Lage befinden sich an der unteren Leiste einmal 
die sächsischen Kurschwerter, das andere Mal der Rautenkranz, ein Stunden- 
glas etc. Um die rechtsseitige Säule einzelner Bordüren schlingt sich ein 
Spruchband m. d. Monogramm IILV. Die Leiste ist offenbar ein Erzeugnis 
der Sachs. Holzschnittschule d. 16. Jahrh. 

Das sächsische Provenienz verratende Manuscript stammt wahrschein- 
lich aus der Zeit, wo Carichter zur Behandlung der kranken Mutter des 
Kurfürsten August nach Dresden berufen wurde, u. ist m. Rücksicht auf 
die exceptionelle Ausstattung möglicherweise die dem Kurfürsten über- 
reichte Original-Handschrift des Verfassers. Jedenfalls geht die Hs. den im 
Drucke erschienenen med. Traktaten Carichters voraus. Ober Carichter 
s. Hirsch, Biogr. Lexikon d. Arzte I, S. 671, über seine Tätigkeit in Wien, 
wo er — in den Akten der med. Fakultät als Bartolomaeus Schwarte recte 
Oarichter bezeichnet — als Empiriker verfolgt wurde, vei^gl. Hartl u. 
Schrauf, Nachtr. zu Aschbachs Gesch. d. Wiener Univers. I, S. 11, Anm. 37. 

13 Danzig. — Wilikuhr der Stadtt Dantzick womach sich jeder- 
maniglichen Bürgere vnd Frembde im handeil vnd wandel vnd 
sonsten tzu richten vnd zu viehalten haben sollenn. Fol. (Danzig 
ca. 1600.) 58.— 

102 Blatt sauberes Manuskript, von einer gleichzeitigen Schreiberhand- 
schrift angefertigt und das lokale Recht Danzigs enthaltend in mehreren 
Kapiteln, u. a.: Von Sdiipffswercke, Schippem etc. — Von Kauffman's 
Handeln — Von Freiheitt der wercken vnndt Gilden — Von der Execu- 
tionis-Ordnung — Von Testamentt Schicht vndt theilunge — Von Schme- 
schrifften. — Vom Weigericht etc 

14 Hackhof er, Joh., von der Mahler Kunst. Manuscript von 166 S. 
in-4., ca. 1675. Pergt 85.— 

Über das Ms. selbst gibt das 1. Vorblatt Auskunft, welches die Notizen 
dreier aufeinander folgenden Besitzer trägt Die erste erwähnt, daß der 
Maler Joh. Hackhofer auf Kosten des Stifts Voran nach Italien reiste, sich 
dort bildete, dann nach s. Rückkehr mehrere Büder für die Kirchen der 
Umgegend malte und u. a. dieses Werk hinterließ. Der letzte Besitzer 
übernahm das Ms. am 20. Okt 1845. Auf der Innenseite des Vorder- 
deckels befindet sich das handschriftl. Ex-Libris: ,Johann Hackhofer Maller 
gehörig 1699*'. Die Handschrift selbst ist gleichmäßig und gut leseriich. 

Karl W. Hicrscmann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330» 



Manuscrifdi deutschen Urspruuges. XVL-XlX.Jahrh. 19 

Auf Seite 39 schreibt der Verf.: Zu der Zeit, da die Ehr des Bourbonischen 
Hauses glänzete und da Ludwig der dreyzehnte .... die macht seiner 
faust denen feindten empfindtlich machete .... hab ich dieses weridi aus- 
gearbeithet Hierauf folgt die deutsche Obersetzung resp. ein Kommentar 
über die Schrift „de arte graphica^ von Ch. A. Dufresnoy (zuerst hrsg. 
nach Dufresnoys Tode zu Paris 1668). 

15 Leibniz. — Denkschrift für König Ludwig XIV. von Frankreich 
über den Plan einer Eroberung von Aegypten in lateinischer 
Sprache 1670. Manuscript von 240 Folioseiten nach dem 
latein. Original. Vorangeht ein Brief von Konsul Mr. Udney 
an Lord Orenville, datiert: Leghorn 16. April 1798 über die fran- 
zösische Expedition geg. Aegypten unter General Bonaparte. 

380.— 
Ums Jahr 1670 trug sich König Ludwig XIV. von Frankreich ernsthaft 
mit dem Gedanken eine Expedition gegen Ägypten zu unternehmen und 
durch Eroberung dieses Landes und des angrenzenden Palästina und Syrien 
ein großes nordafrikanisches Reich unter französischer Oberhoheit zu 
gründen. Vorliegende Denkschrift wurde ihm zu diesem Zweck von 
Leibniz ausgearbeitet Der Plan kam nicht zur Ausführung und wurde 
erst 130 Jahre später von Napoleon I. durch seine Agypt Expedition wieder 
aufgenommen. 

Vorliegendes Manuscript ist augenscheinlich mit Rücksicht auf diese 
Napoleonische Expedition vom englischen auswärtigen Amte hergestellt 
worden. 

16 Lieb-Opfer, himmlisches, oder geist-reiches Oebett-Buch, wo- 
rinnen Morgens, Abends, Mess, Beicht, Communion nebst 
anderen Oebettem zu finden. Zusammengetragen 13. X. 1738. 
Kalligraphisches Manuscript mit 5 Feder -Zeichnungen 
(Landschaften und symbolische Darstellungen), 5 großen deko- 
rativen Initialen und einer großen Zahl von kleinen Zierinitialen, 
SchlusstQcken etc, sämtlich in feiner Federzeichnung. Jede 
Seite mit einer Einfassung. 108 EI. Ledbd. mit Obldpressungen 
(etwas beschädigt). 30.— 

Das Manuscript scheint nicht ganz vollständig zu sein. Einige Flecke. 

17 Marino, Oiambattista. La Murtoleide fischiate del Cavaljer 
Marino con la Marineide risate del Murtola al Molt' Illvstre 
Sigre mio Colendissmo || Sig. Oiorgio Incuria. Manuscrit de 
3 fnc et de 166 pp. 4. Veau de Vipoque; reliure aux dentelles 
dans le genre Le Oascon, tr. dorie. Coins fatiguis. Cette belle 
reliure est reproduit dans le Bibliophile frangais^ tonte VII, 
planche No. 110. MO.— 

Le manuscrit a €\€ compos^ par C. Beyer ä Francfort le 20 Aoüt 
1626. „Le quali compositioni quantumque di lä dei Monti manuscritte 
si leggano no son perö mai uscite alle stampe. Jo ho uoluto publican- 
dole farle communi al mondo/' Evidemment notre manuscrit est la 
base de l'^dition de Francfort 1626. Voir Hoefer, biographie 780 et suiv. 

Karl W* Hicrsemanii in Leipzigs Könlgsstrasse 3« Katalog 330» 

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Manascripte deutsdim ünprangts. XVL-XlX.JahHu 



18 Frater Phillppus, Hortulus. 

1525 — 31. Lateinische Papier- 
handschrift deutschen Ursprungs 
aus der 1. Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts. XVII, 162 BII. in 8«, 
beiderseits beschrieben. Gleich- 
zeitiger Holzband mit braunem, 
Ornament. Lederüberzug. Auf 
d. Innenseite der Deckel Bruch- 
stücke einer lateinischen Perga- 
menthandschrift theolodschen 
Inhalts aus dem 14. Jahrh. Auf 
El. I ein leider defekter kolorierter 
Holzschnitt die Kreuzigung 
Christi darstellend, darunter die 
Opferung Isaaks und die Auf- 
richtung der ehernen Schlange 
in der Wüste. Das sehr inter- 
essante Manuskript gehörte ehe- 
mals dem Kloster Hersfeld und 
enthält Kollektaneen eines dorti- 

gen Mönches. Den breitesten 
äum nimmt naturgemäß die 
Theologie ein, doch finden sich 
auch zahlreiche Notizen aus den 
weltlichen Wissenschaften. Als 
Quellen nennt er die Bibel, 
mehrere Kirchenväter und zahl- 
reiche mittelalteriiche Theologen, 
namentl. Bonaventura, Lyra und 
Cusanus. Auf den vorgebunde- 
nen, unnumerierten Bil. findet 
sich ein alphabetisches Register 
über das Werk mit Angabe der 
betr. Blattzahlen. Auf Bl. XVIa 
nennt sich der Verfasser: Collegit 
hosce flores fr. Philippus Hers- 
feldie minorita Anno Christi 1525 
exorsus. Auf Bl. XlVb liest man: 
Finis anno dei 1531. 2150. — 
Inhalt: 1. Bl. la bis 54a: Opus 
nobile quod didtur sententia sen- 
tentianim S. Bonaventurae, dictatum 
per versus super quatuor libros sen- 
tentiarum. Bonaventura, der unter 
dem Namen doctor seraphicus ge- 
feierte Scholastiker aus dem Franzis- 
kanerorden , lebte von 1221—74. 



Frater Philippus, Hortulus. 

1525 — 31. Latin manuscript 
on paper, of German origin, 
of the first half of the 16. Cen- 
tury. XVII, 162 leaves, 8^ 
covered with writing on both 
sides. Contemporaneous oak 
böards, covered with brown 
leather. With fragments of a 
theological Latin parchment- 
manuscript of the 14. Century 
on the inner surface of the 
Cover. On f. 1 a defectiv 
coloured wood engraving, re- 
presenting the crucifying of 
Christ, thereunder the sacrifice 
of Isaac and the erection 
of the bronzen serpent in the 
desert This most interesting 
manuscript belonged formerly 
to the monastery of Hersfeld; 
it contains literaty extracts 
gathered by a monk there. Of 
course theology occupies most 
room, there are, however, also 
numerous notes conceming 
the profane knowledge. The 
author cites the Holy Scripture, 
several patristic writers and 
numerous medieval theologi- 
ans, especially Bonaventura, 
Lyra and Cusanus. The un- 
numbered leaves preceding the 
manuscript contain an alpha- 
betical index. The name of 
the author is given on f. XVIa: 
Collegit hosce flores fr. Phi- 
lippus Hersfeldie minorita Anno 
Christi 1525 exorsus. On 
f. XIV b is to be read: Finis 
anno dei 1531. 2150.— 

Contents: 1. f. 1a to 54a: Opus 
nobile quod dicitur sententia sen- 
tentiarum S. Bonaventurae, dictatum 
per versus super quattuor libros 
sententiarum. Bonaventura, the 
famous scholastic (doctor seraphicus) 
lived 1221—74. Each verse is ac- 



Karl W* Hierscmann in Leipzig:» Königfsstrasse 3« Katalog: 330» 



Manusaipte daäsehen Ursprunges. XVI . - XIX. Jahrh. 



21 



Neben jedem Verse stehen erläu- 
ternde Bemerkungen in Prosa. Am 
Ende liest man: Anno dei 1527 in 
Treviri (Trier) perfedt Phil. Hersfelt 

2. Bl. 54b bis 104b: Indpit theo- 
logia naturalis sive liber creaturarum 
et sdentia de homine, ein scholasti- 
sches Compendium der Naturphilo- 
sophie ohne Angabe des Verfassers. 

3. BI. 105a bis 112b: Indpit deda- 
rado terminorum theologie S. Bona- 
venturae. 

4. Bl. 113a bis 136b: E nonnullis 
Nicolai Cusani opusculis excerpta 
(Nicolaus V. Cusa, der berühmte 
Kardinal, 1401—64). Die Auszüge 
sind vorwiegend theologischen In- 
halts, doch finden sich auch astrono- 
mische Notizen mit einigen Figuren. 

5. Bl. 137a bis 153a: Computus 
vulgaris perutile in astronomiam 
continens introductorium incipit 
Sammlung von Notizen über Astro- 
nomie, Geographie, Meteorologie u. 
Kalenderwesen mit zahlreichen kolo- 
rierten Zeichnungen. Bemerkens- 
wert ist auf Bl. 147 b eine kleine, 
kreisförmige Erdkarte von 82 mm 
Durchmesser. Sie stimmt voll- 
kommen überein mit der gleich- 
großen Weltkarte auf dem Titel- 
blatte der höchst seltenen Druck- 
schrift Globus mundi (A^gentorati 
1509) beschrieben und reproduziert 
bei Nordenskiöld, Faksimile-Atlas, 
S. 40) u. ist offenbar nach dieser 
kopiert In der linken unteren Ecke 
erblickt man einen Teil von Süd- 
amerika mit der Inschrift Nova Terra. 
Ein erklärender Text auf Bl. 148a 
gibt dazu folgende Erläuterung: 
Nova terra iam inventa America 
appellata situat iuxta Europam et 
Africam a latere versus ocddentem. 
Diese Bemerkung dürfte um 1528 
geschrieben sein. 

6. Bl. 154 a— 155b: Transsubstan- 
dado panis Eucharistie, eine Dar- 



companied by explanatoiy notes in 
prose. At the end: Anno dei 1527 
in Treviri perfedt Phil. Hersfelt 

2. f. 54b to 104b: Incipit theo- 
logia naturalis sive liber creaturarum 
et scientia de homine; a scholastic 
compendium of natural philosophy, 
without name of the author. 

3. f. 105a to 112b: Indpit deda- 
rado terminorum theologie S. Bona- 
venturae. 

4. f. 113a to 136b: E nonnuUis 
Nicolai Cusani opusculis excerpta 
(Nicolas of Cusa, the famous Car- 
dinal, 1401 to 1464). The extracts 
relate in general to theology, but 
there are also some astronomical 
notes with figures. 

5. f. 137a to 153a: Computus 
vulgaris perutile in astronomiam 
continens introductorium indpit 
Extracts conceming astronomy, geo- 
graphy, meteorology and almanac- 
maJdng, with numerous colou- 
red drawings. 

On f. 147 b a small drcular map 
of the World, diameter 82 mm, 
apparently a copy of the map which 
is to be Seen on the title-page of 
the rarissime „Globus mundi" ( Argen- 
torati 1509). The latter is described 
and reproduced in „Nordenskiöld, 
facsimile-atlas" p. 40. In the left 
lower comer is to be seen a portion 
of South America with the inscrip- 
tion „Nova Terra". The explana- 
toiy text on f. 148 a runs thus: Nova 
terra iam inventa America appellata 
situat iuxta Europam et Africam 
a latere versus ocddentem. This 
note might have been written about 
1528. 

6. f. 154 a to 155b: Transsubstan- 
dado panis Eucharistie, an exposition 
of the Communion. 



Karl W. Hiefsemann in Lelptlsff Königsstrasse 3« Katalog 330. 



22 Manusaipte deutschen Ursprunges. XVL-XIX.JahHu 

Stellung der katholisdien Abend- 7. f. 156a to 162b: Exiracts con- 
mahlslehre. cerning anthropology and mediane, 
7. BL 156a— 162b: Sammlung with interesiing coloured drawings: 
von Notizen anthropologischen und a bleeding-table a head and an 
medizinischen Inhalts mit inter- opened human body, showing the 
essanten kolorierten Zeichnungen: internal parts; both drawn by Frater 
eine Aderlaßtafel, ein Kopf u. ein Philip, 1528; moreover four schema- 
geöffneter menschlidier Körper zur tic representations of degrees of 
Veranschaulichung der einzelnen relationship : arbor consanguinitatis, 
Teile (beide laut Inschrift vom affinitatis, cognationis spiritualis and 
Bruder Philipp 1528 gezeichnet), cognationis legalis. 
sowie 4 schematische Darstellungen 
der verschiedenen Verwandtschafts- 
grade: arbor consanguinitatis, affini- 
tatis, cognationis spiritualis u. cogna- 
tionis legalis. 

19 Rahiiy Joh. Heinr^ Eydtgnösische Oeschichten von dem Anfang 
des Helvetischen Nahmens bis auff gegenwärtiges Läuffen des 
1700. Jahres, aus allerhand sowoll von Hand geschriebene als 
auch getruckten Scribenten wie nit weniger den Actis publids 
zusammengetragen. Manuscript aus dem Anfang des XVIII. 
Jahrhunderts. 3 Tle. Fol. Ober 3000 Seiten. Ppbde. 425.— 
Tadellos erhaltene, saubere, gut lesbare Kopie a. d. 18. Jahrhundert 
des in der Stadtbibliothek in Zürich befindlichen Originahnanuskriptes 
der für die Geschichte der Schweiz außerordentlich wichtigen Rahn'sdien 
Chronik, die im 18. Jahrhundert zu den gelesensten Schweizer Chro- 
niken gehörte u. in vielen Abschriften in der Schweiz verbreitet war. 
Die Exemplare aber sind fast sämtlich mit Ausnahme einiger weniger 
in schweizerischen Bibliotheken aufbewahrter zu Grunde gegangen. Die 
Chronik gilt noch heute als eine der besten u. zuverlässigsten, beson- 
ders in Anbetracht der Ereignisse zu Rahn's Zeit, eines sehr angesehenen 
schweizerischen Staatsmannes u. Historikers, geb. 1646, gest 1708. Ver- 
gleiche über ihn auch Haller, Bibliothek der Schweizergeschichte IV 
No. 457 u. Allgem. Deutsche Biographie XXVIl, S. 173/174. — 

Nach dem Beschlüsse des Rats der Stadt Zürich durfte die Chronik 
nicht vollistandig gedruckt werden; es erschien nur ein bis zum J. 1689 
berichtender kurzer Auszug im J. 1690 in Zürich, der allgemeine An- 
erkennung fand u. dem Verfasser ein größeres Geldgeschenk einbrachte. 
Meine Handschrift enthält viele von der Zensur im Ori- 
ginal nicht genehmigte u. durchstrichene Stellen, so z. B. 
nach der Erzählung der Teil-Historie die Zweifel des Verfassers an deren 
Glaubwürdigkeit 

Teil III, die Jahre 1677—1700 behandelnd, ist von ganz besonderem 
Interesse u. dürfte reiche litterarische Ausbeute in historischer u. kultur- 
historischer Beziehung geben. 

Ausführliche Register zu jedem Teile erleichtem den Gebrauch der 
Handschrift 

Karl W* Hiersemann In Lelptig^ Königsstrassc 3* Katalog 330« 



Manusaipte deutsdten Ursprunges. XVL-XIX.Jahrh. 23 

20 Roth, Oeorgius de (Rektor des Oymnasii zu Stade), geogra- 
phische Beschreibung der beyden Herzogthfimer Bremen und 
Verden. Nebst e. Anh.: Vom Lande Hadeln^ vom Amte Ritz- 
bQttel, wie auch von der Insul Hilgeland. Mit e. vollständgen 
Register, Fol. (Stade) 1718. Pergt. 160.— 

Manuscript von 406 S. u. 16 Blatt, bemerkenswert besonders durch 
seinen gleichzeitigen, kunstvoll verzierten Einband: Ein Oanzpeigamentband, 
dessen beide Deckel mit roter Grundfarbe bemalt sind; das Mittelfeld zeigt 
eine ornamentierte Kartusche in Oold und Silber, welche eine auf einem 
Totenkopfe sitzende und mit dem Spiele der Seifenblasen beschäftigte 
Kinderfigur (in Ooldpressung) einschließt Das Ganze mit einer 
3 cm breiten dunkelbraunen, von Ooldborde begrenzten Einfassung. Den 
äußersten Rand bildet eine Umrahmung in der roten Grundfarbe, von 
Goldlinien eingefaßt, mit Figuren und Stempeln in Goldpressung geziert 
Der Rücken in 5 Feldern mit Ornamenten in Goldpressung. Goldschnitt 

Nicht minder interessant ist die Handschrift selbst, eine saubere Kopie 
in großem, fließend lesbarem Ductus von der Hand eines geübten Schreibers; 
sie enthält auf 406 num. Seiten historisch-topographisch-statist Nachrichten 
vom Herzogtum Bremen, von der Stadt Bremen, Stade, Buxtehude, vom 
Alten Lande, vom Lande Kedingen, vom Amte Himmelpforten, Neuhaus, 
Bremervörde etc. etc. Am Schlüsse 16 Blatt Generalregister. 

21 Scheffel, Joseph Victor v., Waldeinsamkeit Dichtung zu 
Julius Maraks landwirtschaftlichen Stimmungsbildern, radiert v. E. 
Willmann. Folio. Wien 1878. Abschrift des Original-Manuscripts 
ausgeführt von Scheffels Sohn, mit mehreren Korrekturen und 
Notizen von Scheffel selbst. Beiliegt, durchweg von Scheffels 
eigener Hand geschrieben und unterzeichnet: „Vcrlagsvertrag 
die Dichtung Waldeinsamkeit von Jos. Victor von Scheffel zu 
Karlsruhe betr. mit Kunsthändler Feter Kaeser in Wien und 
München" in 6 Paragraphen datiert: Karlsruhe, 21. Juli 1877. 
Ferner der Begleitbrief Scheffels zu diesem Verlagsvertrag an 
den Verleger Peter Kaeser in München nebst handschriftlichem 
Titelblatt seiner Dichtung Waldeinsamkeit und auf dessen Rück- 
seite die Worte: „Die Richtigkeit voriiegender Reinschrift und 
ihre Übereinstimmung mit dem Manuscript des Verfassers be- 
urkundet nach sorgsamer Revision, Durchsicht und Korrektur 
der Schreibfehler. Karisruhe, 12. Juli 77, der Verfasser J. Victor 
Scheffel." Folio. In Mappe mit Aufschrift von Scheffel. 360. — 

22 Schulze, Ernst K. Fr., Dichter der „Bezauberten Rose", geb. 
1789 in Celle, gest ebendaselbst 1817. Original-Manuscript 
sämtlicher 20 Gesänge des Epos „Cäcilie" und verschiedener 
anderer Gedichte, von denen mehrere ungedruckt sind, aus den 
Jahren 1810-17. 2200.— 

Das umfangreiche Manuscript des bereits im 28. Lebensj. verstor- 
benen romantischen Epikers stammt aus dem Nachlasse der Frau von 
Berlepsch, geb. Adelheid Tychsen, der Schwester der im Alter von 

Karl W. Hiersemann in Leiptig^ Königsstrasse 3. Katalog: 330. 



24 Manuscripte deutsdien Ursprunges. XVL-XIX*Jahrh. 

18 Jahren verstorbenen und vom Dichter langgeliebten Cädlie, und 
derjenigen, auf welche er nach dem Verluste seiner ersten Liebe seine 
Neigung übertrug, ohne Erwiderung zu finden. Letzterer, resp. deren 
Eltern vermachte daher der Dichter seinen noch vorhandenen Hand- 
schriften-Nachlass, der in den oben angebotenen und im Folgenden näher 
beschriebenen Stücken bestand, darunter verschiedene an Adelheid ge- 
richtete oder sich auf ein Verhältnis zu ihr beziehende Gedichte, welche 
bisher nicht zum Abdruck gelangt sind. 

Obige wertvolle Sammlung enthält also folgende, verbürgt eigen- 
händige, zumeist mit seinem Namenszuge unterzeichnete Ma- 
nuskripte des Dichters: 

1. Cädlie. Epos in 20 Gesängen, welches in einer Verherrlichung der 
früh verstorbenen Geliebten den Sieg des Christentums über die 
heidnischen Germanen schildert und reich ist an patriotischen An- 
spielungen seiner Zeit Jeder Gesang bildet im Mscr. ein Heft, das 
erste trägt die Notiz „Angefangen am 17. Januar 1813'' (Cädlie war 
3. Dez. 1812 gestorben), das letzte am Schlüsse „Vollendet den 
13. Dezember 1815''. Bouterwek schreibt im Vorwort zu s. Ausgabe 
der Cädlie: „Dem Abdruck der Cädlie ist die Handschrift zum Grunde 
gelegt, die der Dichter selbst den Eltern der Geliebten, deren Namen 
das Gedicht trägt, übergeben hatte." Dies ist das vorliegende Manu- 
skript 

2. Gedicht (an Cädlie Tychsen gerichtet) mit der Oberschrift: „Se- 
bastian Bach. Seiner Verehrerin geweiht Kühne Seglerin, Fantasie, 
Wirf ein muthloses Anker hie! Schiller." 

„Du Macht des Klanges, empor auf Adlerschwingen ..." 6 Blatt 

3. „Du nennst ein Räthsel, nennst verschlossen mich ..." 2 Blatt 

4. „Vergebens senkt mein Geist in der Wissenschaft 
Verborgenes Reich sich, forschet der alten Zeit . . ." 

Auch diese beiden sind an Cädlie Tychsen gerichtet 

5. Rezension eines Trauer- und Lustspieles von Karl Thorbecke, mit 
einer Blumenlese aus den beiden Stücken. 4 Bl. in 4. Ungedruckt 

6. „Lilie." Eine poetische Erzählung. 20 Blatt (in der Ausg. s. i>oet 
Werke nicht abgedruckt). 

7. „Hero und Leander." Angefangen im Frühling 1810. 6 Bl. in 4 
(nicht abgedruckt). 

8. Poetisches Tagebuch. Das vorlieg. Msk. enthält alle Lieder mit Aus- 
nahme von 4 (28. April 1814; 20. April 1816; 8. Mai 1816; 10. Febr. 1817). 
Dagegen finden sich aber 12 weitere Lieder (an Cädliens Schwester 

Adelheid gerichtet), welche, mit Ausnahme des ersten, sämtlich bisher 
ungedruckt sind. 
1 Am 28. Junius 1813: 

„Das Blümchen schläft, die Sonne sank . . ." 
5 Verse zu je 4 Strophen. 
2. Am 10. Januar 1814: 

„Geh, Lied der Minne, geh dahin . . ." 
5 Verse zu je 4 Strophen. 

Karl W* Hicfsemann in Leiptig^ Königsstrassc 3* Katalog 330. 



Manusaipte deutschen Ursprunges. XVL-XIX.Jahrh. 25 

3. Am 5. Februar 1815: 

„Ein leichter Sinn mag oft in neuen Weisen . . J* 
4 Verse zu je 8 Strophen. 

4. Gesang der Elfen. Am 7. Febr. 1815: 
„Aus der winterlichen Halle . . ." 

9 Verse zu je 8 Strophen. 

5. Am 28. März 1816: 

„Könnt ich nur einmal fest ans Herz dich drücken . . .'' 
2 Verse zu je 8 Strophen. 

6. Am 17. Juli 1815: 

a) „Wie dürft ich sonst so friedlich mit ihr wallen . . .*^ 
8 Verse zu je 4 Strophen. 

b) „Nimm mir alles, falsches Glück . . .'' 
2 Verse je 8 Strophen. 

7. Canzone am 8. Januar 1817: 

„Wie leis und lind in Hainen und auf Auen . . .'^ 
8 Verse mit je 9 u. 1 Vers mit 4 Strophen. 

8. Der Sänger. Obersetzung aus dem Französ. „Le Troubadour^' (un- 
datiert): 

„Von Lieb entbrannt, von Ehr u. Mut getrieben . . ." 

Im Original: 
„Brulant d'amour et partant pour la guerre . . .'' 

4 Verse mit je 8 Strophen. 

9. „O süBes Glück, wie lang soll ich mich sehnen . . .'' 

Obersetzung aus dem französ. Original: 
„Ah, que, l'amour auroit pour moi de charmes . . ." 

5 Verse mit je 4 Strophen. 

10. Am 10. Januar 1817: 

„O brich hervor aus deiner leichten Hülle . . .** 
14 Strophen. 

11. Am 11. Januar 1817: 

„Wie hat so schnell die blühenden Gestalten . . .'' 
2 Verse mit je 14 Strophen. 

12. Am 4. Februar 1817: 

„Was mir die Liebe beschied, den unendlichen Schmerz der Ent- 
sagung . . .'' 
66 Distichen. 
Zu den ungedruckten Stücken gehören noch 3 Gedichte: 
9. „Was seh' ich? Ha, ist das nicht Amors Binde . . .'' 
16 Verse mit je 14 Strophen auf 4 Blatt. 

10. „Du, deren Geist auf Farben und auf Tönen 
Sich in das Reich der heiigen Kunst erhob . . .'' 

83 Strophen auf 3 Seiten. 

11. „Zarter Liebe leises Sehnen 
Sinnend irrst du und allein . . J^ 

8 Verse mit je 10 Strophen auf 4 Seiten. 
Alles Autographen des in der Blüte seiner Schaffenskraft 
dahingerafften Dichters, wohl des hervorragendsten Epikers aus 

Karl W* Hiersemann in Lciptig^ Königsstrassc 3* Katalog 330. 



26 Manuseripte deutsdun Ursprunges. XVL-XlX.Jahrh. 

der romantischen Schule; kommen sehr selten vor iL stehen hoch im 
Preise; diese Sammlung ist daher, um so mehr als sie viele ungedrudcte 
Stficke enthält, ein Unikum ersten Ranges. 

23 Schulze, Ernst Konr. Fr., Dichter des Epos „Cädlie^ und der 
^Bezauberten Rose"" (geb. 1789 in Celle, gest daselbst 1817), 
Sammlung von 85 eigenhändigen Briefen an Adelheid 
Tychsen, die ältere Schwester der 1812 im Alter von 18 Jahren 
verstorbenen und von ihm heißgeliebten Cäcilie, geschrieben in 
der Zeit vom 7/VI 1813 bis 26/V 1816 aus Oöttingen, Celle, 
Altenwerder, Buxtehude, Moorburg, Harburg und Holm, davon 
39 aus der Zeit vom 22/III bis 15/IX 1814 noch unveröffentlicht 
und nirgends abgedruckt — Femer 9 noch ungedruckte eigen- 
händige Briefe des Dichters an Adelheids Mutter, die Hofräthin 
Tychsen in Oöttingen, geschrieben vom 22/III bis 19/ VIII 1814 aus 
Celle, Buxtehude und Moorburg. Im Ganzen 94 Briefe auf 87 
Bogen in 8^ 2450.— 

Obige sehr wertvolle und hochinteressante Sammlung von Original- 
briefen des vielgefeierten Dichters (s. No. 22) stammt aus dem Nach- 
lasse der Adressatin, Frau Adelheid von Berlepsch geb. Tychsen und 
gelangte durch ihre Enkelin in meinen Besitz. 

Diese Briefe des Dichters an Adelheid, auf die er nach dem früh- 
zeitigen Tode ihrer jtingeren Schwester Cädlie seine ganze Neigung 
übertrug, ohne Erwiderung zu finden, sind von ihrem künstierischen, 
wie von ihrem literarischen Werte ganz abgesehen, Dokumente von so 
ungemeiner Wahrheit, so großem psychologischen Interesse, wie wir 
ihrer in unserer Literatur nicht viele haben. Wir sehen aus ihnen, wie 
der Dichter trotz der entschiedenen Zurückweisung, die ihm auf seine 
Werbung ein halbes Jahr nach Cädliens Tode von Adelheld zuteil wird, 
nicht mehr von ihr lassen kann, sondern sich noch drei Jahre lang in 
der schwärmerischsten und hingebungsvollsten Weise um ihre Gegen- 
liebe bemüht; denn wie eine fixe Idee beherrscht ihn der Gedanke seiner 
Doppelliebe; er darf nur um ein Weib auf Erden werben, die Schwester 
der Toten, weil nur dies ihm nicht als Untreue gegen die Tote erscheint, 
weil er nur so in der Lebenden auch die Tote immer besitzen zu können 
glaubt Als Ersatz für ihre Gegenliebe, die sie ihm nicht schenken kann, 
nimmt er dankbar ihre Freundschaft hin, die sie ihm mitleidig gewährt, 
und lohnt ihr diese in rückhaltioser Offenheit durch Schilderung seiner 
bisherigen Lebensschicksale, seine zahlreichen früheren Liebesaffären nicht 
ausgenommen. 

Die 85 Briefe an Adelheid, die — ebenso wie die 9 Briefe an ihre 
Mutter, die Hofrätin Tychsen — niemals aus den Händen der Familie 
gegeben wurden, repräsentieren deshalb einen auBerordentiich hohen 
Wert, weil erst 46 von ihnen im Druck veröffentiicht worden sind, sei 
es in der Biographie des Dichters von H. Marggraff 1855, sei es von 
K. E. Franzos im 16. Bande der „Deutschen Dichtung^' 1894. Dieser Ab- 
druck erfolgte auf Grund von Abschriften der Briefe, die sich in dem 
vom 8/lX 1811 bis 17/VII 1816 reichenden Tagebuche Ernst Schutzes 

Karl W* Hiersemann in Leipzigs Königsstrassc 3* Katalog 330» 



Manuscripie engUsdun Ursprunges. XIV. Jahrh. 27 

befanden. Eine Vergleichung der Originale mit den im Tagebuche auf- 
bewahrten Abschriften zeigt vielfache, wenn auch nicht wesentliche, stili- 
stische Abweichungen, die der Dichter nachträglich vorgenommen hat 
Marggraff erwähnt in der Vorrede der Biographie (S. 11), daß das 
Tagebuch sämtliche Briefe Schutzes an Adelheid Tydisen einschließe. 
Diese Angabe ist jedoch nicht zutreffend, da die Eintragungen in dem 
Tagebuche von Anfang 1814 bis Mai 1815 eine fast U/|-jährige Lücke auf- 
weisen, während gerade aus dem Jahre 1814 vom 22/111 bis 15/IX 
39 besonders interessante Briefe des Dichters an Adelheid vorhanden 
sind, die mithin in dem Marggraffschen Buche fehlen. Auch Franzos 
kennt keinen dieser Briefe. 

Die gleichfalls bisher vollständig unbekannten 9 Briefe des Dichters 
an die Mutter Adelheids, die Hofrätin Tychsen in Oöttlngen, aus der 
Zeit vom 22/III bis 19/VIII 1814 enthalten weiteres wertvolles Material 
für eine Ergänzung der Margraffschen und Französischen Mitteilungen. 

Diese 48 noch unveröffentlichten Briefe aus dem Jahre 1814, also über 
die Hälfte der ganzen Sammlung, sind ganz besonders deshalb von hohem 
Interesse, weil sie aus der Zeit stammen, in welcher der Dichter als 
Freiwilliger des Beaulieu'schen Jägerkorps im Kampfe gegen Frankreich, 
an der Niederelbe, teilnahm. 

Alle Briefe sind sehr sorgfältig und leicht leserlich geschrieben, die- 
jenigen an Adelheid sind mit E. Seh. unterzeichnet, während die 9 Briefe 
an die Hofrätin die volle Unterschrift E. Schulze tragen. 



Manuscripte enj^schen Ursprunges. 

XIV. Jahrh. 

24 Biblialatina: Liber Proverbiorum, Ecclesiastes,Canticuni 
Canticorum. Epistola Jacobi, Epistolae I, II Petri, Epis- 
tolae I — III Johannis, Epistola Judae, Apocaljrpsis. 
Latein. Pergamenthandschrift von 140 Blatt (davon 3 unbeschrieben) 
in Fol. aus dem XIV. Jahrhundert mit 6 größeren und vielen 
kl. Initialen. Palimpsest. In altem Lederbande (XVIU. Jahrh.) 
mit dem Aufdruck: „Proverb. Salom". 320. — 

Diese 32x20^/s cm große Handschrift, die, mit den kurzen Ein- 
leitungen S. Hieronymi, von einem Interlinear- u. Marginal-Kom- 
mentar begleitet ist, stellt ein Palimpsest dar. 

An den Rändern, teilweise auch mitten im neuen Texte tritt uns eine 
Fülle deutlich lesbarer Reste der ursprünglichen Handschrift entgegen. 
Dem eigenartig knieförmigen Duktus nach haben wir hier, voraus- 
sichtlich, die Kurzschrift eines latein. kirchl. Textes vor uns, wie sie 
im XII. Jahrhundert in England nachweisbar ist Bemerkenswert ist die 
Dünne des Pergaments in der Mitte des Blattes gegenüber den, noch die 

Karl W« Hiersemann in Ldpxigt Königsstrasse 3* Katalog 330* 



28 Manusaipte engUsdim Ursprunges. XVII-XVIlLJahrh. 

alten Schriftzeichen tragenden, wenig abgeriebenen Rändern, besonders 
zu Anfang der Handschrift 

Der Text ist in 3 Columnen geschrieben, von dessen Zeilenköpfen 
hin IL wieder blaue u. rote Ausläufer ausgehen. 

Die 6 großen und vielen kleinen Initialen sind blau u. rot gehalten, 
leicht mit Linien ornamentiert u. zeigen den üblichen Charakter der Hand- 
schriften des XIV. Jahrh. 

Auf Blatt 11 — 41 sind die Anfangsbuchstaben nuBfarbig hervorgehoben, 
ja fehlen z. T. ganz, da eine wohl für später beabsichtigte farbige Aus- 
malung derselben unterblieben ist Blatt 1, 42 u. 60 sind leer. Das Per- 
gament zeigt viele gestopfte u. ungestopfte Löcher. Die Erhaltung der 
alten Handschrift ist vorzüglich. 



Manuscripte englischen Ursprunges. 
XVIL— XVm. Jahrh. 

25 Neumajrr von Ramszla, J. W., The Joumey of John Emest 
junior Duke of Saxony etc through France, England and the 
Netherland from March 27th 1613 to March lOth 1614 described 
by J. W. Neumayr von Ramszla. 4. Leipz. 1620. Hfrz. Deut- 
lich geschriebenes Manuscript von 68 Seiten in-4. 60. — 

Vorliegendes Manuscript ist eine englische Obersetzung des im Jahr 
1620 zu Leipzig erschienenen deutschen Originals und zwar liegt in der 
hier vorliegenden Obersetzung nur der Teil vor, der den Aufenthalt des 
Prinzen in England behandelt (Seite 159—216 des deutschen Originals). 
— Der hier vorliegende Abschnitt gibt interessante Aufschlüsse über die 
kirchlichen, politischen und sozialen Verhältnisse Englands unter König 
Jacob I., dem Nachfolger der Königin Elisabeth. 

26 Palmer, Charies, Some account of, and remarks made in a Tour 
throug France and Italy in the years 1739 and 1740, more parti- 
culariy relating to the antiquities and paintings of those countries 
by Charies Palmer (of Lichfield). 3 vols. in Quarto. Ca. 1750. 
Hldr., Pgt u. Kart. Manuscript 120.— 

Interessantes Reisejournal, das eingehend Aufschluss gibt über Ge- 
mälde, Bauten, Skulpturen, Münzen etc. Italiens u. Frankreichs. Das 
Manuscript besteht aus 3 Bänden, von denen 2, welche die Nachweisungen 
u. kurze Skizzen enthalten, von des Verfassers eigener Hand sind, 
während das ausgeführte umfangreiche Hauptwerk in sauberer Abschrift 
vorliegt Zahlreiche Illustrationen, teils aus fremden Werken, teils von 
dem Verfasser selbst in Bleistift und Tuschzeichnung ausgeführt, sind 
zur Erläuterung der beschriebenen Denkmäler beigegeben. 



Karl W* Hiersemann in Ldpxig» Königsstrasse 3* Katalog: 330* 



Tafel 5. 



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tm^oit^ftiwu iny^tiruaitii'rti^llJxi* 



No. 27. BIBLIA LATINA. Anfang d. Buches Arnos. 
Circa 1280. Französisch. 



Tafel 6. 



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ortcpcmin imutttinrntVcoz^au^ 
q6 avttmticitm'i'Cttfun Cacrtv>aftn>itf 
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inmc^tm ammmuifrmuii ttni7qr% 
tt»öfe?tinr «nrif teiflnn in»tcgtm»fb 

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tifilf* diditÄf*tttiir C5 crValf-ilvtifom 

tvUttiaiilchMr* aimiVfiif« Cin«iir*iiAZa 

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No. 27. BIBLIA LATINA. Anfang d. Buches Tobias. 
Circa 1280. Französisch. 



Manusaipte fmnzösisdim Ur^runges. XIIL—XV.Jahrh. 



29 



Manuscripte französischen Ursprunges. 
Xm.— XV. Jahrh. 



27 Biblia Sacra latina, editio 
vulgata, cum prologis S. Hiero- 
nymi. 8000.— 

Vgl. die Abbildungen Taf. 5 n. 6. 

Französisches Ms. kl.-4, von ca. 
1280; 455 dünne Pergamentblätter. 
Sauber geschrieben in kleinen goti- 
schen Buchstaben, in zwei Colum- 
nen mit 51 Zeilen auf der Seite, 
geschmückt mit 66 prächtig gemal- 
ten, stilisierten Initialen, 30 davon 
mit äußerst feinen Miniaturen, viele 
mit langen Rankenausläufem, die 
den Rand der Pergamentblätter be- 
decken und zahh'eiche Initialen in 
Rot und Blau. 

Original- Eichenholz- Ein- 
band mit Kalbleder überzogen. 
In beide Decken ist ein großes 
Bild der Madonna mit Kind ein- 
gepresst, von einer ornamentierten 
Bordüre in Blindpressung umgeben, 
die wieder von einer Bordüre um- 
schlossen wird, welche die In- 
schrift „Jhesus Maria'', in verschie- 
dener Weise immer wiederholt, ent- 
hält Die Innenseiten der beiden 
Deckel sind mit Blättern eines 
frühen lateinischen Manuskriptes 
beklebt. 

Ein Initial ausgeschnitten. — 
Manuscripte in ihrem ursprüng- 
lichen Oewande kommen sehr sel- 
ten vor. — Das vorliegende Stück 
In seinem frühen, wohl gleichzei- 
tigem Einbände, hat deshalb neben 
seinem textlichen und künstleri- 
schen noch kunstgewerblichen Wert 

28 Biblia sacra latina, editio 
vulgata. — Kleine lateinische 
Bibel des XIII. Jahrh. mit 80 
Miniaturen und reicher Rand- 
Verzierung. Französische Arbeit 
683 Bi. feinstes Pergament, in 



Biblia sacra latina, editio 
vulgata, cum prologis S. Hiero- 
nymi. 8000.— 

Voir les r^roductions pl. 5 et 6. 

Manuscrit d'origine frangaise, 
petit in-4, environ 1280. 455 feuil- 
lets de parchemin. Ecrit en petits 
caract^res gothlques, en deux co- 
lonnes, chaque page de 51 lignes, 
avec 66 tr^s belies initiales, dont 
30 sont om^es de miniatures pein- 
tes avec la plus grande d^licatesse. 
Beaucoup de ces initiales ont de 
iongues tiges qui s'^tendent dans 
les marges des feuillets. De plus, 
beaucoup d'initiales en rouge et 
bleu. 

Reliure du temps en als de 
bois, recouverte en veau. Dans les 
deux plats, on a imprim6 unc 
grande Image de la Vierge avec 
Penfant, entour^e d'une bordure or- 
nementde, repouss^ef ä froid ; le tout 
dans un encadrement portant en 
plusieurs endroits l'inscription 
„Jhesus Maria''. Sur la surface In- 
terieure des deux plats, on a collö 
des feuillets d'un anden manu- 
scrit latin. 

Une initiale a €i€ enlev^e. Des 
manuscrits dans leurs reliures ori- 
ginales sont tr^s rares. A cöt^ de 
sa valeur litt^raire et artistique, la 
präsente pi^ce vaut aussi par Part 
avec lequel sa reliure a ii€ falte. 



Biblia sacra latina, editio 
vulgata. Petite Bible Latine. 
Xllle sitele. Avec 80 miniatures 
et riches bordures. Origine 
fran^aise. 683 feuilles de 
parchemin; reliure andenne 



Karl W* Hiersemann in Leipzig, Königsstrassc 3* Katalog 330* 



30 



Manuscripte framösisehen Ursprunges. XllL—XV. Jahrfu 



altem dunkelrotem Leder- Ein- 
band gleicher Epoche mit Blind- 
pressung und Metall-SchlieBen 
(eine fehlt). An den Innenseiten 
des Deckels je ein Stück Perga- 
ment von einer etwa gleichzeitigen 
Hs. (Vita Sanctorum mit Neumen) 
aufgeklebt; das vordere bei einer 
Reparatur zum zweiten Male 
befestigt Die beiden ersten 
Blätter an der Innenseite voll 
ausgemalt; das erste stammt 
von einem älteren Ms. (wahrsch. 
Brief oder Urkunde mit Unter- 
schrift) größeren Formats, von 
dessen Schrift die letzten Zeilen 
oben und in der Mitte des vor- 
liegenden Blattes standen und 
wegradiert wurden; dazwischen 
wurde geschrieben: In isto libro 
cötinetur Textus Biblie cü inter- 
pretationibus. In der Mitte der 
Seite außerdem eine neuere 
Rasur. Man liest dort in neue- 
ren Schriftzugen (etwa 1. Hälfte 
des XIX. Jahrh.): Codex e Biblio- 
theca A (oder M) . . . . publice 
divendita imperial, argenteis; dar- 
über ist eine Zeile in gleicher 
Schrift hinzugefügt, aber aus- 
radiert bis auf die Spuren von 
rede(mptus). Auf d. 3. Bl. ein 
alphabetisches Inhalts-Verzeich- 
nis von derselben Hand (XVII. 
Jahr.) welcher die Paginierung 
des Buches angehört; dieselbe 
geht nur bis Bl. 628; unberück- 
sichtigt bleibt das umfangreiche 
erklärende Namensverzeichnis 
des H. Hieronymus wie im Re- 
gister die Einleitung, welche aus 
mehreren prologi des H. Hiero- 
nymus besteht: (Erat Ambrosius 
— in lateos transferre sermonem). 
Format 15X10 cm. 12000.— 

Vgl. d. Abbildg. Taf. 7. 

Solche ganz kleine Bibeln wurden 
im Laufe des XIII. Jahrh. gar manche 



de r^poque, en cuir rouge, re- 
poussage ä froid et fermoirs 
dont un manque. Sur chacune 
des surfaces int^rieures de la 
reliure on a coll6 un morceau 
de parchemin d'un manuscrit 
de ce temps (vita sanctorum 
ä neumes). Les deux premi^res 
feuilles sont enti^rement colo- 
ri^es sur les deux cöt^s qui 
se r^^ardent, la premi^re fut 
d'un manuscrit ancien (appa- 
remment lettre ou document 
sign£) d'un format plus grand. 
Les lignes finales du texte de 
cette feuille ont £t£ ratur^es 
et, ä leur place, on lit mainte- 
nant: in isto libro cötinetur 
textus Biblie cü interpretatio- 
nibus. Au centre de la page, 
on apergoit aussi un grattage 
plus r^cent On y lit quelques 
traits trac£s ä la plume, 6gale- 
ment d'origine r^cente (environ 
premi^e moiti^ du 19 si^cle): 
Codex e bibliotheca A (ou M) 

publice divendita imperial. 

argentds. Au dessus, une 
ligne ajoutte par la m€me main, 
a tit gratt^ en suite, sauf 
les traces de red[emptus]. La 
3e feuille contient l'index alpha- 
b^tique de la m6me main (17e 
si^e) qui a pagin^ le livre. 
La pagination ne va que 
jusqu'ä la p. 628; la liste expli- 
cative des noms de St J^rome 
n'est pas pagin^e, comme 
d'autre part Tintroduction (se 
composant de plusieurs pro- 
logi de St. J6rome) n'est pas 
mentionn^e dans l'index cit£. 
Orandeur 15X10 centim. 

12000.— 

Voir Im r^rodnction pl. 7. 

De telles petites bibles ont 6t6 
6crites assez souvent au 13^ si^de, 



Karl W« Hiersemann In Leiptig^ Kftnlgsstrassc 3* Katalog 330. 



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Manuscripte französischen Ursprunges, Xlll.-XV.Jahrh. 



31 



geschrieben, doch werden sich nicht 
allzuviele Exemplare vorfinden, wel- 
che von Anfang bis zu Ende so 
gleichmäßig und sauber geschrieben 
sind, ohne Flecke und Rasuren, ohne 
Spuren der Ermüdung oder Zerstreut- 
heit, ohne Vertauschung von Blatt- 
lagen beim Zusammenheften und 
was dgl. mehr; aber auch wenige 
von so tadelloser Erhaltung, ohne 
Recke, Risse, fehlende Blätter. Der 
Text in zwei Columnen zu 47 Zeilen 
geschrieben, in ebenso sichererund 
scharfer wie eleganter friih-gothischer 
Schrift, trotz der Kleinheit einen 
breiten, opulenten Rand lassend, an 
welchem man noch kleinere, fast 
mikroskopische Notizen bemerkt, 
schon dieser ist geeignet, das Ent- 
zücken jedes Bücherfreundes zu er- 
regen. Dazu kommt der vielfache, 
mit großer Delicatesse verteilte 
Farbenschmuck in Federzeichnung 
und in Malerei, welcher sich durch 
das ganze voluminöse Buch hindurch- 
zieht Die ersteren Zeichnungen 
smd in Blau und Rot gehalten, den- 
selben Farben, welche auch in den 
Seiten- und Kapitel - Oberschriften 
abwechseln, doch lediglich in Haar- 
strichen, die von einer stärkeren 
Wurzel, gewöhnlich einem ver- 
längerten Buchstaben ausgehen. 
Lang ausfahrend gehen diese feinen 
Linien bis fast an den unteren Rand 
der Seite, wo sie unter leichten 
Windungen oft auch, wohl der Quere 
nach, umbiegend frei endigen. An 
sie setzen sich seitlich, der Länge 
nach, etwa nach dem Prinzip des 
»laufenden Hundes« kahn- oder 
schlittenförmige Figuren an, die wie 
Sägen eng gezahnt (genauer ge- 
strichelt) oder mit Fähnchen besetzt 
sind wie halbierte Palmetten oder 
Zweige; im Abschluß nach unten 
vervollständigt solche Figur sich 
zum trockenen Zweig- oder Fisch- 



mais on ne trouve pas beau- 
coup d'exemplaires qui soient ex6- 
cut^s d'un bout ä Fautre avec 
la m^me exactitude et r^gularit€, 
sans tache in grattage, sans qu'on 
puisse remarquer que T^crivain 
ait €i€ fatigu^ ou distrait; on ne 
trouve ^alement que peu d'exem- 
plaires d'une conservation aussi 
parfaite, sans tache, d^chirure ni 
lacune. Le texte est ^crit en 2co- 
lonnes ä 47 lignes, en caract^res 
gothiques tr^s fins et tr^s ^l^gants. 

Malgr^ la petitesse des lettres, 
le livre a une marge tr^ large, 
dans laquelle on voit des notes 
encore plus petites, presque micros- 
copiques. Tout cela offrira ä Tama- 
teur un tr^s vif attrait. L'ornement 
tr^s riche et d^licat de notre ma- 
nuscrit se compose de dessins ä la 
plume ainsi que de peintures et se 
continue dans tout Touvrage, qui 
est volumineux. 

Les dessins ä la plume sont 
execut^s en bleu et rouge (1^ 
memes couleurs ont servi ä ^crire 
les titres) en d^li^s sortant ordi- 
nairement d'une lettre allong^e. 
Ces traits fins s'^tendent ä peu 
pr^s jusqu'ä la marge inf^rieure 
de la page, oü ils finissent 
en fins contours auxquels sont 
attaches des motifs semblables ä 
des bateaux ou des traineaux, ceux- 
ci finement dentel^s ou gamis de 
petits drapeaux. Quand la struc- 
ture de l'ornement est plus serr6e, 
surtout lorsqu'il croit vers le haut, 
eile donne plutöt Timpression de 
plantes, poussant vers le haut, d'au- 
tant plus qu' apparaissent partout 
de petits ramifications. Tout cela 
est repr^sent^ ä Taide d'un entor- 
tillement de lignes fines sans aucun 
dement v6g^tal (feuilles etc.). 

Les grandes initiales repr^sen- 
tent un autre genre, elles sont 



Karl W. Hicfscmann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330. 



32 



Maimscripte framösisehen Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh. 



graten-Muster. Bei gedrängterem 
Oefüge, besonders nach aufwärts, 
entsteht das Bild von aufschießenden 
Pflanzen, zumal kleine Ranken sich 
überall leicht ansetzen. Jedoch dies 
nur mit Hülfe zierlichen, durch- 
sichtigen Linien -Oekräusels, ohne 
daß jemals Blätter oder andere vega- 
tabUische Elemente sich einmischen. 
~ Anderer Art sind die großen in 
allerlei Farben ausgemalten Initialen, 
welche häufig ein Miniaturbild ent- 
halten; so gleich am Eingang der 
schreibende Mönch, offenbar St Hie- 
ronymus; doch in der Regel Illu- 
strationen zu den biblischen Szenen. 
Nicht wenige dieser Büdtypen 
haben auch sonst existiert, suid 
aber nicht immer so getreu wieder- 
gegeben worden. (So z. B. kann 
man Bibeln gleicher Herkunft sehen, 
wo bei dem Opfer Anfg. Leviticus 
bei sonst genauer Übereinstimmung 
eine der beiden wesentlichen Figuren 
fehlt). Die Figur überschneidet 
manchmal das innere Oefüge des 
Buchstabens. Andererseits haben 
in besonders großen Buchstaben 
zwei dieser zierlichen Szenen Platz 
gefunden; oder endlich mehrere 
solcher sind übereinander zu einer 
Randleiste vereinigt Die ersten 
beiden Blätter sind an der Innen- 
seite gänzlich ausgemalt, mit je 
4 Bildern in Mandelform und einem 
fünften in der Mitte. Alles in einer 
Art von gothischem Rahmen werk; 
unterhalb jedesmal die Figur eines 
betenden Mönches. Auch bei diesen 
kleinen figürlichen Malereien des 
Buches spielt die Feder eine gewisse 
Rolle, namentlich bei der Zeichnung 
der Gesichter. Die Initialen mit 
ihrem farbig gefüllten Innengrunde 
stehen auf besonderem, andersfar- 
bigen Grunde, meistens blauem, mit 
winzigen weißen Punktgruppen; ihr 
Gerüst wird durch kleine Kreise 



peintes en diverses couleurs et ren- 
ferment souvent une miniature, p. 
ex., au commencement du llvre un 
moine ^crivant, apparemment St 
J^rome; en g^n^ral, cependant, 
elles repr^sentent des seines bibli- 
ques. 

Beaucoup de types Olustratifs se 
trouvent aussi ailleurs, mais n'ont 
pas toujours ^t^ reproduits aussi 
fid^lement; on connait par exemple 
des bibles de la m€me origine 
oü, dans la repr^sentation de 
Toffrande, commenct Leviticus, ü 
manque un des deux personnages. 
Parfois la figure coupe le centre 
des lettres, d'autre part on voit 
deux de ces seines renferm^es par 
une seule grande lettre, ou bien 
plusleurs mlniatures sont r^unies en 
une bordure. 

Chacune des deux premi^res 
feuilles contient quatre petites 
Images (qui ont la forme d'une 
amande) et une dnqui^me au 
centre, le tout entour^ d'une sorte 
de cadre gothique. Au-dessous de 
ces Images on voit un moine 
priant Ces petites pelntures ont 
€i€ aussi en partie ex6cut6es ä l'aide 
de la plume, surtout en ce qui 
conceme les visages. 

Les initiales sont peintes sur 
un fond colori^, le plus souvent 
bleu avec des points blanc; la 
lettre proprement dite est agr^- 
ment^e de petits cerdes ou boulet- 
tes ou de longues ^querres; la par- 
tie Interieure est orn^e de grandes 
volutes et spirales. Aux extr^mit^s 
on voit de petites tßtes d'ani- 
maux et, parfois, l'^bauche d'une 
feuflle. 

La bordure est d^cor^e de longs 
Corps d'animaux empruntant la for- 
me de l^zards ou de serpents, sur- 
mont^s parfois de t^tes humaines. 



Karl W* Hiersetnann in Leip^rig» Königsstrasse 3* Katalog 330« 




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Manuscripte französischen Ursprunges. XIII,-XV,Jahrh. 



33 



oder Kfigelchen, oder durch lange 
aneinandergeschobene Winkelhaken 
"^ belebt, das Innere durch große 
Voluten und Spiralen geziert An 
den Endpunkten erblickt man oft 
kleine Tierköpfe, selten, und dann 
wenig ausgeprägt, Andeutungen 
eines Blattes. Die Randleiste ist 
öfter mit langen eidechsenartigen 
Tierleibem oder auch Schlangen 
verziert, wobei nicht selten mensch- 
liche Köpfe verwendet werden. 
Trotz des kleinen Maßstabes ist in 
ausgiebigem Maße Oold und Silber 
verwendet worden, für Gewänder 
und Ornamente besonders. Ober- 
haupt bekundet sich in diesen 
kleinen Bildern ein lebhafter Farben- 
sinn, wobei blau, braun, kirsch-rot 
und karmoisin vorwiegen, nebst 
einer ganzen Reihe von Halbtönen 
(grau, matt violett, ganz helles 
Braun), wohmgegen grün nur sehr 
spärlich, außer im Eingang, gelb 
gar nicht vorkommt 

Am unteren Rande des zweiten 
Textblattes steht in derselben blassen 
Tinte und der Schrift, wie sie der 
Titel (In isto) zeigt, ein Vermerk, 
welcher etwa Azilini ver: doäorfis) 
beginnt und mit excudit zu schließen 
scheint; eine genaue Entzifferung 
würde das Interesse dieses in jeder 
Hinsicht kostbaren Ms. wahrschein- 
lich noch erhöhen. 

29 Biblia latina, iuxta Hieronymi translationem cum cammentario. 
Das Alte Testament Manuscript auf feinem Pergament; franzö- 
sische Arbeit des XIII. Jahrhunderts. 449 Bll. (ursprünglich 472) 
mit 92 reizenden Miniaturen, Initialen u. Randleisten in Farben u. 
Gold, außer den zahllosen kleinen rotblauen Initialen und dem 
in gleicher Weise ornamentierten Randschmuck in Federzeichnung, 
der sich durch das ganze Volumen zieht. In drei Columnen 
geschrieben. Text in d, Mitte in etwas größerer Schrift als der 
Commentar, mit vielen kleinen u. kleinsten Randnoten: Alles in dem 

Bleichen stilvollen, wunderbar scharf geprägten frühgotischen 
chriftcharakter. Bei 7 Ell« sind Stücke aus d. Text, bei 5 solche 
aus dem unteren weißen Rande herausgeschnitten. Sonst aus- 
Karl W* Hiersemann in IMpzi^p Königfsstrasse 3« Katalog 330« 

3 



Dans ces iUustrations, pourtant d6ja 
petites, on a souvent appliqu^ de 
Tor et de Pargent, surtout dans 
les ornements et dans les v^te- 
ments. 

Les peintures sont remarquables 
pour leur richesse de coloris; 
on voit surtout du bleu, du 
brun, du rouge cerise, du rouge 
cramoisi et un certain nombre de 
demi-teintes (gris, violet, brun 
dair) ; la cöuleur verte ne s'y trouvc 
que rarement (sauf au commence- 
ment) et le jaune ne s'y trouve 
pas du tout 

Dans la marge inf^rieure de la 
deuxi^me feuille du texte on 11t 
(^crit avec la m^me encre matte 
et de la m^me main qui a trac6 
le titre „in isto" etc.) une note, 
commen^nt peut-^tre par Azilini 
ver: doctor(i8) et finissant, selon 
les apparances, par excudit Le 
d^chiffrement de ce passage au- 
gmenteralt certainement l'intdr^tde 
ce manuscrit pr^cieux. 



34 Manuscripte franxösisdim Ursprunges. XUL-XV. Jahrtu 

gezeichnet gut und sauber erhalten bis auf den schadhaften Ein- 
band aus späterer Zeit Oberer Rand beschnitten. 449 BI. 
Fol Ldr. 10800.— 

Vgl. (Ue Abbilditiig Tif. 8. 

Inhalt: 5 B. Mos., Jostta, Richter, Ruth, Könige in 4 Büchern (ein- 
schließend die 2 B. Samuel.), Paralipomena (Chronik.), Esdra u. Nehemia, 
dann das seltene III. Buch Esra (unter dem Titel liber sec.), Tobias, Judith, 
Esther, Hiob, Psalter, Sprüche, Prediger, Jesaias, Jeremias u. von den 
Klageliedern die ersten 2 Kap. mit ihren je 22 Versen, welche mit den 
Buchstaben-Namen des hebr. Alphabets Aleph, Beth etc. markiert sind; 
endlich das B. Baruch. Im Eingang u. zu den Büchern die praefationes. Der 
fortlaufende, oft sehr anschwellende Kommentar ist wohl die glossa ordinaria. 

Die Anmut der französ. Buchmalerei seit dem XIII. Jahrh. ist bekannt 
und muß auch in ihrer Zeit ihre Wirkung nicht verfehlt haben; sonst 
würde sie nicht nach England und nach der östlichen Nachbarschaft hin- 
übergegriffen haben. Doch sind ihre Nachahmungen leicht zu ^^ennen. 
Das vorliegnde Ms. zeigt den Stil des XIII. Jahrh. in seiner originalsten 
u. genialsten Gestalt Die langen schmalen, der Länge nach gestreiften, 
umgebogenen, oder sonst wie gegliederten Leisten, endigen in quer ab- 
stehenden 21acken, die an Möbelarbeit erinnern, öfter ausgebogenen Tisch- 
füßen vergleichbar, aber ungleich und unsymmetrisch: in den Profilen 
macht sich bereits im Zusammenstoß der kurzen, konkaven Kurven das 
Stachelige, Domige bemerkbar, welches diesem Stil auch späterhin eigen 
bleibt Von Pflanzenteilen ist hier noch keine Rede. Andere Randleisten, 
kürzer und breiter, bieten Innendekoration und zwar fortlaufende Ranken, 
je 2 nacheinander in verschiedener Färbung, jede mit 3 Schößlingen, die 
nach dem Schema a, b, a, zurück- oder vorwärtsrollende Bewegung haben. 
Das Leisten werk ist von allerlei munteren, drolligen Figürchen belebt: 
spitzhütigen Männlein mit wunderlichen Leibern, Hunden, Hasen, Katzen, 
Vögeln, musizierenden Affen, bald hockend, bald im Spiel oder Streit 
miteinander; Knaben mit Hundsleibem oder mit Bocksbeinen, geige- 
spielend oder mit der Armbrust oft nach ganz entfernten Tieren Pfefle 
abschnellend, die man dann in der Luft fliegen sieht — Die biblischen 
Szenen, 26 an der Zahl, finden sich auf Bl. 1, 27, 49, 68, 109, 130, 133, 
143, 153, 175, 185, 196, 200, 206, 209, 213, 218, 233. 249 (Doppelbild), 
269, 301, 320, 348, 429, 444. Sie bewegen sich, innerhalb des Buch- 
staben-Oerüstes, auf einem blauen oder weinroten Grunde, welcher netz- 
artig in der Weise gemustert ist, daß kleine Quadrate (mit Punkt dar- 
innen) durch diagonale Eckfäden zusammengehalten werden. Mit welcher 
äußersten Feinheit die Figürchen und namentlich die Gesichter in diesem 
Stil gezeichnet werden, weiß man zur Genüge. Wenn dabei manchmal 
der Ausdruck zu lebhaft gerät, so läßt sich diese Übertreibung bei den 
vorliegenden Miniaturen und ihren zahlreichen Figuren nicht oder höchst 
selten bemerken. Dabei sind die Bewegungen maßvoll u. doch sprechend. 
Von den Darstellungen interessieren in künstlerischer Hinsicht wohl am 
meisten die am Anfg. d. Kön., Hannah im Tempel, der auf dem Pfühl 
ruhende König u. das ihm zugeführte junge Weib El. 153, der inbrünstig 
betende König 185, der Perserkönig, dem der betrübte Nehemia den 

Karl W* Hiersemann In Ldpzigf Königsstrasse 3* Katalog 330* 



Manascripte flwtxösisehen Ursprunges. XUL-XV.Jahriu 35 

goldenen Becher (Deckelgefäß) darreicht 200, der neue Tempel, welcher 
gemalt wird 206, Judith u. Holophemes 213, der Tod des Jesaias 348. 
Die zahlreichen Initialen lassen das Gerüst, welches anidem gern durch 
(meist kirschbraunen) Lack technisch fixiert wird, deutlich hervor- 
treten, trotz der reichen Omamentierung, deren Mannigfaltigkeit man be- 
sonders da zu bewundern Gelegenheit hat, wo derselbe Buchstabe sich 
mehrmals auf derselben Seite befmdet, was gerade hier, bei den gleichen 
Anfängen in Text u. Kommentar, häufig der Fall. In den Dekorations- 
motiven herrschen Voluten u. Spiralfiguren vor, sowie herz- und brezel- 
förmige Verrankungen; den Ausgangspunkt bildet oft eine Fabelfigur, 
tierischer oder menschlicher Art Für eine der biblischen Szenen mit 
Randleiste, welche aber nicht zur Ausführung gekommen, ist auf BL 88 
Platz gelassen. All diese Malereien halten sich überwiegend in dunkeln 
Farbentönen, blau, weinrot, kirschbraun, grün, und auch das reichlich 
verwendete Gold ist hier dunkler als sonst Für diese Tendenz war die 
übrige Ausstattung des Buches maßgebend, nämlich die hellrot u« blau 
gehaltene Illuminierung von Text u. Rändern, gegen welche nur durch ge- 
dämpfte Farben aufzukommen war. Dieser Teil der Arbeit, welchen nicht 
der Maler, sondern der Schreiber besorgte, trägt ein ganz verschiedenes 
ornamentales Gepräge, wie schon die Buchstabenformen andere sind, 
u. z. B. niemals das D in Form eines O mit Haken links oben begegnet 
Diese feinllnige Feder-Ornamentik der frzös. Hss. der Zeit mit ihrem 
ganz kurz gehaltenen Gräten-, Feder-, Kräusel- und Sägewerk, welches 
immer wieder neu einsetzend die endlosen Grundlinien begleitet, bis 
diese sich unten in seitlichen Schnörkeln verlieren: sie braucht nicht aufs 
Neue beschrieben zu werden. Bemerkenswert sind außer den schraffierten 
Kügelchen, welche sich hier oft an die Ränder ansetzen, abwechsehid mit 
flatternden, kurzen Fäden, die originellen Buchstaben -Füllungen (z. B. 
C 101), sowie die Flechtbänder und Sägemotive quer im Texte, endlich die 
schrägen Buchstaben-Ausläufer 55 v., 391, 392, 401, 419. 

30 Brttnetto Latin!» le Tresor. Branetto Latin!, le tr^sor. 

Handschrift des XIV. Jahr- Manuscrit du XIVc sifede, fol., 

Hunderts in Folio, französi- d'origine fran^ise, demi-reliure 

sehen Ursprungs, in einem en cuir du XVIIle si^e. 176 

Halblederband des XVIII. Jahr- feuillets, pour la plupart en 

hunderts, enthaltend 176 doppel- papier, en partie en par- 

seitig beschriebene BL, meist chemin, Berits sur chacune des 

Papier, zum Teil aber auch deux pages, avec texte fran^ais, 

Pergament, mit französischem pr^c^d^s de 8 feuillets, sur 

Text, vom eingeheftet außerdem lesquels les titres de chapitres 

8 Bl. mit einem Verzeichnis der sont Berits en Italien , d'une 

Kapitelüberschriften in italieni- main du XVlIle sitele. Qud- 

scher Sprache von einer Hand ques feuillets sont un peu 

des XVIll. Jahrhdts. Einige Bl. tach^s d'eau, d'autres portent 

zeigen Wasserflecken, andere Oe- des traces d'usure ou sont 

brauchsspuren u. ausgebesserte am^lior^s par endroits. Plu- 

Stellen. Auf einigen Seiten be- sieurs pages portent un cachet 

Katl W* Hiersemann In Leipxigf Könlgfsstraise 3» Katalog: 330* 



36 



Manuseripte finnxösisdtm Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh. 



findet sich ein etwas verwischter 
Stempel m. . d. Wappen eines 
früheren Besitzers, Kardinals 
Albani. 

Brunetto Latini, der be- 
rühmte Florentiner Staatsmann, 
Gelehrte und Dichter (1230—94), 
wurde 1260 als Anhänger der 
Guelfenpartei aus seiner Vater- 
stadt verbannt und wandte sich 
nach Frankreich, wo er unter 
dem Titel „Tresor" eine Encyclo- 
pädie des Oesamtwissens seiner 
Zeit verfaßte, die nicht nur 
durch ihren Inhalt, sondern auch 
als französisches Sprachdenkmal 
interessant ist Die hier vor- 
li^ende Handschrift stimmt im 
Wesentlichen mit dem Texte 
überein, den Chabaille nach 
der besten Pariser Handschrift 
veröffentlicht hat (Li livres dou 
Tresor, Paris 1863), doch fehlen 
ihr die Kap. 92 und 94 bis 99 
des 1. Buches dieser Ausgabe, 
enthaltend die Geschichte der 
letzten Hohenstaufen, sowie die 
Kap. II bis VII des Anhangs. Da- 
g^en findet sich das in den 
meisten Handschriften fehlende 
Kap. I des Anhangs. Zum Teil 
sind die Kapitel etwas anders 
abgeteilt als in dem Druck, ^zum 
Teil schwanken auch die Über- 
schriften. Das Werk zerfällt in 
3 Bücher. Das 1. enthält die 
Lehre vom Ursprung der Dinge, 
einen Oberblick der biblischen 
u. Profan-Geschichte, die Anthro- 
pologie, Meteorologie, Astro- 
nomie, Geographie, Architektur 
und Naturgeschichte; das 2. die 
natürliche und christliche Ethik, 
das 3. die Rhetorik und Politik. 
Im 1 1 1. Kap. des 1. Buches findet 
sich eine berühmte Stelle 
über den Kompaß. Die hier 
vorliegende Handschrift 



un peu effac£, montrant les 
armes d'un possesseur ant^ 
rieur: le Cardinal Albani. 

Brunetto Latini, le c^l&bre 
homme d' £tat florentin, savant 
et poite (1230—94) fut exil6 
en 1260 comme adh^rent du 
parti guelfe, et se rendit en 
France, oü il ^crivit sous le 
titre de „trfesor" une encyclo- 
p^die des connaissances uni- 
verselles de son temps, int^ 
ressant non seulement pour 
son contenu, mais aussi comme 
monument de la langue fran- 
^aise. 

Le präsent manuscrit corre- 
spond en g6n£ral au texte que 
Chabaille a publik d'apr^s 
le meilleur manuscrit conserv^ 
ä Paris (li livres dou Tresor, 
Paris 1863); il manque cepen- 
dant les chapitres 92 et 94 ä 
99 du Premier livre de cette 
Edition (contenant Fhistoire 
des demiers rejetons de la 
race des Hohenstaufen), et les 
chapitres II ä VII du Supplement 
En revanche, on y trouve le 
Premier chapitre du suppl^men^ 
manquant dans la plupart des 
manuscrits. En ce qui conceme 
la division des chapitres et 
leurs titres, le manuscrit diff&re 
en divers points de l'^dition 
imprim^e. 

L'ouvrage se compose de 
trois livres: le premier con- 
tient Torigine de toutes cho- 
ses, un r£sum£ de Fhistoire 
sainte et profane, Tanthro- 
pologie, la m^ttorologie, l'astro- 
nomie, la g^ographie, Tarchi- 
tecture et rhistoire naturelle; 
le deuxi^me contient la morale 
naturelle et chr^tienne; le troi- 
si^me, la rh^torique et le poli- 
tique. Dans le llle chapitre 



iCarl W. Hiersemann in Lcipzi?» Könlgsstrasse 3« Katalog 330. 



Manusaipte framösischm Ursprunges. XUL-XV.Jahrh. 



37 



zeichnet sich vor den 
meisten andern durch mehr 
als 200 Abbildungen in 
kolorierter Federzeichnung 
aus, welche zur Erläuterung des 
Textes dienen sollen. Von Inter- 
esse sind vor allem die An- 
sichten von Tieren und von 
astronomischen Vorgängen, so- 
wie die kulturhistorisch wich-, 
tigen und auch als Trachtenbilder 
merkwürdigen Darstellungen von 
Vorgängen des bürgerlichen und 
politischen Lebens im 3. Buche. 

6500.— 

31 Horae Beatae Mariae Vir- 
ginis, et alia officia in usum 
Romanum, cum calendario. Kl. 4^. 
Reich illuminiertes Ms. auf 
schönem Pergament, ca. 1480. 
312 Bll. (einige fehlen) sauber 
geschrieben, in sogen, lettres 
oätardes, von einem Franzosen, 
18 Zeilen auf jeder Seite, fast 
jedes Blatt ist mit einer schönen 
Längsbordüre, zieriiches Ranken- 
werk darstellend, geschmückt. 
13 Seiten sind vollständig um- 
rahmt von prächtigen, reich ver- 
zierten Bordüren, Laubwerk mit 
Vögeln, Tiere und Grotesken 
darstellend. Femer sind darin 
enthalten 38 große Initialen mit 
schönen, kleinen Miniaturen, 
welche Heilige darstellen, und 
ca. 2190 große, mittlere und 
kleine reich illuminierte und 
ornamentierte Initialen auf gol- 
denem, rotem und blauem Grunde, 
vielfach mit weiß gehöht Altes 
französisches Kalbleder mit Gold- 
schnitt, mit dem Ex-Libris des 
Duke of Sussex und Edward 
Hailstone's. Breite Ränder, gut 
erhalten. 3200.— 

Inhalt: Kalender; Gebete für die 
Passionszeit; Gebete zur Verehrung 



du |er livre on trouve un passage 
fameux relatif au compas. 

Le präsent manuscrit se 
distingue de tous les autres 
par le grand nombre de des- 
sins ä la plume colori^s 

aui illustrent le texte (plus 
e 200). Les repr^sentations 
d'animaux et d'^v^nements 
astronomiques, offrent surtout 
un int^rSt particulier, ainsi que 
les seines de la vie priv6e et 
publique qui se trouvent dans 
le 3e livre. 6500.— 



Horae beatae Mariae 
Virginis, et aha officia in 
usum Romanum, cum calen- 
dario. Pet-in 4®. Manuscrit 
trßs richement enlumin^ sur 
fin parchemin, de 1480environ. 
312 feuillets (qq. ff. manquent); 
£crit en lettres bätardes, par 
un Francis. Chaque page a 
18 lignes; presque chaque 
feuillet est om6 d'une belle 
bordure longitudinale; 13 pages 
sont entour^es de tous cöt^s 
de tr^s riches encadrements 
(feuillage anim6 d'oiseaux, 
d'autres animaux et de grotes- 
ques). De plus, 38 grandes 
initiales, avec belles petites 
miniatures repr^sentant des 
saints et environ 2190 grandes, 
moyennes et petites initiales 
richement omementßes, sur 
fond d'or, rouge ou, bleu, 
souvent rehauss^es de blanc 
Ancienne reliure fran^ise en 
veau, tranches dor^es, avec 
ex-libris du Duke of Sussex 
et d'Edward Hailstone. Gran- 
des marges; bien conserv& 
3200-- 
Contenu: Calendrier. Prides 
de la passion. Priores ä la Saintc 



Karl W. Hiersemaim In Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330. 



38 



MoHuseripte franxäsisdim Ursprunges. XUL-XV, Jahrh. 



des hl. Kreuzes; Oebete an den 
hl. Oeist; Messe f. d. Jungfrau 
Maria; die vier Evangelien; Oebete 
an die Jungfrau Maria; Oebete an 
«..? (das erste Blatt fehlt); Oe- 
bete an die Jungfrau Maria; Li- 
tanei und weitere Oebete an die 
Jungfrau Maria; 38 Oebete als Oe- 
dächtnisfeier für die verschiedenen 
Heiligen, jedes mit einer kleinen 
Miniatur; die sieben Bußpsalmen; 
d. Litanei; Psalm d. hl. Hieronymus 
und Psalmen der Passionszeit etc. 
Centum medltadones cum cen- 
tum petidonibus drca passionem. 
Verschiedene Oebete an die Jung- 
frau Maria, eine große Anzahl da- 
von in französischer Sprache. Ordo 
Mortuorum in brevi compendio. 
Memoriae und verschiedene Oe- 
bete in lateinischer u. französischer 
Sprache von verschiedenen Schrei- 
bern. Das Ms. stammt aus Nord- 
Ost-Frankreich. Im Kalender sind 
Amandus und Vedastus, Dionysius, 
Martin etc. in goldenen Buchstaben 
aufgeführt, und in der Litanei wer- 
den Audomar, Bertin, Bavo, Ursula 
angerufen. Es ist audi ein Oedächt- 
nisblatt für den Hl. Jodocus vor- 
handen. Die ursprünglich vor jeder 
Abteilung befindlichen Miniaturen 
sind herausgeschnitten u. nur die klei- 
nen noch vorhanden, dadurch ist 
jedoch der Text des Manuscriptes, 
das in vorzüglicher Erhaltung ist, 
nicht berührt worden, mit einer ein- 
zigen Ausnahme. Einige besonders 
fein ausgeführte Bordüren sind mit 
Tieren ornamentiert; in einem Falle 
sieht man einen Affen mit einem 
Bären Schach spielen, femer sind 
dargestellt Vögel, Pfauen etc. 

Trotz der kleinen Mängel 
ein schönes, auch künstlerisch 
sehr gutes Manuscripi — Be- 
sonders für die Entstehung u. 
Entwickelung der Typen, so- 



Croix. Priores ä PEsprit Saint 
Messe pour la Vierge. Les quatre 
^vangiles. Priores ä la Vierge. 
Priores ä ? (manque le premier 
feuOlet). Priores ä la Vierge. Les 
litanies et d'autres priores ä la 
Vierge. 38 Priores en memoire de 
divers saints, diacune avec une 
petite miniature. Les 7 psaumes p€- 
nitentiaires. Les litanies. Psaume 
de St J6rome et psaumes pour la 
Passion etc. Centum Meditadones 
cum centum petidonibus drca pas- 
sionem. Diverses priores ä la 
Vierge, dont une grande partie en 
fran^is. Ordo mortuorum in brevi 
compendio. Memoriae et diverses 
priores en latin et en frangais, 
Gentes par diverses mains. 

Le manuscrit provient du nord- 
est de la France. Dans le Calen- 
drier, les noms d' Amandus, de 
Vedastus, Dionysius, Martin etc. 
sont Berits en or, et dans les lita- 
nies les Saints Audomar, Bavo, 
Berlin et Ursula sont invoqu^s. On 
trouve aussi un feuillet en memoire 
de St Jodocus. Les grandes mi- 
niatures qui pr^c^daient chaque 
division ont Üi enlev6es. Toutes 
les petites existent encore Sans 
que le texte alt ^t^ endommagi 
— sauf une seule exception. Quel- 
ques bordures, ex6cut^es avec un 
soin particulier, sont illustr6es de 
figures d'animaux; on voit, p. ex., 
un singe jouant aux ^checs avec 
un ours, etc. 

Belle et interessante pi^ce, 
malgr^ les petits d^fauts. 
Elle est surtout importante en 
ce qui concerne le d^velop- 
pement de l'^criture et Part 
ornemental du livre. 



wie für die eigentliche Buch 
(Manuskript) -Ornamentik 
sehr beachtenswertes Stück. 



Karl W* Hiefsemann In Ldpxlg, Königsstrasse 3« Katalog 330* 



Manusaipte fiünxösisdim Ur^nuiges. XIIL-XV.Jahrh. 



39 



32 Horae Beatae Vir^nia Ma- 
riae cum calendario. Kl. 4^. 
Schön illuminiertes Ms. auf Per- 
gament (ca. 1350—1380) mit 
gothischen Buchstaben rot und 
schwarz geschrieben, 118 BlU 
jede Seite zu 15 Zeilen, mit 9 
schönen Miniaturen, jede mit 
einer großen, ornamentierten 
Initiale auf Goldgrunde und um- 
geben von einer hübschen, reich 
verzierten Bordüre in Epheublatt- 
Muster. Darin femer 33 große, 
133 mittlere und ca. 730 kleine 
Initialen, alle hübsch stilisiert 
und ornamentiert, die großen 
und mittleren fast alle mit einer 
ganzseitigen oder auch kleineren 
Epheu-Ranke versehen. Dunkel- 
violetter Samteinband mit Gold- 
schnitt 22000.— 

Vgl. d. AbbUdff. Taf. 9. 

Ein schönes Livre d'heures 
in lateinischer Sprache, zweifellos 
französ., speziell Pariser Schule, 
mit entzückenden Bordürenge- 
schmückt, In der Art jener Mss., die 
von damaligen Künstlern für den 
Duc de Berry hergestellt wurden. 

Inhalt: Kalender (in franz. Spra- 
che); die vier Evangelien; Obse- 
cro te und O intemerata; d. Leiden 
d. hl. Katharina u. d. hl. Marga« 
rethe; Oebete an die Jungfrau Ma- 
ria; die sieben Bußpsalmen u. d. 
Litanei; Oebete an den hl. Oelst 
Les Qulnze Joyes de Notre Dame 
und Les Cinq Requestes de Notre 
Seigneur (in französ. Sprache); 
Totenmesse. 

Die neun Miniaturen, alle auf 
wunderbarem, bunten Hintergrund 
(eine auf Oddgrund) stellen dar: 

Maria m. Kind; d. hL Katha- 
rina; d. hl. Margarethe; die Ver- 
kündigung; Christus als „Salvator 
Mundi''; die Kreuzigung; die Aus- 
gießung d. hL Geistes; Maria m. 



Horae Beatae Virginia 
Mariae cum calendario. 
Petit in-4. Manuscrit sur par- 
chemin, environ 1350 ä 1380 
en caract&res gothiques rouges 
et noirs; 118 feuillets, chaque 
page avec 15 lignes. Con- 
tenant 9 belies miniatureSy 
chacune avec une grande ini- 
tiale omement^e sur fond d'or 
et entourße d'une riche bor- 
dure de lierre; de plus, 33 
grandes, 133 moyennes, et 
environ 730 petites initiales* 
Les grandes et moyennes ini- 
tiales sont presque toutes 
accompagn^es d'un rameau de 
lierre plus ou moins £tendu. 
Reliure en velours violet; 
tranches dor^es. 22000.— 

Voir U reproduction pl. 9. 

Tr^s beau livre d'heures 
en latin, sans doute d'origine fran- 
9aise (^cole de Paris); avec des bor- 
dures ravissantes dans le genre des 
artistes qui ont travaill^ pour le Duc 
de Beny. 

II se compose de: 

Calendrier, en fran^ais; les quatre 
6vangiles; »obsecro te< et »O inte- 
merata«; le martyre de Ste. Cathe- 
therine et de Ste. Marguerite; priores 
ä TEsprit Saint, les 15 joyes de 
Notre Dame et les dnq »requestes« 
de Notre Seigneur (en frän^ais); 
messe fun^bre. 

Les 9 miniatures, dont 8 sur 
fond de couleurs vari^es et une sur 
fond d'or, repr6sentent: 

Vierge avec Tenfant; Ste. Cathe- 
rine; Ste. Marguerite; l'annondation; 
Le Christ comme »salvator mundi« ; 
le crudfiement; la descente du St 
Esprit; la VIeige avec Penfant (autre 
repr6sentatlon); sc^ne fun^bre. Le 
fond des miniatures, qui est 6chiquet^ 
est en bleu, rouge, ou rehau8s6 de 



Karl W* Hicff emann In Leipzig, Könlgsstrasse 3« Katalog 330. 



40 



Manuscripte französisdim Ursprunges. XUL-XV. Jahrlu 



Kind (ganz verschiedene Darstel- 
lung von der ersten); eine Begräb- 
nis-Szene. 

Reizvoll ist das bei den Dar- 
stellungen (in den Miniaturen) für 
den Hintergrund verwendete 
Schachbrett-Ornament, in dem 
Blau und Rot, weiß gehöht, mit 
Oold wechselt Nur die vorletzte 
Miniatur: Maria m. Kind, hat nicht 
das Schachbrett-Ornament als Hin- 
tergrund, sondern im oberen Teile 
der Miniatur ist ein goldener Hin- 
tergrund m. stilisierten Blattoma- 
menten; die untere Hälfte stellt 
einen Wiesengrund mit Blumen dar. 
Verschiedene der Miniaturen zeich- 
nen sidi durch interessantes Bei- 
werlc aus, einige haben auch den 
bekannten landschaftlichen 
Typus dieses großartigen Miniators. 

Einen weiteren ganz außer- 
gewöhnlichen und entzücken- 
den Schmuck bilden die Bor- 
düren, welche die Schrift zum Teil 
ganz umrahmen, zum Teil nur den 
Rand ausfüllen. Sie bestehen aus 
vegetabilischen Ranken, die mit- 
unter in Drachenformen auslaufen. 
Die Blätter — es ist das dreigeteilte, 
spitz lanzettenförmige Domblatt 
verwendet — wechseln in der Farbe 
zwischen Gold, Rot und Blau mit 
Weiß gehöht, wie es auch sonst 
im Codex Regel ist Die Ranken 
werden abwechselnd blau und vio- 
lett geführt Der Schluß der Ab- 
schnitte ist durch lineare oder vege- 
tabilische Ornamente auf Goldgrund 
bezeichnet, der Anfang derselben 
durch kleinere oder größere Ini- 
tialen. Blau oder rosafarben hebt 
sich der Kern des Buchstaben, mit 
feinen weißen Ornamenten über- 
sponnen, von dem Goldgrunde ab, 
gefüllt und mit seinen Enden in 
reiches, buntes Blattomament aus- 
laufend. Diese Miniaturhand- 



blanc Le fond de Tavant-demlire 
miniature cependant (vieige avec 
enfant) montre dans la partie sup^ 
rieure un feuillage artifidel, et, dans 
la partie inf^rieure, un pr6 ^maill^ 
de fleurs. Plusieurs miniatures ren- 
ferment des paysages, comme on" 
les voit dans les autres oeuvres de 
cette to>le. 

Les ravissantes bordures 
forment un omement tout ä fait 
hors ligne de cette pi^ce prtöeuse. 
Elles entourent le texte de tous 
cöt^s, ou remplissent seulement la 
marge ä droite ou ä gauche. Ces 
bordures se composent de tiges ä 
feuOles ^pineuses, en or, rouge ou 
bleu, rehauss^es de blanc. Les 
tiges elles-m^mes sont peintes en 
bleu et violet A la fin de diaque 
division du texte on voit des ome- 
ments unfaires ou v^g^taux sur 
fond d'or, tandis qu'au commence- 
ment se trouvent des initiales de 
diverses grandeurs. Le centre de 
la letb-e, en bleu ou rose sur fond 
d'or, est couvert de fins omements 
blancs et se prolonge en un riche 
feuillage. 

Ce manuscrit est une pi^ce 
admirable; les miniatures sont 
ex^cut^es avec une finesse 
extraordinaire, et les bor- 
dures, d'une vari6t^ 6ton- 
nante, sont 'peintes avec une 
delicatesse extreme. 

Le calendrier, en Fran^ais, [est 
toit en rouge et noir. Dans les 
litanies, St Corentin, St Ivo et 
St Louis sont invoqu^s. Le manu- 
scrit est pr6c6d6 d'un feuület de 
parchemin, portant deux priores 
6crites de deux mains diff6rentes 
du 15e si^de, l'une ä St Adrien, 
contre les plaies et la mort impr^ 
vue, Tautre ä la Vierge, ä St Au- 
gustin, St Michel, St Nicolas et ä 
tous les saints. Autant qu'on peut 



Karl W« Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330* 



Tafel 9. 




No. 32. HORAE B. VIRGINIS. Die Madonna. 
2. Hälfte des XIV. Jahrh. Französisch. 



Manusaipte französischm Ursprunges. XHl.-XV. Jahrh. 



41 



Schrift ist als eine Perle zu be- 
zeichnen. Mitwunderbarer Feinheit 
und künstlerischem Geschick sind 
die einzelnen Miniaturen entworfen 
und ausgeführt, jede ein Kunstwerk 
für sich bildend, während die Bor- 
düren mit bewunderswerter Sorg- 
falt, in reicher Abwechselung und 
vornehmer Gediegenheit gezogen 
sind und für den sauber geschrie- 
benen, reich geschmückten Text 
eine prächtige Umrahmung bilden. 
Der Kalender, in französ. 
Sprache, in Rot und Schwarz ge- 
sdirieben, ist mit den Namen von 
Heiligen angefüllt. In der Litanei 
werden angerufen der hl. Corentin, 
d. hl. Ivo u. d. hl. Ludwig. Dem 
Buch ist ein Pergamentblatt vor- 
geheftet, auf das zwei Gebete ge- 
schrieben sind in verschiedener 
Handschrift des 15. Jahrhunderts, 
eins an den hl. Adrian gegen die 
Plagen und plötzlichen Tod, das 



juger de la demi^re pri^re, le livre 
a appartenu ä une femme. 

Cette pi^ce pleine de charme 
et de beaut6, est un v^ritable 
chef-d'oeuvre de l'^cole ä la- 
quelle eile appartieni Elle est 
tr^s bien conserv^e. 



andere an die Jungfrau Maria, d. 
hl. Augustin, d. hl. Michael den 
Erzengel, den hl. Nikolaus und an 
alle anderen Heiligen. Aus dem 
letzteren Gebet ist zu ersehen, daß 
das Buch einer Frau gehörte. 

Ein wirklich erstklassiges, 
wundervolles Stück, würdig 
der Periode, in der es herge- 
stellt wurde. 

In sehr guter Erhaltung. 

Drei Miniaturen sind ein wenig 
restauriert, ohne daß die Schönheit 
darunter leidet 



33 Konzept- u. Kopialbuch des öffentl. Notars Bernard Oay 
in Loudun. Papier. XV. Jahrh. (1497—1500). Ut 90 Bl. 4. 
Prgt-Umschlag (Urk. a. d. J. 1462). 280,— 

Kultur- u. wirtschaftsgeschichtUch sehr interessante Sammlung von 
Konzepten u. Kopien verschiedener in der Kanzlei Oays („in botigia 
mea") legalis. Urkunden, Kauf- und Verkaufskontrakte, Tauschtrans- 
aktionen etc 

Proc^s-verbal des actes l^galis^es par Bemard Oay, notaire publique 
ä Loudun (Dep. Vienne) 1497—1500. EVun grand int^röt historique. 

34 Le roman de la rose (commenc^ par Guillaume de Lorris et 
achev6 par Jean de Meung). Perg. XIV. Jahrh. 160 Bl. KI.-F0I. 
Altfranzös. Lederbd. 6800,— 

Schöne Hs. des betr. Romans a. d. XIV. Jahrh. m. 14 sehr inter- 
essanten Miniaturen in der Größe von 35x70 mm, auf Goldgrund, 
grün, blau und grau gemalt 

Beginnt fol. la: 

Meintes gens cuident que en songes 

Nalt se fables non et mensonges. 

Mees on puet tel songes songer, 

Qui ne sont mie mensoogier. 

Der Lorris'sche Text schließt fol. 31a: 

Si en ai duel et desconfort 



Karl W« Hiersemann in Leiptigr Königsstlrasse 3. Katalog 330» 



42 Manuscripti franxösisiken Ursprunges* Xlll.-XV.Jahrh. 

James niert rien qui me fort 

Si je pert votre bien veillance. 

Car je nai mes ailleurs fiance etc. 

Hierauf folgt — eingeleitet von einer Miniatur, den schreiben- 
den Autor Jean de Meung darstellend — die Fortsetzung von 
Meung, die foL 160b mit: 

Par grant iol iuete cueilli 

La fleur du bien rosier fueilli 

Ainsi oi la rose vermeille; 

A tant fu Jour et Je mes veille 
schließt Darunter u. in der 2. Kolumne Schlußverse von einer Hand 
des 16. Jahrh.: 

„Par la grant hayne d'anverse 

Qui de dans faul semblant converse 

Fu Clopinel aux camps couvert 

Pour ceu quil et voir descouverf ' etc. 

Einige Bll. am weißen Pergamentrand, — 1 u. 2 mit geringem Textver- 
lust — ergänzt, doch ist das Manuscript im großen u. ganzen vor- 
züglich erhalten, die Miniaturen frisch in der Farbe, mit zahlr. rot 
u. blau gezeichneten kleineren Initialen. 

35 Libellus precuin cum hymnis, laudibus et psalmis. Perg. 
XV. Jahrh. Ut 187 Bl. 12. Mod. Ldb. m. Schi. 2200,— 

12 Bll. Kalendarium u. 175 Bll. Officium. 

Herrlich ausgestattetes livre d'heures m. 10 blattgroßen, von 
fein ausgeführter Blumenbordüre umgebenen Miniaturen, Darstel- 
lungen aus der Lebens- u. Leidensgeschichte Christi etc., 13 größeren 
ornamentierten und reich mit Oold gehöhten Initialen, von einer ähn- 
lichen Bordüre umrahmt, endlich zahlr. kleineren farbigen u. goldge- 
höhten Initialen. Die Bordüren sind am Rande etwas knapp beschnitten. 
Die ganze Anlage und Ausführung des künstlerischen Schmuckes verrät 
die geübte Hand eines hervorragenden französ. Miniaturisten. 

Süperbe livre d'heures du XV^ si^de, l'ceuvre d'un miniaturiste 
fran^s, om^ de 10 miniatures avec de riches bordures compos^es de 
fleurs et de 13 initiales en or et en couleurs. 

36 Liber precum. Pergament- Handschrift aus der 2. Hälfte des 
XV. Jahrh., burgund.-franz. Ursprunges, in-4, in latein. Sprache. 
137 doppelseit beschriebene Blätter mit 3 großen u. 20 (deinen 
Miniaturen, 13 größeren u. ca. 1500 kl. Initialen u. Bordüren. In 
altem, braunen Lederbande m. Schließen. 2600. — 

Dies liber precum besteht aus 2 in Schriftart u. Alter durchaus 
verschiedenen Handschriften. Die leeren Blattränder der eigentlichen 
in gotischer Schrift hergestellten, bürg. -französ. Handschrift weisen auf 
Blatt 1—53, 131—137 Eintragungen späterer Zeit auf. Es sind das die 

auf der ersten Seite vermerkten: orationes propriae Sanctorum pro 

Canonids regularibus S. Augustini congregationis Windesementis, 
also besondere, aus dem 18. Jahrhundert stammende und im Augustiner^ 

Karl W« Hiersenuum in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330« 



ManaseripU fianxösisdtm Ur^nmges. XIÜ.-XV.JahHu 43 

Kloster zu Windesheim (Holland) gebräuchliche Oebete für die Kalender- 
Heiligen. Die Eintragungen, mit dem Kirchenjahr (Advent, Dezember) 
beginnend, enthalten die Oebete in kalendarischer Reihenfolge, hin u. 
wieder mit holländischen Ritual-Vorschriften versehen. 

Auf der ersten Seite ist unter der Eintragung: Religiosa et nobilis 
virgo 1598 der Name der ehemaligen Besitzerin ausgeschnitten, eine 
spätere Eintragung eines der letzten Besitzer vermutet, daß es s. Z. 
Anne Marie, Erbtruchseß zu Fürstenberg gehört haben soll. 

Der Inhalt der Handschrift ist folgender: 1. Titelblatt, dann das übliche 
Kalendarium mit den Kalenderheiligen (bis Blatt 13). Horae Sanctae 
Cruds mit 1 großen u. 6 kleinen Miniaturen (bis Bl. 21), Horae de 
Sancto Spiritu (bis Bl. 24), Missa de Beata Maria Virgine, mit den übl. 
Evangelien-Anfängen (bis Bl. 37), Horae Beatae Mariae Virginis secun- 
dum usum ecdesiae Romanae, mit 1 gr. Miniatur (bis Bl. 51), dann 
die „Landes'' (bis Bl. 71), Vesperae (bis Bl. 76), Completorium mit 
14 kl. Miniaturen, die Heiligen darsi (bis Bl. 93), Bußgebete mit Litanei 
(David) mit 1 großen Miniatur (bis 81.108), Vigiliae mortuonim (bis BL 137). 

Die 3 blattgroßen Miniaturen stellen dar: 1. (Blatt 14) Christus 
am Kreuz. Zu Füßen des Kreuzes stehen Maria in blauem, Johannes 
in rotem Oewande, beide mit Nimbus. Im Hintergrunde die Mauer von 
Jerusalem. IL (Blatt 38): Verkündigung Mariae. Maria, in blauem 
Oewande mit Nimbus, vor einer Bank kniend, empfängt von dem durch 
die offene Tür hereintretenden Engel die Verkündigung (Interieur einer 
mittelalterL Bauernstube). III. (Blatt 94): David's Buße. Der König 
in gelbem Oewande u. darüberhängendem roten Mantel kniet auf grüner 
Wiese im Oebet versunken. Rechts oben Oott der Herr sichtbar. Im 
Hintergrunde die Türme von Jerusalem. Reich mit Blumen u. Früchten 
in lebhaften Farben dekorierte Rahmen umgeben diese 3 blattgroßen 
Miniaturen, die besonders in ikonogr. Beziehung bemerkenswert sind. 

Von den 20 kleinen Miniaturen schildern die ersten 6 Episoden aus 
der Passionsgeschichte, die anderen stellen dar: Die hlge. Dreieinigkeit, 
St Michael, Johannes den Täufer, St Christophorus, St Aduanus, St. 
Sebastian, St Anthonius, St Nicolas, Sta. Anna, Sta. Catharina, Sta. Bar- 
bara, Sta. Magdalena, Sta. Appolonia, Sta. Maria Magdalena, alle mit 
ihren Attributen. Diese kleinen Miniaturen sind zierliche, flott in lebhaften 
Deckfarben gemalte u. mit einem Ooldrand umrahmte kleine Bildchen. 

Zur Ausschmückung des in braunschwarzer Schrift (mit rot einge- 
fügten Ritual- Vorschriften) gehaltenen Textes sind ca. 1500 kleine Ini- 
tialen verwandt Diese heben sich mit leuchtendem Ooldkem, oft 
noch durch farbige, mit weißen Lichtem versehene Ornamente geziert, 
von blauem oder rotem Orunde ab. 

Ein weiterer Schmuck sind die jede Seite abschließenden prächtigen 
Bordüren. Stilisierte blau u. rote Zweige, die von unten oder oben 
ausgehen, verlaufen allmählich in ein ebenfals stilis. Blätter, Blumen 
u. Früchte darstellendes Rankenwerk, das in den lebhaftesten, frischesten 
Farben gemalt ist 

Einen besonderen künstl. Wert haben die 13 Kapitel-Anfänge: Eine 
große (3x3 cm) Initiale mit rotem und blauem, von feinen weißen Ran- 

Karl W« Hicnemaim fn Leiptig» KAnlgsstf asse 3* Katalog 330. 



44 



Manuscripte französisdien Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh. 



kenoraamenten übersponnenen Kern in hellgrauem Gründe führt hier 
den Text ein, der noch durch einen gold u. farbig gehaltenen Zier- 
streifen eingerahmt ist Umgeben wird dieser Rahmen von einer hier 
bis an den Blattrand gehenden, besonders reich ornamentierten Bordtire, 
die in ähnlicher Weise, wie beun Texte, nur viel farbenprächtiger, in 
ihrem Rankenwerk allerlei hiibsch gezeichnete Vögel bu^ 

Abgesehen davon, daß auf Blatt 1 der Name der ersten Besitzerin, 
auf Blatt 9, 128, 130, 136, 137 die Bordüren herausgeschnitten sind, ist 
die Erhaltung der Handschrift eine gute. Auf Blatt 108 ist der Text 
von den Augustiner-Mönchen später ergänzt, sonst ist die Handschrift 
lückenlos. Der Einband weist zahlreiche Wurmstiche auf. 



37 Liyre d'heures. — Manuscript 
auf Velinpapier aus dem XV. 
Jahrh.(ca.l450). Text von 133 ff. 
in Lateinisch (Maß der Seiten 
18X12 cm). Brauner Maroquin- 
einband, durchbrochene, franzö- 
sische Arbeit aus dem XVI. Jh., 
mit reicher Ooldpressung. (Nico- 
las oder Clovis Eve?). 6800.— 

Vgl. d. Abbildungen Taf. 10 n. 11. 

Manuscript, dem nördlichen 
Frankreich entstammend, wahr- 
scheinlich in Ronen entstanden. Es 
beginnt mit dem Kalender (an dem 
ein Blau [März und April] fehlt) 
auf 5 Blättern. Jedes ist mit einer 
reichen Bordüre von Blumen- und 
Frucht - Ornamenten in Oold und 
in Farben und mit zwei kleinen 
Miniaturen, darstellend die Embleme 
der Monate und die Zeichen des 
Tierkreises, geschmückt 

Auf Fol 127 findet sich das Por- 
trät der Dame, für die das Buch ge- 
malt ist Es ist eine weltliche Frau, 
keine geistliche, sie kniet vor der 
Madonna. Vielleicht hieß sie mit 
Vornamen Barbara, da das Oebet 
an die hl. Barbara sich zunächst 
von diesem Bilde befindet und auf 
der entsprechenden Randfigur (fol. 
126) ein BB angebracht ist 

Auf jeder Seite befindet sich eine 
Seitenbordüre von Blumen- und 
Fruchtomamenten in Farben auf 
goldenem Grunde (Größe 8,5x2,7 



Livre d'heures. — Manu- 
scrit sur väin, datant du 
XVe slfecle (ca. 1450). Texte 
en latin de 133 ff. (mesure des 
pages 18X12 cm). Reliure en 
maroquin brun, d£cor6e d'ome- 
ments de fleurs en or, et 
d£coup£e, laissant voir le dessus 
en papier rouge, dos omL 
Remarquable sp^cimen d'une 
reliure fran^aise du XVIe si^e. 
(Nicolas ou Clovis Eve?) 

6800.— 

Voir les r^productions pL 10 et 11. 

Manuscrit d'origine frangaise. 
U commence par le calendrier (au- 
quel manque 1 feuillet pour les 
mois Mars et Avril) sur 5 feuilletSi 
diacun avec une riche bordure d'or- 
nements, de fleurs et de fruits en 
or et en couleurs, et d^cor^ de 
deux petites miniatures, repr68en- 
tant les embl^mes des mois et les 
signes du zodiaque. 

Au folio 127 se trouve le Por- 
trait de la dame pour laquelle le 
livre a ^t^ peint C'est une femme 
du monde; ce n'est pas une reli- 
gieuse; eile est ä genoux devant la 
Madone. Peut-^tre son pr^nom 
^tait-U Barbara, ^tant donn6 que la 
pri^re ä Ste. Barbara est celle qui 
se trouve la plus rapproch^e de 
rimage et que les lettres BB se 
trouvent dans une figure de la 
maige €gBltmeai proche du texte. 



Karl W. Hiersemaim in Leiptig» Königsstrasse 3. Katalog 330* 



Manusaipte französisdien Ursprunges. XllL- XV. Jahrh. 



45 



cm). Jede Bordüre ist mit einem 
grotesken Tier oder einem Vogel 
in Oold und in Farben illustriert 

Ca. 1500 Initialen in Oold und 
Farben Illuminieren den Text. 

Außerdem enthält das Manu- 
sdpt 15 große, schöne Minia- 
turen (7,5x5,5 cm), jede umgeben 
von einer großen Bordüre, dekoriert 
mit Ornamenten von Blumen, Früch- 
ten und grotesken Menschen- und 
Tiergestalten, in Farben auf gol- 
denem Orunde. 

Die Miniaturen stellen dar: 

St. Johannes. 

Stammbaum der 12 Söhne Ja- 
kobs; an der Spitze die heilige 
Jungfrau mit dem Jesuskinde, um- 
geben von Heiligenschein. Oroße, 
die ganze Seite füllende Miniatur in 
sehr schöner Umrahmung, einer 
alten, reich mit Perlen und Steinen 
besetzten Oolschmiedearbeit nach- 
geahmt. 

Die Verkündigung Mariae. Oroße 
Miniatur; unten zwei kleine Minia- 
turen, S. Cunera und Adam und 
Eva, von der Schlange verführt, 
darstellend. Das Oanze in sehr 
schöner Umrahmung, nach einer al- 
ten, gothischen Steinskulptur ent- 
worfen. 

Die Begegnung der heiligen 
Jungfrau und der heiligen Elisabeth. 

Die heilige Familie. 

Den Hirten wird die Oeburt 
Christi verkündet 

Die Anbetung der Könige. 

Simeon im Tempel mit dem 
Jesusknaben. 

Die Flucht nach Ägypten. 

Die Krönung der heüigen Jung- 
frau. 

Der König David, Bathseba im 
Bade bewundernd. 

Jesus am Kreuze. 

Die Ausgießung des heiligen 
Oeistes. 



Chaque page est oxnit d'une 
bordure laterale (mesurant 8,5 X 
2,7 cM.) d'ornements de fleurs et 
de fruits en couleur sur fond d'or; 
chaque bordure est illustr^e d'une 
b£te grotesque ou d'un olseau en 
or et en couleur. 

Environ 1500 initiales en or et 
en couleur enluminent le texte. 

En outre, le manuscrit contient 
15 grandes et heiles minlatures 
(mes. 7,5x5,5 cm.) chacune en- 
tour^e d'une grande bordure rem- 
plissant la page enti^re et dicoxit 
d'ornements de fleurs, de fruits et 
de bötes ou personnages grotes- 
ques, en couleur sur fond d'or. 

Les miniatures repr^sentent: 
S. Jean. 

Arbre g^n^alogique des 12 fils 
de Jacques le patriarche; au som- 
met la S. Vierge avec l'enfant J^sus. 
Orande miniature remplissant la 
page enti^re dans un tr^s bei enca- 
drement de perles et de pierreries. 

L'annondation ä la S. Vierge. 
Orande miniature ; au dessous d'elle 
petites minlatures repr^sentant S. 
Cunera et Adam et Eve tent^s par 
le serpent Le tout dans un tr^s 
bei encadrement gothique remplis- 
sant la page enti^re. 

La rencontre de la S. Vierge et 
de S. Elisabeth. 

La Salnte famille. 

L'annondation aux bergers. 

L'adoration des Rois Mages. 

Simeon dans le Temple avec 
l'enfant J6sus. 

La fuite en Egypte. 

Le couronnement de la S» Vierge. 

Le roi David admirant Bethsab^e 
dans son bain. 

J^sus en croix. 

L'effusion du S. Esprit 

Job sur le fumier. 



Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330. 



46 Manuseripte fnuuösisthm Ursprunges. XUI.-XV.Jahrh. 

Hiob auf dem DOngerhaufen. La S. Vierge et Tenfant J^tu 

Die heilige Jungfrau und das ador^s par une dame. 
Jesuskind, angebetet von einer Toutes les miniatures sont d'une 

Dame mit Namen Barbara, f&r die ex^cution süperbe en or et en cou- 

das Manuscript angefertigt worden leur. 
ist (siehe oben!). Tr^s beau manuscrity dans le 

Die prächtigen, in Farben und m^me style que le num^o pr6c6- 

Oold ausgeführten Miniaturen sind dant, d'une belle conservation, en 

in tadelloser Erhaltung. une reliure tr^ remarquable. On 

Ein kosftares StQck, wie es so- ne connatt que quelques sp^dmens 

gleich nicht wieder auf dem Markte d'une teile reliure. 
vorkommen dürfte. 

38 Livre d'heures (Fragment). Manuscript auf Pergament 
XV. Jahrh. Lateinisch. 41 Bl. gr.-8. Mod. Lederband. m. hüb- 
schen altimitierten Blindpressungen. 1600. — 

FoL la: Indpiunt vigilie mortuorum. Endigt abrupt auf foL 26b. — 
FoL 27 a: Indpit missa beate marie virginis, Schluß auf foL 37 b. — 
Fol. 38 a: Indpunt höre de sancto spiritu, Schluß auf foL 41b. 

Fragment eines lat livre d'heures, das die oben angeführten Vigilien, 
Messen u. Hören enthält Der besondere Wert dieses Bruch- 
stückes liegt in der hervorragend künstlerischen Aus- 
schmückung der einzelnen Seiten. Die — etwas kurzrandigen — 
Anfangsblätter der einzelnen Teile tragen auf der Recto-Seite je eine 
vierseitige Randbordüre auf Goldgrund mit figurenreichen Darstellungen 
u. eine 40 X 40 mm große Bildinitiale mit entsprechender szenischer Dar- 
stellung. Die erste stellt drei Mönche dar, die neben einer mit blauem 
Bahrtuche bedeckten Leiche Vigilien lesen; die zweite die Anbetung 
der h. drei Könige, die dritte die Erschaffung des Weibes. In gleicher 
Weise wie die Anfangsblätter sind auch die Ränder der übrigen Sdten, 
doch nur auf einer — abwechselnd d. rechten und linken — Randfläche 
mit einer 25x120 mm großen Leiste geziert Auf das Oold des Unter- 
grundes sind in mannigfacher Weise u. in reicher Abwechslung Ranken- 
omamente in verschiedensten leuchtenden Farben aufgetragen. Die Mitte 
eines jeden dieser Pflanzenomamente nimmt eine mehr oder minder 
phantastische Tier- oder Menschengestalt, manchmal auch beide Dar- 
stellungen kombiniert, ein. Besonders figurenreich ausgeschmückt sind 
die ersten Bll. der einzelnen Teile, wo auch der größere verfügbare 
Raum dem Künstler zur Entfaltung seiner Phantasie mehr Gelegenheit 
bot Die Hs. enthält außerdem eine Unzahl — drka 350 — farbige, 
mit Oold gehöhte kleinere Initialen, verzierte Stäbe zur Ausfüllung der 
Zeilenspatien etc. ^ 

Die Ausführung des Bilderschmuckes weist auf die französ. Miniatu- 
ristenschule des 15. Jahrh. hin. 

Fragment d'un livre d'heures d'origine fran^aise, om6 d'initiales et 
de bordures figur^es etc. 15^ si^de. 

Karl W. Hierseinann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330» 



Manusaipte fhmxösisdim Urspnuiges. XIIL-XV.Jahrh. 



47 



39 Livre d'heures. Pergament- 
handschrift in 4^ in latein. u. 
französ. Sprache. 189 doppel- 
seitig beschriebene Blätter mit 
20 Miniaturen, zahlreichen Ini- 
tialen und Bordüren. Blatt- 
größe 20X1 5^« cm, Schriftspi^el 
10X11 cm, Größe der Miniaturen 
mit Bordüren 18X13 cm. In altem 
Lederbande mit Rücken -Ver- 
goldung und dem Aufdruck: 
Officium B. Mariae Virginis. 

13500.— 
Die in seltener Frische und Far- 
benpracht erhaltene, außerordent- 
lich schöne Pergamenthandschrift 
entstammt der Blütezeit bulgun- 
disch-französischer Miniatur- 
Malerei, der Mitte des XV. Jahr- 
hunderts. 

Dem Exlibris-Zeichen nach be- 
fand sich das Manuskript s. Z. im 
Besitze des Dom. Carolus Pe- 
trus Josephus Lecandele in 
Antwerpen. 

Der Inhalt des kostbaren Ma- 
nuscripts ist folgender: 

Auf das Kalendarium (12 
Blatt), bei dem die Gedenktage der 
Heiligen in schwarzer, roter und 
blauer Farbe, die Marien-Gedenk- 
tage aber in leuchtendem Gold ein- 
getragen sind, folgen die für den 
Anfang derartiger livres d'heures 
üblichen 4 Evangelien -Ab- 
schnitte (Ev. Jobs. I, 1—14, Ev. 
Matth. II, 1—12, Ev. Lucae I, 26 
bis 38, Ev. Mard XVI, 14—20) mit 
je einer Miniatur, die Evangelisten 
mit ihren Attributen darstellend 
(8 Blatt). Hierauf das eigentliche 
Officium Beatae Mariae Vir- 
ginis mit 8 Miniaturen (66 Blatt), 
Gebete für die Passion und für 
Pfingsten, mit je 1 Miniatur 
(8 Blatt). — Diese sind noch vor 
das OfHdum gestellt, dann Gebete 
für Buße mit ütanei (David) (23 



Livre d'heures. Manuscrit 
sur parchemin in 4^, en latin 
et en fran^ais. 189 feuillets 
om£s de 20 miniatures, d'un 
\xhs grand nombre d'initiales 
et de oordures. Grandeur des 
miniatures, les bordures y 
comprises: 18X13 cm. Reliure 
ancienne en cuir, portant 
l'empreinte „Officium B. Ma- 
riae Virginis". Dos dor6. 

13S00,— 

Pi^ce extraordinairement belle, 
d'une fratcheur ^tonnante, de Vi- 
cole franco-bourguignonne, ex6- 
cut^e vers 1450. Avec ex-libris de 
Dom. Carolus Petrus Josephus Le- 
candele d'Anvers. 

Le manuscrit se compose com- 
me suit: 

Calendrier, 12 feuillets, avec 
les f^tes des saints en noir, rouge 
et bleu et les jours en memoire de 
la Vierge, en or. Les quatre 
^vangiles (St Jean I, 1 ä 14, 
Mathieu II, 1 ä 12, St Luc I, 
26 ä 38, St Marc XVI, 14 ä 20), 
chacun d'eux avec une miniature, 
repr^entant l'^vang^liste et son 
Symbole, 8 feuillets. Officium 
Beatae Mariae Virginis, 66 
feuillets, avec 8 miniatures; prio- 
res pour r^poque de la passion 
et pour la Pentecöte, avec mi- 
niatures, 8 feuillets (pr^cddant l'of- 
fice); priores de p^nitence avec 
les litanies, 23 feuillets; priores 
fun^raires, 46 feuillets; pri^re 
ä la Vierge, 4 feuillets; passion, 
4 feuillets; chacune de ces parties 
avec une miniature. (Jusqu'id le 
texte est en latin.) 15 „Ave Ma- 
ria'' avec une miniature, 6 feuil- 
lets, en fran^ais; 8 „Paternos- 
ter'' avec une miniature, 4 feuil- 
lets, en fran^ais; courtes priores 
en latin ä la Ste. Trinit6, ä la 



Karl W« Hiersemaim in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330* 



4a 



ManusaipU fnmiöusdim Urspnuiges. XllL-XV.Jahrk* 



Blau), Begräbnis (46 Blatt), noch 
1 Gebet an die Jungfrau Maria 
(4 Blatt), Passion (4 Blatt), aUe 
diese mit je 1 Miniatur. Alle bis« 
her genannten sind in latein. 
Sprache gesdirieben. Die nun fol- 
genden: 15 „Ave Maria'' mit 1 Mi- 
niatur (6 Blatt) u. 8 „Pater Nos- 
ter'' mit 1 Miniatur (4 Blatt) haben 
französischen Text Zum 
Schluß folgen wieder in latein. 
Sprache noch kurze Gebete an die 
Cireieinigkeit, Maria, die Engel, 
Jobs, den Täufer, Jobs, den Evan- 
gelisten, die Heiligen: Sebastian, 
Christophorus, Nicolas, Antonius, 
Maria Magdalena und Katharina 
(6 Blau). Mit einem Schlußgebet 
von späterer Hand, das flüchtig 
mit blasser Tinte geschrieben und 
ohne jeden Schmuck ist (3 Seiten), 
schließt das Manuscript 

Die 20 Miniaturen, die stets 
die ihnen folgenden Abschnitte in 
Bildern verherrlichen, stellen dar: 

1. Evangelist Johannes. Der 
Evangelist mit goldenem Nimbus, 
als Jüngling dargestellt, in blauem 
Untergrund u. rotem Mantel, sitzt 
auf einer Insel, deren Hintergrund 
Felsen und Bäume ausfüllen, und 
schreibt an seinem Evangelium. 
Rechts von ihm sitzt der Adler, 
unten hat ein kleiner Teufel das 
Tintenfaß des Apostels umgeworfen 
(spätere Einzeidmung). Weit hin- 
ten das Meer, am fernen Strande 
Türme einer Stadt 2. Evangelist 
Matthaeus. Ebenfalls m. gold. 
Nimbus, im Bart, m. blauem Unter- 
gewand u. blaßrotem Mantel an- 
getan, sitzt der Heilige in offener 
Halle, die mit hübsch ornamentier- 
ten (gotischen) roten und blauen 
Teppichen bekleidet ist, an einem 
Pulte mit darüber hängendem roten 
Baldachin und schreibt im Buche. 
Ein weißgekleideter Engel hält ihm 



Vierge, aux anges, St Jean Bap- 
tiste, St Jean TEvang^liste, St 
Sebastien, St Christophe, St Nico- 
las, St Antonius, Marie Madeleine, 
St Catfierine, 6 feuUlets. A la fin, 
une pri^re l^g^rement 6crite avec 
de l'encre d^color^e, par une main 
plus rtonte. 

Les 20 miniatures fepr^entent: 

1. L'Evang^liste St Jean. 
L'Evang611ste avec nimbe d'or, jeu- 
ne, en habit de dessous bleu et 
manteau rouge, assis dans une tle 
et öcrivant son ^vangile, au fond 
des rochers et des arbres; ä droite, 
l'algle. En bas, un petit diable qui 
a renversö l'encrier du saint (ad- 
dition plus r^cente). Au delä, la 
mer et les tours d'une ville. 

2. L'Evang^liste StMathieu. 
Avec nimbe d'or et barbe, en habit 
de dessous bleu et manteau rouge, 
dans un portique gami de tapis 
rouges et bleus, assis devant un 
pupitre surmont^ d'un dais, et toi- 
vant Un ange en v^tements blancs 
lui präsente un livre ouvert 

3. St Luc L'^vangeliste avec 
barbe, en habit bleu et avec nimbe 
d'or, 6crivant dans un livre qui se 
trouve sur un pupitre. A ses pieds 
le taureau ail^ avec banderolle. 

4. St Marc Avec nimbe d'or, 
%!gi\ en habit bleu et manteau 
rouge, ä genoux dans un porche 
gothique et ^crivant sur une bande- 
rolle. A c6t^ de lui, le Hon. 

5. Le Christ ä la croix. Le 
Sauveur, attach^ ä la croix, la t6te 
pench^e ä droite. Inscription I. N. 
R. I.; soleil, lune et ötoües lui 
envoient leurs rayons. Aux pieds 
du Christ on voit Marie et St 
Jean, tous les deux avec nimbes 
d'or. 



Karl W. Hierseaiann In Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330. 



Tafel 10. 







No. 37. LIVRE D' H EURES. .^Hiob. 
XV. Jahrh. Franz.-burgundisch. 



Tafel 11. 








^W^f# 




No. 37. LIVRE D'HEURES. Christus am Kreuze. 
XV. Jahrh. Franz.-burgundisch. 



Manuscripte französischen Ursprunges, Xlll.-XV.Jahrh. 



49 



ein geöffnetes Buch entgegen. 

3. Evangelist Lucas. Der Evan- 
gelist mit Bart in blauem Qewande 
und m. Odd-Nimbus schreibt in 
teppichbehangener Halle sitzend, 
in einem auf dem Lesepult liegen- 
den Buche. Zu seinen Füßen liegt 
der geflügelte Stier mit Spruchband. 

4. Evangelist Marcus. DerEvan- 
gelist m. Oold-Nimbus, graubärtig, 
in blauem Oewande u. rotem Man- 
tel, kniet in gotischer Halle und 
schreibt an einem Spruchbande. 
Neben ihm ein affenartig aussehen- 
der Löwe. 5. Christus am Kreuz. 
Der Erlöser hängt, das Haupt nach 
rechts geneigt, am Kreuze. (In- 
schrift J. N. R. J.). Sonne, Mond 
ü. Sterne beleuchten ihn. Zu den 
Füßen Christi stehen Maria u. Jo- 
hannes, beide mit Qold- Nimbus. 
6. Pfingsten. In leicht gewölbter 
Halle kniet Maria mit den Jüngern, 
sämtlich mit Oold-Nimben, im Ge- 
bet Der heilige Qeist, in einer 
flammenspendenden Taube, schwebt 
über Maria. Im Hintergrunde Türme 
einer Stadt 7. Mariae Verkün- 
digung. Im blonden Haar, mit 
goldenem Nimbus, kniet Maria, ein 
blaues Oewand tragend, in einer 
hohen Halle unter einem Balda- 
chin die Hände über der Brust ge- 
faltet Vor ihr steht ein Engel mit 
Flügeln und Spruchband, oben wird 
Gott der Herr sichtbar, der Maria 
segnet Einen besonderen Schmuck 
hat dies Titelblatt des Officium 
B. Mariae V. in den 4 runden Bild- 
chen erhalten, die die Ecken aus- 
füllen u. Joseph im Gebet, Einseg- 
nung der Ehe Joseph u. Marias, die 
Geburt Jobs, des Täufers, Maria 
am .Webstuhle, darstellen. 8. Ma- 
riae Heimsuchung. Die greise 
Elisabeth in blauem Unterkleid u. 
blaßrotem Mantel, Kopf u. Hals 
durch ein weißes Tuch geschützt. 



6. Pentecöte. Dans une ga- 
lerie voüt^e, Marie et les disdples 
priant ä genoux, avec nimbes d'or. 
L'Esprit Saint, repr^sent^ par une 
colombe, plane au-dessus de Ma- 
rie. Au fond, les tours d'une ville. 

7. Annonciation. (Feuille de 
titre de l'office.) La vierge blonde, 
avec nimbe d'or, agenouill^e, en 
v^tement bleu, sous un dais, les 
malus crois^es sur la poitrine. De- 
vant eile, un ange avec banderolle; 
en haut, Dieu le P^re b^nissant la 
Vierge. Dans chacun des coins du 
feuillet, on voit quatre m^daillons: 
Joseph priant; mariage de Joseph 
et de Marie; naissance de St Jean 
Baptiste; Marie au mutier ä tisser. 

8. Visitation de la vierge. 
Elisabeth, en habit de dessous bleu 
et manteau rouge, s'avan^nt vers 
Marie rev^tue d'un habit bleu. 

9. Nativit^. Sous le toit d'une 
Stahle, oü l'on voit un boeuf et un 
äne, l'enfant J^us est couch^surun 
drap rouge. Derri^re lui Marie age- 
nouilMe, et Joseph en habit rouge 
avec un bäton. 

10. Annonciation aux ber- 
gers. Un ange avec banderolle 
annonce la naissance du Christ ä 
deux bergers faisant pattre leurs 
troupeaux dans une vaste cam- 
pagne. Au fond, les tours d'une 
ville. 

IL Adoration des rois-ma- 
ges. La vierge, assise sur un si^ge, 
en habit bleu, l'enfant dans son 
giron. Un mage ä barbe grise, 
portant la couronne dans la main, 
en long manteau gris, präsente une 
coupe d'or. Derri^re lui, les deux 
autres mages, encore jeunes, cou- 
ronn^s, en habits rouges et bleus» 
et portant des cadeaux. 



Karl W« Hiersemann In Ldptigt Königsstrasse 3« 



Katalog 330. 
4 



50 



Manuscriffie franxösischen Ursprunges. XUL—XV. Jahrlu 



geht der Maria entgegen, die 
in blauem Oewande heranschreitet 
9. Geburt Christi. Unter dem 
Dache eines Stalles, in dessen Ecken 
der Ochs und Esel stehen, liegt 
auf rotem Tuche das Jesus-Kind- 
lein. Maria kniet hinter ihm, der 
bereits bejahrte Joseph in blaß- 
rotem Oewande mit Stab ist soeben 
zu dieser Oruppe getreten. 10. Ver- 
kündigung an die Hirten. Den 
in weiter, felsiger Landschaft ihre 
Schafe weidenden 2 Hirten, der 
eine EXidelsack spielend, der andere 
mit Spindel, verkündet ein vom 
Himmel kommender Engel mit 
Spruchband die Oeburt Christi. Im 
Hintergrunde die Türme einer Stadt 
11. Anbetung der Könige. Auf 
rotbehangenem Sessel sitzt Maria in 
blauem Oewande das Jesuskind auf 
dem Schoß. Ein graubärtiger König, 
mit abgenommener Krone, in lan- 
gem grauen Mantel, überreicht 
knieend eine goldene Schale. Hin- 
ter ihm stehen die beiden anderen, 
noch jungen Könige, mit Kronen 
auf den Häuptern, in roten und 
blauen Oewändern, Geschenke tra- 
gend. Am Himmel ist der Stern 
sichtbar. 12. Darstellung Jesu 
im Tempel. Der Hohe Priester in 
vollem Ornate, mit der Tiara auf 
dem Haupt ^° gotischer Halle 
stehend, empfängt unter Assistenz 
eines anderen Priesters mit ver- 
deckten Händen das Jesus -Kind, 
das Maria, vor dem Altar knieend, 
darreicht Hinter ihr eine Dienerin 
mit Tauben. 13. Flucht nach 
Ägypten. Auf einem Esel reitet 
Maria mit dem Jesus-Kind durch 
eine felsige, mit Bäumen bestandene 
Landschaft Joseph, das Maultier 
führend, schreitet voran u. Mnkt aus 
einer Flasche. Im Hintergrunde Stadt- 
türme. U.Mariae Krönung. Gott 
der Herr, mit einer Krone auf dem 



12. Präsentation au temple. 
Le grand pr^tre en costume offidel, 
avec la tiare, dans un porche go- 
thique, re9oit Penfant J^us, pr6- 
sent^ par Marie qui s'est agenou- 
ill6e devant Tautel. Derri^re eile, 
une servante, avec pigeons. 

13. Faite en Egypte. Marie 
avec Tenfant J^sus, mont6e sur un 
äne, dans une campagne rocheuse. 
Joseph conduisant Tine, court de- 
vant eile et boit ä une bouteille. 
Au fond, les tours d'une ville. 

14. Couronnement de la 
vierge. Dieu le P^re, en long 
manteau rouge, portant une cou- 
ronne, le globe imperial dans la 
main gauche, assis sous un dais, 
b^nissant la vierge qui est ä ge- 
noux devant lui, couronn6e par un 
ange. Le fond est ^chiquet6. 

15. P^nitence de David. 
Dans un porche gothique, avec alre 
^chiquet^, David est ä genoux de- 
vant un prie-Dieu, revßtu d'un 
habit bleu et d'un manteau rouge 
om^ d'or, la couronne ä gauche, la 
harpe ä droite. Dans le ciel, Dieu 
le P^re apparalt au suppliant dans 
un rayonnement de lumi^re. 

16. Mise au tombeau. Sur 
le devant du cimeti^re, un corps, 
envelopp^ d'un lin'ge blanc Le 
fossoyeur creuse la fosse qu'entou- 
rent des pr^tres. Au fond, irois 
moines priant Plus loin, une croix 
rouge, des cränes et des os. 

17. Marie avec Tenfant J6- 
sus. Marie en manteau bleu, Ten- 
fant dans son giron, assise sous 
un dais garni de tapis verts et 
rouges. Devant eux, un ange age- 
nouill6, en habit rouge, Präsen- 
tant une coupe. 



Karl m. Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3. Katalog 330* 



Manusaipte Jranxösisdim Ursprunges. Xlll.-XV.Jahrh. 



51 



Haupte und dem Reichsapfel in der 
linken Hand, sitzt in langem, rotem 
Mantel unter einem Baldachin mit 
der Rechten die vor ihm knieende 
Maria segnend, der ein herbei- 
schwebender Engel eine Krone 
aufsetzt Tapeten-Hintergrund blau 
u. rot, weiß mit Oold gehöht 
15. König Davids Buße. In wei- 
ter, gotischer Halle, mit rot ver- 
hangenen Wänden u. grünem, in 
Schachbrettomament gehaltenem 
Fußboden kniet der greise König 
vor einem Betpulte, angetan mit 
blauem Oewande und rotem, gold- 
verzierten Mantel, die abgenom- 
mene Krone zur Linken, die Harfe 
zur Rechten. Dem Betenden er- 
scheint Qott der Herr. 16. Be- 
gräbnis. Im Vordergrunde des 
Friedhofes liegt ein in weißes Lin- 
nen gehüllter Leichnam. Der Toten- 
gräber schaufelt das Orab aus, da- 
bei Kanoniker u. betende Mönche. 
Weiter hinten ein rotes Kreuz u. 
im Rasen liegende Schädel u. Kno- 
chen. An der Kirchhofsmauer eine 
Kapelle. 17. Maria m. d. Jesus- 
Kind. Maria, in blauem Mantel das 
Jesus-Kind auf dem Schöße, sitzt 
unter einem Baldachin, der mit 
grünen u. roten Teppichen ausge- 
kleidet ist Vor ihnen kniet ein 
Engel in rotem Oewande, m. Schale L 
d.Hand. 18. Kreuzabnahme. Der 
Leichnam Christi liegt im Schöße 
der vor dem Kreuze sitzenden 
Maria, rechts von ihr Johannes, 
beide mit GoM-Nimben, ' links 
Engel 19. Maria m. Jesus-Kind. 
Maria in blauem Oewande den 
Jesusknaben a. d. Schoß, sitzt in 
weiter Halle im Hintergrund. Vor 
ihnen spielt ein Engel in rotem 
Oewande auf der Harie. 20. Auf- 
erstehung Christi. Christus in 
blauem Oewande mit noch bluten- 
der Seite, sitzt auf einem goldenen 



18. Descente de la croix. 
Le Corps du Christ repose dans 
le giron de Marie, assise devant 
la croix; ä drohe, St Jean, ä gauche, 
ün ange, les bras crois^s. 

19. Marie avec l'enfant J6- 
sus. Marie en habit bleu, l'enfant 
dans son giron,^ assise dans un 
porche garni de tapis rouges; le 
fond 6chiquet^. Devant eux, un 
ange jouant de la harpe. 

20. R^surrection. Le Christ 
en v^tement bleu, un flanc saignant, 
assis sur un arc d'or, surmont6 
d'anges avec trompettes; en bas 
les morts ressusdt^s levant les 
yeux vers le Christ 

Le texte, les initiales et les mi- 
niatures forment un ensemble plein 
d'harmonie d'une d6)icatesse si ra- 
vissante qu'on peut compter ä bon 
droit cette pi^ce entre les chefs- 
d'oeuyres de T^cole franco-bourgui- 
gnonne. Le texte rubriqu^, cn ca- 
ract^res 6gaux ndrs (goüiiques), 
est coup6| en maints endroits, par 
des rituels, Berits le plus souvent en 
fran^ais, en caract^res rouges. 

Dans le texte, on trouve trois 
sortes d'initiales. Les plus petites 
sont peintes en or sur fond bleu 
ou rouge et rehauss^es de blanc; le 
centre des plus grandes cependant 
est en rouge et bleu sur fond d'or 
et rehauss^ de blanc. Au com- 
mencement des psaumes on voit 
des initiales plus grandes et plus 
belies que les prec^dentes et sou- 
vent orn^es de fleurs. Pour rem- 
plir des espaces blancs on s'est 
servi d'omements en deux couleurs, 
rehauss^s de blanc, avec d^cors 
lin(§aires. 

Les bordures se composent de 
motifs V(6g6taux tr^ vari^s et en- 



Karl W* Hiersemann in Lclpzl^f Kdnigistriuse 3« Katalosr 330* 



52 



Manusaipte fituuösisdim Ursprunges. Xlll.-XV.Jahrh. 



Bogen, rechts und lieks oben sind 
En^fel mit Posaunen siditiiar, unten 
stehen die Toten auf und schauen 
zu Christus betend empor. 

In wunderbarer Harmonie sind 
in diesem PrachtstQck mittelalter- 
licher Kleinmalerei Text, Initial 
und Miniatur zu einem einheit- 
lichen Kunstgebilde von so ent- 
zückender Zartheit und Frische der 
Farben, wie künstlerischer, phan- 
tasievoller Gestaltungskraft zu- 
sammengefügt, daß man es mit 
Recht zu den besten Erzeugnissen 
der burgund.-französ. Schule rech- 
nen darf. Die gleichmäßig dahin- 
fließende gotische Schrift wird 
durch die meist in französischer 
Sprache eingefügten rot gehaltenen 
Ritual - Vorschriften unterbrochen. 
Die kleineren Initialen sind auf 
blauem oder rotem Grunde in Gold 
gemalt und mit kleinen weißen 
Lichtem leicht ornamentiert; die 
größeren hingegen, rot und blau 
im Kern, auf goldenem Grunde mit 
Ranken- u. Linien-Ornamenten in 
weiß gehöht Für die Psalmen-An- 
fänge sind die größten u. farben- 
prächtigsten Initialen verwandt, in 
die oft Blumen (Winde, Waldreben) 
eingezeichnet sind. Zum Ausfüllen 
leerer Zeilenräume kommen noch 
Zierleisten u. Schlußstücke 
hinzu, 2-farbig, mit linearem Orna- 
ment u. weißen Uchtem. 

Den vornehmsten Schmuck aber 
bilden die Bordüren, die in 
stets wechselnden Kombinationen, 
rechts und links Texte, durch 
die ganze Handschrift gehen. In 
ein stilisiertes, buntes Ranken- 
werk sind die goldenen ,yDom- 
blatf '-Ornamente eingefügt; außer- 
dem aber gelbe, grüne und gol- 
dene Blätter, Blüten und Früchte 
(Nelke, Winde, Wakirebe, EM- 
beere) in naturalistischer Darstel- 



tourent le texte ä droite et ä gauche 
dans tout le cours du volume. 

Le branchage, en plusieurs cou- 
leurs, renferme des feuilles ^pineu- 
ses d'or et une succession varide 
de feuilles, de fleurs et de fruits. 

Le d^cor le plus remarquable 
du manuscrit est repr6sent6 par les 
miniatures peintes en couleurs opa- 
ques avec un goüt exquis et une 
d^licatesse ravissante. Au-dessous 
de chaque miniature, on voit une 
initiale ex^cut^e avec un soin 
particulier. Le cceur en est peint 
en bleu ou rouge, sur fond d'or, 
et couvert d'un fin omement 
Unfaire blanc. Une large bordure, 
sortant de Finitiale et ex^cut^e 
dans les mtoes couleurs, entoure 
la miniature. Les encadrements que 
Ton trouve sur ces pages excellent 
en une richesse extreme de fan- 
taisie et de coloris. La marge in- 
f^rieure de la page est le point 
de d^part de tiges en bleu, rouge, 
vert et or qui, tout en se ramifiant» 
renferment des motifs v^g^taux en- 
core plus riches et se prolongent en 
feuillages d'une finesse ravissante. 

Le branchage est ranim6 de 
nombreux oiseaux dans leurs cou- 
leurs naturelles et de grotesques 
anunales, en partie avec des faces 
humaines. De plus, on voit des 
pots de fleurs et des blasons blancs 
destin^s ä contenir les armoiries de 
l'acheteur du manuscrit. 

La conservation de cette pi^ce 
tsi enti^re et excellente; son ome- 
mentation est d'une fraicheur re- 
marquable. 



lung. Zahbeiche fein gezeichnete 
Vögel beleben das Gezweige, in 
das die Phantasie des Künstlers 
noch allerlei wunderliche Mischge- 
stalten aus Teilen verschiedener 



Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königtstrasse 3* Katalog 330« 



Manuscripte firanzösisdim Urspnmges. Xlll.-XV.Jahrh. 53 

Tiere, manchmal mit menschlichen StadttQrme zur Staffage, die 12 an- 

Qesiditem, eingezeichnet hat Blu- deren spielen sich in frühgoti- 

menvasen u. leere Wappenschild- sehen Hallen ab, in denen rote 

chen, in die beim Verkauf der Hand- u. grüne, goldomamentierte Tep- 

schrift das Wappen des Käufers piche, sowie das Schachbrettoma- 

noch eingezeichnet werden sollte, ment (blau-rot-gold) bemerkenswert 

vervollständigen das omamentale sind. 

Inventar. Zu besonderer Höhe er- Besonders prächtig wirken die 
hebt sich die Illuminierungskunst unter der Miniatur stehenden Ini- 
bei den Miniaturen. In wun- tialen, die mit rotem oder blauem 
sehr geschickte Einfügung. In wun- von feinen weißen Rankenomamen- 
derbarer Feinheit sind die im Ent- ten übersponnenem Kern von hell- 
wurf, wie Ausführung gleichbe- goldenem Gründe sich abheben und 
deutenden, künstlerischen Miniatu- den Ausgangspunkt eines breiten 
ren gemalt, deren jede in lebhaften, die Miniatur umrahmenden Zier- 
dünnflüssigen Deckfarben kompo- Streifens bilden, 
niert, ein kleines Kunstwerk dar- Die Erhaltung der kostiiaren 
stellt. Von den auch als solchen lückenlosen Handschrift ist vorzüg- 
interessanten Darstellungen der lieh, das Oold und die Farben der 
Szenerie haben 8 Landschaften Malerei sind von einer Frische, wie 
mit Fels- und Baumpartien, ferner dies selten der Fall sein dürfte. 

40 Livre d'heures. Französ.-burgund. Pergamenthandschrift aus 
dem XV. Jahrh. in 8^ in lateinischer Sprache. 186 Blätter mit 
14 Miniaturen, zahlreichen Initialen verschiedener Größe und 
Bordüren. Blattgröße 18X1 IV« cm, Schriftspiegel 8V,X8 cm, 
Größe der Miniaturen mit Initiale und Umrahmung W^l^yfi^U cni. 
In reichem mit Hand- Vergoldung verziertem braunen Lederbande 
mit|2 Schließen aus dem 16. jdrh. 5800.— 

Vgl. d. Abbilds. Taf. 12. 

Das flott geschriebene u. reich illustrierte Gebetbuch hat folgenden 
Inhalt: 

Kalendarium in französ. Sprache (12 Blatt) — Gebete an die Jungfrau 
Maria (mit 5 Ave Maria etc.) (14 Bl.) — Landes (14 Bl.) — Prime (7 Bl.) 

— Tierche (5 Bl.) — Midi (5 Bl.) — Noene (5 Bl.) — Viespies (9 Bl.) 

— Complie (7 Bl.) — Heures de la croix (10 Bl.) — Heures dou Saint 
Espir (9 Bl.) — Heures de la Trinitd (9 Bl.) — Heures dou sacrement 
(19 Bl.) — les siept psahnes David (24 Bl.) — Vigilles des trespasses 
^7 BL). Jeder Abschnitt ist mit 1 Miniatur geschmückt 

Die 14 Miniaturen stellen dar: 

I. Geburt Christi: Unter dem Dache e. offenen Stalles liegt das 
Christkind auf Stroh. Maria in goldenem Gewände mit Nimbus u. der 
bereits bejahrte Joseph knien zu beiden Seiten. Im Hintergrunde Ochs 
u. Esel an der Krippe. II. Beschneidung Christi: Maria in blauem 
Gewände mit Nimbus hält den kleinen Jesus im Arm, an dem ein 
Priester die Beschneidung vornimmt III. Anbetung der 3 Könige: 
Vor Maria, die ein blaßrotes Obergewand u. blauen Mantel tragt, u. dem 
Jesuskind kniet der älteste der Könige, Geschenke darreichend, die 2 

Karl W* Hiefsemann 2n Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330* 



54 Manuseripte fiaruösisdien Urspmnges. XlU.-XV.Jahrk. 

anderen stehen, Gaben haltend, daneben. IV. Flucht nach Ägypten: 
Joseph in grauem Qewande fuhrt einen Esel am Zaum, auf dem Maria 
in langem, blauem Kleide silzt, das Jesuskind im Ann. Im Hinter- 
gründe Berge. V. Bethlehem. Kindermord: In Gegenwart des 
Königs Herodes mit goldener Krone u. Qoldscepter erschlagen Kriegs- 
knechte die Kinder. Berge im Hintergrunde. VI. Darstellung Jesu 
im Tempel: Maria in goldenem Gewände u. blauem Mantel mit Nim- 
bus stellt dem Hohenpriester das Jesuskind dar. Hinter der Maria steht 
eine Magd mit brennender Kerze u. Tauben im Korbe. VII. Der 
12jähr. Jesus im Tempel: Maria in blauem Mantel mit Nimbus 
betritt den Tempel, in dem der 12 jähr. Jesus die Pharisäer belehrt 
VIII. Christus u. Maria: Christus in langem, blaBrotem Mantel mit 
Nimbus, die Rechte ertioben, redet zu Maria, die in langem, blauem 
Mantel mit Nimbus gleich ihm auf gelbem Postamente 3itzt IX. Chris- 
tus am Kreuz: Um den am Kreuze hängenden Heiland — Oberschrift 
J. N. J. R. ^ stehen zur Linken Maria, zur Rechten Johannes, beide mit 
Nimbus. X. Ausgießung des Heiligen Geistes: In Gestalt einer 
Taube schwebt der heilige Geist zu den in gotischer Halle versammelten 
Jüngern nieder, die, alle mit Nimbus, am Boden knien. XI. Heilige 
Dreieinigkeit: Gott Vater, auf gelbem Postamente sitzend, hält vor 
sich das Kreuz mit dem Leichnam Christi, zu dessen Häupten der heilige 
Geist — Taube — schwebt. XII. Heiliges Sacrament: Vor einem 
reich ornamentierten Hochaltar segnet ein Bischof in weißem Gewände 
mit goldrotem Oberwurf die Hostie ein, hinter ihm kniet ein j&ngerer 
Geistlicher. XIII. Himmelfahrt Christi: Christus in blaßrotem Ge- 
wände mit Nimbus fährt auf einem Regenbogen gen Himmel. Rechts 
u. links knien Maria u. Joseph, beide in Nimbus. Auferstehende Tote 
blicken betend zu Christus empor. XIV. Totenmesse: Schwarz ge- 
kleidete Kanoniker, die Kapuze über den Kopf gezogen, stehen u. 
knien um einen von Lichtem umgebenen, verhüllten Sarg, über dem ein 
Geistlicher in vollem Ornate Gebete spricht. 

Der in braunschwarzer Farbe geschriebene Text mit den französi- 
schen, wie üblich, rot gehaltenen Ritual- Vorschriften zeigt eine Fülle 
zierlicher Initialen von verschiedenster Größe, die auf blauem oder 
rotem Grunde in leuchtendem Gold gemalt u. mit kleinen weißen 
Lichtem leicht ornamentiert sind. Hübsche Zierleisten und Schlußstücke, 
2-farbig mit linearen Ornamenten u. weißübersponnenen Linien, füllen 
die leeren Zeilenräume in anmutiger Weise. 

In frischen Farben gehaltene Bordüren schließen die Text-Seiten 
am Rande ab. Sie bestehen aus dem in Gold ausgemalten Domblatt, 
sowie kleinen grünen, roten, blauen u. goldenen Blüten u. Früchten, 
die in ein dünnes, schwarzes Rankenwerk eingezeichnet sind. 

Die Miniaturen, in lebhaften Deckfarben gehalten, weisen in der oft 
naiven Auffassung u. noch primitiven Art der künstier. Behandlung auf 
eine ziemlich frühe Zeit der Entstehung. 

Bemerkenswert ist bei diesen Miniaturen die viele u. häufige Ver- 
wendung von Gold, besonders bei den Gewändem u. zur Ausfüllung 
' größerer Flächen. Das damals sehr beliebte Schachbrett-Ornament zur 

Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330* 



Manttscrtpte finnzösisekm Ursprunges, XIIL^-XV, Jahrh. 55 

Dekoration des Fußbodens u. Hintergrundes ist ebenfalls mehrfach ver- 
treten. 

Besonders reich sind die 14 Seiten, welche Miniaturen enthalten. 
Hier hat die Initiale einen roten oder blauen von feinen weißen Ranken 
übersponnenen, farbig gefällten Kern, der von glänzend goldenem Grunde 
sich abhebt Hübsche, farbig u. gold ornamentierte Ranken (bei d. 
1. Initiale mit stilis. Erdbeeren) schließen als besonderen Rahmen Miniatur 
u. Initiale ab, den dann bis zum Blattrande eine nach allen Seiten sich 
ausdehnende Bordüre in noch farbenprächtigerer Ausfühnmg umgibt 
Das stilisierte, mehrfarbige Rankenwerk der Miniaturbordüre weist eine 
Fülle naturalist Blumen u. Früchte auf (Nelken, Kornblumen, Veilchen, 
Erdbeeren etc.). Hin u. wieder sind auch Vögel (Pfauen) eingezeichnet 

Der wertvolle Einband mit seiner reichen, geschmackvollen Hand- 
vergoldung ist eine Arbeit des 16. Jahrhunderts. Die innere Fläche des 
von einem breiten, hübsch ornamentierten Ooldstreifen umrahmten Ban- 
des ist mit goldenen Sternchen ausgefüllt, in deren Mitte der sehr scharfe 
Abdruck eines goldenen Zierstückes, Christus am Kreuz mit der In- 
schrift J. N. J. R. u. Maria u. Johannes zu Füßen desselben, eingefügt 
ist Beide Seiten des Einbandes sind gleich. Der Rücken ist späteren 
Ursprunges. Die lückenlose Handschrift ist hinsichtlich der Farben u. 
des Goldes von großer Frische u. auch sonst in vorzüglicher Erhaltung. 

41 Livre d'heures. Fragment einer französ.-burgund. Pergament- 
handschrift des XV. Jahrh. in Or. 8® in lateinischer Sprache. 
123 Blatt mit 3 Miniaturen, zahlreichen Initialen u. Bordüren. 
Blattgröße 18X13Va cm, Schriftspiegel 10X1 IV« cm, Größe der 
Miniaturen mit Bordüren I6V2XI2 cm. In altem schlecht er- 
haltenen Ornament. Lederbande. Goldschnitt 1200. — 

Das Fragment setzt sich, soweit dies jetzt noch zu bestimmen ist, aus 
den folgenden Texten des Officium B. Marie V. zusammen: Kalendarium, 
Abschnitte der 4 Evangelien (Johannes, Lucas, Matthäus und Marcus) — 
Oratio de beata Maria — Höre beate Marie virginis — das eigentl. Officium 
beatae Maria virginis — Vesperae — Completorium — Septem psalmi 
paenitentiales — Höre de cruce — Matutinae de sancto spirito — Vesperae 
defunctorum — les XV ioies nostre dame — les VII requestes nostre 
seigneur. 

Von dem sonst schönen Manuscript sind leider 21 Blatt Kapitel-Anfänge 
mit den Miniaturen herausgeschnitten, es sind dies die Blätter 13, 27, 35, 
38/41, 54/57, 62, 67/68, 74/75, 78, 98/99, 102, 135, sodaß nur 3 Miniaturen: 
Verkündigung der Geburt an die Hirten, David's Buße und Oberfall der 
franz. Ritter durch Wilde, die beiden letzten mit je 3 kleinen Medaillon- 
bildchen, noch vorhanden sind. Die Malerei weist auf die französ. (Pariser) 
Schule hin, die Bilder sind gewandt gemalt, die Personen tragen die 
Kostüme der Entstehungszeit der Handschrift — 

Die sonstige Ausstattung ist die der livres d'heures des 15. Jahrh. 
Der Text zu 15 Zeilen auf der Seite ist durch eingefügte Initialen, Zier- 
leisten und Schlußstücke von prächtiger, frischer Farbengebung und in 

Karl W« Hiersemann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330* 



56 Manuscripte fituiMösisdun Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh. 

leuchtendem Oold geziert, jede Textseite ist von einer schönen mit Ranken, 
Blätter, Blumen und Früchten reich ornamentierten Bordüre dekoriert 
Die Erhaltung der noch vorhandenen Blatter ist eine durchaus gute. 

42 Llvre d'heures. Französ.-burgund. Pergament-Handschrift des 
XV. Jahrh. in A^ in latein. u. franz. Sprache. 138 Blätter mit 
10 Miniaturen, zahlreich. Initialen u. Bordüren. Größe 24X15^/, cm. 
In braunem Lederbd. mit Oold, Arbeit d. XVII. Jahrh. 1900*— 

Der Inhalt des Manuscripts ist folgender: 
Abschnitte aus den Evangelisten Marcus, Lucas (unvollst) u. Johannes 
(unvollst), Officium B. Mariae Virginis: Matutinum (unvollst), Landes, 
Prime, Tierte (unvollst), Sexte (unvollst), None (unvollst), Vespres, Com- 
pletorium (unvollst), les sept pscaulmes, de la croix, les heures au Saint 
Esperit, Vigiles de mors, Oroison de nostre dame, les XV ioyes nostre 
dame mit 15 Ave Maria u. 9 Pater noster. 

Die 10 Miniaturen stellen dar: 
Die Evangelisten Marcus u. Lucas, Heimsuchung Mariae, Geburt Christi, 
Verkfindigung an die Hirten. Fludit nach Ägypten, König David, Christus 
am Kreuz. AusgieBung des Heiligen Geistes, Totenfeier. 

Den in gotischer, schwarzer und roter Schrift gehaltenen Text schmücken 
zahlreiche Initialen, Zierieisten u. SchluBstücke. Die Initialen mit goldenem 
Kern stehen in blauem u. roten Grunde u. sind meist mit weißen Linien- 
Ornamenten übersponnen. 

Die Zierieisten u. SchluBstücke sind ebenfalls zweifarbig mit weißen 
Lichtem. Die Bordüren zeigen das in der burgund.-franzds. Schule übliche 
Domblatt, golden m. schwarzem Rankenwerk, in das arabeskenartige, bunte 
Zweige, Blumen u. Früchte, auch menschl. Köpfe u. Vögel eingezeichnet 
sind. Die Miniaturen sind im Entwurf u. Ausfühmng noch von eüier ge- 
wissen Primitivität 

Leider weist die Handschrift außer den vorstehend genannten Lücken 
unsaubere Stellen u. Kritzeleien aus spater Zeit auf, auch haben hm und 
wieder die Miniaturen auf die gegenüberstehenden Blatter etwas abgeförbt 

Am Schlüsse die Emtragung: Fran^oyse du Chariot als de Boullier. 

Der Einband tragt auf beiden Seiten die Devise: Nee sorte — nee 
morte moutabor (!), darunter D. G. 

43 Psalteritun. Lateinische Pergament-Handschr. vom Ende des 
XIII. Jahrh. Nordfranzösisch. 289 Bl. mit 9 größeren Miniatur- 
bildem auf Goldgrund nebst künstlerisch ausgeführten Rand- 
leisten u. Figurenschmuck in Oold u. Farben. Zahllose kleinere 

goldene Initialen mit Ornamenten und, durch das ganze Buch 
indurch, fast auf jeder zweiten Seite, der gothische Text drei- 
seitig von Oold und mannigfach profilierter mehrfarbis^er Leiste 
umzogen. Von dem etwas beschnittenen Rande abgesehen, 
ausgezeichnet erhalten. Das erste Blatt übermalt oder neu. 
Leder-Einbd. des XVII. Jahrh. — 289 Bl. Format 12«. 2800.— 
Inhalt Die Psalmen vollständig mit einem Anhang der gebrauch- 
lichsten orationes. Die Einteilung, durch Bilder markiert, ist die von jeher 
in Italien u. Frankreich (dort namentl. in den Hss. unserer Epoche) ge- 
Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330* 



Tafel 12. 




No. 40. LIVRE D^HEURES. Bild VIII. 
XV. Jahrh. Franz. -burgundisch. 



Manuscripte franxösisdim Ursprunges, XlU.-XV.Jahrh, 57 

wohnliche. Ps. 1 Beatus vir. Ps. 26 (in der kirchlichen Zahlung; sonst 27) 
Dominus illuminatio mea. Ps. 38 (39) Dixi custodiam. Ps. 52 (53) Dixit 
insipiens. Ps. 68 (69) Salvum me fac Ps. 80 (81) Exultate. Ps. 97 (98) 
Cantate. Ps. 109 (110) Dixit Dominus domino meo. —Jedoch gesellt sich 
zu diesen 8 Bildern hier ein neuntes bei dem Ps. 52 vorangehenden 
Psalm. Es stellt den Teufel und einen König dar, David oder Saul, nach 
I Sam. 22, 9 mit Beziehung auf den Edomiter Doeg und mit Umdeutung 
dieses Verraters (diabolos) auf den Teufel. Das Gebet am Schlüsse der 
Hs. deutet auf einen geistlichen Besitzer oder Besteller. Ein solcher ist 
denn auch in der Eingangs-Initiale betend dargestellt In der oberen Ab- 
teilung des großen B erscheint dort Gottvater in Vorderansicht mit Welt- 
kugel, segnend. Außerdem aber ist der freie Pergament-Rand rechts mit 
einer großen Miniatur geschmückt: der hohen Gestalt des königlichen 
Sängers, welcher auf einem Drachen stehend — den Ausläufern der Rand- 
schnörkel — die Harfe spielt und nach der Richtung des B sein Haupt 
erhebt (Wiewohl das 1. Bl. erneuert worden — daher das Kostüm des 
Geistlichen aus späterer Zeit — so konnten diese Darstellungen doch 
nicht frei erfunden, sondern nur an der Hand des schadhaften älteren 
Blattes oder eines sehr ähnlichen hergestellt werden). Solcher Randfiguren 
finden sich mehrere (zu Ps. 26, 68, 149). Häufiger jedoch sind es Tiere 
und Vögel, wirkliche und phantastische, öfter das Einhorn, auch mensch- 
liche Mischgestalten, die sich hier herum bewegen und tummeln. Manche 
der hier angebrachten Scherze würde man in einem geistlichen Buche 
kaum erwarten; so wenn bei Ps. 26 über dem biblischen BUde am Rande 
eine langhaarige, rotgekleidete Person mit Tierbeinen und langem Schweif 
knieend und betend erscheint vor einem der Maskenköpfe, welche an 
diesen Rand-Ornamenten zu hängen pflegen, oder wenn unterhalb der 
singenden Mönche Ps. 97 ein heftig brüllender Löwe auftritt Übrigens 
kann man in diesen Randfiguren oft die Vorzeichnung mit Bleistift wahr- 
nehmen. Sie sind mit der gleichen minutiösen Sorgfalt ausgeführt wie die 
TextbUder. Im ganzen ist der Stil derjenige einer Obergangs-Periode. 
Der Goldgrund der Bilder ist durch Punzierung leicht gemustert Die 
Zeichnung der Hände gelingt bisweilen schon überraschend gut (Ps. 26. 80). 
Es mehren sich die vegetabilischen Elemente, wenngleich die Zweige 
immer noch ziemlich kahl (mit je einem farbigen Blatt am Ende) ausfallen 
und sich noch nicht scharf von den breiten, stacheligen Ansätzen sondern, 
welche in den laubsäge-artigen Stil des schmalen Leistenstammes ein- 
schlagen. Einen wie prächtigen Eindruck jedoch diese in Gold und Farben 
prangenden Randomamente gewähren, namentlich in Verbindung mit den 
die halbe Seite füllenden Bild-Initialen, läßt sich an der Hand einer bloßen 
Beschreibung nicht ermessen. Wo dieser schwere Seiten- u. Randschmuck 
fehlt, wetteifert die Kunst des die Initialen und den Textrahmen malenden 
Miniators mit der des Schreibers, welcher seinen blauen und roten Buch- 
staben die lustigen, krausen, unerschöpflichen Randschnörkel anhängt und 
jede freie Stelle in den Textseiten omamental belebt: um dieses schon 
durch seinen verschwenderischen Goldreichtum auffallende Ms. zu einem 
der am reichsten ausgestatteten Büchlein zu machen, welche sich in jener 
Epoche in den Händen von Privatleuten finden konnten. 

Karl W* Hierscnuum 2n Leipzig» Königsstrasse Z. Katalog 330* 



58 Maimscripte fituaösisehm Ursprunges. XVL-XVHL Jahrk. 

Manuscripte französischen Ursprunges. 
XVL-XVm* Jahrh* 

44 (Agullar, Chev. de). Notices sur les ouvrages et la vie des 
peintres d'apr^s les tableaux qui composent la collection du 
Cabinet de Miniatures de S. A. S. Mme. la Princesse de Holstein- 
Beck ä Hambourg. Gr.-]n-4. A Hambourg 1795. Seidenband. 

30.— 
Meiicwürdiges Manuscript von 26 Blatt aus den letzten Jahren 
des XVIII. Jahrhunderts. Es stellt einen handschriftlichen Katalog der 
ca. 50 Pi^cen umfassenden Abteilung „Ecole Florentine'' der Holstein- 
Beck'schen Miniatur-Sammlung zu Hamburg dar. Bei jedem Maler 
befindet sich eine ziemlich ausführliche Beschreibung seines Lebens 
und Wirkens. Insgesamt sind 26 derartige Essays vorhanden, über Allori, 
Andrea del Sarto, Boschi, Rafael, Rubens, Albertinelli, Corregio, Tizian, 
Leonardo da Vind etc. Das Ganze in regehnäßiger Kursivschrift mit 
ornamentiertem Titel in Sepia und Wasserfarben. Der Verfasser dieses 
Miniaturen-Verzeichnisses hat seinen Namen auf dem Titelblatt rechts 
unten verewigt. Mit heraldischem Ex-libris eines französischen geist- 
lichen Instituts. (Vita sine litteris mors est). 

45 Bemal, J. C. Explication du Catechisme de Calvin. Klar ge- 
schriebenes u. soweit nachzukommen, ungedrucktes Manuscript 
von 617 eng geschriebenen Seiten in 8^ über Calvin's Institutio 
christiana, bei den französisch Reformierten kurz der „Katechis- 
mus" genannt. Ca. 1650. Kalblederband. 180. — 

46 Terricr de la Terre et Seigneurie de St. Desirö fait en vertu 
de lettres de Chancellerie du 13 Mars obtenues par Monsieur 
Douet de Vichy, Conseiller du Roy en sa Cour de Pariement 
de Paris: Baron de St Desirö et Van Sous Mondun; Seigneur 
de la Crette, Chauvi^re, Chassemais, Moussais, Nassigny et Preuil, 
Haut Chattelin de la Chaussi^re; Seigneur de la Salle, Cosne et 
Louroux Bourbonnoise. Le dit Terrier receu Advenier et Fauvre, 
Notaires royx. Sont contenus dans le dit Terrier les Titres honori- 
fiques, Transactions et autres Titres essentiels de la ditte Terre. 
Rousseau de Chatillon faciebat 1752. Le premier titre est dat6 
13 Mars 1743, le demier le 9 juillet 1749. Manuscrit in-folio. 
Maroquin rouge, tranche doröe. 250. — 

Ce manuscrit sur papier timbr^ est enti^rement compos6 par la m^me 
main, calligraphique. Les chapitres des actes, qui sont tous sign^s par 
les dits notaires, commencent par des beaux fleurons calligraphiques. 
25 lignes ä la page, 902 pages, soigneusement num^rot^es et pr^c6d6e8 
du titre et 5 pages, observations et noms des terres, corv6es seigneu- 
riales etc. 

Magnifique reliure de parfaite conservation en maroquin rouge; les 
deux plats munis des armoiries de M. Douet de Vichy, en or et argent, 
l'aigle, au milieu des armoiries, en noir, sur une plaque d'ivoire. 

Karl W* Hiersemann in Leipzig:^ Königsstrasse 3. Katalog: 330« 



Manuseripte italie n isehm Ursprunges. XIL-XV.JahHu 59 

Manuscripte italienischen Ursprunges. 

Inbegriffen lateinische Manuscripte. 

Xn.— XV* Jahrji. 

47 Aegiditts de Columna, Augustiner, Theolog in Paris, Erz- 
bischof von Bourges, geb. zu Rom 1247, gest zu Avignon 1316. 
Liber de regimine principum. Handschrift auf Pergament 

XIV. Jahrh. 151 BI. Fol. Altvenez. Maroquinbd. 800*— 
Das berühmte Werk des Erziehers Philipps des Schönen, eines der 

ersten über Prinzenerziehung u. RegentenpfUcht, liegt hier in einer sehr 
sorgfältigen Niederschrift von einer italien. Hand des 14. Jahrh. vor. 
Das erste Blatt ist von einer hübschen Pflanzenbordüre — weiß u. gold 
auf blauem Orund — eingerahmt, am Unterrande ein Kardinalswappen. 
Dort u. auf mehreren Bll. hat die Farbe etwas gelitten, im großen u. 
ganzen jedoch ist die Handschrift vorzgl. erhalten. 

48 Aeneas Sylvius. — Enea Silvio Piccolomiiii, Euryalus 
und Lucretia. Prächtige lateinische Pergament- Handschrift des 

XV. Jahrhunderts, italienischen Ursprungs, tadellos erhalten, von 
schöner Ausstattung und ausgezeichnet sorgfältiger Ausführung. 
51 beschriebene Bl. in-4 mit Goldschnitt. Kunstvoller modemer 
grüner Lederband von Bauzonnet mit reicher Ornamentpressung. 
Vorn eingeklebt 2 Exlibris von Vorbesitzern: Bibliotheca Ambrosii 
Firmini Didoti 1850 und Exlibris Marigues de Champ Repus. 

Der Band enthält 3 Schriften des Piccolomini: 

1. Bl. 1— 28 a: Eneae Silvii poetae Senensis de duobus amantibus 
Euryalo et Lucretia opusculum. Von dieser 1444 entstandenen, dem 
deutschen Reichskanzler Kaspar Schlick gewidmeten Liebesnovelle, dem 
berühmtesten und gelesensten Werke des späteren Papstes, erschienen 
zahlreiche Drucke in fast allen Kultursprachen. Die Incunabeldrucke 
verzeichnet Hain I, 25 ff und Copinger II, 1,7 ff. Der hier vorliegende 
Text weicht von den ältesten Drucken, namentlich auch von dem Ab- 
druck in der Gesamtausgabe der Werke Piccolominis, Basel 1571, S. 623 
bis 644, in vielen Einzelheiten ab. Am Anfang ein künstlerisch ausge- 
führtes goldgehöhtes M auf blau und grünem Hintergrund. 

2. Bl. 286 — 40: Oratio Papae Pii habita in conventu Mantuano VI. 
Kai. Octobr. anno 1458, enthaltend einen Aufruf an die christlichen Fürs- 
ten zur Veranstaltung eines Kreuzzugs gegen die Türken, deren Ober- 
macht seit der Eroberung Konstantinopels bedrohlich wurde. Gedruckt 
In den Werken 1571, S. 905—914. Auf der ersten Seite eine prächtige 
farbige Bordüre, bestehend aus stilisierten Ranken, Blumen und Vögeln, 
sowie ein vorgoldetes C. als Anfangsbuchstabe. 

3. Bl. 44 — 51 ein päpstliches Sendschreiben: Pius Episcopus servus 
servorum dei universis et singulis Christi fidelibus salutem et aposto- 
licam benedictionem. Romae, VI. Kai. Novembr. 1463; wiederum eine 

Karl W* Hiersefnaon 2n Lelpzl^f Königfsstrasse 3* Katalog: 330» 



60 ManusaiffU UaUenisdim Urspmngts. Xll.-XV.Jahrh, 

Auffordeniiig zu allgemeiner Beteiligung an dem geplanten Kreuzzuge. 
Oedrudct in den Weiicen S. 914—923. Am Anfang gleichfalls eine kunst- 
volle Bordüre mit Initiale. 

49 Barbaro, Francesco, Podesta von Venedig, geb. 1398, gest 1454. 
De re uxoria. Am Schlüsse: Francisci baii^ veneti patricij ac 
equestris ordinis uiri illustrissimi ad Laurentium medicum ciuem 
florentinum de re vxoria Über explicit Perg. 91 Bl. 8. Sehr 
schöner gleichzeitiger florentinischer Lederbd m. reichen omam. 
Pressungen u. Messingbeschlägen. 850.— 

Sehr schöne Italien. Humanisten-Handschrift, aus der Mitte des 15. 
Jahrh. Der Titel auf fol. Ib in Blau- u. Qoldschrift innerhalb eines 
reich stilisierten Blumenkreises; auf foL 2a der Anfang der Hs. um- 
rahmt von einer ebensolchen vierseitigen Girlande m. Blumen» Blüten 
u. figur-omamentalem Beiwerk. In Initiale M das Porträt Lorenzo da 
Medids, am Unterrande das Wappen. Obwohl leider die 2 Bll. in der 
Farbe z. T. gelitten haben, bieten sie immer noch ein sehr schönes 
Muster der Italien. Handschriften-Illustrationen des 15. Jahrh. 

50 Blblia sacra« Novum Testamentum Latinum, etwa 1180. 
8^ Schönes Manuscript auf Pergament, sauber u. r^elmäßig 
geschrieben in zwei Columnen. 244 Bll. mit 30 Zeilen auf der 
Seite, mit zahlreichen roten und blauen Initialen. Eine prächtige, 
ganzseitige Miniatur, die Kreuzigung darstellend, befindet sich 
vor der Apostelgeschichte, und femer sind in dem Manuscript 
28|große, reich ornamentierte und figurierte Initialen enthalten« 
Neuer Eichenholz-Einband, roter Maroquin-Rücken, mit Schließen. 

6800.— 
Dieser wertvolle und gut erhaltene Codex des Neuen Testamentes 
ist wahrscheinlich in Italien am Ende des 12. oder Anfang des 13. 
Jahrhunderts hergestellt worden. Er enthält: S. Matthaeus, S. Marcus, 
S. Lucas, S. Johannes, Acta Apostolorum, Epistola S. Jacobi, Epistolae 
Petri, Epistolae Johannis, Epistola S. Judae, Apocalipsis S. Johannis, 
Epistola ad Laodicenses, Epistola ad Romanos, Epistolae ad Corintiiios, 
Epistola ad Oalatas, Epistola ad Ephesios, Epistola ad Philippenses, 
Epistola ad Colossenses, Epistolae ad Thessalonicenses, Epistolae ad 
Thimotheum, Epistola ad Titum, Epistola ad Philemonem, Epistola ad 
Hebreos. Die apocryphische Epistola ad Laodicenses ist selten in hand- 
schriftlichen Bibeln zu finden. 

Die Malereien in diesem Ms. sind in byzantinischem Stil. Die ganz- 
seitige Miniatur, welche die Kreuzigung darstellt mit Maria und St 
Johannes (letzterer ein Buch in der Hand haltend) ist prächtig in Farben 
auf Goldgrund ausgeführt In den Ecken des reditwinkligen, ornamen- 
tierten Rahmens sind Medaillons mit emblematisdien Darstellungen der 
vier Evangelisten. Am Anfang jedes Buches ist eine große, ornamen- 
tierte Initiale, die in einigen Fällen fast die ganze Höhe der Seite ein- 
nimmt, ein oder zwei davon enthalten den Kopf eines Heiligen. 

Karl W* Hiefsemann in Leipzig, Königsstrasse 3. Katalog 330* 



Manttseripte Ualienisdien Ursprunges. XIL-XV, Jahrk. 61 

51 Boccaccio. Nimfale Fiesolano nel quäle si contiene l'innämora- 
mento di Affrico e Mensola. Poemetto in ottava rima. Papier. 
Ital. XV. Jahrh. 79 BI. Fol. Lederbd. 680.— 

Schöne Handschrift der ,,Nymphengeschichte von Fiesole'S ,,Boccac- 
do's vollendetstes Gedicht überhaupt (Wiese). 

Mit einigen in Oold und Farben gemalten Initialen mit Ranken- 
ornament in Federzeichnung. Auf dem 1. Bl. innerhalb eines Ornaments 
ein Wappen: 2 Delphine, zwischen diesen 2 Apostelkreuze, Oold auf 
blauem Grund. Das erste Bl. etwas fleckig; die Hs. leicht wurm- 
stichig. Mit zahlreichen wichtigen Abweichungen von den gedruckten 
Texten. 

52 Cicero. De senectute. — De amicitia. — Paradoxa Stoicorum. 
XV. Jahrh. Perg. 76 Bl. 8. Sehr schöner gleichz. ital. Hlzldb. 
mit reichen Blindpressungen mit Beschl. u. 1 Schließe. 

580.— 
Sehr sorgfältig geschriebene u. vorzügl. erhaltene Hs. ital. Pro- 
venienz. Auf fol. 1 eine sehr hübsch komponierte Randleiste mit einer 
Initiale O, in Farben u. Oold gehalten, am unteren Rande eine Spitz- 
leiste ähnlicher Ausführung mit einem Wappenfeld, in das 3 Bäume auf 
einem dreifachen Berge eingezeichnet sind. Zwei weitere zierliche Initialen 
zu Beginn der anderen Traktate. Der weiße Perg.-Rand einiger Bll. 
ergänzt 

Sehr schönes Stück. — Interessanter Einband. 

53 Cicero. De officiis 11. III. Pergament-Ms. XV. Jahrh. 70 BI. 
4. Altimitierter Ldbd. mit Blindpressung. 980.— 

Vgl. die Abhildiing Taf. 13. 

Sehr schönes Manuscript ital. Provenlenz aus der 2. Hälfte d. XV. 
Jahrh. Jedes der 3 Bücher ist mit einer großen Initiale in Oold u. 
Farben geschmückt; die Ausläufer derselben ziehen längs des Seiten- 
randes in Form einer reizender Bordüre. Am Unterrande des 1. Bl. inner- 
halb eines Lorbeerkranzes ein Wappen: 3 silberne Balken auf blauem 
Orund. Schöne itaL Humanistensdirift m. zahlr. Interlinear- und Mar- 
ginalnotizen. Auf fol. 65 b— 67 a „Antonij Geminianensis oratio ad splen- 
didum equitem Frandscum condvem coram populo et in foro habita 
felidter'^ Die Rede ist an den aus Ungarn zurückgekehrten Frandscus 
Useppius gerichtet, dem die Stadt Bologna das Kommando der städt 
Miliz zu übertragen beabsichtigte. Auf Bl. 70 Federzeichn. aus spät Zeit 

Aus der Sammlung Firmin-Didot 

54 Collectanea. Papierhandschrift italienischen Ursprungs aus dem 
XV. Jahrhundert, mit Nachträgen von verschiedenen ungenannten 
Händen bis ins XVII. Jahrh. hinein. 76 nur zum Teil beschrid)ene 
Bl., davon einige ausgebessert Neuerer Halblederband. 60. — 

Der Inhalt besteht aus meist lateinischen, teils aber auch italienischen 
Collectaneen sehr mannigfacher Art, die ohne einheitlichen Gesichts- 
punkt zusammengestellt wurden: Sentenzen u. Stilproben aus antiken 
Schriftstellern, der Bibel und den Kirchenvätern, grammatikalische No- 

Karl W* Hierscnuum in Leipzic^ Königsstrasse 3* Katalog: 330. 



02 Manusaipte UaUenischm Ursprunges. XIL-XV.Jahriu 

tizen, ein kurzes griechisches Vocabular mit lateinischer Übersetzung, 
eine Sammlung lateinischer Wortformen u. Phrasen in alphabetischer 
Reihenfolge mit beigef&gter Erklärung, sowie gelegentlich auch mit 
Belegstellen aus den Klassikern. 

55 Gratiani Decretunu Concordia discordantium canonum ac 
primum de iure constitutionis nature humane. Pars I, II, III 
distinctio 1—5. Pergamenthandschrift aus dem XIV. Jahrh. in 
2 Columnen mit Interiinear- u. Marginal-Commentar. 272 Blätter, 
wovon 3 fehlen. Fol. Alter Hlbldrbd. 580.— 

Der in brauner u. roter Schrift geschriebene Codex zeigt blau u. 
rote Anfangsbuchstaben, oft mit Ausläufern u. breiten Initialen, die das 
ganze erste Wort des Kapitel-Anfanges in verschlungenen Buchstaben 
aufweisen. 

Blatt 48, 148, 149 fehlen, sodaB die Handschrift nicht lückenlos ist 
Blatt 216—238 sind ohne Commentar. Paris I enthält 101 distinctiones, 
pars II 36 causae, pars III geht bis distinctio 5. 

56 Guido de Colonna, Historia Troyana. 155 numerierte, 
doppelseitig beschriebene Blätter in fol., teils Papier, teils Perga- 
ment. Handschrift des XV. Jahrhunderts mit lateinischem Text, 
von verschiedenen Händen. Buntfarbige Initialen und Goldschnitt 
Hervorragend schöner, tadellos erhaltener brauner Maroquin- 
band mit sehr reichen und geschmackvollen eingepreßten und 
vergoldeten Ornamenten. An 2 Stellen findet sich die Bemerkung: 
Bound by Riviere (im Orolier-Stil). 850.— 

Guido entstammte dem berühmten Hause der Colonna, das auch in 
Sizilien verbreitet war. Er wurde an den ersten Jahrzehnten des 13. 
Jahrhunderts in Messina geboren, widmete sich juristischen und literari- 
schen Studien und kam dann an den Hof des Kaisers Friedridi II. 
Hier entwickelte sich seine poetische Begabung, so daß er eine Reihe 
von Minneliedem verfaßte, von denen noch 6 erhalten sind. Nach dem 
Sturze der Hohenstaufen-Herrschaft übernahm er ein Richteramt in Mes- 
sina. Um 1276 begann er auf Anregung seines Freundes, des Erzbischofs 
Matthäus von Salerno, in lateinischer Sprache einen Prosaroman ,His- 
toria destructionls Troiae' zu verfassen, den er 1287, kurz vor seinem 
Tode, vollendete. Als Hauptquelle diente ihm das umfangreiche franzö- 
sische Gedicht ,Estoire de Troie^ des Trouvern Benoit de Sainte-More, 
der um die Mitte des 12. Jahrhunderts blühte. Außerdem scheint er die 
,Historia de exddio Troiae' des Dares benutzt zu haben. Daneben fügte 
er auch zahlreiche gelehrte Excurse und moralische Betrachtungen aus 
anderen Quellen bei. Das Werk fand allgemeinen Beifall, ist in zahl- 
reichen Handschriften verbreitet und wurde in die neuesten Kultursprachen 
übersetzt. Die in Deutschland vorhandenen Handschriften stammen fast 
sämtlich aus dem 15. Jahrhundert, z. B. Berol. Meerm. 192, 524; Dresd. 
F. 88b, 96a; Monac. 61, 106; Vindob. 3154. Später folgten bis weit ins 
17. Jahrhundert hinein zahlreiche Drucke in lateinischer, deutscher, fran- 
zösischer, italienischer, spanischer, niederdeutscher, flämischer, dänischer 

Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse Z. Katalog 330* 



Manusaipte italie n isdun Ursprunges. XIL-XV. Jahrti, 



(Ü 



und tschechischer Sprache, sowie mehrfache Umarbeitungen. Ober die 
Incunabeldrucke vgl. Hain, Repertorium I, S. 177 f; Copinger, Supple* 
ment II, 1, S. 185; Häbler, Bibl. iberica S. 71. Der Text der vorliegenden 
Handschrift weicht an vielen Stellen von dem der lateinischen Friihdrucke 
ab. Näheres über Guido und seinen Roman vgl. bei H. Dünzer, die 
Sage vom Trojanischen Kriege 1869, S. 61 ff; R. Bartii, Guido da Columna 
1877; Gröber, Grundriß der romanischen Philologie Bd. II, Abt 1, S. 321 
und 1075. 

57 Justinianus. Digestorum seu Pandectorum libri I— XXIV, 2. 
Pergament-Handschrift in 2 Columnen mit Interlinear- und 
Marginal-Commentar aus dem XIV. Jahrh. 279 Blätter (wovon 
2 fehlen). Fol. Alter Halblederbd. 420.— 

Die Handschrift geht bis über XXIV. 2: de donationibus inter virum 
et uxorem u. ist mit mehreren Commentaren verschiedener Hand ver- 
sehen. Bemerkenswert ist die breite Kapitel- Anfangs-Initiale, die stets 
das ganze erste Wort in verschlungenen Buchstaben zeigt. Rote u. blaue 
Anfangsbuchstaben zieren den Text. ^ 

Leider fehlen Blatt 10 u. 76 ganz, aus Blatt 1, 15 u. 233 sind Stücke 
herausgeschnitten, auch ist die Schrift der ersten 8 Blätter verwischt 

58 Orazioni Latine manoscritte del Orazioni latine manoscritte 
Padre Giovanni Leonardi della del Padre Giovanni Leonardi 
Congregatione delF Oratorio di della Congregatione deir Ora- 
S. Filippo Neri. 1200.— 



Sorgfältig ausgeführte und gut 
erhaltene italienische Pergament- 
handschrift in folio aus der ersten 
Hälfte des XV. Jahrhunderts von 2 
verschiedenen Händen mit Rand- 
bemerkungen von 3. Hand. Der 
oben erwähnte Titel steht auf dem 
Vorsatzblatt und ist erst gegen Ende 
des XVII. Jahrhunderts beigefügt 
worden, war also ursprünglich nicht 
vorhanden. 46 beschriebene BU. 
mit 3 Oold gehöhten Initialen auf 
blau und grünem, geschmackvoll 
ornamentiertem Hintergrunde. Der 
Text besteht aus 2 Reden in elegan- 
tem Humanistenlatein: De instituenda 
militia und De principatu Oraedae. 
Der Titel des Werkes ist irreführend, 
da der darin genannte Giovanni 
Leonardi, der Stifter des Ordens der 
Clerid reguläres Matris Dei unmög- 
lich der Verfasser sein kann, denn 
er lebte wesentiich später (1543-1609) 
und war lediglich Theolog, keines- 



torio di S. Filippo Neri. 

1200.— 

CarefuUy written Italian manus- 
cript on parchment, in good condi- 
tion, folio, from the first half of the 
15 th Century, in two hands, with 
marginal notes of a third band. 
The above-mentioned titie is written 
on the fly-leaf and has been added 
only at the end of the 17th centesy. 
46 leaves with 3 initials heightened 
with gold on blue and green oma- 
mented ground. The text consists 
of two Speeches in an elegant huma- 
nistic Latin: de instituenda militia 
and de prindpatu Graedae. The 
titie of the volume is incorred, as 
the therein mentioned Giovanni 
Leonardi, the founder of the order 
of the Clerid reguläres Matris Dei, 
cannot have been the author, for 
he lived 1543—1609 and was a theo- 
logian, but not a humanist and his- 
torian. Apparentiy the author was 
one of the Italian humanists living 



Karl W* Hiersemann In Leipzig:, Königsstrasse 3. Katalog 330» 



64 



Manuseripte Uaüenisthen Ursprunges. XI L - XV. Jahrh. 



wegs Humanist und Historiker. 
Vielmehr wird man den Verfasser 
unter den italienischen Humanisten 
aus der Zeit bald nach 1400 suchen 
müssen. Er zeigt sich als gründ- 
licher Kenner der griechischen und 
römischen Litteratur, schreibt einen 
geschmackvollen dceronianischen 
Stil, kommt wiederholt auf die 
IHorentiner Verhältnisse jener Zeit 
zu sprechen, über die er genau unter- 
richtet ist, und erwähnt gelegentlich, 
daß er einen Commentarius rerum 
graecarum geschrieben habe. Alle 
diese Angaben passen vortrefflich auf 
den berühmten Leonardo Bruni, 
genannt Aretino. 

Man kann deshalb beide Reden 
mit hinlänglicher Wahrscheinlichkeit 
ihm zuschreiben, obwohl sie sich 
unter seinen bisher gedruckten 
Werken nicht befinden und obwohl 
sie in den bisher veröffentlichten 
Beschreibungen seines Lebens nicht 
erwähnt werden. 



in the beginning of the 15^ centesy. 
He proves himself to be a deep 
connoisseur of Oreek and Roman 
litterature, writes in tasteful Cicero- 
nian style, alludes repeatedly to the 
condition of IHorence in that time, 
in which he is thoroughly versed, 
and mentions that he has written a 
„Commentarius rerum Oraecarum*'. 
All these indications point at the 
famous Leonardo Bruni, named 
Aretino. 

For these reasons one may ascribe 
to him these two speeches, although 
they are not to be found in the 
printed editions of his worics and 
although his biographers do not 
mention them. 



59 MlsceUanea. Papier-Handschrift 1433. 112 Bl. Fol. Beschäd. 
Ldhlzb. a. d. Z. m. omam. u. figur. Pressungen. 1400.— 

Der äußerst wertvolle Codex enthält folgende StQcke: 

1. Fol. 1— 20b. Mussato, Albertino. Ecerinis. Beg.: Tragedia Alberti 
Musattj Historiographi paduani et tragedl de gestis per Ecelinum de 
Castro romano districtus marchie taruisahe et Albricum eius fratrem. 
Schluß fol. 17b: Explidt tragedia Albertini musati paduani historio- 
graphi et tragedi de gestis per Ecelinum de romano et Albricum eius 
fraü'em. Deo gratias. Amen. Fol. 18—20 Commentar zur Tragödie. 

2. Fol. 21a— 48b. Ovidius. De arte amandi. Schluß fol. 48b: Ex- 
plidt über Ouidij de arte amandi die 4. mensis Apprilis Anno dom. 
1433 in urbe Romana Laus Deo Amen. 

3. Fol. 49a— 59b. Ovidius. De remedio amoris. Schluß fol. 59b: 
Explidt Über Ouidij de remedio amoris Rome die 14. mensis Apprilis 
Anno natiuitatis Christi Millesimo Quadringentesimo Tricesimo terdo. 
Laus Deo. 

4. FoL 60a— lila: Alanus de Insulis: Antidaudlanus. Schluß föL 
lila: Explidt über Magistri Alani Antidaudiani de Antirufino etc. 

Liber reverendissiml philosophi magistri Vrbani de Oali- 
sano artium liberalium doctoris dignissimi fvit exemplar. 
Hierauf fol. 111b Kommentar zum Antidaudlanus. 



Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse Z. Klatalog 330« 



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ManuscripU itaätnisthm Unpnu^fes. XIL—XV.JahHu 65 

Albertino Mussatos Ezzelino-Tragödie gehört zu den hervor- 
ragendsten Werken der toskanisdien Periode der ital. Literatur. Schon 
zu Lebzeiten des Dichters (geb. in Oazo, einer Vorstadt Paduas, 1261» 
t zu Chioggia 1329) war die patriotische Dichtung ein Gegenstand der 
höchsten Verehrung; so bestimmte der Senat von Padua, daß die Tragödie 
jeden .Weihnachtstag öffentlich vorgelesen werde, danach sollen sich die 
Professoren u. Studenten nach des Dichters Wohnung begeben, um ihm 
als Sinnbild der Tragödie ein Ziegenfell zu überreichen. Die Tragödie 
hat die Taten Ezzelins, des treuen Parteigängers Kaiser Friedrich IL u. 
des Führers der Ohibellinen in Oberitalien, zum Gegenstand. „Um seine 
Mitbürger vor Cangrande della Scala, der nach Padua Gelüste trug, zu 
warnen, führte er ihnen die scheußlichen Gestalten des Ezzelino da Ro- 
mano, der seit 1227 Herr von Padua war, und seines Bruders Alberico 
vor" (Wiese). 

Das Stück liegt hier in einer sehr sorgfältigen Niederschrift vor. Zahl- 
reiche Wort- u. Sinnerklärungen, Angaben über Chor etc sind teils 
interlinear, teils am Rande untergebracht 

Das zweite Hauptstück unseres Codex, Alanus' Anticlaudianus, 
ist eines der berühmtesten lat. Gedichte des Mittelalters. Der 
Verfasser Alanus de Insulis (geb. zu Lille in Flandern, f 1202 in Citeaux) 
führt in dem Gedichte gegen die Satire Claudianus' in Rufinum den Be- 
weis, daß nicht ein Sünder, von den bösen Geistern hiezu verleitet, das 
Weltall zerstören, sondern daß ein Gottesfürchtiger, von den Tugenden 
unterstützt, die Menschheit glücklich machen wird. Das Gedicht wurde 
erst im Jahre 1S36 (Basel, Henr. Petri) gedruckt 

S. über das Gedicht: Leist, Der Anticlaudianus, ein lat Gedicht d. 
12. Jahrh. Stendal 1878—82, über seine Beziehungen zu Dantes Divina 
Commedia: Bossard, Alani de Insulis Anticlaudianus cum Divina Dantis 
Alighieri Comoedia collatus, Angers 1886. 

Auf fol. 110 befindet sich die Abschrift eines Briefes Kaiser Sigismunds 
an die Florentiner, dat Lucca, 6. Juni 1432, worin er diesen ener- 
gische Vorstellungen macht, daß sie ihn trotz seiner friedlichen Ab- 
sichten unter dem Vorwande einer Feindseligkeit gegen die Stadt 
Lucca angegriffen hätten; er habe aber ihre wirklichen Absichten er- 
kannt, denn „psalterium non concordat cum dtara". Die Antwort der 
Florentiner ist nur zum Teil erhalten^ da das letzte Bl. der Hs. bis auf 
ein geringes Bruchstück defekt ist Das hochinteressante Schrei- 
ben fehlt bei Altmann, Regesta Imperii XL und ist bisher un- 
gedruckt 

Vorgebunden ist ein halbseitiges Fragment eines Blattes aus einer — 
wie es scheint — Kölner Universitätsmatrikel d. 14. Jahrh. m. 56 Namen 
(darunter die Rubriken „In mediana'^ u. „Licentiati in jure''). Die hier 
folgenden Namen dürften die Identifizierung des Fragments ermöglichen: 
Wilhehnus de Breda, Johannes de ErpeH, Henricus Wesalie, Georgius 
Gladbach, Goiswinus Kempgyn, Wigerius de Embrica, Henricus de 
Judeis, Henricus de Kerpena, Georgius Heseler, Gerardus de Berka» 
Gerardus Hom, Henricus Manegold, Joh. Kerckhoff etc. 

Karl W« Hiersemann In Leipzig» Königsstraue 3« Klatalog 330» 

5 



66 MoMttstriptg itaiiaUsdm Urspnu^sa. XiL-XV.JaMu 

60 Missae geometrica demonstratio per figuras. 4. S. L et a. 
(ca. 1450). Pergt 160.— 

Pergament-Manuscript aus der Mitte des XV. Jahrli., 10 Blatt 
mit 27 geomctrisdieii Figuren in roter Fart>c, weldie die gesamte An- 
ordnung der Messe darsteOen, mit den dazwischen geschriebenen btein. 
Erläuterungen der einzelnen AufsteOungen. 

Ein früherer Besitzer bemerkt auf dem Vorsatd>latt: J^lannscrit sur 
v^lin du XV. siMe avec figures tr^ curieux. 290 frc'' 

Mit einem heraldischen Ex-libris CExcelsior'O- 

61 Montai^one, jeremias de, Compendium moralium notabilium. 
Pergament-Codex saec XIV (1376). UL 172 BIL Fol Mod 
gepr. Lederbd. m. SchL 1680. — 

6 BlL Prohemium. Beginnt: Indpit compendium moralium notabilium 
compositum per Jeremiam iudicem de Montagnone dvem Patvdinum. 
2 BO. Index (von späterer Hand, am Schlüsse: ,,Ego Frater Bonaventura 
de Mantua scripsi et ordinavi istam tabulam secundum ordinem alfabeti 
non cum parvo labore, que est quidem utilis et correcta atque iustissima 
1479"'). Am Schlüsse des Textes (foL 164b) „Completum hoc opus die 
dedma mensis Novembris in vigilia sancti Martini episcopi et confessoris 
(am Rande in anderer Schriftart: 1376). Festum Martini det nobis fiocula 
vini." Die Handschrift ist eine aus den Kirchenvätern, röm. u. griech. 
Klassikern, frühmittelalterlichen Dichtem u. Schriftstellern (u. a. Johannes 
Solobriensis, Anglicus, Bakio versilogus, Oualterius de Castellione, Henri- 
cus Samariensis versilogus, Oaufridus Anglicus, Montenarius Paduanus 
etc.) geschöpfte Sammlung von moraL Zitaten u. Sprichwörtern, vob 
Autor systematisch geordnet u. commentiert; dabei die Abteilungen de 
religione, de honestate naturalitate; cap. 2 de musicali delectatione etc. 

Hervorragend schöne Handschrift, rot u. schwarz geschriet>en. Mit 
zahlreichen, künstlerisch hochbedeutenden omamentalen Initialen in Far- 
ben u. Oold. Auf foL 1 u. 11 je eine dreiseitige, reich stilisierte Rand- 
bordüre. Letztere enthält am Kopfe des Anfangsbuchstaben P eine 
Autoreninitiale, den vortragenden Verfasser darstellend. Als Vorsatzblatt 
sind Fragmente eines Missales des 15. Jahrh. verwendet Von tadelloser 
Erhaltung in Pergament, Schrift u. Ausstattung. 

62 Drei Pergamentblätter aus e. theologischen Manuscripte d. XV. 
Jahrhunderts. An Stelle der w^jadierten ursprünglichen Schrift 
liest man auf dem einen Blatte: Liber dnorum eccl'ie diui Lam- 
bert! ex donatione pi'entissimi viri dni Johaiiis Rosthorst bor- 
holdiani olim vigilätissimi eiusde ecd'ie Sacellani. Anno 1549. 
Aus einem Einband gelöst und deshalb nicht vollständig. 12« — 

63 Plutarchi Vitae selectae e Oraeco in Latinum versae a Leo- 
nardo Bruni Aretino. 1400« — 

188 beiderseits beschriet>ene BIl. in 4. Jede Seite enthält 27 Zeilen. 
Hervorragend schöne und sorgfältig ausgeführte Handschrift auf tadellos 
feinem Pergament und von vorzQglicher Eriudtung, um die Mitte des 

Karl W« Hierseoiann in Leiptigr Königsstrasse 3. Klatalog 330» 



Manuseripie itaüeniwAen Ursprunges^ Xll.-XV.Jahrfu 67 

XV. Jahrhunderts in Italien geschrieben. 12 künstlerisch ausgeführte Ini-» 
tialen in Oold und Farben. Vortrefflicher grüner Maroquinband des 
XVIII. Jahrhunderts mit Ooldpressung und Goldschnitt (von Deröme). 

Leonardo Bruni (1369—1444), nach seiner Vaterstadt Arezzo ge- 
wöhnlich Aretino genannt, der berühmte Humanist und Schüler des 
Chrysoloras, gilt mit Recht als der Vater der Obersetzungskunst in Italien. 
Unter seinen Obersetzungen aus dem Griechischen ins Lateinische waren 
seine ausgewählten Biographien des Plutarch, die er seit dem Anfang 
des XV. Jahrhunderts allmählich veröffentlichte, am angesehensten, und 
sie kommen teils einzeln, teils gruppenweise in zahlreichen gleichzeitigen 
und wenig späteren Abschriften vor. Die hier vorliegende Sammlung 
zeichnet sich dadurch vor den meisten anderen Handschriften aus, daß 
sie nicht nur einen Teil, sondern sämtliche von Bruni übersetzte Lebens- 
beschreibungen, 9 an der Zahl, enthält Es sind folgende: Der jüngere 
Cato, Pyrrhus, Aemilius Paullus, Sertorius, Demosthenes, Marcus An- 
tonius, Tiberius und Caius Gracchus, endlich Cicero. Die Obersetzung 
schließt sich nicht wörtlich an das griechische Original an, sondern 
enthält mancheriei Zutaten aus anderen Quellen. Namentlich das Leben 
des Cicero erscheint mehr als eine freie Komposition. Näheres vgL 
L. Bruni Epistolae ed. Mehus 1741, Vorrede; A. Zeno, Dissertazioni 
Vossiane 1752, I, S. 87 f. und G. Voigt, Wiederbelebung des klassischen 
Altertums IP, S. 164 f. — Die vorliegende Handschrift ist das Werk eines 
gebildeten und sachverständigen Humanisten, der die Feinheiten der 
eleganten Latinität Brunis zu würdigen wußte, nicht eines gedankenlosen 
Kopisten, und deshalb ohne auffällige Schreibfehler und Mißverständnisse. 

64 Pontana«, Joh. Jovianus, der bedeutende Humanist u. Dichter, 
1426—1503. De fortitudine bellica et heroica. Papier- Hand- 
schrift 1487. 50 Bl. — De obedientia. Papier- Handschrift 
1470. 70 Bl. Fol. — Neapolit Ldb. a. d. Z., m. sehr schönen 
ornam. Pressungen; aufgefrischt, Rücken ergänzt 600« — 

1. De fortitudine. Beginnt: JOANNls JOVIANI PONTANI PRO- 
LOOUS IN LIBRIS DE FORTITUDINE AD ALFONSU DUCE CALA- 
BRIE. VICTORl TIBI DUX ALFONSE: ac libertatis patrie propugna- 
tori debetur a ciuibus tuis. Schluß fol. 49 a: homines presidium quoque 
in fortitudine collocatum habeant 

Prachtvolle, auf Veranlassung des Autors hergestellte 
Niederschrift des berühmten Werkes. Daß es sich um ein 
unmittelbar aus dem Besitze des Verfassers herrührendes 
Apograph handelt, beweist ein auf dem VorsatzbL befind!« 
eigenh. Brief Pontanus' an den fürstl. Sekretär Jacobus Anti- 
quarius ddo. Neapel, 7. Mai 1487, mit dem er ihm das Exemplar 
durch den Juristen Trojanus übersendet Ein zweiter, darunter 
stehender Brief Pontanus' ddo. Neapel, 28. Jan. 1488 stammt von an- 
derer Hand. Auf dem 1. Bl. der Hs. eine sehr schön in Oold und Farben 
ausgeführte Initiale m. Blumenleiste, am Unterrande ein Lorbeerkranz m. 
Blütenomament in ebensolcher Ausführung. 

Karl W. Hierseinasm in Leipzig» Königsstrasse 3. Klatalog 330*. 



68 ManusoripU iialienisehm Ursprungs» XII.-XV.JahHu 

„De fortitudine'' wurde im Jahre 1490 in Neapel von Martinas Mora- 
vtis zuerst gedrudct (H. 132S6). 

2. De obedientia. Beginnt: Joannis Jouiani pontani ad Robertum 
Sanseuerinum prindpem Salemitanum in libros obedientie proemium 
indpii Hortante te ilime et iubente Prineeps Roberte ut etc. Sdüuß fol. 
70 a: alijs memoranda post nos relinquimus. Editi sunt hi libri anno do- 
mini M . ccccLxx. Deo gratias amen. 

Schöne, von einer zweiten Hand herrührende Abschrift 
Erschien ebenfalls in 1. Ausgabe 1490 bd Matthias Moravus in Neapel 
(Hs. 13257). 

65 Pontliicale Romanam. Latein. Pergament -Handschrift mit 
Noten Italien. Provenienz, aus dem XV. Jahrh. 159 Blätter 
(davon 1 unbeschr.) mit 22 großen und 158 kleinen Initialen. 
Fol. Blattgröße 34X23 cm. In einem hellbraunen Lederbande 
aus dem 18. Jahrh. 3450.— 

Vgl d. Abbildmiff Tai. 14. 

Der Inhalt dieses prächtigen Pontificale Romanum ist folgender: 

Ordo ad consignandos pueros — Ordo Septem ecdesiasticorum gra- 
duum (cantor, hostiarius, lector, extraordlnarius, acolitus, archidiaconus» 
diaconus) — Ordinatio sacerdotum — Ordo ad consecrandum electum 
episcopum — Ordo qualiter roman. pontifex apud basilicam sancti Petri 
etc. — dann verschiedene Benedictiones, — Ordo roman. qualiter agen- 
dum Sit etc — Ordo ad recondliandum dmiterium — Ordo ad sepelien- 
dum dericum. — Consecratio lapidis altaris portalis etc — Dann wieder 
eine Reihe von Benedictiones des kirchl. Gerätes etc. — zum SchluB: 
Ordo romane ecd. ad sepeliendum papam, episcop., presbyt et dya- 
con. etc. 

Da die Pontifical-Messen nur vom Bischof celebriert voirden, so sind 
diese „ordines^' mit sehr vielen und umständlichen Ritual -Vorschriften 
versehen, die in ihrer roten Farbe sehr wirkungsvoll von der schönen 
schwarzen, gotischen Schrift sich abheben. Der Text, m 15 Zeilen auf 
der Seite, wird an vielen Stellen von einem fünfreihigen Notensatze, 
jeden zu drei Linien mit darunterstehendem Text unterbrochen, 158 kleine, 
leicht ornamentierte, meist rote oder blaue, hin und wieder 2 farbige 
Initialen mit Rankenausläufem nach oben u. unten, beleben den gewandt 
geschriebenen Text Von besonderer Farbenpracht aber sind die 22 
großen Initialen (Im Mittel 7x7 cm groß), die auf goldenem Orunde 
stehen und in den lebhaftesten Deckfarben gemalt sind. Der mehrfarbige 
Kern des Buchstabens ist mit Arabesken u. stilis. Blatt-Ornamenten in 
den sattesten Farben gefüllt, die durch weiße Lichter noch leicht deko- 
riert werden. 

Die Initialen laufen in breites, buntes Ranken- u. Blattwerk aus, das 
mit seinen goldenen Früchten oft den Text der ganzen Seite umspannt 

Das leuchtende Oold der Initial-Umrahmungen und Früchte, das 
kräftige Kolorit der Ornamente bilden eine prächtige Dekoration dieser 
schönen Handschrift, zu der besonders glattes Pergament ausgesucht ist 

Karl W« Hierseinann in Leipzig, Königsstrasse 3« Klatalog 330* 



Manuseripte UaUensdien Urspnu^ies. XIL-XV.Jahrh. QQ 

Abgesehen davon, daß zu Anfang u. Schluß sich einige Wurmstiche be- 
merkbar machen u. die Deckfarben des Titel-Initials ein wenig abgerieben 
sind, ist die Erhaltung des Pontificale eine sehr gute zu nennen. Die 
3 ersten Seiten und das letzte Blatt, die einen anderen Schriftcharakter 
tragen, sind später angeheftet worden u. enthalten einige Ergänzungen. 
Die Handschrift stammt, laut handschr. Inschrift auf dem ersten Blatte, 
aus dem Besitze der Familie de Dontal in Bazaze (Gironde). 

66 SIzta« IV. Päpstl. Ablaßbrief für das Frauenhospital „S. Maria 
de Mercatale Eugubino'^ (Oubbio). 1473. Sign. v. A. Trapezun- 
tius. M. einer beigeklebten, dreiseitigen Bordüre m. figurenreichen 
Darstellungen. Qr.-qu.-fol. 130.— 

Das Blatt ist aufgezogen, die Bordüre hat in den Farben stark gelitten. 

67 Statuten« — Erneuerte Statuten der Bruderschaft der Diener 
Maria bei der Kirche S. Cecilia zu Poggio di Fiesole. Italie- 
nische Pergament-Handschrift aus der 1. Hälfte des XV. 
Jahrb., IQ beschriebene Bl. in-4 mit einigen Oebrauchsspuren in 
gleichzeitigem, etwas wurmstichigem, aber wohlerhaltenem Holz- 
band mit grflnem Lederüberzug, reich ornamentierten Messing- 
Ecken, Buckeln u. 4 Schließen. 320.— 

Schönes Erzeugnis der italienischen Buchbinderkunst der 
Renaissance. Vorn eingeklebt das Ex-libris des Ftirsten Borghese. 
Die Schrift ist kalligraphisch ausgeführt u. von tadelloser Erhaltung, mit 
roten Oberschriften u. roten oder blauen Initialen, von denen die 3 ersten 
reich verziert u. künstlerisch wertvoll sind. Die Statuten sind datiert vom 
17. Jan. 1410. Am Ende eine durch den Notar Bartolo di Ser Donato 
Jannini aus Florenz 1426 geschriebene Bestätigung des Bischofs Besozzo 
da Frederigos von Fiesole, der zugleich den Teilhabern der Bruderschaft 
einen 40 tagigen Ablaß gewährt. 

68 VallasGO, Arno. — Questioni d'astrologia approvate con 
l'autorita de la sacra theologia. Da Arno Vallasco dottore 
Portughese composte. 8. ca. 1490. Cart, mit roter Seide über- 
zogen. 22<K— 

Italienisches Manuscript auf Pergament in prachtvoller Ausführung, 
12 Bll. 13VaX21 cm. Das 1. Blatt hat ein großes, sehr fein in Oold 
und Farben gemaltes Wappen mit astrologischen Emblemen, dem Titel 
folgen 2 Dedicationen des Autors, die erste an Margarethe von Osterreich, 
die zweite an Heinrich, Infant v. Portugal. Sogleich im Eingang des 
Msc nennt der Verf. die Themata, die er behandeln will, zuerst über 
den Einfluß der Sterne u. deren besondere Einwirkungen auf das Welt- 
gebäude, wie auf den einzelnen Menschen, sodann über die Frage, ob 
dem Christen seine Religion es gestatte, die Prognostica der Astrologie 
zu gebrauchen. 

Mit dem Ex-libris des Fürsten Borghese. 

Karl W. Hienemaim In Leipzig, Kfinigsstrasse 3* Klatalog 330« 



70 Manasapte italiensdim Ursprunges. XYL-XYIILJahrh. 

69 Vergeiia«, Petrus Paulus, Humanist, geb. zu Capo d'Istria, f in 

Ungarn 1444. De ingenuis moribus et liberalibus studiis. Papier. 

XV. Jahrh. 89 BL 4. Reich goldgepn mod. Saffianb. 120.— 

Sorgfältis^e Humanistenhandschrift An diese schließt sich foL 63 

die kurze Biographie Vergerius' an, aus der hervorzuheben wire: ,,P. 

Paulus dominio Venetorum se suspectum credens proinde vite sue non 

parum timens in panoniam secessit opinatus non se tutam vitam in italia 

esse ductunun, ibi diu vixit quantum augnrari possumus drdter triginta 

et sex annos, mortuus est de mense Julij 1444 in pannonia . • • • Constat 

tantum eum ibi diu habitasse in summo predo a pannonibus habitum.'' 

Hierauf folgen 2 Orationes des Verfassers. 

Schönes Exemplar. — Vorsatzbl. u. einige wenige Textbl. fleckig u. 
ganz gering wurmstichig -— mit 2maligem handschr. Vermerk von 
neuerer Hand, 



Manuscripte italienischen Ursprunges (inbegriffen 
lateinisclie Manuscripte). 

XVI.-XVra. Jahrh. 

70 Anhoffer, St., sermones dominicales etc Lateinische fiand- 
Schrift des XVII. jahrh. 179 Blatt in Folio zu je 2 Columnen, 
Schrift schwarz und rot, mit vielen Abbreviaturen, aber sdir 
gut lesbar u. gleichmäßig, mit einigen wenigen Miniaturen im 
Text u. am Rande und ca. 20—30 farbigen, z. Teil reich mit 
Ornamenten verzierten Initialen. 1663. 260« — 

Sie enthält: I. Stephanus Anhoffer, sermones dominicales. 2Tle.von 
55 u. 53 Blatt mit der Notiz am Ende: Finitum per me Stephanum Anhoffer 
anno d. MDCLXIII etc 

II. Liber sententiarum de diversis voluminibus, imprimis de caritite. 
31 Blatt 

IIL Historiae miscellaneae et allegoriae. 93 Blatt 

IV. Historia naturalis de leone, de aquila, de serpente etc 7 Blatt. 

71 Bolorna. — Philosophisches u. medidnisches Doctor- Diplom 
der Universität Bologna für Camillus Zuccarius aus Correfiogio 
unweit Modena. Tadellos erhaltene italienische PergL-Handsdirift 
in latein. Sprache, datiert Bologna 18. Dec 1607. 8 Bl. 4. In 
gleichzeitigem rotem Maroquinband mit Ooldpressung u. dem 
roten Wachssiegel der Universität in einer Messingkapsel an 
roter Seidenschnur hängend. 48. — 

Die Schrift ist kalligraphisch ausgeführt, die ganze erste Seite u. alle 
Eigennamen in Ooldbuchstaben, alles übrige schwarz. Am Anfang des 
Textes das Wappen des Promovierten in Qold, Blau, Rot Als Schreiber 
nennt sich der Notar Hemandus Valasius. Am Ende die eigenhändige 
Unterschrift des Universitatskanzlers Rodulphus Paleottus. 

Karl W. Hiersemaon in Leiptigr Kfinigsstrasse 3» Katalog 330» 



Manuscripie itaUenisdim Ursprunges. XYL- XVIII. Jahrh. ^\ 

72 Carta caiitati« cum antiquis et novis definitionibus ordinis 
Cisterciensis. Manuscript auf Pergament XVI. Jahrh. (1503). 
Uteinisch. 94 Bl. 4. Prgtband. 1250.— 

Fol. 1—8 Rubrica. Fol. 86: Explidt tabula condam Abbatis Egidij. 
Fol. 9 leer. Fol. 10: Indpit prologus super cartam caritatis. Fol. 53b: 
Explidt libellus diffinitionum conpUiatus (sie!). Anno domini MCCCCCiij. 
Fol. 55 a: Statuta Cisterdensis ordinis. Fol. 74 a: Explidunt Novelle 
diffinitiones Amen. Fol. 75 a: Indpit prologus super ordinationibus sununi 
Pontifids domini Benedicti pape xij. Fol. 91b: Explidt hoc opus in 
quo continentur Diffinitiones antique et noue ordinis Cisterdensis nee 
non ordinationes domini Benedicti pape xij. ConpUiatus (sie!) per Jo. 
Matheum de basilica petri Anno domini MCCCCCiij. Fol. 92b— 94: 
Exordium Cisterdensis cenobij ac totius ordinis. 

Sehr schöne, gleichmäßige Hs. in rot u. schwarz. Mit einigen 
gemalten u. mit Oold gehöhten Initialen u. zahlr. rot u. blau gezeichneten 
kleineren Anfangsbuchstaben. Auf fol. 10a ein hervorragend schönes 
Porträt des h. Bernardus, des Gründers des Cisterdenserordens, bn Fond 
die Initiale A: Halbfigur, in der Rechten ein Buch, in der Unken den 
Bischofstab. Das Porträt hat nur auf der linken Stirnseite unwesentlich 
gelitten u. ist im übrigen von ganz hervorragender Ausführung 
sowohl im Hinblick auf die Zeichnung als auch auf das Kolorit 

Auf fol. 2 der Stempel: Mon. S. Cruds in Jerusalem ord. Cist, auf 
fol. 92 der Vermerk „Ad usum fratris Martialls Risij'^ 

= Manuscrit sur v^lin tr^ fin, toit en lettres romaines et om^ d'initiaies 
en or et en couleurs et d'un portrait du S. Bemard, fondateur de Tordre 
des Citeaux, ex^cut^ en minlature. 

= Manuscript on vellum, finely written, with initial letter containing 
miniature of the founder, and capitals finely illuminated in gold and 
colours. 

73 Dlssertatione historica e legale in diffesa della Veritä die due 
Propositioni risultanti dagl' editti e decreti de Magistrati di Pie- 
monte circa il modo, e la forma in che li Beni temporali delle 
Chiese, e dtgV ecCIici sono tenuti, et affetti al Concorso, et al 
pagamento de pesi Regij, osij Camerali, et in risposta delle 
scritture presentate a S. A. R. dal Siz. Abbate, et Auuocato Con- 
cistoriale Sardini, nelle quali vengono Le med«: Propositni riprese, 
et criticate col supposto esser grauente lesiue et offensiue delP 
Immunitä et Oiurisditione ecciica. — Breue Ristratto delle raggioni 
piü palpabili di S. A. R. di sauoia nelle note pendenze, et delle 
facilitä date per ottenere s. amicabile adequatf. — Documenta, 
que ad fundandam facti veritatem adducuntur. — Summarium 
renim, quae in singulis articulis continentur. — Hieronimi Marcelli 
Comitis de Oubematis in senatu Nicensi Presidij. Edictum 
Regis Labaudiae Celsitudinis erga Valdenses hereticos, 

Karl W* Hierseinasm In Leipzig» Königsstrasse 3* Klatalog 330* 



72 Mamtseripte iüUientschm Urspnutges. XVI.- XVIII. Jahrh. 

et Romanae inquisitionis, crisi Vindicatum. Facti species pro 
ueritate designatur. Mscr. In-Folio. 251 pp. 150« — 

. Out leserliches sauber geschriebenes Manuscript aus der Mitte des 
XVIII. Jahrhunderts auf starkem Papier. 

Für Kirchengesdiichte und besonders für die Geschichte der Waldenser 
von Wichtigkeit Ob gedruckt? 

74 Dokumente, Akten, päpstl. Bullen etc zur europ. Oeschichte 
vom XI. bis XVLJahrh. Manuscript in lateinischer, spanischer 
u. italienischer Sprache. Sammelband von 185 Seiten in folio. 
(ca. 1600). Pergt 325.— 

Sauberes, gut lesbares Manuscript, die Kopien einiger seltener, inter- 
essanter und wichtiger Traktate, Urkunden, päpstlicher Bullen etc. aus 
den Jahren 1093—1578 enthaltend. Die einzelnen Stüdce sind: 

1. Ant Torquati, med. doct Ferrariensis darissimique astrologi, 
prognosticon de eversione Europae, quod Matthiae, Ungariae regi, 
1480 direxit 5 Blatt 

2. Copia de la Investidura de Julio II. hedia al Rey Catholico Don 
Fernando del reyno de Napoles 1510. 10 Bl. 

3. Instructio pro domino Phil, de Lalamy, P. de Maure et Nicolas 
a Sys de rebus tractandis cum D. de Ruchepon . . (1578). 3 Bl. 

4. Ein Document in span. Sprache mit der Unterschrift „^1 R^y y 
Principe. Por m. de su Mag. Qonzalo Perez.'' 1555. 3 Bll. 

5. Acuerdos del Emp. Carlos V. para Don Philippe Rey de CastOla, 
hechos 1548. 11 Bll. 

6. De ecciesiis Messanensi, Cephaludensi, Panormitana, Cathaniensi, 
Agrigentina. 10 Bll. Von den ersten Hohenstaufen (Heinrich VI.) an. 

7. Bullae Urbani II., Alexandri III., Qregorii IX., Oregorii XI. etc 
14 BH. 

8. Copia de la Investidura di Julio III. hecha al Rey Don Philippe 
1554. 5 Bll. 

9. Investidura de Sena hecha por el Rey Don Philippe al Cotme 
de Medios 1557. 4 Bll. 

10. Estado de las cosas de la yglesia etc. mit der Unterschrift: Deste 
Conuento de San Paulo de Valladolid 1555. 10 Bll. 

11. Copie di diuerse Bolle Apostolice et Privilegii Regii, race. p. 
Oirolamo Vitale di Messina (Verzeichnis). 

12. Zwei Tractate zur Oeschichte SicUiens u. der Normannen-Herr- 
schaft in Süd-Italien, mit Beziehung auf No. 13. 

13. Norman nen-Documente (24 SS.) aus Sidlien u. SQd-Italien, 
hauptsächl. Herzogs- u. Königs-Urkunden Roger's II., Wilhelms I. 
u. II. 1093—1176 (die 1. Jahreszahl korrigiert). In den Sammlungen 
von Behring, K. A. Kehr, L. v. Heinemann nicht erwähnt 

Die hier handschriftlich wiedergegebenen Urkunden u. Tractate sind 
gewiß auch als Kopien wertvoll zu nennen, da sie zum Teil Einblatt- 
Karl W* Hiersemann In Leipzig, Königsstraue 3. Klatalog 330* 



Tafel 14. 



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No. 65. F'ONTIFICALE ROMANUM. 
XV. Jahrh. Italienisch. 



Manuseripte Uaüenisdun Ursprunges. XVL^XVUL Jahrtu 73 

drucke, deren Seltenheit ja bekannt ist, zum Teil wohl auch Überhaupt 
ungedruckte Akten und Dokumente wiedergeben. 

Au! der Innenseite des Deckels befindet sich die Notiz: „From the 
library o! the Rev. Sparrow Simpson''. 

75 Genua« — DelT vltime discordie e gverre civil! de' Oeno- 
vesi delPan 1575. Papierhandschrift des XVIII. Jahrh. in Italien. 
Sprache von tadelloser Erhaltung. Neuerer gelber Lederband in 4^ 
428 beschriebene und numerierte Seiten. Sorgfältige, gleich- 
mäßige und leicht lesbare Schrift. Vom eingeklebt ein Brief des 
Kardinals Oastaldi, dat. Bologna 17. Dec 1680. 250.— 

Das Manuscript ist von hohem Wert für die Geschichte Genuas. Es 
behandelt in ausführlicher Weise jene inneren Streitigkeiten, welche wäh- 
rend des XVI. Jahrhunderts die Republik erschütterten, die Gegensätze 
zwischen den Aristokraten und Demokraten, sowie der spanischen und 
französischen Partei bei den herrschenden Klassen, die Versuche des 
niederen Volkes, Anteil an der Staatsverwaltung zu gewinnen, die wieder- 
holten Verschwörungen gegen die bestehende Verfassung und ihre Träger, 
den zunehmenden Verfall des Handels, dem es nicht gelang, auf den über- 
seeischen Märkten Fuß zu fassen, den damit zusammenhängenden Nieder- 
gang der politischen Macht, wie er durch den Verlust von Chios an die 
Türken 1566 und durch den mühsam unterdrückten Aufstand auf Corsica 
1568 zum Ausdruck kam. Ein vorläufiges Ende der inneren Zwistigkeiten 
wurde durch den Vergleich von 1576 herbeigeführt, der den aristokra- 
tischen Charakter der Verfassung bestehen ließ und ihn durch die Er- 
richtung des Tribunals der Staatsinquisition schützte. 

76 Habiti soliti ad usari nella Corte Romana. Delineati da F. 
Angelo Maria da Bologna, Minore osserväte. Per uso della 
Libraria del Conuento Annunciata di Bologna. 84 Bll. In-Folio. 
— Origine delle religioni et habiti che si usano da religioni di 
esse. 91 Bll. In-Folio. — Habiti che per l'ordinario usano le 
monache di varij ordini. 20 Bll. In-Folio. — Manuscript. 
Halbpergbd. 600.— 

Sehr wertvolle Original-Sammlung von Zeichnungen kirchlicher Ge- 
wänder der hohen Geistlichkeit, der Kleidungen der Mönche und Nonnen, 
herab bis zu den offiziellen Trachten der Zimmerreiniger und Lastträger 
des Vatikans auf 195 Folioblättem (Zeichenpapier) in Wasserfarben gemalt, 
mit der jeweiligen diesbezüglichen Unterschrift Voran gehen 3 Sonette, 
welche zusammen 14 SS. einnehmen. 

Auch kulturgeschichtlich höchst interessantes Stück. Von einigen wenigen 
Gebrauchsspuren abgesehen sehr sauberes gut erhaltenes Manuscript 

77 Leo Magnus, Papa, Sermones. Kl.- Folio. S. 1. et a. Alter 
Ldrbd. 1800.— 

186 Bll. Pergament-Manuscript aus dem Anfange des XVI. Jahr- 
hunderts in kalligraphisch vorzüglicher Ausführung mit einer Miniatur u. Ol 
omamentirten Initialen, worunter viele Buchstaben in mehreren Variatio- 

Karl W« Hlersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330« 



74 ManuscripU Ualimisdim Ursprunges. XVI.^ XVIII. Jahrh. 

nen, in Oold m. blau-grün-rosa Oraamenten. Bl. 1 zeigt uns den Buchstaben 
D (68x69 mm) in Ooki mit sich herumschllngendem Rankenwerlce in 
blau-grün-rosa; in der Mitte des Buchstabens das Bildnis des Papstes 
Leo I., auf einem Stuhle sitzend und in einem Buche lesend. Im Hinter- 
grunde einige Bäume. Die ganze Seite ist an 3 Rändern von einer Blatt- 
und Rankenverzierung in den gleichen Farben wie die übrigen Initialen 
umgeben, auf der unteren Leiste 2 Engelsfiguren, ein Wappen haltend. 

Vertreten sind die Buchstaben A in 4 Variationen, C in 9, D in 8, 
E in 8, F in 2, O in 3, H in 8, J in 9, L in 2, M in 2, N in 2, O hl 6, 
P in 7, Q in 3, S in 18 Variationen, V in einer, sodaß an einem voll- 
ständigen Alphabete nur 9 Buchstaben fehlen. 

Sehr wertvolle Handschrift, wohl italienischen Ursprungs. 

Der alte gleichzeitige Ledereinband ist mit reichlichen geschmack- 
vollen Blindpressungen versehen, deren Mittelpunkt eine Rosette bildet, 
welche zwei trapezförmige Pressungen (verschlungene Bänder darstellend) 
umgeben. Reizend machen sich die zahlreichen kleinen Rosetten zwischen 
den Randverzierungen. Die Schließen fehlen. 

Der Einband Ist nicht mehr ganz tadellos erhalten. 

78 Pavia* — Urkunden der Universität Pavia. 

a) Sehr gut erhaltene lateinische Pergament-Handschrift des 
XVII. Jahrhunders, italienischen Ursprungs, 5 beschriebene Bll. in 
klein-rolio, enthaltend eine Urkunde der Universität Pävia vom 
Juni 1626, durch welche sie dem Senator und Präsidenten Johannes 
Baptista Trott us w^en seiner vielfachen Verdienste um Stadt 
und Universität fOr sich und seine männlichen Iq^timen Nach- 
kommen oder in Ermangelung solcher für die Familie seines 
Bruders Aloysius für ewige Zeiten alle Rechte und Freiheiten 
verieihty die sie auf Orund ihrer Privilegien ihren Angehörigen 
gewähren kann. Die Schrift ist kalligraphisch ausgenihrt, der 
häufig wiederkehrende Name und Titel des Trottus jedesmal mit 
Ooldouchstaben geschrieben. Am Schluß der Urkunde eine 
notarielle Beglaubigung. Jede Seite des Textes ist von 
einer schmalen Öoldleiste umrahmt Geschmackvoller 
Pergamentband mit reicher Ooldpressung, gute gleich- 
zeitige Arbeit, auf dem Deckel ein Wappen in OoTd und 
Farben. 

b) Bestätigungs-Urkunde des Königs Philipp IV. von 
Spanien als Herzog von Mailand für das eben erwähnte Privileg 
des Trottus, datiert Mailand, 27, Juli 1627. Pergamentblatt von 
540X643 mm mit kalligraphisch ausgeführter Schrift, unterzeichnet 
von dem kgl. Secretär Johannes Baptista Saccus. Der Name 
und z. T. auch der Titel des Königs besteht aus großen Oold- 
buchstaben. 320. — 



Karl W« Hlenemaiin in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330» 



Manaseripig itaUenischen Ursprunges. XVI.-XVUL Jahrtu 



75 



79 Profetie diverse. — Italie- 
nische Päpierhandschrift des aus- 
gehenden XVI. Jahrhunderts. 167 
von verschiedenen Händen be- 
schriebene Bl. in-4, zum Teil 
etwas beschädigt und mit Oe- 
brauchsspuren, lose in einem 
gleichzeitigen Pergamentband 
li^end. 600.— 

Die Prophezeiungfen sind meist 
in italienischer, zum Teil aber auch 
in lateinischer Sprache abgefaßt 
Sie beziehen sich vorwiegend auf 
kirchliche Dinge, namentlich auf 
das Papsttum, hier und da auch 
auf bedeutsame politische Ereig- 
nisse, wie die Türkenkriege. Zur 
Erläuterung des Textes dienen 630 
Federzeichnungen, von denen einige 
koloriert sind. Die Ausführung 
und der Kunstwert dieser Bilder ist 
sehr verschieden. Manche sind nur 
ganz flüchtige Skizzen, andere zei- 
gen sorgfältige Technik und eine 
erstaunliche Phantasie vor allem in 
der Darstellung von apokalyptischen 
Tieren und fabelhaften Ungeheuern. 
Viele Bilder sind ohne Text u. daher 
noch zu deuten. Als Verfasser der 
Weissagungen werden außer eini- 
gen berühmten mittelalterlichen 
Propheten, wie dem Abt Joachim 
von Floris, der hl. Brigitta von 
Schweden und dem Reformator des 
Frandscanerordens Bemardius von 
Siena, auch zahh'eiche minder be- 
kannte Persönlichkeiten erwähnt; 
so der Minorit Berardus Odonis, 
der Erzbischof Malachias von Ar- 
magh, Severus, Agabilus Heremita, 
Joannes Abbas, Lodovico Pal- 
miero, Fra Egidio Polonio, An- 
drea Oaleroni da Siena und Gio- 
vanni da Bergio. Zur Datierung 
des Werkes ist die Unterschrift 
einer Widmung von Wert: Bresda, 
1. Febr. 1572. 



Profetie diverse. — Italian 
manuscript on paper of the 
end of the 16th Century. 167 
leaves, Witten by various 
hands, 4to, partly somewhat 
damaged and with traces of 
use, loose in a contempora- 
neous parchment cover. 

600.- 

The prophedes are mostly Mat- 
ten in Italian, and partly in Latin. 
They principally refer to ecdesiastic 
affairs, especially to popedom; here 
and there they bear on political in- 
ddents, as for instance the wars 
against the Turks. 

630 pen-drawings, some ofwhidi 
are coloured, illustrate the text. 
As to execution and artistic merit, 
these drawings differ very much 
from one another. Some of them 
are hasty Sketches, others show 
much technical skill and stuppen- 
dous Imagination, espedally in the 
representation of apocalyptic ani- 
mals and monsters. To many 
drawings the text is missing, so 
that their meaning can only be 
supposed. 

Besides some famous medioe- 
val prophets, as Joachun of Flo- 
ris, St Brigitta of Sveden, Ber- 
nardinus of Siena, a great many 
little known or quite unknown per- 
sons are mentioned as authors, e. 
g.: Berardus Odonis, Ardibishop 
Malachius of Armagh, Severus, 
Agabilus Heremita, Joannes Abbas, 
Lodovico Palmiero, Fra Egidio Po- 
lonio, Andrea Oaleroni da Siena 
and Oiovanni da Beigio. The dedi- 
cation is dated: Bresda, Ist of 
febr. 1572. 



Karl W* Hiersemann in Leipzig, Königsstrasse 3. Katalog 330« 



76 Mamiscripie iüiUenisehen Ursprunges. XVI.-XVIILJahHu 

80 Sammltuiff von 12 Berichten: die Päpste Paul IV., Pius IV., 
Sixtus V., Clemens VIII., Urbanus VIII., einige andere bedeutende 
Persönlichkeiten, Männer wie Frauen ihrer Zeit; nebst einem 
13. Bericht, die Sitten, Kostüme u. Gepflogenheiten des mosko- 
witischen Oesandteti in Venedig; betreffend. Original-Handschrift 
auf pergamentartigem Papier m italienischer Sprache, um das 
Ende des XVII. Jahrh. angefertigt; 156 Bl. mit durchschnittlich 
19 Zeilen auf der Seite, einen Rand von 3 bezw. 4 cm frei- 
lassend. 4. Pergt 215.— 

Inhalt: Bl. 1: unnum.: Inhaltsverzeichnis. Bl. 1: num.: Relazione 
della morte del Card. B. Carlo Carafa fatto morire in Castello S. Angelo 
da Pio IV per i seguenti delitti. Bl. 7: Relaz. della morte della Sig. 
Duchessa di Paliano. Bl. 13: Accuse e discolpe del sudetto, della morte 
della Duchessa di Paliano, di Marcello Capece del Conte d'Aliffe, di 
B. Leonardo di Cardines e della recapitazione del Duca di Paliano. 
Bl. 21 : Relaz. della giustizia seguita in persona d'Onofrio Santacroce . . . 
1612. Bl. 25: Relaz. della morte di Troilo Savelli seguita nel «Ponti- 
ficato di demente VIII. Bl. 33: Anno secondo di Sisto V. e sue segna- 
late giustizie. Bl. 41: Rel. d'alcuni memorie di Sisto V. e d'alcuni, 
che passarono a morte violenta dal med. Sisto fatti punire nella vita. 
Bl. 49: Relaz. della morte di Oiacomo e Beatrice Cenci e di Lucrezia 
Petroni Cend ... Bl. 66: Relaz. delP infausti successi e morti della 
Signora Vittoria Accoramboni moglie di B. Paolo Oiordano Orsini Du- 
chessa di Bracdano, e Ludovico Orsini strangolato con un lacdo di setta 
cremisi. Bl. 83: Relaz. del modo usato da demente VIII. in refrenare la 
baldanza de' Baroni Romani. Bl. 89: Della vita di Urbano VIII. della sua 
puerizia all assunzione del Pontificato. Bl. 138: Curiosissimi costumi 
dei figuri Ambasciatori Moscoviti che ora si trovano in Li- 
vorno per passare all' Ambasciada di Venezia. BL 141: Relaz. 
dell' enormissimo delitto commesso da Oiadnto Contini nipote del Card. 
d'Ascoli per fare morire Papa Urbano VIII. Bl. 150: Relaz. della male- 
dizione paterna nella morte dei fratelli de Massimi. 

Wohl erhaltene u. gut leserliche Handschrift, die, soweit bekannt, 
nicht gedruckt, und die bezüglich ihres Inhaltes von hoher historischer 
u. kulturhistorischer Bedeutung ist Die Berichte über die genannten 
Päpste, den derzeitig herrschenden Nepotismus, sowie über die Personen 
der berühmten italienischen Adelsgeschlechter der Orsini und dem diesen 
verschwägerten Geschlechte der Accoramboni bieten der detaillierten 
Enthüllungen sehr viele und werfen interessante Streiflichter auf jene 
Zeitepoche. 

81 Sammltuig von Beschreibungen, Berichten, Aufsätzen etc mit 
mannigfaltigem historischem Inhalt. Manuscript in italienischer 
Sprache von 404 Bll. Fol. (Blattgr. 23X33 cm.) Mitte des 
XVII. Jahrh. Pgt. 225.— 

Die Handschrift ist zumeist schön u. gleichmäßig auf dünnem perga- 
mentartigen Papier (einige Bll. Schreibpapier u. klein. Formates), einen 

Karl W. Hlenemann in Leiptlg^ Königsstrasse 3* Katalog 330. 



Manaseripie italienischen Ursprunges. XVL—XVULJahHu 77 

Rand von drka 5 an freilassend, angefertigt; Blätter doppelseitig be- 
schrieben mit durchschnittlich 25 Zeilen auf der Seite. 

Kollation: Bl. 1—13: Sommario d'alcune cose degne di Memoria 
della Religione dell'Hospitale di S. Oio. di Oierusalemme et dei Cava- 
lieri di essa; interlocutori Mgr. de Oiustiniani, II Comm. Cambiano et Em. 
Oer. Quirini. 14—16 (weiß). 17—38: Relatione del Regno di Cipro dal 
Signor Ascanio Savorgnano alla Signoria di Vinegia. 39 — 42 (b): In- 
formatiöne copiosissima et compendiaria delForigine et attioni della 
Religione di Malta con Uordine ches elegge il Oran. M. et Can. con 
i ches oblighi in forma di dialogho. Interlocutori Mgr. Oiustiniano il 
Comendator Cambiano et Mgr. Oirolamo Quirinus. 43 — 46 (weiß). 47: In- 
formatione deirinstitutione, privilegi et oblighi della Religione de' Cav. 
di Rhodi, hoggi di Malta, con alcune particolarita di quelF Isola ecc. 
82: Indice di cose notabili della Religione di Malta. 82 (weiß). 83—91: 
Informatione del Vescovo Jolfino, data al Card. Carafa sopra Tultimo 
convento di Francfordia, convento di Pattavia fatto nel 35, diete di Augusta 
nel 55, di Ratisbona nel 57, et ultimo colloquio di Wormatis. 92 (weiß). 
93 — 97: Ragguaglio della natione de Svizzeri, stati, loro forze et modo 
di vivere. 98 (weiß). 99—101 (a) : Sommario della forma e modo di nego- 
tiar in Svizzera. 101b — 107: Sommario di alcuni successi et cose piii degne 
delli Svizzeri et come Zürich fu edificata. 108—109: La forma che servono 
li Svizzeri Orisoni nel reggimento et governo loro et il modo et forma 
di negotiare. 109—110: Come eleggono li loro capi ecc 112— 114(a): 
Reverendissimo, Illustrissimo Principi Melchiori, ex nobili Zebeliorum 
Franconiae familia, episcopo Herbipolitano seu Wurzeburgo, Dud Fran- 
coniae Mameranus etc. 114(b) — 122 (a): Quod Mauritius Dux Savoniae, 
electoratus, dominorum nonnuUorum Regalia, et investituram susce- 
perit etc. 122—136: Descrittione della Spagna. 137—150 (a): Sermone 
fatto nelle solennissime essequie di Carlo V Imper. per lo suffraganeo 
d'Arras. 151 (b)— 165: Capitolo delPAmidtia et buona vidnita tra le Cesa- 
rea Maesta et TEcc Ferrando Oonzaga per lo stato di Milano et 11 Signori 
delli XIII Cantoni Svizzeri. 166 (weiß). 167—186: Relazione copiosis- 
sima del Regno di Cipro del Sig. Ascanio Savoi^ano. 187 (weiß). 
188—204: Quello che si trahe di Cipro ogni anno, et alcune qualita 
delPIsola et degli habitatori dell'anno 1558. 205— 229 (a): Relatione del 
Clar. M. Daniel Barbaro dopo la legatione dMnghilterra fatta nel senato 
nel mese di maggio Tanno 1551. 229 (b)— 230 (a): La sentenza d'Inghil- 
terra Clemens Papa VII. 231—259: Relatione fatta per M. Marco 
Foscari neirEcc. Consiglio di Venetia della legatione di Fiorenzo. 260 
(weiß). 261—312: Relatione di M. Vincenzo Fedele del Duca di Fio- 
renzo nel 1562. 312—314 (weiß). 315—319: Relatione del primo con- 
gresso fatto dalli deputati deirimperatore et Re di Franda presso Cal^s 
per la pace fra dette Maesta. 320 (weiß). 321—362: Relatione di Fran- 
da riferita in Senato Veneto in questi Ultimi anni dopo la guerra dalFAm- 
basc Oio. Comaro. 363—423: Relatione del Clar. M. Maria Cavalli 
ritomato Ambasdatore di Franda dal Re Francesco l nel 1544. 424 (weiß). 

Der Band ist teilw. stark stockfleckig. 
Karl W* HIenemann in Ldptig, Könlgsstrasse 3* Katalog 330* 



78 Manuscripte iialienisdien Ursprunges. XYl.-XVUI.Jahrh. 

82 Sayorgnano, Ascanio. Descrittione delle cose di Cipro con 
le ragioni in favore o contra diverse opinioni et delle provisioni 
che erano necessarie per quel r^[no. 120. — 

Italienische Papierhandschrift aus der 2. Hälfte des XVI. Jahrh., 47 
doppelseitig beschriebene Bll. in gleichzeitigem braunem Lederband mit 
Ooldpressung. 4<>. Sorgfältige, deutlich lesbare u. tadellos er- 
haltene Schrift Die Vorrede ist datiert vom 25. Jan. 1575. Als Schrei- 
ber nennt sich Francesco Marcaldi aus Ferrara. Der Verfasser 
Savorgnano, ein venezianischer Patrizier, unternahm kurz vor dem 
endgiltigen Zusammenbruch der Herrschaft seines Vaterlands auf Cypem 
im Auftrage der Signoria eine Reise nach der Insel zur Untersuchung 
der dortigen militärischen, politischen u. wirtschaftlichen Ver- 
hältnisse. Das Ergebnis seiner Beobachtungen stellte er in der voriiegen- 
den interessanten u. wertvollen, anscheinend ungedruckten 
Denkschrift zusammen. Er fand zahlreiche Mißstände, die schließlich 
dazu führten, daß 1571 die Türken nach tapferer Gegenwehr des vene- 
zianischen Statthalters Bragadino die Insel endgiltig eroberten. 

83 Torre, Fr. della. Relatione de! conte Francesco della Torre 
ambasciatore cesareo inviato alla Maesta dell' Imperatore. 160. — 

Interessante u. wertvolle Handschrift in italienischer 
Sprache aus der 2. Hälfte des XVII. Jahrh. 514 doppelseitig beschriebene 
Bll. in 4, in gleichzeitigem Pgtband. Der Verfasser, über dessen Leben 
die kurz nach seinem Tode erschienene Relatione sucdnte delle cere- 
monie da praticarsi nel funerale del Francesco Ulderico della Torre 
(Venezia 1695, vgl. Cicogna, Bibliogr. Veneziana No. 1656) nähere Mit- 
teilungen bringt, weilte jahrelang als kaiserlicher Gesandter in Venedig 
u. stellt in dem vorliegenden Werke in systematischer Anordnung alles 
das zusammen, was er in dem merkwüidigen Staatsleben beobachtete 
u. erlebte. Vor allem schildert er die Verfassung u. Verwaltung 
der Republik, die Behörden vom Dogen u. dem Rat der 10 an bis zur 
Staatsinquisition, den Adel u. die Geistlichkeit, die italienischen u. aus- 
wärtigen Besitzungen, die Vertretung der heimischen Interessen im Aus- 
lande durch Gesandte u. Konsule, das Heerwesen, die Seemacht u. die 
Finanzlage. Dabei erläutert er die Verhältnisse der Gegenwart durch 
historische Rückblicke in die Vergangenheit, gelegentlich auch durch 
Ausblicke in die Zukunft, die ihm bei dem deutlichen Hervortreten mannig- 
facher Verfallserscheinungen nicht sehr hoffnungsvoll erscheint Von be- 
sonderem Interesse sind seine Schilderungen des Volkslebens, die wert- 
volle Beiträge zur Sittengeschichte der Lagunenstadt enthalten. Das Werk 
ist lange nach seiner Entstehung wiederholt gedruckt worden, zuerst in 
einer nicht sehr getreuen Bearbeitung (Prospetto storico critico del pas- 
sato govemo Veneto, Venezia 1797, vgl. Cicogna a. a. O. No. 1107), 
dann im Wortlaut (Relazione suUa organizzazione politica della Republica 
nel cadere del sec XVII, ed. Giuseppe Bacco, Vicenza 1856, vgl. Soranzo, 
Bibliogr. Veneziana No. 1480, dazu die Bemerkungen von Cicogna in 
der Gazzeta uffiziale di Venezia, 7 febbraio 1856). 

Karl W« Hlersemann in Leipzigf Königsstrasse 3* Katalog 330» 



ManuscHpte UaUenischm Ursprungs XVL-XVUL Jahrtu 79 

84 Tragedia di San Bonifatio rapresentato anno 1639. Manu- 
scrlpt in Sedez. 45. — 

In gleichzeitigem dankelroten Maroquinband mit Oold- 
pressung und Goldschnitt In der Mitte der beiden Deckel ein Löwe, 
von feinen Doppellinien umzogen, die mit schönen Voluten umsetzt sind. 
Das so gebildete Rechteck ist von einem Ritterhelm gekrönt und endigt 
in einem hängenden Blattornameni Die Ecken sind mit feinen streben- 
den Ornamenten gefüllt Das Ganze abgeschlossen mit Doppellinien 
und Filets. Auf den fünf Feklem des Rückens wiederholt sich das 
Löwenornament 

85 Treviso. Statuta civitatis Tarvisii. Pergt-Hs. XVI. Jahrh. (1552). 
109 Bl. Lat 4. Schön gepr., goldverz. altvenezianischer Lwb. 
In der Mitte innerhalb zweier gekreuzter Quadrate in einem 
Doppelkreis Jacobi Suriano^ auf dem RQckdeckel in ebensolcher 
Anordnung „MDLH". Die beiderseitigen Felder von je einem 
goldgepr. Arabeskenband eingefaßt Ooldschn. 550. — 

Beginnt: De bladis non portandis extra districtum Tanxisij et Oene- 
tae alio quam Venetiis. Fol. 107a: Datum in nostro ducali Palatio die 
28 Aprilis M.D.L.11. H. Murianus secretarius. 

Kulturgeschichtlich interessantes Manuscript 

86 Vifi^ola- Regole delle cinque ordini d'architettura. — 
Italienische Papierhandschrift aus der 2. Hälfte des XVI. Jahrh., 
enthaltend architektonische Risse nebst eriäutemdem Text. 44 Bl. 
4^ in einer mit Leder überzogenen Kapsel des XVIII. Jahrh. mit 
dem Aufdruck: Ex Mss. autographis Jacobi Barotii de Vignola. 

280.— 
Inwendig das Exlibris des Cardinais Giuseppe Oarampi, des 
bekannten italienischen Bibliophilen (1723—92), von dessen reicher Bib- 
liothek Marino de Romani einen Katalog bearbeitete, der 1796 in Rom 
in 7 Banden im Druck erschien. Ob das Manuscript wirklich ein Ori- 
ginal von der Hand Vignolas (1507—1573), des berühmten Theoretikers 
der Baukunst u. Architekten der Peterskirche in Rom, oder eine Ab- 
schrift ist, müßte erst durch Vergleichung mit authentischem Material 
festgestellt werden. Doch erscheint die Echtheit mit Rücksicht auf die 
Autorität Oarampis wahrscheinlich. Das grundlegende Werk Vignolas 
über die Säulenordnungen mit anfangs 32, später mehr Kupfertafeln, 
erschien zuerst Rom 1563, dann in zahlreichen Neudrucken, Nachstichen 
u. Obersetzungen. Die hier vorliegende Handschrift enthält in Feder- 
zeichnungen die Tafeln 4 — 32 auf die halbe Größe reduziert u. mit 
Weglassung nebensächlicher dekorativer Einzelheiten, sowie den zuge- 
hörigen Text, der von dem Druck nur unbedeutend abweicht Auf den 
übrigen BU. finden sich alleriei geometrische und architektonische Kon- 
struktionen, die in dem gedruckten Werke nicht vorkommen. 



Karl W« Hlenetnann in Lelpzigf Königsstrasse 3* Katalog 330» 



80 ManuseripU niedaiändisdim Urspnu^ies. XlV.—XV.Jahrh. 

Manusciipte niederländischen Ursprunges. 

. XIV*— XV* Jahrh. 

87 Höre de sancta cruce. Höre de sancto spiritu. Missa beate 
marie uirginis secundum vsum romanu. Höre beate marie uii^'nis 
secundum vsum romanu. Officium beate marie uirgTs. Septem 
psalmy. Vigilie mortuorum. Lateinisches Pergamentmanu- 
script von 127 unnum. Bl. (19X127, cm) mit Calendarium und 
geschmückt mit 14 -großen Miniaturen (11X7V, cm) und 
ebensoviel großen gothischen Initialen (3X4 cm), welche 
beide ringsum von breitem, die Höhe und Breite der Seite ein- 
nehmenden Rankenwerk (Blumen und Pflanzen) in gothischem 
Stil eingefaßt sind. Außerdem sind 8 kleinere, auf drei Seiten 
von ähnlicher aber noch feinerer Randverzierung umgebene 
Miniaturen {3X3^ L cm) vorhanden, sowie 232 mittlere und 
mehrere hundert kleine gothische initialen. Der ganze Buch- 
schmuck ist kflnstlerisch sehr fein und reich in Farben und 
Oold ausgeführt 8. Ooth. Schrift, 27 Zeilen ca. Ende d. XV. 
Jahrh. In dunkelviolettem Samtband m. O. 3800. — 

Prachtvolles, sehr sauber und leicht leserliches Pergamentmanu- 
script, welches, abgesehen von unbedeutenden Oebrauchsspuren an 
wenigen unteren Ecken der beiden Bordüren, sowie von einigen Stellen, 
wo letztere etwas scharf beschnitten sind, vorzüglich erhalten ist 

Die farbenprachtigen und künstlerisch ausgeführten 14 großen Minia- 
turen, welche mit den sie umgebenden gothischen Randverzierungen die 
ganzen Seiten füllen, stellen der Reihe nach dar: 1. Christus am Kreuz, 
umgeben von Maria nebst 2 Jüngerinnen auf der einen und dem Hohen- 
priester und 2 Kriegsknechten auf der anderen Seite. Darunter die Engel 
mit Wappen, auf dem die Taube mit dem Ölzweig dargestellt ist Dies 
Symbol kehrt in No. 3, 4, 6, 8 u. 10 wieder. 2. Die Jünger und Jünge- 
rinnen im Gebet um das Kommen des Heil. Geistes. 3. Maria mit dem 
Jesuskinde, rechts und links je ein musizierender Engel. 4. Mariae Ver- 
kündigung. In der Rechten des Engels ein Spruchband mit der Inschrift: 
„Aue gratia plena dominus tecum'^ 5. Maria besucht Elisabeth. 6. Maria 
und Joseph, zwischen ihnen das neugeborene Jesuskind nebst zwei knie- 
enden Engeln. 7. Die Hirten empfangen aus Engelsmund die Botschaft 
von der Geburt Christi. 8. Anbetung der Heil, drei Könige. 0. Dar- 
stellung Jesu im Tempel. 10. Der Kindermord zu Bethlehem. 11. Die 
Flucht nach Ägypten. 12. Christus auf dem Throne, angebetet von 
Maria und 3 Engeln, von denen einer die Laute spielt Interessant be- 
sonders die wunderbar schön und reich in Gold gemalte Mosaikwand. 

13. König David im Gebet, vor ihm die Harfe und oben Gottvater. 

14. Eine Totenmesse. 

Auf den 14 gegenüber stehenden Seiten je eine der großen gothischen 
Initialen in Farben und Gold, umgeben von gleich großen Bordüren. 

Die 8 kleinen Miniaturen zeigen: 1. Maria mit dem Leichnam Christi 
auf dem Schoß (Initiale). 2. St Johannes. 3. St Sebastian. 4. Ritter 

Karl W. Hlersemann in Ldptlgf Könlgsstrasse 3* Katalog 330» 



Manuseripte niederländisdim Ursprungs XlV.-XV.JahHu 81 

mit erhobenem Schwert, ihm zu Füßen ein Löwe. Das Bild bezieht sich 
auf den Märtyrertod des Heil. Adrian. 5. St Antonius. 6. Die Heil. 
Barbara mit dem Turm. 7. Die Heil. Katharina mit dem Rade. 8. Maria 
Magdalena. 

Der Bilderschmuck dieses reizenden Livre d'heures stammt von einem 
Künstler der niederdeutschen Schule. 

88 Psalter u. BreviariuiiL Lateinische Persfament - Handschrift. 
Niederiändisch. Von 1400, wenn nicht früher. 274 Bl., 2 un- 
beschrieben, mit 10 kostbaren, in Oold und Farben gemalten 
Seiten (Initiale und Randschmuck), außer den blau und roten 
mit der Feder gezeichneten und ornamentierten Initialen und 
Randverzierungen, welche sich durch das ganze Büchlein hin- 
durchziehen. Die Erhaltung von jener eic^entümlichen Sauberkeit 
und Farbenfrische, wie sie oft gerade bei den vorzüglichsten 
Werken der Miniaturkunst zu finden ist Die Ränder blieben intakt^ 
als die Hs. im XVIII. Jahrh. einen neuen Einband (mit rotem 
Lederrücken) erhielt Eintragungen aus verschiedenen Epochen. 
274 Bl. 12* Format 925.— 

Auf dem ersten, ehemals unbeschriebenen Blatt liest man in Schrift- 
zügen des XVIII. Jahrh. Joan Ernst Nob. ab Udenau, Conseiller et 
Doyen ä • . ., der Rest wegradiert, gleichermaßen wie eine spatere Ein- 
tragung. Auf dem 2. BL: Dit boock (oder boeck) hoort toe Katarina 
Wienham Vrou van Coningyelt, geweest 1583., Der Kalender, welcher 
die ersten 11 Ell. (abschließend mit einem weißen Zwischenbl.) fflllt, 
zeigt Eintragungen aus der Entstehungszeit des Buches, so zu einer der 
beim März eingetragenen 21ahlen die Randnotiz: den eersten Sonedach 
die volghet nac desan gülden gthal (d. i. Zahl) is altit paes dach (d. i. 
Passah-, Oster-Tag). Der Kalender selbst bietet die besonderen Hei- 
ligen-Namen der Niederländer: Pondaen 14. Jan., Odulf 12. Juni, Lebuin 
25. Juni, 12. Nov., Willibord 7. Nov. Der Text selber zeigt mehrere 
holländische Oberschriften in den auf den Psalter folgenden Gebeten, 
kurz vor dem illustrierten BL: De sta trinitate ymnus. Der Psalter hat die 
im Mittelalter vielfach üblichen Abteilungen mit Illuminierung: bei Psalm 
1, 26, 38, (51), 52, 68, 80, 97, 109, wovon nur 51 nicht zu den ganz 
gewöhnlichen gehört Dazu kommt hier als zehnter noch der Anfang 
des Canticum „ysaie^^: Confitebor. Die Pracht-Initiale, bald höher bald 
tiefer stehend, nimmt von dem zierlichen Text der Seite über den halben 
Raum ein. Der große Buchstabe steht blau auf Goldgrund oder gokien 
auf einem farbigen Grunde, welcher nach Art eines Wappenschildes in 
vier verschieden gefärbte Felder eingeteilt ist: Blau und ins Orange 
fallendes Rosa, von feinen, weißen Linear-Mustera durchzogen, wie auch 
das Buchstabengerüst selbst, während der geräumigere goldene Innen- 
grund Rankengeäst mit einem Dreiblatt besonderer Form aufweist. Das 
Ganze bildet ein für sich abgeschlossenes Quadrat und ist gleichsam wie 
eine Plaquette mit Nagellöchem an den Rändern behandelt; wo aber 
seitliche Auswüchse auftreten, zeigen sie französisch beeinflußte Pro- 
fitierung; doch auch da stehen sie mit der Randleiste nur in geringer 

Karl W. Hlersemann in Ldpitlgf Könlgsstnuse 3* Katalog 330» 

6 



S2 Mänascripte nitdedändisdim Ursprunges, XVI.-XVIU.Jahrh. 

Verbindung^. Der Text nämlich, welcher innerhalb von vier scharf ge- 
zogenen Linien steht, wird bald an drei Seiten, bald an wenigeren eng 
umgrenzt von einer goldenen und farbigen Leiste. Um die Ränder aber, 
an drei Seiten, oder auch nur oben und unten, legt sich die zarteste 
und stilvollste Bordüre, welche man erdenken kann; es wechseln darin 
kräftige Ranken mit einer Fülle von Pflanzen und natürlichen kleinen 
Blumen, die mit ihren feinen Stengeln und hellgrünen Blättchen sich 
dem Räume anschmiegen und gewissermaßen dort gewachsen zu sein 
scheinen. Der Wechsel der Farben und ihre Abtönung ist von der äußer- 
sten Delikatesse und so vollendetem Geschmack, wie die Disposition 
des Ganzen; das vielfache Gold wird dabei ohne Oberladung, doch äußerst 
wirksam und mit großem Geschick verwendet, bald gemalt, als Lokal- 
farbe mit Zeichnung und Schattierung darüber, bald aufgelegt; letzteres 
namentlich bei den zahh'eich eingestreuten Stacheläpfeln. An diesen be- 
merkt man, daß sie nicht wie in anderen Stilen gerade lange Stacheln 
haben, sondern eher Protuberanzen, Fäden, wie sie, stets mit der Feder 
und Tinte gezeichnet, auch sonst hier überall lose umherfliegen, 
und in diskreter aber wirksamer Weise dazu dienen, dem weißen Grund 
eine gewisse Tönung zu geben. In solchen Elementen wie auch in den 
unzusammenhängenden großen Ranken mag man weniger Symptome 
einer Zersetzung, als einer noch nicht völligen Beherrschung des Stiles 
erkennen. Figürliches, das uns einen Einblick in den Stand der Dinge 
eröffnete, ist nicht vorhanden, außer einem äußerst naiv gezeichneten 
Löwen auf dem 1. Textblatte. Jedenfalls aber haben wir eine Leistung 
vor uns, die an duftiger Eleganz im Einzelnen und harmonischer Wir- 
kung im Ganzen nicht leicht zu übertreffen war und auch von den spä- 
teren Werken vlämischer Miniaturkunst nicht übertroffen worden ist 



Manuscripte niederländischen Ursprunges. 

XVI.— XVIIL Jahrh. 

8Q Benninge, Sieke, Cronykel der Vriescher Sanden ende der 
Stadt Gronningen. In drie Deelen. 1527. Fortgeführt bis 1711. 
Manuscript in holländischer Sprache von 450 Seiten. Fol. 
(Blattgr. 20X30 cm). Hfz. 300.— 

Die Handschrift ist zumeist von gleicher Hand auf pei^amentartigem 
Papier, größtenteils einen Rand von 12 bezw. 5 cm freilassend, herge- 
stellt, doppelseitig beschrieben u. teilweise mit Randbemerkungen, die 
den nebenstehenden Text kurz skizzieren. Titelblatt u. eine Biographie 
Benninge's, die der Chronik vorgesetzt worden sind, stammen von dem, 
der die Handschrift beendet hat Die Numerierung der Seiten ist nicht 
laufend, sondern bei jedem neuen Teil wieder mit 1 beginnend. 

Kollation: pp. 3 (unnum.): Titel. — pp. 4 — 6: Het Leven van Sicoo 
Benninga meest al uyt syn eygen Schriften. — pp. 1—7 (num.): Dat 
Prologus. — pp. 0: Hyr begint dat eerste deel van dit Boech der Chro- 

Karl W« Hlefsemann in Leipzig» Könlgsstrasse Z. Katalog 330» 



Manttscripte slavisdim Ursprunges de. XVlL-^XlX.JahHu 83 

nykel. (9—38). — pp. 1 : Hyr begunt dat Anderde pari ofte Dcel des 
Boex ende der Cronica van Oronningerlandt (Autor dieser Chronik ist 
bis pp. 23 Johann von Lomings, von 23—63 Benninge.) — pp. 67—71: 
Privilegium Frisonum. — pp. 1—331 (von 275 unnum.): Derde Deel. 

Die Handschrift wurde in ihrem größten Umfange um die Mitte des 
16. Jahrh. angefertigt Der Chronist, Borger u. Raatsheer in Groningen, 
erzahlt in ausführlicher Weise die reiche Geschichte der Friesen. Mit 
des Volkes Urgeschichte beginnend, berichtet er von ihren Stammver- 
wandten, von der frühesten Ausdehnung des Landes — von dem jetzt 
zu Deutschland gehörenden Teil — von den Landesteilen, die bezüglich 
ihrer späteren kirchl. Verwaltung zu den sächsischen Bistümern Münster 
u. Bremen gehörten, von den Kämpfen mit den Franken im 7. Jahrh., 
von der Einführung des Christentums durch St Bonifadus u. dessen Be- 
gleiter, von des Ersteren Erschlagung bei Dokkum, von den Privilegien, 
die Karl d. Gr. u. Andere den Friesen gewährten, von des Landes geistl. 
u. weltl. Regenten, von deren Einrichtungen, aber auch von den vielen 
Streitigkeiten, die jene beständig hatten; er berichtet vieles von den 
Kämpfen der burgundischen Herzöge u. von den Stürmen, die der ent- 
standene Religionsstreit mit sich brachte. Sehr detailliert sind auch die 
von 1594 — 1711 geschriebenen Nachrichten, betreffend die Männer, die 
in Groningen ein öffentliches Amt bekleidet haben. 

Die Chronik Johann Lomings ist nachträglich in Druck erschienen, 
die von Benninge, soweit bekannt, nicht 

Vermutlich war der Besitzer des Buches Egbert Heting, oder ein 
anderer aus der angesehenen Groninger Familie. 

(Boot, Abr.), Joumael (ende origineel Handschrift) van de 
Legatic, gedaen in de Jaren 1627 en 1628 . . . siehe Abteilung: 
Manuscripte, militärische und nautische. 

Coehoom, Menno, Baron van, Voorbeelden van eenigen Sterken 
Forteressen ende Steden. ca. 1680, siehe Abteilung: Manuscripte^ 
militärische und nautische. 



Manuscrlpte slavlschen Ursprunges und solche, 
die auf slavlsche Länder, besonders auf Russland 

Bezug haben. 

XVn.-XIX. Jahrh. 

90 Apokalypse. Russische Handschrift von 309 foliierten Blättern 
mit 73 ganzseitigen bildlichen Darstellungen in Farben. Folio. 
(21X33 cm). 19 Zeilen auf der Seite in sehr r^elmäßiger Schrift 

Karl W« Hlcrsemann in Leipzig:» Königsstfaue 3* Katalog 330# 



84 Manusaipte slaHschen Ursprung de. XVII.-XIX.Jahrh. 

in rot und schwarz. Ca. 1850. In rotem Idrchlichen Lederband 
mit rddier Ooldpressung und Krampen; gepunzter OoldsdinitL 

2*0.— 
Nach dem Wasserzeichen im Papier (1836) hamlelt es sich hier um 
eine in dieser 2^it entstandene Kopie einer alten Apokalypse-Hand- 
schrift des XVII. Jahrh. (d. F. Buslajew» Sammlung v. Apokalyp- 
sen, 1884). Dem Ductus der Handschrift nach scheinen mehrere Möndie 
daran gearbeitet zu haben. Die Bilder der Originalhandsdirift sind 
flüchtig mit der Feder nachskizziert u. dann bunt ausgemalt 

91 Bray, Fran;. O. de, Memoire extrait du Journal d'un voyage 
fait an printems 17849 dans la partie m^ridionale de la Russie. 
Originalliandschrift, „Ratisb. 1796^ 33 Folioseiten mit einer 
Anlage von 5 Quarts, u. 4 Seiten der Oaz. des 2 ponts, 1796. 

280.— 
Auf Orund soigfältiger Tagebuchnotizen über seine Reise durch das 
südL Russlandy schildert der später am St Petersbufger Hofe unter 
Paul I. u. Alexander I. gern gesehene bayerische Diplomat in anschau- 
licher .Weise das Gebiet der Ukraine, die Krim, den Kaukasus — 
bis nach Persien hinein, das Gebiet der Don'schen Kosaken und die 
.Wolga mit ihrem Handel von Kasan bis Astrachan. 

Land und Leute — interessant sind seine Notizen fiber die kaukas. 
Stämme — Handel, Nationalökonomie, Kriegs- u. Handelsflotte, die 
russ. Armee — deren Rangliste sogar teilweise angestellt wird •— strateg. 
wichtige Invasionspunkte fOr die russische Expansionspolitik Kathari- 
nas II. werden uns von dem scharf beobachtenden Reisenden vor- 
geführt, der mit guten Empfehlungen vom Fürsten Potemkin aus- 
gestattet, ein relativ vollständiges Bild vom südl. Russland z. Z. Katha- 
rinas II. zu geben in der Lage ist 

92 Bray, F. O. de, Memoire sur les finances de Russie, £crit en 
Aoüt et Septembre 1820. Originalhandschrift von 101 Folio- 
seiten. 520* — 

Auf Orund jahrelanger, sorgfältiger Studien, die er als bayerischer 
Gesandter am St Petersburger Hofe unter Alexander I. gemadit hat, 
gibt der Chevalier de Bray hier eine — wohl für seinen Hof bestimmte, 
genaue Zusammenstellung der russischen Finanzen. Die direkten, Per- 
sonal-, Gebäude- etc. Steuern, die Staatsdomänen, d. Zivilliste des kaiserl. 
Hofes, die Apanagen der Großfürsten, die Chatoulle des Kaisers, das 
Rekrutierungswesen, die 40 Millionen-Anleihe u. d. m. finden ihre aus- 
führt. Darstellung durch den Gesandten, dem die besten Quellen zur 
Verfügung gestanden haben müssen, wie die als Anlage beigefügte ^^x- 
tralts des M^moires du comit6 secret, institu6 en 1812 p. d^berer sur 
un nouveau systtoe les finances'' beweisen. 

93 GesetetafeL — Bedenken über die im Jahre •7164 von der Er- 
schaffung der Welt (anno 1656) neuheraus^egebenen BOcher der 
griechisch-russischen Kirche. Handschrift in-4 (17X22 cm) 
bestehend aus 294 foliierten Blättern und einem Nachtrag von 

Karl W« Hiersemann in hüpügf Königsstrasse 3« Katalog 330. 



Manusaipte slavlsehen Urspnuiga da XVIL-XIX.JahHu 85 

3 Blättern, zu Beginn des Bandes 6 weiße Blätter, andere 17 
am Schlüsse. Mit 60 Darstellungen in Farben (4 auf einer Seite) 
und 1 ganzseitigen: Die Haltung der drei ersten Finger, wie sie 
auf Bildern von Rechtgläubigen dargestellt wird. Entstehungszeit 
etwa 1660. Die Vorrede der altgläubigen Verfasser wendet sich an 
den Erzpriester. In gleichzeitigem roten Oanzlederband mit Oold- 
pressung, Krampen und gepunztem Goldschnitt. 270* — 

Der schöne Einband ist erwähnenswert Die Raute im Mittelfeld 
ist in strenge byzantinischem Stil, während die Fächeromamente in den 
vier Ecken deutlich das Eindringen des westlichen Einflusses beweisen; 
ebenso die folgenden Umrahmungen in geometrischem Ornament Der 
breite Abschlussrahmen wird von einer Lysikrates-Ranke mit Lotusblüten 
gebildet Auch die nach innen abgeschrägten Kanten sind mit dem 
Lotusomament abgerollt Die gleichen Ornamente haben auf der Rück- 
seite in anderer Anordnung Verwendung gehmden. 

94 Inno« (d. h. der erste Vers, der den Inhalt und die Melodie des 
Kirchenliedes anzeigt). Werk unseres hochwürdigen Vaters Jo- 
hannes Damaskin. Noten, Text und Irmose. Russische Hand- 
schrift in-Folio (21X34 cm), 222 Blätter mit reich in Oold u. 
Farben verziertem Titelblatt, dem Titel g^enOber eine nahezu 
blattgroBe Initiale in Oold und Farben, daneben eine ebenso 
ausgeführte Ranke; im Text 8 ebenso reich ausgeführte Leisten 
mit Initialen. In rotem kirchlichen Lederband mit reicher Oold- 
und Silberpressung mit Krampen. Oepunzter Ooldschnitt; die 
untere Kante des Einbandes ist g^en Abstoßen durch Metall- 
stückchen verwahrt Aus dem XVIII. Jahrhundert 125*— 

95 Lampugnoni, Oiov. B., Memorie istoriche e politiche del r^[no 
di Polonia scritte Tanno lö97. 4. Cart 120*— 

Ungedrucktes, sehr deutlich geschriebenes Manuscript von gleich- 
zeitiger Hand, wahrscheinlich vom Autor selbst geschrieben. 251 Seiten 
in gr.-4. u. 11 Blatt Index. 

I. Partie: de! confini antichi della Polonia — della prima, seconda, 
terza et quarta classe de' Prindpi e de' Rh di Polonia — della Slesia, 
Pomerania, Prussia, Livonia, Russia, Lituania, Moscovia, Valachia, Po- 
dolia e de' confini modemi della Polonia — dei Tartan, Cosacki — delle 
qualitä del paese e de' costumi della nazione — deile saline. — II. Partie: 
de Rh e del interregno, dell' elezione, coronazione, autoritä del Re — 
del Senato, della Nobilitä, dei Oludizi, della Milizia — del entrato della 
Republica degli assegnamenti e della familia del Re — del modo, di 
viaggiare et del danaro di Polonia. 

96 Memorie istoriche intomo le guerre seguite per la Russia, 
Prussia, Polonia, Francia, Spagna e Savoia incominciate 
l'anno 1733, ove si veggono li manifesti pubblicati dalle Corte 
medesime con alcune composizioni poetiche ed altre varie notizie. 
4. 1735. Hpergt. 220.— 

Manuscript in italienischer Sprache, 92 Blatt in Quart, zur 

Karl W* Hlersemann in Leipzigs Könlgsstrasse 3« Katalog 330» 



86 Manusenpü slavisdim Urspnu^ses äc XVII. - XIX, JahHu 

Geschichte des polnischen Thronfolgfekrieges 1733—35, gleichmäßige 
Handschrift aus genannter Zeit Enthält 13 Manifeste der ver- 
schiedenen Mächte, in welcher sie ihre Stellungnahme zu den Thron- 
streitigkeiten zwisdien Stanislaus Lescadnski und August III. rechtfer- 
tigen; so u. a. solche von Seiten Russlands u. Österreichs, andererseits 
die von Spanien, Frankreich und Sardinien; auch Proklamationen von 
Stanislaus u. August III., des Primas von Polen, des polnischen Adels 
etc. Hieran schließen sich über 20 größere u. kleinere Gedichte, meist 
Sonette auf die verschied. Könige u. Fürsten, den Kaiser, Papst etc 
und endlich mehrere Berichte über Begebenheiten während des Krieges, 
so besonders über die Kämpfe in Italien, über die Schlacht bei Parma 
1734, Testament des Herzogs von Marzova u. a. — Mit einem großen 
heraldischen Ex-libris. 

97 Siebzehn Memoiren, Berichte etc Ober den Handel europäischer 
Völker um d. J. 1682, über d. russ., tOrk., pers., chines., Japan, 
und venezian. Import und Export, über das russ. Finanzwesen 
unter Peter I., über dessen die Priester betreffenden Verfügungen, 
über d. türk. Heer, über Tartaren und Nogaier etc und Ober 
Katharina I. Originalhandschrift von 687 num. Seiten in franz. 
Sprache (12V, PP- deutsch). Fol. (Blattgr. 20X32 cm). Um d. J. 
1730. Ldn m. Rückenvergoldung u. d. Deckelaufschrift: A la 
Substitution du Valdec proche Solevre en Suisse 1726. 1800. — 
Die Handschrift ist schön u. gleichmäßig auf pergamentartigem 
Papier (mit freiem Rand von 4 bezw. 2Vs cm) angefertigt, doppel- 
seitig beschrieben, zu 25 Zeilen, die Seite von einer rotfarbigen Linie 
eingefaßt; von dem deutschen Text sind 7 pp. in 2 Columnen geteilt, 
die Kapitelüberschriften sind zierlich verschnörkelt; ihre Reihenfolge ist 
diese: Memoire sur l'^tat du n^goce des fran^is, anglais, hollandais, 
Venitiens etc. des marchandises qu'ils portent et rapportent du Levant 
etc. compos^ par le sieur le Febre n^godant 112 pp. — Memoire too- 
chant les revenus et d^penses de Tempire Ottoman, des differentes 
milices de ses arm^es etc, 90 pp. — Relation touchant la Crim6e, les 
Tartares, Noguais etc 18 pp. — Relation d'un voyage du Kam des 
Tartares en Circassie faitte par le sieur Ferand, son median et consul 
de France en Crim^e. 24 pp. — Memoire pour servir d'Introduction 
aux relations et pi^ces originales de la n^godation entre les Russes et 
les Turcs au sujet des affaires de Perse sous la m^ditation de la France, 
32 pp. — Memoire concernant les revenus du Czar Pierre Alexiowitz 
dans r^tendue de ses ^tats. 46 pp. — Memoire sur le commerce entre 
la France et la Russie, son utiliti et les moyens de Ttoblir solidement 
20 pp. — Ordonnance du Czar Pierre pour le Clerg6 de ses 6tats. 116 pp. 
Instruction ä une compagnie fran^aise pour n^oder en Russie. 35 pp. 

— Mani^re de faire le commerce en Russie, 9 pp. — Bericht eines 
Deutschen, betreffend den Handel zwischen Rußland u. Persien. 12^/f pp. 

— Memoire concernant le commerce et le voyage de la Chine par terre 
de Moscow ä Tobolsky, Capitale de la Siberie, de la ä Pekin, Capitale 
de la Chine, avec la relation de ce qui s'est pass6 pendant le voyage 

Karl W« Hlersenutnn in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330» 



Manusaipie slavisdien Ursprungjgs de XVIL—XIX. JahHu 87 

tant sur la route en allant que pendant le s^jour fait ä Pekin. 16^/t pp. 
— Memoire pour le College du Commerce ä Petersbourg des marchan- 
dises qui de Russie se portent ä la Chine. 20 pp. — M6moire du Com- 
merce avec le Japon. 7 pp. — Description de la Chapelle ardente et 
du throne ou le cercueil du Czar Pierre Alexiowitz fut d^posd avec 
Pordre et la marche du Convoy (et les noms des dignitaires y assistant). 
10 pp. — Anecdotes de rimp6ratrice Regnante dans la Grande Russie 
en 1726. 17 pp. 

Außerordentlich interessante Berichte, die, soweit bekannt, nicht dem 
Druck übergeben sind. Dadurch, daß der Verfasser dieselben bis ins 
kleinste detailliert, daß er vielfach die Namen der handelnden Personen 
bezeichnet, daß er den Ort der Handlung nennt, daß er das Datum 
angibt, wann dieselbe beginnt bezw. endet, gewährt er den weitgehend- 
sten Einblick in dieselbe. Die des Zaren Einnahmen und Ausgaben be- 
treffenden Mitteilungen sind beispielsweise so ausführlich, daß man ein 
russisches Staatshaushaltungsbuch vor sich zu haben glaubt Besondere 
Beachtung verdienen auch die Mitteilungen, die die Person des 21aren 
angehen, femer auch die Enthüllungen über die Zarin Katharina I., ihre 
Abstammung u. ihr Privatleben betreffend. 

Für das Studium des Welthandels im allgemeinen u. das der russi- 
schen Nationalökonomie u. Kulturgeschichte im besonderen dürften diese 
Berichte schätzenswerte Beiträge liefern. 

98 Passion unseres Herrn Jesu Christi. Handschrift auf 170 
foliierten Blättern mit 64 ganzseitigen Darstellungen und 7 halb- 
seitigen; 30 Zeilen auf der Seite. Zum Schluß des Bandes steht: 
Im Jahre (7360) 1852 zum Oedäclftniß des heiligen Märhrrers 
Artemon geschrieben. 20X32 cm. In gleichzeitigem Lederband 
mit Pressung (Krampen modern). 80.— 

Die Illustrationen sind ziemlich einfach und steif mit der Feder herge- 
stellt und mit Wasserfarben leicht überfahren. 

99 Het Russische Keizernrk. — Niederiändische Handschrift 
aus der Zeit um 1830, umfassend 136 beschriebene S. in groß-4 
in gleichzeitigem Hldbd. mit RQckentitel. Der Text enthäß eine 
ausfOhrliche geographisch-statistische Beschreibung des russischen 
Reiches in Europa u. Asien mit reichlichen Zahlenangaben. Es 
folgen nachstehende Abschnitte aufeinander: OröBe, Bevölkerungs- 
zahl, Lage u. Grenzen, Flüsse, Meere u. Seen, Kanäle, Oebirge 
(mit vielen Höhenmaßen), sonstige Bodenformen, Verkehrsw^e, 
klimatische Verhältnisse (mit einem langen Exkurs Ober das Nord- 

. licht), Erzeugnisse des Tier-, Pflanzen- u. Mineralreichs, Be- 
völkerung nach Stammeszugehörigkeit u. Ständen, Regierungs- 
form, Hofstaat, Behörden, Rechtspfl^e (mit einem Exloirs über 
die Knute), Verwaltung, Kirchenwesen, geistige Kultur, Schulen, 
Bibliotheken, Oouvemements (mit Größe und Volkszahl), Heer 
u. Flotte, Festungen, endlich Lebensbeschreibungen namhafter 
russischer Heerführer: Potemkin, Menschikow, Suworow (mit 

Karl W* Hiersemann in Leipzig:» Königsstrasse 3* Katalog 330* 



88 Mamtseripte ^Huüsdim Ursprunges. XIV.-XVIU. Jahrh. 

eingeklebtem lithographischem Bildnis von Wachsmann), Ptoin, 
Romanzow, MQnnich, Scheremetjew, Ora^or u. Alexis Oriow, 
Apraxin. — Der Verfasser nennt sich nicht, war aber offenbar 
ein militärischer Fachmann, da er Ober ausgedehnte Kenntnisse 
auf diesem Gebiet verfügt Hier u. da erwähnt er seine Quellen, 
namentlich Land- u. Reisebeschreibungen des XVIII. Jahrh. Das 
Werk scheint ungedruckt zu sein, wenigstens wird es bei Tiele, 
Nederland. Bibliogr. van Land- en Volkenkunde, nicht erwähnt 

1S5.— 

100 Wengieraki. — A historical and chronological System or 

conspectus of the Slavonian Churches throughout various 

provinces, especially Poland, Bohemia, Lithuania, Russia, 

Prussia, Moravia etc. in IV books, containing an ecciesiastical 

history from the time of Christ to the year 1650. By Adrian 

Regenvolski. 280.— 

Manuscript 600 vom Autor schön und sehr lesbar geschridiene 

Seiten in folio nebst 77 Blatt mit sehr ausführlichem Register. In einem 

wohlerhaltenen Kalblederbande. 

Original-Handschrift der englischen bisher ungedruckten 
Obersetzung des wichtigen, jetzt seltenen und gesuchten Buches, 
welches u. d. T.: Regenvolscius, A., systema histor.-chronoL eode- 
siarum slavonicarum per provindas varias, praedpue Polonlae, Bohemiae, 
Litvaniae, Russiae, Prussiae, Moraviae etc. distinctarum. 1652 zu Utrecht 
erschienen. 

Der wahre Name des Verfassers ist Wengierski. 



Manuscripte spanischen Ursprunges. 
XIV.— XVm, Jahrh. 

101 Bztract des Erdbebens von Lisabon, so sich ereignet den 
1. Novemb. Anno 1755. Lisabon. Ms. 6 S. 236 Zeilen. 45. — 

Handschriftlicher Bericht, welcher die Vorgänge der Katastrophe aiit- 
fOhrlich schildert 

102 Granada« — Statuten der Brüdergemeinschaft des h. Sakraments 
von der Gemeinde des h. Johannes in Oranada. Perg.-Manu- 
scriptd. XVI. Jahrh. (1562). Spanisch. 19 BI. fol. Altspanischer, 
reich in Oold gepr. Ldb. m. wiederholtem Aufdruck des Agnus 
dei, von Köpfen, Tier- und Pflanzenomamenten etc. 480«— 

Sehr schönes Manuscript mit 1 blattgr. Miniatur (Die HH. Johannes 
Evangelist und Täufer, im Hinteigr. Oranada) in omam. u. figur. Um- 
rahmung, reich in Farben u. Oold u. 45 ebenso ausgeführten ornamentalen 
Initialen. Mit Unterschrift des Juan de Salzedo, Vikars des Erzbischofs 
von Oranada u. dem Datum 10. April 1562. 

Der Einband am Rand u. an einigen Stellen etwas abgerieben. 

Karl W. Hiersemann !n Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330» 



Tafel 15. 



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No. 106. OFFICIUM B. MARIAE VIRO. Der Evancrelist Mattheus. 

XV. Jahrli. Spanisch. 



MottusaipU spanisehm Ursprunges. XIV.-XVIII.JahrlL 89 

103 Johann IL» König von Spanien. „Cedula de D. Juan IL por 
la que revoca, anula y declara ser de . . . valor la sententia 
dada por la Reyna, Pnncipe, el Almirante y el Conde de D'AIua 
contra D. Alvaro de Luna, condestable de Castilla y Conde de 
Santistena y mando caso grandes penas que a quella no se 
cumpla . . .^ dat Valladolid 1442. 8 Pergamentblätter in Folio. 
Auf Blatt 1 eine herrliche Initiale, in Oold und Farben. 

245.— 

104 Karl L (Karl V.) — Lateinische Pergamenturkunde des Könic^ 
Karl L von Spanien (1516—56, als deutscher Kaiser Karl V.), 
durch welche er dem Philipp Marra de Rossi, Grafen von 
Barceti, alle Privilegien bestätigt, die ihm um seiner Verdienste 
willen von seinem kaiseriichen Vorgänger Maximilian I. veriiehen 
worden waren, dat. Worms, 20. Dez. 1520, wo sich Karl 
gerade we^en jenes berühmten Reichstags aufhielt, 
der Ober die Lehre Luthers verhandelte. 1 BL in foL 
(38X60 cm) mit dem an einer Seidenschnur hängenden (zer- 
brochenen) kaiseriichen Siegel sowie der eigenhändigen Unter- 
schrift des Kaisers (Carios) und seiner Kanzleibeamten. 280.— 

Besonders wertvoll ist die auf der Rückseite befindliche Namens- 
unterschrift des berühmten kaiserlichen Sekretärs Maximilianus Trans- 
sylvanus, der den 1. gedruckten Bericht über die Weltumsegelung des 
AÄagellan veröffentlichte (De Molucds insulis, zuerst Coloniae 1523, vgl. 
Harisse, Bibl. Amer. vet No. 122—124). 

105 MacanaXy Don Melchor de. Males, DatTos y Perjuicios, que 
hicieron contra la Espana, su Y^^lesia y su Rey, los Extrangeros, 
que tubieron mando en el Ministero. — Spanische Perg.-Hand- 
schrift von 1727—1745 in sauberer Schrift u. Erhaltung. 276 S. 
in 8* in gleichzeitigem Perg.-Einband mit Schleifen und Knöpfen. 
Altpaginiert nach Quatemionen. 800. — 

Der Verfasser hat unter den beiden ersten Bourbonen Spaniens eine 
nicht unwichtige Rolle gespielt, namentlich am Hofe Philipps V., wo er 
den Posten eines Procurador fiscal general des Staatsrats bekleidete. 
Aufsehen erregte er zuerst 1714 durch eine Streitschrift, welche die 
Rechte der Inquisition und der Kurie der königlichen Gewalt gegeniiber 
einschränken wollte. Philipp geriet dadurch in einen förmlichen Kampf 
mit Rom und der Inquisition. Ludwig XIV., welcher im Aug. d. J. noch 
die Partei seines Enkels zu nehmen schien, wenigstens durch den Mund 
seines Beichtvaters (Mac. Blatt 90 und 173), riet einen Monat später 
schriftlich, wohl weil er sah, welchen Umfang der Konflikt anzunehmen 
drohte, angesichts der ungünstigen, kriegerischen Zeitverhältnisse — es 
ist die Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges — entschieden zu einer Bei- 
legung dieser inneren Streitigkeiten. Macanaz ging in die Verbannung, 
zunächst nach Frankreich, später nach Lüttich. Seit 1727 zurückgekehrt, 

Karl W* Hiefsemann !n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330* 



00 Manusaipte spanisdun Urspmnges. XIV-XVULJoMl 

fuhr er fort, ohne daß er ein Amt bekleidete, in alle politischen Ver^ 
hältnisse einzugreifen, durch Memoiren die er schrieb, durch persönliche 
Einflüsse am Hofe, durch Missionen, die ihm anvertraut wurden, auch 
durch Verhandlungen auf eigne Faust; so betrieb er unter der Hand 
nichts Geringeres als eine Verständigung von Österreich und Frankreich: 
wodurch also der spanisch-österreichischen Rivalität die Spitze abge- 
brochen und die Mitwirkung der Seemächte ausgeschaltet worden wäre. 
Später finden wir ihn wiederum in der Verbannung; doch wurde er, 
fast 80 jährig, durch Philipps Nachfolger, Ferdinand VI., 1746 dazu be- 
rufen, Spanien auf dem Kongreß zu Breda zu vertreten. (Vgl. Coxe, 
Memoirs of the kings of Spain 1700—1788 (1819). II, 164. Baudrillart, 
Phil. V. et la Cour de la France I, 227. 595. 608. II, 171. III, 395. 
424. 486. 493. IV, 18. 173. 369. 446. 476. V, 460.) — Obwohl Mac. keine 
hervorragenden diplomatischen Eigenschaften besaß und mehr Partei- 
mann und Heißsporn als Staatsmann gewesen zu sein scheint, so muß 
es doch befremden, in den Enzyklopädien und den meisten Oeschichts- 
werken nicht einmal dem Namen dieses Mannes zu begegnen. Es hängt 
dies offenbar damit zusammen, daß seine Werke Manuscript geblieben 
sind, und es der Inquisition und seinen zahlreichen sonstigen Feinden 
stets gelang, deren Veröffentlichung zu hintertreiben: daß dieselben als 
Manuscripte in französ. u. span. Sprache zirkulierten, berichtet er selbst 
Heute sind dieselben offenbar zerstreut und ganz selten geworden; 
sonst würde man längst an die Sammlung und Veröffentlichung dieser 
für die Zeitgeschichte unentbehrlichen Dokumente gegangen sein. Eine 
dieser umfangreichen Handschriften wurde bereits in einem der vorigen 
Kataloge, Hiersemann's Kat. 327 unter No. 1546, vorgelegt Das gegen- 
wärtige Buch beschäftigt sich zunächst mit dem in der Tendenz ver- 
wandten Werke des Belando über die Span. Geschichte (1740 — 44) und 
zwar hauptsächlich dem III. Bd., welchen der König Phil. III. nicht zu 
lesen bekommen hatte; diese Partie scheint erst nachträglich geschrieben 
zu sein. Wir erfahren dabei mancherlei über die Mißverhältnisse zwischen 
der Kurie und der Span. Krone u. über die Verhandlungen in Paris, die 
dem Ausbruch des Streites vorangingen. Auf diesen selbst kommt das 
Buch Bl. 167 Quat 42, 3 nochmals zurück. Der Zwischenteil vom Bl. 110 
Quat 28, 2 an, betrifft die auswärtige Politik und ist schon wegen des 
darin behandelten Span. Erbfolgekrieges von Bedeutung. Es spricht hier 
überall ein Mann, der zu seiner Zeit zu den Besteingeweihten rechnete 
(vgl. Baudr. III, 486, IV, 173). Außer den zahlreichen Persönlichkeiten, 
welche das Buch namhaft macht, und der Fülle sonstiger Details, ver- 
dienen auch die mitgeteilten Decrete und anderen Dokumente die Be- 
achtung des Geschichtsforschers. Durch das Ganze zieht sich wie ein 
roter Faden die Feindseligkeit gegen den Minister Alberoni welcher 
auch, nachdem er selber in Ungnade gefallen war, noch in Italien seine 
Rolle spielte und seine spanische Politik verteidigte. Er und der Italiener 
De ludice, Großinquisitor, sind unter den schädlichen „Fremden'' haupt- 
sächlich verstanden. 



Karl W* Hiersemami !n Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330. 



Manasayfte spanischen Ursprunges^ XlV.'-XVIILJahrh. gi 

106 Officium beatae Mariae Virginia. Pergament-Hand- 
schrift in 4., 2Q2 Bl mit prachtvollen Miniatur-Gemälden, 
Randleisten und Initialen, einige Bl. leider herausgeschnitten. 
Alter roter Maroquinband mit reicher Ooldpressung und Gold- 
schnitt XV. Jahrh. Verkauft. 

Vgl. d. AbbUdung Taf. 15. 

107 Philipp IV. von Spanien» — Lateinische Pergämenturkunde 
des Königs Philipp IV. von Spanien (1621 — 65), durch welche 
er dem Grafen San Segundo Troilo Rossi den Oberfehl über 
eine Kompagnie Truppen in Mailand überträgt, dat. Madrid 
12. Febr. 1633. 1 Bl. gr. Folio zu (54X71 cm) mit eigenhändiger 
Unterschrift des Königs (Yo el Rey) und der Kanzleibeamten, 
sowie dem an einer Seidenschnur hängenden, leider zerbrochenen 
und nicht mehr vollständigen königlichen Siegel. 100. — 

108 Pliilipp IV. von Spanien. — Lateinische Pergamenturkunde des 
Königs Philipp IV. von Spanien (1621—65), durch welche er 
dem Grafen San Segundo Scipion Rossi den durch den Tod 
seines Vaters Troilo eriedigten Oberbefehl über eine Kompagnie 
Truppen in Mailand überträgt, dat Madrid, 8. Aug. 1652. 
1 Bl. gr.qu.-folio (45X76 cm) mit der eigenhändigen Unterschrift 
des Königs (Jo el Rey) u. der Kanzleibeamten, sowie dem an 
einer Seidenschnur hängenden großen königlichen Wachssiegel 
von 10,5 cm Durchmesser. Auf der Rückseite die Bestätigungs- 
urkunde des spanischen Gouverneurs von Mailand Luis de 
Benavides, Marquis de Caracena (1648 — 56) mit dessen Unter- 
schrift. — Siegel etwas beschädigt 180. — 

109 Primaleon. Chronica de Primaleao Emperador de Grecia, 
Em que se da conta das faqanhas monstruozas, que obron o 
Principe Dom Duardos, e os mais cavalheros do seu tempo. 
Composta por Cuilherme Trusto, e tresladada por Semisberto 
Pachorro estando encantado no cume da Penha Rigorosa da 
Serra da Lua pelo Odio do Sabio Bragamente. S^[unda (e 
Terceira) parte. Papierhandschrift aus d. Anfang d. XVII. 
Jahrh. in 2 Bdn. in fol. v. 567 u. 264 SS. Ldrbde. 380.— 

Die Handschrift enthält eine wohl noch ungedruckte freie por- 
tugies. Obersetzung der Chronik des Primaleon, die zuerst spanisch 
in Sevilla 1524 erschien. Die Obersetzung stimmt mit dem span. Original 
weder in Redaktion noch Kapiteleinteilung überein. Die Hdschr. stammt 
aus d. Bibliothek des D. Alvaro de E. Noronha mit dessen heraldischem 
Exlibris, gest v. C. de Rochefort fils. Die Erhaltung ist tadellos. 

110 San Pedro, Diego de. Ce present liure a esto translate de 
laingaige tosquan. florentin en francoys. Et traicte de Lamour 
de Leriano et Laureolle fille du Roy de macedoyne. Papier- 
handschrift V. 276 SS. a. d. Anfang d. XVI. Jahrh. in foL 
Hfzbd. 300.— 

Interessante u. wertvolle Handschrift 

Karl W* Hiersemann !n Leipzig, Königsstrasse 3* KaUlogr 330. 



Q2 Manuseripie spanisdtm Ursprunges. XIV.-XVUI.JoMl 

Dieser spanische Roman, welcher zuerst In Sevilla 1492 gedruckt 
wurde, ersdiien dann zunächst, ins Italienische fibersetzt von Lelio 
Manfredi, in Venedig 1513. Der Autor der voiüegenden französisdien 
Obersetzung sagt nun in der Vorrede, „der italienische Obersetzer sei 
sein „bon et singulier amy des mains du quel en ce premier voyage 
que le tres oretien roy Franooys premier de ce nom nostre souuerain 
seigneur a faict en Lombardie pour la conqueste de son estat vltra- 
montain ay reoouuert^^ Er hatte also die italienische Obersetzung 1515, 
als er Franz I. nach der Lombardei begleitete, erhalten, und da die erste 
französische Obersetzung im J. 1526 im Druck erschien, ist die Ab- 
fassungszeit der Handschrift ziemlich genau festgestellt — Auch von 
linguistischem Interesse, z. T. in Versen. 

Die Handschrift ist durchweg sauber von einer Hand geschrieben, 
am Ende findet sich von dem gleichen Obersetzer noch ein Horoscop 
auf die Geburt des Dauphin, wonach man die Abfassung der Hs. viel- 
leicht in das Jahr 1518 setzen kann. Vorgebd. ist eine Hs. aus dem 
18. Jahrh. (Indice delle medaglie.) Ober den Roman Leriano y Lau- 
reola s. Oayangos, Catalogo de los libros de caballerias, S. LXXX. 

111 Steuerpriylleffieii, die Stadt Salamanca betr. — Sammlung 
von 22 spanischen handschriftl. Originaldokumenten, enthaltend 
Erlasse u. Verfügungen der Könige Ferdinand IV. (12Q5— 1312), 
Alfons XI (1312—1350), der Königinnen Maria u. Constanzia 
aus den Jahren 1294 — 1340, des Königs Enriquez IV. von 
Castilien (1454—79) von 1467 meist die Stadt Salamanca, deren 
Privilegien u. Lasten betreffend, sowie ein Juramento des 
Königs Philipp II., dal Toledo, 22. August 1560. Sämtlich in 
Folio. 520.— 

Nach der Mitteilung eines hervorragenden Kenners spanischer Litera- 
tur, dem die Sammlung zur Prüfung vorlag, unterliegt die Echtheit der 
Ddcumente iiberhaupt keinem Zweifel. Diejenigen aus der Zeit Fei> 
dinand IV. sind in der Collecdon diplomatica del Rey Don Fernando IV 
nicht zum Abdruck gebracht Von den Urkunden Alfons' XI. werden zwei 
bei Villar y Maxias, Historia de Salamanca Bd. I, S. 442 zitiert — ein 
weiterer Beweis für die Echtheit — aber gleichfalls nicht abgedruckt 
Die Urkunde des Königs Enriquez IV. von 1467 trägt die eigenhän- 
dige Unterschrift des Königs, ist also Original, während anscheinend 
alle anderen gleichzeitige Abschriften resp. Ausfertigungen nach dem 
Original sind. Die Jahreszahlen, soweit sie nach Aera angegeben sind, 
müssen um 38 Jahre gekürzt werden, um auf Jahre Christi gebracht 
zu werden. — 3 Dokumente sind auf Pergament, die übrigen auf Papier; 
13 sind auf der Rückseite mit Siegel versehen, mehrere sind aufklebt 
u. teilweise beschädigt Die Sammlung stammt laut aufgedrucktem Stem- 
pel aus dem städtischen Archive (Alcaldia Corregimento) von Sala- 
manca. 

112 Jacob Tevius, commentarius ofte Oedenkschrift dier saaken 
die door de Portugesen in Indien by Diu uytgerecht zyn in 

Karl W. Hiersemann !n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330» 



Manuscripti spanisdim Ursprunges. XIY.-XVULJaML 93 

den jare onses heyls 1545, beschreeven in iatyn door lacob 
Tevius Portug^Zy ende met opmerkinghe vertaait door Lucas 
van Weerden. 280.— 

65 unnummerierte Bll. Fol. Schöne Papierhandsdirift des angehenden 
XVII. Jahrhunderts in gleichzeitigem, ziemlich wohlerhaltenen braunen 
Lederbande mit Ooldpressungen. 

Von der lateinischen Originalarbeit des Jacob Tevius (portugiesisch 
Diogo de Teive), die zu den wichtigsten älteren Quellenwerken über 
die Geschichte der Portugiesen in Indien gehört, sind folgende Drucke 
bekannt: 

1. Commentarius de rebus in India apud Dium gestis. Conimbricae, 
excudebant Joan. Barrerius et Jo. Alverus 1548. 4. (Brunet, Manuel V, 
1864, S. 766; Temaux-Compans, Bibl. asiat et afr. No. 308). — 

2. — Roma 1601. 4. (Temaux-Compans No. 842). 

3. — in De rebus Hispanids, Lusitanids, Aragonids, Indids et 
Aethiopids opera. Coloniae Agrippinae, in offidna Birckmannica, sump- 
tibus Amoldi MyUi 1602. 8. S. 377—443. 

4. — in Jacobi Tevii opuscula quibus accessit commentarius de rebus 
ad Dium gestis, Parisiis, Ambr. Didot 1762. 

Das Werk behandelt auf Orund von Briefen von Augenzeugen, Ur- 
kunden und anderen guten gleichzeitigen Quellen die wechselvollen Er- 
eignisse in Diu und die während der Jahre 1538—45, also zur Zeit 
der Statthalter Nuno da Cunha, Oarda de Noronha, EstevSo da Oama, 
Martini Affonso de Sousa und Joao de Castro, namentlich die beiden 
schweren, aber erfolgreich abgeschlagenen Belagerungen der Stadt durch 
die Mohammedaner 1539 und 1545, welche eine ganze Reihe geschicht- 
licher und poetischer Darstellungen hervorriefen. Die hier vorliegende 
holländische Obersetzung des Lucas van Weerden ist nach dem Cöhier 
Drucke hergestellt und folgt diesem bis auf wenige unbedeutende Ab- 
weichungen, namentlich in der Schreibung der Eigennamen, von Wort zu 
Wort Sie dürfte, wie auch die sehr sorgfältige und gut lesbare Hand- 
schrift erkennen läßt, zu Anfang des XVII. Jahrhunderts entstanden sein, 
als man infolge der Gründung und Ausbreitung der Ostindischen Kom- 
pagnie in den Niederlanden lebhaftes Interesse für die portugiesischen 
Besitzungen in Indien und deren Geschichte zu hegen begann. Der Text 
läuft wie im latein. Original ohne Kapiteleinteilung von Anfang bis 
Ende durch. Soweit sich bibliographisch feststellen läßt, ist die Ober- 
setzung ungedruckt 



Karl W« Hlcfsemaim in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330» 



94 ManuseripU byzantinrgriedusdim Ursprunges. XIV.—XVULJahrlu 



Manuscripte byzantin.-griechi8Chen Ursprungs« 

Xm. Jahrh. 



113 Griechisches Evangelien- 
lektionar. Byzantinische Per- 
gamenthandschrift des aus- 
gehenden XIII. Jahrhdts., be- 
stehend aus 214 unnummerier- 
ten, doppelseitig und in 2 
Columnen von je 28 Zeilen 
beschriebenen Bll. in 4^, die 
zum Teil lose in einem alten 
mit rotem Samt überzogenem 
Holzbande liegen. Einige wenige 
EH., namentlich gegen Ende hin, 
fehlen, andere zeigen Wasser- 
flecken oder OebraUchsspuren. 
Die Linien sind mit dem Griffel 
eingeritzt. 6500.— 

Vgl. d. AbbUdung Taf. 16. 

Das Buch enthält Abschnitte aus 
• den Evangelien, die beim Gottes- 
dienst vorgelesen wurden. Bemer- 
kenswerte, vom kanonischen Texte 
wesentlich abweichende, für die 
Textgeschichte und Textkritik wich- 
tige Lesarten sind anscheinend nicht 
vorhanden. Von Interesse sind 
vier blattgroBe Federzeich- 
nungen in spätbyzantinischen 
Stile mit späriicher Bemalung: ein 
thronender Christus mit langem 
Haar und geteiltem Bart in rotem 
Untergewand und weißem Mantel, 
umgeben von Maria und Johannes, 
sowie die 3 Evangelisten Johannes, 
Marcus und Lucas, jeder auf einem 
Thronsessel sitzend un4 in ein Buch 
schreibend. Auf der Rückseite des 
Christusbildes befinden sich 20 Oster- 
zirkel mit Inschriften, aus denen 
hervorgeht, daß der erste im Jahre 
1299 n. Chr., der letzte 1318 beginnt 
Die Handsdirift wird also kurz vor 
1299 vollendet worden sein. Be- 
merkenswert sind femer mehr als 
300 Initialen meist in rot oder 



LectionnaireOrec. Manu- 
scrit byzantin sur parchemin 
de la fin du Xllle sitele. 214 
feuillets non num^rot^s, ä deux 
colonnes, ayant chacun'28 lig- 
nes, 4^ Reliure en ais de bois, 
couverte de velours rouge. 
Quelques feuillets sont d£- 
tach6s. Quelques autres sur- 
tout vers la fin, manquent mais 
ils sont tr^ peu nombreux; 
d'autres encore ont des taches 
d'eau ou des traces d'usure. 
Les lignes sur lesquelles le 
texte est ^crit, sont impr^gn^es 
avec un style sur le parchemin. 
6500.— 

Voir la rq>r0diictfoii pl. 16. 

Le manuscrit contient les 6van- 
giles qui se lisent au Service divin. 
Apparemment ce texte ne diff^re du 
texte canonique par aucune Variante 
remarquable, qui pourrait int^resser 
l'liistoire ou la critique du texte. 
Le manuscrit est om6 de quatre 
dessins ä la plume, lav6s, ä 
pleine page, en style byzantin. 
Le Christ assis sur un tr6ne en 
v^tement de dessous rouge et man- 
teau blanc, ä c6t6 de lui la vierge 
et St Jean et les trois 6vang61istes 
St Jean, St Marc et St Luc, chacun 
d'eux assis sur un tröne et foivant 
dans un Ihnre. 

Au verso de l'image du Christ 
on voit 20 qrdes pascals avec 
inscriptions, le premier commen^nt 
en 1299 p. C. n. et le demier en 
1318. Apparemment le manuscrit 
a ^t^ achev^ peu de temps avant 
1299. En autre le livre est om6 de 
plus de 300 initiales, le plus 
souvent en rouge ou en bleu, et 
contient de nombreux omements 



Karl W. Hkrseinaim !n Leipzig» Königastrasse 3* Katalog 330. 



OrienL Manuscripte orientalischen Ursprunges. XUl.-XlX. Jahrfu 05 

blau, sowie zahlreiche, eigenartig originaux peints en couleurs diff£- 
omamentierte, gleichfalls bunt aus- rentes, plac^s entre les divisions 
gemalte Kopf- und Schluß-Stücke principales du texte, 
zwischen den größeren Abschnitten 
des Textes. 

Ptolomaeus s. Abt ,Mss. Orient. Urspr/ 



Orient« 



A. Manuscripte orientalischen Ursprunges. 

XIIL— XEL Jahrh. (europäischer Zeitrechnung). 

114 Arabisches Manuscript, in Folio, 444 Seiten, 2Q Zeilen auf 
der Seite, schwarz, rot und gelb, mit säuberiicher roter Rand- 
einfassung. In schönem roten Maroquinband, mit Klappe, 
orientalischen Ornamenten in Blindpressung. In den Ecken 
lilienartiges Ornament in Ooldpressung. Ende des XVIII. 
Jahrhunderts. 50. — 

Ein juristisch-dogmatisches Traditions-Werk, in einer Reihe von Trak- 
taten, die verschiedensten Gegenstände behandelnd; z. B. über das Ver- 
halten beim Verkauf, über die Reue, das Wissen etc. 

Ein kalligraphisches Meisterwerk aus der Bibliothek von San Donato, 
mit dessen Stempel auf dem vorletzten Blatt Mit dem Ex-libris Ana- 
tolij Nikolajewitsch Demidoff. 

115 Armenisches Bvangeliar. Armenian Bvan^eliar^. 

Handschrift in 4^, im Jahre 1629 Manuscript in 4^, finished m 

in Ispahan beendet. 274doppel- 162Q at Ispahan. 274 leaves 

seitig beschriebene Papierblätter of paper, inscribed on both 

mit 8 blattgroßen Miniaturen sides, with 8 full-page minia- 

u. zahlreichen Randomamenten. tures and numerous borders. 

Blattgröße 21X15 cm. In altem, Size of each leaf: 21X15 cm. 

hellbraunen Lederbande, der in Worm-eaten. Ad light brown 

Lederpunzarbeit ein von einer leather-binding, showing a 

Bordüre umschlossenes Kreuz punched cross within a border. 

als Dekoration zeigt. 1750.— 1750.— 

Vgl. d. Abbildung Taf. |§ n. See the fignre pl. tt n. 

Das Manuscript — mit Praefa- The ms. — with praefationes, 

tiones, synoptischen Tabellen, An- synoptic tables, indication of the 

gäbe der Parallelstellen am unteren parallel passages and of the Ammo- 

Rande und Bezeichnung der ammo- nian sections, is written in round- 

nianischen Sektionen links am Text band, in two columns, each of 21 

Karl W. Hiersemann in Leipdgr Könlgsstrasse 3. Katalog 330» 



96 OHmL Manasaipte oriadalisdun Ur^mages. XUl.-XiX.JaML 



— hmteingezeiefanetemMemoranduin 
im Jahre 1629 in Ispthan vollendet, 
ist in Riindsdiiift zu 2 Cotuninen 
— jede zu 21 Zeflen — mit scJiwaizer 
Tinte ^geschrieben, nur die Uber- 
sdiriften sind in goldener, blauer 
und roter Farl>e gehalten. 

Als Dekoration des Randes gehen 
durdi das ganze Manuscript zahl- 
reiche, buntfarbige Ornamente in 
steten Variationen. 

Die 8 blattgroBen Mhiiaturen 
zeigen die 4 Evangelisten ohne die 
ihnen hi der abendlindisdien Küche 
zuerteüten Attribute, auch sonst ab- 
weichend von dieser diarakterisiert, 
an Schreibpulten sitzend, mit der Auf- 
zeichnung ihrer Schriften beschäf- 
tigt Die Miniaturen, auf goldenem 
Grunde in fibersatten Deckfarben 
gemalt, zeigen in Darstellung u. Oma- 
mentierung ausgesprodien byzan- 
tinischen Charakter und gehen wohl 
auf alte byzantin. Vorlagen zurück. 
Höchst interessant sind die ersten 
Seiten der Evangelien. Hier haben 
wu* 4 sehr originelle und für die 
ostbyzantinische Ornamentik charak- 
teristische Miniaturen vor uns. 

Unter starkem orientalischen 
(persischen) Einflüsse, sind diese 
auf goldenem Grande in den bunte- 
sten Deddfarl>en gehaltenen Deko- 
rationen von einer Welt stilisierter 
Tiergestalten belebt, sodaß fast jedes 
Ornament auf einzoomorphisches 
Motiv — ehi Charakteristikum dieses 
Stiles — zurückzugehen sdieüit 

Besonders Vögel: Papageien, 
Pfauen, Fasanen, Tauben, dann auch 
andere Tiere : Hh-sche, Rinder, Katzen, 
Hunde, Fische, sind in hödist gra- 
ziöser Weise stilisiert und zur Deko- 
ration von Ranken, Eckstücken, Bor- 
düren, Ausläufern, ja sogar zu Buch- 
staben von Kapitel - Überschriften 
verwandt 



Ifaies, wtfli Uack hik, only tiie tities 
are in gokl, bhie or red. 

There are numerous oolonred 
ornanients in great variety tfaiougfa- 
out the volume. 

The eight fuD-page miniatures 
represent the 4 evangelists and the 
b^ginnings of the gospds. 

The evangelists, without the tra- 
ditional athibutes, are sitting at 
writing-desks,oomposhig the gospds. 

The mhiiatures painted on gokl 
ground m deep body-colours, show 
a dedded Byzantine character, both 
m composition and oraamentation. 
They are apparently copies of oki 
Byzantine modeis. 

The first page of the gospels are 
of a particular mterest Here we see 
four most shigular miniatures, being 
characteristic spedmens of Eastera 
Byzantine oraamentation. 

Made under Oriental (Persian) 
influence, these Ornaments, in varie- 
gated body-colours on gold ground, 
are anunated with a multitude of 
animals, almost each oraament show- 
ing a zoomorphic motive. 

Espedally birds (parrots, peacodcs, 
pheasants, doves), stags, neats, cats, 
dogs, fishes etc are most gracefully 
painted and used för the oraamen- 
tation of tendrUs, coraer-pieces and 
borders, even för letters in the tities. 

A most valuable spedmen of the 
mixture of Byzantine and PersUm 
oraamentation. 



Ehi für diese Mischung byzan- 
tinischer und persischer Ornamentüc 
besonders wertvolles Manuscript 

Lefcier gehen Wurmstiche — die 
Handsdirift ist auf Papier nieder- 
geschrieben — durch das ganze 
Manuscript 



Karl W« Hiefsenunn in Leipzig, Ktaigsftraasc 3* Katalog 330» 



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OrienL Manuscripte oHerUaUsdten Ursprunges. XIIL-XIX.Jahrh. QJ 

116 Ärvieux, Laurens d'. — M^moires de Laurans d'Arvieux, 
Chevalier de TOrdre Royal de Nostre-Dame du Mont-Carmel 
et de Sainct Lazare de Jerusale. 2 vols. In Folio. Manuscript 
Neue Halbkalbldrbe. Bd. I: VIII, 702 pp. u. 3 Stammtafeln. 
Bd. II: 746 pp. m. I genealog. Stammtafel. 2600.— 

Der Verfasser, ein bekannter französischer Orientalist (1635—1702), 
schrieb seine Memoiren auf Anregung verschiedener Freunde, so ver- 
schiedener Minister, der Sekretäre der Akademie der Wissenschaften 
Thevenot und Justel, nieder, mit dem Wunsche, daß dieselben nicht ge- 
druckt werden sollten. Vorliegende Handschrift wurde aus den Tage- 
büchern und sonstigen Notizen vom Verfasser selbst zusammengestellt, 
von einem Kalligraphen geschrieben, und scheint zur Aufbewahrung in 
der Familie bestimmt gewesen zu sein. 

Die kalligraphisch vorzüglich ausgeführte Handschrift stammt aus dem 
Ende des XVII. Jahrhunderts. Sie beginnt mit einer genealogischen Nach- 
richt derer von Arvieux, welche nach Angabe des Autors aus Alexan- 
drien stammen. Hierzu 3 Tafeln mit dem Stammbaum. Hieran schließt 
sich eine Selbstbiographie des Verfassers bis zu seiner ersten Reise nach 
Smyma (1655), welche er auf der französ. Fregatte „Postillon" antrat. 
Ober den ferneren Inhalt geben wohl folgende Hauptüberschriften die 
beste Auskunft: 

Vol. I : Livre I. Voyage ä Smyrne. — De la ville de Smime et de ce 
qui s'y est pass6 pendant mon s^jour. — Voyage en Egypte. — De la 
ville d'Alexandrie. — Voyage de Rosset et de Damiate. — Voyage de 
Palestine. — De la ville de Sour ou Tyr. — D^Acre ou Ptolomaide. — De 
la ville d'Acre. — De la ville de Sidon ou Seide. — Des denr6es de Seide 
et de son commerce. — De ce qui s'est pass6 sur la r^ception de Mr. 
Ant Betandier au Consulat de Seide. — De FEmir Fekhredalin. Princes 
des Druses de la famille de Maan. — De PEmir Melhem Maän et ses 
successeurs. — De ce qui arriva entre l'Emir Ahmed et l'Emir Corqmaz 
et Mehmed Aga, Gouverneur de Seide. — D^Aly Pacha de Seide ctc — 
De Mehmed Pacha de Seide ctc. — De la milice des Pachas de Mah- 
moud Efendy Alepin, Cady de Seide etc. 

Livre II. Cont les voyages particuliers de la Oalil6e, de les Samarie, 
de la Iud6e, de la Palestine, des SS. Lieux de Jerusalem, du reste de 
la Terre Sainte, et autres cndroits de la Sirie: Voyage de Oaza. — De la 
ville de Rama etc — De la ville de Oaza. — De Hussein Pascha de Oaza, 
sa famille et sa mori — De la ville d'Ascalon. — Nostre retour de Rame 
ä Seide par les Samarie. — Voyage aux saints Ueux de la Terre Sainte. — 
De ce que j'ay veu depuis la ville de Jaffa jusqu'ä Jerusalem. — De F6glise 
du Saint Sepulcre. — Des c^r6monies, qui se fönt dans l'^glise du S. 
Sepulcre. — Du feu saint des Orientaux. — Diverses remarques sur le 
Service des religieux dans la Terre Sainte. — De l'Ordre du St Sepulcre 
de Jerusalem et de la c6r6monie qu'on fait ä la reception des Chevaliers. 
— Du Mont-Sion et des autres Lieux, qu'on voit dehors de la ville de 
Jerusalem. — Voyage en Bethanie. — Du Jourdain etc. — Visite des 
S. Lieux, qui sont dans Tendoire de la ville de Jerusalem. — Voyage k 

Karl W. Hiefsemann In IMpügf Könlgfsstrasse 3* Kataloge 330* 

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98 Orient Mamtseripte orieiäaUsdim Ursprunges. XIII.- XIX. Jahrk. 

Bethl6em. — De Bethl6em. — Du voyage d'Hebron. ^ De It vflle 
d'Hebron. — Du voyage au desert de Saint-Saba — etc. 

Livre III. Contenant les voyages de Barut, de Tripoly de Syrie, du 
Mont-Liban et de Damas. Du voyage de Seide ä Barut ^ Ville de 
Barut ou Beirout — Du Cheikh Nader Khazen. — Des Evesques Isaac 
et Sergius Oamerius. — Du voyage de Barut ä Tripoly de Syrie. — 
De Tripoly. — Descript g^n. du Mont-Liban. — Voyage au Mont-Ubam 

— Voyage du M. Liban ä Damas. Ville de Damas. — De Damas ä 
Seide. — De ce que j'ay fait ä Seide jusqu'ä mon d6part p. le voyage 
chez les Arabes du Mont Carmel. — 

Livre IV. Contenant la relation d'un voyage, fait chez les Arabes du 
Mont-Carmel et tout de qui s'y passa pendant mon s6jour. Aveoque 
les observations, que j'y ay faites, sur les moeurs et les coütumes de ce 
peuple, et beaucoup de singularit6s inconnues jusques aujourd'buij 
aux voyages d'Orieni Des Arabes en g6n6ral. — Religion des Arabes. 

— Moeurs des Arabes. — Justice des Arabes. — Cuisine des Arabes etc. 
Vol. II: Journal de Tunis, contenant la relation de mon voyage, 

de mes negociations, et de tout ce que j'y ay fait pour le Service du 
Roy, pour le rachapt des esclaves fran^ois, pour le restablissemant du 
commerce, et pour l'execution du traitt^ de paix conclu p. M. le Duo 
de Beaufort le 26. XI. 1665. — Journal de Paris, contenant tout ce quI 
s'est pass6 depuls mon d^part de Marseille jusques ä mon d6part de 
Paris, pour le voyage, que je fis ä la Porte du Orand Seigneur Em- 
pereur des Turcs par le commandement de S. M. — Journal de Con- 
stantinople, contenant tout ce qui s'est pass6 depuis mon d6part de 
Paris, pendant mon voyage et mon s6jour ä Constantinople et ä Adri- 
nople, jusques ä mon retour ä Paris. Avec les negociations que faj 
veu faire, par M. le Marquis de Nointel, Ambassadeur de S. M. en 
Levant, tant ä la Porte, qu'ä la Cour du Orand Seigneur. — Second 
Journal de Paris. — Journal d' Alger. — Troisi^me Journal de Paris. — 

mr Diese Memoiren sind ganz besonders wichtig für die Geschichte 
der Beziehungen Frankreichs zum Orient Sie wurden nach seinem Tode 
1735 von P. Labat veröffentlicht, aber der Text stimmt nicht mit 
meinem Manuscripte überein. Labat machte willkürliche 
Streichungen und Änderungen, so daß obige Handschrift 
ganz besonderen Wert hat, da sie unverkürzt ist 

Auf den Stammtafeln befinden sich in getuschter Federzeichgnung 
sauber ausgeführte Wappen von einem zeitgenössischen Kalligraphen 
ausgeführt. Auf dem Titelblatte eine Federzeichnung, Devise der Familie 
Arvieux mit Marquis-Krone und mit Lorbeerzweigen umrahmt Diese 
Zeichnung wiederholt sich in veränderter Form mehrere Male. 

117 Äthiopisches Manuscript aus dem XV. Jahrh. — 300 Zeilen 
in aethiop. Schrift sauber in schwarz und rot quer Ober einen 
208 cm langen und 7 cm breiten Pergamentstreifen geschriebeni 
augenscheinlich vor dem XVII. Jahrh. entstanden. Der Streifen 
ist aus 3 einzelnen Teilen zusammengeheftet; jeder derselben 
b^nnt mit einer in rot, gelb und schwarz ausgeführten em- 

Kaf I W* Hiefsemann in Lelpzigr^ Könlgfsstrasse 3* Katalos: 330» 



Tafel 17. 




No. 115.'gARMENISCHES EVANOELIAR. Evangelist. 
Ispahan 1629. 



OrienL Manuseripte orientalisdun Ur^mnges. XIII.'-XIX.JahHL 99 

blematischen Zeichnung von 24, 19 und 13 cm Höhe^ auf 
denen sich ungeschickte Nachbildungen menschh'cher Gestalten 
und Kreuze, deren gleichlange Arme breit endigen (wie Ordens- 
kreuze), vorfinden. lOO» — 

118 Äthiopisches Manuscript 100 Bl. Pergament, nur gegen 
das Ende hin einige (10) Papierblätten Schrift von verschiedenen 
Händen herrührend, in der ersten Hälfte der Handschrift ge- 
fällig und deutlich, in der zweiten weniger sorgfältig. Ober- 
schriften und Stichwörter rot. 480. — 

Abess. Origin. Einband in Lederfutteral, augenscheinlich von einem 
Eingeborenen für den Handgebrauch aus rotem Wildleder gefertigt 

Die Hs. setzt sich aus zwei verschiedenen Teilen zusammen, die sich 
deutlich von einander, abheben, der erste bis Bl. 52 reichend, 12 cm 
hoch, 9 cm breit, zu 19 Zeilen, gehört etwa dem XVII. Jahrh. an. Bl. 1 
u. 2 enthalten allerlei Notizen u. ein Gebet Dann folgt 

Bl. 3 — 40 a: die Hauptmasse des Buches, 7 lange Gebete für die 
einzelnen Tage der Woche, mit dem Montag beginnend. 

Bl. 40a~41: ein amharisches Gebet, und Notizen über den ehemali- 
gen ersten Besitzer des Buches, den Gelehrten (Mamehher) Walda Mar- 
jam, dessen Name auch sonst im Text oft zu finden ist 

Bl. 42 a: der Anfang des Evangeliums Johannis. 

El. 42b—43a: Bruchstück eines Gebets. 

El. 43 b — 45: das unter dem Namen Egziabeher za-berhanat allge- 
mein bekannte Ge'bet 

Bl. 46 a leer. 

Bl. 46 b— 52 a: die Liturgie (Akuateta querban) Jesu Christi. 

Bl. 52 b: Notizen u. dgl. 

Der zweite Teil der Hs. reicht von Bl. 53—100, er ist lU/j cm hoch 
u. 8 cm breit, die Seite zu 18 Zeilen. XVIIL Jahrh. 

Bl. 53 a— 65 a: Lefafa sedq (Binde der Gerechtigkeit) d. i. eine Samm- 
lung von Gebeten, die auf lange Streifen geschrieben wurden, mit denen 
man die Körper der Verstorbenen umwickelte, damit sie vor Gott ge- 
rechtfertigt dastehen könnten. 

Bl. 65 b— 73 a: Salam an den Erzengel Michael und zwar der, welcher 
beginnt: Salam la-zelra semeka mesla sema le ui zatasatafa. 

Bl. 73 a— 78 a: Salam an Johannes d. Täufer. 

Hiermit ist die Handschrift eigentlich zu Ende, was noch folgt sind 
ganz willkürlich zusammen- und dadurch ineinander-geheftete Blätter 
mit Bruchstücken aetheopischer und amharischer Gebete, nur das auf 
Papier geschriebene bietet noch Interesse und ist ein einheitliches Ganzes. 
Bl. 80—85, 92—95: Hymnus an die Dreieinigkeit, beginnend: Salam 
la-hellavekemmi zajemave hellavejata. 

Mit einigen einfachen Einzeichnungen. 

Karl W* Hiefsemann In IMpü^f Könl^ttrasse ^.; Katalos: 330* 

: : • '. 7* 



100 OrUnL Manuscripte orientaUsdun Ursprunges. XUL—XlX.J^ihrh. 

Ehekontrakte, hebräische (in aramäischeni Dialekte). 

IIQ Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt gegeben 
Freitag d. 9. Cheschwan 5441 (=ca. Oktober 1680) in Padua. 

180.— 

Bräutigam: Chajim Moses, Sohn des Asrial Kohen mehachasonün 

(d. h. Cantarini). 
Braut: Regina, Tochter des seligen Israel Cohen mehachasonim (d. h. 

Cantarini). 
Zeugen: 1. Israel Chiskia Basan; 2. Isaak Chajim Cohen mehachasa- 

nim (d. h. Cantarini) ; 3. Unterschrift des Bräutigams. 

Eine Blumenbordüre, oben sich verbreiternd, umgibt das Ganze. In 
besonderer Umrahmung oben eine Krone u. darunter 2 Hände in der 
Stellung, wie sie von den Cohanim (Nachkommen der Priesters Aron) 
beim Rezitieren des Priestersegens gehalten werden, als Emblem für 
„Cohen". 

Ein vierstrophiges Gedicht in neuhebräischer Sprache läuft durch die 
Blumenbordüre der Säulen zu beiden Seiten und lautet in wörtlicher Ober- 
setzung: 1. Er, der wohnend macht Einsame in einem Hause und in 
Ruhe, der bringe Geliebte zusammen in gesegneter Stunde. 2. Gekrönt 
ist der Bräutigam, die Krone seiner Braut, ein Kranz der Anmut, ist ihre 
(des Brautpaares) Umschlingung unter dem Schatten eines Baldachins. 
3. Seht doch die Schöne und Huldvolle, eine Braut hervortretend dem 
Monde gleich, der in seiner Fülle (d. h. als Vollmond) emporsteigt 4. Es 
mögen sich freuen beide, Bräutigam und Braut, in Reichtum und in Ehre 
ohne Ende und Grenze. Im Halbkreis oben die Worte: Unter gutem 
Zeichen. 

Der Zeuge Isaak Chajim Kohen Cantarini ist der mit den Initialen 
seines Namens ,JEchconi' zeichnende Autor des Werkes „Eth-Kes", 
Arzt und Rabbiner, geb. 2. Febr. 1644 in Padua, gest daselbst 8. Juni 
1723 (Jewish Encydopedia III, 535). 

120 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben 
Freitag d. 13. Nisan 5507 (= ca. März 1747) In Ancona. 

200.— 

Bräutigam: Mordechaj, Sohn des Jehuda Sonino. 

Braut: Rosa, Tochter des Gedaljo aus Sinigalia. 

Zeugen: 1. Abraham ben Jehude de Constantini. 2. Gerson Asis (?). 

Unten ein Codicill, die Regelung von Erbangelegenheiten, die Ver- 
pflichtung der Brüder des Bräutigams zur „Chaliza'' (u. anderes mehr) 
betreffend. 

Von reich in Farben gemalter Bordüre umgeben, das Kopfstück be- 
sonders breit und schön ausgeführt Die unter dem Kopfomament und 
auf dem Rande links befindlichen Worte lauten in wörtlicher Übersetzung: 
„Unter gutem Zeichen und vorzüglichem (bestem) Glück für den Bräuti- 
gam u. die Braut u. für ganz Israel, Amen, so sei der Wille (Gottes). 
Unten u. am rechten Rande sind die Worte aus dem 4. Buch Mosis 6, 
24 — 26 (der Priestersegen) zu lesen. 

Karl W* Hieraeqiann in. Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330. 



Orient Manusaipte oruniaUsdun Urspnuiges. XIIL-XIX.Jahrh. 101 

Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte). 

121 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt gegeben 
Montag den 13. Adar 550Q (= ca. März 1749) in Ferrara. 220.— 

Bräutigam: Pelatja Raphael Chajim, Sohn des Jacob Menachem min 

ha'adumim (d. h. de Rossi). 
Braut: Bela Rosa, Tochter des seligen Mordechaj Pesaro. 
Zeugen: 1. Isaak ben Samuel Lampronti; 2. Elischa Michael ben Und 

Ponzi. 

Zu Oberst in dem breiten, reich dekorierten Kopfomament eine Krone, 
zu deren rechten und linken Seite die Worte angebracht sind (aus Sprüche 
12, 4): „Eine wackere Frau ist die Krone ihres Mannes". 

Darunter ein Wappen, auf dem ein Löwe dargestellt ist, der eine 
Palmenrispe besteigt Zu beiden Seiten in Ooldschrift die Worte: „Unter 
gutem Zeichen". 

Zu den schön in Farben ausgeführten Omamentrahmen sind die Zei- 
chen des Tierkreises eingestreut und an den 4 Ecken finden sich alle- 
gorische Darstellungen der vier Jahreszeiten, wohl eine Andeutung dahin, 
daß es dem Brautpaar zu jeder Zeit wohl ergehen möge. 

Die in der kunstvollen Blumen- und Bandomamentik verteilten bib- 
lischen Verse sind: 1. Mosis 27, 28. Hohes Lied 1, 13. Jesaja 61, 10. 11., 
62, 1. 2. Ruth 4, 11. 12 Spriiche 5, 18. 14, 1. 18, 22. 

Der Zeuge Isaak Lampronti, Arzt u. Rabbiner, geb. 3. Febr. 1679 
in Ferrara, gestorben daselbst 16. Nov. 1756, ist der Verfasser des be- 
rühmten Werkes „Pachad Ischak", das als Reallexikon des Talmud noch 
heute sehr geschätzt wird. (Jewish Enciclopedia VII, 601). 

122 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben 
Mittwoch d. 7. Cheschwan 5515 (= ca. Sept 1754) in Saloniki. 

145. — 

Braut: Esther, Tochter des Abraham Malavida aus Ferrara. 

Zeugen: 1. Isaak Halevi; 2. Isaak Morpurgo; 3. David Morpurgo; 

4. Moses Chajim Morpurgo; 5. Isaak ben Elichahu Scharangi (?). 

Links ein Codicill zur Regelung der Erbberechtigung für den Fall, 
daß der Mann oder die Frau stirbt, ohne Kinder hinterlassen zu haben. 
In demselben Codicill die Verpflichtung des Bräutigams keine Nebenfrau 
oder Geliebte sich anzuschaffen u. a. m. 

Unten ein Vermerk von den jüd. Richtern in Saloniki, datiert vom 
20. Siwan 5524 (=» ca. Mai 1764), über die bereits erfolgte Auszahlung 
eines Teiles der der Frau verschriebenen Summe. Unterzeichner dieses 
Vermerks sind 1. Jochanan Halevi, 2. Jakob Scheraro (?), 3. Benvenisti, 
Sohn des Oeronimi. 
Bräutigam: Isaak, Sohn des David Morpurgo. 

Das schön in Handmalerei ausgeführte, breite Kopfomament wird von 
drei aus stilisiertem Blattwerk gebildeten Säulen getragen, über deren 
Kapitalen in Ooldbuchstaben die Worte geschrieben sind: „Unter gutem 
Zeichen und vorzüglichen Qlück". Am rechten und linken Rande an der 
Säule sich emporwindendes Rankenwerk. Unten, die Zwischenräume 
der Säulen füllend, zwei Papageien. Im Kopfomament, in wappenähnlicher 

Kaf I W* Hicfsemann In Leipzig» Königsstr assc 3* Katalog 330» 



102 Orient Manuseripte orientaUsdien Ursprunges. XUL'-XIX. Jakriu 

Umrahmung^ mit zwei bunten Vögeln der Vers aus Sprüche 10, 22. 
Darüber eine Krone, die von zwei Engeln getragen wird. Rechts und 
links ein Springbrunnen mit je zwei wasserspeienden Tierkopfen. Da- 
neben ein Papagei. In der Hauptsache ist Rot und Orün verwendet in 
verschiedenen Abtönungen, dazwischen etwas Oelb und Blau zerstreut 
u. das Ganze reich mit Oold gehöht Die beiden Seitenränder tragen 
zwischen zwei goldfarbigen Linien die Worte aus Ruth 4, 11. 12. 

In bezug auf Ornamentik u. auch kulturgeschichtlich sehr interessant 
und beachtenswert 

Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte). 

123 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben 
Freitag den 14. Tischre 5516 (= ca. Septemb. 1755) in Cinto. 

100.— 

Bräutigam: Israel, Sohn des Meir Chaj Halevi FinalL 

Braut: Bat-Scheba, Tochter des Isaak Asriel Halevi. 

Zeugen: 1. Isaak aus Modena, Sohn des Menachem; 2. Isaak Jedidja 

Solidino (?). 

Die Umrahmung, Handmalerei, in lebhaften Farben gehalten, bildet 
eine Art Portal, das von zwei Säulen getragen wird, zwischen denen 
oben die Worte zu lesen sind: „Unter gutem Zeichen und vorzüglichem 
Glück". Darunter in besonderer Umrahmung auf blaßgrauem Gründe 
eine Hand, die aus einem Krug Wasser in ein Becken gießt Dies soll 
ein Hinweis sein auf Halevi (= der Levite), da bei der von den Pries- 
tern vor Erteilung des Priestersegens vorgenommenen Händewaschui^ 
die Leviten das Wasser auf die Hände der Priester zu gießen pflegen. 

124 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben 
Freitag den 10. Cheschwan 5550 (= ca. Septemb. 1789) in Ce 
nadi. (? die hebräische Schreibung lautet eher Cinida). 120. — 

Bräutigam: Salomo David, Sohn des Jacob Qaustla. 

Braut: Simcha, Tochter des Jeremia Romanin. 

Zeugen: 1. Simon ben Jesua Lusato; 2. Urija Spongi; 3. Unterschrift 

des Bräutigams. 

Von einigen farbigen Linien und etwas Rankenwerk, in Rot, OrQn 
u. Oelb gemalt, umgeben. Oben im Schilde die Worte aus Sprüche 12, 
4., 18, 22. 

Innerhalb der Einrahmung oben heißt es: „Unter gutem Zeichen 
und vorzüglichem Olücke". An den beiden seiüichen Rändern u. am 
am unteren Rande zwischen zwei schwarzen Linien die Worte aus 
Ruth 4, 11. 12. 

Unten sind die 4 Jahreszeiten dargestellt Darüber die Worte aus 
Jeremia 33, 11. Rechts oben ist eine kleine Ecke Pergament abge- 
rissen, ebenso ist der rechtsseitige Rand ein wenig beschädigt 

125 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gqg[eben 
Freitag d. 1. Kislew 5559 (= ca. Novemb. 1798) in Cinto. ÜO.— 

Bräutigam: Salomo Abraham, Sohn des Jacob Chajim Panzi. 
Braut: Rahel Toba, Tochter des Jacob Israel Modena. 

Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330« 



Orient. ManaseripU orimtaüsdun ürspmnge&. XIIL-XIX.JahHu \Qß 

Zeugen: 1. Israel Eljakim ben Mesulam Ismael Rimini; 2. Elasar 

David ben Isaak Koben. 

Von breitem, hübsch in Farben gemalten, stilisiertem Blatt- u. Blüten- 
ornament-Rahmen umgeben, der sich nach oben verbreitert Hier finden 
sich innerhalb einer reichen Randverschlingung, in Oold gemalt, die Worte 
aus Sprüche 31, 30. 31. 

Um den äußeren Rand zieht sich rot gemaltes Bandwerk, in dem 
die Worte aus Ruth 4, 11. 12 symmetrisch verteilt sind. Auf dem unteren 
Rande liest man in besonderer Umrahmung die Worte: „Unter gutem 
Zeichen und vorzüglichem Olück für den Bräutigam und für die Braut 

Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte). 

126 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben 
Freitag d. 1. Kislew 5562 (ca. Nov. 1801) in Rovigo. ßO.-- 

Bräutigam: Salomo, Sohn des Moses Aaron Luzato. 

Braut: Simcha Alegra, Tochter des David Anav. 

Zeugen: 1. David Chajim, Sohn des Abraham Samuel Dojana; 2. Isaak, 

Sohn des Samuel Modena; 3. Italienische Unterschrift des Bräutigams. 

Der außerordentlich reich in Farben gemalte, teilweise mit Oold ge- 
höhte breite Rahmen, auf dem die Darstellung von Adam u. Eva im 
Paradies besonders bemerkenswert ist und auch die Ausführung der 
Bilder des Tierkreises Beobachtung verdient, stammt wohl von einem an- 
deren älteren Ehekontrakt her; er ist auf das Pergamentblatt aufgeklebt 

Die unter dem Kopfornament goldfarbig gezeichneten Worte lauten; 
„Unter gutem Zeichen u. vorzüglichem Olück." 

127 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben 
Freitag d. 4. Siwan 5562 (ca. Maj 1802) in Lugo. 85.— 

Bräutigam: Menachem, Sohn des seligen Samuel Moses Kohen. 

Braut: £>ebora, Tochter des seligen Natanael Pinto. 

Zeugen: 1. Isaak Berachja, Sohn des Menachem Esra Chajot; 2. Jacob 

Jach ja; 3. Berachja (unorthographisch) Aron Berachja Jachja. 

£>er Text ist eingerahmt von stilisiertem Blattornament in Federzeich- 
nung auf rosa Orund. Diese Bordüre ist wieder von reich in Farben 
gemalten Blätter- und Blütenwerk umgeben, das sich nach oben ver- 
breitert und die Worte umschließt: „Unter gutem Zeichen und vorzüg- 
lichem Olück für den Bräutigam und für die Braut und für ganz Israel, 
Amen.'' Zu beiden Seiten davor 1 Engel. Unten in der Mitte des 
Blumengewindes die Worte aus Jeremia 33, 11. 

128 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben 
Mittwoch den 15. Menachem (= Ab) 5563 (= ca. Juli 1803) 
in Ancona. 180. — 

Bräutigam: Moses Chajim, Sohn des Mazliach Jona aus Spalato. 

Braut: Simcha Toba, Tochter des Jehada Chajim Sonino. 

Zeugen: 1. Chajim Josua Sabbataj d'Askoli; 2. Samuel ben Simson 

Nachman. 

Unten Codidll betreffend die Erbschaft für den Fall, daß der Mann 
oder die Frau stirbt, ohne Kinder hinterlassen zu haben. 

Karl W. Hicfsemann in Ldpxig^ Königsstrasse 3* Katalos: 330» 



104 OrienL Manusaipte oriaäalischm Ursprunges* XIII.'-XIX.JaMu 

Von breitem Oraamentrahmen, in rot, grün undOold gemalt, umgeben. 

Im Kopfstück ist Moses, die zwei steinernen Gesetzestafeln in der 
Hand haltend, abgebildet (wohl in Anspielung auf den Vornamen des 
Bräutigams). 

Mitten in der Umrahmung rechts ist die Figur eines bewaffneten 
Juden angebracht, über der die aus 1 Mosis 49,9 entlehnten Worte: „Ein 
Löwenjunges ist Juda'^ sich befinden, als Anspielung auf den Vornamen 
des Vaters der Braut 

Links in der Umrahmung die Abbildung eines Vaters, der seiner 
Tochter den Segen erteilt 

Unten in der Umrahmung ist der Bibelvers Sprüche 19, 14 angebracht 
Im Kopfomament besonders eingerahmt die Worte „Unter gutem Zeichen 
und vorzüglichem Glück (od. Stern) für den Bräutigam, für di6 Braut 
und für ganz Israel Amen, so sei der Wille.'' 

Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte). 

12Q Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben 

Mittwoch den 9. Nisan 5574 (= ca. März 1814) in Sinigalia. 100.— 

Bräutigam: Moses Sabbataj, Sohn des seligen Jacob Chajim d'Obadia. 

Braut: Beraka, Tochter des seligen Mahalalel Raphael Oalico. 

Zeugen: 1. Raphael Matitja Nisim Timi; 2. Sabbataj Mordechaj da 

Komarini. 

In farbiger Umrahmung. Handmalerei. 

Oben im Kopfomament die Worte: „Unter gutem Zeichen und vor- 
züglichem Glücke für den Bräutigam, für die Braut und für ganz Israel 
Amen." Darunter in der Mitte ein kleiner Springbrunnen mit zwei wasser- 
speienden Köpfen. Zu beiden Seiten je ein bunter Vogel mit langem 
Schweif, der ein mit dem Springbrunnen verbundenes Band hält 

Bei der unter dem Springbrunnen, zwischen einer roten und rosa- 
farbigen Linie angebrachten Ouirlande sind die Worte aus Sprüche 18, 22 
verteilt Am rechten Rande ein Bildnis, welches die Braut darstellt, 
worauf die aus 5 Mosis 33, 1 entnommenen Worte hinweisen; das Bild 
am linken Rande stellt den Bräutigam dar, worauf mit den aus 2 Mosis 
32, 1 entlehnten Worten hingewiesen wird. 

£>er untere Rand trägt in besonderer Umrahmung in Anspielung auf den 
Vornamen der Braut die Worte aus Psalm 24, la. An den Rändern 
etwas eingerissen. 

130 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt g^[eben 
Freitag d. 7. Schebat 5579 (= ca, Februar 1819) in Modena. 

100.— 

Bräutigam: David Salomo, Sohn des Abraham Our Arje Cohen. 
Braut: Sara Hanna genannt Cajarita, Tochter des Simson Abraham 

Parinzo. 
Zeugen: 1. Asarja Chajim Sanguineti; 2. (Vorname unleserlich) Sohn 

des Salomo Jedidja aus Sinigalia. 

Rechts und links je eine Säule, die durch zwei Bogen verbunden sind, 
auf und unter denen bunte Vögel angebracht sind. Den äußeren Rand 

Karl W* Hicfsemann In Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330* 



Orient Manuseripte orietäaiisdien Ursprunges. XIIL-XIX.Jahrh. 105 

bildet eine Blatt- und Blütenranke. Im Kopfstück eine Krone und dar- 
unter 2 Hände in der Stellung, wie sie von den Cohanim (Nachkommeii 
des Priesters Aron) beim Rezitieren des Priestersegens gehalten werden, 
als Emblem für Cohen. Unter diesem Emblem stehen in Ooldfarbe aus- 
geführt die Worte: „Unter gutem Zeichen und vorzüglichem Glück/' 

Zu beiden Seiten ein bunter Vogel auf einem Zweig sitzend, das gleiche 
am unteren Rand. 

Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte). 

131 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt g^eben 
Mittwoch d. 2. Tebet 5582 (= ca. Dezemb. 1821) in Lugo. 

130.— 

Bräutigam: Jesaja, Sohn des Abraham Sabbataj Porli. 

Braut: Rica, Tochter des Moses Mordechaj aus Sinigalia. 

Zeugen: 1. Sabbataj ben Isaak Jachja;.2. Pinchas ben Mazliach Sarlov. (?) 

Den Rahmen bildet eine Rokoko -Cartouche in Handmalerei, in deren 
oberer Mitte (etwas verblaßt) die Heünführung der Rebeka durch Isaak 
dargestellt ist Die Abbildung ist mit den darauf bezüglichen Worten 
aus 1 Mosis 24, 67 versehen, und steht wohl in Beziehung zu dem Vor- 
namen der Braut, in dem „Rica'' als Abkürzung von Ribka (= Rebeka) 
angesehen wird. 

(Dieses figurenreiche Bild, nach unbekannter Vorlage, trägt ausge- 
sprochen künstlerischen Charakter. Die Szene geht in einer hohen, von 
Säulen getragenen Halle vor sich; Hintergrund z. T. verwischt) 

132 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben 
Mittwoch den 13. Ab 5582 (ca. Juli 1822) in Ancona. 100.— 

Bräutigam: Josua, Sohn des Oedalia Trevi. 
Braut: Lustra, Tochter des Isaak Menachem Firmi. 
Zeugen: 1. Matitia aus Calaj (?); 2. Isaak Mazliach Kohen. 

Unten ein Codidll zur Regelung der Erbangelegenheit für den Fall, 
daß der Mann oder die Frau stirbt, ohne Kinder zurückgelassen zu haben. 

Zu beiden Seiten je eine gewundene Säule in farbiger Malerei von 
einer Blattguirlande umwunden, sowie stilisierte Blattomamente und 
Früchte, am unteren Rande ebenfalls ein Ornament 

Im Kopfornament, einem von Eichblättem gebildeten Kranz, der zwi- 
schen Blumenvasen steht, findet sich der Bibelvers Sprüche 5, 18. Dar- 
unter in besonderer Umrahmung die Worte: „Unter guten Zeichen und 
vorzüglichen Glücke für den Bräutigam u. die Braut und für ganz Israel, 
Amen." 

133 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt g^eben 
Mittwoch d. 1 1. Siwan 5593 (= ca. Mai 1833) in Ancona. 100.— 

Bräutigam: Raphael Nisim Josua, Sohn des Isaak Michael Chaj-Chaj. 

Braut: Simcha, Tochter des Abraham Chaj Prato. 

Zeugen: 1. Matitja aus Kalaj (? Caley?); 2. Joseph Pepemo. 

Mit reich in Farben gemalter Randverzierung. Im Kopfomament auf 
gelbem Grunde der Vers aus Sprüche 18, 22. 

Unten ein Codidll betreffend die Regelung der Erbschaft bei dem 
Heüngang der Frau oder des Mannes, ohne Kinder hinterlassen zu haben. 

Karl W. Hierseauuin In Leipzigs Königsstrasse Z. Katalog 330. 



106 Orient Matmseripie orientaüsthm Ursprungs XllL-XlX.JaMu 

Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte). 

134 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontract g^eben 
Donnerstag d. 5. Siwan 5594 (= ca. Mai 1834) in Mantua 140.— 

Bräutigam: Hillel Baruch Salom, Sohn des Jehuda Isaak KantonL 
Braut Alisa (Elisa?), Tochter des Israel Chaj Lurjo. 
Zeugen: 1. Salomo ben Elija Nisim; 2. Michael Serachja ben David 
Panzi. 

Von buntfarbiger Bordüre in Handmalerei umrahmt 
Oben der Spruch aus Jeremia 33, IIa. Darunter eine von Engeln ge- 
haltene Krone, unter der zu lesen ist: „die Krone des guten Rufes, die 
Krone der Gelehrsamkeit" Dies bezieht sich auf den Bräutigam, der 
identisch ist mit dem berühmten Rabbino Magiore Ledo Cantoni, geb. 
1802 in Oazzuolo, gest 1S57 in Turin (J^^ish Enddopedia III, 54a). Die 
Krone ruht auf einer Art Schild auf dem die Worte: „Es seien gesegnet 
Bräutigam u. Brauf ' verzeichnet sind. Rechts und links eine mit Blumen 
gefüUte Vase. 

135 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben 
Freitag den Q. Nisan 5604 (= ca. März 1843} in Cenadi (die 
hebräische Schreibung lautet eher Cinida) am Mischio(?) 90. — 

Bräutigam: Jekutiel, Sohn des Aron Romanin. 
Braut: Abigajil Alegra Nina, Tochter des Aron Kohen Pirani. 
Zeugen: 1. Jekutiel Romanin, der Bräutigam; 2. Israel Luzato; 3. Ben- 
jamin Labi. 

Rechts und links davon die Worte aus Sprüche 18, 22. Jeremia 33, IIa. 
In der Aiitte des rechten u. linken Randes je eine schräggestellte Lyra, 
unten je ein Blumenkorb. 

Oben in der Mitte 2 Füllhörner, die durch ein Band mit zwei auf die 
rechts- und linksseitigen Ränder gemalten Kränzen verbunden sind. Ober 
den Füllhörnern im Halbkreis die Worte: „Unter gutem Zeichen und vor- 
züglichem Olück, Amen, so sei der Wille.'' 

136 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben 
Donnerstag d. 5. Siwan 5611 (= ca. Mai 1851) in Cinto. 80.— 

Bräutigam: Chiskija, Sohn des Baruch Moses Karpi. 

Braut: Diamanti Bela Rosa, Tochter des Abraham Aaron, genannt 

Raphael Modena. 
Zeugen: 1. Abraham Michael ben Joab Moses Chajim Karpaneti; 

2. Joseph Chaj Adumim (= Rossi) ben Benjamin Samuel. 

Von breiter Bordüre (stilisiertes Blattornament) in Handmalerei um- 
geben. 

Oben: „Unter gutem Zeichen und gutem Stern (» Olück). 

137 Esther. — Hebräisches Manuscript auf einer Pergamentrolle 
mit reicher Aquarell-Malerei. Fragment, wohl eines italienischen 
Künstlers des XVI. Jahrhunderts. Länge 7Q cm. Der Anfang 
und das Ende fehlen. Es enthält auf 12 Columnen ä 24 Zdlen 
den Text des Estherbuches von Kap. 3 Vers 12 bis lOip. 9, 

Kafl W* Hicfsemann In Lelptig^ Königsstrasse 3« Katalog 330« 



Orient Manuseripte orleniaüsdim Ursprunges. XUL-XIK. Jahriu 107 

Vers 27y doch sind die letzten Zeilen völlig verblaßt und nicht 
mehr lesbar. 130.— 

Oberhalb und unterhalb von je zwei Columnen, die von reichem, 
vielverschlung^enen Bandwerk in grün auf rotem Grunde umrahmt sind, 
stehen die dazu gehörigen Illustrationen in hübscher Aquarell-Malerei 
ausgeführt Es sind vorhanden die Columnen 7—8, 9—10, 11—12, 13 — 14, 
15—16, 17—18. Die Illustrationen stellen dar: 

Columne 7—8: oben geteiltes Bild. Rechts: £>ekrete werden versandt, 
links: die Königin mit ihren Jungfrauen im Schloßhofe; unten rechts: 
Die Königin erteilt einen Auftrag an einen Boten, links: der Auftrag 
wird ausgerichtet 

Columne 9—10: oben rechts: der König berührt die Königin mit dem 
Szepter, links: der König, die Königin und Haman bei einer Mahlzeit; 
unten, Teil 1: Haman unterhält sich mit seinen Damen. Teil 2: ein 
Galgen wird errichtet Teil 3: der König bringt die Nacht schlaflos zu 
und ihm wird vorgelesen. 

Columne 11—12: oben, Teil 1: der König gibt dem Haman einen 
Auftrag. Teil 2: Mordechai reitet den königlichen Rappen. Teil 3: 
Haman wird von einem Obergemach aus mit einer schmutzigen Masse 
begossen (nach einer Sage); unteii, Teil 1: der König und die Königin 
nebst Haman bei einem Mahle vereint Teil 2: Haman fällt auf das 
Polster hin. Teil 3: der König ergeht sich im Park. 

Columne 13 — 14: oben, Teil 1: Haman wird gehängt. Teil 2: die 
Königin kniet vor dem König nieder; unten, Teil 1: der König berührt 
die kniende Königin mit dem Szepter, Briefe werden geschrieben. Teil 2: 
Couriere befördern die Briefe. 

Columne 15 — 16: oben, Teil 1: Mordechai verläßt das königliche Haus 
in prächtigen Gewändern. Teil 2: Kampf. Teil 3: Gelage; unten: Kampf. 

Columne 17—18: oben, Teil 1: die niederkniende Königin vor dem 
König. Teil 2: Hinrichtung der 10 Söhne des Haman. 

138 Esther. — Hebräisches Manuscript auf einer Pergamentrolle 
mit reicher Aquarell-Malerei wohl eines italienischen Künstlers 
aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts. Länge der Rolle 1,69 m. 
Zu Anfang ein reiches Blatt- und Blüten -Ornament in mehr- 
farbiger Ausführung. In der Mitte desselben ein Schild von 
zwei Löwen gehalten. Auf dem Schilde hebr. Eintragung („es 
behüte ihn sein Hort und sein Erlöser", sela [Amen]). 480.— 
Das Ornament wird belebt durch einen Leoparden, 1 Adler^ 1 Hirsch 
und 1 Löwen, versinnbildlichend den Spruch aus Pirke Abot 5, 20: 
„Sei kühn wie der Leopard, schnell wie der Adler, hurtig wie der Hirsch 
und mutig wie der Löwe, auszuführen den Willen deines Vaters, der im 
Himmel ist" 

Der Text ist in 19 Columnen, \ 22 Zeilen, niedergeschrieben; Co- 
lumne 16 hat nur 11 Zeilen. Je zwei Columnen des Textes sind durch 
eine 2,3 cm breite Bordüre dem vorausstehenden Ornament entsprechend 
mehrfarbig reich ornamentiert 

KafI W* Hierscmann In Leipzig, Königsstrassc 3* Katalog 330* 



108 Orient Manaseripte orientalischen Ur^runges. XIIL—XIX.Jahriu 

Oberhalb und unterhalb von je zwei Columnen stehen die dazu ge- 
hörigen Illustrationen in hübscher Aquarell-Malerei ausgeführt, umrahmt 
von reichem, vielverschlungenen Bandwerk in grün auf rotem Grunde. 
Pie Illustrationen stellen der Reihe nach folgendes dar, von rechts nach 
links gerechnet: (die in Klammern angegebene Zahlen bezeichnen die dazu 
gehörigen Textstellen). 

Columne 1—2 (I, 1—11 u. 12—19) oben: Gastmahl des Königs (I, 3); 
unten: Gastmahl der Königin (I, 9), links hinten eine Hindeutung auf 
ihr weiteres Schicksal (I, 11). 

Columne 3—4 (I, 20-11, 8 u. II, 9—16) oben: Der König hält Rat mit 
seinen Beamten über die Königin (I, 15 u. ff.), links eilen Reiter zur 
Stadt hinaus (I, 22); unten: Jungfrauen werden nach der Burg ins Frauen- 
haus zusammengebracht 

Columne 5—6 (II, 17— III, 2 u. III, 3—12) oben: Der König erhebt 
Esther zur Königin und krönt sie (II, 17); unten: geteiltes Bild. Die 
Wachtposten machen einen Anschlag wider den König (II, 22), links: der 
König gibt dem Haman seinen Ring (III, 10). 

Columne 7—9 (III, 13— IV, 5 u. IV, 6-16) oben geteütes Büd. 
Rechts: Dekrete werden versandt (III, 13), links: die Königin mit ihren 
Jungfrauen im Schloßhofe (IV, 4); unten rechts: Die Königin erteilt 
einen Auftrag an einen Boten (IV, 5), links: der Auftrag wu-d ausgerichtet 
(IV, 6). 

Columne 9—10 (IV, 17— V, 9 u. V, 10— VI, 5) oben rechts: der 
König berührt die Königin mit dem Szepter (V, 2), links: der König] 
die Königin und Haman bei einer Mahlzeit (V, 5); unten Teil 1: Haman 
unterhält sich mit seinen Damen (V, 10), Teil 2: ein Galgen wird er- 
richtet (V, 14), Teil 3: der König bringt die Nacht schlaflos zu und ihm 
wird vorgelesen (VI, 1). 

Columne 11—12 (VI, 6—14 u. VII, 1—9) oben, Teil 1: der König 
gibt dem Haman einen Auftrag (VI, 10), Teil 2: Mordechai reitet den 
königlichen Rappen (VI, 11), Teil 3: Haman wird von einem Ober- 
gemach aus mit einer schmutzigen Masse begossen (nach einer Sage); 
unten Teil 1 : der König und die Königin nebst Haman bei einem Mahle 
vereint (VII, 1), Teil 2: Haman fällt auf das Polster hin (VII, 8), Teü 3: 
der König ergeht sich im Park (VII, 7). 

Columne 13—14 (VII, 10- VIII, 8 u. VIII, 9—14) oben, Teü 1: Haman 
wird gehängt Teil 2: die Königin kniet vor dem König nieder; unten, 
Teil I: der König berührt die knieende Königin mit dem Szepter 
(VIII, 4), Briefe werden geschrieben. Teil 2: Couriere befördern die 
Briefe (VIII, 10). 

Columne 15—16 (VIII, 15— IX, 6 u. IX, 7—10) oben, Teil 1: Mor- 
dechai begibt sich vom königlichen Hause in prächtigen Gewändern 
(VIII, 15), Teil 2: Kampf (IX, 2), Teil 3: Gelage px, 17); unten: Kampf. 

Columne 17—19 (IX, 11—19 u. IX, 20-27) oben, Teil 1: die nieder- 
knieende Königin vor dem König, Teil 2: Hinrichtung der 10 Söhne des 
Haman; unten: Gelage. 

Columne 19 (IX, 28— X, 3) oben: die Königin schreibt Sendschreiben aus; 
unten: Maskenbelustigung am Purimfeste. 

KafI W* Hiersematm in Leipzig» Königsstrassc 3* Katalog 330* 



Orient, Manascripte orientalisdten Ursprunges, XIII,- XIX. JahrL IQQ 

Ein stilisiertes Blatt- und Blüten-Ornament in 5 Farben ausgeführt, 
von einer Art Metallstander ausgehend, dessen oberer Teil einen Rah- 
men trägt, schließt das Ganze ab. Im Innern des Rahmens steht ge- 
schrieben: ,ani Israel' ani Masal-tov (— ich Israel, ich Ora bona). 

Am Ende des breiten Randes, zum Schlüsse der Rolle findet sich der 
Vermerk: ani Str . . . (die 2 oder 3 letzten Buchstaben sind nicht mehr 
lesbar), (ich Str . . .) 

Beigefügt sind die Benedictionen, die vor und nach der Verlesung 
des Estherbuches in der Synagoge gesprochen werden. Sie sind auf 
einem besonderen Pergamentblatt aufgeführt, in zwei Columnen. Diese 
sind durch eine farbige Bordüre getrennt und mit einer dreifarbigen 
Umrahmung versehen. Das Blatt ist wohl viel später als die Rolle ge- 
schrieben worden. 

Von kleinen Schäden abgesehen, gut erhalten. 

13Q Ferhad und Schirin, eine der vielen Nachdichtungen. 
Manuscript von 470 Seiten in persisch-indischer TaTik- 
handschrift Mit 41 prächtigen Miniaturen in Ranken- 
bordfiren. Hoch 8^. Etwa 1800. Alter schwarzer Oanzlederbd. 

900.— 
Die Textzeilen dieses schönen Manuscripts haben weder Anfang noch 
Ende. Der Text ist durch zwei rote Linien in zwei oder mehrere Teile 
gespalten und in einen mehrfarbigen Rahmen gesetzt CMe einzelnen 
Blätter weichen in Stärke und Farbe zum Teil von einander ab. In 28 
Seiten sind auf der Spitze stehende Quadrate in Oold eingemalt und 
andere Seiten sind mit Oold bestreut. 

Unter den 41 Miniaturen sind 2 omamentale Felder und 39 figür- 
liche Darstellungen, welche in fortlaufender Reihe die Aben- 
teuer eines persischen Prinzen abbilden. Bemerkenswert ist die 
Farbenpracht und Naturtreue der menschlichen Figuren, die in auffallen- 
dem Gegensatz stehen zu der durchaus mangelhaften Perspektive, die 
ihrerseits aber wieder auf ein ziemliches Alter der Bilder schließen 
läßt Die ornamentierten Felder, sowie die Umrahmung der figürlichen 
Darstellung sind mit pflanzlichen Motiven ausgefüllt 
Äußerst Interessantes Stück. 

140 Firdusi, Abu'l-Kasim Mansur, Shah-Namah oder das Buch 
der Könige von Persien. Persisches Manuscript von 
872 Seiten in zierlicher, fdner Ta'lik-Handschritt Mit 
23 prächtigen Miniaturen und 4 ornamentierten Kopfleisten. 
Fol. Etwa i, J. 000 der Hedschra (1495). Brauner, vergoldeter 
Original-Einband, mit eingemalten Ooldblumen. 2420. — 

Vgl. die Abbildnog Taf. 18. 

Firdusi ist wohl der berühmteste epische Dichter der Perser; seinen 
Ruhm verdankt er diesem kolossal umfangreichen Werk, welches 120000 
Verse enthält und worüber er 30 Jahre lang arbeitete; es ist eine epische 
Darstellung der persischen Geschichte, von der Erschaffung der Welt 
bis zum Untergang der Sassaniden. Kein Volk der Erde hat dem Shah 

KafI W* Hicrsemann In Leipzig» Könlgsstrassc 3* Katalog 330* 



110 OHM. Manusaipte aiienkUisdien Urspnuiges. XHL-XIX. Jahrtu 

Namah ein seine ganze Vergangenheit behandelndes historisches Ge- 
dicht von gleichem dichterischen Oehalt zur Seite zu stellen. Es zer- 
fällt in 3 Teile: 
I. Shah-Namah. 
IL Dastan-i Klei Khossannamah. 

III. Destan-i Baisunamah. 

Die Handschrift ist schön und gleichmäßig auf dünnem, pergament- 
artigem Glanzpapier, einen Rand von 5 cm freilassend, hergestellt, doppel- 
seitig beschrieben in 4 Columnen ä 25 Zeilen, die Seite ist von einer 
breiten Goldlinie eingefaßt, welche nach außen durch eine feine Linie 
in blau, nach innen durch eine hellere Goldlinie wirksam abgehoben 
wird, die Columnen durch 2 feinste Doppellinien von einander geschieden. 

Die Miniaturen sind in Farben und Gold prächtig ausgemalt Die 
2 ersten sind ganzseitig und stellen das Hofleben dar. Mit ganz be- 
' sonderer Feinheit sind die wundervoll ornamentierten, reich in Gold 
und Farben ausgemalten Kopfstücke ausgeführt; die beiden ersten sind 
ganzseitig und stehen beide zusammen an dem Beginn des ersten Teiles 
(man findet für gewöhnlich sonst nur ein Kopfstück); die zwei anderen 
bilden den Anfang des 2. resp. 3. Teiles und nehmen je nur 1/4 der 
Seite ein. Der Titel jedes neuen Abschnittes im Texte ist mit Gold ge- 
schrieben. Die letzte Seite ist mehrfach gestempelt Der Schnitt ist mit 
Gold dekoriert 

Das Exemplar ist sehr gut erhalten. Nur sind einige Blätter leicht 
beschädigt und sauber ausgebessert Am Anfange wenige Wurmstiche. 

141 Hebräisches Manuscript Sorgfältige und wohlerhaltene 
Pergamenthandschrift in hebräischer Sprache, 26 Bl. in kl. 8^ 
gefertigt durch den Rabbi Jehuda aus Düsseldorf im Jahre 5504 
der jüdischen Zeitrechnung (1744 n. Chr.). 400. — 

Gleichzeitiger brauner Lederband mit eingepreßten Ornamenten. Der 
Inhalt besteht aus rituellen Vorschriften und Gebeten, welche bei der 
Ceromonie der Beschneidung anzuwenden sind» sowie aus Gebeten um 
günstigen Verlauf von Reisen zu Lande» zur See und durch unsichere 
Gegenden. Außer mehreren farbigen Kartuschen und Initialen enthält 
das Buch 8 zur Erläuterung des Textes dienende Miniaturgemälde nicht 
ohne Kunstwert: 1. auf dem Titelblatt Moses mit den Gesetztafeln und 
Aaron im hohenpriesterlichen Ornat mit dem Rauchfaß, 2. die Beschnei- 
dung eines Kindes, 3. Ceremoniell im Familienkreise vor der Beschnei- 
dung, 4 — 5. Scenen aus dem jüdischen Familienleben bei verschiedenen 
Festen, 6. eine Landschaft mit Reisenden, 7. Schiffe mit Seefahrern, 
8. ein Waldweg mit Fußwanderern. 

142 EGhaani, Khodavend Nam^h. Histoire des ProphMes, de Ma- 
homet et des quatre Khalifes orthodoxes jusqu'ä Pav&nement 
des omeyyades analogue ä la Haml^h-i Haid^ri, £crit par un 
nonini£ Khaani qui £tait Poete laureat de la cour du Shah de 
Perse Feth Ali, copi£ en 1260 de Thegire par un nonini£ F£th 
Ali Monushi ibn el Hadjdj Ismail Khan el Skakkafi. 222 ff. 

420.— 

Karl W* Hiersemann In Ldptig^ Königsstf assc 3« Katalog 330. 



OriaiL ManauripU orimäaUsehm Ursprung^. XUL-^XIK. Jahrh. \\\ 

143 Kltab el Mantyk: Buch der Logik. Arabisches Manu- 
script von ca. 422 Seiten in Naski Handschrift (Anfang d. 
XVII. Jh.) Alter Lederband. 40.— 

144 Kitab- 1 taharat oder daftar- 1 aeharh wagaje. Kommentar 
des Reinigungsgesetzes. Arabisches Manuscript von 150 Seiten. 
Ta'Iik Handschrift. Ende fehlt Fol. (Anfang d. XVII. Jhdts.) 

50.— 

145 Kitab i wikajet er riwaje fi merail il hidajet: Schrift welche 
die Berichte aufbewahrt die zur wahren Religion (,den richtigen 
Pfad*) führen. Arabisches Manuscript von 400 Seiten, in 
Ta'likhandschrift Mit roter Randlineatur u. vielen Rand- 
notizen. 8. Im J. 1196 d. Hedschra (1782). Alter Lederband. 

45.— 

146 Kitab- il awwamiL Lehrbuch und Grammatik des Ara- 
bischen (Nach Iman Asam). Persische TaMikhandschrift 
von 212 Seiten. 8. (Mitte d. XVI. Jhdts.) Alter grün und 
roter Ledereinband mit eingepreßten Medaillons. 48. — 

Die Schrift In schwarzer und roter Tinte. 5 Seiten sind mit originellen 
Arabesken dekoriert Auf dem kleineren der Medaillons auf dem Ein- 
band steht geschrieben: „Der Erfolg möge gut sein/' 

147 Kitab It -taharet et -tahare. Abhandlung über religiöse 
Abwaschungen und Reinigungsvorschriften. Arabisches Manu- 
script von ca. 462 Seiten. Naski-Handschrift des Muhammed 
Nasir ben Muhammed Risa Tankabani. Mit zahlreichen Hand- 
notizen an fast jed. Seite. In 4. S. 1. den 8. Djamadij' al awal 
i. J. 1200 d. Hedschra (1780). Orau - schwarzer Ledereinband 
mit 3 eingepressten Medaillons. 100. — 

148 Koran, Manuscript in arabischer Sprache. 4. S. 1. et a. [pu 
1750). Original-Lederbd. mit Klappe; Deckel mit oriental. Or- 
nament in Ooldpressung. 85. — 

Schöne Handschrift des XVIII. Jahrh. auf Reispapier, mit Ooldbor- 
dfire eingefaßt, die beiden ersten Blatt mit Blumen- und Blattomamenten 
reich in Oold und Farben ausgemalt, ebenso die beiden letzten Blatt 
mit farbigen Schlußstücken geziert Am Rande mehrere farbige Blumen- 
Ornamente eingemalt 

149 Koran. — Manuscript in schöner, deutlicher, enger, schwarzer 
Handschrift Die zwei ersten Seiten haben breite Oold- 
umrahmungen mit einfachen Pflanzenomamenten, die Qbrigen 
schmälere. Die einzelnen Suren sind von einander durch 
breite Ooldleisten, ihre Verseten durch Ooldpunkte geschieden. 
Jede zehnte Seite trägt am Kopfe eine bunte Blumenranke. 
Auf glattem, dQnnem aber sehr festem Papier geschrieben. 
Datiert vom Anfang des Monats Sacban 1231 A. H. (Ende 

Karl W. Hiersemann In Ldptig» Königsstrassc 3« Katalog 330* 



112 Orient Manusaipte orUnialischen Ursprunges. XHL - XIX. Jahrh. 

Juni 1816). Orientalischer roter Ledereinband mit Ornamenten 
in Ooldpressung in den Ecken und in der Mitte, und mit 
schmalen Ooldleisten. Aus der Bibliothek des Earl of Ash- 
bumham. 18X12 cm. 65* — 

150 Mahavatthu. Pali Ms. in Kambodsch'ischer Umschrift In 
Slam verfertigtes Ms. auf 500 Palm-Blättern in groB-quer-fol. 
Jedes Blatt hoch: 5 cm., lang: 56 cm. 120. — 

151 NizamL — Persisches Manuscript. 6 Teile in 1 Bd. (folio) 
umfassend. 304 Blatt in Ta'lik geschrieben, in 4 Columnen, 
25 Zeilen auf der Columne, mit 6 prächtigen 'Unwans und 
23 großen, schönen Miniaturen. Einige Bll. mit neuem Rande 
versehen und das erste Blatt von modemer Hand ergänzt 
Schwarzer Maroquinbd., vergoldet Ca. 1600. l450« — 

152 Nizami. — Iskender-Näme (Alexanderbuch). Teill. Persisch. 
Manuscript in schöner und deutlicher Ta'liq-Handschrift 56 
Blatt, mit 15 Miniaturen. Fol. O. J. (ca. 1650). Roter Maroquinbd 
mit Ooldschn. 2450.— 

Die Handschrift auf weißem Papier, jede Seite in 4 durdi Initialen 
getrennten Columnen von je 21 Zeilen, ist auf braunes Pergamentpapier 
aufgesetzt. Die 15 farbenprächtigen, ganz- und halbseitigen Miniaturen 
bringen zum Teil Darstellungen aus den Kämpfen Alexanders des Oro- 
ßen, zum Teil phantast Gestalten aus der Mythologie und Sage. 

Text und Malereien sind nicht datiert, auch der Schreiber nennt 
sich nicht, jedoch dürfte nach sachverständiger Abschätzung ein Alter 
der Hs. von ca. 250 Jahren anzunehmen sein. 

153 NizamL — Laili u. Majnun. Manuscript d. XVII. Jahrh. auf 160 S. 
mit 16 Miniaturen. Kl. 8^, in späterem roten gepreßten Leder- 
band. Die ersten und letzten Blätter am Rand ausgebessert» 
in einem Blatt ein fehlendes StQck ersetzt, wobei auch die auf 
dem Blatt befindliche Miniatur durch spätere, aber geschickte 
Hand ausgebessert ist 42. — 

154 Nizamiy Abu Mohammed Hjäs, Chamse oder Pendch- 
Kendj (Fünfer oder die fünf Schätze). Persisches Manu- 
script von 518 Seiten in Talik-Handschrift Mit 7 Orna- 
ment-Miniaturen. 4 Teile und Einleitung fOr Teil 5 in einem 
Band. Am Rand die Dichtungen des Muhammed Assar- 
Meher we Muschteri (Sonne und Jupiter, der Pianet) und 
des Chwadje aus Kirman, Liebesgeschichte von Humai und 
Humajan, des Sohnes vom König Nuschenz und einer Tochter 
des Kaisers von China Faghfur. Fol. (Ende des XVIII. Jh.) 
Alter lackierter Lederbd. 250.— 

Nizami lebte im XII. Jahrh. Er ist der Begründer des romantischen 
Epos und einer von den sieben größten Dichtem Persiens. Seine fünf 

Karl W. Hiersemann In Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330« 



Tafel 18. 




No. 140. FIRDÜSI, Persisches Ms. 
Ca. 1495. 



Orient Pmisdu u. indische OrigmairMaleräm. XUL-XIX. JaMu 113 

größeren Dichtungen gelten noch bis jetzt als unerreichte Meisterwerice 
der Poesie. Es sind: 

I. Machzen el-esrar. Magazin der Geheimnisse, ein didaktisches 
Gedieht 

II. Chusru u Schirin. Ein romantisches Epos, Liebesgesch. d. 
pers. Königs Chusru II. 

III. Medschnun u Laila. Liebesgedicht 

IV. Neft paiker. Die sieben Bikler, eine Art von Heptameron. 

V. Iskender name. Eine sagenhaft ausgeschmückte Geschichte 
Alexanders d. Gr., wovon hier nur die Einleitung vorhanden ist; das 
komplete Werk enthält 28000 Verse. 

Der Text ist in 4 Columnen durch 2 Doppellinien voneinander ge- 
schieden und in einen Rahmen von farbigen Linien gesetzt Die reich 
in Gold und Farben ausgemalten Omamentminiaturen sind teilweise 
un Innern, teilweise am Rand angebracht Der Text ist in feiner Ta'lik 
Handschrift mit schwarzer Tinte (die Abschnittstitel rot) geschrieben. 

Etwas angerandert und an einigen wenigen Stellen ausgebessert. 
Sonst wohl erhaltenes Exemplar. 

155 Orientalisches Manuscript, modern, sehr schön und sorg- 
fältig geschrieben und jede Zeile mit Ooldlinien umzogen. 
On-§^. In einem interessanten, in Oold und Farben (Blumen- 
Ornamente) gemalten Einbände. Schöne Lackarbeit 25. — 

156 Peraiach-lndiache Kalligraphie. — Schöne persische oder 
nord-indische Handschrift 24 Seiten , geschrieben auf weisse 
bez. goldene Blätter, die auf farbiges Papier, mit Blunienoma- 
menten an den Rändern aufgesetzt sind. Die EIL sind zu 
einem Album vereinigt, das so einen Band kl.-folio bildet, der 
innen mit rotem Maroquin ausgelegt und in braun Maroquin 
gebunden ist (XVlIi. Jahrhdt) 220.— 

157 Persische Ta'lik-Handachrift des Muhammed Schal Darai 
von Lar(Dar il ensan): Kassiden von Naki (?). In 3 Teilen. 
8. Im Jahre 1007 der Hedschra (1589). Prächtiger Lack- 
einband. 354 S. 280.— 

Sehr reich verziertes und schön erhaltenes Manuscript Jeder Teil 
hat ein fein ornamentiertes und vergoldetes Kopfstück mit reichem Oma- 
mentschmuck und Arabesken am Rande. Im ganzen 7 dekorierte Selten. 
Der Text ist durch zwei goldene Linien in zwei oder mehrere Teile ge- 
spalten und in einen mehrfarbigen Rahmen gesetzt Auf der letzten Seite 
ist ein kleiner Stempel. Die Außendecken des Einbandes sind in Lack- 
malerei gehalten und mit Blumen und Tieren bemalt; der Orund ist gelb 
und der Rand ist schwarz, rot und gold. Die Innenseiten sind in rot 
ausgeführt, mit ausgeschnittenen Ecken und Medaillons, in welchen 
Arabesken und Tiere (Wasservögel) mit der Feder sehr fein geschnitten 
aufgeklebt sind, auf farbigem Orund (blau und grün). 

Karl W* Hicrseinann In Ldptig» Königsstrassc 3* Katalog 330* 

8 



114 Orient Persisdu tu indische OriginaIrMalereien. XUL-XlX.Jahrtu 

158 Ptolemäus, Claudius. — Kitäb tabrir al madjesthi (hybri- 
disches Wort, Verbinde, d.^arab. Artik. al mit d. griech. Super- 
lativ fisYKTTog) arabische Übersetzung d. Ptoletnaeischen 
Constructio mathematica von Ishak ben Hunein und ver- 
bessert von Tabit ben Karra. Schreiber: Muhammed Schafic 
ben Hakim Feridoun. Schikistaschrift Mit 43 Minia- 
turen des Tierkreises, v. 7. beschädigt, zahlreichen trigono- 
metrischen Figuren und Randnotizen. Alles in roter und 
schwarzer Tinte ausgeführt Im J. 1077 d. Hedschra (1667). 

250.— 
Vorliegendes Manuscript stellt in sehr merkwürdiger Weise in far- 
bigen Miniaturen die Figuren des Tierkreises dar. Solche Illustrationen 
finden sich in arabischen Handschriften dieser Art äußerst selten. Mit 
besonderer Sorgfalt sind die geometrischen Zeichnungen entworien. Im 
ganzen macht das Manuscript in der peinlichen Ausführung einen ge- 
fälligen Eindruck. 

159 Sadi, Oulistan. Persisches Manuscript von 167 zweiseitig 
beschriebenen Blättern, mit 31 fast blatigroßen Miniaturen aufs 
allerzierlichste in lebhaften Farben und Oold ausgeführt und 
Liebesszenen, Gerichtsverhandlungen, Schlachten etc. darstellend. 
Die Schrift ist in der Ausführung der Miniaturen würdig mit 
fünf Linien in Oold und Farben eingerahmt und in Schwarz 
und Rot säuberiich durchgeführt. Zu Beginn eine Kopfleiste 
in persischem Bogenstyl, reich In Oold und Farben. Be- 
sonders wichtige Stellen sind mit Ooldwellen durchzogen. 8. 
In braunem indischen Lederband mit Pressungen in lichter 
Farbe geziert A. H. 1187 (?) 450.— 

Ein Gulistan mit Miniaturen, zumal so prächtigen wie diese, ist eine 
Seltenheit 

160 Sadi, Oulistan. Erzählungen und Sittenlehren in Poesie und 
Prosa. Persisches hübsch illuminiertes Manuscript in Ta'lil^ 
127 Bll. zu je 12 Zeilen auf der Seite. 10 Blatt eingefaßt von 
marmoriertem, mit Oold gesprenkeltem Papiere. Od)unden in 
reich bemalte Decken, die innen mit rotem Maroquin ausgel^ 
und aussen mit lebendigen Bildern, von je ca. 20 Floren 
geschmückt sind. 8. Etwa 1680. 520.— 

161 Sammelhandschrift, arabisch - persisch, religiös - erbaulichen 
Inhalts, ca. 300 Blatt, 20X13 cm, Papier, vortrefflich geschrieben, 
mit 4 schönen Ornamenten, undatiert (XVIIL Jahrh.). Orient 
Lederbd. wurmstichig. 30# — 

Auszug aus dem Kitab gadb al-qulub ila dijar al-mahbub von 
'Abd oI-Haqq b. Sais ad-Din. Weiter persische Stucke aus dem 
Koran, arabisch, wie sie an den verschiedenen Wochentagen von den 
Gläubigen zu rezitieren sind Weiter Gebete (arabisch), z. T. auch für 
die verschiedenen Wochentage. Damach die Qaside des Imam, Jafi'i auf 

Karl W* Hiersemann in Leipzlgf Königsstrassc 3* Katalog 330* 



Orient. Persische u. indische Ortgüial-MaUnim. XV.^XlXJahrh. 115 

den Propheten Muhamed (arabisch). Damach wieder Oebete, andere 
arabische Gedichte, z. T. mit persischen Interlinear-Versionen. 

Stücke aus der Tradition u. dgl. 

Hervorgehoben sei noch die darunter sich findende Beschreibung des 
Lebens des marokkanischen Heiligen Abu 'Abd Alla Muhamed b. Sulaiman 
b. Abi Baki al-Gazuli as-Simlali gesi 1465 (vgl. Brockelmann II 252), 
mit einem darauf folgenden Auszuge aus dessen Schrift: Dala* il al-hairat 
wa-sawariq al-anwar fi dikr as-salat 'ala 'n-nabi al-nucktar. 



B« Persische und indische Original-Malereien. 
XV.— XDL Jahrh. 

162 Indische Original- Aquarelle. — Sammlung von 12 indischen 
Aquarellbildern in sehr schöner farbenreicher Ausfuhrung aus 
der 1. Hälfte des XIX. Jahrhunderts, kostum- wie loiltur- 
geschlchtlich hochinteressant Verschieden groß, aufgezogen 
und auf Passepartouts In einer Mappe vereinigt 75. — 

Drei Blätter mit indischen Kostümen, je Mann und Frau: Offizier, 
Hirt (?) u. Oeflugelhändler » 6 Figuren. Besonders schöne Blätter 
18x24 cm. 

2 Blätter mit indischen Frauen bei der Hausarbeit, auf dem einen 
zwei Frauen, Reis siebend, und auf dem andern eine Frau, Oam auf- 
haspelnd. 25X21 cm. 

2 Blätter mit je einem indischen Kameel und Maultiertreiber. 25x21 cm. 

5 Bilder auf Celluloid : Wasserträgerin, Schlangenbändiger, Frau mit 
Handspiegel, Mann in weißem Mantel, ein Messer schleifend (Raseur?) 
u. Offizier. 12x8 cm. Bei dreien dieser Bilder ist hier und da die 
Farbe etwas abgesprungen. 

163 Indian Costumes. A volume containing 96 finely executed 
and highly finished Native Drawings on Tale, in vivid 
colours, illustrating the Costumes of the various degrees 
of Indian Society, male and female, each plate 10 by 7 Cehti- 
meters. — Circa 1820. Roter Oanzmaroquinbd. m. O. Einige 
Blätter sind leicht beschädigt Höchst interessante und, da 
aus der Hand eines eingeborenen Künstlers hervorgegangen, 
durchaus authentische CostQmbilder in der sorgfältigsten Aus- 
führung. 180.— 

164 Indische Kostfime. Neun Blätter sorgfältig ausgeführte 
indische Original -Aquarelle mit großen Figuren, darstellend 
Brahminen, Fakirs, Bettler, Gaukler etc. Unterschriften in Hindu- 
stanisch und Englisch. Fol. (ca. 1800). 150. — 

Bramin going to worshlp. — Bramin woman going for water. — 
Musulman fakeer. — Hindoo beggar. — Religious mendicant who keept 
up his hand. — Snake Players (3 Figuren). — Player of bear, monkey 
and goat (Gaukler mit 3 Tieren). — Clothseller. — Ploughman. 

Karl W. Hiersemaim in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330« 



116 OrUnL Pmisdie u. üuUsdie OrigUuü'MaUnien. XV.-XIX. Jahrh. 

165 Indische Kostfime. Ein vornehmer Indier mit den Beamten 
und Dienern seines Hauses. 17 kflnstlerische, indisdie Original- 
Aquarelle, ca. 1820, mit größter Sorgfalt und geistreich aus- 
gerOhrt OroBe Figuren, mit Unterschriften in Hmdustanisch u. 
Englisch. Folio. Eine sehr interessante Folge. 235.— 

Verzeichnis der einzelnen Blätter: Native Officer of first rank or 
Council of State. — Persian teacher. — Sircar. — Head of the menial 
servants. — Ansah burdaur and Sotah burdaur: Runnero before the 
palakeen with the large and the small cilversticks. (2 Blätter.) Letter 
carrier. — Ouard keeper — Nurse. — Head of the palankeen bearers. — 
Attendant at Table. — Hookah burdaur (Pfeifenreiniger). — Barber. — 
Groom. — Water carrier. — Dog keeper. — Sweeper. — Adjutant Bird 
(Marabu). 

166 Indische Kostüme. Folge von 22 BU. von indischen KostOm- 
figuren der unteren Klassen: Dienerschaft, Handwerker, Arbeiter, 
Fakirs. Sehr schöne Malereien eines indischen Kunstlers aus 
der 1. Hälfte des XIX. Jahrhunderts, auf A4arienglas ausgeführt 
sorgfältig in Kartons eingesetzt und tadellos erhalten; bei dem 
spröden Material eine ^Itenheit Größe der bemalten Blätter 
gleichmäßig 14X10 cm. In Hmaroq-Mappe. 145.— 

167 Indische Ori^nal-Malereieii. Eine Reihe von 13 feinen alten 
Original-Malereien (um 1700^, die erfolgreiche Werbung eines indi- 
schen Prinzen mit dunkelblauem Angesicht darstellend. Die 
figurenreichen Blätter stellen die verschiedenen Szenen des 
Aachens dar, das letzte Blatt den Brautzug. Die Blätter, offen- 
bar von einem Künstler ausgeführt, sind gleichmäßig 32X41 cm 
groß und von dunkelblauem Rand eingemßt In einem neuen 
roten Juchtenband mit eleganten Ooldomamenten auf beiden 
Decken u. dem Rücken. Die 13 BU. sehr sauber in Kartons 
eingel^ 950. — 

168 Indische Original-Malereien. Ein Album von 59 Trachten- 
bildem, reich in Oold und Farben ausgeführt Die Bilder sind 

gleichmäßig 41X29 cm groß, offenbar von demselben eingeborenen 
Künstler ausgeführt; auf jedem Blatt ist eine männliche und 
eine weibliche Figur dargestellt; wenn auch die Darstellungen 
typisch sind, so ist doch die Ausführung die denkbar feinste 
und bis ins Kleinste genau und lebenswahr. Für die Ethno- 
graphie, ebenso wie für die Trachtenkunde ein authentisches 
Dokument Etwa 1750—1800. 980.— 

Die Blätter sauber auf Passepartouts gesetzt und mit indisch-engl. 
Bezeichnung auf der Rückseite. Das Ganze in modemer Halbmaroquin- 
Mappe mit Staubklappen und Schutzkarton. 
1. Brahmine und seine Frau, in reicher Gewandung. Der Mann in ge- 
blümtem Rock und ebensolchen Beinkleidern, mit gold- und blumen- 
gesticktem Gürtel und Bandelier; das Schwert auf der Schulter; die 

Karl W« Hiersemann In Leipzig» Königsstrassc 3* Katalog 330« 



OrtetiL Ptnisdie u. indisdie OrigUua-Malereim. XV.^XIX.Jahrh. 117 

Frau in rotem getüpfelten Rock, der Kopf, die Brust und Arme mit 
Ooldschmuck fiberladen, auch das Oewand und die Schuhe reich 
mit Oold verziert 

2. Koochyuyen, Kaufmann und Frau. Auch hier bewundem wir die 
reiche, mit peinlichster Sorgfalt ausgeführte Gewandung. 

3. Arab of Moore. Männliche und weibliche Gestalt wie auf allen 
Blättern. Der Mann in Kriegertracht, die Frau mit reichem Oold- 
schmuck und in gokigewirktem Gewand hält einen Tschibuk. 

4. Rasapotren. Krieger und Frau. Der Mann mit Lanze, Bogen und 
Köcher, die Frau in rotem gokigewirktem Gewand hält eine Blume 
in der Hand. 

5. Kuli, halbnackt, hält der Frau einen Beutel hin, die Frau wendet das 
Antlitz ab und hält mit der Rechten drei Quasten entgegen. 

6. Byragy. Ein nackter Krieger mit Schwert und Lanze; vor ihm die 
Frau in rosa Rock mit langen Beinkleidern. 

7. Schuhmacher. Nackt auf einem Brett kauernd, vor ihm die Frau in 
einfachem Kattungewand, Schuh und Leder bringend. 

8. Koorooniben. Ansdieinend Gemüsehändler und Frau. Beide in wei- 
ßen Gewändern. Er hält ein goldenes Gefäß in der Hand; sie trägt 
einen Korb mit Gemüse auf dem Kopf. 

9. Kendapody. Verkäufer von Riechpulver. Der Mann in weißem Rock 
und geblümten Pluderhosen und goldgestickter Mütze hält in der 
Hand ein Riechpulver in ein Tudi eingeschlagen. 

10. Gaukler. Eine Frau liegt mit dem Rücken auf der Spitze eines in 
die Erde eingesteckten Bambusstabes; ein Mann steht auf den Händen, 
während ein anderer die Trommel schlägt. 

11. Schlangenbändiger. Ein nackter Mann trägt eine Schlange über dem 
Nacken, ein anderer, ebenfalls nackter Mann mit einer Trommel, da- 
neben eine Frau im Kattunrock, roter Jacke und Schleier, zwei Körbe 
auf einem Bambusstab tragend. 

12. Tänzer. Ein Mann in langem rotem Gewand, links ein Trommler, 
rechts ein Mann mit einem eigentümlichen Musikinstrument. 

13. Mareven des Südens. Ein Mann mit Bambuslanze und Kris ; ein weißes 
Tuch um die Hüfte gewunden, daneben eine Frau in fein aus- 
geführtem Gewand mit gemustertem Besatz. 

14. Gasamy. Ein nackter Mann mit eigentümlich geformter Keule auf 
der Schulter, einen Säbel an der Seite, in der Hand eine Tabaks- 
pfeife; auf dem Kopf eine hohe rote Mütze; vor ihm ein nacktes 
Mädchen mit einer Lanze, ein Tigerfell auf dem Rücken; an der 
Seite eine Wasserflasche. 

15. Jady. Ein nackter Mann trägt eine Wasserflasche in der Hand; auf 
der Schulter einen Palmzweig, an dem eine Tasche hängt; auf dem 
Rücken an dem Gürtel ein gefülltes Gefäß befestigt Die Frau in 
weißem Gewand hat auf dem Kopf ein Gefäß, aus dem Schaum quillt, 
und eins in der Hand. 

Karl W« Hlcncmaim In IMpüZf Köolgtftrasse Z. Katalog 330. 



118 Orient Per^sdie u. indisdie Origmal-Maiemm. XV.-XIX.Jahrk. 

16. Talvady Bramin. Der Mann, nadct bis zum Gürtel, mit Schmuck be- 
hängt, eine bunte Schärpe auf der Schulter, hält in der Hand ein 
grünes Stückchen Holz. — Die Frau in reich gewirktem, fein aus- 
geführtem Gewand mit reichem Goldschmuck hält ebenfalls ein sol- 
ches Stückchen Holz dem Mann entgegen. 

17. Schneider. Der Mann in weißer Kleidung mit rotem Turban hat ein 
Stück Zeug auf dem Knie; vor sich den Nähkasten. — Die Frau 
in rotem Gewand, fast nackt bis zum Gürtel, hält dem Mann eine 
Schere hin. 

18. Goldschmidi Der Mann kauert auf einem Brett und hat vor sich 
ein Tischchen, auf dem er Ooldsachen bearbeitet, neben ihm der 
Werkzeugkasten, das Werkzeug und der Feuertiegel. Der Mann Ist 
nackt bis zum Gürtel und trägt einen bunten Turban. Die vor ihm 
stehende Frau in gestreiftem Gewand mit reichem Goldschmuck hält 
in der Hand einen Bolzen. 

19. Mochy. Schuhmacher aus Poona. Der Mann in leichtem Gewand 
kauert auf einem Brett und arbeitet an einem Schuh, um ihn Leder, 
Werkzeug und halbfertige Ware. Die Frau vor ihm in schön aus- 
geführtem geblümten Rock und mit Goldschmuck behängt, arbeitet 
an einem halbfertigen Schuh. 

20. Mail Moor Man. Der Mann in dunklem Rock und Turban und in 
geblümten Beinkleidern mit goldgeziertem Bandelier, Köcher und 
Bogen hält der Frau zwei Pfeile hin. Die Frau In außerordentiich 
reichem Kleid in Farben und Gold und mit Geschmeide hält in der 
Hand eine Rose. 

21. Poosary, der nur mit kurzem Beinkleid und reicher Schärpe ver- 
sehene Mann trägt in der Hand eine große Blume und hat auf 
dem Kopf einen phantastischen Aufbau aus Gold mit langen Quasten. 
Die Frau in gelbem Kleid mit Geschmeide. Beide tanzen. 

22. Sundytha Bramine. Der Mann in weißem Gewand mit farbiger 
Einfassung, roter Schärpe und gewirktem Turban hält in der Hand 
eine Schriftrolle. Die Frau in schöngeblümtem Kleid, mit reichem 
Goldschmuck trägt in der Hand ein Tintenfaß. 

23. Barbier, mit kurzer, weißer Hose bekleidet, schert einem vor ihm 
sitzenden Mann, der bis zum Gürtel nackt, mit einer weißen Hose 
bekleidet ist, den Kopf; dahinter eine Frau in dunklem, gemusterten 
Gewand, Löffel und Sdiere in der Hand. 

24. Lala Kaste. Der Mann in dunklem geblümten Gewand, mit gold- 
gewirktem Gürtel, trägt einen roten Turban und hat in der einen 
Hand eine Rolle, in der andern ein Goldgefäß. Die Frau in rotem 
goldgewirktem Kleid mit Schleier und Geschmeide trägt in der 
Hand ein grünes Gewächs. 

25. Kupferschmied. Der Mann hält mit den Füßen ein nach oben ge- 
bogenes Holz auf dem ein Kessel sitzt, den er mit dem Hammer 
bearbeitet Die vor ihm stehende Frau in weißem Unterrock und 
um die Schulter geschlungene Schärpe hält in der einen Hand einen 
glänzenden Kessel, in der anderen einen Stock. 

Karl W« Hiersetnaon In Lclptig^ Königsstf asse 3« Katalog 330* 



Orient Persisdie u. indische Original^Malemen. XV.-XIX.Jahrh. IIQ 

26. Fischhändler. Der Mann, ganz nackt, hält in der Hand einen Fisch, 
auf der Schulter ein Netz und auf dem Kopf einen Korb. Die vor 
ihm in weißem Kleid stehende Frau hat einen Korb in der Hand. 
Die Farbe des Hintergrundes ist ein wenig abgebröckelt 

27. Korawen Kaste. Der Mann, auf dem Boden sitzend, bearbeitet ein 
Stück Bambus. Die Frau mit weißem Tuch bekleidet trägt ein Kind 
auf dem Rücken, am rechten Arm einen Korb und reicht dem Mann 
ein Körbchen. 

28. Zimmermann. Der Mann mit weißem Gürteltuch mit rotem Rand 
bearbeitet ein Stück Holz; die Frau in rotem Rock hält dem Mann 
einen Meißel hin. 

29. Malabarische Tänzer. Eine Frau in rotem Rock mit goldgewirkter 
Jacke und reichem Geschmeide, tanzend; daneben drei Männer, einer 
mit der Trommel, einer mit Pfeifen und der dritte mit Kastagnetten. 

30. Muloaga Jeltys. Ein Mann mit weißem, faltigen Gewand und roten 
Beinkleidern, einen Dolch in der Hand; die Frau in weißem Ge- 
wände mit roter Borde. 

31. Tänzer. Die Frau in überaus reichen, blumen- u. goldgesticktem 
Kleid tanzend inmitten von zwei Männern, einer davon mit Kasta- 
gnetten, der andere mit einer Trommel. 

32. Grobschmiede. Ein mit kurzer Hose bekleideter Mann kauernd, be- 
arbeitet ein Stück Eisen mit dem Hammer. Ein Knabe facht das 
Feuer mit dem Blasebalg an. 

33. Kaufmann. Der Mann in weißem Gewand mit roten Beinkleidern 
hält ein szepterartiges Instrument in der Hand, unter dem Arm einen 
Dolch; die Frau in gestreiftem Kleid, mit Geschmeide an Kopf, 
Hals, Brust und Armen reicht dem Mann ein grünes Gewächs. 

34. Radasaravu Kaste. Der Mann einen Speer in der Hand, im Gürtel 
einen Dolch, halbnackt Die Frau in dunklem Gewand hält in der 
Hand grüne Stengel. 

35. Kuli. Der Mann in weißem Gürteltuch und Mantel, mit farbigem 
Turban; die Frau in lila Kleid mit rotem Streifen. 

36. Musiker. Der Mann in geblümtem Rock, weißen Beinkleidern und 
roter Mütze, eine Cymbel in der Hand; die Frau in rosa Kleid mit 
Kastagnetten. 

37. Mann mit weißem Gürteltuch, eine farbige Schärpe auf der Schulter, 
reicht der vor ihm stehenden Frau eine Perlenschnur. Die Frau in 
dunkelfarbigem Kleid, mit Goldschmuck an Kopf, Brust und Armen. 

38. Metallarbeiter. Der Mann in schlafrockähnlichem weißen, geblümten 
Rock und gestreiften Unterhosen mit rotem Turban überreicht einer 
Frau eine Rolle Golddraht Die Frau in geblümtem violetten Rock 
und Schleier trägt eine Tasse in der Hand. 

39. Arkary Bramine. Der Mann in geblümter Jacke, gelber Schärpe und 
weißen Beinkleidern hält ein Schriftstück in der Hand; die Frau in 
höchst origineller Kleidung, aus Beinkleidern, Rock und Busentuch 
bestehend, trägt ein Goldgefäß unter dem Arm. 

40. Mann in langem weißen Gewand mit bunter Schärpe und Tuch um 
die Schultern, eine große Medaille auf der Brust, bläst auf einer 

Karl W* Hiersemann In Ldptig» Königsstrasse 3« Katalog 330* 



120 OriaiL Persische u. imlische Origimd-Malemen. XV.-XIX.Jakrh. 

schneckenförmigen Muschel, die in ein reiches Ooldomament aus- 
läuft, vor ihm eine junge Frau im Oürteltuch, ein Oefäß in der 
Hand und eins auf dem Rücken, mit einem Lichthalter. 

41. Kellooly Sitten. Nackter Mann, vor der Frau tanzend, schneidet sich 
das Bein auf; aus dem Mund quillt ihm der Schaum; aus einem Oefäß 
begießt er die Wunden. Die Frau in einfachem, weißem Oewand 
hält in der einen Hand ein Messer, in der anderen einen Topf. 

42. Palanquin Träger. Der Mann in langem weißen Kittel mit rotem 
Gürtel und rosa Beinkleidern hält einen Speer in der Hand. Die Frau 
in lila Rock hält in den Händen irgend ein Gewächs. 

43. Musiker. Der Mann in weißem Rock mit roter Schärpe und schönem 
Turban. Die Frau in geblümtem blauen Rock trägt einen Topf mit 
beiden Händen. 

44. Der nackte Mann trägt einen Sack auf dem Rücken und einen roten 
Beutel in der Hand; die Frau in buntem Gewand reicht dem Kind 
die Brust 

45. Schlangenbändiger. Der Mann in weißem Schlafrock und dunklen 
großgeblümten Beinkleidern mit phantastischem Kopfputz bläst eine 
Art Dudelsack; die Frau mit weißem Unterrock bekleidet hält eine 
züngelnde Schlange; im Hintergrund tanzt eine Schlange. 

46. Pundarem. Der Mann in rotem Beinkleid mit roter Schärpe trägt 
in der Hand einen Bündel Pfaufedem, in der andern eine vergoldete 
Metallscheibe, die Frau in rosa Kleid trägt auf der Schulter einen 
Speer mit Kranz, auf dem Rücken einen Schemel und in der Hand 
einen Topf. 

47. Tikur. Der Mann in malerischem Gewand hält in der einen Hand 
einen Käfig; in der anderen eine Pfeife; die Frau in dunkelgrünem 
Rock mit ebensoldien Beinkleidern hat in der Rechten eine fächer- 
förmige Goklplatte auf einem Stab, in der Linken eine Perlenschnur. 

48. Fruchthändler. Der Mann trägt auf den Schultern einen Bambus- 
stab, an dessen Enden Netze mit Früchten hängen; die Frau trägt 
auf dem Kopfe eine Urne und in der Hand ein Blechgefäß. 

49. Priester in durchsichtigem weißen Gewand, in den Händen eine 
Goldschale; hinter ihm die Frau in farbigen Gewändern, ebenfalls 
eine Goldschale haltend. 

50. Bettler, in weißem Gürteltuch mit schwarzer Schärpe, in der einen 
Hand eine Keule, in der anderen einen TMdti mit dem er sein Auge 
bedroht Die Frau in rotem Kittel mit geblümten Beinkleidern trägt 
über die Schultern ein Bündel Pfaufedem, in den Händen ein Brot 
und auf dem Rücken einen Sack. 

51. Seidenweber. Der Mann in blauem, geblümten Kittel und kurzen 
Hosen, auf dem Kopfe eine rote gestrickte Kappe, in den Händen 
Knäuel von Seide; die Frau in dunklem Rock mit rotem Streifen 
wickelt Seide von einer Spule ab. 

52. Bramine, den Kalender erklärend, in weißem Gewand mit roter 
Schärpe über die Schulter und mit blauem und rotem Turban; die 
Frau in prächtig ausgemaltem gemusterten Kleid. 

Karl W. Hiersemann In Ldpxlg, Königsstrasse 3. Katalog 330. 



OHaiL Pirsisdu tu indisdie OHguial-MaUrtim. XV.-Xni.Jahrh. 121 

53. Koch in weißer Jacke, Hose und Turban, einen Kessel in der Hand; 
vor ihm eine Fischhändlerin in gemustertem Rock. 

54. Töpfer, nackt mit Lendenschurz, formt auf der Drehscheibe ein Oefäß; 
die kniende Frau bearbeitet einen Topf. 

55. Kuhhirt, nackt, mit langem schwarzen Schleier, trägt auf dem Kopf 
ein Kissen und darüber einen schwarzen Topf; die Frau in weißem 
Rock trägt auf dem Kopf einen Korb mit einem Topf. 

56. Nackter Mann, der in der Hand ein kleines Schwein trägt und auf 
der Schulter eine Hacke hat. Die Frau hat auf dem Rücken ein Kind 
und in der Hand eine Hacke. 

57. Malayen. Der Mann mit weißem Lendenschurz und Schleier, in der 
Hand einen Dolch. Die Frau in weißem Oewand mit Schleier und 
Geschmeide. 

58. Krieger, in weitem weißen Oewand, mit schön gemustertem Mantel, 
in der Hand den Säbel; eine prächtige Figur. Die Frau in rotem Oe- 
wand mit Ooklstickerei, auf der Hand einen kleinen Papagei. 

59. Sattler. Mann und Frau in einfachen Kleidern; die Frau hat einen 
Sattel, der Mann die Steigbügel in der Hand. 

169 Indische Trachten« Eine Sammlung von 28 prächtigen 
Original-Aquarellen eines indischen Kunstlers aus der Zeit von 
1750—1810 in Aquarellfarben, Oold und Silber, genau und 
künstlerisch ausgeführt; eine männliche und eine weibliche 
Person auf einem Blatt. Folio. Bildgröße 35X25 cm. Mit 
schönem kalligraphischen Titel: 9 collection of original drawin^s 
to illustrate' the costume and manners of the Hindoos. In 
englischem Maroquinband. Jedes Blatt ist handschriftlich in 
Hindu und Englisch bezeichnet 800. — 

1. Sepoy in militärischer Haltung, neben ihm ein Mädchen in geblümtem 
Rock und roter Jacke. 

2. Fackelträger in kurzer weißer Jacke und gestreiften Schwimmhosen; 
die Frau in dunkelblau gestreiftem Oewand trägt einen Korb auf 
dem Kopf. 

3. Schneider in weißer Jacke und Hosen; vor ihm eine Frau in schön 
gemustertem Rock, geschmückt mit Geschmeide. 

4. Briefträger in lila Jacke, rotem Bandelier, einen grünen Turban auf 
dem Kopf reicht einem Mädchen einen Brief; das Mädchen in schön 
gemustertem Oewand mit Geschmeide geziert. 

5. Schütze. Ein Athlet, nur mit Schwimmhose und Turban bekleidet, 
trägt einen Bogen in der Hand; vor ihm ein Mädchen, das auf einer 
Stange zwei Körbchen balanciert. 

6. Standesperson. Ein Mann in gelbem Rock, in Farben und Gold ge- 
zierten Beinkleidern und hohen Stiefeln, einen Säbel an der Seite; 
vor ihm eine Frau in kostbarem Gewände und reichem Geschmeide. 

7. Linnenwäscher, nur mit Schwimmhose und Schürze bekleidet, einen 
Bündel Wäsche auf dem Rücken; neben ihm die Frau in dunkel« 
blauem Gewand mit gelben Streifen, ein Wäschebündel auf dem 
Kopf. 

Karl W« Hicfscauum In Ldpxlg» Königistrasse 3« KaUloy 330* 



122 Orient. Persisdie u. indlsdte Origmal-Maleram. XV.-XIX.Jahrh. 

8. Krieger, in weißem Rock und Beinkleidern geblümt und in Oold, 
mit Säbel an Diamanten -geschmüdctem Bandelier; in beiden Händen 
eine Wasserpfeife; vor ihm ein schönes Mäddien in reichem Oewand 
mit Geschmeide. 

9. Musiker in langen Gewändern. Einer davon in prächtigem roten 
Rock, goldgesticktem Gürtel und goldgesticktem Hut schnalzt mit 
den Fingern; ein zweiter in blauem geblümten Gewand mit schön 
geblümtem Hut bearbeitet zwei Trommeln mit gekrümmten Schlä- 
geln; ein dritter in grünem geblümten Rock mit sehr fein gemusterter 
Schärpe und gelbem geblümten Hui 

10. Landmann, neben einem weißen Ochsen; vor dem Ochsen ein Mäd- 
chen in dunklem Gewand mit roter Jacke. 

11. Raucher. Ein Mann mit weißem Sdiurz und weißer hoher Mütze 
sitzt auf einem Stuhl und raucht; eine Frau in weißem Rock reicht 
ihm Feuer. 

12. Märchenerzähler und Köchin. Der Mann in Weißem Rock mit far- 
bigem Besatz und bunten Turban hat in einer Hand eine Kugel, in der 
anderen eine mit Goldomament geschmückte Muschel. Die vor ihm 
stehende Köchin in hemdartigem Kleid mit buntem Besatz trägt zwei 
Gefäße. 

13. Zauberer in weißem Rock, mit vielen farbigen Streifen geziert, deren 
Muster aufs feinste ausgeführt ist; den Kopf mit farbigem Turban 
bedeckt; in der Hand ein Gefäß, wie eine Sanduhr geformt; die 
Frau vor ihm in weißem hemdartigen Gewand. 

14. Geflügelhändler. Der Mann in lila Jacke, weißem Hemd und losen 
Beinkleidern, einen einfachen Turban auf dem Kopf hat in der einen 
Hand einen Hahn, in der anderen einen Kessel; die Frau in weißem 
Rock hat einen Korb unterm Arm und in der Hand einen Fisch. 

15. Höherer Offizier, in langem, blauem geblümten Gewand, mit reichem 
Bandelier, auf dem Kopf einen roten Turban; in der Hand eine 
Lanze und in der anderen einen Bogen; die vor ihm stehende Frau 
in reichstem roten, mit Gold gewirkten Gewand und Geschmeide. 

16. Krieger, nur mit Gürtelschurz und Turban bekleidet; eine Lanze in 
der Hand und einen Dolch an der Seite; die vor ihm stehende Frau 
in weißem Rock mit roter Borte und dunkler Jacke. 

17. Bengalische Standesperson. Der Mann in grünem geblümten Rock 
und geblümten Beinkleidern, gelber Schärpe und rotem Turban; auf 
der Schulter einen- Säbel; die Frau in gelbem getüpfelten Kleid und 
mit Geschmeide. 

18. Mann in weißem kurzen Kittel, eine Lanze in der Hand; die Frau 
vor ihm in einfachem weißen Kleid mit schön gemustertem roten 
Besatz. 

19. Bramin in weißem Gewand, mit schön gesticktem Turban und roter 
Schärpe; vor ihm eine Frau in grünem Gewand mit prächtig aus- 
geführter Musterung; reich mit Geschmeide geschmückt 

20. Mausfellhändler, nackt, reicht der Frau, die einen Säugling auf dem 
Rücken trägt und einen Korb am Arm, eine Mausefalle. Die Frau 
ist dürftig gekleidet 

Karl W* Hiersemann In Leipzig, Königsstrassc 3. Katalog 330* 



Orient Persische u. indische Original-Malertim, XV.-XIX, Jahtrh, 123 

21. Gelehrter in grünem, schön geblümtem Kaftan und rotem Turban; 
in der einen Hand ein Schriftstück, in der anderen eine Rolle; vor 
ihm eine Frau in rotem getüpfelten Rock mit goldgestickter Jacke 
und reichem Geschmeide. 

22. Mann in weißem Beinkleid, ein Tuch über die Schulter; der ge- 
musterte Turban ist aufs feinste ausgemalt; die Frau in blauem Rode 
mit gelbem Besatz, mit Geschmeide geziert. 

23. Tänzerinnen in üppigster Kleidung, mit goldgestickter Jacke und 
ebensolchen geblümten Beinkleidern, die von einem ganz durch- 
sichtigen Gewand bedeckt sind, und mit goldgewirktem Schleier. 
Ein Mann in grünem Kaftan und rotem Turban handhabt die Kasta- 
gnetten, während ein anderer in blauem Gewand eine Art Trommel 
schlägt 

24. Ein Mann mit weißem Schurz und schönem bunten Turban hat ein 
blaues Tuch über der Schulter. Die Frau in rotem, gemusterten Kleid 
mit Goldborte, mit Geschmeide geziert. 

25. Musiker. Ein Mann in weißem Gewand mit gelben Bändern, ein 
Cymbal in der Hand, neben ihm eine Frau in weißem Gewand mit 
rotem Band, ein anderer Mann in grünem geblümten Kaftan und 
rotem Turban spielt auf einem trommelartigen Instrument 

26. Fruchtsaftverkäufer. Der Mann mit Lendenschurz und weißem Tur- 
ban mit Schleier bekleidet, trägt auf dem Kopf einen mit schwarzen 
Töpfen gefüllten Korb. Die Frau mit gemustertem Tuch bekleidet 
und mit Geschmeide geschmückt, hat einen schwarzen Topf in der 
Hand. 

27. Krieger in dunkelblauem Gewand und ebensolchem Turban hat in 
der Hand einen kostbaren Bogen und an Edelstein-geschmücktem 
Bandelier einen goldenen Köcher hängen; die Frau in rotem gold- 
gestickten Rock, mit goldig glänzender Jacke. 

28. Mann in langem, weißen Gewand mit goldenem Turban und lila 
Gürtel; einen goldenen Stab in der Hand. Die Frau in dunklem, 
geblümten Rock mit roter Jacke und Schleier. 

Miniaturen, vermutlich orientalische, nach europäischen Vor- 
bildern. 

170 Christuskopf in schwarz. — Miniatur auf Pergament; XV. 
— XVI. Jahrh. Stellt einen Schild dar, in welchem der oberste 
dreieckige Teil auf blauem Hintergrunde die päpstlichen Attri- 
bute (Tiare mit Schlüsseln und Bändern) zeigt, der untere 
den Christuskopf, schwarz mit goldenem Kreuznimbusbalken, 
auf dem Schweißtuch der Veronlca. Bildgröße QXöV« cm. 30. — 

171 — Miniatur auf Pergament. Der Kopf im Rundmedaillon mit 
hellblauem gestreiften Hintergrund und braunem Kreuznimbus- 
balken. Darüber eine primitive Darstellung des Mariakopfes 
mit rotem Schleier und braunem Nimbus. Hinter dem ganzen 
kreuzen sich die päpstlichen Schlüssel. Bildgröße 5^LX4 cm. 
XV.— XVI. Jahrh. 25.— 

Karl W. Hicrsemann in Ltipzig, Königfsstrasse 3. Katalog: 330. 



124 Orient Pmisdu u. indisdu Or^^ümlrMatatien. XV.^XiX.JahHu 

172 PeinturM persannes et indlennes. Äußerst originelle 
Serie von 18 persisch-indischen Miniaturen, die Männer 
und Frauen in ihrem Heim darstellen. Auf Carton gesetzt 
4. (Anfang des XVII. Jahrh.) Prächtiger roter Maroqumband 
mit breiter Randleiste in Ooldpressung auf beiden Decken und 
Oold auf dem Rücken. 740. — 

I. Vornehme Frau, mit roten und grünen Schleiern, in laufender 

Stellung; sie hält eine Blume in der emporgehobenen Hand. 

Unter dem Bild ist in persischer Schrift das Wort Nouradjihana 

geschrieben. 

II. Mann, mit einem lila, goldgebramten Kostüm und mit roter 
Kopfbedeckung, hält einen Krug und einen Becher. Frau, in 
kurzer hellbrauner Jacke und buntgemusterten Hosen, darüber 
einem weißen, durchsichtigen Glockenrock, hält in der Linken 
ihren lang herabwallenden zinnoberfarbenen Schleier und in der 
Rechten eine Blume. Unter d. BikL d. Mannes ist Cha Djianguir, 
unter d. Bild d. Frau ist Nour Dj^an Beguir, ^pouse de 
Cha Djianguir auf einem aufgeklebten Zettel geschrieben. 

III. Liebespaar mit dem Rüdcen an ein rotes Kissen mit goldenem 
Oberzuge gelehnt, sich umarmend. Mann in weißem, Frau in gelb 
und lila mit Perien geschmückten Kostüm. Sehr schön in der 
Ausführung, besonders die Oesichtspartien. 

IV. Mann und Frau in reicher Kleidung und bunten federgeschmüdkten 
Turbanen, stehend. 

V. Brustbild einer Dame von Stand, deren Kopf von einem Nimbus 
umstrahlt ist Ein Perlennetz bedeckt die unbekleidete Brust 
Sie hebt mit der Linke eine Rose empor. 

VI. Vornehme Frau, kniend, mit verschränkten Armen. Hinten eine 
Pakne. 

VII. Mädchen mit angezogenem rechten Bein auf goMenem Sessel 

kämmt das über den entblößten Leib fallende Haar. 
VIII. Frau in weißem, verziertem Schleier und in gehender Stellung 
hebt mit der Rechten einen Stab tait aufgereiheten bunten Früchten 
empor. Hinter ihr eine Pakne. 

IX. Stehende, reichgekleidete Frau,, hält einen Pfau in ihren Armen« 

X. Mädchen mit entblößtem Obericörper und durchsichtigem Glocken- 
rock hebt eine Blume in der Rechten und ihr Perlengeschmeide 
in der Linken. Sie schreitet mit hohen Sandalen auf gewölbtem 
Grunde. 

XI. bis XIII. unterscheiden sich von X. nur durch die Farbengebung. 
XIV. Das Bild zerfällt in zwei Teile: im obersten sitzt ein Fürst mit 
goklenem Kostüm auf einem goldenen Sessel; er gibt einen 
Befehl an einen Beamten, der in lila und goldenem Kostüm vor 
ihm steht, während ein Diener ihm von hinten Luft zufächelt; 
in dem unteren steht ein Weib auf einer Treppe, nadkt, nur mit 
Perlen bekleidet, welches einen Arm in die Höhe stredkt Rechts 
und links betrachten sie zwei Türhüter. 

Karl W« Hierscmann in Ldpdgt Königsstrasse 3« Katalog 330. 



OriaiL Pmisdie tu üuUsehe OrigUud^MaUrdeiu XV.-^XIX. Jahrh. 125 

XV. Ein höherer Beamter kniet vor einem Weib, welches schlafend 
daliegt Dahinter ein weißer buntt>emalter Palast Reiche Rand- 
verzierung. Oben sind vier persische Worte geschrieben. 
XVI. Ebenfalls zweiteilig; der obere Teil wie bei XIV; nur die Farben 
sind geändert. Der untere stellt vier hohe Staatsbeamte dar, die 
nach orientalischer Art dasitzen, mit Schriftrollen in den Händen. 
Persische Unterschrift 

Es scheint, daß dem Sinne nach ein Zusammenhang zwischen 
den Blättern X. bis XVI besteht Wenigstens ist auf der Rüdk- 
selte eines jeden dieser Blätter eine persische Erklärung gegeben, 
welche der ausgeschnittene Karton hindurchscheinen läßt 
XVII. Eine Fürstin an ein rotes Kissen gelehnt und eine Blume in der 
Rechten haltend, lauscht der Musik ihrer beiden Hofdamen. Hinter 
ihr eine Dienerin mit Fächer. Hinter einer Brüstung Bäume und 
Gebüsch. Im Vordergrunde, verhältnismäßig viel zu klein ge- 
zeichnet, ein Kind. 
XVIII. Kopfstudie einer vornehmen Frau, mit grünem Schleier und reichem 
Perlenschmuck an Ohr und Hals. 
Hervorzuheben ist besonders die peinliche Genauigkeit der Zeich- 
nungen und das lebhafte Kolorit der Blätter. Hände und Füße der Frauen 
sind alle mit Henna gefärbt — Die kindliche Auffassung, die unnatür- 
lich steife Haltung und die unrichtigen Größenverhältnisse lassen den 
frühen Ursprung dieser Miniaturen erkennen. 

173 Persische Original-Malerei etwa aus dem Ende des XV. 
Jahrhunderts. Erstklassiges Blatt in der bekannten abgetönten 
Farbengebung, in gr.-8*^, das, wie es scheint, einen Aufbruch 
zum Feldzug von Militär zu Fusse und zu Elefant darstellt 

120.— 

174 Persische Original -Malereien. Umfangreiche Sammlung 
von Bildnissen indischer Moghul-Kaiser, sowie von Offizieren 
und Beamten derselben, hauptsächlich aus der Zeit der Kaiser 
Jihangir (1605—1627), Shah Jihan (1628—1658) und Aurangzeb 
(1658—1707). 2400.— 

Es sind 38 ziemlich gleich große Portraits, ganze Figuren, stehend oder 
sitzend, auch einzelne Reiterfiguren, in feiner Aquarell-Malerei ausgeführt 
Die einzelnen Bilder sind auf Pappen aufgeklebt (Format 34:23 cm), 
und der frei bleibende Rand ist mit Blumenmustern, Guirlanden usw., 
ebenfalls mit Aquarellpflanzen geschmadkvoll verziert Die Bilder tragen 
sämtlich Unterschriften in persischen Buchstaben in ziemlich flüchtiger 
Shikästä-Schrift, den Namen der betreffenden dargestellten Person, teil- 
weise auch den Namen des Künstlers angebend. Letzteres ist von be- 
sonderem Werte, da die Nennungen von Malern auf den indischen Bil- 
dern nicht häufig sind. 

Es sind im einzelnen folgende Porträts (sie sind im folgenden nach den 
teilweise verwischten Spuren einer alten Zählung geordnet). 

Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstr asse 3« Katalog 330* 



126 Orient Persische u. indische OriginalrMalerden, XV.-XIX.JahHu 

1. Shah Jihan, Kaiser 1628—58, bringt einem Heiligen, dem Saiyid, Mir, 
seine Verehrung dar. 

2. Sulaiman Shikuh, betet den Salim Husaini an. Sul. Sh. ist ein Enkel 
des Kaisers Shah Jihan, Sohn des Dara Shikuh. 

Na 1 und 2 sind die einzigen Gruppenbilder der Sammlung. 

3. Die Unterschrift lautet: „Sultan Qural (?, Quran?) Muazzem, pidar-i- 
Sahib Quran'' = Sultan Q. M., der Vater des Sahib Quran. Mit letz- 
terem Namen wird meist der bekannte Eroberer Timur (f 1404) be- 
zeichnet; dessen Vater aber Taragai hieß. 

4. Sultan Hulagu Khan. Oer bekannte Mongolenfürst, Enkel des Dschin- 
gis-Khan, Herrscher in Perslen 1256—1265. 

5. Shah Thimur, Sahib Quran. 

6. Shah Rukh, Sohn des vorigen, 1378—1447. 

7. Padlshah Sikender Oujerati. König von Gujerat, reg. im Jahre 1525. 

8. Padlshah Jihangir, Kaiser von 1605—27. 

9. Muhammad Shah, Sahib Quran, Kaiser von 1719—1748. 

10. Padishah Farrukhsiyar, Vorgänger des Vorigen, reg. 1713—1719. 

11. Nawwab Mir Fadil Khan. — Mir Saman (== Lord Stewart) des 
Kaisers Aurangzeb. f 1662/63, s. Alamgirname (Ausg. der Bibl. In- 
dica), pag. 833. 

12. Nawwab Mubarckad-Daula Nlzamal-mulk Cingalic Khan Asaf Jab. 

Premierminister des Kaisers Muhamed Shah seit 1722 (siehe Mun- 
takhab ul-lughab). 

13. Nawwab Qamr ad-Din Khan Itimad ad-Daula . . . 

Premierminister d. Muhammad Shah. Amtsnachf. d. vorigen, f 1748. 

14. Khandauran Khan Samsam ad-Daula . . . Sohn des Khandauran. No. 19. 

15. Nawwab Ibrahim Khan, ältester Sohn des 'Allmardan Khan. Lebte 
zur Zeit des Shah 'Alam (reg. 1706—1712). Seine ausführliche Bio- 
graphie In den „Maatir alumara''. (Bibliotheca Indica, Bd. I, pag. 
295—301). 

16. Nawwab Buzurg-Umed-Khan, ältester Sohn des Shayista-Khan. Neffe 
der berühmten Frau des Kaisers Jihangir, Nur-i-Mahall, s. unten No. 32 
u. 33. Seine Biographie in Maatir al-umara I, p. 453 ff. Er starb 1693. 

17. Nawwab Khankhanan, Minister d. Kaisers Jihangir. 

18. Shahzada Muhammad 'Azim as-san. Sohn d. Kais. Shah-'Alam. f 1712. 

19. Nawwab Khandauran Amiral-umara-i-Shah Jihan. Der Amur al-umara 
des Kaisers Shah Jihan. f 1645. Biographie: Maatir al-umara I, 749. 

20 Mir Muhammed Salakh Khan. Offizier des Kaisers Aurangzeb; Bruder 
des vorigen (?). 

21. Nawwab Shahamat Jang. Anfänglich Anhänger des Dara Shikuh, 
später zu Aurangzeb übergegangen. Er starb ca. 1670. 

22. Ruz-afzum Khan. Oeber diesen Mann war nichts zu ermitteln. 

23. Jawed Khan Nawwab Bahadur. 

Der Ober-Eunuch des Kaisers Muhammed Shah. Er hatte einen 
unheilvollen Einfluß auf die Staatsgeschäfte am Hofe von Delhi ge- 
wonnen, und wurde auf Veranlassung des Ministers am 28. August 
1752 ermordet (S. Bayan-i-loagi'.) 

24. Saiyid 'AU Khan. Offizier des Kaisers Aurangzeb. 

Karl W. Hicrsemann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330» 



Orient Pirsische u. üuUsehe OriginaUMalatim. XV.-XIX.Jahrh. 127 

25. Nawwab Satabat Jang (?). Wenn der Name richtig jgelesen ist, so ist 
der dritte Sohn des Nizam al-mulk (s. oben No. 12) gemeint 

26. Nawwab 'Ala ad-Daula. Nichts zu ermitteln. 

27. Nawwab Husain Quli Khan. Von diesem Fürsten aus der Zeit des 
Aurangzeb findet sich auch ein Porträt in den Sammlungen des 
British Museum. Siehe Rieu, Catalogue of the Persian Mss. II, p. 783. 

28. Nawwab Ja'far 'Ali Khan Shuja 'el-mulk. 

Gouverneur von Bengalen unter Muhammed Shah (Mitte des 
XVIII. Jahrh.). Er kam in vielfache Berührung mit den Engländern in 
Calcutta. 

29. Mir Muhammad Sa'id (?) Khan. Sonst unbekannt 

30. Frauenbildnis. Der Name ist leider unleserlich geschrieben. 

31. Frauenbildnis: Nawwab Zeb an-nlsa. Alteste Tochter des Kaisers 
Aurangzeb. 

32. Nur-i-Jihan Begam. Die unter ihrem späteren Beinamen „Nur-i-Ma- 
hall^' bekanntere Lieblingsfrau des Kaisers Jihangir, zu deren An- 
denken der Kaiser das berühmte Mausoleum „Taj i-Mahall^' in Agra 
hat erbauen lassen. (Siehe auch die folgende No.) 

33. Aufschrift auf dem Bilde selbst: Nur-i-Mahall. 

34. Fajr an-nisa Begam. Tochter des Aurangzep. 

35. Burhan ad-Dln Khan. Offizier des Aurangzeb, Brudersohn des Fadü 
Khan (No. 11). Siehe 'Alamgirname p. 818. 

36. 'Ali Naqi Khan. Sonst unbekannt Ebenso. 

37. Nawwab Jisaret (?) Khan. 

38. Zubdat an-nisa Begam, dukhtar i-'Alamgir. Dritte Tochter des Kaisers 
Aurangzep. 

Die in den Unterschriften vorkommenden Künstlernamen sind folgende: 
Citarman (Bahadurshahi) No. 8, 9, 12, 14, 16, 20, 31, 34, 38. 
Hunhar (Jihangiri) No. 2, 5, 17, 19, 30, 32. 
Masih (az-zaman) No. 3, 4, 11, 18. 
Anup Akbari No. 6. 

Bustam Dakhni (d. h. aus d. Dekkhan stammend) No. 1. 
Nicht sicher zu lesen ist der Name des Malers von No. 24, 26, 28, 
35, 36, 37. (VieUeicht: Jachal??) Ebenso No. 7 und 10. 

Keine Namen haben die No. 13, 15, 21, 22, 23, 25, 27, 29, 33. 
Von diesen Malern kommen die beiden ersten noch vor in Unter- 
schriften in dem berühmten „Album des Ashraf Khan'' (f 1686) in 
British Museum (Rieu, Catalogue 11, p. 778 ff.). 

Beide lebten zur Zeit des Jihangir und Aurangzep. Masih az-zaman 
ist möglicherweise identisch mit dem Maatir al umara I, 577 angeführten 
Vazir des Kaisers Jihangir. Er stammte aus Shiraz, und starb 1651 in 
Kashmir. Dann aber kann die Unterschrift unter No. 18 nicht richtig 
sein, denn Muhammad Azim as-san ist 1656 geboren. Freilich wird an 
der betr. Stelle der Maatir auch nichts von Malkünsten des M. erwähnt 
Anup ist wohl gleich dem Anup Citar bei Rieu II, 780. Durch das hier 
hinzugefügte „Akbari'^ wird er der Zeit des Kaisers Akbar (1556—1605) 
zugewiesen. Das hier ihm zugeschriebene Porträt des Shah Rukh wäre 

Karl W. Hicarsemann in Lüptigp Königsstrasse Z. Katalog 330. 



123 OrienL Pmisehe tu indische Origimü^Maimim. XV.-^XIX.Jahrk. 

dann Kopie nach einer älteren Vorlage. Die beiden von Ihm im Albwn 
des Ashraf Khan gemalten Bilder weisen ihn der Zeit des Shah Jlhan zu. 

Ober die übrigen Künstier ist nichts weiter bekannt 

Aus dem eben Gesagten geht hervor, daß hier Originalwerke bekannter 
Künstier des XVII. und XVIII. Jahrhunderts vorliegen. Allerdings rühren 
die Unterschriften wohl nicht von der Hand des Künstiers selbst her, da 
sie zum allergrößten Teile von ein und derselben Hand geschrieben sind; 
doch liegt kein Grund vor, die Richtigkeit dieser Angaben irgendwie 
anzuzweifeln, trotz des offenbaren Mißgriffes auf Bl. 18. — 

Auf die Rückseite der Pappen sind noch 36 kalligraphische Blatter 
aufgeklebt; (auf No. 1 und 32 fehlen dieselben). 

8 der Blätter enthalten Hafiz-Oden in sehr schönen alten indischen 
Ta'liq Schriftzügen, die wohl dem 17. Jahrhundert angehört 

Die übrigen, meist arabisch in Naskhi-Schrift, stammen größtenteUs 
von der Hand des Abu4-Fath Ibn-Fida 'Ali Khan; vier von ihnen sind 
1202 der Hijra (= 1787/88) dadlert 

Die 38 Pappblätter befinden sich in einem bemericenswerten alten, 
außen mit Ladcmalerei (braun in braun) schön verziertem Dedcel. 

175 Persische Orlginalmalereien. 7 Blatt, in einem roten 
Halblederbd vereinigt. 4. Ca. 1680. MO.— 

Höchst originelle Folge. 

Auf dem Rücken des Einbandes steht geschrieben: Divinit^s in- 
diennes. Animaux symboliques. 4 Malereien stellen Göttinnen dar: 

I. Göttin mit gc^ener Jacke über der Brust und mit durchsichtigem 
weißem Schleier auf dem übrigen Körper. Sie faßt mit der Rechten 
den Zweig eines Baumes und schaut ins Weite. Sie trägt ein Perien- 
halsband und Perlenringe am Ohr und an der Nase. Ihre Finger sind 
mit Henna gefärbt 

II. Auf einem grünen Wiesenplan geht eine Göttin, eine Art Man- 
doline in der Rechten haltend. Sie hat den Kopf zurüdkgewandt und 
stredkt die Linke nach einem Wikirudel aus, das ihr folgt Sie geht 
auf hohen Sandalen, hat die Hände und Füße mit Henna gefärbt Brust 
und Schultern sind mit einem gelben Koller, die Beine mit roten, gold- 
geblümten Hosen bekleidet Von den Hüften der im übrigen unbekleideten 
Gestalt hängt ein weiter, durchsichtiger Schleierrock herab. Im Vorder- 
grunde, ein Teich mit Wasserpflanzen und jungen Kranichen. Im Hinter- 
grunde, in bizarrer Form, die Darstellung eines bewaldeten Tales mit 
einem Wildwechsel, in welchem ein Tiger lauert 

III. Göttin, mit 10 (abgehackten) Armen, von denen jeder einen anderen 
Gegenstand hält, scheint in die Knie zu brechen. Links hinter ihr ein 
anderes Weib, von lila Hautfarbe, hält in der Linken einen Schild, 
in der Rechten das blutige Schwert, das die Arme abgehackt hat Beide 
tragen auf dem Kopf eine goldene mit Perlen geschmückte Krone, sind 
mit einem gelben Rock, von der Hüfte ab, bekleidet und tragen Perlen- 
schmuck. Im Hintergrund, hinter Palissaden, laufen zwei weiße Stiere. 

Karl W. Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330« 



OriaiL Ptrsische iL indische Or^ginal-Malemen. XIIL-XIX.JahHu 129 

IV. Eine dreiäugige Göttin, mit acht Armen, im Kampfe mit einem 
blauen Drachen und einem roten Teufel, wobei ein weißes symbolisches 
Tier sie unterstützt. In den Armen hält sie verschiedene Waffen. 

V. VI. Am merkwürdigsten sind die Blätter 1 und 3. Sie bilden 
die Umrisse eines Pferdes, resp. eines Elephanten ab, und zwar sind 
die Innenräume im ersten Falle von Tier- und Menschenleibem in 
grellen Farben ausgefällt, im zweiten Falle wird der Körper durch 8 weib- 
liche Gestalten gebildet. Auf dem Pferd sitzt ein Hund; der Elephant 
trägt einen Kornak. 

VII. Das letzte Bild stellt die ewige Verdammnis in indischer Auf- 
fassung dar. 

Die Malereien sind auf dünnem Papier ausgeführt, auf starkes auf- 
gesetzt und tadellos erhalten. 

176 Persische Orl^nal-Malereien. — Ein Album in Leporello- 
Forni, dessen 2 Einbanddecken aus feinen, reich ornamentierten 
Lack-Malereien bestehen. Die eine stellt eine persische Hoheit 
dar, auf ihrem Thron sitzend und von 3 Hofbeamten umgeben; 
die andere die Beschneidungsszene eines Kindes. Das Album 
enthält 9 auf Karton gezogene Farben-Malereien mit bunten 
Randleisten; es sind meistenteils Beamtenporträts in vornehmen 
Kleidungen: 2 Einzeldarstellungen und 4 Gruppen; ferner ein 
Gefangener, Kopf und Hand in ein Holz eingespannt Die 
2 übrigen Bilder bringen ein Krankenlager und einen Zwei- 
kampf zwischen persischen Rittern. — Es ist zu vermuten, 
daß dieses Album als Illustration eines persischen Literatur- 
werkes diente. Etwa 1780. 22V,X17V« cm. 280.— 

177 Persische Original-Malerei. — Eine vornehme Perserin mit 
hellblauem Turban, jeich vergoldeten mit blauen und roten Or- 
namenten besäten Überwurf und grünem Kleid, trägt eine weiße 
Vase mit goldenem Henkel, welche die Form einer Amphora 
hat und mit blauen Tauben bemalt ist Über den Arm hängt 
ein violetter Shawl. Die Zeichnung ist sehr naiv entworfen, 
jedoch ist der Gesichtsausdruck sprechend. Der mit goldenem 
Blattwerk verzierte Rahmen ist etwas beschädigt und sauber 
ausgebessert Der Grund des Bildes ist mattgelb gehalten mit 
goldenen Pflanzen. Etwa 1750. 75. — 

178 Persisch-indische Aquarelle. Eine Sammlung von neun 
indischen Aquarellen. Keines der Blätter trägt eine Unterschrift, 
doch läßt sich durch Vergleichung mit anderen Sammlungen 
feststellen: 1. Porträt des bekannten Tfmür (1369—1404). Das 
Bild ist recht alt 2. Porträt des indischen Moghul- Kaisers 
Jihänglr (1605—1636). 3. Porträt des Shujä ed-Dowle Behädur, 
Nabob von Oudh (gest 1775). 4. Porträt des Kaisers Muhammed 
Shäh (1719—1748). 5. Porträt eines südind. Fürsten in voller 
Kriegsnistung. Interessant ist die Zeichnung des Kettenpanzers. 

Karl W. Hicrsemann in Leipzig:» Königfsstrasse 3« Katalog: 330* 

9 



130 OHaiL Persisdie u. indische Original'Malmiiru XIU.'-XlX.JahHu 

6. Das Orabmal des Kaisers HumayOn (1530—1555) in Agra, 
welches, ebenso wie die folgende Nummer, zu den hervorragend- 
sten Denkmalen muhammcäanischer Baukunst in Indien gehört 

7. Der ,,Taj Mahäll^ das berühmte Mausoleum einer Frau des 
Kaisers Shäh Jihän (1632—56) in Agra. 8. Ein indischer (nicht 
muhammedanischer) Tempel. Q. Eine Gruppe indischer Gaukler 
und Athleten. Quart und Oktav, (ca. 1500—1700). 195.— 

179 Persisch-indische Aquarelle. Eine Sammlung von 24 zum 
Teil ausserordentlich scnön ausgeführten Aquarellblättem, aus 
Nord- und Zentral-Indien stammend. Quer-folio. Juchtenband 

680.— 

Folgende Gruppen gehören zusammen: 

I. No. 1—5. Nordindische Typen. 

Diese Blätter sind von hervorragender Schönheit; sie zeichnen sich 
besonders durch Feinheit der Zeichnung» sowie durch reichhaltige 
Koloriening vor allen mir sonst bekannten derartigen Aquarellen aus. 
Höhe 34 cm, Breite 24 cm. Sie werden etwa aus dem Ende des 
18. Jahrhdts. stammen. 

1. Eine Tänzerin, von einem Pauker und einem Schellenträger be- 
gleitet 

2. Ein Schneider mit Maßstab und Schere mit einer Tänzerin. 

3. Zwei südindische religiöse Tänzer mit eigentümlichem Kopfputz. 

4. Ein vornehmer Inder und eine Bajadere mit einem Papagei 

5. Ein Ehikari (Jäger), der durch seinen Turban als Muhammedaner 
charakterisiert ist Sehr schön und treffend ist der mongolische 
Typus des Gesichts gezeichnet 

II. Eine zweite zusammengehörige Reihe bilden die Nos. 6, 7, 8, 9, 10^ 
11, 12, 17. Es sind dies größtenteils Porträts, sowie auch Darstel- 
lungen aus dem Leben der vornehmen Radschputen, wie dies die 
charakteristische Zeichnung der Gesichtszüge deutlich erkennen läßt 
Die Bilder tragen auf der Rückseite kurze Inschriften in sehr kursiven 
Gudscherati Schriftzügen, das von einem hier lebenden Eingeborenen 
als etwa aus Marvar stammend bezeichnet wurde. Das weist eben- 
falls auf das westliche Gebiet der sogenannten „Central Provinces'' 
sowie auf die unabhängigen Radschputen-Staaten des Zentralen 
Indiens. Die Bilder sind wegen dieser ihrer Herkunft äußerst wert- 
voll; sie stammen etwa aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts» 

III. Femer bilden eine Reihe die Nos. 13, 14, 15, 16, wozu noch, obwohl 
etwas abweichend ausgeführt, die Nos. 18 und 21 zu zählen sind. 
Wir haben hier 6 Darstellungen der sogenannten Ragini's, Personi- 
fikationen der indischen Tonarten, die einen beliebten Stoff der in- 
dischen Aquarellisten bilden. No. 13—16 enthalten oberhalb des 
Bildes in einem kleinen länglichen Medaillon auf silbernem Grunde 
die zugehörigen Verse in Bradsch-Bhakha (einem Hindi-Dialekt) in 
Nagari-Buchstaben. Leider sind die Namen der einzelnen Ragini's 

Karl W* Hicrsemann in Ldpzigf Königsstrasse 3. Katalog 330* 



Orient Persisdie lu indisdu Origbud-MaUrdm. XII!.-XIX.JahHu 131 

nicht angegeben, doch lassen sich durch Vergleichung mit anderen 

Sammlungen folgende feststellen: 

No. 14. Asavari-Ragini, 

No. 15. Hindul-Ragini, 

No. 16. Malkus-Ragini, 

No. 21. Bhakara-Ragini. 

IV. Die übrigen Bilder sind: 

No. 19. Porträt des Savar (Ritter) Dschagat-Singh. Aufschrift auf 
der Rückseite in Hindi Sri-savar-Jagatsingh-ji ki tasbir. 

No. 20. Brustbild einer indischen Tänzerin. 

No. 22. Porträt des Nadir-Shah, Königs von Persien (1736—1747), 
der ganz Vorderindien eroberte. 

(No. 19, 20, 22 stammen etwa aus dem Anfange des 
19. Jahrhdts.) 

No. 23. Eine persische Schönschriftprobe, enthaltend einen persi- 
schen Vers. Der Schönschreiber hat sich unterzeichnet: i^u- 
hammed Mehdi, und auch das Datum 1229 (1814) darunter 
gesetzt 

No. 24. Porträt einer vornehmen Frau aus Kaschmir. Die sehr ge- 
treue Wiedergabe der eigentumlichen Tracht ist hervorzu- 
heben. In dem Bilde macht sich sonst ziemlich starker 
europäischer Einfluß bemerkbar. 

180 Persisch-indische Malereien. — 14 Miniaturen nach alten 
persischen Bildern in Indien gemalt, jedenfalls nicht von e. per- 
sischen Maler. Mit persischem Tex^ wohl aus Quisse Shah- 
i Mardan Ali, der Geschichte Ali bin Abi Talibi des vierten 
Chalifen, Schwiegersohns Mohammeds und Helden Persiens; 
Illustrationen zu einem alten Ritterromane der arabischen Zeit 
Größe 18V«X13. Etwa 1800. 900.— 

1. i^ir Sejaf reißt sich von den Fesseln los und schlägt mit einer Zelt- 
stange auf die Feinde Dschamschid Schah. 

2. Firus Schah preist Ali auf dem Schlachtfeld. 

3. Sehnan gibt Ali eine Narzisse. 

4. Firus Schah landet und geht nach Medina. 

5. i^alik bewundert Ali in all seiner Schönheit 

6. i^alik am rechten Auge verwundet Ali tötet den Drachen. 

7. Sameh ergreift im Kampf einen Mann am OürteL 

8. Kamke mit Udi Oin Hasem T'al ziehen zum Hause Alis. 

9. Omar auf seinen Wunsch mit dem Oürtel Alis umgürtet 

10. Eine Quelle erscheint plötzlich und labt den Durstigen; Wunder Alis. 

11. Sun'um, ein gottesfürditiger Mann vor Ali. 

12. Samin wird Moslim. Sameh hält ihn empor vor d. Augen der Beni Kibt 

13. Leute von Lhara erobern Rumi, machen große Beute. (Besonders 
frühe Darstellung von Thibetanern). 

14. Kampf in Rumi. Bin-i Lufian greift einen Franken an. 

Karl W* Hiersemann in 'Ltipzigp Königsstrasse 3« Katalog 330» 



132 OriaiL Persische u, indisdte Origituü-MaUmen. XIIL-XIX^JahHu 

Man findet sehr selten Miniaturen mit Darstellungen thibetanischer 
Krieger. Es ist zu bemerken, daß auf diesen Blättern Alis Qesidit immer 
verschleiert ist Auf einigen wenigen Blättern ist die Fart}e teilweise 
abgesprungen. 

181 Persische und indische Original-Malereien. Ein Album, 
enthaltend indische (u. persische) Aquarelle verschiedensten In- 
haltes und Alters. 1480.— 

I. Porträt des Raja Dhugali (?) Singh (l^ut Aufschrift). Südindischer 
Fürst Das Bild stammt etwa aus dem Ende des XVII. Jahrhunderts. 
Maße (das Bild ohne den ebenfalls aquarellierten Rahmen gemessen) 
29:20 cm. 

2. Bild eines indischen Heiligen. Vor ihm steht eine Tänzerin mit drei 
Musikanten. Ebenfalls ca. 1700. Maße 28:17 cm. 

3. Eine Illustration zu dem bei den Persern sehr beliebten epischen 
Sujet Madjnun, „der Verrückte", den Sehi, die Geliebte, zu besuchen 
kommt Von hervorragend schöner Ausführung sind die Gesichter 
der vier Frauen. Etwa aus dem XVII. Jahrhundert. Maße 25 : 16 cm. 

4. Ein kleines, sehr fein ausgeführtes Bild eines Tänzers mit drei Musi- 
kanten. Wohl aus dem XVI. Jahrhundert Maße 7:37« cm. 

5. Brustbild des Kaisers Babur. Ohne Aufschrift XVII. Jahrh. Maße 
7:41/, cm. 

6. Die Frauen im Hofe eines Palastes stehend. Unterschrift Gemalt 
von Fath Chand. Wohl aus dem XVII./XVIII. Jahrh. Maße 15:9 cm. 

7. Porträt (ganze Figur) eines (wohl südindischen) Fürsten. Hinter ihm 
steht ein Oiener mit einem Ptauenwedel. Die Untersdirift des Künst- 
lers ist leider so abgeschnitten, daß der Name nicht entziffert werden 
kann. Malerei in der Manier des XVIII. Jahrh. Maße 17^/2 : 13 cm. 

8. Szenen aus einer Tigerjagd. Zwei Jäger reiten auf einem Elephanten, 
der m. seinem Rüssel einen Tiger gepackt hält Ein dritter Jäger 
rennt, mit Schild und Schwert bewaffnet, gegen einen zweiten Tiger 
an. Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Maße 11 : 17 cm. 

9. Eine Hirtin, welche einem in e. Felsgrotte aufgestellten Linga Opfer 
darbringt Ca. XVII. Jahrhundert Maße 14:10 cm. 

10. Hirtin mit e. zahmen Tiger. Ca. XVII. Jahrh. Maße 147, : 10^/, cm. 

II. Indische Handwerkerszene. Ca. XVIII. Jahrh. Maße 21 : 12Vs cm. 
12. Eine Anzahl Personen, Männer, Frauen u. Kinder, bringen einem 

Büßer Ehrengeschenke. XVIII. Jahrh. Maße 2372:14 cm. 

B. Illustration zu einer Tierfabel, vielleicht Kaiila wa Dimna. XVIII. 

Jahrh. Maße \A^I^ : 10 cm. 

14. Eine Dame nebst Dienerin beim Lingapudscha. XVIII. Jahrh. 
Maße 21 : 13 cm. 

15. Bildnis (ganze Figur) eines Inders. XVIII. Jahrh. Maße 21 : 13 cm. 

16. Ein indischer Muslim, Wasserpfeife rauchend, nebst einem Diener. 
Vor ihm zwei Musikanten. XVIII. Jahrh. Maße 22:157, cm. 

17. Ein indischer Heiliger vor seinem Tempel. Er sitzt auf einem Tiger- 
felle, hinter ihm eine Gazelle. Ziemlich altes Bild, ca. XVII. Jahrh. 
Maße 25:16^/2 cm. 

Karl W. Hlersemann in Leipdg, Königsstrasse 3. Katalog 330. 



OHenL Persische u. indische Origmal-Makreim. XIII.- XIX. Jahrh. 133 

18. Porträt (glänze Fig^ur) eines indischen Großen. Erste Hälfte des 
XVIII. Jahrhunderts. Sehr feine Strichzeichnung^ mit ganz geringer 
feiner Colorierung. Maße 15 : 10 cm. 

19. Porträt des Kaisers Shah Jihan (reg. 1632—56); ohne Unterschrift 
Etwa aus dem XVII. Jahrhundert, also ziemlich gleichzeitig mit dem 
Kaiser. Maße 14:10 cm. 

20. Drei brahmanische Frauen bringen einem Büßer ihre Verehrung 
dar. Ca. XVII.— XVIII. Jahrhundert. Maße 30 ; 20 cm. 

21. Gott Krishna unter den Gopis in Mathura. Ca. XVII. Jahrhundert. 
Maße 28:20 cm. 

22. Haremsszene in indischem Stile. Spätes XVIII. Jahrhundert Maße 
65:34 cm. 

Diese reizende Kollektion von hervorragend schönen persischen und 
pers.-indisdien Original-Malereien ist vereinigt in einem neuen, eleganten 
Halbmaroquinband, die einzelnen Blätter sehr sauber in Kartons ein- 
gelegt 

182 Supplices des m^chants. Recueil de 47 miniatures de 

la mythologie hindoue, mont^es sur papier fort et accom- 

pagn^es chacune, au verso, d'une notice explicative en persan 

avec traduction fraiK^ise. (Fin du XVII e. s.). Reliure pleine, 

en maroquin rouge fonc6; mosalque ä filets et compartiments; 

fleurs gaufröes et dor^es; tranches dor6es; dos uni. 950.— 

Collection de la plus haute originalit^ et de la plus grande raret^. 

Les dessins, tr^s na'ifs, sont finement ex^cut^s et peints en miniature 

avec un soin particulier. Voici ce qu'ils repr^sentent: 

1. La r^compense de Fhomme mis^ricordieux; assis sur un tröne dans 
le paradis, il regoit des fruits des mains d'une femme, pendant 
qu'une autre l'^vente et qu'une troisi^me lui tend un coffret d'or. 
D^cor: fleurs, plante. 

2. Asrail, dieu ä plusieurs t^tes envoie au m^chant un ange de Penfer et 
au bon un bon ange. Sur les feuilles de Parbre contre lequel il est 
adoss^ se trouvent des mots persans. 

3. Une ^trang^re regoit les conseils d'une autre femme, assise sur un 
arbuste, une guitare sur l'^paule. Sur le haut d'une brauche, un 
oiseau. 

4. Un bon musulman est Visits dans son tombeau par deux anges ail^s. 

5. Les memes anges avec des figures effrayantes, viennent frapper un 
mort dans sa tombe. 

6. Un voleur, sur le Heu du jugement, est mordu par une couleuvre et a 
le bras droit mang^ par un tigre, pendant qu'un d^mob ä t^te d'aigle 
lui frappe la t^te d'une massue. 

7. Un d^mon sde en deux la t^te d'un tyran. 

8. Supplice de celui qui s'est coup^ la barbe dans sa vie: il lui 
pousse une barbe le jour du jugement, par laquelle le tient un d^mon 
sous forme d'animal, pendant qu'il lui frappe la t^te d'une massue 
d'or. Un autre personnage fantastique le frappe dgalement 

Karl IT. Hiersemann in Leipzigs Königistrasse Z. Katalog 330. 



134 Orient Persische a. indisdie Original-Malerri^ XIIL-XIX.JahHu 

9. Un homme qui a viol^ le car^me pendant le Ramzane, tine femme 
portant sur son 6paule la fille qu'elle a tu^e apr^s l'avoir mis au monde, 
sont conduits enchain^ en enfer par un d6mon. 

10. R^compense de ceux qui ont fait Taumöne. Vßtus d'un riche oostume 
ils sont entour^s d'arbres fruitiers et servis par des femmes. 

11. Un ddmon, sous forme d'^Mphant, empörte avec sa trompe une 
femme p^cheresse par les cheveux. 

12. Un iyran, la chaine au cou, est mordu aux yeux et ä la bouche par 
des couleuvres et tortur^ par deux d^mons. 

13. Deux femmes qui ont mal v6cu ont leur visage chang^ en visages 
de chiens et, la chatne au cou, sont traln^es en enfer par un dimon 
ä comes. 

14. Supplice de la femme adult^re, mangle par un scorpion et par deux 
couleuvres, frapp^e par un diable fantastique et tenue enchaln^e par 
un autre. 

15. Supplice de P^pouse qui n'a pas bien pleur^ son man, mangle par 
les couleuvres. 

16. Un buveur a la t^te mangle par un oiseau du diable. 

17. Punition des maris infid^Ies, mang6s par les scorpions et les cou- 
leuvres. 

18. L'homme qui n'a pas bien pri^ est foul^ aux pleds par un ange 
plus pesant que la terre. 

19. Une femme infid^le est entour^e de globes de feu. 

20. 3 menteurs ont la langue mangle par des couleuvres. 

21. Une femme impudlque est d^vor^e par deux tigres de l'enfer. 

22. Un homme et une femme qui n'ont pas pri^ sont train^ en enfer 
par un monstre et mang^ au bras par des animaux fantastiques. 

23. Un autre couple, qui n'a pas ob6i ä Dieu, est conduit par une 
chatne et est mang^ par des couleuvres. 

24. Femme ayant empoisonn^ son man, dans les flammes de l'enfer. 

25. Homme ayant maltrait^ sa femme, crib^ de flaches et suspendu par 
les pieds au-dessus des flammes de l'enfer. 

26. Femme impudlque mangle par les couleuvres. 

27. Un homme malhonn^te mang6 par un dragon. 

28. Supplice de ceux qui n'ont pas pratiqu^ la Charit^. 

29. Oeux mauvals maltres ont les membres et la t^te mang^ par des 
dragons. 

30. Deux mauvals souverains ont la tßte et les 10 doigts mang^s par des 
couleuvres. 

31. Trois mauvals riches ont la moiti6 du corps mangle par des dragons. 
33. Le soleil du jour du jugement dernier s'^tant lev^, les enfants morts 

en bas ftge retrouvent leurs parents et vont se baigner dans l'^tang 
Kontar. 

Karl Hf. Hiersemaon in Leipzig» Königsstraise 3* Katalog 330» 



Orient, Persische u. indische OriginairMaleräen. XIII.— XIX. Jahrh. 135 

34. Les anges de Tenfer, dans de riches apparats, offrent ä boire ä ceux 
qui ont bien v^cu, mais refusent ä boire aux m^chants. 

35. Representation de Malek, prince de l'enfer ä 8 bras, assis sur im 
tröne. 

36. 9 pßcheurs et p^cheresses, dans les flammes de Fenfer. 

37. Au Premier plan, mortels qui sur le diemin du paradis sont tomb^ 
en enfer. Au second, un homme et une femme en paradis, v^tus de 
riches ornements. 

38. Un homme qui a bien y6cu, v^tu ridiement, et servi par deux femmes. 
Plus loin, un arbre avec fleurs blanches sur fond vert 

39. Montagne au-delä de Genfer, autour de laquelle voltigent les ämes 
des p^cheurs sous la forme d'oiseaux noirs. 

40. Arbre nomm6 Zakoum, semblable au cactus, servant de nourriture 
en enfer. 

41. Balance oü sont pes^es les bonnes et les mauvaises actions. 

42. 4 hypocrites embroch^s et port6s en enfer par un d6mon blanc 

43. Le purgatoire; grand mur blanc omement6, derri^e une montagne 
rouge et violette. La porte est noire et or. 

44. Devant quelques plantes vertes et sur un sol fleuri, une femme sortie 
de l'enfer 6crit une lettre qu' attend, devant eile, un messager. Sur 
sa robe est coll^ un scorpion. Au premier plan, un monstre, et un 
homme se baignant dans une rivi^re. 

45. Dans les champs verts, un homme sur la t^te duquel est un oiseau, 
tend une tablette ^crite ä une femme assise comme lui, pendant 
qu'une autre femme les regarde. Au premier plan, un lapin et un 
diien, tous deux blancs. Au haut, de l'image, la t^te d'un ronducteur 
et Celle d'un diameau. 

46. Un boeuf blanc porte la terre avec ses mille comes. Au-dessous de 
lui, un moustique. Dans sa bouche, un scorpion. 

47. Le proph^te Ysof conversant avec une femme. Sa t^te est dans une 
aur^ole. IIs sont assis tous deux ä la mode Orientale. D^cor: 3 fleurs 
et un del bleu. 

Ces tableaux sont autant^ d'avertissements pour les Vi- 
va nts. II est ä remarquer que les bons sont v^tus de riches costumes 
et que les m^chants sont d6v6tus. Les yeux sont dessin^s avec une 
finesse particuli^re; dans les tourments de Penfer ils expriment non point 
la douleur, mais une r^signation toute musulmane. 

D'apr^s les apparences, il est plus que probable que ces 
miniatures aient €ii ex^cut^es par un artiste persan. 

La rellure est de toute beaut^ et de tr^s grande valeur. 



Karl W. Hicrfemaim in Leipzig» Köiiigistrasse 3. Katalog 330» 



136 



Mttsik-ManusaipU. XIV.-XIX.Jahrh. 



Musik - Manuscripte« 
XIV.— XIX. Jahrh. 



183 Antiphonarium. Wertvolle, 
gut erhaltene, nur hier und da 
ein wenig ausgebesserte Per- 
gamenthandschrift des XIV. 
Jahrhunderts in Groß - Folio 
(480X340 mm), wahrscheinlich 
italienischen Ursprungs. 112 
doppelseitig beschriebene Bll. 
mit je 8 Zeilen Noten auf je 

4 roten Linien und untergeleg- 
tem lateinischen Text in schöner 
und deutlicher, nur an wenigen 
Stellen unbedeutend verbliche- 
ner Lapidarschrift. Modemer, 
dunkelblauer Maroquinband mit 
Ooldpressung. 2400. — 

Anfang: In nomine domine in- 
dpit antiphonarium noctumum se- 
cundum consuetudinem Romane 
curie. Über Entstehungsjahr, Schrei- 
ber und frühere Besitzer finden sich 
keine Angaben. Der Hauptwert des 
Manuscripts besteht in den präch- 
tigen und eigenartigem, von der 
herkömmlichen Schablone durchaus 
abweichenden, sehr geschmackvoll 
und sorgfältig in bunten Deckfarben, 
aber ohne Oold ausgeführten Ini- 
tialen, die zum Teil Miniatur- 
gemälde enthalten. Besonders be- 
merkenswert ist ein A (150X134 
mm, Bl. Ib) in sechs Farben: rotes, 
grünes und gelbes Rankenwerk auf 
dunkelblauem Grunde, besetzt mit 
stilisierten Blumen, dazu oben kämp- 
fende Drachen, unten springende 
Wölfe. Ganz ähnlich ornamentiert 
und gleichfalls in sechs Farben ge- 
malt, aber ohne Tierfiguren, sind 
folgende Initialen: H (91X^7, Bl. 
6a), E (61X61, B1.9a), C (57X70, 
Bl. 20a, darin ein Engel, der auf 
einer Tuba bläst), H (91X^6, B1.25a), 

5 (69X62, BI.29b), V (66X77, Bl. 



Antiphonary. Valuable ma- 
nuscript on parchment, in good 
condition, only here and there 
somewhat repaired, 14**" Cen- 
tury, large-folio (480X340 mm), 
probably of Italian origin. 112 
leaves, with 8 lines of music- 
notes each and a Latin text in 
clear and distinct lapidary 
characters. Modem dark blue 
moroccobinding, gilt 2400.— 
It begins: In nomine domini in- 
dpit antiphonarium noctumum se- 
cundum consuetudinem Romane 
curie. There are no indications as 
to the date, the names of the scribe 
and of the former owners. Of a 
particular value are the fine and 
peculiar initials, most carefully 
executed in body-colours, but without 
gold. They sensibly differ from the 
usual style and embrace partly mi- 
niature paintings. Of a special 
interest is a letter A (150X134 mm, 
on f. Ib) in 6 colours: red, green 
and yellow leafy-work on dark blue 
background, omamented with formal 
flowers struggling dragons and jum- 
ping wolves. Similar representations, 
but without animal figures, are the 
following initials likewise in 6 colours : 
H (91X67 mm, f. 6*) ; E (61X61 mm, 
f. 9«); C (57X70 mm, f. 20*, with 
an angel, blowing the tuba); H 
(91X96 mm, f. 25*); S (69X62 mm, 
f. 29b); V (66X77 mm, f. 33b, with 
St John the Evangelist, in rieh 
costume and reading in a book); 
C (75X76 mm, f. 36b, with an as- 
sembly of 19 persons, probably a 
Christian Congregation); E (56X67 
mm, f. 38b); H (92X78, f. 42b); D 
(57X60, f. 40*); T (102X24, f. 56*, 
with St John the Evangelist, fuU- 



Karl W. Hiersemann in Ldpdg, Königsstrasse 3« Katalog 330» 



Musik-Manusaipie. XlV.-XIX.Jahrh. 



137 



33 b, darin der Evangelist Johannes 
in reicher Tracht, aus einem Buche 
voriesend), C (75X76, Bl. 36b, darin 
eine Versammlung von 19 Personen, 
vermutlich eine christliche Gemeinde 
darstellend), E (56X67, BL 38b), 
H (92X78, Bl. 42b), D (57X60, 
Bl. 40a), J (102X24, Bl. 56a, darin 
der Evangelist Johannes in ganzer 
Figur mit einem Buche in der Hand), 
D (57X62, Bl. 58b), L (112X40, 
Bl. 60a), E (70X61, Bl. 62a), T 
(76X43, Bl. 64b, darin ein Bogen- 
schütze im Kampfe mit einem Dra- 
chen und einem großem Fische), V 
(90X65, Bl. 66a), L (70X50, BL 
68a), J (115X24, BL 70b, darin 
wiederum der Evangelist Johannes 
in etwas veränderter Auffassung), 
J (150X28, BL 72a, darin gleich- 
falls ein Heiliger mit einem Buch), 
J (140X24, BL 76a, ebenso), O 
(70X60, BL 78b), S (62X58, BL 
80 a), D (83X70, BL 81b, mit inter- 
essantem Fischomament), D (64X65, 
BL 85 a, darin die Madonna ohne 
das Kind), Q (62X115, BL 86b, 
darin Christus, in der Rechten ein 
Szepter haltend), A (90X60, BL 88 a, 
darin die gekrönte Madonna), D 
(87X67; BL90a, darin die hL Agathe), 
S (82X65, BL93a), E (90X75, BL 
97a), J (105X24, BL 99b, darin 
ein Heiliger mit einem Buche), A 
(92X56, BL 101a), E (80X75, BL 
103b), V (85X63, BL 105b, darin 
eine Personifikation der Kirche als 
der Braut Christi), J (108X24, BL 
107 a, darin ein gekrönter Heiliger 
in ganzer Figur), C (65 X 67, BL 1 10a). 
Außer diesen 36 künstlerisch wert- 
vollen Initialen enthält die Hand- 

184 Antiptaonarium. Prachtvolle, 
vorzüglich erhaltene Pergament- 
handschrift aus der ersten Hälfte 
des XIV. Jahrhunderts, wahr- 
scheinlich italienischen Ur- 



length, with a book in his hand); D 
(57X62 mm, f. 58b); L (112X40 mm, 
f. 60*); E (70X61 mm, f. 62*); T 
(76X43 mm, f. 64 b, with an ardier 
who fights with a dragon and a huge 
fish); V (90X65 mm, f. 66*); L 
(70X50 mm, f. 68*); J (115X24 mm, 
f. 70b), with Si John the Evangelist); 
J (150X28 mm, f. 72*, a saint with 
a book) ; J (140X24 mm, f. 76*, dito) ; 
O (70X60 mm, L78b); S (62X58 mm, 
f. 80*); D (83X70 mm, f. 81b, with 
an interesting fishomament); D 
(64X65 mm, f. 85«, with the Virgin, 
but without the child); Q (62X115 
mm, f. 86 b, with Christ holding a 
sceptre in his right hand); A (90X60 
mm, f. 88*, with the crowned virgin); 
D(87X67mm,f.90«, with Si Agatha); 
S (82X65 mm, f. 93*) ; E (90X75 mm, 
f. 97*); J (105X24, f. 99 b, Saint with 
a book); A (92X56, f. 101*); E 
(80X75, f. 103 b); V (85X63 mm, 
f. 105 b, with a personification of 
the church as the bride of Christ); 
J (108X24 mm, f. 107*, with a 
crowned saint, fuU-length) ; C (65X67 
mm, f. 110*). 

Besides these 36 Initials of ar- 
tistic value, the manuscript contains 
more than 700 other initials, in 
various sizes, mostly painted in red 
body-colour on a background of blue 
linear omament and partly füll of 
a peculiar charm. 



Schrift noch mehr als 700 andere 
von verschiedenster Größe, die meist 
mit roter Deckfarbe auf einem Hinter- 
grund von blauen Linienomamenten 
gemalt und zum Teil nicht ohne 
eigenartigen Reiz sind. 

Antiphonary. Magnificent 
manuscript on parchment, in 
veiy good condition, of the 
first half of 14th Century, pro- 
bably of Itaiian origin. Oak 



Kad W« Hicarsemaim in Ldpdg^ Königistrasse 3« Katalog 330» 



138 



MasUt-Manuseripte. XIV.-XIX.JahHu 



Sprungs. Schwerer Holzband 
mit braunem LederOberzug und 
ledernen, mit Messing beschla- 
genen Schließen, im RQcken ge- 
lockert 288 numerierte Bll., in 
Oroß-Folio (42X29 cm), ent- 
haltend je 5 Zeilen latemische 
Gesänge in Lapidarschrift mit 
Noten fOr die meisten Feste 
des Kirchenjahres. 1400« — 
Anfang: Ad honorem omni- 
potentis dei et gloriose viiginis 
Marie ac S. Laurentii martiris sub 
cuius nomine hoc opus indpit Über 
den Schreiber und den ursprüng- 
lichen Besitzer ist aus dem Werke 
nichts zu ermitteln. Zuerst finden 
sich Gesänge zum Feste des hl. 
LaurentiuSy dann für die Feste des 
Weihnachts-, Oster- und Pfingst- 
kreiseSy für Fronleichnam und die 
24 Sonntage nach Pfingsten, endlich 
für 24 Heiligen- und Marienfeste. 
Die Notensdirift, die durchgangig 
auf vier roten Linien steht, ist von 
tadelloser Frische und Deutlichkeit, 
ebenso die meist schwarze, zum 
Teil aber auch rote Textschrift außer- 
ordentlich sorgföltig und vollkommen 
wohlerhalten. Den Hauptschmuck 
des Buches bilden 366 von einem 
tüchtigen Künstler entworfene, vor- 
trefflich ausgeführte, meist quadra- 
tische Initialen von etwa 6 cm 
Durchmesser. Der viereckige Hinter- 
grund ist teUs durch leicht ange- 
tuschte bunte, gotisch stilisierte Blatt- 
und Rankenomamente, teils durch 
parallele oder phantastisch verschnör- 
kelte Linien ausgefüllt, die mit der 
Feder und mit farbiger Tinte ge- 
zeichnet sind. Von diesem diskret 
behandelten Hintergrunde heben sich 
die eigentlichen Buchstaben mit 
leuchtenden Deckfarben abwechselnd 
Rot und Blau gemalt, sehr wirksam 
ab. Als Anhang ist auf 2 angebun- 
denen Papierblattem ein wesentlich 



boards, covered with brown 
leather, with brass - mounted 
leather-clasps. 288 numbered 
leaves, large fol., (42X29 cen- 
tim.), each containing five lines 
Latin hymns, in lapidary cha- 
racters, with music for most 
churchfestivals. 1400«— 

It begins: Ad honorem omnipo- 
tentis dei et gloriose viiginis Marie 
ac S. Laurentii Martiris sub cuius 
nomine hoc opus indpit The name 
of the author and the origmal pos- 
sessor b not mentioned in the manu- 
script Contents: Hymns for the 
day of St Laurentius, for Christmas, 
Easter and whitsuntide, for Corpus- 
Christi day, for the 24 sundays after 
whitsuntide and for 24 feasts of 
Samts and of the Vhgin. 

Both the music-notes and the text 
are very fresh and distinctly written 
and in hreproachable condition. 

The prindpal omamentation of 
the manuscript consists of 366 care- 
fully executed Initials, of about 6 
centim. diameter, pamted by a skilful 
artist 

The Square background is partiy 
filled out with slightly touched Gothic 
leafy work, partiy with parallel or 
fantastically twisted lines, drawn 
with the pen in coloured ink. 

The Initials themseWes are alter- 
nately painted in red or blue (in 
vivid body-coulours), and contrast 
efficadously with their badcground. 
Two paper-leaves at the end of the 
volume contam an index of the 
hymns, written in a later band. 

The fu^t and last note of eadi 
piece has been calligraphically en- 
larged by the writer. These en- 
largements seem to be conneded 
with the use in the early middle- 
ages to hold the fürst and last note 
of each musio-piece. 



Karl W. Hienemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330» 



Musik-Manuseripte. XlV.-XIX.Jahrh. 139 

später geschriebenes Verzeichnis der I owe this indication to the 

in dem Bande enthaltenen Gesänge kindness of Prof. Dr. P. Wagner, 
beigefügt Die erste und letzte Note Freiburg, Switzeriand 
eines jeden Stückes ist vom Schreiber 

benützt worden zu kalligraphischer 

Erweiterung. Diese Erweiterungen 

könnten in Verbindung gebracht 

werden mit der für das frühe Mittel- Diese letzte Angabe verdanke 

alter charakteristischen Praxis, die ich der Güte des Herrn Professor 

erste und letzte Note eines jeden Dr. Peter Wagner aus Freiburg L d. 

Stückes etwas länger auszuhalten. Schweiz. 

185 Antiphonaritiiii. Pergamentmanuskript mit Musiknoten 
aus dem XV. Jahrhundert 162 Blätter in OroBfolio. 
(58X41 cm). Mit 3 schönen Miniaturen in Farben mit Oold 
gehöht, 51 großen Initialen in Blau u. Rot und 487 kleineren 
in ebensolcher Ausführung. Sechs Zeilen in sorgsamster Lapidar- 
schrift auf der Seite, und ebensoviele Reihen Musiknoten auf 
roten Linien. 1400.— 

In mächtigem Holzeinband mit Leder überzogen und mit Blindpressung 
geziert Auf jedem der beiden Einbanddeckel sitzt in der Mitte ein derber 
Buckel auf einer Rosette, die darumliegenden 6 Felder sind durch Blind- 
pressung quadratisch geteilt, darin ein Kreis, dessen Mittelpunkt ein kleiner 
Metallbuckel bildet Dies ist offenbar der erste Einband, dem die Krampen 
fehlen. Später ist dieser Einband geschützt worden durch breite Messing- 
leisten um Deckel und Rücken. Diese Messingleisten sind von allen Seiten 
geschützt durch haselnußgroße Nagelköpfe und auf den beiden Deckeln 
mit aneinandergereihtem Stempel geziert Zum Überfluß ist über diese 
Messingbeschläge noch eine derbe Eichenholzleiste gelegt Damit die 
großen schweren Pergamentblätter sich im Einband nicht senken können, 
sind an der unteren Kante der Einbanddeckel zwei starke gegenüber- 
stehende Messingzungen eingelassen. 

Die erste Miniatur stellt den Apostel Andreas mit dem Kreuz dar. Er 
liest mit etwas gesenktem Haupt in dem Buch, das er in der linken Hand 
hält Aus der Initiale, die n^it Oold reich eingefaßt ist, hebt sich ein 
Füllhorn mit Mohnblumen. Leider ist die Farbe im unteren Teü des 
Gesichtes etwas abgebröckelt Alle anderen Farben sind frisch erhalten. 
Von unvergleichlich höherem Wert ist die folgende Miniatur, eine prae- 
raffaelitische Madonna della Sedia. Die Madonna mit rötlich- 
blondem schlichten Haar hat einen mädchenhaften, lieblichen Oesichtsaus- 
druck. Besonders bemerkenswert scheint mir an der Darstellung, wie 
innig sich Mutter und Kind aneinanderschliessen. Das Jesuskind hat den 
Arm um den Hals der Mutter geschlungen und den Kopf dicht an das 
mütterliche Haupt gepreßt Die linke Hand der Mutter umspannt den 
Schenkel des Kindes, das den Daumen dieser Hand festhält Noch 
charakteristischer ist die Haltung der anderen Hand, die den Fuß des 
Kindes wie eine Hülle oben und unten umschließt, und so, daß die Um- 
risse der Handy wie die des Fußes sich nirgends kreuzen oder decken. Eine 

Karl W. Hiefsemaiin In Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 33(k 



140 MasikrManusaipte. XlV.-XIX.Jahrh. 

innigere Zusammengehörigkeit von Mutter und Kind laßt sich nicht er- 
denken. Der Liebreiz des Bildes ist unbeschreiblich. 

Die letzte Miniatur stellt die Stigmatisierung des heiligen Franziskus 
dar, der die wunden Hände erhebt Der asketische Oesichtsausdruck ist 
sehr lebenswahr und die ganze Darstellung ein kleines Meisterwerk. 

Das Manuscript stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und ist 
florentinische Arbeit; ist von dort nach Sizilien, und infolge der Auflösung 
der dortigen Klöster im Jahre 1868 in das Museo Cavaleri gelangt 

Zu Beginn und gegen den Schluss je ein Textblatt ausgeschnitten. Am 
Ende des Bandes dürfte eine Lage von Blättern fehlen. 

186 Antlphonaritiiii. Pergamenthandschrift aus dem XV. Jahrh. 
in Or.-Foh'o mit 2 Miniaturen, und zahlreichen reichomamentierten 
Initialen in Rot und Blau. Alter mit Leder überzogener Holz- 
band, durch Q alte Metallbuckel geschützt. Mit alten Leder- 
schließen, die in 2 Metalldome an dem vorderen Deckel des 
Einbands eingelassen werden. 850.— 

Das Manuscript, das dem Ductus der Schrift wie der llluminierungs- 
art nach wohl italienischen Ursprunges sein dürfte, enthält, wie der Index 
auf der letzten Seite zeigt, die liturgischen Gesänge der Passionszeit Wie 
üblich, sind die rituellen Vorschriften rot, der Text der Gesänge schwarz 
geschrieben. Die 91 Blatt enthalten auf jeder Seite 6 Reihen Text mit 
den darüberstehenden Noten. Gegen den Schluß des Manuscriptes be- 
gegnet man wiederholt Tekturen, Änderungen im Noten-Arrangement, die 
durch Überkleben der Noten-Teile durch Papierstreifen bewirkt wurden. 
Beim Paginieren ist Seite 51 übersprungen wurden, der Text ist lückenlos. 
Die Schrift ist in prächtigen, gotischen Buchstaben gehalten, die, überaus 
klar, die Schönheiten dieser Schrift als Schriftomament aufs Glänzendste 
dartun. Gehoben wird diese durch die zahlreichen in Rot und Blau aus- 
geführten, reich ornamentierten Initialen zu Anfang eines jeden Satzes. 
Zwei sehr schöne Miniaturen zu Anfang geben dem Manuscript einen er- 
höhten Kunstwert. Das erste, S. 3, zeigt den Einzug Christi in Jeru- 
salem. In das O (Osianna fili o David), 17^/, zu 17V« <^> ^^s in ein goldenes 
Viereck eingezeichnet, auf blauem Grunde feine weiße Omamentierung 
zeigt, sieht man Christus auf dem Esel reitend, gefolgt von seinen Jüngern, 
in Jerusalem einziehen. Aus den Toren der mit ihren Mauern u. Türmen 
hfibsch gezeichneten Stadt geht ihm eine Volksmenge entgegen, die den 
steinigen Weg mit Tüchern und grünen Zweigen zu belegen beschäftigt 
ist. Das BUd ist in vielen Farben aufs sorgfältigste ausgemalt und von 
grosser Frische. Das Gold des den Buchstaben umgebenden Vieredces 
ist hin und wieder ein wenig abgerieben, so dass der braune Untergrund 
manchmal zutage tritt, dies ist aber sehr unbeträchtlich und tut dem Bilde 
fast keinen Abbruch. Oben und links unten vom Bilde laufen bis zum 
Blattrande reich in Gold und Farben ornamentierte Bordüren hin, die das 
Bild gegen den Blattrand wirkungsvoll abschließen. Das zweite Miniatur- 
bild, 20X17V« cm, auf Seite 8 zeigt ein N (Nos) in derselben Art der 
Einfügung in ein goldenes Viereck. In dem ebenfalls weiß ornamentierten 
violetten N sind 2 BUder eingezeichnet Oben die Fußwaschung. Christus 

Kaf 1 W. Hicf semaan in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 33(K 



Musik-Mamtsaipte. XlV.-XIX.Jahrh. 141 

vor den im Halbkreis sitzenden Jüngern knieend, wäscht einem derselben 
die FüBe. Darunter das Heilige Abendmahl. Beide zeigen das Steife des 
Gruppenbildes bei dieser Darstellung, das erst durch Leonardo da Vind 
seine künstlerische Lösung gefunden hat Auch dieses Bild zeichnet sich 
durch sehr genaue Zeichnung aus; so sind die Porträts der Jünger cha- 
rakterisiert, auch ÄuBeriichkeiten, wie der Mosaikfußboden, die Omamen- 
tierung der Wände des Gemaches mit großem Geschick in Farben wieder- 
gegeben. 

Einige Wurmstiche am Rande der Blätter zu Anfang u. Schluß des 
Manuscripts abgerechnet, ist es von guter Erhaltung und durch seine 
schönen Miniaturen von beachtenswertem künstlerischen Werte. 

187 Antiphonaritiiii. Pergamentmanuscript Aus dem XV. 
Jahrhundert mit Musiknoten. 270 Blatt in Oroßfolio (45X32 cm). 
Mit einer großen in Oold u. Farben ausgemalten Initiale u. 
einer Bordüre auf dem ersten Blatte, Q großen prächtig orna- 
mentierten Initialen in Blau u. Rot u. einer Anzahl von kleineren. 
Moderner Ledbd. 520.— 

Das Manuscript, von derselben Hand wie das Breviarium Ordinis fr. 
minorum etc geschrieben, ist von relativ guter Erhaltung. Einige wenige 
Blätter fehlen, auch ist der Pergamentrand hin u. wieder beschnitten u. 
das Pergament gegen das Ende der Handschrift stark abgegriffen u. teil- 
weise ausgebessert. Die auf der ersten Seite befindl., in Farben u. Oold 
ausgemalte Initiale und ihre Umrahmung hat gelitten, indem die auf- 
getragenen Farben stellenweise abgerieben sind. Auf den Vorsatzblättern 
befindet sich ein handschriftl. Register aus späterer Zeit 

188 Beethoven, Ludwig van. (1770—1827). Sonate op. 06 für 
Violine und Klavier in Partitur. Originalmanuscript ganz 
von Beethovens Hand. Das Autograph galt bisher als 
verschollen. 23 Blatt. Hoch Fol. Je 20 Systeme. Die 
Partitur ist so angeordnet, daß die jeweilige vierte Zeile frei 
bleibt. Nur S. 17 weicht von dieser Anlage ab, hier sind die 
Systeme 10, 14, 18—20 freigelassen. Beschrieben sind die 
Blätter: 1—4, 5b— 7a (2X3 Systeme); 9— 13a (3X3 S.), 15— 22b 
(4X3 S.). Die übrigen Seiten resp. Blätter sind frei. Unten auf 
Blatt 12b und quer Ober 13a findet sich die eigenhändige Be- 
merkung Beethovens : N.B. das D.C. wird ganz ausgeschrieben 
bis zu dem Trio, wo alsdann gleich die Coda hinzugeschrieben 
wird. Das vorzüglich erhaltene Manuscript stammt aus Wiener 
Privatbesitz. Für Echtheit und Vollständigkeit übernehme ich 
jede gewünschte Garantie. Es ist leicht geheftet, wahrschein- 
lich von Beethoven selber. Was der Handschrift noch einen 
eigenartigen Wert verieiht, ist, daß sie der Meister, entgegen 
seiner sonstigen Gewohnheit, mit seinem vollen Namen sig- 
niert hat. 42500.— 

Vgl. die AbbUdungen Taf. 19 n. 20 (im Ende des Katatogs). 

Ober die Entstehungszeit der Violinsonate op. 96 herrscht unter den 
Beethovenforschem Meinungsverschiedenheit Thayer (Chronologisches 

Karl W* Hiersemaan In Lüpzlg, Königsstrasse 3* Katalog 330^ 



142 Musik-Manuser^ti. XIV.-X!X.Jahrh. 

Verzeidinis S. 86) glaubt, „bis das Original zum Vorschein kommf S 
den Winter 1810—11 als Datum der Komposition annehmen zu mOssen. 
In seinem Leben Beethovens setzt er die Skizzen zu den letzten drei 
Sätzen der Sonate ins Jahr 1811 und bemerkt dazu (Bd. III, S. 184), daß 
noch ein Jahr verging, ehe diese Studien ihre Verwendung fanden. 
Später (S. 223), wo er von dem Wiener AufenÜialt des berühmten Geigers 
Pierre Rode beriditet, heißt es weiter: Beethoven nahm die Sonate 
wieder vor und vollendete sie, damit sie in einem der Abendkonzerte 
beim Fürsten Lobkowitz von Rode und Erzherzog Rudolph gespielt 
würde. Die Aufführung fand nach Thayer am 29. Dezember 1812 statt 

Wie aus einem Briefwechsel (ohne Datum) mit dem Erzherzog hervor- 
geht, sdieint Rodes Spiel nicht ganz den Erwartungen BeeÜiovens ent- 
sprochen zu haben; der Meister sdireibt: „Morgen in der friihesten 
Frühe wird der Kopist an dem letzten Stücke anfangen können, da ich 
selbst unterdessen noch an mehreren anderen Werken schreibe, so habe 
ich um der bloßen Pünktlichkeit willen mich nicht so sehr mit dem 
letzten Stücke beeilt, um so mehr, da ich dieses mit mehr Oberiegung 
in Hinsidit des Spiels von Rode schreiben mußte; wir haben in unsem 
Finales gern rausdiendere Passagen, doch sagt dies R. nicht zu und — 
schenirte mich doch etwas. — In einem anderen Schreiben bittet sich 
Beethoven die Violinsonate vom Erzherzog aus, damit er sie Rode über- 
mitteln könnte, und fügt hinzu: „er (Rode) wird das die Stimme sdilcken 
gewiß nidit übel aufnehmen.'' 

Nottebohms Ausführungen (Beethoveniana, 1872, S. 30), gipfeln in 
dem Satze, daß die Sonate „mit Ausnahme des ersten Satzes, von dem 
wir nicht beweisen können, ob er früher oder gleichzeitig oder etwas 
später gesdirieben wurde,'' nicht vor Oktober 1812 gesdirieben und 
fertig geworden sein kann, daß sie wahrsdieinlich zum ersten Mal am 
Dienstag den 29sten December 1812 in einer Gesellschaft bei Fürst 
Lobkowitz gespielt und mit Rücksicht auf Rodes Spiel geschrieben 
wurde. Diese Ansiditen teilt auch Marx (Beethoven II, S. 145). 

Wie aus dem Originalmanuscript hervorgeht, war Beethoven, als er 
die Handsdirift datierte, selber über die Entstehungszeit des Werkes 
im Zweifel, denn er änderte die ursprüngliche Datierung „im Juni (?) 
1813" mit fester Handschrift um in „Februar 1812", hatte aber auch 
jetzt noch Bedenken über das Jahr der Entstehung, da er „oder 13" 
hinzufügte (cf. das Facsimile Taf. 19). Hieraus ergiebt sich, daß die Datierung 
der Sonate erheblich später als die Niedersdirift erfolgt sein muß. 
Im Druck erschien das Werk bekanntiich erst im Juli 1816 unter dem 
Titel: „Sonate für Piano-Forte und Violin. Sr. Kaiserl. Hoheit dem 
durdilauchtigsten Prinzen Rudolph, Erzherzog von Oesterreich etc. etc. 
in tiefer Ehrfurdit zugeeignet von Ludwig van Beethoven. 96tes Werk. 
Eigenthum der Verleger. Wien bei S. A. Steiner und Comp." 

Es ist daher wahrsdieinlich, daß Beethoven die Sonate nach der Auf- 
führung, über die ein Bericht vom 4. Januar 1813 vorliegt, beiseite legte 
und das Manuscript erst wieder in die Hand nahm, als er es zum Druck 
beförderte. Nachdem inzwischen vier Jahre verstrichen waren, wußte 
er selber nicht mehr genau, wann er das Werk komponiert hatte. 

Karl W* Hicfsemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330^ 



Musik-Manuseripte. XIY.-XIX.Jahrh. 



143 



Aus dem oben Gesagten geht unzweifelhaft hervor, daß die Sonate 
Ende Dezember 1812 vollendet gewesen sein muß. BeeÜiovens Datierung 
„1813^' ist daher ein augensdieinlicher Irrtum. Ebenso steht aber auch 
fest, daß der Meister bis kurz vor diesem Termin an dem Werke arbeitete, 
und daß ihn bei der Komposition Rücksichten auf Rode leiteten. Die 
Originalhandschrift läßt keinen Zweifel darüber, daß die Arbeit nur 
den letzten Satz betroffen haben kann; das beweisen die flüditigeren 
Schriftzeidien, die vielen Korrekturen, die er hier vornahm, und die 
separate Paginierung der ersten sechs Selten. Wenn daher Beethoven 
in dem oben angezogenen Briefwedisel mehrfadi von einem „letzten 
Stück'' spricht, an dem er arbeitete, so kann damit nur dieser letzte Satz 
gemeint sein, der demnach im Dezember 1812 vollendet worden sein muß. 

Aus den Schriftzügen der ersten drei Sätze läßt sich mit Sicherheit 
schließen, daß ihre Niederschrift hintereinander eriolgt ist Das für das 
ganze Manuscript benutzte Papier weist übrigens dasselbe Wasserzeichen 
auf. Die ganze Datierung Beetiiovens zu verwerfen, dazu liegt kein Orund 
vor; wir werden daher das mit fester Hand gesdiriebene „im Februar 
1812" als das Kompositionsdatum der ersten drei Sätze ansehen können. 

Versdiledene Korrekturen beweisen, daß Beethoven während der 
Nledersdirift immer noch konzipierte, wie es ja gewöhnlich seine Art 
war. Es kommt hier jedoch nldit über bloße Andeutungen hinaus, die 
meist sdion nach zwei oder drei Takten wieder verworfen werden. 
Merkwürdig ist die Vorwegnahme eines Gedankens, den er später, aber 
verkürzt, (6 Takte nach der Wiederholung des ersten Teiles des ersten 
Satzes), verarbeitete. Hier schreibt Beethoven: 



H 1 


-A 1 1 — nij 1 1 


H- \ 1 1 1 1 1 

— te^ r-h *^-r-\ ' ' ■« " ' 


— i»-i-Xl^ r 1 

ir 

H \ 


-\ 1 1 1 1 

ry'ftf M ■f-f-rVr-\ 1 1 


^ — M^ 


d^:^=|:ajfflC^ 1 1 



Im letzten Satze kommen reichlichere Korrekturen vor, doch ist die 
Urschrift infolge starker Rasuren nicht mehr lesbar. Deutlich aber zu 
erkennen ist, daß statt der rollenden chromatischen Klavierpassagen 
ursprünglich eine andere Begleitung gedacht war. Das smd offenbar 
„die rauschenderen Passagen", auf die er in seinem Schreiben an den 
Erzherzog Bezug nimmt Vielleicht waren sie anfänglich der Violine 
zugedacht Da sie aber Rode nicht lagen, so übertrug sie Beethoven auf 
das Klavier, um das Finale glänzend ausklingen zu lassen. 

Das Wiederauftauchen des bisher versdiollen gewesenen Autographs 
der Violinsonate op. 96, von der der enthusiastische Bericht des Jahres 
1813 sagt, daß sie „die übrigen Werke Beethovens dieser Art zurückläßt 
und sie fast alle an Popularität, Witz und Laune übertrifft", wird un- 



Karl W« Hiersemann In Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330* 



144 MasikrManuscnpte. XlV.-XIX.Jahrh. 

zweifelhaft bei allen Beethovenfreunden ungeteilten Beifall finden. Daß 
der Meister selbst etwas von dem Werke hielt, das beweist auch wohl 
der Umstand, daß er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit seinen 
Namen Ludwig van Beethoyen elgenli&ndlg aal das Mannscript 
setxte, ein Factum, durch das der Wert der Handschrift also noch 
gesteigert wird. 

Die Beschreibung des kostbaren Autographs stammt aus der Feder 
einer wohlbekannten Autorität der musikalischen Bibliographie. 

189 Breviarium Benedictiniim Completum IX.— X. SAECULI. 
Pergamenthandschrift mit sorgfältig^ ausgeführter Notierung der 
Melodien derResponsorien und Antiphonen desStunden- 
officiums in Neumen ohne Linien, sowie ausfuhrlicher Ein- 
tragung der Lektionen, Orationen und Capitula nebst 
den zugehörigen Hymnen. 23500.— 

Vfirl. die AbbUdtmsen Taf. 21 u. 22. 

Die Handschrift besteht aus 241 Blättern Pergament von 15 cm Breite 
und 20,7 cm Höhe (Schrift 9,5 cm breit, 14,5 cm hoch), mit durchweg 26 
Zeilen auf jeder Seite. Die mit Neumen versehenen Oesangstexte sind in 
kleinerer Schrift ausgeführt, so daß eine Zeile Text nebst Neumen denselben. 
Raum in Anspruch nimmt wie eine Zeile der größeren Schrift Die Lagen 
der Handschrift sind Quatemionen (je vier Doppelblätter ineinander liegend) 
mit Bindfaden geheftet; doch ist vor dem ersten Quatemio ein einzelnes 
Doppelblatt vorgebunden und am Ende befinden sich zwei Einzelblätter 
und ein Doppelblatt, die verschiedenen Lagen angehört haben. Dem 
zehnten Quatemio fehlt das erste Blatt, im 12. Quatemio ist das letzte 
Blatt abgerissen, aber erhalten. Die 24. Lage ist ein Quintemio (20 Seiten), 
die 25. ein Sextemio, dessen Schlußblatt aber fehlt Das Ganze ist recht 
gut erhalten, außer einigen schadhaften Stellen, die mit Pergament unter- 
legt sind, die einzelnen Lagen haben noch besondere Schutzrficken von 
Pergament, die wohl angebracht wurden, als die Handschrift ihren gegen- 
wärtigen Einband in braunem Kalbleder erhielt, d. h. etwa im XVL Jahrh. 
Der fast ganz vemichtete, zufolge Wurmfraß zerfallene Rucken des Ein- 
bandes läßt die Reste eines Ooldpressungstitels ericennen. 

BR[EVIARI]UM 

BE[NEDICTIN]UM 

C[OMPL]ETUM 

Die Vorsatzblätter des Einbandes haben neben- 
stehendes Wasserzeichen, nach welchem sich Alter 
und Ort des Einbandes näher bestimmen lassen wird: 
Das ganze Manuskript ist in der Hauptsache von 
einer Hand ausgeführt Vorübergehend werden zwar 
kleine Unterschiede der Schrift bemerkbar, welche auf 
Hilfskräfte schließen lassen; doch tritt unverkennbar 
die Haupthand immer wieder hervor, sodaß größere 
^^^^^^^-^g. Altersunterschiede für verschiedene Teile der Hand- 
ÖVi^^^^^CJ Schrift nicht angenommen werden können. 

Karl W. Hierseinann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330. 




Tafel 21. 



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^'^* Erlitt, XO CATHT JL . pJiftcnvui .< »m-f m<^u C^y /« 

,'>-' '--4-/ Jl'1. /C^, >f, , v/'^.'^- z)-^. /, -^ ,i ^" 



No. 189. BREVIARIUM BENEDICTINUM COMPLETUM. 
Altkirchliche Hs. mit Musikzeichen. X.— XI. Jahrh. 



Tafel 22 



Tufttltu fAtttcr ^ TV x^€i^tUvAn ^ xvorfc^utfwcft: um 




^Jf I A /!/ / . .r-^r'^Vyiy;/ yjf?^ ,; 

. • y^ . , -^ ' . , J ^. . . . iJ J J /l : ^' • 

• ',',' ■': ' '" " /j* - .-t - . J /f. ' A- - . / . 

• . Jl /^ . J J l ' ' * r \ 'J f . ' • ^ > ' f A . J^ 
f ' ' . j . . J ' ^'. j ^ . ^.Z . f • ,ß t 



No. 189. BREVIARIUM BENEDICTINUM COMPLETUM. 
Altkirchliche Hs. mit Musikzeichen. X.— XI. Jahrh. 



Musik-Manttscripte. XlV.-XIX.Jahrh. 145 

Die Handschrift ist keine Prachthandschrift, d. h. sie ist nicht auf 
reichen Schmuck durch Initialen angelegt, sondern ffir den praktischen 
Gebrauch berechnet gewesen und beschrankt sich im allgemeinen auf 
die Hervorhebung der einzelnen Abschnitte durch herausgerückte größere 
rote Buchstaben der seit dem IX. Jahrh. gebräuchlichen gefälligen Form, rote 
Überschriften und gelegentliches Rot-Antupfen der Anfangsbuchstaben der 
einzelnen Sätze längerer Textteile. Auch grüne Farbe ist streckenweise 
kunstlos angewendet worden zur inneren Füllung roter Buchstaben, be- 
sonders in der zweiten Hälfte der Handschrift Daß die Arbeit des Illu- 
minators eine nachträgliche war, beweist die Handschrift deutHch durch 
gelegentliches gänzliches Fehlen der Rubra (so S. 414 — 420). Daß der 
Textschreiber im allgemeinen auch die Neumen nicht sogleich einzutragen 
hatte, dafür vielmehr ein speziell geschulter besonderer Schreiber heran- 
gezogen wurde, belegen S. 440—468 der Handschrift, wo sämtliche Neumen 
fehlen (1. Woche nach Ostern); ebenso ist auf einigen anderen Seiten 
deutlich erkennbar, daß die Neumen mit anderer Tinte nachgetragen sind. 
Von S. 384 ab wechseln Stellen mit alter, nachgetragener und aufgefrischter 
Neumierung; doch sind in den letzten Lagen wieder alle Neumen alt 

Einige wenige kunstvollere Initialen sind geeignet, das Alter der 
Handschrift zu bestätigen; ein phantastisches P auf S. 3, ein Insekt (Libelle), 
das einen Hund füttert, weist wohl auf irische Einflüsse, das O S. 74. 
P S. 105 und E S. 422 entsprechen der Blätter- und BandomamentUc 
deutschen Geschmackes im X. Jahrhundert und S. 147 bringt sogar ein S> 
M und ein zweites S rot auf Goldgrund mit Blätterschmuck in mehreren 
Farben als eine förmliche Randleiste übereinander. Diese wenigen Initialen 
sind aber sozusagen nur Proben des Stils der Zeit der Herstellung der 
Handschrift und stellen nicht einen planmäßig durchgeführten Schmuck dar. 

Die Neumen sind durch die ganze Handschrift mit großer Sorgfalt 
eingetragen und zwar mit der wohlerkennbaren Absicht, die relative Ton- 
höhe zu markieren. Die Melodien der Offidumsgesänge sind ja im all- 
gemeinen viel einfacher angelegt, als z. B. die Gradual- und Halleluja- 
gesänge der Messen; es entsteht daher bei ihrer Notierung nicht die Gefahr 
mit dem vorgesehenen Räume nicht auszureichen, wie solches in älteren 
St Gallener Antiphonarien vielfach zur Unkenntlichmachung der relativen 
Tonhöhenlagen durch Drängung der Zeichen geführt hat Wo in den 
kleinen Responsorien unserer Handsdirift längere Melismen über einer Silbe 
auftauchen, hat aber der Schreiber gleich durch größere Lücken im Text 
vorgesorgt, daß die ganze Neumierung bequem untergebracht wurde, viel- 
fach so genau, daß man zweifeln muß, ob er nicht doch selbst wenigstens 
teilweise sogleich die Neumen eingetragen hat Trotz dieser Verdeutlichung 
der relativen Tonlage sind die Neumierungen der Handschrift aber nicht 
der Kategorie der Neumes ä points superposds zuzuweisen, welche um 
die Zeit der Reform Guidos zu Anfang des XI. Jahrhunderts häufig werden, 
da eine Tendenz zur Auflösung der Ligaturen in Einzelpunkte nicht erkennbar 
ist Vielmehr sind auch die drei- und viertönigen Neumen (Torculus, 
Porrectus, Torculus resupinus, Porroctus flexus etc) konserviert und der 
Scandicus tritt sogar auffallend häufig als Ligatur anstatt als Konjunktur auf. 
Die Formen der Neumen sind durchaus die feinen zieriichen der St Galle- 
Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330« 

10 



146 Masik-Manusaipie. XIY.-XIX.Jahrh. 

ner, Einsiedeiner etc Handschriften des IX.— X. Jahriiunderis. Die Seiten 
42—43 der Handsdirift, Teile des Offidum in nativitate quatuor evange- 
listarum (I) mög^en das gesagte illustrieren. Dieselben sind zwar nidit 
die reidisten bezüglidi längerer Melismen und viertöniger Ligaturen, aber 
im übrigen speziell ffir den Inhalt und die Sdirift der Handsdirift diarak- 
teristisdi (vgl. Tafebi 21, 22). 

Bezfiglidi der Schrift sei besonders hervorgehoben, daß S nur als 
Anfangsbuchstabe (Majuskel) bezw. in mit Majuskeln geschriebenen ab- 
gekürzten Worten, wie DS (deus) vorkommt; sonst tritt durchaus nur die 
Form f auf. Auch das E ohne Querstrich ist sehr häufig, desgleichen das 
A ohne Balken (vgl. das Facsimile S. 42, Z. 12, 18, S. 43, Z. 21). Auch 
sonst ist an alten Formen der Buchstaben kein Mangel, z. B. steht y fast 
durchweg auf der Linie, 8c tritt sehr häufig in der Mitte und am Ende 
von Worten auf, e mit Cedille steht für se, t und c sind oft nicht zu unter- 
scheiden etc Die angewandten Abkürzungen sind durchaus die dem 

IX. —X. Jahrhundert geläufigen. 

Inhaltlich ist die Handschrift dadurch besonders wertvoll, daß sie nicht 
nur ein Cantatorium, eine Sammlung der Responsorien und Antiphone;n 
des Stundenoffidums, sondern zugleich ein Lectionarium ist, eine Zu- 
sammenstellung der Lektionen nebst Homilien, Capitula und Orationen für 
die Offizien des ganzen Kirchenjahres, also vergleichbar dem 1903 von 
den Solesmenser Benediktinern herausgegebenen Liber usualis, nur daß 
letzterer auch die Meßoffizien enthält Aus älterer Zeit scheinen derartige 
vollständige Breviere sehr selten zu sein, sodaß nach dem Geständnis P. 
Suitbert Bäumers (Geschichte des Breviers, 1895) die historische Entwidc- 
lung des Offiziums noch keineswegs hinlänglich geklärt ist Die gründ- 
liche Durcharbeitung von Handschriften wie der voriiegenden ist daher 
noch von großer Wichtigkeit und geeignet, neue Aufschlüsse zu geben. 
Ein Vergleich dieser Handschrift z. B. mit dem Antiphonale monasticum. Cod. 
601 der Kapitelbibliothek von Lucca, welches als Bd. IX der Pal6ographie 
musicale der Solesmenser Benediktiner facsimilieri erscheint (ein bloßes 
Cantatorium, ohne die Lektionen usw. auch ohne den Text der Hymnen), 
erweist sehr erhebliche Differenzen beider. Die Zahl der Offizien ist in 
dem aus dem Anfang des XII. Jahrhunderts stammenden Codex von Lucca 
erheblich gewachsen, aber viele Responsorien und Antiphonen, die unser 
Kodex gibt, sind inzwischen fallen gelassen worden. Teilweise sind das 
Antiphonen, welche der Tonarius Reginos von Prüm für den Anfang des 

X. Jahrhunderts verbürgt 

Das Alter der Handschrift bestätigt auch der Umstand, daß sie nicht 
das Proprium de tempore von dem Proprium de Saudis scheidet, sondern 
die Offizien der Heiligenfeste nach ihren Daten üi den Lauf des 
Kirchenjahres (Cursus) einschiebt Leider ist die Handschrift nicht ganz 
vollständig; doch trifft der Vertust in der Hauptsache die festarme Zdt 
zwischen Pfingsten und dem Advent und dürfte daher nur wenige Lagen 
betragen. 

Das hohe Alter und die ganze Anlage des Buches macht wahrscheinlich, 
daß dasselbe nicht mit den vier Adventsonntagen, sondern mit derWeih- 
nachtsvigil begonnen hat, wie das für die ältere Zeit der Braudi war; 

Karl W. Hiersemaan in Lelptigt Königsstrasse 3« Katalog 330* 



Mttsik-Manuscrtpte, XIV.-XIX.JahHL 147 

dann würde das einzelne Doppelblatt, das vor den von älterer Hand pagi- 
nierten Lagen zu Anfang vorgebunden ist, nicht an den Anfang, sondern 
vielmehr wie die Einzelblätter am Ende in den verloren gegangenen Schluß- 
teil des Kodex gehören; dasselbe enthält nämlich Teile des Offiziums der 
4. Adventwoche (fer. II— V) und Teile des Offiziums des Apostels Thomas 
(21. Dez.). Daß aber auch nadi Abscheidung dieses Blattes und Ver- 
weisung desselben ans Ende und bei Annahme der Weihnachtsvigil als 
eigentlichen Anfangs des Buches, doch der Handschrift zu Anfang jeden- 
falls ein Quatemio fehlt, beweist der Umstand, daß die erste paginierte 
Lage mit den Schlußworten der Antiphona ad evangelium der Weihnachts- 
vigil beginnt: „et descendet in uterum virginis sicut imber super gramen, 
Alleluia". Es fehlen also dem Officium der Vigil das Invitatorium (ein 
Terminus, statt dessen der Codex stets den älteren „super venite A.'' ge- 
braucht), die Landes matutinae und die zugehörigen Lektionen, Homilien, 
Orationen und Capitula. Von pag. 1—484, d. h. bis nach dem 4. Sonntag 
nach Ostern und dem Officium SS. Philippi etjacobi (1. Mai*), das 
bis zur 8. Lektion und der Antiphona ad Canticum vorliegt, ist der ganze 
Kursus vollständig bis auf zweimal zwei Seiten. Es fehlen: pag. 145—146 
mit Lektion VI— IX des 2. Sonntags nach Epiphanias und zwischen pag. 
420 — 421 ein somit schon vor der wohl gelegentlich des Eüibindens er- 
folgten Paginierung fehlendes Blatt gegen Ende des Charsamstag-Offiziums. 
Die ärmlichen Überbleibsel des verlorenen Schlußteiles sind 4 zusammen- 
gehörige Seiten aus dem Pf ingst-Offizium und vier ebenfalls zusammen- 
gehörige aus dem Himmelfahrts-Offizium. 

Die größtenteils sich auf einige Lektionen und Orationen beschränkenden 
dem Kursus eingereihten Heiligen-Offizien sind: S. Thomas (sehr aus- 
führlich, 2. Vorblatt), S. Stephan (sehr ausführiich, p. 19—30), S.Johannes 
Evang. (sehr ausführiich, pag. 30 — 40), Nat IV, Evangelistarum (p. 
41—44), SS. Innocentium (p. 44—53), S. Silvester (p. 56—59), S. Hi- 
larius (p. 98—101), S. Felix (p. 101—102), S. Maurus (p. 102—105), 
S. Marcellus (p. 160), S. Sebastianus (sehr ausführlich, p. 160—170), 
S. Agnes (sehr ausführlich, p. 170—175), S. Vincentius (ausführlich, p. 
180—188), In conversione S. Pauli (ausführlidi, p. 188—199), In purifi- 
catione B. Mariae (p. 199—210), S. Agatha (pag. 210— 216), S. Valen- 
tinus martyr (p. 217), In cathedra S. Petri (p. 217— 226), S. Mathias 
(p. 226), S. Oregorius (p. 226—229), S. Benedictus (ausführiich, p. 
229—238), In annunciatione B. M. V. (pag. 226—244), S. Ambrosius 
(452—453), S. Tiburtius, S. Valerianus, S. Maximus, S. Oeorgius 
(p. 454), unius martyris (p. 454), S. Marcus (p. 455), S. Vitalis (p. 
480), SS. Philippi etjacobi (ausführlich, p. 481—484, doch unvollständig). 
Sehr reich ist die Handschrift an Hymnen und giebt daher wertvolles 
Material für die Geschichte des Hymnengesanges im Offizium. Leider 
sind die Melodien als bekannt vorausgesetzt und die Hymnen daher nicht 
neumiert, vielmehr mit der größeren Schrift der Lektionen in extenso ein- 
gezeichnet Ganz vereinzelt steht der neumierte An&ng einer Hymne zu 
Ende des Officium von Maria Verkündigung (O gloriosa femina). 

Zur Orientierung über den Inhalt der Handschrift folge hier die Auf- 
zählung der Gesänge der Weihnachtsvigil bis zur 2. Noctum, die man mit 

Karl W. Hicfscmann in Lüptlg, Königsstrasse 3« Katalog 330* 

10* 



148 Masih'Manusmpte. XlV.-XIX.Jahrh. 

der Zusammenstellung in Peter Wagners „Einffihrung in die gregorianischen 
Melodien''^ I. (1895) S. 177, vergleiche, um zu sehen, wie unsere Hand- 
schrift bald mit dem Responsale Oregorianum von Compi^e (IX. Jahrh.), 
bald mit Hartkers Antiphonale (St Gallen, Cod. 390, X. Jahrh.) bald mit 
den Pariser Cod. 12044 (XII. Jahrh.) sich berührt; auch der Codex Lucca 
601 werde zur Vergleichung herangezogen. 

(In vigilia Nativitatis) 
[Orietur sicut sol salvator mundi] et descendet etc 
Ad. I. Antequam conveniret 
Ad. 111. Joseph fili David. 
Ad. VI. Rex padficus magnificatus est 
Ad. IX. Magnificatus est rex. 
Ad vesperas A. 1. Levate capita. 

2. Scitote quia. 

3. Completi sunt 

4. Ecce completa sunt 

R. Verbum caro factum est V. In prindpio erat 

Hymnus. Veni redemptor gentium (7 Strophen). Laus et honor. V. 

Tecum prindpium. R. In die virtutis. 
(Ad. evangel.) A. Cum erat desponsata. 
Super venite A. Christus natus est 

Hymnus ad noctem. Christe redemptor omnium. (6 Str.) Laus et honor. 
In 1 noct A. 1. Dominus dixit ad me Ps. Quare fremuerunt 

2. Tamquam sponsus Ps. Cxli enarrant 

3. In prindpio et ante saecula Ps. Domini est terra. 

4. Diffusa est gratia Ps. Eructavit cor meum. 

5. Verbum caro factum est Ps. Omnes gentes. 

6. Suseepimus deum Ps. Magnus dominus. V. Tamquam 

sponsus. 
Responsoria: 1. Hodie nobis caelorum rex. V. Oloria in excelsis. 

2. Hodie nobis de caelo. V. Hodia illuxit 

3. Angelus ad pastores V. Invenietis. 

4. O magnum mysterium V. Audietis usw. usw. 

Die Schrift, die Neumierung und die Initialen machen wahrscheinlich, 
daß die Handschrift einem süddeutschen Benediktinerkloster entstammt; 
doch kann es auch in einem französ. oder nord-italien. entstanden sein. 

Die. obige ausführiiche wissenschaftliche Beschreibung der ebenso 
interessanten wie wichtigen und wertvollen Handschrift, verdanke ich der 
Güte des Herrn Prof. Dr. Hugo Riemann in Leipzig. 

189 Breviarium Benedictinum Breviarium Benedictinttm 

completum IX.— X. saeculL completum IX.— X. saeculL 

Manuscript on vellum with Manuscrit sur parchemin, 

carefully executednotation contenant la musique des 

of the melodies of the re- versets et r^pons des heu- 

spansories and antiphonies res canoniales, soigneuse- 

of the horary office in ment not6e en neumes 

neumes (without lines)and (sans lignes) et accom- 

Karl W« Hiersemann in Ldptigt Königsstrasse 3« Katalog 330* 



Musik-Manaseripte. XIV.-XIX. Jahrh. 149 

with a detaiied entry of the pagn^e des le^ons, orai- 

lections, orations and ca- sons et capitula avec les 

pitula, including the re- hymnes correspondantes. 

spective hymns. 23500.— 23500.— 

A detaiied and scientific descrip- Une description savante et d6tai]l£e 

tion of this most impertant and vo- de ce manuscrit important autant 

luable manuscript which I owe to qu'int6ressant due ä l'obligeance 

the kindness of Prof. Dr. H. Rie- de M. Prof. Dr. Hugo Riemann de 

mann is sent free on application. Leipzig, sera envoy£ ä toute per- 
sonne qui en fera la demande. 

190 Brevlariam ordinis fratrum minonim secundum consuetudinem 
Romanae ecciesiae. Pergamentmanuscript aus d. XV. Jahr- 
hundert mit Musiknoten. 218 Blatt in OroBfolio (wovon 4 
auf Papier) (46,5 : 33 cm). Mit 29 großen prächtig orna- 
mentierten Initialen in Blau u. Rot u. einer Unzahl von 
kleineren. Modemer Ledbd. 520«— 

Außer pag. 50—55, die von einer anderen Hand herrühren, ist das 
Manuscript von ein und derselben Hand geschrieben. Leider ist eine An- 
zahl der Pergamentblatter eingerissen, mehrere ausgebessert und einige 
durch Papierblätter ersetzt Auch sind viele am unteren Rande bis zur 
Schrift beschnitten. Gegen Ende der Handschrift ist das Pergament teil- 
weise fleddg und stark vergilbt Laut dem beigefügten handschriftiichen 
Inhalts-Verz. sollten es 227 Blätter sein, es fehlen folglich 7 Blätter. 

191 Binzelblatt — Obere Hälfte eines zweispaltig beschriebenen 
großen Blattes aus einem Brevier des X. Jahrhunderts. 100. — 

1. Spalte mit Teilen aus den Officien Omnium Sanctorum 1. Nov. 
(Schluß des 2. Noctum Responsorium u. V. Beati misericordes. Antipho- 
nar In Matutinas Landes R. Saudi et justi v.) u. 2. Spalte, Anfang R. 
Officium in Nat S. Martini 11. Nov. Ant ad Magnificat: O beat&m virum; 
Invitatorium ,JubUemus deo''; In 1. Noct Antiphonar: Martinus ad neu. 
Beatus Martinus. Ego signo cruds. Terra. — Auf der Z Seite (die 
untere Hälfte des Blattes fehlt) weitere Teile derselben Officien. Schluß 
einer Lectio „quod postea devotus implevif '. R. Hie est Martinus electus. 
V. Sanctae trinitatis. Anfang einer Lection: Sed cum dictum esset, und 
Z Spalte Schluß einer Lectio: de crastino non cogitabat R. Domine si 
adhuc populo V. Domine si adhuc in eodem — Anfang einer Lectio: 
Quodam namque tempore. Auf jeder der beiden Seiten je eine schöne 
Initiale in dem deutschen Stile des X. Jahrhunderts (wie Einsiedel, Cod. 121, 
Blatt-Ranken-Omament). Zugleich schöne Neumen in der Art der St 
Gallener des X. Jahrh. In der Schrift fällt auf die altertümliche Schwän- 
zung der Majuskel v (y) und die Zusammenziehung von V und S zu einem 
Zeichen. 

192 Blnzelblatt eines Breviers des XIII. Jahrhunderts, zerschnitten 
und die beiden Teile verschieden stark beschnitten. Gehört in 
die Officien S. Michaelis, beginnt zu Ende des 2. Noctumus 

Karl W* Hicrsemann in Ldpzigf Kfinigsstrasie 3« Katalog 330. 



ISO Musik-Manuseriple. XW.-XIX.Jahrh. 

y,Emitte domine spiritum tuum^ und endet auf der 2. Seite mit 
dem Responsorium y,Num quid scis quare venerim ad te.^ 
Deutscher Herlcunft Orobe Schrift und stark zu gotischer 
Form fibergehende Neumen. Rundes s durchweg als SchluB-s. 

45« — 

193 Horariom cum calendario et canticis. Perg. 1510. 368 BL 
kL-8. Ldb. m. Schi, 480.— 

Lat Gebetbuch bayerischen Ursprungs, m. vollen Musiknoten zu den 
Antiphonen und Responsorien. Von den Miniaturen sind noch 4 blatt- 
große vorhanden, die die Darstellungen: Christus vor dem Hohenpriester, 
OdBelung Christi, Beweinung des Leichnams Christi u. Christus am öl- 
berg zum Gegenstände haben. Die Miniaturen haben in der Farbe u. Er- 
haltung gelitten, sie verraten jedoch die Hand eines sehr geübten sfid- 
deutschen Künstlers, dessen Namen vielleicht das Monogramm HC 
enthält, das sich am Schlüsse hmter dem Namen des Schreibers Johannes 
Tretter 1510 befindet Mehrere Bl. gebrauchsfleddg, an manchen Stellen 
ist die Schrift verblaßt 

Irmos ^d. h. der erste Vers, der den Inhalt und die Melodie 
des Kirchenliedes anzeigt); siehe Abteilung: Manuscr. slavischen 
Ursprunges. 

194 Klrchengesangbuch für die Feiertage in linienlosen Haken- 
Noten. Handschrift von 192 Blatt (21X33 cm), 26 Zeilen auf 
der Seite, mit 14 blattgroBen Capitel-Titeln, 10 Kopfleisten, 10 
Initialen, alle in Oold und Farben ausgeführt, femer einer blatt- 
groBen Miniatur: Die Geburt der heiligen Muttergottes. Ende 
des vorigen Jahrhunderts. In prächtigem, gleichzeitigen Oanz- 
lederband mit Ooldpressung und Krampen. Eine hervorragende 
Leistung kirchlicher Buchbinderarbeit. 200«— 

Die Krampen sind modern, der Rücken ist ein wenig beschädigt, der 
hintere Deckel hat eine Schramme. 

Liederhandschrift Eine Jenaer. Vgl. Facsimiles No. 351. 

195 Missale GaUicanum (sine Calendario), Pergamentmanuscript 
von 142 Blatt in folio aus dem ersten Viertel des XIII. Jahrh., 
1200 — 1220 geschrieben in Schwarz und Rot in zwei Columnen 
zu je 29 Zeilen in kräftigem gothischen Charakter. Mit Musik- 
noten (Neumen) von einem französisch-englischen Schreiben 

2400.- 
Mit einer Miniaturmalerei: Der gekreuzigte Christus, links Johannes, 
rechts Maria mit dem Heiligenschein. Johannes in langem Oewande 
und in einen roten, gezackten Mantel gehüllt Maria, angetan mit einem 
faltenreichen, mit breiter Goldborte besetzten Oewande und rosafarbenem 
Oberwurf, im Gespräche mit dem sterbenden Heiland. In einer grünen 
Umrahmung, mit Rot und Gold gehöht Größe der Miniatur: 8x13,2 cm. 
Vier schöne, große, farbige Initialen mit Rankenwerk auf Gddgrund 

Karl W. Hierscmann in Leipzigf Köfügsstrasse 3. Katalog 33(K 



MasüfManaseripte. XlV.-XIX.Jahriu 151 

und 8ehr vielen hübsch ornamentierten, mit der Feder gezeichneten Buch- 
Maben in Rot und Blau, deren auslaufendes Rankenwerk sich größten- 
teils mit auf den freien Rand der Blätter erstredet 

Neuer brauner Maroquinband, auf dessen Vorderdeckel in Ooldscfarifl 
steht: 

MISSALE OALLICANUM 
Written in France 
about 
A. D. 1200-1220. 
Used in England 
As appears from the service of St Edmund 
being added at the bottom of a leaf 
about A. D. 1400. 
Das aus dem ersten Viertel des XUI. Jahrhunderts stammende Manu- 
.script ist wohl erhalten und gut leserlich geschrieben. 

Pontiiicale Romannm« Latein. Pergamenthandschrift mit 
Noten; italien. Provenienz, aus dem XV. Jahrh.; siehe Abteilung: 
Manuscripte italienischen Ursprunges. 

196 Processionaire selon Fusage de Tordre deS. Dominicque. 
4. Pour Dame Marie L^^rand 1621. Oleichzeitieer Kalbsleder- 
band, Deckel mit ornamentiertem Mittelstuck und Rand- 
einfassung in Ooldpressung, Ooldschnitt, seidene SchlieB- 
bänder. 200.— 

Titel u. 64 num. BU. Pergament -Manuscript des XVII. Jahrhunderts, 
meisterhafte Handschrift in Schwarz, Überschriften und Initialen in Rot u. 
Blau; außerdem geziert mit 9 größeren Initialen in Blau auf goldenem 
Gründe. Titel in Rot, darunter das Ordenszeichen Aer Jesuiten von einem 
Bandomament umschlungen. 

Sämtliche Gebete mit den Musiknoten. Der interessante Eüi- 
band hat auf dem Vorderdedcel über dem Mittelomament die Inschrift 
„Tousjour ferme en la fo/', unter demselben „Dame Marie De Lacroix^, 
der Rückendeckel oben „Anna", unten „1623". 

197 Psalteriom ad usum monasterii ord. S. Clarae Ratisbonensis. 
Ms. d. XIV. Jahrh. Perg. 324 Bl. Holzlederband a. d. Zeit m. 
fragm. Beschl. K1.-8. 1600.— 

Fol. 1—17: Vigilien u. Totengesänge. Fol. 18—23: Calendarium. 
Fol. 24—244: Psalterium. Fol. 245—325: Laudes, Hymni et CoUectae. 

Sehr schöne lat Handschrift deutscher Provenienz, deren Zuweisung 
zur Regensburger Dioecese die Kalenderangaben zum 8. Jan. (Erhard) 
u. 22. Sept. (Emmeram) rechtfertigen. Fast sicher anzunehmen ist, daß 
das Psalterium für das berühmte Klarissinnenkloster resp. für eine 
Schwester daselbst bestimmt war. Dies geht einerseits aus den für die 
Totenfeier einer Nonne textierten Vigilien, andererseits aus dem auf 
S. 244 befind!. Gebet u. dem S. 276 b befindl. Hymnus an die hl. Klara 
hervor. Sehr interessant sind die gleichzeitigen handschriftlichen Zutaten 

Karl W. Hiefscmann in Leipzig» Königsstr asse 3. Katalog 330. 



152 Musik-Manuscripte. XlV.-XIX.Jahrh. 

des Psalterium. Auf der Innenseite des Vorderdeckels befinden sich 
landwirtschaftliche und Oesundheitsregeln in deutscher Sprache. Auf 
Fol. 17b eine dreizeilige Beschwörungsformel: „Jebssa mater laice misco 
misco memelo dusti mosti dichtiro. Eya smuscuz magret grus dich got 
Katrusca/' Auf dem oberen Rande der meisten Blätter des Psalteriums 
sind in kurzen deutschen Auszügen die Szenen der Passionsgeschichte 
verzeichnet u. zw. von derselben Hand, die sich auf Fol. 242 b und 243 a 
in einem Explizit in Form eines llzeiligen Gedichtes als die des nicht 
näher genannten Sdireibers zu eikennen gibt Der Anfang des Gedichtes 
lautet: 

„Hie endet sich der salter 

Den lis in din alter 

So mach dine ende w(er) den gut 

Vnd wird dine sele wol behuf ' etc. 
Darauf folgen zwei deutsche Mariengebete von einer anderen, Jedoch 
gleichzeit Hand. Die Musikbeigaben der Hs. bestehen in vdlseitigen 
Gesangstexten der Vigilien u. der Landes auf Fol. 291b~324, femer 
in den einseitigen Initien im Hymnarium. An bildlichem Schmuck ent- 
hält das Psalterium 8 figurenreiche Miniatur-Initialen m. Szenen a. d. 
Passionsgeschichte, reich in Farben auf leuchtendem Goldgrund von der 
Hand eines geübten Miniaturisten ausgeführt 

198 Receuil d'Aires. Collection de 49 chansons avec la musique 
not^e. Manuscrit fran^ais en 8. du XVIII. si^cle, avec 1 titre, 
1 frontis ice et 10 seines champ&tres pastorales, grav^es p. 
Domina Demontigny. 112 pages. Anc reliure brune. 220.— 

Jede Seite dieser graziösen Handschrift ist von einer zierlichen Ranken- 
bordfire(in Kupferstich) eingefaßt Die gleichfalls gestochenen Bildchen 
dienen zur Illustrierung der handschr. eingetragenen französ. Schaferlieder, 
leichter, oft pikanter Liebeslieder des XVIII. Jahrh. Das Titelblatt ist 
leicht koloriert 

199 Recueii d'ariettes. Manuscrit du XVIII. si^le contenant en- 
viron 700 ariettes, airs, chansons, bouffons, vaudevilles etc etc. 
4. 639 pp. et 36 pp. pour la table. Veau ant ^callle. 135.— 

Reichhaliige Sammlung von Arien, Arietten, Volksliedern, Gassenhauern 
und Possen aus der Mitte des 18. Jahrh. Out leserlich geschrieben. Feder- 
koloristisch und kulturhistorisch ebenso interessant wie für die Entwidce- 
lung des französischen Volksliedes. Mit heraldischem Ex-libris der Biblio- 
theque de Rosny. 

200 Recueii d'ariettes en duo et ä voix seule dedi£ ä la plus 
aimable des angeliques. Manuscrit fran^ais en 8® du XVIII. 
si^Ie, renf. 46 chansons avec la musique not^e. Avec 1 fron- 
tispice gr., le portrait de MHe Lucille et 4 aquarelles. 138 et 
5 pages. Ancienne reliure rouge. (Maroquin). Tr. dor. HO. — 

Jede Seite dieser Lieder- Handschrift enthält 8 Reihen Noten mit dar- 
unterstehendem französ. Text Den Inhalt bilden die um die Mitte des 
XVIII. Jahrii. beliebten Schäferlieder. 

Karl W* Hicrscmann in Leipzig» Kfinigsstrasse 3* Katalog 330. 



Tafel 23. 




I I V 

cicmmnffi 

ilnn.vyinfi 

ilnnnmiim 



fttnniloni 

poMiccfW 

cmcim 
faiuulivu: 
omiuiim c 

criion rtci]! 
ninrhocfii: 

tioicnnin 
ipctiüun? 
fiietil)utW 
tcniodcoii 
Q omuiu 
ctincinmir 
mvvuni<;c 
ms ani 
adiünvli 



No. 195. MISSALE GALLICANUM. Christus a. Kreuze, 
ca. 1200-1220 in Frankreich geschrieben. 



Masik-Manuscripte. XIV.^^IX. fahrh. 153 

201 Recueil d'ariettes^ chansons, epigrammes, madrigals etc. 
Manuscrit fran^ais en 8^ du XVIII. si^le. 428 -|* 23 pages. 
Reliure rouge anc tr. dor. (Maroquin). 120.— 

Sauber geschr. Sammlung französ. Lyrik des XVIII. Jahrh., die Gedichte 
y. Epigramme hier z. Teil an die frz. Hofgesellschaft gerichtet 

202 Recueil de (484) chansons tant anciennes que modernes ras- 
sembl^es par M. C D. M. L ou choix de po^sies liriques. 
Manuscrit in-4. 1750. — 475 pp., 62 ff. de papier blanc et 15 ff. 
pour la table. Veau ant ^caille, dos om€ tr. marb. 130. — 

Sauber geschriebene, gut leserliche Sammlung französischer Lyrik im 
Charakter der Zeit aus dem Anfange des XVIIl. Jahrhunderts und der 
früheren Zeit Mit Ex-libris von L^on Duchesse de la Sicoti^re. 

203 Recueil de chansons fran^aises du XVIIIe sitele. Manuscrit 
de 228 pages. Avec 2 aquarelles ä la fin du volume. 8. (Paris) 
1788. Ex-libris J. P. Aug. Boyto. 30.— 

204 Recueil de plus de 200 chansons, contes en prose et en vers, 
madrigaux et ^pigrammes du XVIIIe sitele. Manuscrit f ran^ais 
d'une trfes belle Venture. Beriin 1786. V. cart. 329p. 80.— 

Parmi ces pi^ces se trouve un 61oge du Roi de Prusse FrM6ric II. 
Quelques unes sont £crites en caract^res allemands. Sur la demi^re page, 
on lit l'inscription suivante: le 14. 8bre. 1786. Nossirab, ä Beriin. Quelques 
chansons sont accompagn6es de notes musicales. Une table est ä la fin 
de cet interessant volume. 

205 Recueil de duos, romances et airs de guittarre. Schönes 
Manuscript aus dem Ende d. XVIIl. Jahrh. mit Musiknoten. 
4^ 200 S. Roter Ledbd. mit Ooldverzierungen u. Ooldsch. 

US.— 

Sammlung von 48 französ. Liedern u. Arien, zum Text mit Ouitarre- 
Begleitung. 

206 Recueil de duos, romdures, airs et arriettes, tir^es des op^ras- 
bouffons. Manuscript mit Musiknoten ca. 1780. gr. 8^. 
199 S. Ledbd. 95.— 

Die schön geschriebene Sammlung enthält 45 Liebesduette aus französ. 
komischen Opern damaliger Zeit 



Karl W. Hierscmann in Ldpzlgf Königsatraisc 3« Katalog 330. 



154 Manusaipte müäärisdien ^der naoäschen Inhaäs. XVI. - XVIII. Jahrh. 

] Manuscripte militärischen oder nautischen 
Inhalts: Portnlankarten etc. 

XVI.— XVm. Jahrh. 

207 Atlas der Kriegskunst. Pappband aus der Zeit um 1700 
in Quer-8, umfassend 128 Seiten mit vielen hundert teils 
schwarzen, teils kolorierten Federzeichnungen, die mit großer 
Sorgfalt und Feinheit ausgeführt und wahrscheinlich in Deutsch- 
land entstanden sind. 140. — 

Die Zeichnungen stellen alle Arten von Befestigungs- und Verteidigungs- 
werken, die verschiedensten Geschütze und Geschosse, Apparate zur 
Pulverbereitung, sowie die zu jener Zeit bei den Genietruppen und beim 
Festungsbau üblichen Werkzeuge dar. Einige Tafeln veranschaulichen die 
Methoden zur Berechnung der Geschoßbahnen. Die erklärenden An- 
merkungen sind m deutscher, französischer, italienischer oder nieder- 
ländischer Sprache gegeben. Manches scheint auf selbständigen Entwürfen 
des Verfassers zu beruhen, anderes dagegen aus militärischen Lehrbüchern 
verschiedenen Ursprungs abgezeichnet zu sein. Der Autor war offenbar 
ein höherer Offizier von umfassender tedmischer und wissenschaftiicher 
Bildung. Von besonderem Interesse sind mehrere Festungspläne, die be- 
rühmte Belagerungen aus dem Ende des XVII. Jahrhunderts ver- 
anschaulichen: Ratzeburg durch die Dänen belagert 1693, Luxemburg durch 
die Türken 1683, Luxemburg durch die Franzosen 1684, ebenso Philipps- 
burg 1688 und Breisach 1687. Den Schluß bildet ein auf zwei Seiten ver- 
teilter Plan eines Gefechtes zwischen Franzosen und Niederländern am 
fHusse M^haigne in Belgien 1692. Zwei lose beiliegende Blätter enthalten 
außerdem Entwürfe für verschiedene Taucherapparate und ein Hebewerk 
für Geschütze. 

208 Beschreibung der Königlich Preußischen Infanterie Evolutiones. 
Manuscript mit gezeichnetem kolorierten Titelbild. 4^. Dat. 1774. 
Reich goldgepreßter, gleichzeitiger roter Maroquinbd. m. Gold- 
schnitt sowie schön, blauen Vorsatzpapier. 80. — 

Kollation: Titelbild, Titel, 564 S. Text (fälschlich 561 numer.), 
4 unnum. Bll. u. XVII S. Register. 

Dieses kalligraphisch schöne Manuscript enthält nicht nur die Exer- 
zier-Reglements, sondern auch die Garnison- u. Felddienst-Ordnung, auch 
Strafgesetze u. die Art ihrer Vollstreckung (z, B. Spießruthenlaufen) etc. 

M. dem goldenen Rückentitel: Reglement Auf dem Vorsatzblatt 
steht geschrieben: Oberst von Voit 1789. 

209 (Boot, Abr.) Joumael (ende origineel-handschrift) van 
de Legatie, gedaen in de Jaren 1627 en 1628 by de Ed. Erent- 
feste, Hoogh-Oheleerde, Voomeme seer discrete Heeren, R. v. 

d. Honaert . . . ., A. Bieker . . . ende S. v. Beaumont , 

te samen by de Hoogh-gem. Heeren Staten Generael afgesonden, 
op den Vrede-Handel tusschen de Coninghen van Polen ende 

Karl W» Hicrsemann in Ltipzlgf Königfsstrassc 3* . Katalog: 330* 



Maauseripte miUiärisdien oder nautischen InhaUs. XYl.-XVIlLJahHu 155 

Swedetu Inhoudende cort en warachtich verhael, so vant gene 
dagelyexis is gepasseert, de gantsche Reyse gheduyrende: 
Als oock de moeyelyckheyt ende verscheyden empeschementen 
op de selve Reyse voorgevallen. Vertiert met versch. kopere 
Figuren: (ende versch. handtekeningen, kaarten en wapen) van 
seeckere Battaillen, so te Lande als te Water, tusschen den 
Sweden en de Polen ghehouden: Als oock vande vreemde 
ghesteltenisse, so vant Landt als de Inwoonders in Polen, etc. 
door A. B. een van de twee Secretarisen der selver Ambassade. 
qu. 4. t'Amstebredam, by Michiel Colijn, 1632. Pergt 41200.— 
Aus der handsdiriftl. Notiz auf der dem Text vorgesetzten handge- 
malten Wappentafel geht hervor, daß A. B.=« Abraham Boot, einer der 
Gesandtschaftssekretäre, nicht nur der Zeichner der im Text stehenden 
Kupfertafeln etc. ist, sondern auch der Autor des „Journal''. Femer be- 
sagt die Notiz, daß dieses vorliegende Exemplar aus dem Besitz von 
Capelle van Schonauven ist; zuerst hatte es Naejeloten durch Comelis 
Boot erhalten; des weiteren folgt die hochwichtige u. Interessante Mit- 
teilung, daß in Frage stehendes Exemplar wahrscheinlich das 
Original-Handexemplar von Abraham Boot ist; dies erhellt 
aus verschiedenen Handzeichnungen u. Noten im Texte. 

Geschmückt Ist dasselbe mit 38 Illustrationen u. 1 Karte, davon sind 
12 ind. Karte in Kupfer gestochen u. 27 handgemalt; letztere ver- 
teilen sich auf 13 Zeidinungen in Aquarell u. auf 14 Tuschzeichnungen. 
Unter den Aquarellen befinden sich zwei Wappentafeln mit je 4 Einzel- 
Wappen; 2 handgemalte u. 1 gestoch. Tafel betreffen Dänemark; 5 hand- 
gemalte das ehemalige Polen, beispielsw.^ Warschau; je 3 handgem. die 
heutigen Provinzen Ost- und Westpreußens; 4 handgem. u. 2 Kupfer- 
stiche speziell den Regierungsbeziiic Marien werder; 1 handgem. das 
Schloß der Stadt Brandenburg. 

Exemplar mit durchschossenem Papier. 

Kupfertafeln u. Karten, sowie Handzeichnungen folgen in nachstehen- 
der Reihe aufeinander. Vor dem Titel: Wapenen van de Coninck- 
rycken end Coningen die op dese Reyse besocht zyn: Denemarken, 
Sweden, Norwegen, Poolen (Handzeichnung in Aquarell); fol. 1: Carta 
Polonia (Kupferstich); fol. 1: 4 Wapenen (Aquarell) van den Gedepu- 
deerden: Rochius van den Honaert, Andries Bicker, Simon van Beau- 
mont, J. Rutger van Boetsdare, nebst Aufzählung der Personen u. ihrer 
Amtstätigkeit, die an der Gesandtschaftsreise teilgenommen: Haer Ed. 
respectiwe Edellingden Thomas von Honaert, Johan. Soop, Amout v. 
Beaumont, Jon Adriaen, Frederick Alewyn, Willem von Soon, Anthonis 
V. Beaumont, van Renes, van Aa Hr. v. Dorp.-Offiders van de Ambassade: 
JudocusSchultsen en Abraham Boot, Secretarisenf Willem Craeck, 

Hofmeister, Abraham Chirurgyn. Hans van Essen, en Anthonis 

le Potre. Cocks. Engelbrecht Adriaens en Abraham . . . Botselliers. Jan 
die Jonge, Keldermeister u. die Allgemeinbezeichnung, daß 10 „Dienaers'^ 
von Gesandten u. Edeln dabei waren. Fol. 2: Casteel Cronenborg (Kupfer- 
stich). Fol. 4: Casteel Friedricksborg (Handzeichn. in Aquarell). Fol. 5: 
Die Sweetse besettinge voor Reviere van Dantziek (Handzeichn. in 

Karl W. Hierscmann in Leipzigf Königsstrasse 3« Katalog 33(K 



156 Manuseripie mäUärischen oder naaüsehm Inhalts. XVL-XVUl.JahHi. 

Aquarell). Fol. 6: De Pelauw (Pillau. Handzeichn. in Aquarell, dar- 
stellend Hafen mit Minen u. Küstenbefestigungen). Fol. 10: De Stadt 
Dersaw (Dirschau b. Danzig in Tuschzeichnung). Fol. 13: Poolsche 
Truppen (Kupferstich). Fol. 16: Het basteel van Orvdents (Oraudenz. 
Handzeichn. in Aquarell). Fol. 17: Het Raethuys van Thöm (Thom. 
Tuschzeichnung). Fol. 20: Het Huys van den Borgemeester Bloem-Hoff 
(Kupferstich). Fol. 25: De Stadt van Warsavw (Warschau mit einigen 
Detailbezeichnungen, Tuschzeichnung). Fol. 26: Casteel van Bobrodnicky 
(Bobrowniki?) en Casteel van Vladeslaefsky (Tuschzeichnung mit 2 Staf- 
fagefiguren). Fol. 29: Het Dorp van Lubischöw (Luboczyn, Westpr., 
Kr. Tuchel) aen de zyde van des Paeps Huysinge. FoL 30: Lubischöw 
van boven in te sien. (Tuschzeichnung mit kriegerischer Szenerie). Fol. 31 : 
Sweetsche Schanse, op de Punct van't Hooft gelegt (Tuschzeichnung). 
Fol. 32: Sweetsche Schans op de Weiselstroom (höchst interessanter 
Kupferstich mit Erklärung der Stellung). Fol. 35: Battle at Dersaw 
(Dirschau. Kupferstich mit „Verklaring^e van de Figure'O* ^o^* ^^' 
Dersaw: Logemens van der Legatie (Tuschzeichnung mit Staffageper- 
sonen, vierspänniger Karosse, großer kriegerischer Szenerie u. Hinrich- 
tungen auf verschiedene Art zeigend). Fol. 44: Dersaw Treaty signed 
(Kupferstich). Fol. 49: Medaille van Gustav Adolph (Aquarell). Fol. 54: 
Ter scheyt (Kupferstich). Fol. 55: Het Sloth van de Stadt van Fischausen 
(Fischhausen, Ostpr., Tuschzeichnung). Fol. 55: Het Slot van de Stadt 
Brandenborch (Tuschzeichnung mit Staffagefiguren). Fol. 61: Seegefecht 
vor Heia (Westpr., Rgb. Danzig. Kupferstich). Fol. 65: Pstedcken Hol- 
landt (Kupferstich). Fol. 66: De Stadt und Casteel van Rysenburgh 
(Riesenburg b. Marienwerder. Handzeichnung in Aquarell). Fol. 67: 
Het Slot ende Domkerke tot Marienwerder (Kupferstich). Fol. 69: The 
room when she treaty was signed (Kupferstich). Fol. 72: De Stadt und 
Casteel van Stum (Riesenberg. Tuschzeichnung). Fol. 77: Het Casteel 
Proysemark (Tuschzeichnung). Fol. 79: Eene sweetsche struyse (Hand- 
zeidin. in Aquarell). Fol. 81: Het Tollhuys ende Dorp in de Pelauw 
(Tuschzeichnung mit kriegerischer Staffage). Fol. 84 a: Civitas Epis- 
copalis Plocensis in Polonia (Tuschzeichnung). Fol. 84b: Arx Civitatis 
Episcopalis Vladis laviensis. Fol. 87: Ein bogenschieBender u. in voller 
Ausrüstung zu Pferde sitzender Tartar (Handzeichn. in Aquarell). Fol. 89: 
je 2 männliche u. weibliche charakteristische polnische Kostümfiguren. 
Hinter dem jetzt folgenden handschriftl. Tafel-Index folgen viele weiße 
Blätter; eins davon ist mit einem sich in voller Ausrüstung befindlichen 
Ritter, wahrscheinlich das Porträt eines Mitgliedes der Gesandtschaft, 
geschmückt (Aquarellzeichnung). 

Ein Folioblatt, enthaltend die handschriftl. Widmung des Autors (A. B. 
= Abraham Boot) an die „Edelen'' der Gesandtschaft u. das Druck- 
fehlerverzeichnis zum Werke, liegt dem Exemplar bei. 

Ein Werk, das sich in solcher Fassung wie das vorliegende repräsen- 
tiert, mit seinen hochinteressanten gedruckten Mitteilungen u. seinen 
originellen Handzeichnungen, dürfte nicht oft auf den Markt gebracht 
werden. Der Umstand, daß u. a. die heutigen ost- u. westpreußischen 
Städte u. Festungen das Ziel der Gesandtschaftsreisenden waren, u. daß 

Karl W« Hiersemann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330. 



Maausaipte miiäärischen oder natUisehm Inhaits. XVI.- XVIII. Jahrh. 157 

sich um dieselben jene in Wort u. Bild geschilderten Kämpfe zu Wasser 
u. zu Lande abgespielt haben, gibt dem Werke einen eminent hohen lokal- 
geschichtlichen Wert 

Kriegs- u. Marine-Interessenten, ja den interessierten Marinestaaten 
selbst, kann das Werk zur Anschaffung angelegentlichst empfohlen werden. 

210 Coehoom, Menno, Baron van, Voorbeelden van eenigen 
Sterken Forteressen ende Steden. Originalmanuscript von 149 
Aquarellzeichnungen unter Benennung der dargestellten Festungen 
und Städte mit Angabe der Größenskala und der vielfachen 
Einzeichnung einer Kompaßrose. Qu.-foK (ca. 1680). Pergt 

340.— 

Reiche und hochinteressante Sammlung von 149 mit der Hand ge- 
zeichneten und in Aquarellfarben ausgeführten niederländischen (belgi- 
schen u. luxemburgischen), deutschen, französischen, ital., russ., dän., 
Schweiz, u. turk. Festungs- und Stadtplänen. Dieselben sind entworfen 
von dem berühmtesten niederländischen Ingenieur seiner Zeit — Menno 
van Coehoorn. Derselbe wurde geboren 1641 auf einem Landhause bei 
Leenwarden in Friesland. Seine Befestigungsmanier bedeutet eine Ver- 
besserung der allgemeinen niederländischen Befestigungsweise. Coehoorn 
u. der große französische Marschall und Verbesserer des Ingenieurwesens 
Vauban waren zwar Zeitgenossen, aber Gegner in der Befestigungskunst 

Die Einteilung der vorliegenden Festungs- u. Stadtpläne bezüglich 
ihrer politischen Zugehörigkeit zu einem Staate, ist nach dem heutigen 
Stand der Dinge gehandhabt, d. h. die Festungen, die z. B. zu Lebzeiten 
des Coehoorn zum Königreich der Niederlande gehörten, aber heute zu 
Deutschland gerechnet werden, sind unter der Rubrik des letzteren auf- 
geführt. Diesem Verfahren entsprechend ist Holland (ind. Belgien und 
Luxemburg) vertreten mit ca. 58 Plänen, Deutschland mit ca. 36, Frank- 
reich ebenfalls mit ca. 36; die übrigen 13 verteilen sich auf Italien, Ruß- 
land, Dänemark, Schweiz, Malta u. Türkei. 

Von den deutschen Festungsplänen sind wegen ihrer vorzüglichen 
Anschaulichkeit besonders zu erwähnen: Moers, Emmerich, Rees, Wesel, 
Duisburg, Graue, Geldern, Hülst, Lingen, Meppen, Emden, Bremen, 
Hamburg, Glückstadt, Ulm, Ravenstein, Elbing, Lübeck, Stralsund, Leipzig, 
Stettin, Danzig, Thorn, Metz etc. Von den niederländ., belgischen und 
luxemb. sind zu nennen: Utrecht, Venlo, Gorkum, Maestricht, Nimwegen, 
Vlissingen, Antwerpen, Groningen, Helmstadt, Luxemburg etc. Von den 
französischen: Brissac, Montauban, Soissons, Langres, Corby, Calais, La 
Rochelle, Sedan, Nancy, Verdun etc. Von Dänemark ist Kopenhagen, 
von Italien ist Turin noch erwähnenswert 

Was die Ausführung der Pläne und die Erhaltung des Exemplars an- 
belangt, so ist beides als durchaus gut zu bezeichnen. Soweit ich nach- 
kommen kann, ist das Werk nicht gedruckt worden. 

211 Diesbach de Belleroche, (Ph.-Ladislas, comte de), m^moires 
sur rArtn^e prussienne, recueillies et r^dig^es par M. le 
Cte. de D. de B., Colonel d'Infant, Lieut-Colon., Commandt 

Karl W. Hicrsemaim in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330. 



158 ManusaipU määänsdm oder imaäsdim InhaUs. XVL- XVIII. Jahrk. 

d'un R6gt Suisse de son nom au Service de S. M. T. C, 
Chevalier de l'ordre roy. et uil. de St Louis, lors de son voy- 
age en Prusse, PAnn^e 1783. 122 pages manuscrites. 2 parties 
en 1 vol. Rel. pl. en veau. Av. ex-libris. 95. — 

Ce manuscrit, d'une Venture parfaite, est un interessant ouvrage sur 
la composition et sur la tactique de l'arm^e prussienne au temps de Fr6- 
d6ric-le-Orand. Ses prindpales divisions sont les suivantes: 

le. ptie: Composition de l'arm6e pr. — Compos. d'un r^gi de 
Mousquetaires. — Recrues. — Offiders. — Bas-offiders et caporaux. — 
Invalides. — Tenue. ~ Founctions. — Grenadiers. — Milice. — Chas- 
seurs k pied. — Corps de Cadets. — tcole Militaire. — Infanterie. — 
Artillerie. — Cavalerie. — Offiders k la suite du roi. 

2e ptie.: Tactique de l'Infant et de la Caval. — Manoeuvres. — Com- 
binaison des diff^r. armes. — Relations de qques. batailles que le Roy 
de Prusse a donn^es: Hochkirchen, Cunersdorff, CoUin, Zorn- 
dorff, Prague, Lissa. 

Le travail fut fait par un membre de la noble famille de Suisse qui 
remonte au XlVe si^cle et qui v^cut k Berne et k Fribourg. Uauteur, 
apr^s avoir servi sous les ordres de son p^re devint en 1785, par la r^signa- 
tion de celui-d, propri^taire de ce mSme r^giment de Diesbach qui fit 
avec la France les campagnes de Fontenoi, Oudenarde, Raucoux, Berg-op- 
Zoom, Rossbach etc. et il campa au Champ de Mars en 1789. 

Ex-libris armorid de A. de Planta Wildenberg, off. au R€gt Suisse 
de Diesbach, 1784. A. St Omer. 

Ce manuscrit n'a tr^s probablement jamais ^t^ imprim6. 

212 Fusig, Andreas Christian, Manuscript von 378 halbseitig be- 
schriebenen Folio -Seiten (32X21 cm), 37 äußerst sauber ge- 
schriebenen Zeilen auf der Seite, das Rubrum mit zahlreichen 
mathematischen Figuren bedeckt Die Pläne fOr Befestigungen 
mit peinlicher Genauigkeit ausgeführt. 1683. Hprgt 75. — 

Kollation: S. 1—52: Oeometria. S. 53—66 unbeschrieben. S. 67—107: 
Trigonometria, Theoretica der flachen Triangulen. S. 108 unbeschrieben. 
S. 109—131: Oeodesia. S. 132—157: Stereomebia. S. 158—161 unbe- 
schrieben. Dann der wichtigste Teil des Manuscriptes, Seite 162—378: 
Von dem Vestungs-Baw mit 85 sauber kolorierten Zeichnungen: Ansichten, 
Grundrisse und Einzelheiten von Festungen darstellend. 

213 (Helms, Franz), Feuer und Oeschfitzbuch. Ein Schönnes 
Neuues Feuuer Buech, in sich begreiffendt die Arttolerey, Mu- 
nicion, vnnd Feuuerwerkh zue machen . . . Auch vom Sallitter, 
Schwebe], Kolena vnnd Pulfer, Feuuer Pfeilen etc Päpier- 
ManuscripL 1591. Deutsch. 215 beschn Bl. Folio. Hpiig:tbd. 

280.— 
Das Manuscript — offenbar eine Kopie (nach dem Originalmanuscript 
vor der Drucklegung hergestellt) der Arbeiten des in k. Diensten ge- 
standenen Zeugwarts und bekannten Bfichsenmeisters Franz Helms — 
enthält zumeist Vorschriften zur Bereitung von Feuerwerkskdrpem, Ord- 

Karl W« Hierscmann In Leipzig, Kdnlgsstraisc 3« Katalog 330. 



,Manus€fi0iimiimrisehin oder nautisdim Inhalts. XVI.-XVIlLJahrh. 150 

nung des Büchsenmeisters usw; 31 flotte Federzeichnungen illustrieren 
die pyrotechnischen Vorschriften in anschaulicher Weise. Helms sammelte 
das Material in der ersten Hälfte des XVI. Jahrb., das dann als 
artilleristischer Codex jener Zeit große Verbreitung fand. Das Werk, das 
den Titel führte eines „Buchs von den probierten Künsten'' wurde zuerst 
1625 gedruckt von Joh. Ammon unter dem lat Titel „Armamentum prind- 
pale'' und dann wieder von dessen Sohn Clemens Ammon, Buchhändler 
in Heidelberg im Jahre 1669. Sehr interessante Handschrift 

214 Instittttions IVlilitaires de Tlnfanterie Prussienne en Tems 
de Paix . . . Par Mr. le Comte de Schmettau ... 2 vols. 
A Berlin 1773. 160.— 

2 gleichzeitige Lederbände in 4<>, zusammen XXV u. 1156 numerierte 
Seiten. Sorgfältig ausgeführte, vollkommen deutlich lesbare, tadellos er- 
haltene, druckfertige und offenbar auch für den Druck bestimmte Hand- 
schrift in französischer Sprache, für die Geschichte des preußischen Heeres 
von hohem Interesse. Verfasser ist der Graf Friedrich Wilhelm Karl von 
Schmettau (1742—1806), damals kgl. preußischer Oberst und Adjutant 
des Prinzen Ferdinand, ein von Friedrich dem Großen hochgeschätzter 
Offizier, der sich durch verschiedene Schriften zur preußischen Kriegs- 
geschichte bekannt machte und zuletzt als Generalleutnant an einer in 
der Schlacht von Auerstädt erhaltenen Wunde starb. Das Werk schildert 
bis ins einzelnste alle Verhältnisse des preußischen Fußheeres, nament- 
lich die Zusammensetzung der Truppen, ihre Rekrutierung und Unter- 
haltung, die Bekleidung, Bewaffnung, Unterbringung und Ernährung, den 
Gamisondienst im Frieden, die Disziplin, das Exerzierreglement und die 
Manöver. Unter den Metiioden der Truppenbildung wird diejenige des 
Obersten von Kalckreuth als die empfehlenswerteste hervorgehoben und 
genau beschrieben. Jedem Bande ist ein ausführliches Inhaltsverzeichnis 
vorausgeschickt Hier und da sind dem Texte erläuternde Zeichnungen 
beigefügt Auch wird wiederholt auf zugehörige Tafehi verwiesen, die 
indessen dem vorliegenden Exemplare fehlen. 

215|Jotimal (original en Manuscrit) de la campagne de Mahon 
sur le vaisseau du roy le redoutable command^ par monsieur 
le commandeur de glandeves chef d'escadre partis (sie) de 
Toulon le neuf avril 1756. 1600.— 

Ungedrucktes Originalmanuscript von 573 Seiten in 4^, in zwei Leder- 
bände gebunden. 

Bd. I enthält das Verzeichnis der 20 Schiffe mit den Namen aller ihrer 
Offiziere und mit Angabe der an Bord befindlichen Truppen (S. 1—46), 
das Verzeichnis der Regimenter und ihre Verteilung auf die Schiffe 
(S. 47->60) und die Signalordnung (S. 66-286); auf S. 267—285 sind 
die Flaggen und Wimpel der Signalordnung zierlich m. Wasserfarben 
abgebildet Bd. II enthält das eigentliche Tagebuch und reicht vom 
1. April bis zum 1. September. Neben den Vorgängen bei der Flotte 
werden darin auch die beiderseitigen Kriegserklärungen, die Kapitula- 
tions-Artikel und andere Dokumente, sowie gelegentliche Nachrichten 

Karl W. Hierscmann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 33(K 



160 Mottuseripte milUärisdim oder nauäsdun liüuüts. XVI.-- XVIII. Jahrh. 

von anderen Kriegsschauplätzen mitgeteilt So enthält S. 429 Nachrich- 
ten über die Wegnahme eines englischen Sdiiffes bei Martinique, S. 431 
Bericht über Erfolge in Canada. Jedem Bande sind einige gedrudcte 
Beigaben vorgebunden, seltene Flugblätter oder Plakatdrudce jener Zeit, 
und zwar enthält Bd. I die Ordonnance du Roy portant d6daration de 
Ouerre contre le Roy d'Angleterre du 9 Juin 1756, Plakat gedruckt in 
Bordeaux von Simon de la Court; femer: De Mahon le 30 Juin 1756, 
Flugblatt von 4 Seiten; — Extraordinaire. Relation de la prise des Forts 
de Mahon fc Flugblatt von 4 Seiten, mit der Unterschrift: A Paris, du 
Bureau d' Adresse aux Oalleries du Louvre, vis-ä-vis la ruc Saint Thomas, 
le 17 Juilles 1756, und Detail de ce qui s'est pass6 le 27 Juin 1756 
ä Tattaque des Ouvrages avanc6s du Fort S. Philippe. Flugblatt von 

3 Seiten. Bd. II enthält: Vers au Roi sur son Assassinat commis ä 
Versailles, le dnq Janvier de la präsente Ann^e 1757. Flugblatt von 

4 Seiten, unterzeidinet Ragot de Lafon, premier huissier en la monnaie 
de Bordeaux und gedruckt: A Bordeaux, chez Philippot Außerdem 
liegt dem 1. Bande eine Federzeichnung bei mit der Aufschrift: Prise 
de Port Mahon par le Mar^chal duc de Richelieu, eine Reproduktion 
des Reliefs der Statue, die Ludwig XIV. in Bordeaux errichtet worden ist 

Pr6deux manuscrit du XVIIl^ si^de compos6 de 573 pp. d'une tr^s 
bonne 6criture et om6 de dix planches de pavillons dessin^es ä la 
plume et ä Faquarelle. 

Cette importante relation in^ite contient les renseignements les 
plus pr^ds et les plus curieux sur la glorieuse campagne dirig^e par le 
mar^chal duc de Richelieu. Les 6tats des vaisseaux, des troupes, des offi- 
ders, plac6s sous les ordres du mar^dial, et les noms des passagers sont 
tous inwaiir^B dans cet interessant manuscrit avec leurs noms et quali- 
t6s. Les ^v^nements sont relat^s avec soin jour par jour. On lit sous 
la date du mercredi 30 Juin 1756: 

„La capitulation a iii sign^e hier 29 et, en cons^quence, la fr^gate 
La Pl^iade est destin^e pour conduire ä Toulon M. le duc de Fronsac, 
fils de M. le mardchal duc de Richelieu, qui va porter cette agr^able 
nouvelle au Roi. Elle part ce soir pour remplir cette mission flatteuse.'' 

On a Joint ä ce manuscrit dnq pi^ces imprimdes (placards, opuscules, 
etc.), relatives ä la campagne et au mar^dial de Richelieu et un joli 
dessin original ä la plume, repr^sentant un des bas-reliefs de la statue 
de Louis XV. sculpt6 sur marbre par Francer et reproduisant la prise 
de Port-Mahon^ 

216 Journal du voyage depuis de la rivi^re de Oambie ä la rivi&re 
de Sierra Lione inclusivement. 4120. — 

Wohlerhaltene französische Papierhandschrift des ausgehenden XVI 11. 
Jahrhunderts, enthaltend 8 beschriebene Bll. in folio mit gut lesbarer 
Schrift Der Text schildert eine im Jahre 1786 unternommene Fahrt der 
Corvette Rossignol von der französischen Festung Albreda an der Mün- 
dung des westafrikanischen Flusses Gambia aus südwärts nach der Sierra 
Leone-Küste. Das Schiff sollte geeignete Punkte für die Anlegung von 
Faktoreien und Befestigungswerken aufsuchen und vermessen. Der Be- 
Karl W. Hicrsemann in Leipzig, Königsstrassc 3. Katalog 330. 



MamaeHfOi militärischm oder naatisdun Inhalts. XVI.^ XVIII. Jahrk. 161 

rieht beschreibt eingehend die zahlreichen englischen Handelsnieder- 
lassungen an jener Küste, die einer Liverpooler Gesellschaft gehörten, 
zahlt die exportfähigen Produkte des Landes auf und verbreitet sich aus- 
führlich über den damals dort blühenden Negerhandel. Auch die Be- 
mühungen einer französischen Kompagnie mit dem Sitz in Havre, welche 
auf den der Küste vorgelagerten Inseln Fuß zu fassen suchte, werden 
dargestellt, ebenso die wechselseitigen Verwüstungen, welche der letzte 
englisch-französische Seekrieg hier im Kolonialgebiet angerichtet hatte. 
Ohne Zweifel ist das Dokument für die Geschichte der französischen 
Ausbreitung in Westafrika von Interesse. 

217 Salusbuiy, Ph. H. B., Military Histoiy. Original Ms. 209 
leaves (and some blank leaves at the ena). With fancy col. title 
page, maps, plans and illustr. 4. Halfmorocco. Ca 1890. 80.— 

Out erhaltenes, leserliches Manuscript, anscheinend Ausarbeitungen 
der in der II. Klasse 'einer englischen Militärschule gehaltenen Vorle- 
sungen. Der Inhalt ist folgender: Allgem. Einleitung in die Kriegs- 
geschichte. Studien über die napoleon. Feldzüge 1800, 1811 u. 1815. 
Besonders eingehend werden Schlacht bei Marengo, Masserras Rück- 
zug aus Portugal u. die Sdilacht bei Waterloo beschrieben. Femer Feld- 
zug Frankreichs u. Italiens gegen Osterreich 1859 (Solferino). Sodann ein 
größerer Aufsatz über die Gefechte bei Wildemess (Amerika), wo Orant 
erfolgreich die Konföderierten bekämpfte (5.-26. Mai 1864). Das Ende 
bilden Bemerkungen über Taktik, Strategik, Rückzug u. Verfolgung. 

Zahlreiche sauber ausgeführte Karten u. Pläne erläutern die Schlach- 
ten. Eingefügt sind Bilder Napc^eons, Schlachtenscenen u. 1 kol. Ansicht 
von Solferino. — 

Distinctiy written Ms., in good condition, probably the home work 
connected with lectures delivered in Class II of an English military 
College. 

The Contents is as follows: General introduction to the study of 
military history. Studies on the campaigns of Napoleon 1800, 1811 
and 1815 with detailed description of Mass^na's retreat from Portugal 
and the battie of Waterloo. Further the campaign of France and Italy 
a. Austria 1859. Then a long artide on the battles near Wildemess 
(America) where Grant defeated the Confederates (5—26 May 1864). 
At the end notes on tactics, strategy, retreats and pursuits. Numerous 
neatly executed maps and plans explain the battles and there are added 
pictures of Napoleon, of battie scenes and a col. drawing of Solferino. 

218 Statement of the affairs of the Navy 1689—1703, with 
answers and replies of the Earl of Orford and observations 
made by the Hon. the Commissioners of Accompts on the 
investigation of the Earls accounts as Treasurer of the Navy. 
Ms. Folio. 1703; vellum. 120.— 

With exlibris of W. Bromley of Baginton. 

Out erhaltene Handschrift von größtem Interesse für die Qesdiichte 
der englischen Marineverwaltung. 

English Ms. in good condition highly interesting for the history of 
the administration of the English Navy. 

Karl W. Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330. 

. . 11 



162 Manuseripte müitänsdien oder naatisdim Inhalts, XVL-XVllL Jahrh. 

219 Stewart, William, course of fortification at the Royal Military 
Academy. Manuscript 68 Tafeln. Imp.- Folio. (Woolwich) 
1790. Kalbleder. 165.— 

William Stewart, der spätere Generalleutnant in Westindien, San Do- 
mingo und Ägypten, gibt uns in den vorliegenden Zeichnungen eine ge- 
naue Anleitung der Anlage von Festungen und der Feldfortifikation, 
welche sich hauptsächlich auf Vaubans System stützt Berücksichtigt sind 
femer die Systeme von Cormontaigne, Coelhoom usw. 

Die größtenteUs handkolorierten Tuschzeichnungen sind offenbar von 
Stewart selbst hergestellt worden und verraten ehie äußerst geschickte 
Hand. Für die Geschichte der Befestigungskunst im 18. Jahrhundert von 
großer Wichtigkeit, da, ohne auf bestimmte Anlagen einzugehen, alle üb- 
lichen Arten der Fortification in leicht faßlicher Weise veranschaulicht 
werden. 

Folgende Skizzen und Krokis liegen dem Bande bei: 

1. Position of the troops encamped on the plains of Cysoing 1793 
comm. by the Duke of York. 

2. Plan of the attack of the camp of Famars 23. May 1793. 

3. Entrenchments of the French at the bois de Bourlon near Cambray 
in 1793. 

4. Position of part of the Allied Army comm. by the Duke of York 
near Menin. 25. IX. 1793. 

5. Plan of the encampment at Wickham Bushes. 

6. Attacks of Valendennes in 1793. 

220 Stewart, William, Course of Artilleiy at the Royal Military 
Academy. Manuscript 56 Tafeln. Imp.-Folio. Woolwich 1791. 
Kalbleder. 180.— 

Der Verfasser, welcher durch seine spätere Tätigkeit als Oeneral- 
Leutnant in Westindien, San Domingo u. Ägypten bekannt ist, erläutert 
uns hier auf den ersten 19 Tafeln die verschiedenen Arten der Artillerie- 
Oeschützrohre und ihrer Teile, worunter sich unter anderem Berechnungen 
für 4Vg-, 5Vt-, 8-, 10- und 13-zöllige Kanonen befinden. Tafel 20—30 ver- 
anschaulichen uns die Bestandteile der verschiedenen Lafetten bis in die 
kleinsten Details. Die folgenden Tafeln führen uns zu den Protzwagen. 

Besonders hervorgehoben seien die Modelle zum Aufklappen von fol- 
genden Geschützen: 

1. Heavy Brass 24 Pr. on its Travelling Carriage (pl. 37). 

2. 8 Juch Howitzer on its Travelling Carriage (pl. 37). 

3. Sea-Mortar on its Bed. (pl. 52). 

Die sämtlichen 56 Tafeln, von welchen der größte TeU koloriert ist, 
führen uns in der anschaulichsten Weise in die ganze Kenntnis des Ar- 
tilleriematerials des 18. Jahrhunderts ein. 
Für die Geschichte der Europäischen Artillerie von größter Bedeutung. 



Karl W* HiersemanA 2n Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330» 



Mmiatann u. Initia^Maleni in Einzdblääenu XL--XV.Jahrh. 163 

Miniaturen u. Initial-Malerei in Binzelblättem. 

XI.-XV. Jahrh. 

221 AbendmahL — Auf erstehung. Pergamentbl. v. 0,312 m Höhe 
und 0,220 m Breite mit 2 Miniaturen der deutschen Schule des 
XII.— XIII. Jahrh. Oben das Abendmahl: Christus sitzt mit den 12 
Jüngern in einer romanischen Säulenhalle. In der Rechten hält 
er das Brot, in der Linken den Kelch. Neben ihm sitzt Johannes, 
zu seinen Füßen Petrus. Der Gesichtsausdruck aller Personen 
und der Faltenwurf der reichen Tracht zeugt von feinem künst- 
lerischen Verständnis. Zu beiden Seiten Christi hat eine viel 
spätere Hand mit weißer Deckfarbe 2 Spruchbänder gemalt, 
welche die Inschrift „Das ist mein Leib, das ist mein Plut^ 
tragen. — Unten die Ostergeschichte mit der Überschrift Resusu- 
reccio. (!) Auf dem offenen Grabe Christi sitzen 2 Engtet mit 
dem Schweißtuch. Daneben liegen drei schlafende Wächter in 
Rittertracht Von links her kommen die 3 heiligen Frauen mit 
Silbergefäßen. Auch hier ist mit weißer Deckfarbe ein Spruch- 
band aufgemalt, dessen Inschrift aber unleserlich geworden ist 
Auf der Ruckseite lateinischer Text liturgischen Inhalts von 3 
verschiedenen Händen. 420* — 

222 Aktfigur. — Bfisten. Pergt.-Blatt (auf Passepartout) vom 
,4. Capitel* eines Rechtscodex. Hs. v. d. Mitte des XIV. Jahrh. 
eng zur vor. No. gehörig. Mit Initialenschmuck u. 3 Miniaturen 
von 2V2 cm° und 22X20 mm, beiderseitig beschrieben m. 2 Text- 
u. 2 Commentar-Col. Bolognesisch. 125. — 

Das erste Bild stellt einen unbärtigen jüngeren Mann vor, in ganzer 
Figur, völlig nackt, der sich nach I. in geduckter Haltung bewegt Solche 
Aktfiguren gehören in dieser Zeit, namentlich wenn es sich nicht um 
Marterscenen oder um Biblisches handelt, immerhin zu den Seltenheiten. 
Die Leistung bleibt denn auch hier hinter der Reife der Köpfe u. Ge- 
sichter zurück, wie man sie besonders an den 2 Miniaturen unterhalb be- 
wundert. Dieselben bieten im Rund des Buchstabens das Brustbild eines 
jungej Mannes in rotem Kostüm, einmal direkt von vom gesehen, einmal 
mit Kopfwendung nach 1. Man würde geneigt sein, diese Malereien 
einer noch vorgeschritteneren Epoche zuzuweisen, wenn nicht das Blatt 
offenbar mit No. 231 (unten) nah zusammengehörte. — Nicht zu über- 
sehen sind, neben den farbigen Initialen und ihren Ausläufern mit großen 
Goldpunkten umher, die zahlreichen, auf den beiden Hauptcolumnen allein 
24, rot-blauen, auf den Rand heraustretenden Initialen, welche die 
Feder des Schreibers mit einem ganz feinen, dichten, in sich geschlossenen 
Ornament-Gewebe bekleidet hat 

223 Anklace. Ein kniender Geistlicher bringt dem sitzenden Bischof 
seine lOage vor. Hinter ihm drei verschieden gekleidete Kleriker. 
Goldgrund, Rot, Blau, Schwarz, Rosa, GrQn. Unterhalb der 

Karl W« Hiersemann 2n Leipzig» K&nlgsstrasse 3« Katalog 330» 



IM Mimäätfm u. InäüO^Maleni in EkuääHUkm. Xl.-XV.Jahrh. 

Darst. eine Initiale P m. Blattomament u. rechts u. links ziehen- 
der Ranke. 70X75 mm. XIII. oder XIV. J^rh. Französ. Perg. 
A. einer Hs. kirchl. Dekretalien. Künstlerisch hochbedeutende 
Arbeit, wohl aus der Schule Ludwig des Heiligen. 360.— 

224 AusgieBung des HL Geiste«. — Die Madonna in blauem 
Oewande, mit Oold gehöht, auf einem goldenen Throne sitzend. 
Heilige in reichen Oewändem scharen sich zu beiden Seiten 
um den Thron, ihre Blicke im Oebet nach der über dem Throne 
schwebenden weißen Taube mit Glorienschein, d. Symbol der 
Ausgießung des Hl. Geistes, richtend. Darunter die Initialen 
D und E in zieriicher Ausführung^ in Farben und Gold sowie 
vier Zeilen Text. Umgeben ist das Ganze von einer breiten 
Bordüre, bestehend aus reichem Band- und Rankenwerk, Blatt- 
und Blütenomamenten, die von kleinen Vögeln belebt werden. 
Die Rückseite zeigt Text mit 3 kleinen Initialen in Gold auf 
farbigem Grunde, sowie eine 15 mm breite Bordüre aus Ranken, 
Blatt- und Blütenwerk in Farben, mit Gold und Silber (letzteres 
stark oxydiert) gehöht Größe des ganzen Blattes 9,4X13,2 cm. 
Aus einem Livre d'heures in latein. Sprache a. d. 1. Hälfte des 
XV. Jahrh. aus dem nördlichen Frankreich stammend. 160. — 

225 Christkind. — Zwei Pergt.-Blätter, Fol., latein. Hs. beiderseitig 
in 2 Col. beschrieben, aus einem süddeutschen, fränkischen 
Meßbuch des XV. Jahrh. Mit prächtiger Bildinitiale u. Rand- 
leiste. 75.— 

1. Bl. altpaginiert Zu oberst fast quadratisches Feld (5 X 4^/« cm) mit 
Ooldgrund, von schmaler grün u. blauer Leiste eingefaßt Darauf große 
Initiale P hochrot mit gelblichem Ornament Im Innern das Jesuskind 
auf grünem Rasen sitcend, die Hände etwas erhebend. Auf d. Gold- 
grund ist mit der gelblichen, hier kaum sichtbaren Farbe der Nimbus 
aufgemalt sowie ringsum eine feine Zackenlinie. Die ganze Seite herab 
zieht sich als Randleiste ein reiches Rankengebilde, streckenweis in der 
Farbe wechselnd, und zu weit ausgezackten Phantasieblättem sich ge- 
staltend, mit ebenso frei behandelten Blüten an den Nebenzweigen. 
Farben blau, zweierlei rot u. etwas gelbbraun, dazwischen überall große 
Silberpunkte, von roter Federstrichelung sternförmig umgeben. 

2. Schlußblatt des Buches, altpaginiert 249. Am Ende der kalligra- 
phische Vermerk: L. Doc Speciale sc'ptü S (= scriptum est) in 
Feuchtwang Anno 1481. 

226 Figur aus e. Qerlchts-Scene. Pergt-Blatt in Fol. (auf Passe- 
partout), beiderseits sehr schön in 2 CoL geschrieben, aus 
einem juridischen Codex. Mitte XIV. Jahrh. Mit Miniaturbild 
(fast 3V2 cm°) u. Zierieiste. Bolognesisch. 36. — 

Innerhalb eines rosa Q auf blauem Grunde Halbfigur einer jugend- 
lichen, wie es scheint weibl. Person mit Stirnband im langen Haar; 
karmoisinrotes Oewand mit engen Armein. Den Blidc nach der rechten 

Karl W* Hiersemann in Leipzigs K&nigsstrasse 3* Katalog 330» 



Müuatam u. Initial-Malerd in EinzMätUm. XL-XV.Jahrh. 165 

Seite gewendet erhebt sie die rechte Hand beteuernd im Sinne der Ab- 
lehnung, die innere Handfläche nach außen. Sorgfältige Modellierung 
der Fleischteile, einigermaßen auch bei den Ornamenten des Buchrandes.. 
Vgl. a. nächste Nr. 

227 Figur aus e« Gerlchte-Scene* Pergt-Doppelblatt in Fol. auf 
Passepartout zu dems. Codex gehörig wie vorige No. Miniatur 
(ca. 4^8X4 cm), Randleiste u. zahlreiche kleinere gemalte Initialen 
auf den 8 Columnen. Mitte XIV. Jahrh. Bolognesisch. 42. — 

Auf blauem Grunde, mit etwas weißer Musterung, steht ein großes 
graues (weiß ornamentiertes) C mit weißem Innenring; darin eine jugendL 
wohl weibl. Person in Halbfigur, in hohem, hemdartigem rosa Armel- 
kleid, ohne Gürtung; unter lebhaftem Ausdruck des seitwärts (nach r.) 
blidcenden Gesichtes, die 1. Hand in Brusthöhe erhebend zur Abwehr 
oder z. Beteuerung des Gegenteils. Charakteristisch, noch mehr als bei 
vor. Nr. die bleichen Untertöne des sehr gut gezeichneten u. modellierten 
Gesichts. — Die Buchstaben sind in der Zeichnung einfach, doch in der 
Tonstärke anschwellend mit andersfarbiger Unterlage an d. einen Rande; 
sie gehen gewöhnlich in ein großes Blatt über, mit oder ohne fadenförmige 
Fortsetzung der Kurve. Die Blätter, von einfachem oder mehr akanthus- 
artigem Zuschnitt stehen durchweg im Profil und sind an der Spitze 
aufgebogen, auch an der Randleiste, an deren Stamm (einer hohen Stange) 
sie ansitzen mit roten Knöpfen und Knoten abwechselnd. Farben: grau, 
blau, karm.-rot, rosa, weiß; kein grün. Ebenso bei vor. No. 

228 Die Hl. Genofeva. Pergt.-Ausschnitt 3X3,4 cm auf Passept 
Überschrift (in Rot): De sancta Genofeva. Die Heilige, an dem 
lang wallenden flachsblonden Haar kenntlich, reich gewandet 
in Kot, Blau und Gold, schreitet mit Buch und langer Kerze 
in der Hand nach links. Der /ußboden in zweieriei Grün 
nach Schachbrettart gemustert. Über dem Haupte der Heiligen 
kämpfen ein Engel und eine satanische Gestalt um deren Glo- 
riole. Den Hintergrund, über welchem der blaue Himmel sicht- 
bar wird, bildet eine ausgespannte Draperie, matt rötlich, mit 
(trotz des kleinen Maßstabs) prächtig dargestelltem Gold- 
Ranken-Omament. Das Ganze goldumrandet. — Daneben kleine 
Initiale U in Blau, Violett und Weiß, hübsch ornamentiert, auf 
goldgehöhtem Untergrund. — 1. Viertel des XV. Jahrh. 36*— 

229 Gerichts-Scene. Pergt.-Blatt des XIV. Jahrh. mit Miniatur- u. 
Initialenschmuck. Lat. Ms. aus Justinians Digestum Novum. 
Gotische Minuskel in 2 Haupt -Col. u. 2 Neben -Col. für den 
Commentar. Fol. auf Passepartout. 200.— 

Das Bild (6^/sX5Vs cm) stellt auf blauem Tapetengrund eine Oe- 
riditsscene dar: der Richter (a) auf einer Art Holzbank sitzend, links 
kniend ein Diener (b) mit den strittigen Wertobjekten; rechts eine Frau 
(c) auf den Hinweis des Richters lebhaft erwidernd, dahinter (d) ein 
Mann. Die Gesichter bei richtiger Zeichnung farblos, auch das Haar 

Karl W* HiersemanA in Leipzigs Köiügsstrasse 3* Katalog 330* 



166 Miniaturen u. IniHal-Malmi in EinzdbläOem. Xl.-XV.Jahrh. 

nur durch Linien angegeben. In der Tracht, wo der Faltenwurf recht 
gut, fällt eine gewisse Oleichmäßigkeit auf, im Zuschnitt der langen Ge- 
wänder mit herabgelassener Kapuze, welche den Hals u. e. Teil der 
Brust frei läßt: a) hellbraun, b) grün, c) hellrosa, d) karmoisin. Die 
Scene ist ungeachtet der noch altertümlichen Technik ungemein lebendig 
durch Ausdruck und Haltung der verschiedenen Personen. — Darunter 
große Initiale E fast 3^/^ cm groß, auf blauem Grunde, welcher innen 
bei d. Blätterschmuck mit Gokigrund abwechselt Ahnlich ist eine kleinere 
Initiale E im Commentare behandelt Alle drei Malereien sind von 
du'nkelem Goldrand umgeben, sowie feinem goldenen Blattwerk; Typus: 
das kleine dreiteilige, im Mittelteil längliche Blättchen, mit Dom oder 
Faser an d. Spitze. — Der Stil scheint englisch-französisch. 

230 Der Heilis^e Hieronymas mit dem Löwen, in der Rechten ein 
Gebetbuch haltend, die Linke dem Tiere reichend; er steht auf 
grünem Rasen. Mit braunem Mantel, weißer Kapuze und breit- 
randigem braunen Hut Das Haupt ist von einem Nimbus um- 
geben. Rechts und links steht ein gothischer Text, ebenso auf 
der ganzen Rückseite. Das Blatt stammt wohl aus einem 
Breviarium des XV. Jahrh. (1. Hälfte). Größe 13V«X9 cm. 55.— 

231 Streit- u. Gerlchts-Scene zwischen Klerikern, nebst an- 
deren Miniaturen. Pergt.-Blatt in Fol. (auf Passepartout), aus einem 
Rechtscodex (,Cap. 4*). Hs. v. d. Mitte des XIV. Jahrh., Bo- 
lognesisch, m. 4 Miniaturen, z. T. auf Goldgrund. In 2 Text-Col. 
mit 2 schmäleren, z. T. herumgreifenden Commentar-Col. Bilder- 
größe 8V,X778 cm und 2VbX3 cm°. 220*— 

Von d. 3 kleineren Bildern stellt das oberste (im Commentar) in roter 
Initiale O auf blauem Grund den geistiichen Richter in Ornat u. Bischofs- 
mütze dar; Brustbild; das 2. (im Text) in rosa Q auf Ooldgrund das Brust- 
bild eines weltlichen Fürsten; das unterste einen Mönch der wie aus 
einem Fenster aus dem grauen Q (auf bl. Grund) ein grünes Spruchband 
herausreicht mit d. Aufschrift Q. O. T. Das Hauptbild, über No. 2, 
dient zur Illustration des Textes, welcher so anhebt: ,Quidam sacerdos 
in crimine camis lapsus esse perhibetur antequam sacerdotalem benedic- 
tionem consequeretur: postquam vero sacerdodum adeptus est, in furore 
versus quendam (etwa den Angeber oder Mitwisser) interfedt' Das 
Bild dreifach geteilt nach Art einer Halle mit Flachbögen als Dedce, dar- 
über Andeutung von Gebälk u. flachen Kuppehi. Die erste Abteiig. links 
zeigt auf Goldgrund den geistlichen Richter: älteren Mann auf Kissen 
sitzend; die nächste auf bl. Grund einen Mönch mit Buch in der Hand, 
welcher offenbar zu Ungunsten des zweiten, dahinter sichtbaren, aussagt 
Er wird von jenem im nächsten Fekle (auf bl. Grund) ermordet; die 
Identität wird durch Tracht und Farben bestimmt, nur daß der Mörder 
hier noch ein graues Gewand über das erste geworfen hat — Die Malerei 
hat noch manches Altertümliche; charakteristisch die sehr kleinen Füße. 
Große Goldpunkte sind um die Malereien zerstreut — Vgl No. 222. 

Karl W. Hiefsemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330» 



Miniaiarm u. Iniäal-Maleni in Einzäbiääem. Xl.-XV.Jahrh. 167 

232 Blldinitiale A. Buchstabe in Schwarz und Farben ausgefflhit 
Darüber groteske Zwerggestalten, unten geflfigelter Engels- 
kopf, ebenfalls in mehrfaroiger Ausführung. OröBe 22V|X23 cm. 
Aus einem wahrscheinlich Böhmischen Chor-Buch aus dem Ende 
des XV.Jahrh. Linksseitig wenig beschnitten. 36. — 

233 Blldinitiale A m. Maria Verkündigung. Aus einem Anti- 
phonar von ca. 1450. Noten u. einiger Text auf der Rückseite 
des Blattes lesbar. 65. — 

A sehr schön u. reich in mehrfarbigem Blatt-, Blüten- u. Ranken- 
werk ausgeführt Goldgrund, rechtsseitig u. oben von einer Art Perlen- 
schnur eingefaßt In der Mitte Maria, von einem Engel mit Lilie die 
Verkündigung empfangend. Von links oben her Ooldstrahlen und eine 
weiße Taube, beides in der Richtung auf Maria zu. Auf dem dunkel 
getafelten Fußboden stehen vorn die Worte Ave Maria Ora. — Größe 
ITxlT^/s cm. Auf der Rückseite des Blattes auf hellbraunem Grunde 
ein großes U in Rot, Blau, Weiß u. Schwarz mit Ranken verziert 

234 BUdinitialen C» D u. S. Italienische Miniaturen d. XIII. Jahr- 
hunderts um 1250. 

1. Initiale C mit einer gedrängten Darstellung von Christi 
Himmelfahrt in Halbfiguren 42X48 mm. Z Initiale D mit der 
Halbfigur Johannes des Täufers 40X37 mm. 3. Initiale S mit 
einer Gruppe von Halbfiguren, die AusgieBung des HL 
Geistes darstellend, Maria und Petrus im Vordergrunde. Ver- 
mutlich sind alle 3 Miniaturen aus demselben Codex. 185. — 
Dedcfarbenmalerei auf Pergament, das auf Papier geklebt Farben: 
blau, weiß, braun, rot, grün auf einem gehöhtem Goldgründe. 
Das Oold ist etwas abgerieben. 

235 Bildinitiale D in Blau, mit Weiß ornamentiert und abgesetzt, 
auf ziegelrotem, feinkarriertem und mit kleinen weißen Sternchen 
besetztem Untergrunde, der von einem 3 mm breiten Gold- 
rändchen eingefaßt wird. Die Ausläufer endigen, besonders 
nach unten, in äußerst geschickt u. geschmackvoll angeordnetes, 
mehrfarbiges Ranken- und Blattwerk auf goldgehöhtem Grunde. 
Auf der unteren Ranke drei groteske Gestalten, halb Mensch, 
halb fabelhaftes Getier. 

In d. Initiale selbst, auf goldgehöhtem Grunde mit einpunziertem 
feinen Rankenwerk, die Darstellung der Geburt eines geheilig- 
ten Kindes vermutlich Christi, (Mutter, zwei Frauen und Kind, 
letzteres wird in einem Fasse gebadet) ausgeführt in 6 Farben. 

Ein hervorragendes Stück, sehr gut erhalten, aus einem 
Antiphonarium der 2. Hälfte des XIII. Jahrhdts., wohl aus der 
Feder eines burgund.- französisch. Meisters stammend. Größe 
IOVbXöI cm. (Die ganze Länge des Rankenwerices ein- 
gerechnet). 280.— 

Karl W. Hicnemann 2n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330* 



1^ MUuatum tu Initial-Malmi in Euuuibiaäem. Xf.-XV. Jakrk. 

236 BUdinitiale D in Rot, mit Weiß abgesetzt, der Ausläufer 
endigt in grünes Blattwerk. Ooldgehönter Untergrund In 
der Mitte St Augustin mit Symbol. Im Hintergründe sieht 
man e. mit Burgen bebaute HOgelkette. Größe 5ViX6 cm. 
Schönes Stück aus dem Z Drittel des XIV. Hdts. 140.— 

237 BUdinitiale D m. Darstellg. König David's. 3^X3V. cm. 
Mitte des XV. Jahrh. Sehr gutes Stück. 32.— 

D aus großem vergoldetem Blattwerk gebildet, auf blauem Gründe 
mit Oold-Omament. Darinnen steht als Dreiviertelfigur in Steinfarbe 
(wohl nach einem Skulpturwerk) König David, das bekränzte Haupt 
etwas zurüdcgeworfen, mit der Linken das Psalterbuch geneigt vor die 
Brust haltend, in der halb gesenkten Rechten die Harfe. Das letztere 
Objekt, der Buchschnitt und Gewandsaum sind vergoldet; Goldpunkte 
über dem Haupte deuten auf ein Diadem. Mattrötlicher gc^dgemus- 
terter Hintergrund und davor grüner Rasen. 

238 BUdinitiale B. — Aus einer Bibelhandschrift. Bildinitiale E 
mit der Darstellung des Ezechiel u. omam. E-Initiale 80X75, 
resp. 50X55mm. Deutsche Arbeit des XIV. Jahrh. 130.— 

239 BUdinitiale B. — Christus als Weltrichter auf drei 
Regenbogen in zweistreifis^em rechteckigen Rahmen sitzend. 
Der Hintergrund der Initiale gemustert, die Initiale selbst auf 
Goldgrund, die Lichtung blau. In der oberen linken Ecke 
zwei posaunenblasende Engel, unten rechts u. links erheben 
sich aus gelben Steinsarkophagen 5 betende Gestalten. 195X170 
mm. XIV. Jahrh. Deutsch (Bayern). Perjg;. Titelbl. zu einem 
Schöffenbuch. Der Text auf der Rückseite beginnt: und den 
benannten allen zu einander vnd swer danne vrager ist zu dem 
selben male. 600. — 

Sehr wertvolles Blatt von vorzüglicher Ausführung. 

240 BUdinitiale F. Der h. Hieronymus, sitzend, in der Hand das 
Kreuz, vor ihm der Löwe. Auf Goldgrund die doublierten 
Säulen des Buchstabens in violetter Farbe, durch die Säulen 
schlängelt sich ein blau-grun gehaltenes Blattomament Von 
dem 100 mm breiten und 165 mm hohen Buchstaben zieht ein 
210 mm langer, verzweigter Ausläufer auf Goldgrund nach 
unten. XIV. Jahrh. Deutsche Arbeit Perg. Prologusbl. einer 
lat Bibel. Hervorragend schönes Stück. 320. — 

241 BUdinitiale mit St Michaels Kampf. Aus e. Meßbuch 
von ca. 1440. Von ungemeiner Frische der Erhaltung. 11X9 cm. 

95.— 

Großes F, violet u. grün, weiß ornamentiert, auf goldgehöhtem Unter- 
grund. Der Erzengel auf freiem Felde im Kampf mit dem Teufel. Der 
Heilige, mit Schwert u. Schild bewehrt, ü-ägt unter dem Panzer einen 
roten, goldpunktierten kurzen Waffenrock, entsprechenden Schutz an 

Karl W. Hlefsemann in Ldpzlg» Königsstrasse 3* Katalog 330» 



Miniaiann u. fnitial-Malemen in Einielblääem. Xl.-XV.Jahrh. IM 

Beinen und Füßen, welche jedoch teilweise durdi ein blaues Untere 
gewand verdeckt werden. Oben an dem tiefblauen Himmel Engelsköpfe 
und kleine Strahlengruppen in der metallisch-gelblichen Farbe wie der 
Panzer. Die Hügel und Burgen im Hintergrunde sondern sich in drei 
Pläne, die vordersten braun, dann dunkelblaue, dann hellblaue gegen 
den lichten Horizont 

242 Bildinitiale G, m. Darstellung der betenden Maria. In Oold 
und Farben. Aus e. Antiphonar, ital., XV. Jahrb.; m. Musik- 
noten. Fol. Sehr schöne Darstellung. Das Oold an einigen 
Stellen abgesprungen. 140. — 

243 BUdinitiale N, m. d. Darst. d. hl. Petrus, 10X9 cm. Fol. 
Teil e. Blattes a. einem Antiphonar ital. Provenienz, m. Musik- 
noten. XIV. Jahrh. Etwas fleckig. 48.— 

244 Bildinitiale. Biblische Scene. Großes O auf Goldgrund, 
10X10 cm. Ausschnitt aus einem pergamentnen Chor- oder 
Meßbuch von etwa 1400. Auf Passe-partout J80. — 

Der Buchstabe rot in zweierlei Abtönungen, weiß abgesetzt, hat oben 
nach links hin eine Fortsetzung in Gestalt eines großen Akanthus-Blattes 
und erscheint außen wie mit großen stahlblauen Metall-Beschlagen ver- 
ziert In dem blauen Innengrunde sieht man von rechts her zwei Ge- 
stalten schreiten (leider beschädigt), die vordere offenbar bejahrt, die 
andere, kleinere lebhaft zu ihr sprechend. Links dahinter auf dem gleichen 
(als sandig oder felsig gekennzeichneten) Terrain ein gesattelter Esel 
an einen Baum gebunden, dessen Krone die Form eines großen dunkeln 
Olivenblattes mit roten Blüten darinnen aufweist 

245 BUdinitiale O — mit der Pietä — . Blau, mit Weiß leicht ab- 
gesetzt, auf rotbraunem, mit Oold gehöhtem Grunde. In der 
Mitte sitzt vor dem Kreuze die Mutter Maria, den vom Kreuze 
genommenen Heiland im Schöße. Zwischen grünen Hfigeln 
führt ein Weg zu der Stadt (Jerusalem?) im Hintergrunde. Größe 
3,1X2,3. Ca. 1450. 36.— 

246 Bildinitiale O — mit Madonna — aus großen Blättern ge- 
bildet, in Gold u. Braun; gleicher Untergrund, mit feinen Ranken 
in Gold verziert. Darinnen steht als ^/^ Figur (bis zu den Knien) 
die Madonna in blauem Gewände mit dem Kinde. Größe 
3,2X3V« cm. Mitte XV. Jahrh. 30.— 

Zierliche hübsche Arbeit 

247 Bildinitialen P, G u. C. 3 Initialen rheinisch-burgundischer 
Schule, ca. 1400. 1. Initiale P, Maria als Kind im Tempel in 
einem Buche lesend, im Hintergrunde Golgatha. Deckfarben 
in Grün, Blau, Rot und Weiß m. Goldhöhung. Wohl Kölnische 
Schule. 52X49 mm. Z Initiale G, den Hl. Franz von Assisi 
darstellend. Golderhöhung, Buchstabe Blau, Weiß und Rot 

Karl W. Hiersemann in Leipzig:» Kftnisfsstrasse 3« Katalog 330» 



170 Miniaturen u. IniHal-Malem in Einzdblääem. Xl.-XV.Jahrh. 

mit goldenem Kreuze auf dunkelbraunem Untergrunde mit 
reicher Ooldrankenverzierung. 68X67 mm. 3. Initiale Q mit 
dem Apostel Andreas. Ooldgrund. Initiale in Rosa und 
Dunkelrot mit grünen, blauen und goldenen Ornamenten ver- 
ziert Porträt auf goldgeziertem schwarzen Grunde in OrQn, 
Blau, Rot und Braun, mit Buch und Kreuz. 85X90 mm. ISO. — 

248 Bildinitiale P. — Bildinitiale zu den Acta apostolorum: Der 
h. Johannes schreibend. Links zieht sich der lange, orna- 
mentierte Schenkel des Buchstabens P nach unten. 70X65 mm, 
Länge des Schenkels 250 mm. 150. — 

Aus einer deutschen Bibeihandsdirift des XIV. Jahrhunderts. Bei- 
gelegt 2 BU. ders. Bibel. Am Beginn der Prologs zu den Acta apost 
eine reich omam. Initiale L in Oold und Farben. 

249 Bildinitiale P — mit ein. Heiligen — in Blau und OrOn, mit 
Gold u. Silber gehöht, letzteres stark oxydiert Roter Unter- 
grund. In der Mitte Heiliger in faltenreicher Gewandung, die 
rechte Hand auf die Bibel l^end, doppelter Heiligenschein um- 
strahlt ihn. Schöne Arbeit, aus einem Antiphonarium von ca. 
1400, wahrscheinlich englischer Herkunft Größe 11X11 cm. 

1«.- 

250 Bildinitiale P» mit Christi Auferstehung, auf Goldgrund. 
Miniatur auf Pergament in einer Initiale. Auf der Rückseite 
Musiknoten und Buchstaben, und Teil einer großen, ornamen- 
tierten Initiale. Wohl aus d. XIV. Jahrh. Bildgrösse 10X8 cm. 

60.— 
Der Buchstabe ist in zwei dünne verschlungene Streifen zerteilt, 
welche, der Länge nach die Farben blau, rot, weiß, schwarz neben ein- 
ander zeigen. Die Christusfigur, mit grünem Nimbus und flatterndem 
Mantel, steht über dem offenen Grabe, mit der Kreuzfahne in der Unken, 
die Rechte zum Segen erhebend. Am Körper sind die fünf Wundenmale 
sichtbar. Mit schwarzem, braunem, rotem und weißem Rande und gol- 
denem Hintergrund. 

251 Bildinitiale mit dem Porträt Petrarcas. Brustbild nach 
rechts, in violettem Kapuzenmantel mit blauen Armein, fiber die 
Stime ein Lorbeerkranz, in den Händen ein rotgebundenes Buch. 
Das Bild befindet sich innerhalb einer goldgehöhten Initiale E, 
deren Gerüst sich fast kreisartig zusammenschließt u. in gelb 
gehöhtem Grün mit rotem Akanthusomament gehalten ist 
Von der linken oberen und unteren Ecke zieht je ein rdch 
ornamentiertes m. Vogel- und Menschenfiguren staffiertes Blatt- 
omament nach den vier weißen Rändern. An der unteren 
Randfläche ein — leider unkenntlich gewordenes — Wappen 
mit zwei schwarz-weiß gefleckten Hunden als Schildhaltem. 
Größe des Initials 75X80 mm, der linken u. rechten Randleiste 
je 310, der oberen und unteren je 210 mm. 

Karl W« Hicfsemann in Ldptig« Königsstrasse 3« Katalog 330* 



Miniaiwm u. Initial-Malem in EinxdbUUtem. Xl.-XV.Jahrh. 171 

Mitte d. XV. Jahrh. Ital. Perg.-Bl. aus einem Codex, enthaltend 

den Anfang von Petrarcas Africa („Francisci petrarce florentini 

poete laureati affrice liber primus incipit. [E]Unuchi conspicuum 

in meritis belloque tremendum^. Schließt auf S. 2: Aggrediar 

namque ipse aderis meque ampla videbit. 480. — 

Hervorragendes Stück der ital. Quattrocentokunst u. sehr 

bedeutende Arbeit eines ital. Illuminators. Von einigen kleinen 

Abblätterungen der Farbe abgesehen, vorzüglich erhalten. 

252 Bildinitialen m. Scene aus Petrarca; s. oben. Anfang des 
3. Buches 2 Initialen J, das erste omamental, Gold, Blau, Rot u. 
OrOn (zum Tetrastichon>, das zweite figural (Scipio u. der Traum- 
deuter). Das Tetrastichon beginnt: Impiger astrigerum rediens 
sol viderat axem; das 3. Buch: Impiger astrigerum postquam 
sol perculit axem u. schließt S. 2: Tantorum vindex scelerum 
nunc fulmina celo. Mit oberer u. linksseitiger langer Ranken- 
bordüre. Größe des 1. Initials 45X43 mm, des 2. 55X60 mm. 
Mitte d. XV. Jahrh. Ital. Perg.-Bl. Hervorragendes Stück d. 
ital. Quattrocentokunst u. sehr bedeutende Arbeit e. ital. Illu- 
minators. Vorzüglich erhalten. 320. — 

253 BUdinitiale. Petrarca -Hs. des XV. Jahrh. — Schluß des 
6. Buches („Ignarusque mei dixerit tunc liber in auras'^ etc.) 
u. Anf. des 7. Buches bis „Quanta paras etc^ Die Bildinitiale 
stellt Hannibals Einzug zu Pferd dar. Im übrigen vgl. 
vor. No. 320.— 

254 Petrarca - Hs. des XV. lahrh. — Fortsetzung des 

3. Buches („Idem post regis sobolem fera bella novantem'O 
u. Anfang des 4. Buches bis „Largaque cecropie contingit 
gracia lingue^ M. 2 ebenso gestalteten Initialen u. Ranken- 
bordüre. Von gleicher Qualität 320.— 

255 BUdinitiale R mit Christus am Ölberge. — Größe TV^XQ cm. 
XIV. Jahrh. 30.— 

R in Matt-Rosa, mit Weiß abgesetzt und ornamentiert, die Ausläufer 
endigen in Blattwerk in Blau und Rot Ooldgehöhter Untergrund, der 
linksseitig etwas beschädigt. In der Mitte „Christus'', unter einem Baume 
betend. Dunkelblauer Hintergrund leicht ornamentiert. Das Oold des 
Heiligenscheines abgesprungen; sonst aber gut erhalten. 

256 BUdinitiale S auf Goldgrund in Violett u. Blau, mit Weiß und 
Schwarz abgesetzt, einesteils als Blattwerk, andemteils als Fisch 
gestaltet. Ein Heiliger und Ministrant knien vor dem Altar, 
während oberwärts Gottvater (Büste mit zusammengelegten 
Händen) erscheint Bemerkenswert gut der Marmor der 
Schranke und die Altardecke charakterisiert Im Hintergrunde 
Anhöhen mit Türmen in derselben blauen Farbe wie der 
Himmel gemalt; davor dunkelgrüne Felder. — Ca. 1425. Vor- 
züglich erhalten. — 8X8 cm. 70.— 

Karl W. Hiersemaan 2n Leipzig» Könlgsstrasse 3* Katalog 330* 



172 MüUaätrm o. IniHalrMalmi in Einumätüm. XL-^XV.Jahrh. 

257 Blldinltiale S. Die Gefangennahme Christi. Initiale m. 
reichem Blumenomament. 9X9 cm. Ende d. XV. Jahrh. Ital. 
Perg.-Fol.-Bl. aus einem Oraduale m. Musiknoten. 100. — 

258 Bildinitialen. — 2 Ell. a. einem Antiphonarium mit Musik- 
noten. M. 2 Bildinitialen u. Ranke (Darstellung im Tempel. 
Auferstehung.) 150X120 mm. u. 155X110 mm. XV. Jahrh. 
Deutsch. EinBl. längs der Ranke uneben beschnitten. SllO. — 

259 Bildinitialeiu 2 Bll. a. einem Antiphonarium m. Musiknoten 
(deutsch). M. 2 Bildinitialen u. Ranke (Johannes der Täufer 
u. Abbild, einer Kirche, zur dedicatio ecclesiae). Je 145X115 
mm. XV. Jahrh. Die Miniaturen u. die Bordüre, von einem 
Einschnitt auf einem Bl. abgesehen, sehr gut erhalten. Augs- 
burger pder Nürnberger Arbeit XV. Jahrh. Folio. JM)0. — 

Die meisten der nadifoigmien Blätter sind aufCarton unter Passepartout 
befestigty was nur bei einigen bemerkt ist. 

260 Initiale A. Perg. FoL-Bl. 85X100 mm. aus einem Antiphonar 
vom Ende d. XIV. Jahrh. m. Musiknoten. Sehr schöne stili- 
sierte Initiale. Am Rande leicht fleckig. 100. — 

Akanthusornament in dem Gebälk, 4 Blumenkeldi-Omamente in der 
Füllung, die verzweigt ineinandergreifen. Reiche vierseitige Rankenbor- 
düre. Farben: Ookl, blau, rot etc. 

261 Initiale A, omamental, 85X90 mm. Ende des XIV. Jahrh. 
deutscher Provenienz. 60. — 

262 Initiale A. Größe 6X6 cm. Aus einem Antiphonar des 
1. Drittels des XV. Jahrh. 20.— 

Buchstabe in Rot, Blau u. Grün, mit Weiß verziert. Innen auf blauem 
Grunde stilisiertes Blatt- u. Rankenwerk in Rot, Grün u. Weiß. Gold- 
gehöhter Untergrund. 

263 Initiale A in reicher eigenartiger Omamentierung. Das Pergt- 
Blatt, aus einem 62 cm breiten Antiphonar des XV. Jahrh. gibt 
zugleich einen höchst lehrreichen Ausschnitt von einem Chor- 
buche mit der altkirchlichen Notenschrift und den machtvollen 
Schriftzügen des Textes in Schwarz und Rot — Französische 
Arbeit? 35.— 

Das Gerüst rot und blau, kompakt bis auf große (abwechselnd runde 
und spitze) Zacken innerhalb der Balken, weiß abgesetzt Den Grund innen 
und beiderseitig bildet ein überaus zartes und enges spitzenartiges Omament- 
gewebe aus gezahnten Linien, die sich zu größeren und kleineren Spiralen 
gestalten und verzweigen. Als Füllmuster dienen Sternchen, Rosetten, 
Häkchen und Rankenlinien, ohne daß sich Blätter oder sonstige Pflanzen- 
elemente einmischen. Diese mit der Feder gezeichnete Musterung ist 
linkerseits hellrot, in der Mitte überwiegend violett-blau gehalten, rechts 

Karl W. Hlersemann in Leipzis:» Königsstrasse 3« Katalog 330. 



Mimaturw u. InitialrMakm in Einzdblääem. XL-XV.Jahrh. 173 

in beiden Farben wechselnd. Die Zidczacke oder Krausen, welche das 
Oanze umsäumen, gehen links auf dem freien Blattrande in lustige Schnörkel 
über, die mit sicherer Hand disponiert und wieder durch angesetzte und 
eingestreute Ornamente anmutig belebt sind. — Auf der Rückseite die 
Initiale D, gotisch mit durchbrochenem, der Lange nach geteiltem Ge- 
bälk, schwarz und grün gehalten wie audi die Innen-Omamente, welche 
mit den vorigen fibereinstimmen. 

264 Initiale A aus einem Antiphonarium. In Rot, Blau u. Grün 
gemalt, hübsch ornamentiert, mit Weiß abgesetzt. Ooldgehöhter 
Untergrund. Größe 8X6 cm. Gegen Mitte des XV. Jahrhdts. 

20.— 

265 Initiale A in Rot u. OrQn mit weißer Omamentierung. Innen 
auf blauem Grunde feines Rankenwerk in Weiß, sowie größeres 
Blatt- u. BlOtenomament in Gelb, Rot u. Weiss. Äussere Um- 
rahmung goldgehöht. Größe 6X6 cm. Mitte XV. Jahrh. 14,— 

266 Initiale A. Rot mit Weiss abgesetzt, rechter Ausläufer 
Grün. In der Mitte auf blauem Grunde stilisierte Pflanzen- 
omamentik in Weiß u. Rot. Goldgehöhter Untergrund. Größe 
3,8X4,2 cm. Scharf beschnitten. Mitte XV. Jahrh. lO.— 

267 Initiale A auf Goldgrund. 7X6 cm auf Passe-partout Von 
einer Pergamt-Hs. der 1. Hälfte des XV. Jahrh. 15.— 

Krapplack-rosa-farbenes Budistabengerüst, weiß gemustert, an der 
inneren Seite von einem Silbersü-eifen begleitet, welcher zu dem rei- 
chen Innengrund überleitet Dieser, eigentlich mehr in Siena-braun ge- 
halten, wirkt wie olivfarben infolge der aufgesetzten Farben u. Orna- 
mente. Es sind dies weiß-gelbliche feine Ranken u. vor allem zwei 
große blaue Blumen, jede an grünem, seltsamer Weise kugelrundem 
Kelche, welche im Gegensinne gestellt sind, getrennt durch den rosa 
Querbalken des A. 

268 Initiale B farbig auf Goldgrund mit reicher Omamentierung 
u. Randleiste nach oben u. unten. Höhe im Ganzen IOV2 cm. 
Von lateinischer Pergt-Hs., Augustins Psalmen-Commentar. Auf 
Passepartout Z Hälfte des XIV. Jahrh. 18.— 

Budistabe grün mit etwas weiß und 4 Scheinlöchem. Im Felde kühn 
stilisiertes Dreiblatt von blauer Innenseite, im Umsdilagen orangefarben, 
mit dem Stengel, der rot umhüllt ist, geschickt an die seitliche Ein- 
ziehung des B angesetzt Die äußeren Blattverzweigungen grau u. grün, 
und blau u. onmge, jederseits mit vielem Oold. Rippen und Oeäder des 
Blattwerkes vielfach durch dunklere Farblinien, doch nicht botanisch 
genau, angegeben. Hin und wieder weiße feine Contur an oder über 
der Localfart>e. -^ Wohl spanisch. 

269 Initiale B in Rot, OrQn und Blau, innen durch hübsches Blatt- 
omament geschmackvoll verziert. Untergrund Blau mit Oold 

fehöht Anfang des XV. Jahrh. Oröße 9,7X1 1^« cm. Schönes 
tück wohl engl. Ursprunges. 80*— 

Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330» 



174 Miniataim a. Initial-Malem in Einzäblääem. Xl.-XV.Jahrh. 

270 Initiale B in Rot, OrOn und WeiB auf Goldgrund. Innen 
auf blauem Untergrunde hübsches Blattomament in Rot und 
Orün mit Weiß und Oelb abgesetzt Größe 6X6 cm. Sehr 
schön erhalten. Mitte XV. Jahrh. 14. — 

271 Initiale B. Rot, Blau, Grün und Weiß, hübsch ornamentiert, 
goldgehöhter Untergrund. Leider rechtsseitig zu scharf be- 
schnitten. Größe 4X5 cm. 2. Drittel d. XV. Jahrh. 12.— 

272 Initiale C auf Goldgrund gemalt, mit schwarzem Rand. 
6X5 cm auf Passe-partout Von einem Pergament -Manuscr. 
(Chorbuch?) aus der 1. Hälfte des XV. Jahrh. 10.— 

Das Buchstabengerüst Magenta-Rot in verschiedenen Tönen, weiß 
ornamentiert, hat große griuie Blatt -Endigungen, deren untere, stark ein- 
gebogen, wirksam mit dem silbern umzogenen blauen Innengrunde kon- 
trastiert Leichte Ornamentierung u. Stridielung in weiß, teilweise zum 
Zwedc der Belichtung. 

273 Initiale C in Gold auf blauem Grund. Mit GrQn, Hellblau, 
Rot und Weiß hübsch ausgemalt und ornamentiert Größe 
6X6 cm. Mitte XV. Jahrh. 12.— 

274 Initiale D aus dem Xi. Jahrhdt in Rot, an einigen Stellen 
schwarz abgesetzt. Bestehend aus vielverschlungenem Band- 
werk, dessen diverse Ausläufer in ornamentierte Ranken 
endigen. Initialgröße 12X13^« cm. Größe des ganzen Pergt.- 
Blattes 1 6^8X24^/, cm; unten mit wenig Textverlust be- 
schnitten. Außerdem zeigt die Vorderseite des Blattes 26, die 
Ruckseite 28 Zeilen Text, gut leserlich. Aus einem Pergt-Ms. 
des XI. Jahrhdts., irischen Ursprungs. Bis auf einen 4^/, cm 
langen Kiss gut erhalten. Äußerst selten. 240. — 

275 Initiale D in Farben u. Goldgrund mit Randleiste, letztere 
llV« cm hoch. Von lat Pergt-Hs. des ausgehenden XIV. Jahrh. 
Wahrscheinlich spanisch. 18. — 

Graues Buchstaben-Oerüst mit Scheinlödiem auf Oold. Innen in grün 
u. rosa ein leicht gerolltes Blattmotiv; am Rande nach oben u. unten 
großes Blattwerk, wesentlich grün u. blau, mit vielem Oold. Sehr hübsch. 

276 Initiale D in Grün und Rot, mit Gelb und Weiß ornamentiert 
und Gold gehöht innen auf rotem, mit Ranken- und Blflten- 
werk verzierten Grunde ein Ornament im schönsten Re- 
naissancestil, blau und weiß sehr fein ausgeführt. Das Ganze 
auf blauem mit Weiß abgesetzten Untergrunde. Größe SVjXöVi 
cm. Ein schönes Stücl^ 1. Hälfte des XV. Jahrh. IS.— 

277 Initiale D. Blumenfullung mit Rankenomament Italienische 
Arbeit des XV. Jahrh. Bologneser Schule. Mit Musilaioten a. 
d. Rückseite. 140X160 mm. 80.— 

Schönes ornamentales Muster. 

Karl W* Hiersemann ta Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 33(k 



Miniaturen u. IniäalrMaUrd in EinzdbläUem. XL-XV.Jahrtu 175 

278 Initiale D in Rot und Weiß auf Goldgrund. Innen auf ver- 
ziertem roten Untergrund hübsches BlQtenomament in Blau, 
OrOn und Weiß, von 3 mm breitem Bändchen umrahmt 
6X6 mm. Mitte XV. Jahrh. 10.— 

279 Initiale D» in Blau auf goldgehöhtem Untergrund, mit Blatt- 
werk und Blüten verziert Größe 3,7X3,9. Mitte XV. Jahrh. 

10.- 

280 Initialen D u. a., 5 Stück aus einer Pergt.-Handschrift a. d. Mitte 
des XV. Jahrh. Größe ca. 3X4 cm. In stilisierter Blattomamentik 
in Grün, Blau, Braun u. Rot abwechselnd auf goldgehöhtem 
Untergrunde. Lebhaftes Arrangement, jedenfalls von einem ital. 
Meister. Das Stück 10.— 

281 Initiale B aus einer Pergt.-Handschrift von ca. 1340 jedenfalls 
englischer Herkunft 5^/^X6^« cm. 12. — 

In Orün ausgeführt, weiß punktiert und dunkelgrün abgesetzt. Oben 
u. unten je eine muschelförmige Verzierung in der mehrfach gezackten 
u. bogigen dunkelblauen Umrandung. Innen auf hellbraunem Grunde 
leichtes Blatt- u. Blütenwerk. 

282 Initial B in Rot und Weiß auf blauem, in den 4 Ecken mit 
kleinen Ornamenten geschmücktem Grunde. Die Mitte belebt 
auf goldgehöhtem Untergrunde ein großes Blattomament in 
Orün, mit Oelb abg^esetzt. Oröße S^/^XO cm. Aus einem Anti- 
phonarium a. d. Zeit ca. 1400. 65. — 

283 Initiale B, violett, weiß ornamentiert, auf goldgehöhtem Unter- 
grunde. Mit Blattomamenten und Rankenwerk in fünf Farben. 
Oröße 7,3X8Va cm. 1. Hälfte des XV. Jahrh. Vielleicht Spanisch. 

20.— 

Sehr hübsches Stück. 

284 Initiale F. Orünes ornamentiertes Oerüst auf Goldgrund (der 
in d. Mitte, wo sich ein großes Blumenbüschel schräg hinein- 
erstreckt, teilweise ausgeschnitten). Großes Blattwerk seitlich 
ansetzend. 2. Hälfte d. XIV. Jahrh. Pgt. auf Passepart 10.— 

285 Initiale H. Pergt-Blatt mit alter Notenschrift auf beiden Seiten. 
Ausschnitt aus e. Meßbuch v. Ende des XIV. Jahrh. Größe der 
Malerei 25X20 cm. Auf Passepartout 25.— 

Buchstaben-Oerüst hellbraun mit seitlicher Verstärkung des Farben- 
tones; dort legen sich (nicht ganz verstandene) große grüne Blätter an; 
anderes, mehr stilisiertes Blattwerk im Innern und von den Enden und 
Spaltungen des Gebälks ausgehend, besonders in mehrerlei Blau u. Rot, 
mit weißer Innenzeichnüng. Das viereckige Orundfeld in Gold, braun 
u. blau. — Von reicher Farbenwirkung. — Auf der Rückseite ein großer 
Buchstabe rot-blau vom Schreiber in einer nicht gewöhnlichen geome- 
trischen Manier ornamentiert 

Karl W. Hicfsemann 2n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330. 



176 Miniaturm u. Inäial-Malmi in EmObläämL XI.-XV.JaMk. 

286 Initiale H in Rot, mit Weiß abgesetzt, die Ausläufer grfin. 
Innen auf blauem Grunde ein stilisiertes Blfitenomament in Rosa, 
OrOn, Rot und Weiß. Das Ganze auf goldgehöhtem Untergrund. 
Größe 4X5 cm. Rechtsseitig scharf beschnitten. Erste Hälfte 
des XV. Jahrh., wohl engl. Schule. Auf Passepart. 12*— 

287 Initiale J in Blau, mit Weiß und Rot abgesetzt und mit 
farbigem Ranken- und Blattwerk im gotischen Stile verziert 
Goldgehöhter Untergrund. Burgundisch. Anfang des XV. Jahrh. 
Größe 3X3 cm. 10.— 

288 Initiale J in Farben auf Goldgrund. Blatt von einem frühen, 
sehr schönen Drucke in Fol., von 1480 etwa. Starkes, perga- 
mentartiges Papier. Bibel-Commentar (zur Genesis) in 2 Haupt- 
Col. mit einer Queröffnung, worin, in 2 kurzen Columnen, die 
Textworte stehen, mit besonderem Commentar unter jedem 
Lemma. 90*— 

Die Initial-Malerei, auf Drucken immerhin eine gewisse Seltenheit, 
trägt burgundisdi-französischen Charakter. Sie besteht in einem großen 
(7x6 cm) goldenen Feld mit verschiedenartigen Eckspitzen, welches von 
feinen Spiralranken bedeckt ist, mit dreizadcigen Spitz-Blattera eines 
bekannten, hier variierten Typus (sogen. Domblatt). Sehr wirksam hebt 
sich von diesem prächtigen Grunde das große blaue J ab, mit weißen 
zickzadcartigen Linien in 4 Etagen. 

289 Initiale J. — Pergament-Blatt 47^8X31 cm mit farbigem Initial- 
schmuck und der alten kirchlichen Notenschrift (auf vieriinigem 
System) des Antiphonars. Der Text für den St. Johannis u. 
Paulus Tag. Wahrscheinlich deutsche Arbeit des XV. Jahrh. 36.— 

Auf der 1. Seite große Initiale J, 22 cm hoch; der Stamm halb grün 
u. halb blau, mit diskreter weißer Musterung, bikiet den natürlichen Orund 
für ein darüber hingehendes hohes Ornamenigefüge, halb Pflanze, halb 
Kandelaber, welches in seinen Teilen wiederum fechts u. links ver- 
schiedene Farben zeigt, besonders rot^ blau, gelb. Die gleichfalls far- 
bigen Initialen auf der Rückseite sind kleiner u. einfacher gehalten. 

290 Initiale L. OröBe 9X11 cm. Aus einer Pergt.-Handschr. von 
za. 1400, sicher engl. Ursprungs. 90.— 

Buchstabe in Rot u. Orün mit Gelb u. Weiß ornamentiert auf gold- 
gehöhtem Untergrund. In der Mitte auf hellem Grunde grünes Ranken- 
u. Blattomament in Form eines S, dessen beide Rundungen mit je einer 
großen Fruchtform in Blau u. Rot, mit Weiß, Gelb u. Gold gehöht, ge- 
füUt sind. 

291 Initiale L in Rot, Orfin und Blau, hfibsch in Weiss ornamen- 
tiert. Das innere ziert eine mehrfarbige, aus stilisiertem Blatt- 
werk zusammengesetzte Ranke, deren Ausläufer eine Art Erd- 
beere tragen. Brauner Untergrund, in Weiß punktiert u. ab- 
gesetzt, goldgehöhter Rand. 1. Drittel des XV. Jahrh. Größe 
öV^XT cm. 16.— 

Sehr hübsche Komposition. 

Karl W* Hlefsemann ta Ltipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330* 



;^ MüUaturm u. InitiairMaUm in EmzOblättem. XL-XV.Jahrh. m 

292 Initiale L auf Goldgrund in Farben gemalt mit reichem Blatt- 
Ornament im Innern u. am Buchrande. S^^XäV« cm auf einem 
Pergt-Blatt (Ausschnitt) aus lateinischer Handschr.: Psalmen- 
Commentar des Augustinus. Ausgang d. XIV. Jahrh. Auf Passe- 
partout 18.— 

Rötlich braunes Buchstaben-Oerüst mit weißen Kügelchen darinnen, 
im Ooldfelde schräg stehend ein dreiteiliges Ornament, das an Wappen- 
Bekrönungen oder Helmbüsche erinnert, aus großen Akanthus-artigen 
blau-grünen Blättern, die durch einen kirschbraunen Bund zusammen- 
gehalten werden. In den Rand-Ausläufern entfalten sich solche Blätter 
in den gleichen Farben mit Oold. 

293 Initialen L und P. Pergt-Blatt in Fol. aus einem Lectionar 
von ca. 1425 mit Stücken aus d. Evangelium St Marc u. Lucas 

jj^mit Prologus in schöner got Schrift, beiderseits je 2 Col. Größe 
mit Randornament 5X11 u. 5X17 cm. 48.— 

Initiale L grün, Gerüst des Buchstabens ganz mit welligem großen 
Blattwerk gefüllt, roter, gelb ornamentierter Innengrund, das Ganze auf 
gestanztem Goldgrund gedacht, welcher rechts u. links zum Vorschein 
kommt Die schmale violette Leiste, welche das Ganze als Rahmen um- 
zieht, und das natürliche grüne Geäst des Buchstabens verzweigen sich 
seitlich nach links zu schönem Blattwerk in drei Farben und Gold. 

Initiale F blau (wie die vorige gemustert), auf Goldgrund, in den 
Sterne, Kreise, Punkte eingestanzt sind; seitlich setzen sich große Blätter 
und Zweige an, in rötlich-violet, grün, blau, hellbraun u. Gold. 

294 Initiale M» omamental, 75X90 mm, mit linksseitiger Ranken- 
leiste, auf einem Fol.-Bl. eines Chorbuches, Ende des 

XIV. Jahrh. deutscher Provenienz, m. Musiknoten. 38.— 

295 Initiale M'aus einem Antiphonar des 1. Drittels des XV. Jahrh. 
Hellblau. Größe 6X6 cm. 20.— 

Sehr hübsch in Weiß ornamentiert. Die Ausläufer, sowie besonders 
das Mittelstück, mit stilisiertem Blattwerk ausgeschmückt, wirken durch 
den dunkeln, mit kleinen Ranken belebten Hintergrund recht gut Oold- 
gehöhter Untergrund. 

296 Initiale M in"" Braun u. Blau auf goldgehöhtem Untergrund, 
von grünen Zweigen] belebt. 3,3X3,6 cm. Mitte XV. Jahrh. 
Ital. Ursprunges. 10.— 

•297 Initiale M in Oold, Orün, Rot, Untergrund Blau u. Rot. Das 
Ganze mit spiralförmigem Linien- und feinem Blätterwerk, in 
Weiß u. Gelb hübsch ornamentiert S^LX6^L cm. Mitte 

XV. Jahrh. 14.— 

Karl W« Hiersemann in Leipzig:, Königfsstrasse 3* Katalog: 330* 

12 



178 Miniaturm u. InitiairMalmi in BiaäbUitimu Xl.-XV.Jahrh. 

298 Initiale N aus einer Pergt-Hs. von ca 1425. Ausschnitt von 
einem Lectionar mit Stucken der Apostelgeschichte u. der Epi- 
stolae Canonicae nebst Prologus; schöne gotische Schrift 
Größe 6V2XIO cm. 14.— 

Das N in mattrot-violett, Gerüst von wellig^en Blättern erfüllt Hell- 
grüner Innengrund mit aufsteigenden dünnen Ranken in gelblicher Farbe. 
Das Ganze auf Goldgrund mit eingestanzten Punkten und Kreisen, von 
schmaler grüner Leiste umzogen. Nach links hin das Geäst in starkes 
Blattwerk übergehend, mit drei weiteren Farben, blau, hellbraun und Gold. 

299 Initiale O in Graublau, reich ornamentiert (Blattwerk, Punkte 
u. a), der Innengrund grün mit feinem mehrfarbigen BlQten- 
werk an goldenen Stengeln und Ranken. Das Ganze auf Gold- 
grund, in den kleine Punkte und Kreise einpunziert sind, mit 
violetter Leiste als Rahmen, welche seitlich nach oben und unten 
in Zweige (in mehreren Farben u. Gold) ausgeht — Pergament- 
Blatt in Fol. in schöner gotischer Schrift beiderseitig in 2 Col. 
beschrieben, aus einem Lectionar, enthaltend Stücke aus dem 
Prediger (Ecclesiastes) und dem Hohenlied (cantica canticorum). 
Von ca. 1425. Größe der Initiale 6X5 cm. Sehr schönes 
Blatt 36.— 

Zu demselben Codex gehörte No. 293. 

300 Initiale O in Farben u. Gold, mit Randleiste. Feines Pergt- 
Blatt in 8 aus einem Brevier von Ende des XV. Jahrhunderts, 
beiderseitig beschrieben. — Auf Passepartout 20.— 

Sehr anmutiges Blatt, zugleich schöne gotische Schriftprobe. Der 
Buchstabe auf Goldgrund mit blauem Innenfelde, welches feine weiße 
Blumen aufweist E>ie großen Blätter, welche schon das Gerüst einhüllen, 
entfalten sich links zu einem prächtigem Randschmuck mit vielen Gold- 
punkten (als Blüten), die von Kreis u. Strichen radförmig umgeben sind. 
Haarfeine Linienzeichnung wie an den letzteren Motiven fällt auch im 
Innern des Blattwerkes auf. Das Gold sehr dunkel, fast wie Kupfer. 

301 Initiale O aus einem Antiphonar von ca. 1420. lOViXlS^j cm. 

35.— 

Von Goldgrund umgebener Buchstabe, purpurrot mit feinen Gold- 
ranken, hellrot u. weiß abgesetzt Der Innengrund blau mit großer, sym- 
metrisch verzweigter u. aufstrebender Pflanze, an welcher die Stengel 
u. der Mittelteil in mehrerlei Braun u. Gold, die Blätter u. Blüten in 
verschiedenen Farben gehalten sind, immer mit vielen Goldranken u. 
Blüten dazwischen, die sich zum Teil losgelöst in dem blauen Grund be- 
wegen. Das Ganze sehr wirkungsvoll arrangiert mit schwererem Zweig- 
und Blattwerk außen, das sich nach links verbreitet, daher das Profil 
des Buchstaben-Gerüstes rechts abweichend behandelt ist. Der Gold- 
grund mit schmaler schwarz u. weißer Umrandung. 

Im ganzen sehr gut erhalten und von ungemeiner Frische der Farben- 
wirkung. 

Karl W. Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3. Katalog 330. 



Miniaturm tu Initial'MaUrd in EimdbUUUm. Xl.-XV.Jahrh. 179 

302 Initiale O in Farben auf Goldgrund 5X6 cm, auf Passepar- 
tout. Ausschnitt von e. Pergt.-Hs. des XV. Jahrh. 1. Hälfte. 
Originell, aber links zu stark beschnitten. 10.— 

303 Initiale O in Rot u. Weiß. Innerhalb, auf blauem, in Weiß 
ornamentierten Untergrunde eine Nelke in fast naturlicher Größe 
in Grün, Rot und Gelb. Goldgehöhter Untergrund. 4X4^« cm. 
Rechtsseitig scharf beschnitten. Mitte XV. Jahrh. 12.— 

304 Initiale O in Grün, Blau, Rot, auf goldgehöhtem Untergrund. 
In der Mitte auf schwarzem, mit kleinen Sternchen besetzten 
Grunde ein Pflanzenornament, das durch mehrfach verschlungenes 
Bandwerk zusammengehalten wird. Durch die geschicid ge- 
wählte Umrahmung wirkt das Ornament besonders gut. 
5,3X6,3 cm. XV. Jahrh. Scharf beschnitten. 14.— 

305 Initiale P auf Goldgrund mit Farben, in Rand-Ornamente aus- 
gehend. 12X7 cm. Auf Passe-partout. Von ein. lat Pergt.- 
Hs. Augustinus' Psalmen - Commentar, XIV. Jahrh., 2. Hälfte. 
Wohl spanische Arbeit. 20.— 

Der blaue Buchstabe, g^anz auf Goldgrund, an der linken unteren 
Seiten-Ecke stehend, hat dort federbusch-artig^e Blatt-Endigungen nach 
2 Seiten hin, eine dritte kleinere rechts nach einwärts. Das innere Feld 
ist in eigenartiger Weise fast als Rad mit 4 gold. Speichen behandelt, 
um dessen Centrum die Ornamentmotive eine wirbelnde Bewegung aus- 
zuführen scheinen. 

306 Initiale P. Farbig auf Goldgrund. Ausschnitt eines Pergt.- 
Blattes von Augustin 's Psalmen-Commentar. Buchstabengröße 
ohne Randschmuck 5X4^9 cm. Auf Passepartout. Wohl 
spanisch. XIV. Jahrh. 2. Hälfte. Vgl. vor. El. 25.— 

Das Buchstaben-Gerüst blau in mehreren Tönen, mit weißer Innen- 
zeichnung, hat ringsherum, aber nicht ganz am Rande, gemalte Off- 
nungen, gleichsam wie Nagellöcher. Im Innern, wo auch etwas vom 
Goldgrunde sichtbar wird, erhebt sich in symmetrischer Anordnung 
großes Blattwerk in kirschbraun, blau, grün, orange. Die Enden des 
Buchstabens, welcher an der linken unteren Ecke der Seite steht, ver- 
laufen in großes, Federbusch-artiges Blattwerk mit Gold und den vor- 
genannten Farben, zu welchen hier noch grau und Silber-Höhung hin- 
zukommt. 

307 Initiale P in Farben auf Goldgrund mit reichem Ornament u. 
Rand- Verzierungen. Im Ganzen 13X6^« cm. Pergt.-Ausschnitt 
von lateinischer Hs.: Augustinus' Psalmen-Commentar. Auf 
Passepartout. 2. Hälfte XIV. Jahrh. Vgl. vor. Bl. 20.— 

Das tiefgrüne Buchstaben-Gerüst enthält querliegende, leicht über- 
fallende Akanthus-Motive mit starken Schatten und feiner weißer Um- 
säumung des äußersten Randes. Im inneren Felde karmoisin-rotes 
Schuppenwerk als Kern, umschlossen und umwogt von großen orange- 
farbenen und blauen Blättern. Oie Zweige am Buch-Rande orange mit 
Gold, Grau m. Gold, dazu Nebenfarben. 

Karl W« Hiorsemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330« 

12^ 



180 Miniaiwm u. Itätial-MaUrd in EinxMOäim. XI.-XV.JahHu 

308 Initiale P. Aus einem Antiphotiarium von ca. 1400. OröBe 
9,8X13,4 cm. 95.— 

Buchstabe in Blau, die Auslaufer in OrOn u. Rot mit Weifi und Oelb 
verziert Ooldgehöhter Untergrund. In der Mitte auf hellem, mit feinem 
Rankenwerk ornamentierten Grunde je 2 große Blüten und Frucht- 
Ornamente in Braunrot, Rot und Qrün, mit Weiß und Oelb leicht oraa- 
namentiert, sowie mit Oold gehöht 

309 Initiale P in Rot mit Weiß. Ooldgehöhter Untergrund. 
Innen hübsches Blatt- u. BlQtenomament in OrOn, Blau, Oelb 
und Rot auf dunklem Orunde. 4,2X6 cm. XV. Jahrh. Scharf 
beschnitten. 10, — 

310 Initiale S. Oröße 5,8X6 cnu Aus einer alten PergL-Hand- 
schrift mit Musiknoten entnommen. XIV. Jahrh., jedenralls süd- 
deutsche Arbeit 54.— 

Buchstabe in Blau und Rot Eine Art durchbrochene Arbeit, die mitt- 
leren Partien sind mosaikartig aus kleinen Platten in Rot, Blau, Qrün 
und Weiß zusammengesetzt Heller Untergrund. Umrahmung olivgrün, 
mit Rot und Oelb ornamentiert, rote Linien fassen dieses so gebildete 
Band ein. . < . n . ; r\ ■ . 

311 Initiale & Oröße 6,3X5,7 cm. Letztes Drittel des XIV. Jahrh. 

12.— 

Buchstabe fai Mat^ld auf blauem u. rotem Orunde, in der Mitte mit 
stilisiertem Blattwerk in Oold verziert Ein vielverschlungenes, eckiges 
Bandwerkgeffige in Ookiliniatur bildet die Umralunung. Obere u. untere 
Hälfte nach Farbe versdiieden. 

312 Initiale S in Rot, Weiß u. Orfln. Innen auf blauem Orunde 
stilisiertes Blütenwerk in Rot u. Weiß. Ooldgehöhter Unter- 
grund, leicht rissig. 5X6 cm. Mitte XV. Jahrh. 18.— 

313 Initiale S in Rot u. OrOn, mit Weiß u. Oelb ausgemalt 
Ooldgehöhter Untergrund. Innen auf blauem Orunde stilisiertes 
Blatt- u. Rankenwerk in Orfln und Weiß. 6X6 cm. XV. Jahrh. 

12.- 

314 Initiale T in Blau, Orfln, Rot, hflbsch ornamentiert, auf 
schwarzem Orunde mit Oold gehöht Aus einem Antipho- 
narium des XV. Jahrh. Oröße 7X9 cm. 20.— 

315 Initiale V. Rot u. goldgehöhter Untergrund m. reichem 
Schlingomament, spiralförmigem Blattwerk u. gestielten Blatt- 
enden. Farben: Blau, Orfln, Oold, Rot u. Weiß. 74X46 mm. 
Ende d. XIII. Jahrh. Deutsch (?). Perg. 2 Bl. einer Olossa pro- 
phetarum (Oseas). Sehr schönes Initialmuster des XIII. Jahrh. 

95.— 

Karl W* Hicnemann in Lelpxlg, Königsstrasse 3* Katalog 330* 



MuUaiam u. Inäüd-Malerei in EützdUdäem. XVI. u. XVlI.Jahrh. 181 

316 Initialen ornamentalen Charakter«, XIII.— XV. Jahrb., ein- 
zelne Bll. aus livres d'heures d. XV. Jahrh. 22 Stück. 260.— 

Sehr schöne Kollektion von Schrift- und Miniaturproben, bedeutenden 
Proben reich ornamentierter Initialen etc. 

317 Initialen. — 9 Initialen aus 2 verschiedenen Pergt-Handschriften 
aus dem XIV. und der 1. Hälfte des XV. Jahrh. u. zwar D, I, 
L, M, O, J, I, D, J in mehrfarbiger AusfQhrung u. mit Oold 
gehöht Größe zwischen IV2X2 cm bis 4V2XI2 cm. Sehr 
hObsch ornamentierte StOcke in guter Erhaltung. Auf einen 
Karton gesetzt u. unter PassepaHout 40.— 



Miniaturen u. Initial-Malerei in Binzelblättem. 
XVI. und XVn. Jahrh. 

318 BUdinitiale A. Christus als Weltrichter. 170X130 mm. 

XVI. Jahrh. Deutsch. Perg. F0I.-BI. a. einem Antiphonarium. 
Sehr schöne deutsche Renaissancearbeit Die Bordüre an 
3 Seiten beschnitten. 550. — 

Sehr interessante Miniatur. 

319 BUdinitiale B. Die h. Dreieinigkeit. 110X95 mm. XVI. Jahrh. 
Deutsch. Perg.-Fol.-BI. a. einem Antiphonarium. Sehr schöne 
deutsche Renaissancearbeit Die Bordüre an oberer Seite be- 
schnitten. 180.— 

320 Bildinitiale P. Himmelfahrt 110X115 mm. XVI. Jahrh. 
Deutsch. Perg. F0I.-BI. a. einem Antiphonarium. Sehr schöne 
deutsche Renaissancearbeit Bordüre an der oberen Seite be- 
schnitten. 180.— 

321 Chrlatna nach der Oeisselung. — Man sieht den Heiland 
entblößt in halber Figur, nur leicht in den über die rechte 
Schulter geworfenen Mantel gehüllt, an den Händen gefesselt 
die rechte Hand einen zerbrochenen Stab haltend. Das nach 
links geneigte Haupt, mit der Domenkrone bedeckt, ist von 
einem hellblauen Heiligenschein umgeben. Aquarellmalerei auf 
Pergament in Rötelmanier, Hintergrund dunkelbraun. Die Um- 
rahmung in Schwarz zu Orün mit Oold ist geschickt einem 
Holzrahmen nachgeahmt Oröße 11X15 cm. 1. Hälfte des 

XVII. Jahrh., wohl französ. Ursprunges. 40.— 

322 Veronikabild. — Das Blatt ist besonders bemerkenswert, weil 
eine mitteleuropäische Miniatur-Malerei, die man an den am 
Rande und auf der Rückseite befindlichen geistlichen Texten 
(in gotischer Schrift) als solche erkennen kann, zu Grunde liegt 

Karl W* Hlersemann in Lelptlg^ Königsstrassc Z. Katalog 330» 



182 Faesimäe-Reproduktionen von tiandsdurifteiu 

und von einem Eingeborenen eines Missionslandes der Christus- 
kopf mit schwarzer Farbe verändert ist. — Der Kopf ist in 
einem Rundmedaillon auf hellrotem, weiß gesternten Hintergrunde 
mit goldenem Kreuznimbusbalken gemalt und befindet sich auf 
einem weißen Tuch, welches die dahinter stehende Heilige mit 
ausgebreiteten Armen hält Hintergrund blau mit weißer Muste- 
rung. Oberhalb, den Rahmen durchbrechend, ein Kruzifix in 
weiß und hellgelb. Unten in primitiver Darstellung das Wappen 
des 1585 gewählten Papstes Sixtus V. Am Rand in goti- 
scher Schrift: Salva sancta facies | nostri redemptoris | 
in qua nitet species | divini splendoris | impressa panni- 
culo I nivei [candoris]. Der Text auf der Ruckseite des 
Blattes hat sich im O^ensinne abgedruckt und ist älter als 
das Bild. Bemerkenswert sind die markiert herausgesetzten 
Anfangsbuchstaben jeder Zeile. Ende XVI. Jahrh. Bildgröße 
15X10 cm. Pgt. 155.— 

323 Initiale B. Blumen- u. Fruchtomament in reicher Verzweigung, 
auf Goldgrund, die Initialsäulen tragen das eingerollte Blattmotiv. 
140X150 mm. Eine vierseitige Blattbordure umrahmt den Text 
2 Bl. aus einem Antiphonar, Anf. d. XVI. Jahrh., m. Musiknoten. 
Fol. 220.- 

Geistreich komponiertes Ornament 



Pacsimile- Reproduktionen von Handschriften. 

(Siehe auch Handschriftenkunde.) 

324 The Apocalypse of S. John the divine^ represented by figures 
reproduced in 23 facsimile-plates on vellum from a mss. in the 
Bodleian Library, printed for the Roxburghe Club. London 
1876. 4. Lwdbd. in Futteral. Auf Pergament gedruckt 520.— 

Enth. 46 pag. vorzügl. ausgeführte, kolorierte Facsimiles. 
Die Handschrift stammt a. d. XIII. Jahrh. und ist eines der kostbarsten 
Erzeugnisse altenglischer Kunst. — Nur in wenigen Exemplaren für die 
Mitglieder des Roxburghe-CIub gedruckt Selten. 

325 Arthur of Little Britain, the History of the raliant Knight; a 
romance of Chivalry translated from the French by John Bour- 
chier, Lord Bemers. New edition (edited by E. V. Utterson) 
with a series of plates (25), from illuminated drawings 
contained in a valuable Ms. (Xllth or XIVth cent.) of the 
original Romance. Large paper copy with double set 
of plates, the one piain, the other finely coloured and 
illuminated with gold and silver. 4. London 1814. Con- 
temporary half russia gilt, uncut edges. 800.— 

Ein in jeder Beziehung tadelloses Exemplar dieser nur in 25 Exempl. 
hergestellten Ausgabe. Äußerst selten. Schon in den 80er Jahren wurde 
1 Ex. zu L 31, 10 sh. (630 M.) vericauft 

Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrassc 3. Katalog 330» 



Faesimäi'Reproduktionen von Handschriftm, 183 

326 Attavante. — Facsimile delle tniniature di Attavante Fioren- 
tino conten. nel codice Marciano Capeila Le nozze di Mercurio 
colla Filologia che si conserva nelle bibl. Marciana. 24 Tai in 
Photogr. Fol. Venezia, Perini 1878. In Orig.-Mappe. 85.— 

327 Bartoli, A., manoscritti italiani della Bibl. Nazionale di Firenze. 
Sezione I. Codici Magliabechiani. Serie I. Poesia I.— 3. tom. 
e tom. IV, 1. fasc M. photogr. Tafeln. Fir. 1879—85. In 
Heften. (76 Lire.) 40.— 

328 Breviarium Grimani in der Bibliothek von San Marco in 
Venedig. Vollständige Reproduktion hrsg. durch Scato de 
Vries, Direktor der Universitäts - Bibliothek in Leiden und 
S. Morpurgo, Direktor der Bibliothek von San Marco. 12 Bände 
mit 30O Facsimile -Tafeln in Dreifarben -Lichtdruck und 1268 
Tafeln in Heliogravüre. Folio. (Leiden), Leipzig, Kart W. 
Hiersemann, 1903 ff. Preis pro Band 200.— 

Das Werk, von dem bisher Band I bis VI erschienen, wird ca. 1910 
vollständigr sein. 

Das Breviarium Grimani, dieses hochberühmte Manuscript mit seinen 
zahlreichen vorzüg^lichen Miniaturen, die man den holländischen 
Meistern Jan Memlingr, Gerart van de Meire, Levien van Antwerpen, 
Gerart van Gent zuschreibt, wurde in der Bibliotheca Marciana als kost- 
bares Kleinod grehütet Es wurde jedenfalls im Auftrage des Papstes 
Sixtus IV. hergestellt Bedeutende Meister der Miniaturmalerei arbeiteten 
lange Jahre an seiner Vollendung (ca. 1478 — 89). Danach verkaufte es 
der Sizilianer Messer Antonio, einer der Mitarbeiter, 1489 an den Kar- 
dinal Grimani, dem es seinen Namen verdankt. Im Jahre 1797 wurde 
das Manuscript aus dem Tesoro der Basiiica von der Bibliothek zu San 
Marco übernommen. 

Das Breviarium Grimani, das bisher, trotz seiner außerordentlichen Be- 
deutung, für die Forschung nur schwer erreichbar war, wird nunmehr 
durch die oben angezeigte Reproduktion dem großen Kreise der Kunst- 
forscher, Künstler und Kunstfreunde erschlossen. Das Breviarium mit 
seinen Miniaturen wird vollständig und in meisterhaft naturgetreuer Weise 
zur Darstellung gebracht 

Erklärender Text wird je nach Wunsch der Subscribenten in deut- 
scher, französischer, englischer oder italienischer Sprache beigegeben. 
Die Reproduktion wird den hohen Erwartungen, die man einem der- 
artigen bedeutenden Unternehmen entgegenbringt, voll und ganz ent- 
sprechen. Ich habe den Alleinvertrieb für Deutschland, Öster- 
reich-Ungarn, die Balkanstaaten und die Schweiz übernommen 
und liefere außerdem auch noch fast nach dem gesamten übrigen außer- 
europäischen Auslande zu den obigen Originaipreisen und Bedingungen 
des holländischen Verlegers. 

Ausführlicher Prospekt und Probetafeln, die letzteren leihweise zur 
Ansicht stehen zu Diensten. 

AT Ein reiches Material bietet das hervorragend schöne Werk für 
Historienmaler, Gobelin-Maler, Glasmaler, Theatermaler u. 
Architekten. 

Kari W« Hiersemann In Lelptig^ Königsstrasse 3. Katalog 330» 



184 Faesimile-Reproduktionen von Handsdir^tm. 

329 Chronik der interimistischen Jahre nach dem Lawrentjeff 'sehen 
Codex. Photolithographische Wiedergabe der Handschrift aus 
dem Jahre 1377. 4. St Petersburg 1872. 191 S. Russisch. 
Halblederband. 12.— 

330 Codex Sinaiticu« Bibliorum Petropolitanus. Auspiciis Imper. 
Alexandri II. ex tenebris protraxit, in Europam transtulit etc . . 
edidit Constantinus Tischendorf. 4 voll. Imper. 4. Petropoli 
1862. Orig.-Lwdbde. 700.— 

Kollation: vol. 1: 16 u. 46 beiders. bedr. Blätter: Commentar in 
latein. Sprache u. 21 photolith. Tafeln des griech. Textes, vol. 2: 87, 
vol. 3: 112, vol. 4: 148 beiders. bedr. Blätter mit Wiedergabe des griech. 
Textes. 

Eins der auBerordentl. selten im Handel vorkommenden Exemplare 
der im Jahre 1862 zum lOOOjähr. russischen Reichsjubiläum durch Kaiser 
Alexander II. veranstalteten Reproduktion der ältesten griech. Bibelhand- 
schrift 

Const Tischendorf entdeckte diesen kostbaren, jetzt in St Petersburg 
befindl., gleich dem Codex Vaticanus, dem 4. Jahrh. n. Chr. angehörigen 
Codex Sinalticus im Jahre 1857 im Katharinenkloster auf dem Sinai. 

Die wahrscheinlich auf Veranlassung des Eusebius durch Kaiser Kon- 
stantin in Alexandria von 4 verschiedenen Schreibern hergestellte Per- 
gamenthandschrift in 4 Columnen, mit griech. Undalschrift, ohne alle 
Initialen u. späteren Abteilungen u. Zeichen, enthält 26 Bücher des AT. 
und das vollständige NT., den Brief Bamabas u. den Anfang des Hermas, 
sowie die bis ins 7. Jahrh. u. darüber hinaus reichenden zahlreichen — 
15000 — Text-Korrekturen, zu denen Tischendorf seine umfangreichen 
Prolegomena (im 1. Bd.) schrieb. 

Die palaeograph. interessanten Tafeln, 21 an der Zahl, sind in photo- 
lithogr. Reproduktionen wiedergegeben. Für die anderen Seiten der 
Handschrift hat T. bedondere Typen herstellen lassen u. so eine typogr. 
Nachahmung geschaffen, die alle Eigentümlichkeiten des Originals wieder- 
gibt 

Im ganzen wurden s. Z. 308 Exemplare gedruckt, die Kaiser Alexan 
der II. verschenkte; in den Handel kamen nur wenige Exemplare. Be- 
reits im Jahre 1881 wurde der Preis der 3 damals noch vorhandenen 
Exemplare mit M. 1200.— pro Expl. angesetzt 

Jetzt ist seit langen Jahren kein Exemplar mehr im Handel gewesen. 
Die berühmte Bibelhandschrift-Ausgabe dürfte also zu den Seltenheiten 
gehören. — 

331 Corner, O. R., observations on four illuminations representing 
the courts of Chancery, King's Bench, Common Pleas and 
Exchequer, at Westminster from a Ms. of the time of Idng 
Henry VI. Or. 8. Westminster 1865. 30.— 

Mit 4 prächtigen farbigen Facsimile-Tafeln aus einer Handschrift des 
XV. Jahrb., die Mitglieder der 4 obersten Gerichtshöfe Englands dar- 
stellend. 

Karl W. Hiersemann In Leipzigs Königsstrasse Z. Katalog 330* 



Faesunäe-Reprodaktionen von Hmidsdtr^lm. 185 

332 B1118, H., account of Caedmon's metrical paraphrase of Scrip- 
ture History, an illumin. Manuscript of the tenth centuiy, 
preserv. in the Bodleian library at Oxford. With 52 plates fac- 
similes of the illuminations. 4. London 1832. Extr. 20.— 

333 Bvangelia slavice^ quibus olim in r^^um Francorum oleo sacro 
inungendorum solemnibus uti solebat ecclesia Remensis, vulgo 
texte du Sacre^ ad exemplaris simih'tudinem delineavit J. B. 
Silvestre, lat vertit Kopitar, cum notis ed. L. Paris. Cum 
62 tab. facsim. 4. Paris 1852. 40.— 

334 L'BvangUe et TApocalypse de Pierre. Le texte grec du 
livre d'H^noch. Facsimil^ du manuscrit Teproduit en 34 planches 
doubles en h^liogravure. Avec pr^face de A. Lods. 4. Paris 
1893. (40 fr.) 22.— 

M^moires publikes par les membres de la mission arch^ol. fran^. au 
Caire tom IX, fasc. 3. 

335 Poucquet, Jehan (1415—1483), oeuvre: heures de maistre 
Estjenne Chevalier, tr^sorier des rois Charies VII et Louis XI. 
etc Texte restitu6 p. I'abb6 Delaunay, Miniatures et encadre- 
ments en Chromolithographie. Suivie de notices sur la vie et 
les Oeuvres de Jehan roucquet. 2 vols. en 1. In 4. Paris 
1867. 275.— 

Das Werk des bedeutendsten französ. Miniaturmalers Ist eine der 
großartigsten Publikationen auf dem Gebiete der Buchomamentik. 60 
prächtige Separat-Chromotafeln und 236 durchweg verschiedene Bordüren 
sind Meisterwerke der Chromolithographie, deren Ornamentik an Pracht 
und Schönheit ihresgleichen sucht Vergriffen und selten. 

336 Poucquet, J., grandes chroniques de France. Reprod. des 51 
miniatures du manuscr. franc. 6465 de la Biblioth^que Nationale. 
51 pl. et 10 pp. de texte. Paris s. d. (1906). In Hlwdmppe. 6. — 

337 Gachet, Les sires de Oavresi roman du XV. si^e> accomp. 
d'un glossaire. Edit. facsim. h'thogr. du manuscrit, om£e de 
95 miniatures et initiales color. 4. Brux. (vers 1850) Cart. 
T\x€ a 200 ex. 30.— 

338 Genesis, die Wiener. Herausg. von N. v. Hartel u. F. Wick- 
hoff. Mit 52 Lichtdrucktafeln, 6 Hilfstafeln u. 20 Textillustr. 
Folio. Wien 1895. 80.— 

Die Wiener Genesis ist die älteste christliche Handschrift, die mit 
einer fortlaufenden Reihe von Bildern geschmückt ist Alle früheren 
Ausgaben dieses wichtigen Denkmals sind fragmentarisch behandelt, 
in der vorlieg, sind nicht nur alle Bilder, sondern die ganzen Seiten 
dieses Ms.] auf Purpurpergament reproduziert; die Malereien sind ein 
307erk der ausgehenden Antike. 

Karl W^lflicnemann In Lelptigt KönigsstraiBe Z. Katalog 330. 



186 Faesimäe-RitpnHiukäonm von Handsdiriftmu 

339 Herrade de Landsberg, Hortus deliciarutn. Publik aux 
frais de la Soci£t£ pour la conservation des tnonutnents histo- 
riques d'Alsace. Texte explicatif commenc6 par A. Straub, 
acnev£ par O. Keller. Avec 113 planches (reproductions h61io- 
graphiques des miniatures). Folio. Strasbourg 1879—1001. 
Hlwd.-Mappe. 200.— 

Die aus der 2. Hälfte des XII. Jahrh. stammende Handsdirift bildet 
durch die zahlreichen Miniaturen im romanischen Stil (ca. 700 im Ori- 
ginal) eine Hauptquelle für die Kunst- und Kulturgeschichte des Mittel- 
alters, bes. für Forschungen auf dem Gebiete der Trachten- und Waffen- 
kunde und der Lebensweise jener Zeit überhaupt. Durch die vorlie- 
gende Ausgabe der Kopien eines immer noch ziemlich großen Restes 
von Miniaturen wird der 1870 durch den Brand der StraBburger Biblio- 
thek herbeigeführte Verlust des Originales wenigstens einigermaßen er- 
setzt; der Originaltext ist jedoch vollständig verloren, die beiden Heraus- 
geber verfaßten dafür einen erklärenden Text zu den einzelnen Tafeln. 
— Das mühsame Aufsuchen des noch vorhandenen Restes von kopier- 
ten Miniaturen verursachte die 20 jähr. Erscheinungsdauer des Werkes. 
Als ein Beispiel des wundervollen Kolorits der Qrig.-Miniaturen ist die 
Tafel „la Femme de TApocalypse" in Chromolithographie hergestellt 
worden. 

340 Heitre« de la Reine Anne de Bretagne. — Le livre 
d'heures de la reine Anne de Bretagne (1476 — 1514), publik et 
trad. du latin et accomp. de notice in^d. p. l'abb^ Delaunay. 
2 vols. Imp. 4. Paris, Curmer, 1861. In 2 reich vergold. braun 
Maroquinbdn. m. Ooldschn., der 2. Bd. (das Fäcsimile der 
Handschrift enthalt) mit el^. ziselierten Beschlägen u. auf d. 
Vorderseite der Decke e. Elfenbeinschnitzerei v. 16 cm Höhe 
u. 10 cm Breite eingelassen, welche in byzantin. Stile gearbeitet, 
Christus am Kreuze mit Maria u. Johannes darstellt. 530.— 

Prachtvolle Reproduktion dieses berühmten Livre d'heures mit seinem 
49 außerordentlich schönen blattgroBen Miniaturen, durch welche es für 
die Kostümkunde des Mittelalters von hervorragendem Interesse ist, u. 
477 Seiten Orig.-Text, umgeben v. reichen Bordüren von Blumen u. 
Früchten. Die französ. Obersetzung bildet einen besonderen Band in 
Typendruck u. enthält u. a. auch einen Appendix mit e. Beschreibg. v. 
350 im Manuscripte dargestellten Pflanzen aus d. Feder des Botanikers 
Decaisne. 

Die Herstellung der Reproduktion nebst Text kostete 450000 fr. — 
In Paris wurde 1 Expl. zu 1500 fr. — in London zu 42 jT (=840 M.) 
angeboten. Der Neupreis für das ungebundene, schon seit Jahrzehnten 
vergriffene Werk betrug 750 fr.; der Einband des vorliegenden Exem- 
plares allein hat sicher 300 Mark gekostet 

Am Rücken 2 Verletzungen durch einen Nagel. 

341 Heure«, Les, de Notre Dame dites de Hennesy, £tudes s. 
1 Ms. de la Bibl. R. de Belgique p. J. Destr^e. Av. 58 pl. 4. 
Brux. 1895. (60 fr.) 40.— 

Karl W« Hiersemann In Ldpxigt Königistrassc Z. Katalog 330» 



Facsünile-Reproduktionm von Handsdiriflen. 187 

342 Das Jagdbuch Kaiser Maximilians I. Mit 3 farbigen Re- 
produktionen gleichzeitiger Bilder und 3 Lichtdnicktafeln. In 
Verbindung mit Wm. A. Baillie-Orohman hrsg. v. M. Mayr. 
Kl.-fol. Innsbruck 1901. Orig.-Prgtbd. 30.— 

In schöner Ausstattung^. 

343 Kniga Gla^olemaja Kosmy Indikoplowa. Photolithogra- 
phische Facsimile-Reproduktion in d. Farben des Manuscriptes 
d. Metropoliten Makarij (Nowgoroder Verzeichn.) d. XVI. Jahrh. 
(Sammlung d. Forsten Obojenskij). Aus dem Moskauer Haupt- 
archiv d. Ministeriums d. Äußern. St. Petersburg 1886. Fol. 
240 Seiten mit 48 Illustrationen in Farben. Beigefügt sind 
4 Darstellungen aus dem Manuscript im Besitze des Fürsten 
Wjäsemskij. Nicht im Handel. 90.— 

Das Werk des unternehmenden Kaufmanns Kosma Indikoploff ist 
in der griechischen Originalhandschrift bekannt unter der Bezeichnung: 
„Christliche Monographie'^ Es wurde verfaßt in Alexandria in der ersten 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Der Verfasser hat Ägypten, Abessinien 
und Italien aus eigener Anschauung beschrieben und das damalige Wissen 
von Ceylon und China überliefert. Seinen Beinamen Indikoploff, d. i. 
Indienfahrer, verdankt er seinen wertvollen und verlässlichen Nachrichten 
über Indien. In seinen späteren Lebensjahren wurde er Mönch. 

Sein Buch war im Mittelalter, vom XVI. Jahrhundert an, besonders 
in Russland stark verbreitet, wie aus den vielen Manuscripten der Ober- 
setzung erhellt. Die vorliegende Reproduktion der kirchenslavischen 
Obersetzung ist nicht nur wichtig als Denkmal altrussischer Literatur 
und Weltanschauung, sondern ergänzt und erklärt auch eine Anzahl von 
Stellen im griechischen Original, welches Monfaucon im Jahre 1706 
herausgegeben hat. 

344 Kokowzoff, R, Noch ein handschr. Fragment des Jerusalemer 
Talmud, 13 pag. u. 2 facsim. Handschriften -Tafeln. St Petersb. 
1898. S. A. (Russisch). 2.50 

345 Kraus, F. X., die Miniaturen des Codex Egberti (X. Jahrh.) in 
d. Stadtbibliothek zu Trier. M. 60 Facs.-Taf. in unveränder- 
lichem Lichtdruck. 4. Freiburg 1884. (36 M.) 26.— 

Ein sehr wichtiger Beitrag zur Sonographie des Mittelalters. 

346 Leben de« Pedor-Jedessky. Facsimile-Reproduktion einer 
Handschrift des XVI. Jahrhunderts. Mit 175 Miniaturen, aus- 

fefOhrt in den Farben der Originale (21 darunter schwarz). 4. 
t Petersburg 1879—85. 323 S. Russisch. 65.— 

Nicht im Handel. 

347 Leben des hoch würdigen Niphon. Facsimile- Wiedergabe 
der Handschrift Mit 167 Miniaturen in den Farben der Origi- 
nale. 4. St Petersburg 1879—85. 320 S. Russisch. 55.— 

Nicht im Handel. 

Karl W* Hiencmaan in lMpti%f Königfsstrasse 3« Katalog 330« 



188 Facsimäe'Reprodaktionm von Handsehr^Un. 

348 Leben und Erlebnisse der sehr gläubigen Oroßfflrstin JefrcH 
sinija Susdalskaja, geschrieben von dem Mönch Origorij. Mit 
58 Miniaturen, facsimiliert in den Farben des Originals auf 
photolithogr. Wege. 4. St Petersburg 1888. Original-Carton. 
148 pp. 90.— 

Die GroBfurstin Jefrosinija war die Tochter des Tschernigoffsdien 
Oroßfürsten Michael; die Entstehungr der Schrift fällt in das XIV.— XV. 
hundert Der Text des Manuscriptes war von jeher geschätzt wegen 
der charakteristischen, scharf umrissenen Sprache, in der hier die ältes- 
ten Legenden behandelt sind. Noch wichtiger sind die Miniaturen, zumal 
da, wo historische Episoden in den Vordergrund treten, wie der Oberfall 
von Batij, als Dokumente der damaligen Lebensanschauung und Lebens- 
weise, der Kriegsrüstungen, Trachten, Baukunst und des Hausrathes. 
Der Druck ist nicht im Handel. 

349 Leben unseres hochwQrdigen und gotterieuchteten Vaters Sergij 
Radoneschsidj, des Wunderthäters von ganz Russland. 2 unbez. 
Bl. u. 378 foliierte lithographierte Blätter mit 1 ganzseitigen und 
652 halbseitigen Miniaturen in Lithographie, prächtig mit der 
Hand koloriert 4. Moskau, Lithographie des Troizko-Sergiew- 
schen Klosters 1853. In gleichzeitigem Kalblederband mit reicher 
Ooldpressung und Silberpressung auf der Rückseite mit Krampen; 
gepunzter Goldschnitt 480.— 

Vorliegendes Werk ist eine Facsimile-Reproduktion des hn 
Trojzko-Sergiew'schen Kloster erwähnten Manuscriptes. Das Leben 
des hochwürdigen Sergej Radoneschsky, Gründer des Klosters, verfaßt 
von seinem Schüler Seigij Epiphanij und ergänzt von Bachomij Serbij. 
Die Wasserzeichen im Papier weisen darauf hin, daß das Ms. von Ende 
des XVI. Jahrhunderts datiert 

350 Legende von dem Tichwinschen Heiligenbild der Muttergottes. 
Photolithograph. Wiedergabe eines Teiles der Handschrift aus 
dem XVIII. Jahrhundert. Mit 45 nahezu blattgroßen Miniaturen 
in den Farben des Originals. Folio. St Petersburg 1892. 
109 Seiten. Russisch. 35. — 

Nicht im Handel. 

351 Liederhandschrift, die Jenaer. Facsimile-Ausgabe in Licht- 
V druck (Phototypie). 133 Blätter nebst beschreib. Text von K. 

K. Müller. Or. Fol. Jena 1896. In Mappe. (200 M.) 150.— 
Dies Werk, die Reproduktion einer prächtigen, im Beginn des XIV. 
Jahrhunderts geschriebenen Pergamenthandschrift, enthält eine vorzüg- 
liche Sammlung deutscher Lieder des Mittelalters, nebst den gleichzeitig 
beigeschriebenen Singweisen. Dasselbe wurde nur in wenig mehr als 
100 Exemplaren hergestellt, von denen nur 50 in den Handel kamen. 

352 Lives of Mabä Seyön and Oabra Krestös. Ethiopic texts 
with English translation and a chapter on the illustrations of 
Ethiopic mss. ed. by E. A. Wallis Budge. With 92 coloured 

Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330* 



Facamäe-Reprodukäonen von Handsthriftmu 189 

glates (chromolithogr.) and 33 illustrations. Or. 4. London 1898. 
»rauner Maroqub. mit Blindpressung. LXXXIII S., 144 u. 65 
Blatt 160.— 

Lady Meux' Manuscript No. 1. Seltener Privatdruck, nur 
in 300 numerierten Exemplaren hergestellt, in vornehmer Aus- 
stattung auf starkem Velinpapier, einseitig bedruckt, außer den 33 Text- 
illustrationen mit 92 prachtvollen Chromolithographien geschmückt 

Der Herausgeber hält — wie er in der Vorrede sagt — die Hand- 
. Schrift für eine im XVI. oder Anfang des XVU. Jahrh. angefertigte 
Obersetzung aus dem Koptischen oder wahrscheinlicher noch Arabischen, 
die Malereien scheinen dem XVII. Jahrh. anzugehören und sind auf 
eine Beeinflussung durch spanische, ital. und bvzant Künstler zurück- 
zuführen. 

353 Livre du tr^s chevalereux Comte d'Artois et de sa femme 
fille au Comte de Boulogne. Publik d'apr^s les manuscrits et 
pour la premi^re fois (avec une introduction par J. Barrois). 
Avec 28 planches (dont une a le titre en types dorls) grav^es 
d'apr^s les miniatures du beau manuscrit de ce roman. Paris 
1837. Blau Hmaroq. 40.— 

In gotischen Typen z. TL rot u. schwarz gedruckt Nur in geringer 
Anzahl veröffentlicht 

354 Longnon, A., documents paris. sur l'iconogr. de S. Louis, publ. 
d'apr^s un ms. de Peirese cons. ä la bibl. de Carpentras. Av. 
13 pl. photolith. Paris 1882. 68 pp. (TVa frs.) 5.— 

355 Mane88e-Hand8chrift. Minnesänger a d. Zeit d. Hohen- 
staufen. Im XIV. Jahrh. gesammelt von Rudger Manesse von 
Maneck. Facsimile der Pariser Hs. von B. C Mathieu. Mit 
histor. Einleitung v. F. H. von der Hagen. Paris 1850. Fol. 
Leinwdbd. 48.— 

356 Miniatures du Psautier de S. Louis. Ms. lat 76 A de la 
Bibliothfeque de TUniversit^ de Leyde. Edition phototyp. 25 
illustr. sur 13 planches avec texte explic par H. Omont. 4. 
Uyde 1902, 16.— 

357 Miracle« de Notre Dame. Tome I: reprod. des 59 miniat. 
du manuscr. franc. 9198; tome II: reprod. des 73 miniat. du 
manuscr. franc 9199 de la bibl. nationale. 2 vols. 59 et 73 pl. 
avec 13 et 15 pp. de texte. Paris s. d. (1906). In Lwdmappen. 

358 Missal Pontifical de Estevam Oon^alves Netto. Propi£t6 de 
l'Acad^mie Royale des Sciences de Lisbonne. Reproduit en 
Chromolithographie et pr6c6d6 d'une notice sur Tomemen- 
tation des Ms. portugais avec mention d'un po£me fran^ais 
MS.y rappelant la ffite br^silienne qui eut Heu ä Ronen en 1550 

Karl W. Hiersemafm in Leipzig:» Königfsstrasse 3* Katalog 330. 



190 Faesimüe'Rqfroduktionm von Handsduifletu 

par Mr. Denis. In-folio. Paris 1879. Magnifique reliure demi- 
tnaroquin aux armes et ä petits fers en or et en couleur. 
Trancne dor6e. 250. — 

La reproduction du Missel comprend dans onze planches de miniatures 
en Chromolithographie tout ce qu'il y a de plus riche; absolument 
fid^le ä Toriginal suivant le certificat du Biblioth^caire de TAcad^mie de 
Lisbonne; de plus les 76 pages du Codex, ^galement en riche Chromolitho- 
graphie et contenant des miniatures, lettres-initiales facsimile bordures etc. 

M^me l'introduction fran^aise de 96 pages est encadr^e en or et en 
couleur et imprim^e sur papier tint^. Une charmant frontispice en Chromo- 
lithographie rehauss^e d'or initie la süperbe publication, devenue assez rare. 

359 Nikolai des Wunderthater's Leben. Facsimile - Reproduktion 
einer Handschrift des XVI. Jahrhunderts. Mit über 400 Minia- 
turen, von denen 15 hier völlig originalgetreu in Oold, Silber 
und Farben wiedergegeben sind. 241 Blatt Folio. St. Peters- 
burg 1882. In rotem Schaflederband mit russischer Silberpressung 
überiaden. Mit Krampen. (Ladenpreis 150 Rubel = ca. 330 M.) 

190.— 
Das Manuscript stammt aus der Zeit des Zaren Johann IV. und ist 
der prächtigen Ausführung nach zu schließen, wohl auf Befehl des 
Zaren ausgeführt. 

Den Miniaturen ist eine hohe Bedeutung zuzuerkennen, was Origi- 
nalität, Kühnheit, Mannigfaltigkeit und Treue der Darstellungen anlangt. 

360 Offenbarung Abraham«. Photolithographische Wiedergabe 
einer byzantinisch-russischen Handschrift des XIII. bis XIV. Jahr- 
hunderts. Mit 6 großen Miniaturen in Oold und Farben. Folio. 
St Petersburg 1891. 44 S. Russisch. 25.— 

361 PieraUsi, Sante. II preconio pasquale conforme all' insigne 
frammento del codice barberiniano. — Dell' autore del piü 
antico preconio pasquale. Due dissert. Con 5 taw. In -4. 
Roma 1883. 8.— 

362 Pmdentius. — Stettiner, R., die illustrierten Prudentius-Hand- 
schriften. Tafelband: 695 Handschriftenseiten auf 200 Tafeln. 
4. Bertin 1905. Cartoniert. 75.— 

Der Textbd. erscheint im Herbst 1906. 

363 A Psalter and Hours executed before 1270 for a lady connected 
with St. Louis, probably his sister, Isabelle of France, founder 
of the Abbey of Longchamp, now in the collection of Henry 
Yates Thompson. Described by S. C Cockerell in rdation to 
the companion psalter of St. Louis in Paris. W. 25 photo- 
gravures of all the miniatures by E. Walker. Obl sm. folio. 
London 1905. Boards, leather back. netto 68.— 

Karl W« Hiersemann in Leipzig:, Königfsstrasse 3. Katalog: 330* 



FacsMle-Reprodaktionm von HandsthHftau 191 

364 Psautier de Saint Louia. Reproduction des 86 tniniatures 
du manuscrit latin 10526 de la Biblioth^que Nationale. 92 
planches avec introd. et notices p. H. Omont Kl. 4. Paris s. 
d. Portef. Nicht im Handel. 10.— 

365 Ren^ (d'Anjou). Les Tournois du Roi Ren£, d'apr^s le manu- 
scrit et les dessins originaux de la Biblioth^ue Royale^ publi^s 
p. Champollion-Figeac pour le texte et les notes explic, et L 
J. J. Dubois pour les planches colori^es. Av. 1 frontispice et 
20 grandes planches color. ä la main, repr^s. les portraits du 
roi et de la reine, les tournois, et des d^tails d'armure et de 
costume. Imp.-fol. Paris 1826. Sehr selten. Ewas papierfleckig. 
Hldr. 340.— 

Die Tafeln zeichnen sich durch prachtvolles Handkolorit aus und 
liefern einen vorzüglichen Beitrag sowie zur Kulturgeschichte des Mittel- 
alters, als auch zur Kenntnis der Kostüme, Waffen und Rüstungen. 
Exemplare, in denen sämtliche Tafeln koloriert sind, kommen nur ganz 
selten vor. 

366 Sachsenspiegel. — Die Dresdner Bilderhandschrift des 
Sachsenspiegels. Herausgegeben von Kari von Amira. Bd. I: 
Facsimile der Handschrift in 184 Lichtdrucktafeln nebst 6 Tafeln 
in Farbendruck und Ergänzungstafeln in Autotypie, sowie einer 
Einleitung vom Herausgeber. Or.-Folio (48X36 cm). 2 Hälften. 
In 2 Leinwandmappen. Verlag von Kart W. Hiersemann in 
Leipzig, 1902—03. 180.— 

Mit der soeben ausgegebenen 2. Hälfte ist das Facsimile der Hand- 
schrift abgeschlossen. 

Von hohem Wert für die Kunstgeschichte, Trachten- und Waffen- 
kunde, da es kaum einen Gegenstand gibt, der nicht hier in den Illus- 
trationen zur Darstellung gelangte. 

Mit besonderer, ja übertriebener Sorgfalt sind die Körperbewegungen, 
vor allem die Handbewegungen und Gebärden dargestellt, da diese 
typisch, dem Sinne jedes Rechtssatzes angepaßt sind, so daß für den 
Kundigen aus diesen Gesten der ungefähre Inhalt des illustrierten Textes 
erhellt. 

«r Eine Preiserhöhung wird noch in diesem Jahre eintreten. 

367 Strzyrowski, J., die Miniaturen des serbischen Psalters der 
Kgl. Hof- u. Staatsbibl. München. Nach e. Belgrader Kopie 
ergänzt u. im Zusammenh. m. d. syrischen Bilderredaktion des 
Psalters untersucht. Mit e. Einleitg. v. V. Jagic. Mit 1 Taf. in 
Farben-, 61 Taf. in Lichtdruck u. 43 Textabb. 4. Wien 1906. 
LXXXVII, 139 S. 42.— 

368 Tolkowaja Palea 1477. (Erklärung des alten Testaments). 
Photolithographische Wiedergabe des Manuscriptes aus dem 

{ahre 1477, mit 28 Miniaturen in den Farben des Originals. 
Jand I (soweit erschienen). 4. St. Petersburg 1892. 302 Bl. 
Russisch. 60. — 

Nicht im Handel. 

Karl W. Hiersemann in Leipzig:» Köni^fsstrasse 3. Katalog 330* 



192 Faetimäe'Reprodttkiionm von Handsdirtßm. 

369 Der Totentanz. Blockbuch von etwa 1465. 27 Darstellungen 
in photolithographischer Nachbildung nach dem einzigen Exem- 

glar im Codex Palat germ. 438 der Heidelberger Universitäts- 
ibliothek mit einer Einleitung von W. L &:hreiber. Or.-4. 
(4 Seiten Text). Lpzg. Karl W. Hiersemann. 1900. Oebd. in 
eleg. Lederbd. Nur in 100 numerierten Exemplaren hergestellt 

60.— 

Die von der Reichsdnickerei in Berlin hergestellte vorzflgliche Repro- 
duktion bildet gewissermaßen eine Ergänzung zu den Publikationen der 
Internationalen Chalkographischen Gesellschaft, es soll durch dieselbe 
Bibliotheken und Sammlern ein geringer Ersatz für das nur den wenig- 
sten Forschem und Liebhabern zugängliche, einzig existierende Exem- 
plar der Universitäts-Bibliothek in HeidellK^, welches in allen hoch- 
wissenschaftlichen .Werken besprochen wird, geboten werden. 

Die dankenswerte Anregung zur Reproduktion gab Herr Oeheimrat 
Lippmann in Berlin und der derzeitige beste Kenner der Blockbücher, 
Herr W. L. Schreiber, unterzog sich der Mühe, eine einleitende Erläu- 
terung dazu zu schreiben, in der er seine Mutmaßungen über Zeit und 
Ort der Entstehung niederlegt, die ursprüngliche Anordnung der Blätter 
feststellt und Vergleiche mit anderen Totentänzen gibt 

370 Webb, J., translation of a French metrical history of the depo- 
sition of King Richard the Second, written by a contem- 
porary, and comprisins; the period from his last expedition into 
Ireland to his death; from a Ms. formeriy belonging to Charles 
of AnjoUy Earl of Maine and Mortain; but now preserved in the 
British Museum; accompanied by prefatury observations, notes, 
and an appendix; with a copy of the original W. 16 en- 
graved plates (facs. of miniatures). 4. London 1823. A. 442 pp. 

26.— 

371 Wolf skron, A. v., die Bilder der Hedwigslegende nach einer 
Handschrift vom Jahre 1353. Mit e. Auszuge d. Originaltextes 
und histor.-archäolog. Anmerkungen. Mit 62 kolor. Bildern auf 
32 Tafeln. Folio. Wien 1845. Hlwd< Unbeschnitten. Selten. 75.— 

Nur in 200 Exemplaren hergestellt Die farbenreichen Miniaturen 
sind in Facs. hergesteUt 



Karl W* Hiefsemann in Leipzigs Kfinigsstrasse 3« Katalog 330. 



HMdsdtriflenkmuU. Sdvdblumsi, HandschF^imfenäduussB. 193 

Handschriftenkunde (Palaeographie). 
Schreibkimst. HandschiiftenverzeichniMe. 

(Siehe auch oben F€U^.-Be^rodukUonen.) 

372 D'Abbadie. — Catalogue rais. de manuscrits Äthiopiens apparte- 
nant ä A. d'Abbadie. 4. Paris 1859. Rare. 15.— 

373 Album, chromotypogr. Sammlung der schönsten Miniaturen 
d. Mittelalters a. d. XIV. u. XV. Jahrh. (Lott'sche Sammlung). 80 
BIL in Chromo. Or. 8. (Wien 1870). Halbmaroquinbd. 33.— 

374 Album palöographique, ou recueil de documents importants 
relatifs ä l'histoire et ä la litt^rature nationales reprod. en 
h^liogr. d'aprte les originaux des biblioth^ues et des archives 
de la France, avec des notices explicatives par la Soci6t6 de 
l'Ecole des chartes. Avec 50 planches. Fol. Paris 1887. In 
Lwd.-Carton. (150 fr.) 100.— 

Wurde in nur 3S0 num. Exemplaren gedruckt; vorlieg, ist No. 241. 

375 Archivio paleografico italiano diretto da E. Monad. Fase 17 
u. 18. Or. Fol. Roma 1900. 36.— 

376 Arnold, Sammlung von Initialen aus Werken vom XI.— XVII. 
Jahrti. 2. Aufl. 1. Bd. 5 Hefte. Mit 30 Farbdrucktaf. 4. Lpz. 
1889. Nicht mehr erschienen. (15 M.) 6.— 

377 Arundel-Societj. — An aiphabet of capital letters selected 
from the illuminations of Ital. Choral books of th 15th a. löth 
centuries. 23 pl. engr. in outline, 1 letter (F) printed in co- 
lours. Fol. 1862. In Lwdmppe. Vergriffen. 60.— 

378 Bastard» le Comte Auguste de, Pdntures et omements des 
manuscrits. S^rie de planches in^dites, ex^cut^es en litho- 
graphie de Texemplaire des peintures etc, que l'auteur avait 
arrang^ pour son fils. 11 planches lithogr. Imper. -Fol. 
Paris 18 . . 280.— 

Verzeichnis der 11 planches: 

Tome X, 3. Manuscrits allemands. Missel de Worms. Jesus 
Christ implor^ par la Vierge. Lettres histori6es. 

Tome XI: Manuscrits allemands: Aus Hortus deliciarum: Cr£- 
ation des anges. Rebellion de Ludfer. Myst^re de la R^demption. 
Prise de L^viathan. L'Eglise chretienne. UEnfer. Le sein d' Ab- 
raham. 

De la Librairie du Duc de Berry: Merveilles du Monde: planches 
11—12: Grand capitales toumeures. 

Karl W. Hiersemaiin in Lcipti& Köoigsstrasse 3* Katalog 330l 

13 



•> 



194 Handsdiriflenktinde. SehrdbkunsL Handsdir^tmyentädmisse. 

379 Biblioth&que de l'6cole des chartes. Revue d'6rudition con- 
sacr^e sp^alement ä l'^tude du moyen-äge. Tomes 1—11, 
13, 19, 23, 25, 31, 34, 37, 40—42, 44-52. Avec planches. 
Paris 1839—92. üBd. 6, 9—11 Hfz. u. Hlwd., 15 Bde. Hkalbidr 
Rest brosch. (465 fr.) 250.— 

Die 15 Halbkalbldrbde. haben sauberen Dublettenstempel auf der 
Rückseite des Titels. 

380 Birch, W. de Gray, the histoiy, art and palaeography of the 
manuscript styled the Utrecht Psalter. With 3 plates. London 
1876. Cloth. (12 sh.) 7.50 

381 Beim. — Catalogue of the collection of pictures, miniatures, 
emanels and other objects of art, formed by H. O. Bohn. 
Auction 19. III. 1885. 165 pp. London 1885. Mit Preisen. &— 

382 Bocke of Christinas Cards. Illuminated from ancient 
Manuscripts in the Brit Mus. 4. London, H. O. Bohn, n. d. 
(ca. 1840). Rot Maroquinbd. mit Blindpressung. 30.— 

Selected and arranged by Jos. Candall; drawn and lithographed by 
J. Brandard; printed in colours by M. a. N. Hanhart; printed with type 
by Ch. Whittingham. — Bordüren und Miniaturmalereien sind 
Copien aus verschied. Ms. des Brit Mus. 

383 Bradiej, J. W., dictionary of miniaturists, illuminators, calli- 
graphers and copyists, with reference to their works, and 
notices of their patrons from the establishment of Christianity 
to the 18th Century. 3 vols. London 1887—89. Hfz. Ver- 
griffen. 85.— 

Schönes Exemplar. 

384 Buslajeff, F., Sammlung von Darstellungen aus illustrierten 
Apokalypsen, nach russischen Handschriften des XVI. bis XIX. 

{ahrh. Textband, 4. XIV., 835 Seiten, russisch, gebunden und 
-olio-Atlas von 285 Tafeln, wovon 23 in Oold und Fari3en 
ausgeführt sind. Moskau 1884. Atlas in Mappe. Nicht im 
Handel. 220.— 

385 II Canxoniere Provenzale della Riccardiana No. 290Q. Ediz. 
diplom. preceduta da un' introduz. p. Oiulio Bertoni. C. 2 tav. 
facs. Dresden 1905. XXIV, 234 p. 14.— 

Gesellschaft für Romanische Literatur, Band 8. 

386 Catalogus codicum astrologorum graecorum. Vols IV. Co- 
dices Italic! praeter Florentinos, Venetos, Mediol., Roman. Des- 
cripserunt Bassi, Cumont etc Brux. 1903. (10 fr.) 7.— 

387 Catalogus codicum manu scriptorum qui in Bibliotheca 
Monasterii Einsidlensis O. S. B. servantur. Descr. P. Oabr. 
Meier O. S. B. Tomus I. Compl. centur. quinque prior. Ein- 
sidlae et Lipsiae 1899. XXIV, 422 pag. 20.— 

Karl W. Hiefsemann in Leipzigs Kfinigsstrasse 3* Katalog 330* 



Handsduiftenkunde, Schmbkansi, HandschriftenvendduUsse. 195 

388 ChampoUion, M. A., Pal^ographie des classiques latins d'apris 
les plus beaux manuscrits de la Biblioth^ue Royale de Paris. 
Recueil de Fac-Simile, 12 planches avec notes historiques. 
Fol. Paris 1839. Ppbd. 32.— 

389 Chwolson, D., Corpus inscriptionum hebraicarum, enth. Grab- 
schriften aus der Krim u. andere Orabschriften in alter hebr. 
Quadratschrifty nebst Schriftproben a. Handschr. des IX.— XV. 
Jahrh. Mit 7 Tafeln. Fol. St. Petersbg. 1882. 15.— 

390 Daiize, P., Index bibliographique. Repertoire des ventes pu- 
bliques catalogu^es. Vol. 1 — 5 (compren. lanvier 1894 au 30. 
Sept 1898). 4. Paris 1895—1901. (180 frcs.) 120.— 

391 Daj, L, alte und neue Alphabete. Ober 180 vollständige Al- 
phabete, 23 Folgen von Ziffern und zahlreiche Nachbildungen 
alter Daten usw. Für den praktischen Gebrauch, nebst einer 
Einführung über „Die Kunst im Alphabete Autorisierte 
deutsche Bearbeitung. 2. verb. u. verm. Aufl. In elegantem 
Leinwandband. Leipzig 1906. 5.— 

392 Delisle» L, Deux manuscrits de Tabbaye de Flavigny au X. 
sifecle. Avec 3 planches. 4. Dijon 1887. Lwbd. 9.— 

Extr. des M^moires de la Com. des Antiqu. de la C6te d'Or. 

393 Delisle, L, Facsimile de livres copi6s et enlumin^s pour le 
roi Charies V. Avec 14 planches. 4. (Paris) 1903. 22.— 

Nicht im Handel. 20 S. u. 14 Facsimile-Tafeln; letztere bringen Re- 
produktionen aus Miniaturhandschriften, welche im Auftrage Karls V. 
hergestellt wurden. 

394 Denkmäler, Teutsche. Hrsg. u. erklärt von Batt, v. Babo, Eiten- 
benz, Mone u. Weber. 1. (einzige) Lief. Enthält die Bilder 
zum Sächsischen Land- u. Lehnrecht Mit 35 (doppelseitig 
gedr.) Tat, wovon 1 kolor. Fol. Heidelberg 1820. 10.— 

Die Tafeln reproduzieren die Miniaturen der Heidelberger u. Dres- 
dener Handschrift des Sachsenspiegels, deren erste dem frühen XI H. 
Jahrh. angehört. Auf der Farbentafel Vertreter von 24 Standen nach 
den Miniaturen. 

395 Brler, O. Die Matrikel der Universität Leipzig, hrsg. im Auf- 
trag d. k. Sachs. Staatsregierung. Bd. I u. II mit 9 Tafeln in 
reichen Oold- u. Farbendruck. 4. Leipzig 1895 — 97. Lwd. m.O. 
(90 M. brosch.) 70.— 

Bd. I Die Immatrikulationen von 1409—1559 mit 8 Tafeln. — Bd. II 
[>ie Promotionen 1409—1559 m. 1 Taf. Die Farbentafehi geben eine 
getreue Wiedergabe der Ausschmückung der Handschriften durch die 
künstlerischen Miniaturen. 

Karl W. Hiersemann fn Leipzigs Kfinigsstrasse 3. Katalog 330* 



106 Handsdtr^tmkttnde. SihnibkunsL Handsdtr^lmvinäduusse. 

396 Plflgel, O.» die arabischen, persischen u. türkischen Hand- 
schriften der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 3 Bde. 4. Wien 
1865—67. (56 M.) 12.— 

397 Pugger, W., Bürger zu Nürnberg. Ein nutzlich vnd wolgegrundt 
Formular / Manncheriey schöner schriefften / etc Nürnberg, 
Katharina Dieterichin in verl^. Wolffg. Starck, 1553. 104 n. 
gez. Bll. Quer-4. Prgt-Mscrptb. 140.— 

Ebert 7999. Seltenes u. sehr schönes Schreibbuch m. Vorlagen in 
4 Sprachen, deutsch, lat, griech. u. hebräisch. Schönes Exemplar. Einige 
BU. m. Tusche laviert 

398 Gebhardt, O. v. The miniatures of the Ashbumham Penta- 
teuch. W. 20 plates. Lond. 1883. FoL Halbleinwd.-Mappe. 100.— 

399 Gebhardt, O. v., Chr. Fr. Matthaei u. seine Sammlung grie- 
chischer Handschriften. Beitrag z. Geschichte d. Mosloluer 
Bibliotheken. Leipzig 1898. 110 S. 3.— 

S.-A. aus „Centralblatt f. Bibliothekswe8en'^ 

400 Gesen, A., Skizzen und Bemerkungen aus der Philologie, Ge- 
schichte und Philosophie, I. Teil: Geschichte der slawischen 
Übersetzung der Symbole des Glaubens. Kritisch palaeographische 
Bemerkungen. Mit 4 Tafeln (1 davon in Gold und Farben). 
St Petersburg 1884. 12.— 

401 Ginsburg, C D., The Massorah compiled from manuscripts 
alphabetically and lexically arranged. 3 vols. Gr. Fol. London 
1880—85. Gart. netto 190.— 

402 Gotic Alphabets. (39 plates). The texi by Jaro Springer. 
Lge.-4. London, Int. Chalc Soc, 1897. Boards. 40.— 

403 Grauxy Gh., Essai sur les origines du fonds grec de l'Escurial. 
Gr. 8. Paris 1880. Br. 10.— 

404 Hamilton Palace Libraries. — Catalogue of the Hamilton 
Palace Libraries. (Beckford-Library, 4 parts, and Hamilton- 
Library, 1 vol.) = 5 parts. London 1882—84. With the price- 
lists of the 1. and 2. part (29'/, M.) 15.— 

405 Hoffmann von Pallersleben. Verzeichnis der altdtschn. 
Handschriften der k k Hofbibliothek zu Wien. Lpz. 1841. 
Hlwd. Mit Papier durchschossen. (9 M.) 5.50 

406 Karabacek, J., Mitteilungen aus d. Sammlung d. Papyrus Erz- 
herzog Rainer. 1.— 6.Bd. Wien 1886—1897. 4. (120 M.) 90.— 

407 Kershaw, S. W., Art treasures of the Lambeth Library a 
descript of the illumin. mss. etc With 8 pl. Lond. 1873. 
Cloth. (14 sh.) VL— 

Karl W. Hiersemann in Leipzigs Kfinigsstrasse 3« Katalog 330. 



Handsduiflenkunde, SchrdbkunsL Handschriflenvenäehnisse. 197 

408 Knlrowjedjenie. Monatliche illustrierte bibliographische Zdt- 
schnn. Organ der Moskauer Bibliographischen Runde. I. u. 
11. Jahrgang 1894, 1895 ä 12 Hefte. Moskau. Russisch; pro 
Jahrgang 24.— 

409 Kondakoff, N. P. Zoomorph. Initialen griech. und glagolit 
Handschriften des X. u. XL Jahrh. in der Bibliothek des Sinai- 
Klosters. 8 chromolithogr. Tafeln u. VIII pag. Text St Peters- 
burg 1903. (In russischer Sprache). 5.50 

410 Kopp, M. F., Bilder u. Schriften der Urzeit 2 Bde. m. vielen 
schwarzen u. kolor. Abbildgn. Mannh.1819 — 21. Pp. Unbeschn. 
(37Vs M.) 18.— 

Schönes Exemplar. 

411 Le Roux de Lincv et L M. Tisserand, Paris et ses histo- 
riens aux XlVe et XVe siteles, documents et Berits originaux. 
Avec 38 planches hors texte dont 13 en or et en couleur et 50 
gravures dans le texte. 4. Paris 1867. Cart (100 fr.) 65.— 

Von den farbigen Tafeln sind 10 prächtig in Oold u. Farben 
ausgeführte Facsimiles von Miniaturen aus alten Manuscrip- 
ten. 

Auf Seite 265—81: Le dit des trois morts et des trois vifs, sculpt^ 
au portail de T^glise des Saints Innocents avec 2 grav. s. bois. — Auf 
Seite 283—317: La Danse macabre peinte sur les murailles des 
Charniers. Reproduction des ^itions princeps de Ouyot Marchant (1485 
—1486). Texte et plunches (24 sujets). 

412 Lichatscheff, N. P., die Paläographische Bedeutung der Papier- 
Wasserzeichen (Filigrane). Bd. I: CCXll+510 pag. nebst 17 
autotyp. Tafeln u. 1 Tabelle. Band II: 424 + 248 pac;. Band III: 
enth. 1 Atlas von 4258 Wasser-Zeichen auf 635 lithogr. Tafeln, 
sowie 1 Beilage von 4 Foliotafeln in Zinkographie. Die 3 Bände 
in lex. 8^, Beilage foL In russischer Sprache. St Petersburg 1899. 

160.- 
Der durch seine früheren paläogr. Arbeiten bereits bekannte Autor 

bietet hier unter Zugrundelegung eines gewaltigen Quellen-Materials, 

zu dem ihm außer den russ. viele in- und ausl. Bibliotheken-Archive 

Stoff geliefert haben, zum ersten Male eine erschöpfende Geschichte 

der Papier-Wasserzeichen, sog. Filigrane. 

[>ie übersichtl. Anordnung des Stoffes, die Beigabe von Sach- u. 

chronolog. Registern, sowie die vielen tausend Abbildungen geben ein 

anschauliches Bild der Filigrane von 1293—1832. 

[>ie vorliegende Monographie ist eine grundlegende Arbeit auf diesem 

Spezialgebiete. 

413 Lichatscheff, N., Brief des Papstes Pius V. an den Zaren 
Iwan den Grausamen in Verbindung mit der Frage Ober die 
päpstl. Breviere. Mit zahlreichen Textillustr. u. 23 Tafeln. St 
Petersburg 1906. 175 pag. (In russischer Sprache.) 16^0 

In sehr geringer Auflage gedruckt, nicht im Handel. 

Karl W« Hkrsemann In Ldp^t KAnlgsstrasse 3« Katalog 330» 



1 98 Handsdiriftenkunde. SchreibkunsL Handsdir^tenvemidmisse. 

414 Manuscripts of England. Facsimiles of National Manuscripts 
from William the Conqueror to Queen Anne, photozincographed 
by Sir Henry James. 338 facsimiles of all kinds of Documents, 
State Papers, Royal Letters, Reports, Despatches etc. with trans- 
lations. 4 vols., sm.-folio. Southampton 1865—68. Cloth. 90.— 

415 National Manuscripts of Scotland. Facsimiles. Selected under 
the direction of Sir William Oibson Craig, photozincographed 
by Sir Henry James. 272 facsimiles of Documents ranging from 
the tenth to the seventeenth Century. 3 vols. Folio. The title 
pages with coloured reproductions of a Miniature. Southampton 
1867—71. Half morocco, cloth sides, top gilt 280.— 

416 Materialien zur Geschichte der Schrift der Orientalen, Griechen, 
Römer und Slawen. Zum hundertjährigen Jubiläum der Mos- 
kauer Universität, herausg^eben von den Professoren Petroff, 
Klien, Menschikoff u. Buslajeff. Mit 32 Tafeln, Facsimilia alter 
Handschriften, mit Ornamenten, Initialen, Kopfleisten und 
Miniaturen mit Photolithographie in Gold und Farben ausgeführt; 
femer schriftvergleichende Tabellen. Folio. Moskau 1855. 70. — 

Inhalt: Lithogr. Titel in Gold und Farben. — 22 photolithogr. Tafeln 
in Oold und Farben, zur Illustration der Geschichte der slawischen Schrift 
aus 15 Manuscripten zusammengetragen. — Vorrede. — Petroff, P., über 
die wichtigsten Alphabete der Orientalen, ihre Erfindung und Formum- 
de literis earumque usu apud Graecos et Romanos. 47 S. — Loci Grae- 
corum et Romanorum de Uterarum inventione et usu apud utrosque. 19 S. 
— Mit 2 sprachvergleichenden Tabellen. ~ Russische Obersetzung dazu 
von J. Schiwawo. 28, 32 SS. — Theophilakt, Leben des heiligen Klement, 
Erzbischof von Bulgarien. 30 S. ~ Buslajeff, F., palaiographische und 
philologische Materialien zur Geschichte der slawischen Schrift, aus 15 
Manuscripten zusammengetragen, mit 22 photolithogr. Tafeln in Gold 
und Farben. 58 S. 

417 Miniaturen. Sammlung von 35 Photographien nach den vor- 
zflglichsten Miniaturen des Mittelalters. Auf 35 Cartons in 4. 

M^ 

418 Moritz, B., Arabic Palaeography. A collection of Arabic texts 
from the first Century of the Hidjra tili the year 1000. 188 
phototype plates, with descr. text. Large folio. Leipzig, Karl 
W. Hiersemann, 1906. Portfolio; accurate Imitation of an old 
Koran binding. 145. — 

Der Zweck des Werkes ist, die Entwickelung der arabischen Schrift 
und zwar hauptsächlich der Buchschrift nach dem auf der vizeköniglichen 
Bibliothek in Kairo vorhandenen reichen Material darzustellen. Zwar 
hat es an ähnlichen Arbeiten nicht gefehlt, doch kommen die älteren 
nicht in Betracht, die nicht mehr auf der Höhe sind, da sie über das 
unentbehrlichste Hilfsmittel, das der Photographie, nicht verfügten. 

Karl W. Hiersemann in Leipzigs KAnlgsstrasse 3« Katalog 330. 



Hanäsehriflenkunde. SchrabkunsL Handschriftenvenädmissi. 199 

Die „Palaeographical Sodety^' in London hatte unter Wrights Leitung 
ein großartiges Unternehmen zur Darstellung aller orientalischen Schriften 
geplant, feider blieb es aus Mangel an Interesse sehr bald nach dem 
Anfange stecken; 25 arabische und 7 persische Schrifttafeln sind alles, 
was für die Erforschung der arabischen Schriften herausgekommen ist 
Sodann hat Herr Professor Ahlwardt als Anhang zu seinem Katalog der 
arabischen Handschriften der königlichen Bibliothek in Berlin auf 12 
Tafeln in Quart nicht weniger als 63 arabische Schriften wiedergegeben, 
jedoch wurde dabei die kufische Schrift ganz ausgeschlossen. 

In dem vorliegenden Werk ist der Versuch auf 188 Folio-Tafeln in 
umfangreichster Weise wiederholt Von diesen Tafeln entfallen 47 auf 
die kufische Schrift. Durch Erwerbungen in den letzten Jahren ist die 
Bibliothek zu Kairo in den Besitz mehrerer datierter kufischer Korane 
bezw. Fragmente gekommen, die zur chronologischen Einordnung der 
nichtdatierten beitragen. Die Naschi-Schrift ist auf mehr als 100 Tafeln 
zur Darstellung gelangt, von denen 15 die Schrift der drei ersten Jahr- 
hunderte auf Papyrus, Leder, Pergament, Papier und Stein zeige. Die 
eigentliche Buchsdirif^ umfassend die Zeit von A. H. 350—1000 ist mit 
118 Proben vertreten, unter denen sich 17 Autographen berühmter Autoren 
und 20 maghribinische Handschriften befinden. 

Schließlich sind auf 48 Tafeln eine Reihe von Prachtkoranen aus der 
Mamelukenzeit, den Keimelien der Bibliothek, femer einige persische, 
indische und türkische Korane zur Darstellung gekommen, weniger zu 
palaeographischen Zwecken, als vielmehr ihrer reichen Ornamentik wegen, 
die ein wichtiges Material zur Kunde der muhammedanischen Kunst in 
den verschiedenen Landern des Islam bietet 

Ein Textband aus der Feder von Professor Dr. B. Moritz, Kairo, ist 
in Vorbereitung und wird nach Erscheinen gegen besondere Berechnung 
geliefert. 

Die Mappe, die der Herausgeber für das Werk anfertigen ließ, ist die 
genaue Nachbildung eines alten Koran-Einbandes. 

419 Mu^nier, F^ les manuscrits ä miniatures de la maison de 
Savoie. Le breviaire de Marie de Savoie, Duchesse de Milan, 
les heures des Ducs Louis et Am^^e IX. Av. 5 pl. Moutiers- 
Tarentaise 1894. 6.— 

420 Nikitskij, AI., Forschungen auf dem Gebiete der griechischen 
Inschriften. Mit 3 autotyp. Inschriften. Kopien auf einer Tafel. 
Dorpat 1901. XLVI + 290pag. In russischer Sprache. 8.— 

421 Notices et Extraits des Manuscripts de la Biblioth^ue du Roi 
(plus tard Biblioth^ue Nationale) et autres biblioth^ues publi^s 
par rinstitut de France. Vols. 1—35 in Quarto (avec des planches) 
et avec les 3 atlas in fol. Paris 1787—1897. Zusammen 55 
Bde., von denen 21 in Hfrz., 14 kart u. 20 brosch. (Ober 900 
francs). 485.— 

[>ie zwei Atlanten in Folio tragen folgende Titel: Papyrus grecs du 
Louvre et de la Bibl. Nationale (atlas pour le vol. 18 II) 52 planches. — 

Karl W* Hierscmann in Leipzig, Kftnigsstrasse 3* Katalog 330. 



200 Hoiidschrtflmkunde. SehnibhmsL HandsehiyimHnäekmsae. 

Inscriptioiis sanscrites du Cambodge. 17 planches (pour le vol. 27). — 
Inscriptions sanscrites de Campa et du Cambodge, planches 18—45 
(pour le vol. 27). 

422 Oechelhättser, A. von, die Miniaturen der Universitäts-Biblio- 
thek zu Heidelberg. 2 Teile. M. 34 zum Teil farbigen Tafeln. 
4. Heidelberg 1887—95. (90 M.) 65.— 

Ein dritter Teil ist in Vorbereitung. 

423 Omont, H., catalogues des manuscrits grecs de Fontainebleau 
sous Franqois I. et Henri II. Avec 2 planches, heliogr., gr. 4. 
Paris 1889. 24.— 

Exemplar trägt eigenhändige Widmung des Verfassers an B. Prost 

424 Omont, H., notice du Ms. lat 763 de la Bibl Nat cont plu- 
sieurs anc glossaires grecs et lat prov. de Saint-Maximin de 
Trives. 4. Paris 1903. 1.50 

425 östgOta Laghbok. Ostgotisches Gesetzbuch. 106 Bl. doppel- 
seitig in Lichtdruck^ 1 Bl. gedr. Text Handkoloriertes 
Exemplar. Fol. Stockholm 1899. Hfzbd. 180.— 

Das älteste bis zum heutigen Tage erhaltene Buch schwedischer Lite- 
ratur, das sog. Västgotalagen ist bereits 1889 in Liditdruck -Reproduktion 
und Buchform zugänglich gemacht worden, östgötalagen ist etwa 60 Jahre 
jünger und stammt von 13S0; das Original (in der Konigl. Bibliothek 
zu Stockholm) ist jedenfalls das am schönsten geschriebene Buch der 
Folkunger-Konigszeit 

426 Palaeographical Society. Facsimiles of Manuscripts and 
Inscriptions. Ed. by E. A. Bond, E. M. Thompson, O. F. Warner 
and W. Wright 31 pts., impl. fol. consisting of 565 facsimiles 
a. descript Text, tables of contents, etc., and Oeneral-Index 
to Series I and II. London 1873—1901. Hf. marocco gilt 

1000.- 

First Series, 13 parts, forming 2 vols., 1873—83; second series, 10 parts, 
forming 1 vol., 1884—94; Oriental Series, 8 parts, forming 1 vol., 1875 
bis 83 (=> 4 vols fol.) Oeneral-Index to Series I. II 1901. — Prachtiges 
u. vollständiges Exemplar (zur Oriental Series ist ein Index nicht er- 
schienen). Außer dem rein palaeograph. Interesse auch sehr wichtig 
für Miniaturenkunde, Kunstgeschichte etc. 

„The plates in the above set are arranged not in their numerical order 
of publication, but in accordance with the plan of the Editors, under 
their respective dasses, thus rendering the coUection more convenient 
for reference. The Contents of the series, which is now dosed, are as 
f<^lows: — 

V. I, Oreek: v. II, Oreek and Latin: v. III, Latin, English and Irish: 
V. IV, Latin Cursive: v. V, Oeneral Series: v. VI, Oriental, comprising 
Hebrew, Phcenidan, Samaritan, Syriac, Arabic, Ethioplc, and NonSemitic 

These facsimiles of original texts, etc., 365 in number, cover a period 
of more than two thousand years, from B. C. 600 to A. D. 1500.'^ 

Karl W* Hicrsemann In Ldpxigt Kfloigsstrasse 3« XLatalog 330. 



Haii^behrifienkunde. SehreibkunsL Handschriftmveruichnisse. 201 

427 Palaeographical Society. — Facsimiles of manuscripts and 
inscriptions. Oriental Senes ed, by W. Wright 100 plates. 
Folio. London 1875—83. Lwd. 190.— 

[>ie Tafeln enthalten teilweise auch Miniaturen und sind daher auch 
von hohem Interesse für die Kunstgeschichte. 

428 Palaeojpraphical societj. Facsimiles of ancient manuscripts, 
ed by Bond and Thompson. Part VII. London 1877. 30.— 

429 Palatino, G. B., libro nel quäl s'insegna ä scriuere ogni sorte 
lettera antica et modema di qualunque natione, con le sue re- 
gole, et misure et essempi, et con un breve discorso de le 
cifre. Riueduto nuou. e corr. pel proprio aut., con l'aggivnta 
di XI. tav. belliss. (in fine:) Roma in Campo di Fiore» p. Ant 
Blado, 1548, In 4. Hfz. 63 Bl. 50.— 

Interessantes u. sehr seltenes Schreibvorlagenbuch; mit Ausnahme der 
Vorrede u. einiger Textblätter ganz xylographisch hergestellt Auf dem 
Titel das Portrait des Autors u. am Schluß große Druckermarke. 

Schlußblatt 64, weißes Bl., fehlt; unbedeutend fleckig. 

430 Paleografia artistica di Monte-Cassino, Serie I u. II in 4 Lfgn. 
I: Scrittura gotica corale con 16 tavole. II: Scrittura Longo- 
bardo-Cassinese con 54 tavole. Folio. Montecassino 1876—77. 
(80 fr.) 45.— 

Prächtig kolorierte Tafeln mit Text. -— Es ist noch eine III. Serie 
erschienen: scrittura latina mit 67 Tafeln. 

431 Palermo, Fr.» i manoscritti Palatini di Firenze, ordinati ed es- 
posti. Vol. I. 4. Firenze 1853. Hlwd. 22.50. 

432 Papyrus, the demotic magical of London and Leiden ed. by 
F. L. Oriffith and Herb. Thompson. In 8. With an Atlas of 
33 inscriptions. In Folio. London 1904. Cloth. 21.— 

433 Papyrus Erzherzog Rainer. Führer durch die Ausstellung. 
(Bearb. u. beschr. v. J. Karabacek.) I. Theil (einz.). Mit 
8Taf.u.zahIr.Textabb. 4. Wien 1892. Nicht Im Handel. 6.— 

Zu Ehren des IX. internationalen Orientalischen-Kongresses in London 
als Mscrpt. gedruckt. 

434 Pettisrew, Th. J., Bibliotheca Sussexiana. 2 vols. With Por- 
trait (Prince Aug. Fred, of Sussex) and 19 plates (facsim.) gr. 
in 8. London 1827—39. Kalbleder. (105 sh.) 65.— 

Wertvoller Katalog von ca. 300 Bibelmanuscripten, ca. 400 Bibel- 
ausgaben hebräisch, griech., latein. etc. mit genauer Beschreibung. 

435 Pol de Mont, le Mus6e des Enluminures. (Revue p^riodique 
pour r^tude de l'art m^di^val.) Livraison I. Quelques pr^cur- 
seurs des Fr^res van Eyck. Livre d'heures du Duc de Berry. 

Katl W* Hkrsemami In Leipzigs Königsstrasse 3. Katalog 330. 



202 Handsdiriflmkunde. SchmbkunsL Handsthr^tm^enäduusse. 

Titre (frontisp.) 20 planches (dont 1 en couleurs) et texte expL 
Fol Haariem 1905. Cait 50.— 

Voraussichtlich werden 6 Lieferungen im Laufe jedes Jahres er- 
scheinen; der Subscriptionspreis für mindestens 6 Lieferungen beträgt 
für die Lieferung 40 M., während er bei Abnahme einzehier Hefte 50 M. ist 

436 Pomialoffskij, J., Sammlung griechischer und lateinischer In- 
schriften des Kaukasus. Mit 8 lithogr. Tafeln. 4. St Peters- 
bui^ 1881. 96 pp. Russisch. 9.— 

437 Psautier de Saint Louis. Reprod. des 86 miniatures du 
manuscr. latin 10525 de la Biblioth^ue Nationale. 92 pl. et 
20 pp. de texte. Paris (1906). In Hlwdmppe. 10.— 



438 Publications of an American Archaeological Expedition to 
Syria in 1899—1900. Ed. by Garrett, Butler, Prentice, Littmann 
and Huxley under the Patronage of Macy, Hyde and Stokes. 
5 parts. With many autotype illustrations. 4. New York 
1904, ff. Orig. cloth. 

Bisher erschienen Pt II zum Preise von netto 84 — u. IV zum Preise 
von netto 42—, die Preise für die noch ausstehenden Bände I, HI, V 
liegen z. Zt noch nicht fest Einzelne Bände werden abgegeben. 

Dieses großartig angelegte, auf 5 Bände berechnete Werk bringt die 
archaelogischen, topographischen und anthropologischen Ergebnisse der 
amerikanischen Syrien-Expedition, welche in den ausgedehnten, aber 
noch wenig bekannten bergigen Gebieten des nördlichen Mittel-S3rrien 
und des Djebel Haurän erfolgreich tätig war. Eine sehr große 21ahl gut 
ausgeführter Abbildungen in Autotypie nach den photographischen Auf- 
nahmen und Messungen geben einen Einblick in die riihrige Arbeit der 
Expedition, deren Ziel außer der Aufdeckung neuer Monumente des Alter- 
tums auch die Nachprüfung unserer beiden bisher einzigen Quellen für 
die archaeologische Kenntnis jener Gegenden war, d. h. der Arbeiten 
von Marquis de Vogü^ „La Syrie centrale: Architecture dvile et reli- 
gieuse, 1865'' u. „Inscriptions semitiques, 1868"; femer von W. H. Wad- 
dington „Inscriptions grecques et latines de la Syrie, 1870''. 
Der Inhalt der fünf Bände ist folgender: 
I. R. Garrett, Topography and itinerary. Mit 4 Karten. 

IDieser Teil, der die Einleitung zum Gesamtwerke bilden soll, um- 
fast einen kurzen Oberblick über das Land, eine Geschichte der Reise, 
welche die Expedition gemacht hat, und 4 Karten, von denen 
3 dasjenige Gebiet zeigen, auf das sich die Hauptarbeit der Expe- 
dition erstreckte, während die 4. eine Qeneralkarte von Syrien mit 
dem eingezeichneten Reisewege ist 
11. H. C. Butler, Architecture and other arts. Mit über 600 Autotypien. 
IDieser Teil enthält die Beschreibung der Architektur-Monumente 
des nördlichen Teiles von Mittel-Syrien, des Djebel Haurän, Aleppo, 
Palmyra etc. und behandelt eingehend die Skulptur-Mosaik und 
Wandmalerei. (Bereits erschienen.) 84 — 

Karl W« Hiersemann in Leipzig, KAnigsstrassc 3. Katalog 330* 



Handsdtriflmkunde. Schrabkuftst. Handschriftmvenäehmsse. 203 

III. K. W. Prentice, Oreek and Latin Inscriptions. 

Dieser Band reproduziert nicht weniger denn 4S0 griechische und 
einige lateinische Handschriften, von denen die Mehrzahl bisher un- 
ediert ist, wobei jede einzelne sowohl in den Original-Sdiriftzeichen 
als auch in moderner Type mit einer Obersetzung ins Englische 
und einem Kommentar wiedergegeben wird. 

IV. E. Littmann, Semitic Inscriptions. Mit 40 Photographien und 
220 Abbildungen. 

Auch von diesen 233 syrischen, arabischen, hebräischen etc. In- 
schriften ist die große Mehrzahl hier zum ersten Male reproduziert. 
Von besonderer Wichtigkeit sind die 24 syrischen Handschriften, da 
epigraphische Denkmäler in dieser Sprache bekanntlich außerordent- 
lich selten sind. (Bereits erschienen.) netto 42 — 
V. K. M. Huxley, Anthropology. 

In diesem Bande gibt der Verfasser, der noch ein volles Jahr länger 
in Syrien verblieben ist, als alle anderen Mitglieder der Expedition, 
eingehenden Bericht über die wissenschaftlichen Ei^ebnisse seiner 
anthropologischen Studien, die er an 804 Eingeborenen voi^enom- 
men hat. 

439 Rabano Mauro. Miniature sacre e profane dell' anno 1023 
illustranti renciclopedia medioevale di Rabano Mauro. Ripro- 
dotte in 133 tavole cromolitografiche. 4. Montecassino 1896. 
In Mappe. 40.— 

440 Rivoli, duc de, les misseis v6nitiens: leur description, 
illustrations, bibliographie. Etüde sur l'art de la gravure sur 
bois ä Venise de 1400 ä 1600. Av. plusieurs h61iogravures et 
d'environ 200 gravures. Fol. Paris 1894. 200.— 

441 Rothschild. — (Picot, E.), Catalogue des livres composant la 
biblioth^ue de James de Rothschild. 3 vols. Avec 
34 planches noires et color., de reliures ant, facs. d'anc 
miniatures, gravures etc. Paris 1884—93. (100 fr.) 60.— 

Ein sehr wichtiger Katalog mit zahlreichen literar. und bibliograph. 
Noten. 

442 Sabbadlnl, R., le scoperte dei codici latini e greci ne' secoli 
XIV e XV. Flrenze 1905. IX, 233 pp. netto 4.— 

443 Sakkellon, J., narfAiaxri ßiftXto^^rj rjroi civayqaq>fi xdv iv t^ 
ßtßXioihfixfi Tv; Tuxrä %rv viflov Tldxaov y^gagdg xal ßaaiXixilg 
(Aovrjg Tov ayiov dnotfroXov xal svayyelltnov *Iodvvov zov 
ßeoXoYOV ts&fjCavQiiffiivfov XBiQoyqa^iov %Bv%iaVj vvv is g>$XoTlfAfp 
TtQOvoiif X. dvaXdiaaai %ov g>iXoXoY^xoif avXXoyov IlaqvaCCov IxMo* 
fiiv^. 7 planches. Athen 1890. (25 fr.) 14.— 

444 Sammlimg palaeographischer Aufnahmen von alten Chroniken 
und Akten im Wilnaer Zentral - Archiv. Lieferung 1. 
(1432—1548). Mit 30 Tafeln, 59 facsimilierte Aufnahmen ent- 
haltend. (Alles Erschienene.) Folio. Wilna 1884. In Mappe. 

20.— 

Karl W* Hiersemann In Leipzigs K&nigsstrasse 3. Katalog 330* 



204 HandsehriflenkttmU. SchrdbkiuuL ManäsckrffUnvinäekittSse. 

445 Sawaitoff, J., Einzelblätter zum Studium russischer Urkunden 
herausg^eben von der Oesellschaft für Liebhaber alter 
Literatur. 6 Foliobiätter in chromolithogr. Facsimiledruck 11 
Blätter aus russischen Urkunden darstellend, mit Translitteration 
und acht Spalten Text St Petersburg 1877. In Mappe. 
Russisch. 30.— 

Längest vergriffen und gesucht 

446 Scheiwl, J., kalligraphische Denkmale, entnommen aus Hand- 
schriften böhmischer Bibliotheken. Hrsg. v. F. Skrej§owsky. 
Text (böhmisch, deutsch u. franz.) v. J. E. Wocel. 2 Hefte 
m. 11 col. Tafeln. Qu. 4. Prag 1869—73. (24 M.) 20.— 

447 Schiff, M.» la bibliothfeque du marquis de Santillane (Don 
Juigo Lopez de Mendoza). Paris 1905. 509 pp. (15 fr.) U.— 

448 Schow, N.» Charta papyracea graece scripta musei Borgiani 
Velitris, qua series incolarum Ptolemaidis Arsinoiticae in agge- 
ribus et Tossis oper. exhib., c annot. crit et palaeogr. C. 6 tab. 
4. Romae 1788. Ppbd. 14.— 

449 Schtschepkin, W. N., Die Graffiti -Inschriften in Nowgorod. 
Mit 9 Lichtdr.-Tafeln. 4. Moskau 1902. 23 pag. In russischer 
Spr. 3,50 

450 Seghers, Louis, Alphabets antiques, initiales, fragments, 
extraits de misseis, bibles, manuscripts etc du XII e au XIX e 
si^e. 24 planches. Petit 4. oblong. Anvers (ca. 1880). Cart. 
Fleckig. 8.— 

45f Serapettin. Zeitschrift f. Bibliothekswissenschaft, Hand- 
schriftenkunde u. ältere Literatur; hrsg. v. R. Naumann. 
31 Jahrgänge mit 2 Reg. z. 1—26. Leipz. 1840—70. Soweit 
erschienen. (423 M.) 165.— 

452 Shaw, H., Hand-book of medioeval alphabets and devices; 
specimens of labeis, monograms, heraldic devices etc 39 
colourplates. London 1856. (15 sh.) 7.50 

453 Specimina palaeographica regestorum Romanoram pontificum 
ab Innocentio III ad Urbanum V ex Vaticani tabularii Roman, 
pontificum registris selecta et photographica arte ad unguem 
expressa. Cum 60 tab. facsim. Fol. Romae 1888. 58 S. 

88.— 

Seiner Wichtigkeit entsprechend schön ausgestattetes Werk, dessen 

Text von H. Denifle u. O. Palmieri verfaßt Es ist Leo XIII. gewidmet 

u. erst vor kurzem bekannt geworden, da es zunächst nicht im Handel 

erschienen war. 

Karl W« Hterscmaon In Ldpxlg» Kfiiügsstraise Z. K«Ulog 33a 



HandsdirifUnkunde. SchräbkunsL Handsduifleiwenäehnisse. 205 

454 Swarzenski, Oeorg, Die Regensburger Buchmalerei des X. 
und XL Jahrhunderts. Studien zur Geschichte der deutschen 
Malerd des frühen Mittelalters. Mit 101 Lichtdrucken auf 35 
Tafeln. Ein stattlicher Band in vornehmer Ausstattung. In 
eleg. Oanzleinwand mit Schutzkarton. Leipzig 1901. 75.— 

Eine umfassende Untersuchung über die Entwickelungsgeschichte der 
künstlerischen Tätigkeit einer Malschule in frühromanischer Zeit, unter 
Berücksichtigung der politischen, Kirchen- und Kulturgeschichte der Zeit, 
existierte bisher noch nicht Selbst Einzeluntersuchungen existierten bis- 
her nur für andere deutsche Malschulen der Zelt, denen hiermit die baye- 
rische Malerei als ein für die mittelalterliche Kunstentwickelung in Deutsch- 
land wichtigstes und eigenartiges Glied gegenübergestellt wird. Das 
Material ist größtenteils unbekannt und fast ausnahmslos unpubliziert 

Außer den Untersuchungen über die Malerei findet sich manche neue 
Bemerkung über die gleichzeitige monumentale Skulptur, die Ooldschmiede- 
und Elfenbeinplastik. — Bei der Beschreibung der einzelnen Nummern 
und in einem besonderen Anhange sind Studien zu der Geschichte der 
Liturgie und kleinere Beiträge zur Paläographie gegeben. — Für die 
Geschichte des Kirchenkalenders bieten die im Anhang veröffent- 
lichten 5 gesicherten Regensburger Kaiendarien des X. und XI. Jahr- 
hunderts einen erwünschten Beitrag. 

Das Werk wird von bleibendem Werte für die Geschichte der Kunst 
u. der Liturgie, sowie für Paläographie sein. 

Weitere Untersuchungen stellt der Verfasser in Aussicht und bezeichnet 
den Band daher zugleich als ersten Teil der „Denkmäler der süddeutschen 
Malerei des frühen Mittelalters." — Besonderes Augenmerk wurde auf 
sorgfältige Wiedergabe der Abbildungen gerichtet, zu denen der Autor 
die photographischen Aufnahmen meist selbst direkt vom Original ge- 
macht hat, oft unter recht schwierigen Raum- und Beleuchtungsver- 
hältnissen. 

455 EvXXoyog mXoXoyixog iXXfivtxog. Bd. I— XXVI. Mit Tafeln, z. T. 
color. (Inschriften, Münzen, Facsim. etc) u. zahlr. Holzschn. 
im Texte. Lex.-8. Konstantinopel 1863—1896. In 17 t\eg. 
roten Halblederbänden. 560.— 

Vollständige Exemplare mit allen Supplementen (zu Bd. IX, XI, XIII, 
XIV, XV, XVI, XVIII, XIX, XX-XXII wie das meinige, sind von 
großer Seltenheit, da ein großer Teil der Bände durch einen Brand 
vernichtet wurde. 

Archäolog., epigraph., numismat., histor., linguist. Arbeiten von Kara- 
theodory, Maurogenis, Prospati, Vasiades, Paranikas, Aristarchi, Sopho- 
klis, Millingen, Mordtmann etc., sowie zahlr. Volkslieder in verschiedenen 
griech. Dialekten. Beigelegt ist das Inhaltsverzeichnis zu Bd. I— -XIII. 

456 Thöophile, prgtre et moine, essai sur divers arts (diversarum 
artium schedula), publik par Ch. de L'Escalopier et pr^c^d^ 
d'une introduction par J. Marie Ouichard. Avec facsimile. 4. 
Paris. Rot Hmaroq. 32.- 

Sehr selten u. gesucht. Stempel auf d. Titel. 

Karl W. Hiersemafm In Ltipägf Königsstraase 3. Katalog 330. 



206 Handsduiflmkunde. Schmbkunsi. Mandschnflmvenäehnisse, 

457 Tikkanen, J. J^ eine illustrierte Klimax-Handschrift der Vatikan. 
Bibliothek. Mit 10 Holzschn. 4. Helsingf. 1890. S. A. 16 
Seiten. 2.— 

458 Tikkanen, J. J., Die Psalterillustration im Mittelalter. 1. Band. 

Heft 1: Byzantinische Psalterillustration. Mönchisch -theolo- 
gische Redaktion. 90 Seiten mit 6 Tafeln u. 97 Textillu- 
strationen. 4. 1895. 4.— 

Heft 2: Byzantinische Psalterillustration. Der mönchisch- 
theologischen Redaktion verwandte Handschriften. Die 
aristokratische Psaltergruppe. Einzelne Psalterhandschriften. 
S. 91—152 mit 3 Tafeln und 50 Textillustrationen. 4. 1897. 

2.40 

Heft 3: Abendländische Psalterillustration: Der Utrechtpsalter. 
S. 153—320 mit 7 Textillustrationen. 4. 1900. 7.— 

459 Titoff, A., Beschreibung der Slavisch-Russischen Handschriften 
seiner Sammlung. IV. Teil: Die theolog. Systeme. Moskau 1901. 
XIII, 424, 24 pag. In Russischer Sprache. 7^0 

Privaidruck. 

460 Todd, J. H., descriptive remarks on illuminations in certain 
ancient Irish Manuscripts. With 4 splendidly coloured plates 
(chromolithogr.). Gr.-fol. London 1869. Nicht im Handel. 22.— 

Mit dem Autog^aph des berühmten Keltologen Whitley Stokes, 
DubUn 1870. 

461 Trombelli, O. O., arte di conoscere l'etä de' codid latini e 
italiani. Con 2 tavole e figure. 4. Bologna 1756. Pergament 30.— 

Erste Ausgabe. — Prachtvolles Exemplar mit schönem Ex-libris. 

462 Turajeff, B., Aethiopische Handschriften in St Petersburg. 
Mit 4 Tafeln. St Petersb. 1906. 136 pag. (In russischer Spr.) 

Denkmale der aethiop. Literatur III. ' * 

463 Type Pacsimile Society, Oxford. — Specimen of eariy 
pnnting types in collotype and printed at the Oxford Univer- 
sity Press for the Type Facsimile Society. 6 parts (all issued 
tili 1905). 4. Oxford 1900—05. In Orig.-Umschlägen. 420.— 

Diese facs. Dnidce bringen 250 scharfe Reproduktionen von seltenen 
Erstdrucken und zwar besonders Typenreproduktionen, die mit zahlreichen 
prächtigen Holzschnitten, Frontispize etc darstellend, geziert sind. Jedem 
Jahrgang ist ein Tafel- Verzeichnis mit näheren Besdireibungen der Origi- 
nale etc beigefugt Gedruckt wurden nur SO Exemplare auf Subscription, 
daher sehr selten. 

Der Name der Oxford University Press als Herausgeberin bfirgt für 
gute Ausführung der Reproduktionen. 

Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse Z. Katalog 330« 



Handschriflenkunde. Schrabkunst, Mandschriflenverzächnisse. 207 

464 Wattenbach, W^ Das Schriftwesen d. Mittelalters. 2. Aufl. 
Lpz, 1875. Hlwd. (11 M.) Vergriffen. 9.— 

465 Werner, Jalc, die ältesten Hymnensammlungen von Rheinau. 
Mit 2 Tafeln. 4. Leipzig 1891. (4 M.) 3.— 



466 Wessely, C, Studien z. Palaeographie u. Papyruskunde. Heft 
1—5 (so>^ 
1901—05. 



1—5 (soweit erschienen). Mit vielen autogr. Taf. 4. Leiozig 



467 Westwood, l O., palaeographia sacra pictoria: a series of 
illustrations of the ancient versions of the bibl^ copied from 
illum. Mss. executed betw. the IV. a. XVI. centuries. With 50 
beautiful plates of miniatures and facsimiles of ancient manu- 
scripts, executed in gold and colours. Or. 4. London 1843 — 45. 
Hfrz. ob. Schnitt vergoldet 110.— 

468 Wickhoff. — Verzeichnis, Beschreibendes, der illuminierten 
Handschriften in Österreich, hrsg. von F. Wickhoff, Band I 
und II. Mit vielen teils ganzseitigen Abbildungen in Autotypie 
und Tafeln in Lichtdruck und Heliogravüre. Qr.-fol. Leipzig, 
Kart W. Hiersemann, 1905. Origlwd. 160.— 

Die Titel der auch einzeln käuflichen Bände sind: 

I. Die illuminierten Handschriften in Tirol, beschr. v. H. J. Hermann. 
Mit 124 teils ganzseitigen Abbildungen in Autotypie und 23 Tafeln 
in Lichtdruck und Heliogravüre. Or.-fol. Leipzig 1005. XVI, 307 S. 
Origlwd. 120 — 

II. Die illuminierten Handschriften in Salzburg, beschr. v. H. Tietze. Mit 
40 teils ganzseitigen Abbildungen in Autotypie und 9 Tafeln in Licht- 
druck. Or.-fol. Leipzig 1905. 113 S. Origlwd. 40 — 

In Vorbereitung befinden sich und werden Ende 1906 und im Laufe 
des Jahres 1907 erscheinen: 

III. Kärnten und Krain. 

IV. Küstenländer, Istrien und Dalmatien. 
V. Steiermark. 

Ein ausführlicher Prospekt über diese als Publikation des Institutes 
für Osterreichische Oeschichtsforschung erscheinenden, für die Sprach- 
wissenschaft und Kunstgeschichte gleich wichtigen Bände steht Inter- 
essenten kostenfrei zur Verfügung. 

469 Wyss, F. v., alamannische Formeln u. Briefe aus d. IX. Jahrh. 
Mit 1 Facsimile. 4. Zürich. 1850. 2.— 



Karl W« Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 33(K 



206 Einige Mäkne RergßmuUdnuke. 



Einige seltene Pergamentdmcke. 

470 Hetires. Ces presentes heures sont a lusaige de Romme | tout au 
long Sans requerir. Imprimees a Paris par O. Hardouyn libraire 
jure de luniuersite de Paris | demourant au dit lieu entre les deux 
portes du Palais | a limaige saincte Marguerite. Almanach ffir 
1538—55. Mit der Druckermarice O. H. und 14 in Art der 
Miniaturen übermalten Kupfern. Ca. 1537. Pergamentdruck. In 
altem, braunen Lederbande m. O. 800. — 

Der außerordentlich seltene u. schön erhaltene Pergamentdruck (Bru- 
net u. Graesse nicht bekannt) besteht aus je 4 Blatt der Buchstaben A--M 
u. 2 BUtt N. » 100 BUtt (200 Seiten). 

Unter dem bunt ausgemalten Dnickerzeichen O. H. steht: 
Chascun soit content de ses biens, 
Qui na Süffisance na riens. 

Den Heures vorangeht eine Hymne auf die Hostie (mit kleinem Bild) 
in französ. Reimen. Dann folgt der Almanach f&r 18 Jahre (1S38— 1555) 
u. das Kalendarium. 

Wie die vielen kleinen u. größeren in blauem oder rotem Gründe 
stehenden goldenen Initialen des lateinischen Textes, so sind die 14 Mi- 
niaturen in lebhafte Deckfarben gemalt (Pariser Schule). Die Miniaturen, 
frei in die Textseite eingezeichnet, stellen Szenen aus dem Leben Christi 
u. der Maria dar u. sind von einem gokienen Rahmen mit braunen Kon- 
turen eingefaßt, der dann auch den darunterstehenden Text noch um- 
rahmt Das fast unberührte, lückenlose Gebetbuch ist .von selten schöner 
Erhaltung und Frische der. Farben. 

471 Horae beatissimae Mariae virginis secundum usum Romanum 
ecclesiae. Paris 1505. Kalbleder. 1350.— 

Herrlicher Pergamentdruck in schwarz u. rot, aber leider nicht 
ganz vollständig. Mit einem Kalendarium beginnend zählt derselbe 92 Bll. 
(statt 124) mit reichen Holzschnittbordüren auf jeder Seite und 9 größeren 
Holzschnitten. 

Die überaus schönen Bordüren stellen Bilder aus der bibl. Geschichte, 
aus dem häusl. Leben, Jagdscenen etc. dar. Die Initialen sind mit 
Oold auf blaue und rote Farbe geschrieben. Am Ende das Signet 
T. Kerver's mit dem Titel. Die Signaturen der Bogen sind von un- 
berufener Hand ausgeschabt, ohne jedoch die Bll. zu verietzen. 

472 Höre in laudem beatissime virginis Mariae, multis orati- 
onibus figurisq. nouiter inuentis. Incipiunt feliciter. Venales 
habentur in officina Ouillermi Oodard librarij iurati Parisini. 

Auf der letzten Seite Una cum Alphabete greco, Oratio. 

Dominieali, Salutatione Angelica, Symboio apostolo, & Salue 
regina, Wpis ac caracteribus Orecis nouiter Parisiis exarate, 
opera industrii Bibliographi Petri Vidouci, impressoris peritissimi, 

Karl W. Hlcncmaan in Leipzig, Königsstrassc 3. Katalog 330. 



Nadärag. 209 

ere ac impendio Honesti viri Ouillermi Oodard, comorati, ante 
Horologiu Palatii r^. Sub intersignio hominis syluestris. 
Anno a partu virgineo 1523, ad calcalü Röanu. — Mit 15 blatt- 
groBen und IQ kleineren in Art der Miniaturen künstlerisch 
übermalten Kupferstichen und schwarzen Bordüren. 92 Blatt. 
Mit 2 blattgroBen gemalten Wappen. Almanach 1524 — 1533. 
Kl. 8®. Pergamentdruck. Modemer Samtband mit Schließen. 

1400.— 
Der außerordentlich seltene Pergamentdruck (Oraesse, 
Suppl. fol. 377 u. Brunet V. 1652 kennen nur 1 Exemplar sur v^lin 
in der Bibiioth^que Nationale, Paris) ist nicht paginiert u. besteht aus 
den je 8 Blatt umfassenden Buchstaben A— L und 4 Blatt M » 92 Blatt 
Jede Seite des schwarz u. weiß gedruckten Textes zieren Bordüren, die 
Initialen sind in Oold auf blauem u. rotem Gründe ausgemalt Von den 
in Art der Miniaturen übermalten Kupferstichen sind 15 in Blattgröße, 
die 19 kleineren sind meist in MedaiUonformat 

Die Malerei, eine Arbeit der Pariser Miniaturkunst im 1. Viertel des 
16. Jahrh. ist nicht nur künstl. und ikonogr., sondern auch kostfimgesch. 
interessant, da die Personen in den Kostümen der damaligen Zeit dar- 
gestellt sind. Wie in den gleichzeitigen livres d'heures, stellen die 
Bilder die Evangelisten, Soenen aus der Oesch. Christi, der Maria, sowie 
die verschiedenen Heiligen dar. Manche Bilder sind mehrmals vor- 
handen. Die Erhaltung des seltenen Pergamentdruckes, insbeson- 
dere der kleinen Malereien in ihren lebhaften Farben ist vondiglich. 

Reich verzierter, dunkelroter Kalblederbd. mit einer geometr. Figur 
in Silber, durch welche sich ein dunkelgrünes Rankenmotiv hindurchzieht; 
beide sind mit Ooldlinien eingefaßt In der Mitte des Vorderdeckels 
befindet sich in Medaillonform der Hl. Franz von Assisi, auf dem hin- 
teren der Hl. Joseph m. d. Christuskinde, beide in Ooldpressung. Der 
Rücken zeigt zwischen den 3 Bändern 4 Pressungen in Oold, Silber 
u. grün. Rotschnitt A. d. Vorderdeckel a. unteren Rande der Eigen- 
tumsvermerk: Thomai Maioli et amicorum. — Der Einband ist aus- 
gebessert 



Nachtrag. 

473 Aktenstücke zur Geschichte d. englischen Marine 1662—1703. 

320.- 
Wertvolle» tadellos erhaltene englische Handschrift aus dem Anfang 
des 18. Jahrh. 264 S. in Folio in gleichzeitigem Pgtbd. mit Ooldpressung. 
Sorgfältige u. deutlich lesbare Schrift Vom eingeklebt das in Kupfer 
gestochene Ex-libris des Staatssekretärs William Bromley, der die Doku- 
mente offenbar während seiner Amtszeit von den Originalen abschreiben 
Heß. Die Sammlung umfaßt hauptsächlich Instruktionen für die eng- 
lischen Admirale u. Berichte derselben an den König über den Zustand 

Kftfl W. HIefseiiiAfm in Leipzig» Kö&igsstrasse 3* Katalog 330. 

14 



210 NaMrag. 

u. die Tätigkeit der Flotte, ferner Patente u. Instruktionen für andere 
hohe Marineoffiziere u. Beamte, die einen genauen u. höchst lehrreidien 
Einblick in die Organisation der englischen Flotte jener Zeit gewähren, 
endlich interessante statistische Tabellen über Zahl u. Bemannung der 
Schiffe, Nachrichten über die Verluste in den Seekriegen jener Zeit, 
Anweisungen für die Verpflegung der Seeleute u. ähnliches. 

474 Alphabet of capital letters selected from the illuminations of 
italian Choral books of the fifteenth and sixteenth centuries. 
24 pl. engraved in outline, with one letter printed in gold and 
colours. Fol. London 1862. Cloth. 65. — 

475 Armenisches Bvangellar mit Angabe der ammonianischen 
Sektionen am linken Rand jeder Columne. Die Handschrift 
besteht aus 261 beiderseitig beschriebenen Blättern aus Baum- 
wolienpapier in einem Einband aus Holzdeckeln mit gepunztem 
Lederuberzug nebst Vorderklappe. Die Seite enthält je 21 ge- 
spaltene Zeilen in großer, deutlicher Rundschrift Außer je 
einem mattfarbigen Vollbilde vor dem Evangelium des 
MatthaeuSy Lucas und Johannes — das vor Marcus ist offen- 
bar verioren gegangen — weist die Handschrift bei jedem 
Evangelium einen ornamentierten Kapitelanfang und außerdem 
noch an verschiedenen Stellen des Textes einfachere Rand- 
verzierungen auf. Die letzten Lagen sind zum Teil durch- 
löchert, die letzten Blätter, das Ende des den Schluß bildenden 
Nachworts, soweit beschädigt, daß nur ein Teil des Textes 
erhalten ist. Die für die Datierung in Betracht kommenden 
Stellen sind jedoch vor Beschädigungen bewahrt geblieben. 
Nach diesen ist die Handschrift i. J. 1583 geschrieben und i.J. 
1608 gebunden worden. 600.— 

476 fCarlos V.) — Cedula real dada en Medina del Campo ä 4. 
de febrero 1532, otorgando ä Miguel Sanchez de Arraiz y ä 
Lope de Ribera una renta de 80000 mrs sobre las minas que 
en el t^rmino de Ferez de Badajoz tenian los herederos del 
doctor Lorenzo Oalindez de CarvajaL Verkauft. 

Documento original escrito en dos hojas de papel in folio, con 
ia firma autografa de la reina-emperatriz Da. Isabel, y de los 
del consejo y algunas otras. De interes para la historia de Ia mi- 
neria en Espatla. 

477 Calderon, P., Libro de la racon desta muy noble y real ciu- 
dad de Salamanca, cabega de Estramadura y de toda su 
hacienda. Manuscrito de ä folio. 855 päj« Cuero con 
correa. VerUattft. 

Sehr interessantes Manuscript a. d. XVII. Jahrh. Ende des Werkes 
vom XVIII. Jahrh. — Verschiedene Schriften mit roter u. schwarzer 
Tinte. Aus 5 Teilen zusammengesetzt: I. Verzeidinis der Renten, Arbeits- 
leistungen, Gemeindebesitz von Salamanka im XVII. Jahrh. — II. Ein- 
Karl W* Hierscmann in Ldp£ig# Königsstrasse 3« Katalog 330« 



Nachtrag. 211 

riditung der Stadtverwaltung u. Beridit üb. die Ausgaben für verschiedene 
Feste, deren Beschreibung gegeben ist Anmerkungen über die Regierung 
der Alcabalas. — III. Stadtleben. Preisverzeidinis der Waren; Brot; 
Frucht; Notjahre; Kriegswesen; Einrichtung des Bistums v. Salamanka; 
Bruchstücke der Oeschidite Salamankas, von dem Lizentiaten de Xilgs 
d'Avila erzählt; Adel; Alcantaras Orden. — IV. Der Stadt verliehene 
Vorrechte. Einrichtung der religiösen Verbindungen. Verzeichnis der 
Straßen, Pfarrsprengel u. Klöster von Salamanka im XVII. Jahrh. — 
Beschreibung der Hauptereignisse nach der Zeitfolge geordnet, Erd- 
beben etc. Inventar der Stadt-Urkunden. Im Ganzen 445 leere Blatt 

Das vorliegende Manuscript — wahrscheinlich ungedruckt — verdient 
publiziert zu werden. 

= Curieux manuscrit du XVII^ si^de, avec quelques pi^ces de la fin du 
XVIII^ s. II contient un relev^ des rentes, charges et propri^t^s communales 
de Salamanque au XVII^ si^de. Details sur l'organisation administra- 
tive de cette oXi et d^penses organis^es pour diverses f^tes dont on 
donne le r^cit, notes sur le regime des Alcabalas. Vie int^rieure de la 
cit^, tarif des denr^es, fruits, famines et ann^es de pain eher; milice, 
Organisation de l'^vech^ ds Salamanque, fragments de Thistoire de 
Salamanque par le licenci^ de Xilgs d'Avila; noblesse, ordre d'Alcantara. 
Privileges accord^s ä la ville, Organisation des communaut^s religieuses, 
liste des nies, paroisses et couvents de Salamanque au XVIl^ s.Principaux 
^v^nements, tremblements de terre, inventaire de documents d'archives. 

Ce cartulaire municipal pourrait 6tre Fobjet d'une publication. 

478 Coleccion de documentos originales asi manuscritos 
como impresos relativos ä la vida y tiempos de Juan Cini, 
mercader y vecino de Barcelona desde 1785 hasta 1843. 

Verkauft. 

Un volume in folio, conteniendo unos cien documentos de pro- 
cedenda varia. Empieza por 13 diplomas con las firmas autögrafas 
de los reyes Carlos IV. y Fernando VII. Siguen papeles de familia, 
partidas de bautismos &c Mas adelante contiene una coleccion im- 
portantisima de hojas volantes, proclamas y extraordina- 
rios del tiempo revolucionario de 1820 k 1823. Tambien contiene 
impresos los reglamendos de todos los empleos que durante su vida 
dvica habia desempenado Juan Cini. Colecdon de sumo interes para 
la historia de Espana en los primeros decennios del siglo XIX. 

479 eBinonai^iov. Pergamenths. des XII.— XIII. Jahrh. 16X11 Vi cm; 
die Blätter (216 Pergt 7 Papier) sind nicht numeriert; Dicke der 
Handschr. 8—9 cm. 3000.— 

Das gelbliche Pergament ist dick und wenig geschmeidig; es scheint 
namentlich gegen das Ende durch Wasser und (in der Ecke rechts oben) 
auch durch Feuer gelitten zu haben. Teile des Geschriebenen sind aber 
dadurch nidit zerstört Die Quatemionen sind am Anfang der Hs. am 
inneren Rande unten durch Buchstaben (8, t, X, usw.) bezeichnet Vier 
Blatter am Schluß sind von junger Hand auf Papier ei^gänzt 

Karl ^« Hlersemann in Leipzig» Könlgsstraise 3. Katalog 330. 

14* 



212 Nachtrug. 

Die Seite hat meist 24 Zeilen, deren Buchstaben von den vertieften 
resp. erhöhten Linien herabhängen. Die schwarze Tinte des Textes hat 
sich meist gut erhalten, dagegen die rote der Überschriften, Initialen und 
Ornamente ist oft stark verblaßt 

Gebunden ist die Hs. in einen starken Holzband mit schwarzem Leder 
überzogen, der ursprünglich zwei Schließen hatte. Die Fläche des Vorder- 
u. Hinterdeckels ist durch eingepreßte schräge Linien in längliche Felder 

o + 

geteilt; darin verschiedene Stempel z. B. A B in einem Kreis eingeschlossen. 
Der Einband stammt aus d. J. 1653 nach einer Notiz der letzten (Papier-)Seite : 

lTcax<*>^ icapa M(i]T)pof avou( 

frou( jSpE^: 6(eoTo)xap((ov). 
Metrophanes scheint Mönch gewesen zu sein; Papadopulos-Kerameus gibt 
in seinem Katalog der Bibliothek von Jerusalem 2, S. 783 eine Liste von 
Buchbindern, die sich in Hss. nennen; es sind meistens Mönche des be- 
treffenden Klosters. Vgl. cod. Athous 4121: laxo.f^^ nspa x^^P^^ "^^^ 
icp<oTOicaica Zafjioui^X. 

Die Hs. ist ein 

6eoToxap(ov. 

Diesen Titel liest man auch im oberen Schnitt der Hs.; sie enthält Hymnen 
und Gebete zu Ehren der Mutter Gottes (Proben s. Gardthausen, Catal. 
codd. graec Sinait, Oxford 1886, p. 181, No. 839 ff.), ähnlich wie im Abend- 
lande die horae beatae Viiginis Mariae. 

Die erste rote Überschrift ist so verblaßt, daß man nur einzelne Buch- 
staben erkennen kann; dann beginnt der schwarze Text: 

[M]{av TpttuRoaraTOv apxT.v * Ta aspa^iiJi ttoj^rixo; $o(al2ouatv * xtX. 

Nächste größere Überschrift Bl. 4 (rot): 

Ku(piaxf) la;:8p\.vov. Ka(vciüv) t\% x^ uic(epa)*)f lov (?) »ix<>(?) «• V^'i ^* 
tacoac Xa^v d-aujiaToupyi. 

Schwarz: Aoyoi; oc afijivf.v t^v U9^p Xoyov ^Lmt^ d(eo)v Tsxouaav xta. 

Vgl. cod. Sinait. 851, 852. 

Letzte rote Überschrift auf Pergament: 

Hx(o?) ß. IT ^"f* ^* "^^^ fuXou a«. 

Schwarz: Dovou^ ujcofuivaaa tcoXXou^ h xf xoC ulou xoi d(eo)C oou ox(au)p<i>9ti 
«Xpavxt. xxX. 

Auf Papier: 

— Tcopeoxcoaa Ixpauf oScv * oXo^ upopivn] xexvov (lou fXuxuxoxov xrX. 

Ende der Hs.: co^ 6 Aa(u\)S raXal icpoavixpa(ev, 6 u|jLvoypafO( ;:oxi: — 

Zum Schluß sind noch 3 Papierblätter vom Buchbinder z. T. verkehrt 
eingeheftet: Listen von Personennamen mit einer beigeschriebenen Zahl, 
meistens 5, P, ^, T, x usw., z. B. 

Mt^a^ avi4'(0( recopyiou xoC Maxp{ T 
FscüpYioc KapXioxt( ä 
NtxoXao« KapXiox(( ä 
Sie sind nach Dörfern geordnet: x^P^^ XioTcpaoo, x^P^^ xoupaoßo. x^?^^ Scaiavt. 
Eine Stadt wird auf der letzten Seite erwähnt: Xapiaao; es ist also wahr- 
scheinlich, daß unsere Hs. aus der Gegend von Larissa stammt oder doch 
dort gebunden wurde. 

Karl W« Hlersemann in Leipzig, Kö&igsstrasse 3« Katalog 33(X 



Nachtrag, 213 

480 Felipe V., R^ de Espana. Carta de poder dada al duque 
de Parma D. Francisco Famesio para tomar posesion en caso 
de vacante del ducado de Toscana en nombre del Infante de 
Carlos; su fecha en el Pardo a 24 de febrero 1726. Verkauft. 

Documento original con la firtna autografa del rey D. Felipe 
y contrasignado del duque de Ripperda, escrito en cuatro hojas de 
papel in folio y sellado del sello real. 

481 Indische Originalmalereien. — 3 Aquarellbilder ,,Indische 
Musiker'' darstellend. 8 Musiker in ihrer farbenreichen Tracht, 
die verschiedenartigsten Instrumente spielend. Unter Passe- 
partouts. (Ca. 1825.) 30.— 

482 Indische Originalmalereien. — 10 Aquarelle aus dem ersten 
Viertel des XIX. Jahrhdts. „Indische Handwerker bei der Arbeit" 
darstellend. Interessante farbenreiche Darstellungen der ver- 
schiedensten Berufe. Saubere flotte Malereien unter Passe- 
partout gelegt 80.— 

483 Laurent du Bois, Somme le Roi. 14Q (145) numerierte 
Bll., beiderseits mit je 28 Zeilen beschrieben. Klein 4. Sehr 
wertvolle, durchaus wohlerhaltene französische Pergamenthand- 
schrift des ausgehenden XIII. oder angehenden XIV. Jahrh. 
Sorgfältige, durchgängig sehr gut lesbare Schrift mit roten 
Initialen und Überschriften. Modemer Einband mit braunem 
Leder mit Ooldpressung, auf dem RQcken der Name des Buch- 
binders: J. Forsthoff relieur. 2800.— 

Der Dominikaner Laurent du Bois, bekannter unter dem Namen 
Fr^re Lorens oder Laurentius Oallus, Beichtvater des Königs Philipp 
des Kühnen von Frankreich, verfaßte um 1279 nach älteren lateinischen 
und französischen Quellen unter dem Titel Somme le Roi oder Somme 
des vices et vertus einen Katechismus der diristlichen Olaubens- 
und Sittenlehre, der als einer der besten in seiner Art galt und darum 
vom ausgehenden 13. bis ztun 15. Jahrh. in sehr zahlreichen Hand- 
schriften in französischer, provenzallscher, italienischer, catalonisdier, 
spanischer und flämischer Sprache, auch in verschiedenen Volksmund- 
arten verbreitet wurde, von denen sich viele, zum Teil in glänzender 
Ausstattung, bis auf die Gegenwart erhalten haben. Eine bedeutende 
Auswahl von gegen 30 Exemplaren besitzt die Pariser Nationalbibliothek. 

Über das Leben des Verfassers und die Handschriften seines Werkes 
vgl. Histoire litt^raire de la France XIX, 1838, S. 397—405, F. Chavannes 
in den M^moires et documents publi^s par la Soci^t^ d'histoire de la 
Suisse ^romande IV, 1845, P. Meyer im Bull, de la Sod^t^ des anciens 
textes XVIII, 1892, S. 70ff und Gröber, Grundriß der romanischen Philo- 
logie, Bd. II, Abt 1, 1902, S. 1027, wo auch die ältere Literatur ange- 
geben ist Die Somme wurde wiederholt von andern Autoren umge- 
arbeitet und kommt deshalb auch unter veränderten Titeln wie Le mireur, 
Le miroir du monde, Le livre des commandemens de Dieu, vor. Eine 
abschließende Untersudiung und Vergleichung der untereinander viel- 

Karl W« Hiertcfnaim in Leipzig» Königsstrasse 3. Katalog 330. 



214 Nachtrag. 

fach abweichenden und durch die Abschreiber mannigfach ergänzten 
Texte ist bisher noch nicht vorgenommen worden. Ebenso fehlt es an 
einer modernen kritischen Ausgabe. Von Drucken sind nur einige aus 
der Inkunabelzeit bekannt (vgl. Copinger, Supplement to Hain's Reper- 
torium II, Nr. 3513—3515): ein niederländischer, Summe le roy of des 
conincs summe, Delff {]2iQoh Jacobszoen) 1842, 4, in der Kgl. Bibliothek 
im Haag; ein englischer, The ryal book, (Westminster, William Capton, 
um 14S8) fol., und ein französischer, Summe le Roy, Paris, Anthoine 
Verard (1495) 4, beide im Britischen Museum. Neuerdings gab O. de 
Oregorio einen Text im sizilianischen Volksdialekt aus der 1. Hälfte 
des 14. Jahrh. nach einer Handschrift der Bibliothek von Palermo beraus 
(II libro dei vizii e delle virtü, Palermo 1892). 

Die hier voriiegende Handschrift stammt spätestens aus dem Anfang 
des 14. Jahrhunderts und überragt darum die meisten andern durch ihr 
Alter. Sie zerfällt in zahk-eiche, durch rote Oberschriften gekennzeichnete 
Abschnitte, von denen die wichtigsten folgende sind: 

1. Bl. la: Erklärung der 10 Gebote. 

2. Bl. 3b: Erklärung des apostolischen Glaubensbekenntnisses. 

3. Bl. 5a: Von den Sünden, namentlich den 7 Todsünden. 

4. Bl. 37 a: Von den Tugenden, besonders den 4 Cardinaltugenden. 

5. Bl. 49 a: Vom Gebet, nebst Auslegung des Vaterunsers. 

6. Bl. 81b: Von der Beichte. 

7. Bl. 95 b: Von den Werken der Barmherzigkeit 

8. Bl. 114a: Vom Ehestand und vom ehelosen Leben. 

9. Bl. 140a: Von den Gaben des heil. Geistes. 

Auf Bl. 135b liest man: Ce liure compila et perfist uns freres de lordre 
des precheurs a la regueste du roi de france Philippe et fut escris eis 
liures en lan del incarnation nostre signor mil cc ^ et neuf (= 1289) 
en mois de nouembre. Priez pour celui qui lescrist. 

484 Pierre Margry, France Pierre Margry, France 
d'outre-mer. Les Normands d'outre-mer. Les Normands 
dans 1' Afrique occidentale avant dans 1' Af rique occidentale avant 
les Portugals. 1850.— les Portugals. 1850.— 
Ein Quartband in rotem Leder, Rel. in-A^ en cuir rouge, contenant 
enthaltend Kollektaneen zur älteren des recueils relatifs ä Phistoire an- 
französischen Kolonialgeschichte In denne des colonies fran^ises en 
Afrika und den umliegenden Inseln, Afrique et dans les lies environnan- 
meist von der Hand Pierre Mar- tes. Ellessonten majeure partie de la 
gry's geschrieben. M., zuletzt Con- main de Pierre Margry, conservateur 
servateur adjoint des archives du adjoint des archives du minist^re de 
minist^re de la marine et des colonies, la marine et des colonies, connu 
ist bekannt durch seine verdienst- pour ses ceuvres sur les andennes 
vollen Werke über die älteren ma- entreprises maritimes des Francis et 
ritimen Unternehmungen seiner pour ses relations sur la part que 
Landsleute, sowie über den Anteil les Normands ont prise aux d6cou- 
der Normannen an den überseeischen vertes d'outre-mer. 
Entdeckungen. Hervorzuheben sind Ses ouvrages les plus importants 

Karl W« Hienemann in Leipzig, Kö&igsstrasse 3« Katalog 33(K 



Nachtrag. 



215 



namentlich Origines iransatlantiques: 
Belain d' Esnambuc et les Normands 
aux Antilles (Paris 1863), Les navi- 
gations fran^aises et la r^volution 
maritime du XIV« au XV« si^de 
(Paris 1867), sowie das Hauptwerk 
seines Lebens: M6moires et docu- 
ments pour servir ä l'histoire des 
origines fran^aises des pays d'outre- 
mer. Von diesem erschien aber nur 
die erste Abteilung: D^couvertes et 
toblissements des Francis dans 
Fouest et dans le sud du TAm^rique 
septentrionale in 6 Bänden (Paris 
1879—88). Auch für die andern 
Abteilungen, welche die übrigen 
Kolonialgebiete umfassen sollten, 
hatte er Stoff gesammelt, doch war 
derselbe bei seinem Tode noch nicht 
druckreif. 

Den Hauptteil des hier vorliegen- 
den Bandes bildet eine sehr genaue 
Abschrift eines aus dem XV. Jahr- 
hundert stammenden Manuscripts, 
in dem die 1402 begonnene Erobe- 
rung der Canarischen Inseln 
durch den normannischen Ritter 
Jehan de Bethencourt von dessen 
beiden Kaplänen Pierre Boutier und 
Jehan la Verrier in französischer 
Sprache geschildert wird. Margry 
plante eine Drucklegung dieses 
Werkes, die aber ohne sein Zutun 
von anderer Seite auf Orund des 
im Besitz der Nachkommen Bethen- 
courts erhaltenen Originalmanuscripts 
erfolgte. (Le Canarien. Uvre de la 
conquete et conversion des Canaries 
par Jean de Bethencourt, publik 
d'apr^s le manuscrit original avec 
introduction et notes par Gabriel 
Gravier, Ronen 1874). Die Er- 
zählung der beiden Priester war 
schon früher nach einer jetzt in der 
Pariser Nationalbibliothek befind- 
lichen Abschrift auf Veranlassung 
des Seigneur Galien de Bethencourt 
durch Pierre Bergeron unter dem 



sont: Origines transatlantiques: Be- 
lain d'Esnambuc et les Normands 
aux Antilles (Paris 1863), les navi- 
gations fran^aises et la r^volution 
maritime du 14« au 15« si^de (Paris 
1867) et son ouvrage prindpal 
„M6moires et documents pour ser- 
vir ä l'histoire des origines fran^ises 
des pays d'outre-mer'', dont la pre- 
mi^re partie seulement a ii€ im- 
primee: D6couvertes et Etablisse- 
ments des Francis dans l'ouest et 
dans le sud de l'AmErique septen- 
trionale, en 6 vols. (Paris 1879—88). 
II a aussi laissE des recueils relatifs 
aux autres colonies, mais Us n'6taient 
pas encore imprimables ä sa mort 
La partie prindpale du präsent 
volume est une copie tr^s exade d'un 
manuscrit du 15« siMe, repr^sentant 
la conquete des lies Canaries par le 
Chevalier normand Jehan de Be- 
thencourt en 1402 (Beriten fran^s 
par ses deux chapelains Pierre 
Boutieret Jehan le Verrier). Margry 
avait l'intention de faire imprimer cet 
ouvrage, qui fut cependant publik par 
quelqu'un d'autre, d'apres le manu- 
scrit original appartenant aux des- 
cendants de Bethencourt (Le Cana- 
rien. Uvre de la conquete et conver- 
sion des Canaries par Jean de Bethen- 
court, publik d'apres le manuscrit 
origininal avec introduction et notes 
par Gabriel Gravier, Ronen 1874). 
Le r6dt des deux pr^tres avait d6jä 
€i€ publik d'apres une copie de la 
Biblioth^que Nationale ä Tinstigation 
de Seigneur Galien de Bethencourt, 
par Pierre Bergeron, sous le titre: 
Histoire de la premi^re descouverte 
etconquestedesCanaries(Parisl630). 
Une r^impression du texte avec tra- 
dudion anglaise et beaucoup de notes 
historiques se trouve dans le 46«. 
volume des publications de la Hakluyt 
Sodety, par Richard Henry Major. 
(The Canarian, or book of the con- 



Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330* 



216 



Naehin^. 



Titel: Histoire de la premi^re des- 
couverte et conqueste des Canaries 
(Paris 1630) veröffentiicht worden. 
Einen Abdruck des Textes gab nebst 
beigefügter englischer Übersetzung, 
sowie reichem historischen Apparat 
Richard Henry Major im 46. 
Bande der Hakluyt Sodety heraus 
(The Canarian, or book of the con- 
quest and conversion of tiie Cana- 
rians in tiie year 1402 by Jean de 
Bethencourt, London 1872). 

Die hier vorliegende Abschrift 
stimmt mit dem Drucke von 1630 
nahezu wörtlich fiberein, auch hin- 
sichtlich der Emteilung in 93 Kapitel, 
doch fehlen folgende Abschnitte des 
Druckes: 

1. Die Widmung des Heraus- 
gebers Bergeron an Oalien de Be- 
thencourt 

2. Der die Stelle einer Einleitung 
vertretende Sommaire de l'histoü^ 
des Canaries. 

3. Das Privü^e du Roy. 

4. Die Table des mati^res. 

Die abweichenden Lesarten dieses 
Druckes hat Maigiy bis Kapitel 63 
an den Rand geschrieben, für den 
Rest aber ist diese Veigleichung 
Untertassen worden. Audi mit der 
Ausgabe Oraviers von 1874 stimmt 
Margrys Abschrift fast durdigehends 
wörtlich und meist sogar budistäblich 
überein, nur ist gegen Ende hin die 
Einteilung verschieden, so daß der 
Druck 97 statt 93 Kapitd zählt, ohne 
daß indessen der Text umfangreicher 
geworden wäre. Dagegen fehlt in 
der Abschrift ein Appendix von 
14 Abschnitten, der sich über die 
spätere Geschichte der Familie 
Bethencourt verbreitet 

In Margiys Abschrift finden sich 
viele Spuren seiner kritischen Tätig- 
keit Insbesondere hat er Lesarten, 
die ihm irrtümlich erschienen und 
die vermutlidi auf Lesefehler oder 



quest and conversion of the Cana- 
rians in the year 1402 by Jean de 
Bethencourt London 1872). 

La prdsente copie correspond 
presque mot pour mot ä Fimpression 
de 1630. Öle a aussi le m^me 
norabre de diapitres (93). II manque 
seulement les parties suivantes: 

1. Lad6dicacedeF6diteurBergeron 
ä Oalien de Bethencourt 

2. Le „sommaire de l'histoue des 
Canaries'' (rempla^ant la pr^ce). 

3. Privil^ du Roy. 

4. Table des mati^res. Margry 
a not^ les variantes en maige jusqu'au 
chap. 63, mais fl s'est arr6t^ lä. 

La oopie de Margiy correspond 
aussi avec r6dition de Gravier de 
1874 presque mot pour mot, le plus 
souvent m€me lettre pour letfa-e; 
seulement, vers la fin, la dhdsion 
diff^ de mani^e que l'ouvrage im- 
prim^ a 97 diapitres, au Heu de 93, 
Sans que le texte soit d'une plus 
grande ^tendue. II manque oepen- 
dant, dans la copie, un appendice de 
14 diapitres, relatif ä l'histoire, plus 
r6cente, de la famille de Bethencourt 

Dans la copie de Margiy on 
trouve beaucoup de ses corredions. 
II a partout soulign^ et maiqu^ de 
points d'interrogations des variantes 
qui lui semblaient erron^es et qui 
sont dues probablement ä des fautes 
de lecture ou bien ä des fautes 
d'^criture dans Toriginai. Les 85 
dessins ä lamaindu manuscrit 
original offrent un int^r^ttout 
particulier, car ils sont ex^- 
cut^s ä la mani^re des gra- 
vures sur bois du 15« si^cle. 
Presque chaque diapitre est om^ 
d'un tel dessin, repr^sentant une 
sc^ne caract^ristique. Les 6di- 
tions imprim^es ne les con- 
tiennent pas, mais Margiy les 
a ajout^s ä sa copie en forme de 
dessins ä la plume, calqu^ et lav^. 



Karl W« Hlenemaan in Leipzigs Kftnigsstrasse 3. Katalog 330. 



Naehtn^. 



217 



auch an! Schreibfehler im Original 
zurückgehen, durch Unterstreichung 
und Fragezeichen geicennzeichnet 
Von besonderem Interesse sind die 
85 ganz in der Holzschnittmanier 
des XV. Jahrhunderts gehaltenen 
Handzeichnungen des Original- 
manuscripts, von denen fast zu jedem 
Kapitel eine gehört, die eine charak- 
teristische Scene daraus darstellt 
Diese Abbildungen fehlen in den 
Druckausgaben, Margiy dagegen hat 
sie seiner Absdirift sämtlich in Ge- 
stalt von durchgepausten und ange- 
tuschten Federzeichnungen bei- 
gegeben, einige außerdem nebst 
verschiedenen Schriftproben in photo- 
graphischer Reproduktion. Das 
schöne Kupferstichbildnis Bethen- 
courts, gestochen von Balthasar 
Moncomet, das sich in dem Pariser 
Drucke findet, hat Margiy seiner 
Arbeit sowohl in photographischer 
Nachbildung als auch in einer sorg- 
föltigen Bleistiftnachzeichnung bei- 
gefügt Am Schluß der Abschrift 
steht die Bemerkung: „La copie de 
ce manuscrit adiev^e le . . . mai 1852 
de ma main. Les calques ont ^t^ 
faits par mon p^re. Pierre Margiy^. 
Ausser dem Bericht über die 
Abenteuer Bethencourts finden sich 
in dem vorliegenden Sammelbande 
noch folgende Stücke: 

1. Handschriftliche Kollektaneen 
Margry's zur Geschichte und Gene- 
alogie der Familie Bethencourt vom 
14. bis zum 17. Jahrhundert, meist 
aus Druckwerken, aber auch aus 
Handschriften der Pariser National- 
bibliothek geschöpft, zum Teil auf 
Zetteln. 

2. Briefentwürfe Margry's, seine 
geplante Ausgabe Bethencourts betr. 

3. Das Wappen des Ritters Ga- 
difer, der Betiiencourt nach den 
Canarien begleitete, in Kupferstich- 
reproduktion. 



Plusieurs de ces dessins se trouvent 
aussi en reproduction photographique, 
avec quelques sp^dmens d'toiture. 
De plus, la copie contient (en repro- 
duction photogr. et dessin6 au crayon) 
le beau portrait de Bethencourt, 
grav6 par Moncomet, qui se trouve 
dans r^ition de Paris. A la fin 
de la copie, on lit „La copie de ce 
manuscrit achev^e le .... mai 1852 
de ma main. Les calques ont ^t^ faits 
par mon pfcre Pierre Margiy*'. 

Outre le r^t des aventures de 
Bethencourt, le pr^ent volume con- 
tient les pi^ces suh^antes: 

1. Des recueils manuscrits de 
Margiy relatifs i l'histoire et i la 
g6n6aiogie de la famflle de Bethen- 
court, du 14« au 17« siMe, en majeure 
partie extraits d'ouvrages imprim^, 
mais aussi de manuscrits de la 
Bibliotii^que Nationale. II sont pour 
la plupart Berits sur des bulletins. 

2. BrouUlons de lettres de Margry, 
concemant son 6dition projet^e de 
Bethencourt 

3. Les armoiries grav^es, du 
Chevalier Godifer, qui accompagna 
Bethencourt aux ües Canaries. 

4. Une lettre originale de l'histo- 
rien Georges Garnier, adress^e ä 
Margiy et dat^e de Bayeux, 27 sept 
1877, relative ä la d^couverte des 
ües Canaries. 

5. Notices sur les exp^riences 
coloniales de la Compagnie du S6n6- 
gal ä Gor^e (cöte de S6n6gambie) 
en 1679, sur une entreprise commer- 
dale de plusieurs marchands de 
Ronen ä St Louis, sur le S^n6gal 
et sur quelques andens voyageurs 
fran^ais en Afrique, Normands pour 
la plupart 

4. Ein Originalbrief des Histori- 
kers Georges Garnier an Margry, 
dat Baxery, 27. Sept 1877, betr. 
die Entdedoing der Canarien. 



Karl W. Hlersemann in Leipzigs Kö&igsstrassc 3. Katalog 330. 



218 Nachtrag. 

5. Notizen über Kolonialversuche der Kompagnie du S^n^gal in Oor^e 
an der Küste von Senegambien 1679, über ein Handelsunternehmen meh- 
rerer Kaufleute aus Roren in St Louis am Senegal und über einige 
ältere französische Afrikareisende, namentlich aus der Normandie. 

485 Jean de Meun, Testament et codicille. Wertvolle und 
wohlerhaltene französische Pergamenthandschrift des XIV. Jahr- 
hunderts, ehemals Phillipps Ms. 2528. 43 beschriebene Bll. in Fol. 
von je 35 Zeilen mit deutlicher, gut lesbarer Schrift von einer 
Hand. Am Anfang des Textes ein sorgfältig ausgeführtes gold- 
gehöhtes L auf rot und blauem Grunde mit Ornamenten. Alter 
brauner Lederband, der statt der Pappdeckel eine verklebte 
französische Papierhandschrift des XV. Jahrhunderts enthält 

880,— 
Maltre Jean Clopinel aus Meun-sur-Loire (deshalb meist Jean de 
Meun genannt), einer der bekanntesten französischen Dichter des Mittel- 
alters, lebte in der Z Hälfte des XIII. und im Anfang des XIV. Jahrhunderts. 
Er ist hauptsachlich dadurch berühmt geworden, daß er um 1280 den von 
Ouillaume de Lorris begonnenen allegorisch-erotischen Roman de la Rose 
wesentlich erweiterte und vollendete. Ober sein Leben und seine Werke 
vgl. Histoire litt^raire de la France XXIII, 42 ff. und XXVIII, 391 ff., femer 
Gröber, Grundriß der romanischen Philologie II, 1, 734 ff., sowie die neueren 
kritischen Ausgaben des Roman de la Rose, namentlich die von lA€on 
(Paris 1810—14) und Marteau (Orleans 1878—80). Die Drucke stehen bei 
Brunet 3, 1170 ff. 

Die voriiegende Handschrift umfaßt folgende kleinere Dichtungen Clo- 
pinels, die aus seinen letzten Lebensjahren stammen und seit der Inkunabel- 
zeit wiederholt, zuletzt in der erwähnten Ausgabe von M^on gedruckt sind. 

1. BL 1—31. Testament 530 vierzeilige Strophen a a a a. Anfang: 
Li peres et filz et li sains esperiz Ung dieu en troiz personnes 
aourez et dieriz . . . 

Ende: Et lui prit humblement que nous soions escripi 
Au sainct livre de vie que il meisme a escripi 
Explicat testamentum magistri Johis de meduno. 

Andere Handschriften bei Gröber, S. 741. 

2. BL 32—43. Codicille. 135 zwölfzeilige Strophen aabaabbba 
b b a. Anfang: 

O glorieuse trinite 
Une essence en vraie unite . . . 
Ende: Prendras en gre que je en puiz 
Car ce te piaist quon en peut faire. 
Explicat le codicille maistre Jehan de Meun. 
Andere Handsdiriften bei Gröber S. 741. 
Der vorliegende Text beider Gedichte stimmt mit den neueren Drucken, 
abgesehen von abweichenden Lesarien, im wesentlichen überein. In der 
Hist lith. de la France XXVIII, 428 wird das 2. Gedicht als über de con- 
temptu mundi bezeichnet, als Codicille dagegen ein weit kürzeres poeti- 
sches Werk von 11 Strophen, das in der vorliegenden Handschrift fehlt 

Karl If. Hienemann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330« 



NaMrag. ^ 219 

485 naQaiO^iKii. Pergamenths. des XI.— XII. Jahrh., 365 Bl., 13X9V, 
cm im Original -Holzbandy mit rotbraunem Leder Aberzogen; 
die ursprünglichen Schließen resp. Lederbänder sind entfernt. 

6800.— 

Blätter sind nicht numeriert; Dicke der Hs.:6— 7 cm. 

Pergament nicht grade besonders dünn, aber gleichmäßig, weiß 
und geschmeidig; es ist in Quatemionen geordnet, die an der Langseite 
mit einen Punctorium durchstochen sind, um die Linien zu ziehen: 
22 auf der Seite. Die Buchstaben hängen herab von den gezogenen 
Linien. Der I. Quatemio blieb ursprünglich leer, der IL, mit dem der 
Text beginnt, hat am unteren Rande die Bezeichnung A; dann folgt 
B, r usw. — A6; in der letzten Hälfte fehlen die Quatemionenbezeich- 
nungen oftmals. 

Die Erhaltung der Hs. ist gut; nur das erste Blatt von Quatemio H 
hat gelitten. 

Der Inhalt unserer Hs. entspricht ungefähr dem der horae und vigillae 
des latelnisdien Westens; es sind Gedichte und Oebete an Christus, die 
Mutter Gottes und die Heiligen. 

Die Griechen nennen einen solchen Codex icapaxXirrun] (Proben s. 
Gardthausen, Catalogus codd. graecorum Sinaiticorum. Oxford 1886, 
p. 167, No. 776-827.) 

Der erste Titel (p. 1) lautet: 2t{(xoi) «vaaT(aaijia) •l(«) t(o) x(üpi)t 
2x^(xpaSa). Dann folgt der Anfang: Ik^ ioTnpiva« i^ficov eu^^c icpo^S^at 
Syii x(^pO< ^^ 37apd[(7xou ;^(iiv af toiv stMcpTtcCv etc (vgl. cod. Sinait No. 778). 

Die zweite (goldene) Überschrift: Tf xu(pi«xf) TtlJi ;:pü>\. xiO-(ia{ia) 

8?C TO ^(SO)? x(upio)?. 

Den Schluß des Ganzen (vor dem Vollbild) macht ein vexpcu9((Aov, 
das mit den Worten schließt: jfxTcpoodw d^ x^v :qcrTop£av aou: 

Der gewöhnlidie Text ist mit schwarzer Tinte geschrieben, die eine 
sdiöne rostbraune Färbung bekommen hat Goldschrift ist reichlidi ver- 
wendet bei Oberschriften, Initialen und Ornamenten; sie ist vielfadi 
deutlich abgedruckt auf der gegenüberstehenden Seite. Rote Buchstaben 
bezeichnen oft die Zitate bekannter Hymnen. Ausnahmsweise wird statt 
dessen auch wohl blaue Farbe angewendet 

Geschlossene Rahmen (nicht H) umgeben den Titel größerer Abschnitte 
z. B. oTixepa avaaTaaifia s?« t^ x(upi)e ixtfxpa^a. Die Fläche des Rahmens 
ist ausgefüllt durch Kreise und Blattomamente Rot und Blau auf Goldgrund. 

Der Text ist illustriert durch kleine Figuren ohne Goldgrund am 
Rande, gewöhnlich nicht größer als 2—3 cm, entweder eine Figur, oder 
auch Gruppen bis zu 5 Figuren; sie wird meist fein und gut gezeichnet 
und durch rote Oberschriften erklärt: 

f} avaataai^. i[ 9T(au)ptt>ai(. o a(7ioc) *Ici>(d[vvT)() IIp(c8po(AO(). 
(j.(rTT))p ^(8o)C, *I(t)9oC){ X(piaT^)(. o! Syioi a9c(o9ToXoi). 6Ta9(o()Tou 
X(p(9To)u. o! Sf tot (AapT(upe() usw. 

Die Oberschrift wiederholt sich; die figürliche Darstellung selten. 

Selbst die Buchstaben des sdiwarzen oder roten Textes sind manch- 
mal zu kleinen Scherzen verwendet Nicht nur, daß sie unmäßig ver- 
längert werden, um den Rand der Seite auszufüllen; mandimal nehmen 

Karl W. Hiersemann in Leipzig, Königsstraise 3. Katalog 330. 



220 y- Nachtrag. 

sie dabei Tiergestalt an: ein X endet oben in einen nett gezeidineten 
Hasenkopf; das 4> entwickelt sich zu einem seitwärts gewendeten 
Fisch. Der lange Strich des p verlängert sich zu einem langen Faden, 
nadi dem ein Vogel schnappt; der Querstrich des T ist wellenartig fort- 
geführt bis zu 2 Vogelköpfen rechts und links. Alle diese scherzhaften 
Figuren sind fein und sicher gezeichnet 

Am Schluß des Hauptwerkes befindet sich ein Vollbild auf Goldgrund. 
(Beschädigt) Das rot umränderte Büd ist durch einen roten Querstrich 
in] eine* obere und eine untere Hälfte geteilt In jeder Ecke sitzt ein 
Evangelist mit seinem Evangelium; neben dem ersten von junger Hand: 

«(fioO y.a I a« /// etc 

Spuren der Herkunft sucht man vergebens; nur in der Mitte des Qua- 
temio c liest man in der verschnörkelten Schrift vielleicht des 17. Jahrh. 

T((Ai(üv uTcapysi to 7capo(v) JcapoucXijxix^v toü aficaraTou Aopio^Eou Ix 

T(uv 6(c)aaoKXov6a](. 

Das erste Blatt zeigt die moderne Notiz: 
napaxX92TixT) ** (xaXXov 
icapaxXvfTixov 
1862 *Aicp(X{ou 21. 
töcüpr^ (jLOi jcapa Sspaf «{(i, 
euYV(ü(jLovi]aavTo^ Sia Tr.v SiSaoxoXfsv. 
Hinter dem Vollbild folgen noch einige Quatemionen von anderem 
Pergament, anderer Hand und anderer Zeit mit schwarzer Tinte ge- 
schrieben; rote Randbemerkungen sind von jüngerer Hand. Es ist ein 

*ESa7co9T8(Xap(ov, 
wie es handschriftlich oft mit der TcapaxXiiTixi^ verbunden wird (s. Oardt- 
hausen, Catal. codd. graec. Sinait p. 269 u. d. W.). Es beginnt: 

2(aico9T8iXapiov «vaaTaaifiov tI JcpuTov. Tol( (Mcdrjraic ouveXO^jov ht 

opct FaXtXaCa« 

Auf derselben Seite: £ua(y')rAiov) icu^ivliv npcoTov. ix xou xaT& 
MttT^alov. Tc{> xa^pc^ ^«{v^i iicopfu^aav ol cvScxa (AadTjraf etc 
Auf dem vorletzten Blatte: 

*£(aicoaT8iXapiov lä. 
Mfft& T^v ^lav ifyipmv. Tp^( xc^ D^pcj) etc 
Auf der Rückseite desselben Blattes: 
Euaff e'Xiov ico^iv^v fä. *Ex tou xata *I(i>(avvi]v). 
Tc^ xaipo) lx{v(o l^av^afv iauTov 6 *I(yiaou)( Tc$t( {ia^T]Tflft{ auxou usw. 
Schluß des Ganzen: ou8k auTcv o?(jLai tov xoojiov yiy^QOii -zk fpaf^jov« 
pipXia (Ev. Joh. 21, 25). — Rot: Tölo«. 

478 '/ aXT^Qiov. Pergamenths. des XII. Jahrh. 65 Bl., 20X15 cm ; die Hs., 

deren Blätter nicht numeriert sind, ist ca. 2 cm dick. Die Seite 

hat 32 Zeilen. Die Buchstaben hängen vor den vertieften resp. 

erhöhten Linien herab. 1150.— 

Der Einband ist besdiädigt, manche Lagen sind lose; auch der vordere 

Holzdeckel mit gepreßtem sdiwarzem Leder überzogen, ist abgerissen. 

Zwei Schließen sind entfernt Bezeichnung der Quatemionen fehlt. 

Karl W« Hiefsemaan in Ldpzlgt Könlgsstrassc 3« Katalog 330. 



Nachtrag. 221 

Neben der sdiwarzen Tinte ist auch rote Farbe angewendet für die 
Oberschriften, Initialen und die Zahlen am Rande. 

Die erste Oberschrift (rot) unten auf der ersten Seite lautet: 
VaXxiQpiov TepTcvlv t\% 0-(«c)v. (aAo(. A 

Schwarz: Maxapio^ avf p o( oCx ^Tcopeu^ h ßouXf aotfßcov (Ps. 1, 1). 

Hinter dem Psalm öc eine Seite leer, hinter pjlß: 3^/« Seiten leer, hinter 
pv P/, Seiten leer. 

Dann folgt ohne Randzahl der Psalm Mixp^« tjiaijv h t<^( aScX^otc (u>u 
if üli3v 'lapoiiX. Vgl. cod. Sinait 28—31 etc; darauf IVt Seiten leer. 

Den Beschluß bilden, wie meistens bei den griechischen Psalterien, 
größten Teils alttestamentliche Hymnen: 

Exodus 15, 2. (ü$f Mci)ua^ci)( £v tt I^oSo). 
Deuterom. 32, 2. „ „ „ xc^ SeuTepovo(A{a> 

1 Reg. 2, 1. 7cpo98uy^7) "Avvij? (AYitpoc £a(Aour|X. 
Habac 3, 1. cx$8r) *A{xßaxoi*x xou Tcpo^niTou. 
Esai. 26, 1. „ 'H9a(ou „ „ 

Jon. 2, 3. Tcpo^süx.^ 'IwvS „ „ 

LXX ed. Tischend. 2, p. 488. „ xeTv xptcov 7ca{8cüv. 

„ „ „ 2, p. 489 V. 34. S|ivo? „ „ „ 

Ev. Luc 1, 47. cü$^ ftT^^C d'(8oxc)xou cv xcu axouaai 

xoC diyyAou. „ ^ 

ohne Zahl: 
Ev. Luc 1, 68 — 79. npoaeu)(^7) xou 7cpofi]xou Za)(^ap£ou. 

Ober die Provenienz der Hs. vom Sinai beriditet ein beigelegter 
Zettel, dem zu mistrauen wir keinen Orund haben: 

Tb ^%kxi\<^\f3N xouxo IxofJLta^ Ix xou opou^ Ziva eU *A^jva( uno xoC ''Apaßoc 
(j.ova)(ou Xa(Ao\x ZxavSkp (= *Af a^ou *AXe(av$pou), cuc sTtuv o TccuXr.aac auxo( 2(jlo\ 

•n:6i:a€p>Ji« iv 'a^jvö«« xf 1/13 'AäpiXwu 1897. 

Mit den im Katalog des Sinai (Oxford 1886) aufgezahlten Psalterien 
No. 21—147 läßt sich unsere Hs. nicht identifizieren. 



V8l 


5 


n 


P 


» 


7 


11 


1 


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f 


M 


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C 


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'J 



•> 



488 TtfT^a«t;a)7ii#oy. Pergamenths. des XIII.— XIV. Jahrh. 234 Bl 
IOVjXQ cm; Dicke 3Vt— 4 cm. 1100.— 

Der moderne braune Lederband hat auf den Rücken in Golddruck 
den Titel: 

Tl $ia xcaaspcov euafye'Xtov. 

Das Pergament ist an der Langseite des Außenrandes ziemlich miirbe, 
und blättert stellenweise ab, wie Papier. 

Vorausgeschickt wird eine Lage Pergament von junger Hand in roter 
und schwarzer Schrift Die rote Tinte ist sehr verblaßt, die schwarze 
hat das Pergament stark zerfressen; an anderen Stellen (gleich im An- 
fang) ist sie vollständig abgesprungen aber man sieht die Buchstaben 
noch weiß auf weiß vertieft im Pergament (Transskription liegt bei). 

Dann folgen ebenfalls von junger Hand von romanischen Doppel- 
bögen eingeschlossen die Eusebianischen Canones s. Tischendorf-Ore- 
gory, N. T. prolL p. 145, Herzog-Hauck, Realencydop. 1898, 5, S. 612. 

Karl W« Hiersemann in Ldp^igr Königsstraise 3. Katalog 330. 



222 Nachtrag. 

Dann erst beginnt die eigentliche Hs. von einer Hand sdiwarz und 
rot geschrieben mit einem rot gesdiriebenen Register der Lesestücke 
aus den Evangelium Matthaei (ohne Anfang) mitten auf der Seite be- 
ginnend: 

„ „ IxoTovrixpow f 

Darauf wieder mehrere Blätter leer oder von modemer Hand be- 
schrieben. 

Oberschrift und Anfang des Matthaeus-Evangelium sdieint zu fehlen; 
nach 6 Blättern: moderne Bleistiftnotiz am Rand: «xf^. 7' 

Mi^ xpivexs tva ^ xpi^Tt. (Ev. Matth. 7, 1.) 
bis zum Schluß 

fcof T^( ouvTsXsfac TOU alcüvof. apjv. 

Dann folgen mit ganz verblaßten Ornamenten Evang. Marcus, Lucas 
und Johannes mit roten Zahlen am Rande, die denen des Registers 
entsprechen. Schluß des Ganzen: ouBk auTov oT^iai tov xoajxov x<*><ni<'>i "^^ 
Ypa96(icva ßißXfa. ajjnjv. (Evang. Joh. 21, 25.) 

Auf der ersten Seite liest man von einer Hand des XVI. Jahrh.: 
TsTpatuaffiXiov. 
To Tcaplv ßißXiov unap/ct Nso^utou Ispo(i.ovaxou ex IVIapou^ AhcoXCa^ ix ;:<'Xem( 

CT 

Nau (?) xa\ apx^i(i.avSpiTou : 

In verschnörkelter Schrift, ähnlich einem Monocondylion : 

7C67 

Nso^uTO^ /// 7Cv(«u(i.aTi)xb{ xa\ ap^iJ^avSpiiijc Nau '(?). 



Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330*